Ausgabe 
9.2.1904 Zweites Blatt
 
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Der Ausschuß beantragt: Bewilligung der in Ausgabe augesorderten 40000 Mk.

Proviuzialdircktioneu und Krcisamler.

Der Titel 2 (Kreis-Ge o m c t er) führte abermals Zu eingehenden Erörterungen, bei denen nochmals die Frage geprüft worden ist, inwieweit das ganze Institut der Streik Vermessungsämter zweckmäßig sei. Zn Verfolg der im vorigen Jahre laut gewordenen Klage über- dieses Institut legte die Regierung dem Ausschuß einen jEntwurf einer Engeren Verordnung vor.

Es wurde anermnnt, daß mit dieser Verordnung den Wünschen des Ausschusses in orgauisatoxis cher Hinsicht durchaus Rechnung getragen werde, daß aber Der Frage der zu hohen Belastung von Gemeinden uno Privaten, die doch sehr wesentlich seif dadurch nicht nähergetreten werde. Die große Mehrh.it des Aasfchuu,ses ist der Ansicht, daß das Instilut einer gründlichen Reform bedürfe. Der Ausschuß behalt sich vor, die Sarhe in Gemeinschaft mit dem Antrag des Abg.^Leun zu ver­handeln, der denselben Gegenwand betritt und demnächst zur Erledigung kommt.

Der Ausschuß beantragt: 1. in Einnahme den Betrag von 256 555 Mk^, 2. in Ausgabe den Betrag von 737 900 Mk. zu bewilligen.

Aus Staist uni) AiuL.

Gießen, den 9. Februar 1904.

** Französischer V ortra g. Anr Freitag nachmittag hielt der durch seine Vorträge auch in der näheren und weiteren Umgebung unserer Stadt mohldckannte sranzösifche Lektor unserer Universität A. Goetschy, vor chen Oberklassen der Höheren und Erweiterten Mädchenschule einen Vortrag über Paris. Er verstand es vorzüglich, die den Schüle­rinnen in Lichtbildern vorgeführten Sehenswürdigteiten der franz. Hauptstadt zu erläutern. Seine sorgfältige Sprech­weise sowie der dem Verständnis der Schülerinnen angepaßte Wortschatz ermöglichten es sogar den weniger Vorgeschrittenen, ohne besondere Schwierigkeiten zu folgen. Reicher Beifall lohnte '»en Redner.

** Fernsprech ans chlüsse. Die Kaisers. Oberpost­direktion macht bekannt, daß es im Interesse möglichst stüh­zeitiger Inangriffnahme der Arbeiten zum weiteren Ausbau der Fernsprechanlagen erforderlich ist, daß die Anmeldungen neuer Fernsprechanschlüffe spätestens bis zum 1. März an die Kaiserlichen Telegraphcnanstalten eingereicht werden. Ver­spätet angemeldete und infolgedessen außerhalb des Bau­plans mit einem Mehraufwand (z. B. durch besondere Ent­sendung emer Baukolonne rc.) herzustellende Anschlüsse können iu dem nächsten Bauabschnitt nur dann ausgeführt werden, wenn die Antragsteller zu den entstehenden Mehrkosten einen Zuschuß von 15 Mark leisten. Uebersteigen jedoch diese Mehrkosten den Betrag von 50 Mark, so wird der wirklich aufgewendete Kostenbetrag eingezogen.

** S)er Wohltätigkeitsverein Contentia ver­unstaltete gestern abend in den Räumen von Steins Garten einen großen Maskenball, der sich eines sehr zahlreichen Be­suches erfreute. Beim Betreten des Saales glaubte man sich auf einen Jahrmarkt versetzt. Ein famoser Stadtpolizist mit der Ortsscheüe verlas die auf dieser Kirmes geltenden Ver­ordnungen ; drei fidele zerlumpte Brüder trugen eine grausige .Morität" umher, ,bie neueste Mordgeschichte ohne Mord

oder Tanz, der schielte, aber festes Sonst gab es alles, was ein kirmesfrohes Herz begehren kann. Sehenswürdigkeiten aller Art, Riesendame, Raritätenkabinet, Schießbude, Kondi­torei und Sektbude und last not least ein Münchener Bier­ausschank, der aber erst zu später Stunde eröffnet wurde. Eine fastnächtliche gestimmte und gekleidete Menge wogte hin und her, sodaß zum Tanzen ost wenig Platz blieb. Aber schön war's doch!

Mainz, 8. Febr. Nach einer Bekannntmachung des Untersuchungsrichters beim Landgericht werden alle diejenigen ehemaligen Gardejäger der 2. Kompagnie des 1. Großh. Hessischen Jägerbataillons, die den Feldzug 1870/71 mitge­macht und imter dem Befehle des damaligeu Kompagnie­führers Balser vom 12. bis 13. November 1870 das Städt­chen Sens in Frankreich besetzt gehalten haben, ersucht, ihren jetzigen Wohnort dem Untersuchungsrichter mitzutellen. Es handelt sich hierbei um die Vorwürfe und Verdächtig­ungen gegen die obengenannten hessischen Truppen, damals in Sens geraubt und geplündert zu haben. Wie man er­fährt, ist die Einleitung eines Strafverfahrens gegen die Verbreiter dieser Gerücht e von Oberstleutnant a. D. Balser und dem Major a. D. Mickel, jetzt in Metz, bean­tragt worden.

Frankfurt, 8. Febr. Ein hiesiges Dienstmädchen ist dringend verdächtig, ihr Kind getötet zu haben. Das Mädchen hatte im September vorigen Jahres in einem hiesigen Blatt ein Inserat aufgegeben, daß es ein Kind ver­schenken wolle. Tie Miitter des Kindes, die seit einem Vierteljahr verschwunden ist, gibt an, sie hätte das Kind m der Nähe ihrer Wohnung einer Dame übergeben und drei Mark zum Geschenk bekommen. Wer ist nun jene unbe­kannte Dame? Das möchte die Polizei wissen.

Homburg v. d. H., 8. Febr. Nach vorläufigen Dis­positionen wird der Kaiser mit kleinen Gefolge am 16. I u n i in Homburg eintreffen. Nir. Gordon Bennett wird als Gast des Kaisers im Grand-Hotel Wohnpng nehmen. Der Wiesbadene r Hotel- und Bgdhausbesitzerverein hat beschlossen, während des Gordon-Bennet-RennenS für Teil­nehmer am Rennen das Zimmer mit einem Bett für 10 Mk., das Zimmer mit zwei Betten zu 20 Mk. täglich zu berechnen.

b. Kassel, 8. Febr. Am 3. d. M. verschied der Direktor des städtischen Gaswerks, Emil Merz, weithin bekannt durch seine Verdienste auf dem Gebiete des modernen Gasanstaltsbaues. Sein Rat wurde gesucht, wenn es sich um Ausführungen durchgehends maschinell betriebener größter Anstalten handelte, von zahlreichen Ge­meinden, so bei dem Bau der neuen großen Gaswerke in Wien u. a. Am Samstag fand unter zahlreicher Teilnahme namentlich auch der fachmännischen Körperschaften die Be­stattung des seinem Wirkungskreis zu früh Entrißenen statt. Im Namen des Deutschen Vereins der Gas- und Wasser- achmänner, sowie des Mittelrheinischen Gas- und Wasser- achmänner-Vereins, widmete Direktor Bergen aus Gießen dem Verewigten in dankbarer Erinnerung seiner vollen vorbildlichen Arbeiten einen warm empfundenen Nachruf.

Handel und Uerkeisi. Volkswirtschaft.

Der Konflikt zwischen Rußland und Japan und die Börse. Wohl sind die diplomatischen Beziehungen zwischen Ruß­land und Japan abgebrochen, aber die Börse hofft noch, daß es trotz alledem zum äußersten nicht kommen wird, obwohl diese Hoss -

nung nur noch eine sehr geringe sein kann. Man hat bei unS bis in bte letzten Tage daran festgehalten, daß es nicht zum Kriege kommen werde. An der gestrigen Börse rief daher die Meldung von der Abberufung der Gesandten große Verstimmung hervor. Es wurden sehr große Positionslösungen vorgenommen, und die Kurse aller Werte gingen ohne Ausnahme um mehrere Prozent zu- rüch da der Wellhandelsverkehr, wie man glaubt, unter einem russisch-japanischen Krieg wird leiden müssen und am Anfang einer derartigen Störung der allgemeinen Weltwirtschaft man alles geradezu im schwärzesten Lichte sieht. Die wirtschaftliche Besserung ist iioch zu neuen Datums, sie hat kaum feste Wurzeln gefaßt und jetzt wird nicht mit Unrecht eine empfindliche Störung der iveiteren Entwicklung befürchtet. Es haben an der heutigen Börse verloren: Oesterr. Kreditaklien rund 6,40 Proz., Tiskonto-Komman- dlt und Deutsche Bant je 6 Proz., Handelsgesellschaft 6 Proz^ Darm­städter Bank 3 Proz., Dresdner Bank 5 Proz. Tie meiften Jn- duslriewerte, voran Kohlen- unb Hültenaktien sind 5 bis 6 Proz. zurückgegangen, die eigentlichen Kassawerte haben jedoch nur zwischen 2 und 3 Proz. verloren. Die 3st,proz. Deutsche Reichs- anleihe verlor nur Bruchteile, hingegen wichen 3proz. Deutsche Reichsanleihe von 91.60 bis 90.75. Tie 4proz. russische konsolidierte Anleihe von 1880 ging von 96.70 bis 93.75 zurück. Alle anderen russischen Staatswerte verloren 23 Proz. Englische kkonsols schloffen in London 97, die 4proz. Japaner wichen von 72',, bis 68% Proz. Kapitalisten ist äußerste Zurückhaltung zu einpsehlen; vor Angsloerkäuien sei jedoch gewarnt, es ist dazu kein Grund vorhanden.

Zum Kampf im Tabakgcwerbe. Der deutsche Tabak- verein kämpft bekanntlich gegen den amerikanischenTabak- t r u st aus Gründen der Selbsterhallung. Jetzt verbreitet er fol­gendes Schreiben:Tie Zigarettenfabrik Georg A. I a s m a tz i A.-G. in Dresden hat in ihrer Prozeßsache gegen den Syndikus des deutschen Tabakvereins, I. S ch l o v m a ch e r, eine Truck,ache versendet, durch welche der Anschein entsteht, als sei sie eine voll­ständig unabhängige deutsche Gesellschaft, die mit dem amerika­nischen Tabalrrust nichts zu tun habe. In den Mitteilungen der amerikanischen Handelslammer Berlin lesen wir nun folgendes: Ter Konsul der Bereinigten Staaten Warner in Leipzig berichtet, daß die Aktiengesellschaft Georg A. Jasmatzl m Dresden, die von der American Tobaeco-Company abhängig ist (which is under the control of the American Tobaeco-Company of New-Jersey), ihr Kapital von 1 */, au' 5 Mill. Alk. erhöhen will. Trotz des heiligen Wettbewerbs sei der Umsatz dieser Akliengejellschast, die gute türkische Zigaretten zu billigen Preisen liefere, beträchtlich gewachsen, seit sie am 1. Januar 1901 von dein amerikanischen Trust übernominen wurde CTa^en ovei)."Bekanntlich bestreitet öie Firma Jasmatzl geflissentlich ihre Abhängigkeit vom Tabaktrust und Hal tue Klage gegen Schloßmacher angestrengt, weil er das Gegenteil behauptete. Tag bte Letter der Aktiengesellschaft Jasmatzi auch den amerika­nischen Konsul dementiert hätten, ist nicht bekannt. Tie Kapital­erhöhung ist schon vor einiger Zeit von der Generalversammluno beschlossen worden."

Vrieskuslcu öer Uedaklioii.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

A. B. Eine vorzügliche Reproduktion des berühmten Goethe- Porträts aus dem Jahre 1828 von K. I. Stieler, das sich m der Neuen Pinakothek in München befindest hat die Kunstdruckerei Grimme u. Trömel in Leipzig zu niedrigem Verkaufspreise her- gestellt. Alle Kunst- und Buchhandlungen können das Porträt besorgen.

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Ziehung 5. Klasse der 3. Hessisch Thüringischen Staats» lotterte findet bereits am 15. dieses Monats statt. ES wird hiermit an die sofortige Los-Erneuerung zu dieser Klasse erinnert.

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