Nr. Ä90
Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulst*. I. Sei Nr 61 Teiegr.-Adr.; Anzeiger Gieß«.
RotanonSdruck und Verlag der BrÜhl'schea
Unwerstlälsdruckerei. R. Lange, Gieße«.
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Die „Gießener Famiiienblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der W^esfifche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Zweites Blatt. 154. Jahrgang Freitag 9. Dezember 1904
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen.
SüdwcstafnKa.
General v. Trotha
tneldet aus Windhuk: Die 4. Ersatzkompagnie ist am 2. Dez. in der Lüderitzbucht an gekommen. Sie sollte bis zum 8. Tez. in drei Staffeln nach dem Innern abrücken.
Zur Lage im Süden.
In einigen der letzten Depeschen des Generals v. Trotha wird darauf hingewiesen, daß die Bande des Bastards M o r e n g a schon auf 300 Mann angewaclffen ist. Besondere Beachtung verdient der Hinweis, daß er seine Kleinkaliber-Gewehre aus der Kapkolonie erhalten hat, von wo ihm auch die meisten Leute zu strömten und wahrscheinlich auch noch weiter zu lauf en. Tie Grenze am Orangefluß ist der wundeste Punkt; dort hat alles Gesindel die größte Bewegungsfreiheit und kann sich jeder Verfolgung leicht und fieber entziehen. Auf einen Bei st and von englischer Seite zur Unterdrückung dieser Mißstände können wir nach den Erfahrungen vom letzten Jahre nicht rechnen. Dabei darf man auch nicht außer Acht lassen, daß die britische Polizeimacht in den Grenzbczirken viel zu schwach ist, um selbst bei gutem Willen den Zuzug nach dem deutschen Gebiet zu verhindern. Wenn wir den Ab- und Zugang an der Orangegrenze hätten völlig schließen können, so wäre sicher der Bondelzwarts-Äufstand vor einem Jahre nicht ausgebrochen. Jetzt muß ernstlich darauf hingearbeitet werden, um diesen Zuständen ein Ende zu machen, die eine ewige Wunde sind. Offenbar hat das Truppenkommando dies auch zunächst im Auge. Um die Aufgabe zu erreichen, ist zunächst eine bequeme und rasche Verbindung von der Südküste nach dem Innern von Großnamaland herzustellen. Der Bau einer Eisenbahn von der Lüderitzbucht bis Keetmanshoop ist fest ins Auge gefaßt. Nach den Drucksachen, die dem Reichstage zugegangen sind, soll auch die Bahn von Windhuk nach Nehoboth bis Keetmanshoop aus- gebaut werden. Tie dahin gesandte Studienkommission hat im Oktober ihre Arbeiten in Nehoboth begonnen. In demselben Monate ist auch bereits eine Eisenbahn-Baukompagnie an der Lüderitzbucht eingetroffen. Daher sehen wir im Süden des Schutzgebietes ein neues Eisenbahnnetz entstehen, dessen Fertigstellung wohl mit militärischer Raschheit zu erwarten ist. Vor ungefähr 8—10 Jahren hat dort schon die South West-Africa Terrilories fachmännische Untersuchungen über den Bahnbau anstellen lassen. Tas Land selbst bietet keine großen Schwierigkeiten, aber an der Küste verwehren die Sandstürme auch die größten Bauten. Dort sollte ein Tunnel gebaut werden. Von der Lüderitzbucht bis Kubub lind 125 Kilometer; etwa die Hälfte der Entfernung bis Keetmanshoop.
Zur Entschädigungsfrage.
Erdmann, der Sprecher der südwepafriianischen Ansiedler- abordnung, hat den Mitgliedern des Bundesrats und den Reichstagsabgeordneten eine Denkschrift überreicht, der wir folgende Ausführungen entnehmen:
„Nachdem das Reich in Südwestasrika einmal seine Staatshoheit aufgerichtet und eine Venvaltung organisiert und somit das Land der Besiedlung geöffnet hatte, war es den Ansiedlern auch zur Gewährung eines ausreichenden Rechtsschutzes verpflichtet. Ties umsomehr, als das Reich Ansiedler direkt eingeladen hat, sich in Südwestafrika mit Frau und Kind dauernd niederzulassen. Erst noch im vorigen Jahr hat der Reichstag 300 OuO Mark bewilligt, um deutsche Familien im Norden des Schutzgebietes anzusiedeln. Tie selbstverständliche Voraussetzung jeder staatlichen Besiedlung ist aber die vorgängige Schaffung eines das Leben und Eigentum der Ansiedler sichernden Rechtszustandes. Tas Vorhandensein einer solchen Rechtssicherheit ist denn auch besonders von dem Gouverneur selbst bei jeder Gelegenheit auf das bestimmteste versichert worden und Personen, die sich im Schutzgebiete ansiedeln wollten, erhielten auf ihre Bitte um Auskunft über die Verhältnisse vom Gouvernement eine beruhigende Mitteilung. Tie Ereignisse haben indessen gezeigt, daß diese Rechtssicherheit in Wirtlichkeit nicht bestanden hat Tie Ansiedler-Bevölkerung sah sich beim Ausbruch des Herero-Aufstandes ihrem Feinde, den der Gouverneur selbst auf 6000 Gewehre geschätzt hat, vollständig schutzlos gegenüber denn die ganze, ohnehin nicht sehr starke Schutztruppe war zur Unterdrüclung des Bondelzwart-Aufitandes nach dem Süden zusammengezogen worden. Tas ganze Damaraland war von Truppen entblößt. Tie nunmehr eingetretenen V e r l u ft e waren daher eine direkte Folge des Fehlens desjenigen Schutzes zu dessen Gewährung das Reich den Ansiedlern verpflichtet war, nachdem es die Kolonie einmal der Besiedlung geöffnet hatte." m .
Ein Brief aus Namaland.
Einem Briefe aus Sudwenafrika vom 20. Oktober entnimmt bi- „Deutsche Kol.-Ztg." das folgende:
Es ist schwer, über den Ausstand schon letzt em klares Bild „eben denn die Nachrichten sind nod) zu unvollkommen und w aufgeregt. Aus dem Briese geht ferner als sicher hervor, d°b von einer schon begonnenen Entwassnung der Hottentotten, die einige nicht gerade kol°nialsrcundliä»e Blätter in Deutschland verbreiteten, nicht die Rede sein.kann. Herr von Burgsdorss bat nur bon den aus dem Hererofeldzuge fortaelaufenen Wltboi- Soldaten die Abgabe der ihnen übertoifmm Gewehre (88 er) ge- sardcrt. Als Hendrik Herrn v. Burgsdorss nach Grbeon ge- ebriebcn hatte, Gott sei ihm im Traume ersclnenen und habe ihm aeiaat es sei jetzt Zeit, das Joch llbzuschütteln, ritt, «ne bekamt ' der Bczirlsamtmann über Mariental nach Rietmont, um Hendrik auszusuchen. Aus der Werst des von ihm allzeit reund- ich Behandelten tvurde Herr v. B ur g s d o r f f bei seiner Anmnst von rückwärts erschossen. Tre Hottentotten hatten ihn nachher begraben und Hendrik hat aus sein Grab schreiben las en: Gott möge ilM vergeben." Ter Bnchchrecherweist mit Siecht daraus hin, dass Herr v. Burgsdorfs sur die Witboi- alles getan und sie gü oft den Meisten vorgezogen hat Unter diesen Umständen klingt auch di- Meldung sehr wahrscheinlich, dan Hcn- drik angeordnet habe, auch di- Frauen der ermordeten A sie dl er von ckariental zu erschienen. Nur Samuel Isaac habe sich dagegen gewandt, und so se.cn denn die Witwen und Kinder von Mariental zu Wagen von den v° tentotten bis nahe Gideon gebracht worden. Schaf-r-ldlrektor Kleugcn wurde in seinem Hause auf Orab niedergeschossen, der «chaser Hutzseld iin Garten. Beide lagen längere Zeit schwer verwundet und wurden er» svätcr getötet. Tie ochafe und das üvr,ge Kleinvieh der Schäsercigescllschast bcsinden sich in Witbois Händen. Eb-uso sind die Wollschafe 14011 Nomtsas in den Hunden der Hottentotten. Das Strohdach oeä Hermanjchen Wohnhauses wurde herun er- aebra,Ult gesunden. Wörtlich heisst eö weiter: „Wenn nur zwei nwmvaanien un» einige Geschütze hier waren, konn - der gröstte aerettet werden, beim die Hottentotten sind sehr ft r a u a m k e i t gibt der W i t b 0 i - Ä u s st a n d ^^-^roareneln wenig nach. Wenn die Zahl der (tC!l i?RtÖ acrinaer ist, )o liegt das daran, daß die Hotten- wttcn vc igu sah.reich sind. Tie Witbois haben auch Engländer V»"« und Missionare ermordet.
Ein Gedenkstein
//•._, k..M j,, (^.tMn-eft-Afrita gciuiiem n entnant v. Rosen- berg, d-n Sohn ei,i-S srühcien Giessener Regiments-Kom.
mandeurs, ist mit bem kürzlich in See gegangenen Truppen trans- portdampser ,,Palatia" nach Lwakopmund befördert worden. Ter aus einem Stück Granit hergestellte, 700 Kilogramm schwere Stein trägt folg ende Inschrift: „Hier ruht in Gott Richard Max von Rosenberg, Leutnant ber Kaiserlichen Schutztruppe, geb. Berlin, 5. Mai 1878, verw. Onganjira, 9. April 1904, geft. Okahaudja, 25. Aprü 1904. Treu seinem Kaiser, Treu seinem Wahlspruch: „Kämpfe den guten Kamps!"
Le^tsches Netch.
Berlin, 8. Tez, Zur gestrigen s2Lbcnbtafcl im Königlichen Schloß war Reichskanzler Gras Bülow geladen. Heute unternahm der Kaiser einen Spaziergang im Tiergarten und hörte im Königlichen Schwß die Vorträge des Kriegsministers und des Chefs des Generalstabes der Armee.
— Zum Unter st aatssekretär des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten wurde Landeshauptmann Geh. Oberregierungsrat Dr. Holle in Münster i. W. ernannt.
— Tie „Voss. Ztg." meldet, es bestehe begründete Aussicht, daß der Abg. Eugen Richter in wenigen Tagen an den Arbeiten im Parlament wieder teilnehmen werde. Die Meldung, daß er an Zuckerkrankheit und Star leide, sei unbegründete
— Der „Voss. Ztg." zusolge finden gegenwärtig wegen der Ausstellung eines Gesepeutwurfs über die Rechtsfähigkeit von Berussvereiuen Konferenzen zwi- schen dem Reichsamt des Innern und anderen Ressorts statt.
— Die „Kons. Korresp." erklärt: Die konservative Partei werde niemals einem Handelsverträge ihre Zustimmung geben, durch welchen in irgend einer Weise an dem .Viehseuchenschutz gerüttelt werden sollte.
— Frhr. Eduard von Ungern-Sternberg, ein geborener Balte, der auch eine Legislaturperiode hindurch als konservativer Vertreter von Bielefeld-Wiedenbrück dem Reichstag angehört hat, Mitarbeiter der „Kreuzzig.", Ver- jasser ihrer Wochenschauen über die innere Politik, ist nach langem schweren Leiden in der vergangenen stacht, 69 Jahre alt, gestorben. r
— Von unterrichteter Seite verlautet, daß die Kruppsche Germ au i aderst mit dem Bau einer Anzahl Unterseeboote beschäftigt sei, da das Reichsmarineamt anderthalb Millionen für Versuchsfahrten mit submarinen Fahrzeugen jordert. Lian nimmt an, daß diese Germania- Boote in erster Linie fyr die Erprobung in Betracht kommen. Als Versuchsfeld' ist die benachbarte wenig be- sahrene Eckernförder Bucht ausersehen, deren durchsichtiges Wasser sich besonders dazu eignet.
M a l ch i n, 8. Dez. Der mecklenburgische Landtag überwies den Antrag, eine E i s e nlb a h n g e mei n s ch a f t zwischen Mecklenburg und Preußen anzubahnen, der Regierung zur Erwägung.
Köln, 8. Dez. Ter „Köln. Ztg." wird aus Berlin gemeldet: Die wahrscheinliche Ausschiebung der Vorlegung der Handelsverträge hat darin ihrenGrund, daß neuetdiugs aus den Handelsvertrag bezügliche Mitteilungen aus Oesterreich-Ungarn hier eingetrofjen sind, die zunächst geprüst werden müssen unb die möglicherweise zu einer Wiederaufnahme der Verhandlungen führen können. Die Verschiebung der Vorlegung erscheint um so unbedenklicher, als die parlamentarische Lage ja doch nicht gestatten würde, daß in diesem Jahre in eine Verhandlung eingetreten wird.
Ausland.
Stockh olm, 8. Tez. Graf Er eutz, der am Dienstag hier abreiste, um als Vertreter für seine Familie an den Sitzungen des sinländischen Landtages teilzunehmen, wurde dem „Stockholms Tagölaoet" zufolge die Erlaubnis zur Landung in Unland verweigert. Als Grund wurde von den dortigen Behörden angesührt, daß Zweifel herrschen, inwieweit sich der Graf noch im Besitz oes finischen Staalsbürgerrechts befindet.
Paris, 8. Tez. Der hier in ärztlicher Behandlung weilende frühere Präsident Steyn erhielt vom Burenkongreß in Brandsort ein herzliches Begrüßungstelegramm, in dem der Kongreß seine Freunde über die Genesung Steyns und dessen baldige Rückkehr ins Vaterland ausdrückt. Steyn antwortete: herzlichen Dank, Gott gebe Ihnen Weisheit Und Einigkeit."
— Wie aus Fuuchal gemeldet wird, soll dort demnächst die Flotte S. M. des Kaisers der Sahara „Fras- quita" und „Dahlia" aus die vom Konsul Liberia! wegen einer Forderung von 4000 Frcs. Beschlag gelegt ist, meistbietend verkauft werden, da „Kaiser Jakob" die Forderung nicht anerkennen will.
— Ter Unterrrchtsminister richtete heute an die Rektoren der Akademien einen Runderlaß, in dem er bezugnehmend auf den von der Kammer am 28. Oktober gefaßten Beschluß gegen die Angebereien auch die eigene Mißbilligung derartiger Vorfälle ausdrüat. Tie- Ieiben seien den lieberliegerungen der republikanischen Lehrerschaft zuwider. Die Rektoren sollten sich von solchen Schwächen freihalten, damit die Lehrerschaft ein großer Schatz sittlicher Autorität für das Land bleibe. Die Autorität würde gefährdet werden, wenn die Professoren in dem Glauben, dem Werke der Regierung zu dienen, zur Rolle politischer Agenten herab- stiegen oder sich soweit vergäßen, in der Gestalt von Inquisitoren aufzutreten.
Rom, 8. Dez. Anläßlich der 5 0. Wiederkehr des Tages der Proklamation d e s D o g m a s von d e r unbefleckten Empfängnis Maria erschien der Papst heute in der Peterskirche. In feierlichem Zuge ging der Weg durch die Mrche zum Ehoraltar, wo daü Bildnis „Empjängnis Maria" (3uimacnlata) im Schmucke eines neuen Diadems von 12 Brillanten erstrahlte, -ter Papst zelebrierte die Messe und erteilte bin ^egen. Die Menge bezeigte ihm, da lauter Beifall unterjagt war, ihre ochrsurcht durch Weyen mit den Taschentüchern.
Petersburgs. Dez. Gestern sollte hier eine öffentliche Versammlung von Rechtsanwälten im
Saale des Kriminalgerichts stattfinden. Als sich aber die 400 Teilnehmer versammelten, fanden sie das Haus verschlossen. Ter Prokurator des Kriminalgerichts, Wuitsch, hatte die Abhaltung der Versammlung verboten. Dabei beruhigten sich die Advokaten nicht, sondern zogen demonstrierend durch die Straßen zum Stadtoberhaupt, das ihnen schließlich die Erlaubnis erteilte, die Versammlung doch abzuhalten. Nachdem die Tagesordnung erschöpft war, wurde zum Schluß ein heftiger Protest gegen das Vorgehen Wuitsch von allen Anwesenden unterzeichnet. Dieser Protest ist dem Juftizminifter offiziell mit geteilt worden.
Washington, 8. Tez. Tie Negierung hat eifit Untersuchung gegen den Tabaktrust ein geleitet, der aus amerikanischen und kontinentalen Gesellschaften besteht. Sollten sich die Anschuldigungen der Pflanzer gegen den Trust bestätigen, so würde dieser in den Anklagezustand versetzt werden. Die Pflanzer beklagen sich, daß das Verfahren des Trusts die K o n t u r r e n z beim Einkauf unter- d r ü ck e.
Melbourne, 8. Tez. Jrn Senat des australischen Bundesstaates hob Skanijorth Smith, auf die Vorgänge auf den Marschallinseln Bezug nehmend, hervor, daß in der Berliner Deklaration von 1886, die 1889 erneuert wurde, ganz besonders festgestellt sei, daß sich Schiffe von England und Deutschland im westlichen Teil des Stillen Ozeans wechselseitig gleicher B e? Handlung erfreuen sollten.
Aus Stadl und Sand.
Gießen, 9. Dezember 1904.
LU. Die pHilosophische Fakultät der Landes- Universität hat unter dem heutigen Datum, dem Geburtstage Winkelmanns, den Ministerialrat i. P. Soldau in Darmstadt, zum Doctor honoris causa ernannt.
•• Eine Probevorlesung, „lieber die Beziehungen zwischen Syphilis und Avrtensclervse", wird Dr. Johann Georg Mönckeberg zum Zwecke der Habilitation für das Fach der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie morgen Samstag, mittags 12 Uhr, in der kleinen Aula des Universitütsgebäudes halten.
** Erstes Chorkonzert des Konzertvereins und Akademischen Gesangvereins. Wie die Leser aus dem Anzeigenteil ersehen haben werden, findet das vierte Konzert des Konzertvereins als Chorkonzert am 14. Dezbr., nachmittags 5*/4 Uhr, in der Stadtkirche stakt. Die öflentliche Hauptprobe findet am Tage vorher zur gleichen Stunde statt. Zur Auflührung gelangt F. Mendelssohn- Bartholdys „PauluS" — ein Werk des Friedens und der Liebe, wie Robert Schumann es nannte. Dies Oratorium ist seit nahezu 15 Jahren bei uns nicht mehr aufgesührt worden und daher dürfte seine Wiederaufführung gewiß hochwillkommen sein. Als Solisten sind bereits auf das Beste eingeführte Sänger und Sängerinnen gewonnen worden: Frau Tilly Hinken, deren sich jeder gewiß noch aus der letzten „Jahreszeiten"-Aufführung vor anderthalb Jahren erinnert, Frl. AUee Aschaffenburg mit ihrem wohllautenden Alt, Herr Oskar 91 oö, dessen bewunderungswürdige Gestaltungskraft vor einigen Jahren in Ph. Wolfrums „WeihnachtS- mysterlum" die schönsten Erfolge zeitigte, und Herr Otto Freytag-Besser, unser Sänger des Christus aus der „Matthäus-Passion". So dürfen wir denn erwarten, daß die Aufführung auch hochgestellten Erwartungen gerecht werden wird. Es bedarf wohl keines Hinweises darauf, daß nicht nur ein Konzert bevorsteht, sondern in ihm eine geistliche weihevolle und gerade für die Erbauung vor Weihnachten sehr geeignete kirchliche Feier.
** Die Lahnkanalisierung nimmt ihren Anfang. In die preußischen Etats für 1905/06 werden nach einer "Mitteilung des Verkehrsministers v. Budde 408 000 Mk. für die Lahnkanalisierung von 9tieder-Lahnstein bis Ems eingestellt. Tann hat es freilich bis Gießen noch gute Wege.
Frankfurt a. M., 8. Dez. Eine medizinische Sitzung begleitete die letzte Stadtverordnetensitzung. Stadtrat Lautenschlager erwiderte auf eine Anfrage des „Genossen" Dr. Quarck bezüglich einer Skandalgeschichte ans dem ftädtische,n Krankenhanse, und demonstrierte dabei das Verfahren der „Magenauspumpung". Alle Erklärungen halfen aber nicht über die Tatsache hinweg, daß bet einem Schwerkranken von einer ungeübten Schwester ohne Assistenz eines Arztes eine Magenauspumpung vorgenommen wurde, wobei ein Teil des Schlauches von zirka 25 Zentimeter Länge von dem Patienten geschluckt wurde und später mittels operativen Eingriffs (Schnitt in den Bauch) entfernt werden mußte. Mit großer Alehrheit wurde schließlich ein Antrag angenommen, eine Darstellung des Aufsichtsverhältnisses im Krankenhause zu geben.
Leipzig, 8. Tez. Tas Reichsgericht verwarf die R e b i i i o n der Mörderin Frau Elisabeth W i es e in Hamburg, die vom dortigen Schtvurgerickft am 10. stöber wegen Ermordung von fiinf Pflegekindern, schiverer Kuppelet und verbuchter Verleitung zum Meineid zum Tode und zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden war.
Am Weihnachtstische vekamiteWcihuacklH- Cartonü als Gescheukbeigabe nie iehleu, Denn 1) sind sie das Beste was Die Seiien-Branche bietet, 2) finD Die Lartons sehr schön auS- ßefmuet, 3) smd dieselben m Tarnen- wie in Herrenkreisen al« Geschenk sehr beliebt und 4) ist ihr Nutzwert m Folge ihrer günstigen Wirtung auf Zartheit der Hani und Klarheit de§ Teims em anerkannt großer. Doeriug's Wcthuachts'CartvuS smd überall ohne Preisausschlag zu haben. hv*/t


