Ausgabe 
9.9.1904 Erstes Blatt
 
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bettff ^Utgotmcd* zu schenken. Ganz besonders ober ließ man eS sich m Hessen angelegen sein, einzelne Bäume ober Heinere Ba nm gruppen, welche vermöge ihrer Eigenart -ober chreS SlanborteS als landschaftliche Zierde anzuseben find, nicht zu fällen. Im vergangenen Jahre ist man nun noch einen Schritt weiter gegangen und hat die bemerkens­werten Bäume nn Lande photographisch anfnehmen laßen. Wie man erfährt, wird im Auftrage der obersten ^Forstbebärde demnächst ein Werk erscheinen, in welchem nach diese* 'Photographien die bemerkenswertesten Bäume, mit eutfprechendcm Text, weiteren Kreisen vorgeführt werden.

X Lohnbeschäftigung von Kindern. Zur Zeit werden non den Kreisschulkommissionen Erhebungen über die Lohnbeschäftigimg von Kindern im Haushalte sowie in der Landwirtschaft und deren Nebenbetrieben angestellt; zu diesem Zweck wird jedem Lehrer ein Fragebogen zur Ausfüllung übersandt. Durch die Erhebung soll festgestellt werden, ob die bdr. Km der der Gruppe unter 10 Jahren, oder der zwischen 10 und 12, oder der über 12 Jahren angehören und welche Dauer die Beschäftigung hat.

** Der Verband D entscber Touristen vereine, der am 10. biS 12. September seine Hauptversarnntlmrg abhült, umfaßt jetzt 50 größere Vereine mit 125 000 Mitgliedern. Die in Fnankftrrt a. M. erscheinende VeibandSzeirschriftDer Tourist"', ist bemilht, die vielseitigen Bestrebrmgen des VerbandeS in Won rrnd Bild zu vertreten. In der irmS vorliegenden Festnnmmer deS Blattes spielt die Feststadt Heide ll^wg die Hauptrolle. Ein Aus- -»atz von Dr. Mießuer weist auf die Bezielmngen M-Heidelbrrgs zu der seelischen Entwickelung unserer deutschen Dichter hin, wobei (Äoetfr? das Htruptinterefse beansprucht. Wer heben ferner «rus -em Heft reich illustrierte Landschaftsbilder aus dem Odenwald imd dem Reckartal von Pros. Dr. Horn her* oor, eine Gesamt-Ebarakteristik des Odenwald- Geb-ietes von dem Heidelberger Professor Dr. Lorentzen, eine wertvolle volkskundliche Studie von Gg. Schaefer-Gießen und endlich 'den Aussatz von Forstmeister Sab^rrin über Touristen und Forswerwaltungen. Der Verfaffer fordert die Tottristenvereine aus, bei der Iorstverwaltung auf eine größere Berücksicb-tigimg der ästhetischen Gesichtspunkte in der Waldbe- wirtschastung binznwirken. und zeigt, wie es den beteilig­ten Behörden mit geringer Müde und ohne n.rnnensworte Kosten oft möglich wäre, die unerschöpflichen Nerze des deutschen Wal­des in höherem Maße als bisher für die breiteren Volksmassen nutzbar $n macken. Abonnements für denTourist"" kosten für die gewähnlicke Ausgabe 5 Mk.. und werden von allen Bück' Handlungen entyegengenomTnen.

w. Garbenteich. 7. Sept. Bei der am Freitag, den 2. d. MtS. stattgehabten Gern ein d era tSwa h 1 mürben

geroablt: Ludwig Weigel mit 41 Stimmen, Jakob Walther mit 30 Stimmen, Johannes Weigel mit 20 Stimmen.

-nn- Friedberg, 7. Sept. Heute tagte hier im Hotel .Zu den drei Schwertern^ der .Oberhessische Philister- tag* des hessrschenWingolfverbandes. zu dem etwa 50 alte Herrn und eine Anzahl Aktiver der Verbindung er­schienen waren. Nachdem die Tagesordnung des Konventes erledigt war. schloß sich eine gemütliche Kneipe an. die mit Gesängen und Reden belebt war. Ein gemeinsames Abend­etzen bildete den Schluß.

r. Alsfeld, 8. Sept. Heute nachmittag ist der kommandierende General des 18. Armeekorps von Eichhorn per Automobil hier eingetroffen unb im Hotel ,Krone" abgestiegen. Morgen findet Besichtigung der hier manövrierenben Infanteriebrigade statt. Der DivifionS- Kommandeur wird heute abend ebenfalls erwartet.

Darmstadt, 8. Sept. Im Alter von saft 88 Jahren starb Kommerzie nrat Friedrich Engelhardt in Darmstadt, der zwar seit 25 Jahren seine zweite Heimat in bei ResLenz geftucken, seine erste Heimat Rüsselsheim im Geiste aber nie verloren hatte. Als 'Sohn des Löwenwirts in Rüssels­heim 1817 geboren, trat er als KauftnannÄcbrling in die Eickoriewabrik von Zahn und Volbreckt in Rüsselsheim ein und wußte sich hier so lmszuzeicknen, daß er zum Mitarbeiter er­koren ttnrrte, auch die Tockter feines Geschäftsherrn heim führen durfte. Mit dem Jahre 1842 übernahm Engelhardt das feit 1819 betriebene scheviegerelterliche Geschäft und wußte eS auf die Höhe eines modernen Großbetriebes zu erheben. Für die von ihm der Ceffentlief:teil gebrockten Opfer und gemeinnützigen Bestreb­ungen waren die hon seinem Landesherrn erfahrenen Ehrungen, ine L in ber Verleihung be^ Ludwigsordens und 2. neuerdings in der Verdienstmedaille für hervorragende Leistungen im Kranken­wesen, sodann 3. in der Ernennung zum Kommerzienrat bestanden, wobt verdient. Nachdem zwei Söhne das Geschäft übernehmen konnten, fted-lte Engelhardt 1879 nack Darmstadt über, wo er winen Lebensabend, ausr-ihend von viel Mühe und Arbeit, treu gepflegt von töckterlicher Liebe, beschloß.

Kleine Mitteilungen " us Hessen und den Nachbarstaaten. Die Großh. Regierung hat angeordrtet,

daß die offizielle Badesaison in Bad-Nauheim in

diesem Jabr bis zum 15. Oktober

verlängert wird.

vermischtes.

* Essen (Ruhr), 8. Sept. Die TyphuSepidcm ie in Königssteele gewinnt an Ausdehnung. Gestern ereigneten sich ^wei Todesfälle. Fünfzig Erkrankungen sind bisher fest­gestellt. Die Schulen sind geschloffen. Zu den 23 er* untreuunqen auf dem Thyssenschen Röhrenwalz­werk in Mühlheim an der Ruhr wird berichtet, daß seit Jahren große Mengen von Rohren entwendet wurden. In einigen Städten wurden von den gestohlenen Sachen, deren Wert über 100 000 Mk. beträgt, ein Lager unterhalten. Als Haupttäter wurde der 25 Jahre auf dem Werk beschäftigte Rohrmeifter Nelliffen verhaftet.

Stettin, 8. Sept. In der Saßnitzer Badeanstalt ist der MajoratSerbe Oberleutnant Meinhart von Schier- stadt ertrunken.

Gera, 8. Sept. Der Fleischermeister Metzner ver­giftete sich mit seiner Ehefrau durch Leuchtgas wegen Ueberschutdung.

Typhus. In dem Trierer Vorort St. Matthias ist der Typhus ausgebrochen. In einer Familie allein er­krankten Mutter und fünf Kinder. In Essen (Ruhr) und in emem Telle des Sennelagers, wo das dritte Bataillon deS Jnftmtene-Regiments Nr. 55, sind ebenfalls TyphuS- ertranfungen ausgetreten.

Brände. In Friedrichsgrätz (Schlesien) wütet eine große Feuersbrunst. Die Hälfte des Dorfes ist ab­gebrannt. Die Stadt Oppeln sandte auf telegraphisches Er- iuchen Löschhilfe. In Wüsteneutzsch bet Halle a. S. brannten bte Scheunen deS Gutsbesitzers Hentsch nieder. Beim Äufräumen wurde der 9jährige Sohrn beS Besitzers am Ein­gang des Futterbodens tot aufgeiunben. Man nimmt an, daß das fhnb durch Spielen mrt Streichhölzern den Brand verursacht hat. Ta, ungefähr 20 000 ToppelwaggonS Zohlen umfassende Kohlenlager deS Kohlensynblkats auf ber LHollxchrrstrecke Botrop-Ofterfelb geriet m Brand. Der

grüßte Teil ber Kohlen ist verloren. Ein in Tecklen- b urg auSgebrocheneS, noch anbauernbeS Großfeuer äscherte bisher fünf Häuser ein. ES herrscht Waffermangel.

* Gine Ballonfahrt über die Jungfrau gedenkt der italienische Aeronaut Kapitän Spelterini am 10. d. M. alkSzusähren. Man schreibt hierztl miß Interlaken folgendes: Die Vorbereitimgen sind in vollem Gange und erheischen einen Kostenaufwand von 3000 Frank. Kapitän Spelterini, der als erster im August de8 Jahres 1900 den Versuch machte, die Alpen im Ballon zu überstiegen, und dem eS im vorigen Jahre in Gemeinschaft mit mehreren Meteorologen geglückt ,st, von Zermatt aus zu einer Maximalhöhe von 5300 Meter anfzusteigen, hat seinen ferneren Ballonfahrten die Ueberfliegimg einzelner Berge, beziehungsweise Gebirgs­züge zu,n Ziel gesetzt. Mit der 4167 Meter hohen Jungfrau, beziehungsweise dem weiter nordöstlich gelegenen, 4104 Meter­hohen Mönch beginnt er in diesem Jahre. Atif dieser Fahrt ivirb Kapitän Spelterini wiederum von einigen Meteorologen begleitet fein, welche die Vorgänge in der Alpenatmosphärc an mehreren Präzisionsinstrumenten beobachten und photo­graphische Aufnahmen auS der Vogelperspektive vornehmen iverden. ES ist bereits eine ebene Fläche von etwa 120 Quadratmeter freigelegt worden, auf der dieVega"', das Luftschiff SpelteriniS, sich in die Lüfte heben soll. Der Auf­stiegplatz liegt etwa 2300 Meter über dem Meere, am Fuße deS EigengletfcherS.

Kcrichtssaul^

R. B. Darmstadt, 8. Sept. ?lls erste Folge der gerickt' licken Nachspiele anläßlich des jüngsten Streiks ber Zimmer­leute in Darmstadt kam beute eine Anklage gegen den Zimmer­mann Georg Jakob Feyh von hier vor der Ferieiistraskammer zur Verhandlung, die mit einer Verurteilung des Angeklagten zu der empfindlichen Strafe von drei Monaten Gkfängniö schloß. Feyh faittc beim Streik eine Art Führerrolle übernommen und war mit allen Kräften bestrebt, die arbeitswilligen Zimmerer zur Arbeitsniederlegung zu bewegen unb zum Eintritt in den Veickmd derOrganisation"" zu überreden. Tas Letztere gelang ihm eines AhenbZ nach einer tüchtigen Zeckerei bei dem Zimmerer F., der auch das Eintrittsgeld für den Verband ent­richtete. Er wurde aber durch Einwirkung seiner besseren Hälfte bald wieder anderer Meinung, ließ das Eintrittsgeld fahren, und fetzte seine Tätigkeit beim Zimmermeister Ruths fort. Feyh versuchte nun zuerst mit der Kirnst der lleberredung, dann aber mit Gewaltmitteln den Abtrünnigen wieder zum Verband zurück- zuführen. _ Er beschimpfte ihn und einen arbeitswillig^! Kollegen beim Vorübergehen an ber Arbeitsstätte und lauerte ihm später in der Müblstraße auf, wo er den rubig seines LsegeS gehenden F. in wüster Veise^ bebrobte, ilm tätlick an griff und mit dem Fuß nach ihm streß. F. eine Wieberbolung solcher lieber- fälle befilnfytnt mußte, fad er sich geisötigt, die Arbeit einzu­stellen. Die Folge war bic Anllage geg^m Fevb. Der Vorsitzende betonte in der UrteilSverkündung, daß die brutale und gemeine Handllmgstveise eine strenge Strafe erheische. Ein ähnlicher Fall resultterte auS dem Schreinerstreik in Offenbach im verflossenen Frühjahr. Der Schreiner Adam Steinbacher in Offenbach batte vor der Herrmannffchen Fabrik Streikposten ge­lt anben und belästigte einen der dort beschäftigten Sllweiner auf bem Nachhauseweg tnird; Befckimt^ung imb Bedrohrmg, sodaß der Eingeschüchterte es geraten sand, von ber mit Streikposten um­lagerten Arbeitsstätte fernzublecken. Daö Schöffengericht zu Of­fenbart) hatte den Angeklagten dafür zu acht Tagen Gefängnis verurteilt, wogegen ber Letzte Berufung emlegte. Die Straf­kammer sand btt Straft ganz angemoffen und erkannte auf Ver- toerfitng der Berufung.

d. Mainz, 8. Hept. Ein gemeingefährlicher Heirats­schwindler hatte sich in ber Person des geschiedenen 34 jähr. Maschinenarbeiters Hermarrn Klemens Balzer aud Gruben (bei Meißen) heute vor der Strafkammer zu veranNoorten. Der Angeklagte lernte im Tanzlokal rn Frankfurt daS sehr leicht- glSubige 24 jährige Dienstm.'dcken Magdalena Landgraf auS Nierstein Fennen. Er gab sich alS Masrtnnenmeister der Farb- n'erke in Höchst aus und habe einen Gkbalt von 150 Mark monat­lich Da er noch ledig sei, wünsche er ein braves, wenn auch armes Mädchen zu beirren und paffe sie sehr gut w ihm. Das Mädchen glaubte txnn Schwindler und fuhr daraus mit ihm zu ihrer Mutter nach Nierstein. Nun schwindelte der Angeklagte feinerBraut"" alles möglime vor. Sv Txibe er einen Onkel in Köln, der Besitzer einer Eisengießerei sei, wenn ber Onkel ft erbe, erbe er ihn. Seine Eltern, die in Wirklichkeit feit zwcnczig Jahren tot sind, lebten gut und begütert in Röhrs darf in wachsen. DieBraut"" wollte nun zu feinen Eltern reifen, womit der Angeklagte sich etnoerftanben erklärte. Da er rein Geld hatte, gab die Mutter der Braut ihm 120 Mark. Nun machte er mit seiner Braut eine wahre Irrfahrt, besuchte mit ihr Leipzig, Dresden unb Köln, nur nack feiner angeblichen Heimat kam er nickt. Eine Menge von Ausflüchten wußte er zu gebrauchen, so war auf der Irrfahrt fein Onkel in Köln gestorben und mußte sich das Mädcken von ihrer Mutter, einer 'Schuhmacherswitwe, o lange Geld nfritfen lassen, bis die Ersparnisse der armen Frau alle waren. Alle Schwindeleien, die ber Angeklagte der Betro­genen vorspiegelte anzuführen, toürde zu weit führen. Schließ­lich wurde der HochzellStag in Nierstein festgesetzt, der Pfarrer usw. bestellt, Fleffck unb Wein usw cmgekaust. Der Bräutigam brauchte, um^sich Kleider anzuschaffen, noch mehr Gelb, er er­leichterte die Schwiegermutter um weitere 50 Mark. Am Morgen des bestimmten Hochzeitstages erwartete der Angeklagte mit einer Braut, feineMutter"", die unbedingt bei der Hochzeit zugegen fein wollte. Tie längst verstorbene Mutter konnte aber nicht gut kommen, es mußte ihrunterwegs unbedingt etwas vaffiert"" sein. Er bestimmte nun das Mädcken mit ihm ber Mutter entgegenzufahren unterwegs wurde nach Nierstein ge­drahtet, den Hock^eitstag hinauSzuschieben. Die Braut ftchr mit dem, Angeklagten nach Köln, unterwegs stuach er von derauS- ffebtiebenen Mutter"" nichts mehr. Iil Köln forderte er die Braut auf, nach Haufe ihrer Mutter nach Geld zu frfn:eiben. Der Mutter war inzwischen die Sache verdächtig vorgekommen, auch die eingeladenon HochtzcitSgäste bezweifelten die ricktige Persönlich­keit des Angeklagten. ,Die Mutter zeigte die Sache der Gendar­merie an, worauf ber Angeklagte einige Tage später in Köln von der Selle feinerBraut"" hinweg verhaftet wurde. Nun" mehr stellte sich her ganze Schwindel heraus. Der Angeklagte ist schon häufig wegen ähnllcher Schwindeleien vorbestraft, bar» unter mit Zuchthaus. Tas Mädchen nmrde von dem Angeklagten in raffinierter Weffe betört, ihre Mutter wurde um ihre ganzen Erspamisse in Höhe von 750 Mark und das Mädchen um 150 Mark betrogen. Der Angeklagte erklärte heute, er wolle das Mädchen heiraten, dieses meinte, baß sie für die Verbindung mit einem Zucl-thänsler danke. Wenn es die Vergangenheit deS An­geklagten gekannt, wäre es nicht mit ihm in Verbindung getreten. Der Angeklagte ist eine kleine, scncker gekleidete ^mächtige Verfönlickkeit. Er wurde zu 4 Jahren ZucbthauS, 300 Mark Geldstrafe und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.

)( Marburg, 8. Sept. Ein besonders R aisf ei sen­ken te inttweffierander Prozeß beschäftigte heute daS Schvffeu- gerickft. .Ein Arzt namensl Dr. Fenner in Rosenthal hatte mit dem dortigen Pfarrer Hofmann, der zugleicl) UnterverbandS- Direktor des Raiff- ifenvereinS des Kreises Frankenberg war, einen kleinen ZeitungSkricg, in dem er demselbtm öffentlich vomxrrf, daß er .fhibbänbel treibe. Ein Masrt-inenreisender namens Völker veröffentlichte im Anschluß hieran eine Notiz in der Zeitung und kritisierte es, daß der Pfarrer and) ihm Konkurreuz mache und Masil'inenhandel treibe. Da das Eingesandt in beleidigender Klage on, und er,vielte auch, daß dieser heute zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. Die Strc blieb deshalb so niedrig, well daS Gerrcht anuahm, daß ber ifeabe eine unliebsame

Konkurrenz hatte. .Andererseits wurde aber auch in Betracht ge­zogen, daß die Notiz geeignet ioar, den Pfarrer in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen.

Duiöburg, 8. Sept. Bon der Strafkammer tmirbe bet Lehrer Engelbert Knülle wegen SittlickkeitSverbrechen an neun unter 14 Jahren alten Schülermrien zu 2y2 Jahren Ge- ngn i s verurteilt.

Lullst und Wissenschaft

Lund, 8. Sept. Der JahreSkongreß der a st r o n o m i s ch en Gesellschaft wurde heute grschlossen. Der tlächste Kongreß findet im Jalwe 1906 in Jena statt.

Innsbruck, 8. Sept. .Zum deutschen Juristen­tage sind bislter 720 Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands unb Oesterreicks augemeldet.

Handel und D?rkcl)r. Volkswirtschaft.

Bochum, 8. Sept. Dft Kammer für Handelssachen erkannte Über den Sperrantraa her Dr e sd n e r Bank hezügllcl^ des 0^'neralversammluugsbeschlusses derH i b e r n i a" dahin, daß der zuständige Registerrichter in Herne die Beschlüsse der OstTreralversammluug über die Erhöhung des Aktienkapitals ^is zum Erlaß des Urteils in erster Instanz in der Anfechtungsklage auszusetzen hak. .Den weitergehenden Anträgen wurde nicht statt- geii-ebeu, weil sie nicht hinreichend begründet seien, und weil ihr Zw-eck. die Ausgabe der neuen ?ITticn zu verhindern, durch daS erlassene Urteil gesichert erfebeine.

Herne, 8. Sept. Durck die seitens der Kammer für Hmtdclssaclfen deS Landgerichts Bochimi über ben Sperrantrag ber Dresdner Bank heute erlaffcne enistweilige Verfüg­ung ist eine Präjudiz für die Aussichten der Anfechttmgsllage nicht gegeben. Die Hibcrnia Bergwerksgesellschaft wird nut möglichster Beschleunigung daS Urteil erster Instanz im AnfertftuugSprozeß, für den als Termin der 10. Oktober an­gesetzt ist, herbeiführen, wie auch im übrigen ihr Entschluß, ihre Selbständigkeit imter allen Umständen aufrecht zu erhalten, mit allen Kräften durchgeführt werden soll.

Belgrad, 8. Se.pt. DerStampa"" zufolge schloß der Finanzminister Patschu mit derSoeietö Finaneiöre d'Orient"" die Voi-verhandlungen wegen der Aufnahme einer 30M iNivnen Anleihe zum Begebungskurs von 77 mit 2 Pro.zent Ärm- miffimlSkosten ab. Der Effektivbetrag ber Anleihe werde sich somit auf 22,5 Millionen belaufen. Die Anleihe soll zur Deckung des zu erwartenden Defizits sowie zur Anschaffung von Ge­schützen in Frankreich dienen. Patscku hatte dafür einer fran- zösisrt>en Gruppe den Bau un3 Betrieb von serbischen Neben­bahnen zu gesichert.

Märkte.

X Groß-Umstadt, 8. Sept. Die Besucher des allfährllchew Herbst-Fasel- und Zuchtvieh Marktes zu Groß-Um- fhibt wird es intercfTieren, zu erfahren, daß ber diesjährige Fasel- u7rd Zuchtviehmorft nickt auf Samstag fällt, sondern auf Donners­tag den 15 September, auf den Tag deS 1. Gros^Umstädter Pferde- und Fohlen-MarkteS. Tie Gesanttsumme, die zu Prä- miiernngszwecken zur Vnrügung stellt, beträgt ca. 2300 Mk. Preise von Mk. 60 bis Mk. 20 sind für die Prämiierung von <Stuten und Fvdlen festgesetzt. Da der Losevertrftb sehr günstig verlief, ist auch die ganze zum Ankauf vorgesehene Summe verftägbar. ______

Eingesandt.

(Trür Form unb Inhalt aller inVcr dies r Rubrik steßeudeu Artikel übernimmt die Redaktion dem Vublikum gegenüber feinerlei Verantwortung.)

Klein-Linden, 8. September.

In dem Eingostrndt dev Bürgermeisters Schaum in Nr. 20st wird den Anhängern des GemeiTchereckmers Germer ein Eingesandt in Nr. 207 aufs Konto gesetzt, von duffen Erscheinen imb" ®ort^ (mit sie gar feine ?llmnng hatten. In jenem Eingesandt wurde die Verwaltung Mein-Liudem.' erwähnt, mir stellen hierzu fest, daß wir uns nur mit ber Bürg-rmeisftrwahl unb nicht im gering­sten mit den Gemeinderäten befaßt haben. Daß das genannte Eingesandt nickt von der Partei Germer ansging, ersah man sebon daraus, daß darin ausdrücklich von ber Fortschrittspartei, die Rede war, deren Kandidat doch Gemeinderat Bernhardt war. Den Urhebern deS letzten Eingesandts war dies sicher bekannt. Daß man einen Lehrer erwähnt, her von dem Eingesandt in Nr. 207 absolut nickiS wußte, war gewiß nicht taktvoll aebarrbett. Dock der Zweck heiligt daS Mittel? Ein Wähler.

Kirchliche Aachrichlerr.

Evangelische Gemeinde.

15. Sonntag nach Trinitatis, den 11. September: AottfsbUnff.

In ber Stadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Zugleich letzte Christenlehre für die Relrkonfirmicrten der MarkuSgemernde.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Nächstkünftigen Sonntag, den 18. September, findet Beichte und heiliges Ltbendmahl für Matthaus- und Markusgemeinde ge­meinsam im HauptgotteSdienst statt. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Ju der JohauneSkirche.

Vormittags ft Uhr: Siehe Stadtkirche.

Vormittags 9V, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Beichte imb heiliges Abendmahl für die LukaS- imb bC JohaimeSgemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Israelitische ReligionSgemcinde.

chottesdienü In der Synagoge (-üdantage).

Samstag den 10. unb Sonntag den 11. September 1904: Neujahrsfest.

1. Tag: Vorabend: 6.30 Nhr. Morgens 7.30 Uhr. Predigt um 9 Uhr.

Nachmittags: 4 Uhr.

2. Tag: Vorabend: 7.30 Uhr. Morgens 7.30 Uhr.

Predigt nm 9 Uhr. Nachmittags: 4 Uhr. Festes ausgang : 7-30 Uhr.

Während der Predigt ist der Eintritt nicht gestattet.

Gießener landtvirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag, den 10. September: lieber Nacht Trübung und stellenweise (besonders^ im Nordwesten Hessens) etwas Regen, dann wieder aufheiternd und trocken, bei milderer Nacht tagsüber ein wenig kühler.

Näheres durch die Gießener Wetterwarte.

KnelKasten der Redaktion.

(«nonymc Aufrageu bleiben nnberücksichtigt.) ft, P. Sie werden brieflichen Bescheid erhalten.

Hielte MeldiiiltMi.

Originaldrahtmeldnttgen des Gießener Anzeigers.

Braunschweig, 9. Sept. Die auf Antrag der 22. Division zu Kassel seitens deL hiesigen Amtsgerichts vor einiger Zell erfolgte Beschlagnahme deS Militär-Romans CarrierS Briefe au einen Freund"', dessen Verfasser Leutnant Hermann vom 32. Infanterie - Regiment in Meiningen ist, wurde vom hiesigen Landgericht a u f g e 1) a b c n unb die Rückgabe aller beschlagnahmten Bücher verfügt. Im Gerichtsbeschluß wird gesagt, daß die Beschlagnahlne zu Un- recht ergangen sei, da keinerlei Beweis vorliege, daß der VerlagSbuchböndler als Teilnehmer der von Scntnant Hermann begangenen Beleidigungen anzusehen fei.

Wien, 9. Sept. Gestern nachmittag wurde auf dec Semmeringbahn em großes Unglück durch das Zug-