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8.10.1904 Viertes Blatt
 
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Nr. ÄS?

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Erscheint »glich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGletzener FamilienblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt Der »helsilche Landwttt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sehen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.E.

Tel. Nr. 51. Telegr.»Adr. i Anzeiger Gießen,

Viertes Blatt. 154. Jahrgang Samstag 8. Oktober 1904

Gießener Anzeiger

Kin 300;ä!)riger KedenKtag für Gießen.

Morgen, am 9. Oktober, werden es 30 0'Jahre, daß Gießen an Hessen-Darmstadt kartt. Der zweite Sohn Philipps des Großmütigen, Ludwig IV., der Nettere,*) erbte von seinem Vater Oberhessen mit Marburg und Gießen. Ms dieser 1604 ohne Kinder starb, wurde Oberhcssen unter Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt geteilt; ersteres erhielt Marburg mit Biedenkopf, Hessen-Darmstadt bekam Gießen mit den Aemtern Grimberg, Alsfeld, Homberg und Nidda. In seinem Testamente aber hatte Ludwig der Aeltere be­stimmt, daß derjenige seiner Erbschaft verlustig gehen werde, der den lutherischen Glauben abschaffte. Trotzdem führte Landgraf Moritz von Kassel die kalvinische Lehre ein. 53 lutherische Professoren und b^eistliche wurden, da sie die Annahme derselben verweigerten, des Landes verwiesen. Landgraf Ludwig V. gewährte ihnen Aufnahme in seinen Landen. Hierdurch veranlaßt, beschloß Ludwig V. die Er­richtung einer eigenen Hochschule. Der Gründung der Universität, die 1607 erfolgte, ging 1605 die Errichtung des Gymnasiums, des Pädagogiums, voraus. Die Eröffnung der Hohen Landesschule fand am 10. Oktober 1605 statt. Der erste Rektor war Johann Winkelmann, einer von den Marburger Vertriebenen, dessen Grabdenkmal in der alten Fried iofskapelle aufgestellt ist. Landgraf Ludwig von Hessen- Darmstadt verlangte von Hessen-Kassel wegen Verletzung des Testamentes seines Onkels die Heran.sgabe der anderen Erbschaftshälfte, also Marburg mit Bicduikopf. Der Streit über diesen Besitz wurde durch Spruch des Reichshofrates zu Regensburg zu gunsten Hessen-Darmstadts entschieden, das nun ganz Oberhcssen erhielt. Da es sich als unpraktisch erwies, im Lande zwei Universitäten zu unterhalten, wurde die Universität Gießen, sowie das Gymnasium 1625 und 1626 nach Marburg verlegt und verblieben dort bis 1650. Nach­dem erst zu dieser Zeit der Marburger Erbschaftsstreit, der 1643 von der Landgräsin Amalie von Hessen-Kassel neu ausgenommen wurde, damit endete, daß Marburg zu Kassel tarn, mußte dem Landgrafen Georg II.. von Hessen-Darmstadt ebenfalls daran gelegen sein, eine eigene Hochschule zu besitzen; er verlegte daher seine Universität wieder nach Gießen, die nun seit 1650 hier ununterbrochen ihre Heim­stätte gefunden.6

*) Unter Ludwig IV. erfuhr Gießen ansehnliche Vergrößer­ung und Verschönerung. Ec errichtete 1570 das kürzlich neu her- gestellte Schloß neben der alten Kaserne, das sogenannteneue" Schloß. Er ließ 1582 eine große steinerne Brücke über die Lahn bauen, die oberhalb der heutigen stand, sowie 1585 ein größeres Zeughaus, die heutige alte Kaserne.

Ans Stadt und Land.

Gießen, den 8. Oktober 1904.

** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Betreffs dcr festen Tagesabonnements waltet verschiedent­lich noch das Bedenken ob, daß der Inhaber desselben zu sehr gebunden sei. Es sei deshalb auch an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß bei Verhinderung an einem be­stimmten Tag jederzeit gegen Aufzahlung von 25 Pfg. ein Gutschein erhältlich ist, der zum Besuch einer beliebigen anderen Monnementsvorstellung, sei es nun am Dienstag, Freitag ober Samstag, berechtigt. Außerdem fallen in die Spielzeit 26 Dienstage, Freitage re., während nur 16 Abonne­mentsvorstellungen festgesetzt sind. Es wird nun von selten der Direktion stets zeitig bekannt gegeben werden, an welchen Tagen Abonnementsvorstellungen stattfinden, damit die Interessenten Dispositionen treffen können. Auf dem Theaterzettel wird künftig eine besondere Rubrik das Datum der nächsten Abonnementsvorstellungcn angeben. Die nächsten Monnementsvorstellungen finden Dienstag

Gießener StMthealcr.

Die Journalisten.

Lustspiel in vier Akten von Gustav Fr eh tag.

Es sind auch Tage deutscher Vergangenheit, die in dem unverwüstlichen, herzerfreuenden Lustspiel lebendig werden, und es ist derselbe Geist herzlicher Biederkeit, der auch aus Freytags historischen Schilderungen und anspricht. In all den Bühnen­bildern und in der Handlung, in denen es keinen zaudernden Stillstand gibt, sondern nur einen frischen, fröhlichen Zug des Sckauens und Erkennens, klingt es wieder, was in Frevtags Schaffen fortlebt: rüstig voranschreitende, packende Erzähler­kunst in des Lustspiels Vorgängen liegt nichts Langatmiges, Ermüdendes oder gar Langweiliges und der kluge Blick für das geistig Regsame sowie dcr kernhafte Ton, der in der guten, lebens- und lernbedürftigm deutschen Seele aus der Erfahrung heraus angeschlagen wird. Dieses etwas lehrhafte Wesen des Romanschriftstellers, den nur deutsches Leben interessierte, schuf wahrhaft volkstiimliche Kunst, denn seine Erzählungen sind etwas derb zwar, aber umso fester geschmiedet in der Zusammenfasiung eines ganz bestimmten, sicheren und verläßlichen Temperamentes, dem das Versenken in subtile psychologische und ästhetische Wege allerdings fremd war. In seinenJournalisten" dringt drese künstlerische Begabung Gustav Freytags noch siegreicher durch als in seinen anderen Werken; denn hier vereinigen sich Anschau­lichkeit iind Knappheit mit einer ebenso lebhaften rote geschickt aufgebauten dramatischen Handlung. Nichts von dem heiteren Sinn und Zweck des Lustspiels geht verloren in dem halb simnerz- lichen Getriebe volitismen Zwiespalts und ernster Berufskämpse: des breite Lachen des Weinhändlers Piepenbrink stimmt uns ebenso lustig und behaglico wie die schüchterne Mtigkeit und die iimso selbstsichrere lyrische Kunst M jungen Mitarbeiters Bellmauö verfett uns in dieselbe heitere Befriedigung tote Pie l-bbasten Sprünge der anderen Berufsmenschen von der Feder und die Liebeswünsche der Militärtöchter.

Das Zeitungs'wesen iind das politische Leben hat Gustav Fr-Ytag aus eigener Erfahrung gekannt; er war selbst Redakteur und Kämpfer für seine Politik, den deutschen Gedanken. Mit seinenJournalisten" geht er in eine selbsterlebte Zeit zurück, in die ' W ganz eigenartiger politischer Zustände. Und was , r feinen Konrad Botz über die journalistische Tätigkeit sagen b .s qilt, ol gleich die gänzlich veränderten und fvrtgescyrtt- i i'i'eit Pi stände den Ernst und das Ansehen der literarischen r. - ,ii ,'| mehr und mehr vertieft haben, auch heute noch, wenngleich in unserer Zeit weit weniger Verlegenheitsartikel in bet Art derKolonisation in Australien" geschrieben werden

den 11., Dienstag den 18., Freitag den 14. und Freitag den 21., sowie Sonntag den 9. und Sonntag den 16. Okt. statt. Wegen plötzlicher ernstlicher Erkrankung des Herrn San­dorff geht morgen als erste Sonntagsabonnementsvor­stellung stattTalisman" das neueste Lustspiel von Schlicht und KraatzL i e b e s In a n ö v e r" in Szene. In erster Linie haben Fräulein Marga Ruf als schneidiger Kadett und Herr Giorgi als pensionierter Major Gelegenheit, sich aus­zuzeichnen. Aber auch die Herren Lüttjohann, Andreas Linzen, Lippert, sowie die Damen Gartner, Dülser, Fischer und Jenny sind mit größeren Aufgaben bedacht. Zweifellos wird die amüsante Novität denselben Anklang finden wie die beiden ersten Vorstellungen. DerTalisman" wird am nächsten Freitag wiederholt.

** Zur Wiederherstellung der Stadtkirche in Butzbach ist eine Festschrift von Pfarrer Schrimpf- Butzbach unter Mitwirkung des Kirchenbaumcisters Hof­mann-Herborn heraus gegeben worden. Die kleine Schrift ist mit Abbildungen versehen.

Mainz, 7. Okt. Den vereinigten Liberalen und Sozia­listen in der großen Gemeinde Mo mb ach, deren Einge­meindung nach Mainz erstrebt wird, ist es gelungen, bei den Gemeinderatswahlen einen Sieg über die Liste der Zenttumspartei zu erringen. In Gonsenheim da­gegen hatten sich Liberale und Zentrum vereinigt und brachten den Sozialdemokraten eine empfindliche Nieder­lage bei. Die Signatur der meisten rheinhessischen Ge- meindewahlkämpse bleibt im übrigen der Kampf gegen das Zenttum.

* Ein Quartiergeber nach Wunsch. Ein hübsches Beispiel der bereitwilligen Gastfreundschaft, die bei den dies­jährigen Manövern die Bewohner des Boigtlandes den Soldaten gewährten, wird berichtet: In der Nähe von Lengenfeld stand eine Feldwache, die aber infolge anhaltenden Regens nachts gegen halb 12 Uhr zurückgezogen wurde. Triefend naß gelangte ein Soldat, ein Einjähriger, im Städtchen an und suchte vergebens nach einem Nachtquartier. Ermüdet und abgespannt, klagte er einigen Offizieren, die ihm auf dem Markte begegneten, sein Leid. Während die Herren noch beraten, tritt ein einfacher Mann auf sie zu, erklärt, daß er gehört, um was es sich handle, und bittet dringend, ihm doch den HerrnSoldaten" zu überlassen. Er allein habe keine Einquattierung und sich doch so sehr darauf gefreut. Sein Vorschlag wurde gern angenommen und derHerr Soldat" hatte alle Ursache, mit seinem Wirte zufrieden zu sein. Rasch sorgte dieser für trockene Kleidung, richtete ein Abendbrot her und bemühte sich mit rührender Aufmerksamkeit um seinen späten Gast. Dem tat die außerordentliche Liebens­würdigkeit sehr wohl und er streckte sich behaglich auf sein schnell gerüstetes Lager. Anderen Tages mußte das Regi- ment schon früh 3 Uhr marschbereit sein. Neu gestärkt erhebt sich der Soldat und beeilt sich. Wer beschreibt aber sein Erstaunen, als er all sein Zeug schon sauber gebürstet vor­findet, ja, als er die Stiefel anziehen will, sieht er, daß diese sogar frisch besohlt sind! Hat der brave Schubmacher­meister seine Nachtruhe geopfert, um seinem Soldaten so recht die große Freude zum Ausdruck zu bringen, die er ihm mit seinem späten Besuch bereitet hat.

Die Steigerung der Lebensbedürfnisse.

Aus einer Aufstellung der Gesellschaft für Wohlfahrts­einrichtungen in Frankfurt a. M. ist zu ersehen, in welchem Umfange die Preise für die notwendigsten Nahrungsmittel utib Haushaltsartikel seit dem Jahre 1893 gestiegen sind. Es wurden teurer: Kalbfleisch pro Pfund 8,8 Pfg., Hammel­fleisch 4,4 Pfg., Ochsenfleisch 4,4 Pfg., Dörrfleisch 5,0 Pfg., müssen, schon weil glücklicherweise der amtliche Zensor nicht mehr droht, der ehemals der verhaßteste Feind aller redlichen Zeitungs­schreiber war.

Es jft ein heiteres und warmes Interesse, welches wir an dem spät erwachten ehrgeizigen Stteben des alten Obersten a. D. nehmen, der in seinen alten Tagen den Säbel mit der Feder vertauschen will und sich einbildet, es sei ein Leichtes, mit dem Derufsjournalisten auf dem Felde der Oeffentlickikeit sich zu messen. Die sich entwickelnde Rivalität zwischen dem alten Militär und dem gelehrten Redakteur auch in der Wahlkampagne, wobei beide als Kandidaten einander gegenüberstelM, Hand in Hand^mit den Liebeshosfnungen der beiden jungen Paare geben dem Stück eine Grundlage, die äußerst produktiv für die Ent­wicklung der Handlung ist, besonders bei dem eigenartigen Milieu, dem der Dichter seine besondere Aufmerksamkeit zu schenken hatte. So kommt es, daß alle Personen des Stückes unser Interesse in gleicher Weise fesseln und den Darstellern danckbare Aufgaben bieten.

Für die Figur des alten Obersten war Herr Linzen der rechte Mann. Ein noch strammer Mer, edel und ritterlich von Gesinnung, die bei ihm vom Ehrgeiz nur deshalb so gepreßt wird, weil dieser neu ist und dem ausgedienten Offizier eine ganz neue, ehrenvolle Laufbahn in Aussicht stellt. So gab ihn Herr Linzen, recht natürlich und wirkungsvoll. Sein Rivale, der .Professor Oldendorf erfuhr von Herrn^ S a n d o r f f eine weniger erfolgreiche Verkörperung. Herr Sandorff litt aber augenscheinlich an einer Erkältung, so daß er mit etwas schwacher Stimme sprach und das Auftreten^ des Politikers etwas matt und müde gestaltete, was in dem Stück keineswegs vor­geschrieben ist, da Oldendorfs zwar als eine ruhige, aber dock als tatkräftige und zielbewußte Persönlickckeit auch äußerlich erlschieinen soll. Sehr flott und ftisch spielte Herr Andreas den sprudelnden, gut- und leichtmütigen, aber der Tiefe der Empfindung und geistigen Blickes nicht entbehrendes Redakteur Bolz. Hier und da hätte diese prächtige Gestalt etwas weniger große Lebhaftigkeit und dafür etwas mehr Vertiefung vertragen, aber im ganzen war die Leistung des Darstellers doch durchaus beifallswert, z. B. auch in der köstlichen Szene, wo er seiner Laune munter die Zügel schießen lassen darf, als Piepenbrink und Genossen vor Freundschaft und Rührung ihm in die Arme sinken.

Bellmaus, der jugendliche Mitarbeiter derUnion", hat gestern sonderbarerweise dem lyrischen Element zu wenig Rech- ming getragen. Herr Lüttjohann hätte in dieser Figur ruhig etwas mehr karrikieren dürfen. Er konnte auch, wenn er nicht sprach, immerhin etwas mit den Augen himmeln und dem ihm innewohnenden dichtrrischen Rhythmus mit geeigneten taktischen Bewegungen mehr zum Ausdruck verhelfen. ^>ein Kol-

Schmalz 5,0 Pfg., Blut- und Leberwurst 5,0 Pfg., Bohnen 6,0 Pfg., Butter 2,0 Pfg., Mehl 1,0 Pfg., Erbsen 2,0 Pfg., Linsen 4,0 Pfg., Brot 1,9 Pfg. Eier wurden pro Stück um 0,1 Pfg. und Milch pro Liter um 1,0 Pfg. teurer. Ferner stiegen noch im Preise Kartoffeln pro Zentner um 70 Pfg., Holz und Kohlen um 10 Pfg. Dabei muß aber berücksichtigt werden, daß es sich hier um Preissteigerungen beim Groß­einkauf handelt, im Kleinhandel haben sich diese Preis­steigerungen noch bedeutend mehr bemerkbar ge­macht. Auch die Mietssteigerungen, die besonders in Groß­städten und in den Jndustriebezirken einen großen Umfang angenommM haben, sind unberücksichtigt gelaßen.

Vermischtes»

* Prinzessin Luise besuchte am Mittwoch zum erstes male seit ihrem Aufenthalt in Paris ein Theater. Sie er­schien in Begleitung Mattachichs in der komischen Oper. Der Wiener Korrespondent des Journal hatte eine Unter­redung mit dem Anwalt des Prinzen von Koburg, welcher bestätigte, daß Kaiser Franz Josef dem Prinzen nahe gelegt hat, die Sache so schnell wie möglich zu erledigen. Ebenso habe der Kaiser der Gräfin Lonyay den Rat gegeben, sich nicht mehr in die Angelegenheit zu mischen.

* Durch Röntgenstrahlen verbrannt. An den Folgen einer Verbrennung durch Röntgenstrahlen starb in Newyork C. M. Dally, der frühere Assistent Edisons, nach siebenjährigem Leiden. Die Verbrennung, die er sich bei Ver­suchen mit Röntgenstrahlen zugezogen hatte, entwickelte sich zu Krebsgebilden, die sieben Amputationen an Händen und Füßen nötig machten. Der Fall wurde von Medizinern des In- und Auslandes ständig mit größtem Interesse verfolgt.

* Kleine Tageschronik. Wie dieHamburger Nachr." melden, feierte dort am Freitag der großherzog­lich hessische Generalkonsul Georg Ferdinand» Go rissen und Gemahlin ihre Diamant-Hochzeit. Go- rissen, der seit 50 Jahren das Amt eines Generalkonsuls be- Neidet, wurde vom Hamburger Senat die goldene. Jubiläums­medaille überreicht. Ein Liebesdrama hot sich in Ber - lin 'abgespielt. In einer Fabrik war ein 23jähriger Arbeiter namens Klobe und eine 17 jährige Arbeiterin namens Pinkemell beschäftigt. Beide waren ein Liebes-Verhältnis eingegangen, welches die Eltern des Mädchens nicht billigten und deswegen ihre Tochter in einen Dienst taten. Heute traf Klobe seine Geliebte. Er nahm sie mit in die Fabrik, wo er die Türen ab­schloß und dann den Gashahn öffnete. Als später der Geschäfts­inhaber kam, fand er das Paar t o t vor. Es ist noch nicht fest­gestellt, ob der Tod des Mädchens mit deren Willen erfolgte. Zwei Eisenbahnmaterialienverwalter in Lauban in Schlesien wurden Wegen Unterschlagung verhaftet und in das Ge- rick>tsgefängnis übergeführt. Sie ließen einer Breslauer Mtwaren- handlung, welche Eiserlbahn-Mtmaterial kauft, nach und nach 50 ungewogene, ungebuchte Waggons mit solchem Material zu­gehen. Am Freitag explodierten drei Geschosse in dem Fort Sainte Marie in C a l l o o bei Antwerpen, wodurch das ganze Pulvermagazin zerstört wurde. 11 Soldaten wurden getötet, viele andere, darunter zwei schwer, wurden verwundet. Die Meldung über einen Stempelabgang bei der Staatsdruckerei zu B u d a p e st ist dahin zu berichtigen, daß auf dem Preß­burger Poftamte schon seit längerer Zeit beim (Eintreffen jeder Sendung das Fehlen einiger Stempelmarken festgestellt worden ist. Ter Gesamtabgang beträgt etwa 700 Kronen.

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lege Kämpe stellt dem Schauspieler nur anspruclislose Aufgaben, und Herr Knabe wicrde, so gut es ging, mit ihm fert'g.

Neben Bellmaus steht eine andere Figur, die gleichfalls das Publikum sehr zu erheitern pflegt und eine dankbare, aber nicht ganz leichte Aufgabe stellt: Schmock, der Zeilenschinder. AuS ihm ronr mehr heraus'zubringen, als Herr De Giorgi gab. An diese Rolle sollte ein gewiegter Charakterdarsteller sein ganzes Können anlegen und dem Publikum etwas Interessantes und äußerst Heiteres bieten. Schmocks gewöhnliches Verhalten muß Demut und Unterordnung sein, die, wie der Darsteller durchblicken, lassen muß, nur an einem dünnen Haar hängt, denn derMit­arbeiter"^ hat in seinem verborgenen Innern sein Recht, seine eigne .Welt, die des Profits und der immerdar niedergedrückten, nur sich selbst gewidmeten Gelüste; mit einem Wott: er will ans der Literatur heraus". Gestern nun kam diese stille, man möchte beinahe sagen: abgeklärte devote Unterordnung nicht nachhaltig, genug zum Ausdruck, während einige blitzartige Affek- tionen, die gewiß höchst wirksam werden können, etwas über­trieben wurden. Nichtsdestoweniger hat der interessante Nach­richtenhändler geftern abend seinen Eindruck nicht verfehlt.

Herr Ellen als Redakteur desCoriolan" war korrekt, der Gutsbesitzer Senden, sein Parteigenosse, von Herrn Hüsing dargestellt, etwas steif.

Von den Frauenrollen ist die der Adell-eid Nuneck die be­merken sw-erteste. Frl. Gartner war ihrer Aufgabe vollauf gewachsen; sie stellte d-ce reiche Erbin und frühere Jugend- gcspielin des Pfarrersohnes Bolz in ihrem ganzen Wesen erfolg­reich dar: keck in der Beurteilung des weiblichen Vermögens, fidel, munter imb listig im Gegensatz zu der Resigniettheit itnb Hoffnungslosigkeit der ihr Nahestehenden und siegreich in der Durchführung ihres Plaues, womit sie sich den Geliebten selber zu holen weiß. Ida, die Tochter deS Obersten Frl. Neri hatte die Rolle inne war kindlich gut zu dem betörten Vater, schüchtern und ängstlich in der Erivai-tung de>s AusgangeS des Konfliktes zwischen dem Vater und dem Geliebten, und man konnte mit der Darstellung zufrieden fein.

Was schließlich die Piepenbrinks anlangt, so blieben er so­wohl wie seine Alte bem Drang ihres Herzens nichts scknlldig, der, wenn man nur an die richtige Stelle rührt, in der Be­geisterung und im Ausfluß der innersten Ueberzeugung ohne gleichen ist. Herr Conradi batte an dem Erfolg der herz- erquidenbvn Wahlkainpfassäre seinen großen Anteil neben der Ckrttiu Piepenbrinks (Frau Fischer), die mit der Wärme ihres weiblichen Instinkts unb fliegender Ballschleife den Zug in5 Union ist ische Wahllager mitmamt.

Das Zusammenspiel der Darsteller tvar zuftledenstellend, und das nut besuchte Hau.- nahm die Vorstellung mit großem Beifall! auf. A. G.