Ausgabe 
10.6.1904 Zweites Blatt
 
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oeiieiiiuocni* oeronnrnct) einen vurcyfcylagenden (Srfolfi zu verzeichnen. Kleine Mängel der Dekorationen, die sich infolge besonderer, nicht im Willen der Direktion liegenden Umstände ergaben, werden noch beseitigt, auch ist der Chor noch verstärkt worden. ES ist zu erwarten, daß die jetzt zirkulierende Abonnementsliste eine Garantie für die Durch­führung des geplanten Unternehmens bietet. Die Kosten der Gastspiele sind derartige, daß nur bei genügender Beteiligung die Möglichkeit besteht. 9(üe Interessenten werden daher gut tun, sich sofort in die Liste einzuzeichnen, damit baldmöglichst eine Uebersicht gewonnen werden kann. Als zweite Vor­stellung, resp. als erste Abonnementsvorstellung geht Zigeunerbaron" in Szene. In dieser beliebten Operette stehen dieselben fträftc im Vordergrund, die auch neulich im Bettelstudent" so erfolgreich waren, nämlich die Damen Herms, Pelery, Wingert und die Herren Rode, Arndt, | Dodl u. A. m.

** Seltenes Jagdglück. Am Donnerstag vormittag schoß der Unternehmer Albert Rübsamen auf seinem Jagd­gebiet bei Kirchvers ein Wildschwein.

b. Wettsaasen, 9. Juni. Bei der in dieser Woche hier stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde der seit­herige Bürgermeister Langohr einstimmig wiedergewählt. Dieses günstige Wahlresultat zeigt, daß der Bürgermeister das Vertrauen und die Wertschätzung der ganzen Gemeinde genießt. Sowohl seine Wähler als auch seine sonstigen Be­kannten werden ihn zu diesem Wahlerfolg beglückwünschen.

§ Allendorf a. d. Lahn, 7. Juni. Eine anscheinend geistesgestörte Frau bedroht hier seit einiger Zeit Kinder und Erwachsene mit Totstechen. Die Umgegend wird auch unruhig barüber, da die Person besonders den Kindern nach­stellt und sich auch in die Nachbarorte begibt.

G. Büdingen, 9. Juni. Mit den Arbeiten der Kanalisation eines Teils unserer Stadt wird nun in Bälde begonnen werden. Die Arbeiten sind zur Zeit aus­geschrieben, und die Frist läuft am 18. d. M. ab. Eine be­sondere Freude werden die Bewohner der Altstadt über die endliche Beseitigung der aller Beschreibung spottenden hygienischen Zustände dieses Stadtteils empfinden. Die Kosten belaufen sich auf über 100000 Mk.

Darmsta dt, 8. Juni. Der russischen Gesandt­schaft wurden von Herrn Kurdirektor v. Grolman in Bad- Nauheim 2 6 00 Mk. als Ertrag eines Wohltätigkeitsfestes in Bad-Nauheim zum Besten des rusiischen roten Kreuzes übersandt.

Aum Aommernöank-Arvischenfall.

Aus Berlin, 9. Juni, wird uns geschrieben:

Der neue Zwischenfall int Ponnnernbunkprozeß hat einer Empfindung Recht gegeben, die die Oeffentlichkeit seit langem beherrschte: der Empfindung, daß noch gar manches aufklärungsbedürftig sei. Wie ist die Pommern­bank zu dem Titel einer Hofbank zu einer Zeit ge­langt, als ihr Ruf an der Börse nicht mehr ,erstklassig" genannt werden konnte, als das Gemunkel und die Vor­sicht sich zu regen begannen? Im ersten Prozeß blieb man trotz der ungewöhnlichen Ausdehnung der Verhand­lungen hierauf ohne Antwort, und der Verlauf der Dinge würde vielleicht auch diesmal ähnlich gewesen sein, wenn nicht der gegenwärtige Leiter der reorganisierten Bank, Geheimrat Budde, entschlossen den Schleier von den eigen­artigen Wohltatigkeitsstiftungen gezogen hätte, als deren Mittelsmann Oberhofmeister Frhr. v. Mirbach aufgetreten ist. Das Aufsehen, das diese_ Enthüllung er­regte, galt vielleicht nicht einmal der großen Summe, um die es sich hierbei handelte, eine halbe Million auf das Wohltätigkeitskonto Frhr. v. Mirbach; die Erklärung des Zeugen Budde, die den Behauptungen geschädigter P;and- briefbesitzer beipflichtete, daß das Geld der Pommernbank verschleudert worden sei, um den Angeklagten Titel und Ehren zu erwerben diese Erklärung hat am meisten peinlich gewirkt. Denn notwendig mußte sich die Frage daran knüpfen: Bedarf es der Hergabe von Geld zu welchen Zwecken immer, um in den Besitz von Titel und Ehren zu gelangen? Soll nicht das Verdienst um das öffentliche Wohl der einzige Anlaß von Auszeichnungen und deren einziger Maßstab sein? Also, folgert das Publi­kum, wären nicht 500 000 Mk. und darüber von den ver­

krachten Hypothekenbanken Frhrn. v. Mirbach zur Verfüg­ung gestellt worden, darin hätte die Pomrnernbank den Titel einer Hofbank nicht errungen, und viele, die sich durch diesen weidlich zur Empfehlung ausgenützten Titel blenden und zum Vertrauen auf die Sicherheit der Pfand­briefe bewegen ließen, wären im Besitz ihres Kapitals ge­blieben. Geheimrat Budde selbst wiro solchem Schluß eine gewisse Berechtigung zuerkannt haben, als er vor Jahr und Tag Schritte tat, um das der Wohltätigkeit auf Kosten der Pfandbriefbesitzer geopferte Geld vom Frhrn. v. Mirbach zurückzuerlangen. Der Berliner Presseklub hat seinerseits unverzüglich die moralische Verpflichtung anerkannt, das ihm auf ähnliche Weise gespendete unkündbare Darlehen von 25 000 Mk. zurückzuerstatten. Ganz die gleiche mora­lische Verpflichtung liegt auch in diesem Falle vor. Frhr. v. Mirbach kann natürlich nicht nrit seinem Vermögen ein­stehen, für Summen, die er nicht für sich, sondern für Wohltätigkeitszwecke darunter dürften hauptsächlich Kirchenbauten zu verstehen sein - gesammelt hat. Aber Frhr. v. Mirbach wird nicht umhin können, mit den Empfängern jener Beträge Rats zu pflegen, damit ander­weitige Sammlungen veranstaltet werden, um dasver­schleuderte Geld der Pfandbriefbesitzer" den Geschädigten wieder zuzustellen. Es wird doch wohl noch soviel opfer­willige, uneigennützig für gute Werke begeisterte Persön­lichkeiten geben, um die Erfüllung dieser berechtigten For­derung zur Durchführung zu bringen? Das Gebot der moralischen Verpflichtung steht noch über den Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Es ist ein bedauerlicher Fehler gemacht worden, daß so erhebliche Summen geschenk­weiseakzeptiert wurden von Männern, die sich keines zweifel­freien Renommees in der Geschäftswelt erfreuten, es war ein noch bedauerlicherer Fehler, daß die Aufsichtsbehörde nichts vernommen hatte von den ungünstigen Gerüchten über die Pommetmbank und der Verleihung des Hofbank- Titels nicht widerriet. Wer der schlimmste Fehler würde sein, wollte man mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch sich dabei beruhigen, daß ein einklagbarer Anspruch der Geschädigten nicht besteht.

Wir glaubten heute in derRordd. Allg. Ztg." eine offiziöse Stellungnahme zu der Angelegenheit zu finden. Das ist jedoch nicht der Fall. Ebensowenig hat die heutige Verhandlung im Pommernbankprozeß eine weitere Klärung gebracht. Vielmehr ist durch die Behauptung der Angeklag­ten, daß Frhr. v. Mirbach von einem Check über 350 000 Mk. nur 250000 M k. abgehoben habe, und daß die Ange­klagten über die Verwendung des RestesDiskretion" beobachten wollen, die Sache nur noch mysteriöser geworden. Das Nächstliegende war, daß Frhr. v. Mirbach selbst als Zeuge oder durch eine öffentliche Mitteilung zu den Be­kundungen des Geheimrats Budde sich äußerte. Das Ge­richt hat indefien die Vorladung des Frhrn. v. Mirbach nicht für erforderlich erachtet.Für uns ist der Punkt erledigt", bemerkt der Vorsitzende in der heutigen Sitzung. Für die Verteidigung ebenfalls", schloß sich Justizrat Dr. Sello an. Für die Oeffentlichkeit, zumal für die geschä­digten Pfandfriefbesitzer, wird gleichwohl der Punkt nicht erledigt sein. Denn den tatsächlichen Bekundungen, ja Fest­stellungen des Geheimrats Budde: daß die Zahlungen zu wohltätigen Zwecken zum größten Teil an Se. Exzellenz den Frhrn. v. Mirbach gelangt sind, steht die Ableugnung der Angeklagten gegenüber. Und das ist kein Beweis. Ge­heimrat Budde gab dieser Auffassung seinerseits heute da­durch Ausdruck, daß er erklärte, nicht entscheiden zu können, ob und wie die Sache sich verhält. In der Tat vermag nur Frhr. v. Mirbach das Dunkel zu lichten, der, wie sein Anwalt erklärte, persönlich weder von den Angeklag­ten, noch von den ihnen nahestehenden Banken einen Pfennig erhalten hat. Budde erklärte, es sei ihm über­haupt nicht eingefallen, irgend eine Andeutung im Sinne des letzten Satzes der Verwahrung der Angeklagten zu machen. Er könne nicht sagen, ob der Angeklagte Schultz getäuscht habe: v. Mirbach würde das Geld aber nicht an­genommen haben, wenn er gewußt hätte, wie die Ver­mögenslage der Angeklagten und die Lage der Bank in Wirklichkeit war. Der Angeklagte beziffert sein damaliges Vermögen auf IVi Million Mark.

vermischte».

* B erli n, 9. Juni. Hier ist der bekannte amerikanische Phrophet Dowie, genannt Elias II., eingetroffen. Er hat in dem Bristol-Hotel in denselben Räumen Wohnung genommen, die vor kurzem der amerikanische Milliardär Vanderbitt bewohnt hatte. Gestern abend hielt er bereits seine erste sehr stark besuchte

Versammlung ab. In der Rede, die er in dieser Versammlung hielt, erklärte Dowie, die Krankheit komme durch den Satan in die Welt vermittelst Alkohols, Tabaks, Schweine- s l e i s ch s und 91 n ft e r n. Der Genuß von Schweinefleisch erzeuge Skropbcln, Krebs, Trichinofis, Cholera, Tuberkulose und Tod. Das Schwtzin sei giftiger als die Klapperschlange; in Amerika sei es der beste Vertilger der Schlangen, werde dick und fett dabei, werde in Chikago geschlachtet, und seine Schinken wanderten nach Deutschland. Wer von den 9lnwesenden jetzt noch Schweinefleisch esse, dem sei Gott gnädig

* Grenoble, 9. Juni. Zwei an der hiesigen Univerfltät inskribierte Deutsche, der 32jährige Assessor Hopp e-E r b e n (?) aus Dresden und der 18jährige Student Kraemer unternahmen Sonntag eine führerlose BesteigungdesChame- rousse und wurden seither vermißt. Eine Abtetlung Alpen­jäger unter Führung des Oberstleutnants Blazer sowie mehrere Gemsjäger unternahmen eine Nettungservedition, Hoppe wurde gestern an einem Abhang des Romanchcl crges mit gebrochenem Fuß und vollständig e r s ch ö p f t K r a e m e r an einer Felswand bei Livet t o t aufgefunden. Hoppe wurde ins Krankenhaus gu Grenoble gebracht.

Sport.

a. Gießen, 9. Juni. Fußballspiel. Gießener F.-K. 1900 gegen Bockcnheimcr F.-K. Amicitia 2:2. Am Sonntag spielten diese beiden Klubs auf dem Trieb gegeneinander. An­fangs drängte Amicitia, da sie mit dem Wind spielte; es gelang ihr infolgedessen, in der 1. Svielhäftc 2 Tore zu erringen, denen Gießen durch seinen Mittelstürmer nur 1 entgegensetzen konnte. Leider zeigten die Gäste ein wenig sportliches Verhalten, indem sie die Entscheidung des Unparteiischen nicht anerkennen wollten und das Tor für nicht regelrecht erklärten. Nach der Pause zeigten sich die Gießener überlegen, sodaß sie das Spiel 15 Minuten im Felde des Gegners zu halten vermochten. Ein Erfolg blieb nicht aus; durch einen hübschen Schuß gelang cs dem halben linken Stürmer, für seinen Klub auszugleichen. 20 Minuten vor Schluß hielt ein Stürmer Amieitias vor dem Tore Gießens mit der Hand den Ball und schoß ein. Der Schiedsrichter ordnete demgemäß Freistoß für Gießen an. Aber wiederum konnten sich die Gäste dem Spruch des Schiedsrichters nicht fügen u.nd brachen, da ihrer Forderung nicht entsmochen wurde, trotz Abmahnung ihres eigenen Kapitäns, das Spiel ab. Dieses Spiel, das wahrscheinlich mit einem Siege Gießens ge­schlossen hätte, endete so leider mit einem Mißklang. Was die Leistungen anbetrifft, so waren sie beiderseits ungefähr gleich; Bockenheirn hatte den besseren Sturm, Gießen die bessere Deckung. Der Ersatztorwächter Gießens führte sich sehr gut ein. Der Schieds­richter entledigte sich seines 9lmtes auf einwandfreie Weise.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Oberursel, 9. Juni. Tie Verwaltung der Motoren­fabrik Oberursel A.-G. schlägt für 1903 die Verteilung einer Dividende von 5 Proz. (i. V. 6 Proz.) vor. Von der Direktion wurde berichtet, daß das Werk voll beschäftigt fei, daß die Werte der vorliegenden Aufträge solche der gleichen Periode des Vorjahres beträchtlich Übersteigen.

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