Nr. 291
Drittes Blatt
154. Jahrgang
Samstag 10. Dezember 1904
Giehener Anzeiger
Erscheint tlgllch mit Ausnahme de- Sonntags.
Die „Gießener Zamtlienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »Helstjche Landwirt" erichetni monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl/ich« UnwerKtätsdruckeret. R. Lange, Gießen,
Redaktion. Expedition u. Druckerei: Schukstr.7.
Tel. Nr. 61. Tetegr.-Adr. - Anzeiger Gießen.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Politische Tagesschau.
Karikaturen.
Der Londoner „Punch" brachte kürzlich unter der Ueber- fchrift Kindred Spirits of the „Strenuous Life" Zerrbilder Kaiser Wilhelms und des Präsidenten Roosevelt. Bald darauf las man in einer englischen Zeitung, es sei in Berlin die Polizei gegen den „Punch" in Bewegung gesetzt worden. Dieser Behauptung muß, wie aus Berlin geschrieben wird, widersprochen werden. Die Behörden haben der Sache keine Bedeutung beigelegt, und der Verkauf der betreffenden Nummer des „Punch" ist unbehelligt geblieben. Auch die Annahme, man habe sich höheren und höchsten Orts über das Bildchen geärgert, kann nur von jemandem ausgehen, der schlecht unterrichtet ist. Kaiser Wilhelm liest den „Punch" regelmäßig, hat aber niemals an seiner Satire Aergernis genommen und über die neueste Leistung, wie über manche früheren, nur gelacht. Das letzte Einschreiten der Berliner Polizei gegen den „Punch" liegt mehr als zwanzig Jahre zurück.
In anderen Ländern ist man empfindlicher gegen Karri- katuren. Der Sammelsport, der aus deutschen Witzblättern sich Hefte mit Zerrbildern fremder Souveräne anlegt, treibt noch immer seine Blüten. Solche Hefte lassen sich au, kaiserliche, königliche und ministerielle Schreibtische praktizieren, in einem fürstlichen oder amtlichen Lesezimmer wie zufällig vergessen! Der politischen Verhetzung wird dann noch durch die Insinuation nachgeholfen, deutsche Regierungstreise seien für diese Preßerzeugnisse wenn nicht unmittelbar, doch mittelbar verantwortlich, denn sie könnten derartiges, wenn sie nur wollten, verhindern. Das ist bekanntlich, eine grobe Unwahrheit; es gibt kein anderes Mittel, die Schärfen unserer Witzpresse gegen ausländische Monarchen und Regiermrgen zu mildern, als einen freiwilligen Verzicht der betreffenden Zeichner und Schriftsteller aus die letzten Pointen. Daß angesichts der vergiftenden Ausbeutung der deutschen Satire gegen die deutsche Politik ein solcher Verzicht sehr erwünscht wäre, bedarf für einen aufmerksamen Beobachter der uns feindlichen Treibereien im Auslande keiner weiteren Darlegung.
Bayerischer Bauernbund und Zentrum.
Auf der in Würzburg abgehalteuen Generalver- /anrmlung des bayerischen Bauernbundes,, der auch die der konservativen Partei angehörenden Reichs- tagsabgg. Nißler und Hufnagel beiwohnten, herrschte eine sehr kriegerische Stimmüng gegen das Zentrum. Memminger, der zum Vorsitzenden gewählte bekannte bauerubündlerische Landtagsabgeordnete und Chefredakteur der „N. B. L. Ztg.", beschäftigte sich insbesondere! liebevoll mit dem Zentrum im bayerischen Landtage; er bedauerte die Nachgiebigkeit der bayerischen Regierung gegenüber den. anmahlichen Forderungen oes Zentrums uni) forderte unter dem donnernoen Beifall der Versammlung, nach dem Bericht seines eigenen Blattes, einen schneidigen General an der Spitze der Regierung, „der den mittelalterlichen Sau st all im bayerischen Lande endlich aus- m ist et". In wirtschaftspolitischer Beziehung gerierten sich die bayerischen Bauernbündler auf der Generalversammlung als rabiate Gegner der Handelsvertragspolitik überhaupt. Memminger erklärte, wiederum unter lebhaftem Beifall: „Die Verhandlungen mit Oesterreich sind gescheitert, Gott sei Tank — Wir brauchen Oesterreich nicht". — Danach scheinen die bayerischen Bauernbündler also den preußischen Bund der Landwirte in ihrer Gegnerschaft gegen die Handelsvertragspolitik noch übertrumpfen zu wollen.
Steuerreform in Bayern.
Gelegentlich der Beratung des städtischen Voranschlages der Stadt Ludwigshafen beklagte der Präsident der Pfälzischen Handels- und Gewerbetammer Wagner, der als Direktor der zu den Höchstbesteuerten Ludwigshafens gehörigen Pfälzischen Hypothekenbank den Beratungen beiwohnte, daß das „unglückselige bayerische Gewerbesteuer gesetz" Schuld trage an dem Stillstand der industriellen Entwickelung der Stadt. So hätten sich erst im vergangenen Jahre wieder mehrere große Industrielle, u. a. ein Walzwerk mit mehreren tausend Arbeitern rn Ludwigshafen niederlassen wollen, nachdem sie aber von den Steuerverhültnissen gehört, seren sie weg- aeblieben. Auch der soeben veröffentlichte offizielle Verwaltungsbericht des Bürgermeisteramtes Ludwigshafen für die ab gelaufene Gemeinderatswaylperrode 1900/04 klagt laut über diese rückständige Steuergesetzgebung rn Bayern, die jede Entwickelung aus wirtschaftlichem Gebiete hindere. Wie nun die „Südwestdeutsche Korrespondenz" erfahrt, soll durch den Perjonalwechsel im bayerischen Finanzministerium neues Leben in die Vorarbeiten der Steuerreform gekommen und die Vorlage eines Gesetzentwurfes rur Steuerreform beim Zus tun tuen tritt des neuen Landtages im nächsten ^patjahr zu erwarten sein, da der neue Finanzmrnrster, Herr von Psaff, sich von der schädigenden Wirkung des gegenwärtigen Ge- weroesteuergesetzes selbst überzeugt habe und auf eine Aen- derung dränge.
Die italienischen Finanzen.
Der italienische Schatzminisler Luzzattl sagt über die Fincmz- ^^^Das Rechnungsjahr 1903/04 hat einen Einnah in e-U ebersch u ß v a n 58V. Millionen Lire und nach Abzug von „Jhr Ms 12 Millionen für Bahnbauten und nahezu 13 Mill, s ü r Schuldentilgung einen kl e b e r s ch u ß v o n saft •> 4 Millionen ergeben. Obgleich die nioderne r^inanzpolllil an dem Zuge kranke, daß die zu Mindereinnahmen führenden Steuerreformen gleichzeitig nut Mehrausgaben für die Bedürftigen am Kosten der Steuerzahler durchgesuhrt werden sollen, so sei doch für das gegenwärtige und für das nächstfolgende Rechnungsjahr ein A k t'i v ü bcrfchuß von mehr als 10 Atrllronen Lire ohne A n l e i h e - A u f n a h in e zu erwarten. Der Minister teilte mit, daß Italien sich bemnhö, nut Frankreich, D e u t sch - land und der Schweiz einen S i a a t e n v e r ei n, der an der Seidenweberei intevef)icvtcn Staaten zu bilden, meß solleii aleich h o I) e Z ö l l e erheben und versuchen, von anderen Landern die A-eiticiuina aerinaerer Zölle zu erlangen. Dieser plan
habe bereits die Zustimmung der Handelsvertrags-Unterhändler der Schweiz erhalten und werde in wohlwollender Weise von Deutschland uni) Frankreich geprüft.
Ter Minister führt dann aus, daß die Metallreserven, die fast ganz aus Gold bestehen, von 958 auf 1073 Millionen gestiegen seien, daß der Papierg eldumlauf abnehme, das Geschäft s l e b e n aber st e i g e und der Kurs der Banknoten fast stets höher als jener der ausländischen sei. Durch die Auseinandersetzung mit den Bahngesellschaften erwachse dem Staat eine Zahlungspflicht von fast einer halben Milliarde, und eine ebenso hohe auf zehn Jahre verteilte Ausgabe werde für Verbesserungen des Bahnkörpers und des Materials erforderlich sein. Tie erstere Zahlung könne o h n e A n l e i h e - A u sin a h m e aus eigenen Staatsmitteln mit Hilfe der lombardischen Sparkasse, der Kasse des Depots und Konsignationen usw. sofort geleistet werden.
Was die Handels Verträge betreffe, sei es Italien trotz der größten Schwierigkeiten gelungen mit allen N a t i o n e n wirtschaftlichen Frieden zu schließen; man hoffe, dieses Werk durch einen neuen Vertrag mit Rußland zu vollenden. So sei Italien in der Welt ein Element des politischen und des wirtschaftlichen Friedens. Für die große Renten konversion solle die Zeit nach Beendigung des Krieges in Ostasien abgewartet werden, inzwischen aber weitere innere Anleihen zur Kon - Versio ii gelangen.
Ter Minister erörtert sodann die Frage der Erleichterung des Hypothekarkredits, zu deren Turchführung ein neues Institut geplant ist. Er warnte dann davor, allzu kühne Finanzreformen vor der Turchführung der Eisenbahn-Reorganisation, die nur allmählich erfolgen könne, zu unternehmen. Immer aber müsse das Ideal Heraöse tzung der Verbrauchs st euern im Auge behalten werden. Er werde deshalb die auf 5 Jahre verteilte Verminderung der gemeindlichen ^ckroiabgaben Vorschlägen. Wenn Italien so auf Wege durchführbarer Finanzreform ohne Aufnahme neuer Anleihen sortfchreite, werde es, wie früher die politische, so jetzt die finanzielle Wiedergeburt erreichen.
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Ein Landarbeiter-Streik.
Im französischen Sndwesten ist ein Streik der Landarbeiter ausgebrochen, der eine bedenkliche Gestalt annimmt. Es haben sich dort zahlreiche Syndikate gebildet, deren Hauptsitz Narbonne ist und die den Generalstreik dekretieren. Schon sind in mehreren Ortschaften Unruhen ausge- brochen, wobei Blut floß und auch die Telegraphenstangen nicht geschont wurden. Die Weinbergarbeiter, die nach der Weinlese in den Keltern und Kellern beschäftigt sind, verlangen einen Stundenlohn von 50 Een Limes bei einem Arbeitstage von mindestens 10 Stunden, und sie stellen ferner die Forderung, daß mindestens 80 Proz. der Arbeiterschaft j.mmer beschäftigt werde. Tie Weinbergbesitzer antworten darauf, sie mochten gern so hohe Löhne bezahlen, aber sie werden ihre Weine nicht mehr zu guten Preisen los. Der Hektoliter, der letztes Jahr noch mit 20 bis 25 Franken bezahlt wurde, bringe es jetzt nur selten auf 10, gewöhnlich aber auf 7 oder 8 Franken. Es handelt sich hier um die leichten Weine des Aude-Hürault- und Ost- Pyrenäen-Tepartements, nicht um die Bordeaux.
Tie sozialistische „Humauite", das Blatt des „berühmten" Duellanten I au res, muh selbst zugeben, daß die Forderungen der Syndikate unmöglich befriedigt werden können, weil die Lage der Weinbergbesitzer, einige große ausgenommen, höchst bedauerlich ist. eie hatten mit bedeutendem Kostenauswande ihre von der Phyloxera verheerten Weinberge neu gepflanzt, sich häufig verschuldet, und sehen sich in ihren Hoffnungen. aus guten Erlös bitter getäuscht. Tie Führer der Syndikate wissen das so gut wie jedermann, aber sie haben, wie die „Republique jtancaife", das Blatt des früheren Ministers (wer war in Frankreich nicht Minister!) Meline, sagt, den Streik um des Prinzips willen veranstaltet. Er soll ein Versuch der revolutionären Mobilmachung sein. Die Syndikate, deren Zahl in den drei genannten Departements gegen zweihundert betragen soll, wollen in den Dörfern Umschau halten, sich genau versichern, wo die nötigen Vorbedingungen schon existieren und wo die Gemüter no.ch bearbeitet werden müssen. Auch hat es allen Anschein, als ob. die Arbeitersyudikate die Vormundschaft der sozialistisch-radikalen Bourgeois und Politiker, die ihnen schmeichelten, abschütteln und für ihre eigene Rechnung arbeiten wollten. Darum mißbilligen die „Sozialisten im Ueberzieher", die der Regierung nahestehenden Herren, den Streik im Narbonnais, der sich sichtlich gegen die „Sozialisten mit den weißen Händen" richtet, bemerkt die „Republique", denn diese sind die Freunde der Regierung. Schon machen die Streikenden siej .Mr die Polizeftnaßregeln, die gegen die Ausschreitungen getroffen werden, verantwortlich.
Die Vorgänge, die sich in jenem Winkel Frankreichs abspielen, liefern rascher, als man erwartet hat, den Be- wei s dafür, daß die L-vzialisten des Parlaments in Revolutionstagen zuerst verdächtigt und zuerst getroffen würden.
vcrinnevres.
• Brühl (Rheinh.), 7. Dez. In einem benachbarten Dorfe kaufte ein Gelegenheitsschlächter eine kranke Kuh und schlachtete sie. Der tierärztliche Beschauer ließ die Organe vernichten und stempelte das Fleisch als minderwertig ab. Mit diesem Stempel wurde das Fleisch ohne weiteres in Brühl eingeführt, jedoch durch Zufall nachuntersucht und als hochgradig verdorben im Schlachthose vernichtet.
* Die deutsche Auswauderun g, die 1884 noch ca. 150 000 Seelen — 3,22 pCt. der ganzen Bevölkerung betrug, hat 1901 mit rund 22 000 Seelen == 0,39 pCt. der Bevölkerung ihren Tiefpunkt erreicht. Seither ist sie wieder etwas größer geworden, sodaß sie 1902 wieder über 32 000, 1003: 36 310 = 0,62 pEt. betrug. Wir haben darin eine Wirkung der wirtschaftlichen Depression zu erblicken, unter der Deutschland in den letzten Jahren zu leiden hatte. Weitaus die größte Zahl dieser deutschen Auswanderer, 3/4 bis ■i/ö, benützt die deutschen Häfen, von denen im wesentlichen nur Hamburg und Bremen in Betracht kommen. Süddeutschland blieb merkwürdigerweise länger den fremden Häfen treu; für Westdeutschland liegen die holländischen und belgischen Häfen bedeutend günstiger, wozu noch vorzügliche Eijeubahn- perbmdungen und holländische Fahrpreisermäßigungen das
ihrige beitrugen. Tie Reichsstatistik zeigt auch, daß die Pfalz mit 63 pEt., Rheinland mit 53, Westfalen mit 52 pCt. das größte Kontingent, aber auch Baden mit 35,6 pCt., Württemberg mit 30 und Hessen mit 22 pEt. noch bedeutende Mengen zu der niederländischen Ausschiffung stellen.
* Die Anziehungskraft, welche junge, weibliche Kriminalgefangene auf gewisse Typen des männlichen Geschlechtes auszuüben vermögen, wird durch Heiratsanträge illustriert, die „Ran" Patterson, die „Heldin" des jüngsten New-Porter Sensationsprozesses, täglich erhält. „Ran" Patterson ist eine junge Choristin, die gegenwärtig in den Tombs schmachtet, weil sie, wie bereits gemeldet, beschuldigt wird, ihren Geliebten, den Buchmacher Poung, m einer Droschke erschossen zu haben. Unter den Liebesbriefen, die „Nan" erhielt, verdienen zwei besonders hervor- gehoben zu werden. Der eine stammt von einem Farmer in Indiana, der zwei Farmen schildert, die angeblich sein Eigentum sind, und dann das Bekenntnis ablegt, er habe immer für Schauspielerinnen geschwärmt. Als er das Bild der Angeklagten in einer Wochenschrift erblickte, habe er sich sofort m „Nan" verliebt, und da er der festen Ansicht sei, daß die „Künstlerin" fälschlich des Mordes bezichtigt werde, biete er ihr Herz und Hand an. Ein Landwirt aus Iowa, der sich Thompson nennt, bekundet seine Gefühlsduselei ebenfalls durch einen Heiratsantrag. Er ist, wie er schreibt, Besitzer einer großen Farm, die m den beiden verflossenen Jahren einen großen Ertrag geliefert habe; er könne deshalb „Nan" em anständiges Heim bieten und sei fest überzeugt, daß sie sich glücklich fühlen würde. „Ich habe Ihre Photographie gesehen", schreibt er, „und finde, daß Sie hübsch und stark sind und eine gute Frau abgeben würden. Handarbeit brauchen Sie bei mir nicht zu verrichten. Vergnügungen gibt es hier allerdings wenig, aber Sie werden genug Geld zum Ausgeben haben. Wahrscheinlich wollen Sie aber den Rest Ihres Lebens in Ruhe verbringen, um die Vergangenheit zu vergessen, und da würde denn mein Haus am geeignetsten für Sie sein. Glauben Sie nicht, daß ich ein „Erank" bin. Was ich sage, meine ich aufrichtig: ich bin in Sie verliebt und wünsche, Sie zu heiraten. Einer baldigen Antwort ent» gegenjehend, verbleibe ich Ihr ....." Außerdem erhielt „9tan" von mehreren Herren vierteilige Klee-i blätter, von denen eines sogar in Gold gefaßt war. Man ersieht daraus, wie leicht man in Amerika eine Berühmtheit werden kann!
* Ein „stilvoller Aufsatz" über die „Prowinz Bromberg" wird der in Bromberg erscheinenden ,>Ostd. Presse" als das „geistige Eigentum" einer Schülerin aus einer Ansiedelungsschule in der Jnowrazlawer Gegend zur Verfügung gestellt. Er lautet: Tie Browinz Bromber gränz an Norden an die Provinz Posen. Ganz Bronrberg bildet eine Prowinz. Oben Norden Unten Süden Rechts- Osten links Westen. Der Brombergerkanal gränz an die Prowinz Posen. Bei dem Bromegerkanal befindet sich eip Berg. Der erste Fluß heißt die Netzel, der zweite Fluß die ^Nackel. Ter Kanal nich Berg aus und Berg abe fließen tan, machen wir Schleusenkasten. Erst.machen wir Wen das Schiff in Kanal fahren soll, machen wir das Tor auf und wenn das Schiff drein ist machen wir das Tor wieder zu bis das Waser in Kanal und im Schleusenkasten jegal ist."
Lanvwirtschaft.
Lohnbeschäftigung von Kindern im Haus halck sowie in d er L an d w irts cha ft. Auf Aiwrdnung des Unterrichtsministers finden gegenwärtig in Preußen eingehende Erhebungen über die Lohubeschäftigung von Kindern im Haushalte loroie in der Landwirtschaft und deren Nebenerwerben in allen Volksschulen statt. Tie Erhebungen erstrecken sich auf die Zeit, vom 15. Nov. 1903 bis zum 14. Nov. d. I., wobei der 15. Nov. 1904 als Aufnahmetag gilt. Festzustellen sind die Gesamtzahl der Schüler unter 10 Jahren, von 10 bis 12 Jahren und über 12 Jahre; dann nach diesen drei Kategorien die mit häuslichen Tienstvorrichtungen sowie mit land- uird forstwirt- schasttichen Arbeiten beschäftigten. Bei letzteren sind außerdem ein und dieselben Schüler in den verschiedenen Zweigen, wie Viehhüten, Jüten, Heutrocknen, Rübenziehen usw., jedesmal besonders zu zählen. Ferner ist festzustellen, ob sich die Dauer der Beschäftigung auf vier Wochen und weniger, mehr als vier bis 13 Wochen, mehr als 13 bis 26 Wochen und mehr als 26 Wochen, sowie innerhalb dieser Zeiträume bis 3 Tage oder über 3 Tage ivöchenttich und hier wieder bis 3 Stunden oder über 3 Stunden täglich erstreckt. Außerdem soll ermütelt werden, wie viele von den Kindern außerhalb der Ferienzeit mehr als 6 Stunden täglich beschäftigt waren, an wieviel Tagen durchschnittlich in der Woche, in wieviel Wochen durchschnittlich und mit welchen Arbeiten vorzugsweise. Zu den landwirtschaftlichen Arbeiten sind auch Garten-, Obst-, Wein-, Hopfenbau und dergleichen gerechnet.
— Eine bemerkenswerte Erklärung gab der Direktor Schulz- Soest int Landwirtschaftlichen Hauptverein für den Regierungsbezirk Münster ab. Er berichtete, nach dem „Wests. Merk.", über seine amerikanische Studienreise bei Gelegenheit der Weltausstellung in St. Louis und kam zu dem Schluß, daß ihn die Beobachtungen in der Erkeimtnis bestärkten, daß trotz der schwierigen Lage unsere heimische L a n d w i r ts ch a ft auf weit sicherer und soliderer Grundlage beruhe, als die amerikanische in den fünf Staaten, die er bereiste.
Ucbcrzeugen Sie sich, daß in meinem kunstgewerbl. Institute Ihnen mindestens das Gleiche in Möbeln, Betten, Innendekorationen re. re. geboten wird, als in auswärtigen, von Nichtfachleuten und mit Riesenspesen betriebenen sogen. Möbel-Fabriken. Ohne Kausverbindlichkeit ist Besichtigung meiner Fabrikations- u. Lagerräume gern gestattet. Geschäftsgründung 1858. Th. Brück, Möbelfabrikant, Gießen, Ecke Schloßgasse-Kanzleiberg-Brandplatz. — 10 Schaufenster. '— Telephon 373. C17/e
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ausdrücklich die Originalmarke I „B>r. iioiumeFstk llaematogeu und lasse 1 sich Nachahmungen nicht autreden.


