Ausgabe 
10.6.1904 Zweites Blatt
 
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Are 18. Ausstellung Oer

Deutschen LanduurtschuMcheu Gesellschaft.

Danzig, 9. Juni.

Zum zweitenmale seit ihrem Bestehen hat die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft die Zelte und hallen ihrer großartigen Wanderausstellung, mit der sie in geregelter Folge die Gaue des Reiches durchzieht, hier imnordi­schen Venedig" eröffnet.

In Gegenwart der Spitzen der Zivil- und Militärbehör­den sowie eures großen Publikums wurde heute die 18. Ausstellung durch den Prinzen Friedrich Heinrich von Preußen eröffnet. Bei der Eröffnung hielt der Prinz sorgende Ansprache:

Meine .Herren! Vor wenigen Wochen konnte die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft sich des Tages erinnern, an dem' vor zwei Jahrzehnten eine kleine Zahl weitsichtiger Männer unter Führung des verdienten Geheimrats von Ehth, deu ich am heutigen Tage besonders begrüßen möchte, sich entschloß, eine ganz Teutsck)- lano umsasscnde landwirls^asttiche Vereinigung zu gründen. Unter den Mitteln, welche man damals ins Auge faßte, um für die Landwirtschaft, unser aller Nährmutter, alle

hoch, hoch, hoch! . . L

Dann widmete der Minister v. Podbielskr der Land­wirtschaft herzliche Worte und wünschte ihr nach langer, schwerer Zeit baldige, dauernde Besserung.

Reichskanzler Graf Bülow hat in die Landwirtschasts- gesellschaft ein Schreiben gerichtet von folgendem Wort­laut:

Dem Vorstand beehre ich mich für die freundliche Ein» l a d u n g zur diesjährigen Wanderausstellung der Deutschen Land­wirtschaftsgesellschaft in Danzig meinen verbindlichsten Tank aus­zusprechen. Ich hatte bisher immer gehofft, der Einladung folgen zu können, und daher mit der Antwort bis zum letzten Augen­blick gezögert. Leider ist es mir aber, nachdem Reichstag und Abgeordnetenhaus wieder zusammengctreten sind, wegen Heber- lastung mit Geschäften nicht möglich, die für die Fahrt nach Danzig erforderliche Zeit zu erübrigen. Ich bedauere lebhaft, mein aufrichtiges Interesse für die Deutsche Lairöwirtichafls- gesellschaft und ihre diesjährige Wanderausstellung nicht durch einen persönlichen Besuch, sondern nur durch Ueberscndung meiner besonderen Wünsche auf diesem Wege betätigen zu können, und bitte, mein Ausbleiben unter den obwaltenden Umständen ent­schuldigen zu wollen. von Bülow.

Auf dieses Schreiben antwortete der Vorstand der Gesellschaft mit folgendem Telegramm:

Euer Excellenz Bedauern, am Besuch der Wanderausstellung in Danzig behindert zu sein, wird von uns aufrichtig geteilt. Wir fühlen uns gehoben durch die überaus wohlwollenden Worte, welche Euere Exeellcnz für unsere Bestrebungen zum Ausdruck bringen, und erlauben uns, dafür hiermit unseren ergebenen Tank auszusprechen. . , .

Die äußerst reich beschickte Abteilung der Mafchrnen und Geräte gibt nicht nur eine erschöpfende Zusammen- stellung alles dessen, was der Wirtschaflsbetrieb zur Er­zielung tadelloser Erzeugnisse und zu möglichster Erspar­nis von menschlicher Arbeitskraft erfordert vom ge­waltigen Dampfpsluge an bis zum Nasenringe, der den ungebärdigen Bullen bändigt sondern auch eine Reihe höchst interessanter Neuheiten, die von dem unermüdlichen Eifer der Erfinder und von dem unaufhaltsamen Fort­schreiten des Gewerbes Zeugnis ablegen. Unter diesen Neuerungen ist eine Vorrichtung zum vollständigen Trock n en der Milch, zu erwähnen; die Milch wird dabei ohne irgendwelche sonstige Veränderung ihrer Bestandteile in feste Tafeln verwandelt, die natürlich eine unbegrenzte Haltbarkeit besitzen. Auch die neuerdings namentlich in Hessen starr in den Vordergrund gerückte Kartoffel- trocknung ist vertreten, ebenso bie technische Ver­wertung des Spiritus, die dem Kartoffelbau eine noch bis vor kurzem ungeahnte Zukunft eröffnet. Na- mentlich sieht man die neueren Konstruktionen der Spi­rituslampe, die durch ihre bequeme und reinliche Handhabung, ihr prachtvolles mildes Licht und ihren völlig geruch- und gefahrlosen Betrieb sich schon ein großes Feld erobert hat, tn großer Zahl und mannigfachster Aus­stattung ausgestellt und kann man die Leuchtkraft ebenso, rote den sparsamen Leuchtstofsverbrauch bequem kontrol- lieren. Wie weit aber der Spiritus als eigentliche Kraft­quelle, also zum Maschinenbetriebe sich eingebürgert hat, zeigt ein S p irit u s p f lu g, vielleicht eine der größten Sehenswürdigkeiten der Ausstellung. Nicht minder fesselnd und lehrreich ist die Gruppe der Erzeugnisse und Hilfsmittel, wo sich die neuesten Saatgutzüchtungen, die Wirkung der künstlichen Dünger usw. in ebenso anschau­licher, wie überzeugender Weise darstellt.

Ter lebende Teil der Ausstellung, das Vieh, hat in weiten Räumen Unterkunft gefunden. Das Gewieher der edlen Hengste, das Brüllen der Rinder, das Blöken der Schafe/ das Grunzen der Schweine, das G. mecker der Ziegen meldet eine Unzahl vierfüßiger Gäste. Prächtig vertreten sind namentlich die warmblüti gen Pferde- schläge der nordöstlichen Landestcile, und die Militär- verwaltung vervollständigt den Eindruck dieser Gruppe durch eine bedeutende Zahl von Remonten, an denen sie zeigt, was vom Kavallerie-, wie vom Artilleriepferde ver­langt wird. Tie Vorführung der Kavalleriepferde unterm Reiter, der Artilleriepferde vorm Geschütz bildet einen der anziehendsten Punkte der Ausstellung. Dazu die groß­artig beschickte Gruppe der Tieflandschläge beim Rind­vieh, die ungewöhnlich zahlreiche Schafabteilung, und zu dem bereits Genannten noch eine sehenswerte Vorführung von Kaninchen, Geflügel, Bienen und Fischen. ' So bietet die Ausstellung jedem etwas und erfreut namenl- , lich das Herz des Tierfreundes.

Wege gangbar zu machen und ihr neue Wege zu weisen, rnrnv die Ausbildung des Ausstellungswesens in erster Lmce. Heute schicken wir uns an, die achtzehnte dieser allgemeinen deullchen landwirtschaftlichen Ausstellungen zu eröfsuen. Wer will ermessen, welche Fülle des Nutzens diese Ausstellungen gebracht haben. Die Hingebung, mit welcher die Landwirte ihre Schöpfungen ausstellten, der stets wachsende Andrang von Ausstellern und Besuchern sind ein Beweis für die Wertschätzung dieser Aus­stellungen. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellsthaft will die Seg- nungen des zeckgcmäßcn Fortschritts, in alle ^eile unseres Vater­landes tragen. Immerhin ist cs erst das zweite Mal innerhalb achtzehn Jahren, daß sie ihre Zelte östlich von der Weichsel ausgeschlagen hat, doch warten ihrer hier noch große Ausgaben. Hoffen wir, daß die Ausstellung in Danzig die Hoffnungen er­füllen werde, welche weite ft reife aus sie setzen. Ehe ich, meine Herren, die Wanderausstellung 190-1 als eröffnet erkläre, liabe ich mich eines Auftrages Sr. Majestät des Kaiser s und Königs zu entledigen, der sein Bedauern aussprechen läßt, datz er dies­mal verhindert ist, die Ausstellung zu besuchen, ihr aber in seiner landesväterlichen Huld reichen Erfolg wunsä.l. Lassen toie uns, meine Herren, unseren Tank für diese gnädigen Wunsch des erhabenen, geliebten Schirmherrn unserer Gesellschaft.in dem Rufe ausdrückcn: Se. Majestät, unser allergnädigster Herr, lebe

Traber.

Es sind gerade 10 Jahre verflossen, seitdem tue Wasserver­sorgung unserer Stadt in der Hauptsache durch das Queckborner Werk erfolgt. Damals erklärte Oberbürgermeister Gnauth in der Stadtverordnetenversammlung, daß die Stadt Gießen mit der Erwerbung des Queckborner Quellengebietes über soviel vorzüg­liches Quellwasser verfüge, daß man damit eine Stadt von mehr als 10U OOu Einwohnern reichlich versorgen könne. Daß dem so ist und daß unsere Verwaltung mit Queckborn einen glücklichen Griff getan hat, davon konnten sich die gestern zur Stelle gewesenen Stadtverordneten überzeugen.

Begeben wir uns nut den Versammelten ins Quellengebiet auf den tiefsten Punkt des Tales, das rings von den Höhen des Vogelsbergs umschlossen ist. Die ganze Gegend macht den Eindruck eines Kessels, an dessen tiefster Stelle, am Rande eines etwa 3040 Qm. Flächenraum haltenden beckenartigen Bodenaushubs wir stehen. Das Becken, so wollen wir es be­zeichnen, kann durch eine ganz primitiv angelegte Stauvorrichtung am Ausfluß abgeschlossen, aber auch, wenn cs gefüllt ist, durch einfache Entfernung eines gewöhnlichen Holzfchiebers bis beinahe auf den Grund entleert werden. Der Schieber war am Mittwoch entfernt, und was man dort sah, war allerdings etwas Wunder- ames. Die Tiefe des Beckens beträgt, von der Oberfläche des Wiesengrundes an gerechnet, etwa 80100 Zentimeter, und an den Setten oder Wandungen rieselten Dutzende von Wässerchen dem Boden zu, in welchem, wie man durch das etwa 1015 Zentimeter darüber stehende klare Wasser sehen konnte, noch aus trichterarligen Vertiefungen Quellen emporsprudeln. Keine zwanzig Meter davon befindet sich ein zweites Becken, welches etwa 250 bis 300 Qm. Fläche hat, in welchem in ganz der gleichen Weife das Wasser in noch größerem Maße zutage tritt Tiefes Quellen­gebiet, bisher noch nicht gefaßt, ist für die Wasserversorgung der Stadt Gießen noch nicht nutzbar gemacht, trotzdem aber auf ferne Wafferergiebigkeü kontrolliert und enlfcnbet Pro Tag (zu 24 Stunden gerechnet- 3000 Kubikmeter Wasfer in den unweü davon vorbeiziehenden Bornbach. Die Pumpstation entzieht da­gegen täglich 3300 Kubikmeter bestes und kristallllar aus einer Felsspalte kommendes Wasser einem einzigen gemauerten Brunnen­schacht. Der Kessel des Brunnens ist direkt auf den Felsen sunda- mentiert unb aufgebaut.

Oberbaurat ^a-mick, dessen Vater, Oberingenieur P. Schmick, das Projekt der Queckborner Wasserversorgung entworfen und dessen Rat unD Anregung es zu danken ist, büß die Stavt seinerzeit das etwa 20 Mometer von Gießen entfernte Quellengebiet an­kaufte, führte zur «sache selbst etwa das Folgenöe aus: Man nahm früher au, daß das Wasser, welches wir hier zute.ge treten sehen, die Niederschläge ober bie Grundwässer von oen^urn- Liegenben Bergen seien, die hier am tiefsten Punkt des Tales zusammenströmeu und fich daun hier als Quellen einen Ausfluß suchen. Dem aber ist nicht so, sondern die bei der Errichtung des Werkes Dorgenommenen Bohrungen Haven ergeben, daß man auf Felsen stößt und daß das Wasser aus Spalten, die in diesen Felsen vorhanden sind, als Quellen aus größerer Tiefe ernpor- fteigen. Bei diesen Bohrverfuchen stieß man damals bei etwa neun Meter Tiefe auf eine Felsspalte, meldje das benötigte Quantum Quellwasser so üverreichlich gab, daß man sich entschloß, dort einen gemauerten Brunnenschacht anzulegen, welcher bisher geleistet hat, was man von ihm erwartet hatte. Es ist^nun die Frage, wie fassen wir, um mehr Wasser für die Stadt Gießen zu bekommen, die hier zutage tretenden Quellen, und da wird vorgeschlagen, die Fassung nut eisernen Rohrbrunnen vor­zunehmen, wie dies von Mannheim und Aschaffenburg oder in Holland praktisch zur Wasferverforgung ausgesül-rt worden ist. Doch dort liegen Die Wasferverhältnisse ganz anders als hier. Mannheim z. B. benutzt das Grundwasser, welches vom Neckar zum Rhein hin sich bewegt; hier mögen die vorgeschlagenen Rohr- brunnen praktisch sein, wenn man aber, was zu hoffen steht, hier in Queckborn durch Bohrungen wieder auf eine Stelle des Felsens stößt, welck)e genügend Wasser gibt, dann rate er, noch einen zweiten gemauerten Brunnenschacht anzulegen, wie der schon üorljanbene, welcher fich durchaus bewährt hat. Erreiche man dies aber nicht, dann sei immer noch Zeit, zu den eisernen Quellenfassungen seine Zuflucht zu nehmen. Tie Bohrversuche müßten natürlich äußerst gewisfenl-aft vorgenommen merbeii, um gleichzeitig die geologische Beschafseni-eit des Erdinnem im Quellengebiet festzustellen. Es empfehle sich, die Bohrungen durch das Tiefbauamt ausführen zu lassen und zu diesem Zwecke eigens Bohrzeug für 6800 Mart anzuschaffen. Jedenfalls stelle sich die Sache für die Stadt, wenn sie selbst die Arbeit mache, billiger, als wenn man damit einen Unternehmer betraue.

Damit war der Zweck des Besuches von Queckborn erfüllt Man begab sich zu Wagen nach Grünberg, wo das Mlltagessen eingenommen mürbe, um von dort aus mit der Eisenbahn nach Gießen zurückzukehren.

ANS Aiaöt und Land.

Gießen, den 10. Juni 1904.

L. ü. Promotionen. Im Monat Mai wurden aie der Landesuniversität promoviert: Zum vr. tdeol. Friedrich Kalbhenn, cd. Pfarrrer in Burg-Gräsenrode, honoris causa. Zum Lic. theol. Teophil Stein- mann, Dozent der Philosophie am Scniinar der Bruoe- gemeindefzu Gnadenfeld, honoris causa. Zum D r. m e a. Fritz Bernius, approb. Arzt aus Darmstadt; Augus Koesters, approb. Arzt aus Bocholt; Peter Haussen, approb. Arzt aus Erkelenz; Georg Landsberg, appro­bierter Arzt aus Kempen; Maximilian Welngarlc , approb. Arzt aus Münster i. W.; Rudolf St rech, appro­bierter Arzt aus Eamin. Zum Dr. med. vet. < o Goßmann, Oberveterinär im Ulanenregiment Rr. * Kassel. Zum Dr. phil. Karl Vogel, cand. cam. ai Reitzenhain. .. .. .

* Das Großh. Regierungsblatt JJt 18 hält: Bekanntmachung, die Aufnahme einet prozen tg Staatsanleihe im Nennbeträge von 9 500 000 . o

Deckung außerordentlicher Bedürfnisse des Staates betten^

» Stadtthe-t-r Gießen. eilte (Saltip.cl Operette des Großh. Üurtheaters Bad-Nauheim hatte

Volitlsche Tagesschau.

Dilatorisch".

Unter dieser Spitzmarke finden wir in einem Wormser nationalliberalen Blatte (um in der dort beliebten Tonart zu reden, denn dieses Blatt verschweigt mit freundwilliger Dis- fretion unseren Namen) einen Artikel, der sich nut unseren Bemerkungen über den bekannten Beschluß des Landes­ausschusses der nationalliberalen Partei m Sachen der Wahlrechtsoorlage beschäftigt. Das Wormser^Blatt, das uns wegen unseres im weitesten Sinne liberalen Stand­punktes, der sich indes allem Parteiwesen durchaus fernhält, zu einem nationalliberalen Parteiorgan stempelt,, wittert hinter den Ausführungen in unserer Nr. 131 einennichtnational­liberalen Drahtzieher als eigentlichen Spiritus rector. Die verehrte Wormserin schließt jedoch irrtümlich von sich auf andere. Wir fechten nicht im schützenden Schatten einer überragenden Persönlichkeit, w i r haben keinen Ober­vormund oderSpiritus rector und wünschen uns auch keinen. Wenn wir davon sprachen, daß im Landes- ausschuß der nationalliberalen Partei praktische Bedenken sich geltend gemacht haben mögen, so ist es em Trugschluß der Wormserin, daß unsererseiis damit die Berechtigung solcher Bedenken zugegeben wäre. Wir wissen aber, daß sonst sehr gut liberal und national gesinnte Männer, nicht die reallionär-national-liberalen" Herren, deren Sprachrohr die sehr geehrte Worrnserin ist, einige praktische Bedenken in Bezug auf die Wahlrechtsvorlage hegen, und glaubten daraus schließen zu dürfen, daß diese Bedenken auch in der Darm­städter Sitzung von ihnen zur Sprache gebracht worden sind, so sehr sie auch im Prinzip Anhänger des direkten Wahlrechts sind. Die Emmütigkrit in jener nationalliberalen Sitzung machte uns bedenklich nur in Bezug auf das Schicksal der Vorlage, die bekanntlich auf eigenste Initiative unseres erfreulicherweise so außerordentlich vorurteilslosen Groß- Herzogs aufs neue dem Landtage zugegangen ist, und auch der Beschluß des Sonderausschusses der Kammer vom 7. dss. Mts., so begrüßenswert er ist, erhöhte nur recht minimal unsere Hoffnung auf das Zustandekommen dieses wahrhaft liberalen Gesetzentwurfs. Wie m Preußen die Herren von Manteuffel und Konsorten, so sind m Hessen andere starke Herren von nicht ganz unähnlicher, nur anmutig süddeutsch gefärbter Gesinnung von so weitreichendem Einfluß, und die augenblickliche Einigkest im Wahlrechtsausschuß scheint uns so wenig standhaft, daß wir, nach den Erfahrungen zu schließen, die man in Hessen nachgerade in der Wahlrechtsangelegenheit gemacht hat, eine dilatorische Behandlung des Entwurfes voraussehen. Ganz verfehlt aber erscheint es uns, irgend welche Hoffnungen zu bauen auf die von der Landesversamm­lung der hessischen Nationalliberalen im November v. Js. gefaßte Resolution, daß eine Abänderung der Wahlgesetze in den Partikularlandtagen im Einverständnis mit dem Zentral- oorstande der nationalliberalen Partei Deutschlands vor­genommen werden mäge. lieber allen deutschen Wipfeln herrscht hiervon absoluteste Ruhe, kein- Hahn hat in deutschen Landen danach gekräht und wer da glaubt, es würden die deutschen Berge sich darüber öffnen, dem wird die Begegnung mit dem lächerlichen Mäuslem, das da erscheinen wird, nicht erspart bleiben. Das von uns gebrauchte, von der verehr­ten Wormserin aufgegriffene, eigentlich recht unschöne un- deutsche Wortdilatorisch" trifft leider öfter, als es im Interesse des liberalen Gedankens wünschenswert ist, auf die Art dernationalliberalen" Reaktionäre zu.

Eine frühere Wormser Auslassung, die sich nach An­deutungen in dem besprochenen Artikel gleichfalls mit dem Gieß. Anz." beschäftigt zu haben scheint, ist uns leider nicht zu Gesicht gekommen.

Iartarmutansches.

Berlin, 9. Juni. Die Kommission des Reichstages ^ur Beratung der Börsengesetz-Novelle trat heute zusammen. Mit Rücksicht auf die veränderte Geschäftslage des Reichstages, welcher voraussichtlich Dienstag oder Mittwoch nächster Woche sich vertagen wird, wurde beschlossen, den Abschnitt der Novelle über das Börsen-Register jetzt nicht in Angriff zu nehmen, da seine Durchberatung bis zum Schluß der Pleuarverhandlungen nicht möglich erscheine. Es sollen deshalb die Verhand­lungen der Kommission im Herbst wieder ausgenommen werden.

Die llnterrichtskommission des Abge­ordnetenhauses begann heute mit der Beratung des Schul-Kompromiß-Antrages. Die Beratung er- stteckte sich nur auf die finanzielle Seite des Antrages. Zunächst wurde beschlossen, die Regierung zu ersuchen, das von ihr im Jahre 1899 auf genommene statistische Material über die Volksschullasten den Mttgliedern der Kommission zugängig zu machen.

Die wasserwirtschaftliche Kommt «fron des Abgeordnetenhauses setzte heute die Beratung über einen Entwurf des Gesetzes betreffenb Freihattung des lieberschwemmungs-Gebietes der Wasserläufe fort. Die §§ 8 bis 11 wurden unverändert angenommen. Damit ist dieses Gesetz in e r st e r Lesung erledigt. Die Kommission trat dann in die zweite Lesung des Ge­setzes über die Verbesserung der Vorflut in der unteren Oder, Havel und Spree ein. Auf eine Anfrage wird von der Regierung erklärt, daß eine Verlegung der Havel- mundung, welche für die Elbe überaus schädlich sein würde, definitiv aufgegeben sei. Zum § 1 wurde vom Abgeord­neten Fritsche der Antrag gestellt, die Lausitzer Neisse und den Bober aus dem Gesetz über Maßnahmen zur Be­seitigung der Hochwassergefahren in der Provinz Branden­burg und im Habelgebiet der Provinz Sachsen in dieses Gesetz zu übernehmen. Die Regierung sttmmt dem zu und die Kommission nahm den Antrag an. Nach längerer De­batte wurde bann auch: § 2 in der Fassung der Regier­ungs-Vorlage angenommene.

Das Herrenhaus wird zu seiner Schluß-Session am 22. ds. zusammentreten, um nach Erledigung der drei Meliorations-Vorlagen mit dem Llbgeordnetenhause ver­tagt zu werden. In Ausstcht für den Schlußtermin ist zu­nächst der 2. Juli genommen.

Berlin, 9. Juni. Tie Budgetkommission des Reichstages nahm bei Beratung des Servis­gesetzes eine Resolution des Zentrums mit einem Ab­änderungsantrag Singer an, die Regierungen zu ersuchen, baldmöglichst, jedenfalls mit der nächsten Revision des Servistarifs einen besonderen Gesetzentwurf über Bewillig­ung von Wohnungsgeldzusch ü j f e n vorzulegen. Die Kommission nahm einen Zentrumsantrag in der von

Singer beantragten abgeänberten Form an, wonach bet Servistarif mit Wirkung vom 1. April 1904 ab in Kraft tritt und wonach ferner bie nächste Revision des Servistorifes und der Klasseneinteilung der Orte mit Wirkung vom 1. April 1906 ab erfolgt

Keer und ILorte.

München, 9. Juni. Der frühere Einjährig-Freiwillige Eras, dessen Militärbefreiungs-Gesuche wiederholt Gegen- tanb von Debatten in der Kammer waren, ist nunmehr als untauglich zum Militärdienst aus dem Heere entlasten worden. (Eras hatte sich an den Abg. Dr. Pichler gewandt mit der Bitte, zu veranlassen, daß er eines, übrigens vorgespiegelten körperlichen Defekts wegen vom Dienste befreit werden möge. D. Red.)

Kesichtigung des städtischen Hnessengeviets Hueck- öorn durch die Stadtverordneten.

ch. Gießen, 8. Juni.

Am Mittwoch vormittag fand die Fahrt der städtischen Ver­treter nach Queckborn statt, um das städtische Wasserwerk und besonders dessen Quellengebiet einer Besichtigung zu unterziehen und darnach für die weitere Wasserversorgung unseres Gemein­wesens Vorschläge des Lberbaurats Schmick an Ort und Stelle entgegenzunehmen. t t

An der Fahrt nahmen von den Mitgliedern der Stadtver­ordnetenversammlung teil: Oberbürgermeister Mecum, Beigeord­neter Heyligenstaedt, sowie die Stadtverordneten Emmellus, Dr. Gafsky, Huhn, Keller, Kirch, Petri Schaffstädt, Schiele und Wallenfels; außerdem die Leiter unseres Tiefbauamts und des Gas- und Wasscnverks, Baumeister Braubach, Direktor Bergen und dessen Assistent Ingenieur Frahm und der Branddirektor