Freitag 8. Jamrar 19V4
Erstes Blatt
154. Jahrgang
Nr. 6
Erscheint täglich autzer Sonntags.
Dem «Lietzener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Keffifchen Landwirt btt Stehener Kamillen- blätter oicrmal tn der Woche de »gelegt.
StolalronSdruct a. Der- lag bei Brühl 'ichen Untvers.-Buch- u. Stein- d rackeret (Pretlch Erden) IRebattton. ttrpcbiiUMi und Druaeret:
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW
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Deutsches Reich.
Berlin, 7. Jan. Ter Kaiser nahni heute die Borträge des Kriegsministers, des General-Inspekteurs der Festungen, des 'Cl>efs des Generalstabes der Armee und des Chefs des Militärkabinetts entgegen.
— Aus gut unterrichteter Quelle wird der „Post" zu- folge versichert, daß der Kaiser das Abschiedsgesuch des kommandierenden Generals des 11. Armee-Korps, General-Adjutanten von Wittich nicht genehmigt f)a6e. da von Wittich im nächsten Jahre sein 50 jähriges Ticnstjubiläum feiert und alle Generaladjutanten des Kaisers in ähnlichen Fällen bisher ausnahmslos im Dienst geblieben sind, (bis zu dieser Zeit).
— In ungarischen politischen Kreisen wird, wie man LUs Budapest von besonderer Seite schreibt, die Möglichkeit eines Besuches des KaisersFranz Jesof am d eu t- schenKaiserhose erörtert. Hierbei spielt die Frage erne gewisse Rolle, ob der Besuch, welchen Kaiser Wilhelm im September dem befreundeten Souverän abstattete, als ein solcher aufzufassen ist, der in einem gewissen Zeitraum einen Gegenbesuch erforderlich erscheinen läßt. Bekanntlich hatet sich ja Kaiser Wilhelm nicht offiziell ungesagt, sondern lediglich die Einladung des Erzherzogs Friedrich zu einer Jagd in Belye angenommen und sich erst viel später entschlossen, auch der Einladung des Kaisers Franz Josef, auf der Rückreise in Wien zu verweilen, Folge zu leisten. Kaiser Franz Josef begibt sich nun im Frühjahr nach England, um den Besuch des Königs Eduard VII., der ja ein hochoffizieller Antrittsbesuch gewesen ist, zu erwidern. Man hält es deshalb nicht für,ausgeschlossen daß Kaiser Franz Josef sich auf der Rückreise von England nach Berlin begeben könnte.
— Tie Heeres-Vcrwal tung beabsichtigt einen Teil der zur Heeresausrüstnng erforderlichen M a s ch i n en- gewehre, die bisher ausschließlich von einer inländischen Privatfabrik geliefert worden sind, künftighin in eigenerRcaieherstellen zu lassen. Es soll zu diesem Zw«ck in Angliederung an eine bestehende Militär-Werk- stätte eine entsprechende Fabrikanlage errichtet werden, lieber den Sitz dieses neuen Industriezweiges der Marine- Verwaltung ist noch keine Bestimmung getroffen.
— Staatssekretär Graf Posadvwsky, der in den Ehren-Ausschuß für den Frankfurter Stenographen-Kon- greß nach Stolze-Schrey ein getreten war, hat hei, Ueber- reichimg des gedruckten Berichts über den Kongreß sein lebhaftes Interesse sowohl für die Leistungen der Stenographen als auch für diejenigen der Maschinenschreiber betont. Ter Staatssekretär erklärte u. a., daß in unserer Zeit die Stenographie und Maschinenschreiberei mit ihren zeitkürzenden Wirkungen eine ganz besondere Rolle sviele. Beides sollte in noch höherem Maße als bisher im Geschäftsleben benutzt werden. Durch die wertere Verbreitung der Maschinenschrift werde auch die Kurzsichtigkeit wesentlich bekämpft.
— Der Bundesrat nahm die Vorlage betreffend die Uebersicht über die Verhältnisse der von dem Reiche unterstützten Baugenossenschaften usw. zur Kenntnis und überwies dem Ausschuß die Vorlage betreffend Aender- ung des § 20 Abs. 2 der Eisenbahnverkehrsordnung. Zugestimmt wurde dem Ausschußantrage betreffend die Kosten für Herstellung und Unterhaltung der zollsicheren Umschließungen, der Zvllausschluß- gebiete und Freibezirke und dem Ausschußantrage zu dem Entwürfe einesGesetzes betreffend dieKauf- m a n n s g c r i ch t e. Ebenso wurde die, Zustimmung erteilt dem Ausschußberichte über den Gnttvurf eines Gesetzes betr. die Verlängerung des Friedenspräsenz-Gesetzes vom 25. März 1899, ferner den Ausschußbericht betr. den Entwurf eines Gesetzes über den Servistari und die Klassenverteilung der Orte, endlich dem Ausschußberichte über ein Gesuch um anderweite Berechnung von Ruhegehalt.
— Die „Post" schreibt, nach einer Mitteilung des ersten Staatsanwalts am Landgericht II. Berlin seien Ermittelungen darüber im Gange, ob anläßlich der Abgevrd- netenwahl im Kreise Teltow am 20. November 1903 strafbare Handlungen vor gekommen seien.
Ausland.
Christiania, 7. Jan. Tie Regierung arbeitete einen Gesetzentwurf aus, nach dem Frauen in staatlichen Aemtern angestellt werden können, wenn sie die Bedingungen erfüllen, die nach der Verfassung für Männer vorgeschrieben sind, und für die ftaglichen Aemter die, erforderlichen Eugenschasten besitzen. Au s g e s ch lo s s en sollen die Frauen jedoch von einzelnen Aemtern, wie Geistlichkeit, Polizei, Konsul« te und Militärdienste bleiben. .
Paris, 7. Jan. Tie Leichen feier für die Prinzessin Mathilde fand in der Kirche Saint Graften, dem Wunsche der Verblichenen entsprechend, in aller Stille statt. An der Feier nahmen Kaiserin Cuaenie, die Prinzessinnen Clothilde und Lätitia und der deutsche Botschafter Fürst Radolin teil, der im Namen des deutschen Kaisers einen prachtvollen aus Rosen, Flieder und Verl^- cken gewundenen Kranz, dessen weiße Schleife den Namens- iun> des Kaisers trägt, itau) Saint Gratien gesandt halft. Graf Primoli, Neffe der Prinzessin, begab sich heute nachmittag im Auftrage der Kaiserin Eugenie zum Fürsten Radolin, um ihm mitzuteilen, daß die Beilmdsbe^euMNg und die Kranzspende des Kaisers Wilhelm die Kafterm überaus gerührt hätten und daß sie den Botschafter bitte, ihren ftefsten Tank dem Kaiser zu übermitteln.
— Im Hinblick auf Erörterungen, die das vom französischen Minister des Inneren verfügte B e r b o t des Straßburger Wochenblattes „Der Volks-
freund" in der elsässischen Presse hervorgerufen hat, wird in einer offiziösen Note erklärt, daß das Verbot wegen der von diesem Matte gegen die französische Regierung und deren Politik gerichteten Angriffe erfolgte.
Die Krists in Hstasten.
Nach Mitteilungen aus maßgebenden diplomattschen Kreisen soll in den letzten Tagen eine entschieden günstige Wendung in dem Verhältnisse Rußlands zu Japan ein- getreten sein. Man sagt sogar, daß der kritische Zustand Pvischen beiden Reichen überwunden und eine nochmalige Zuspitzung der Lage höchst unwahrscheinlich sei. Demgegenüber kann man den von englischer Sette erfolgenden Ausstteuungen, wonach die mttitärischen Maßnahmen Japans, die auf einer Besetzung einzelner Küstenpunkte in Korea hinzielen, geeignet wären, den Krieg Mischen beiden Rivalen zu entfesseln, keinen Glauben schenken. Die Regierungen werden sich hierüber chon einigen, und wenn eine Landung japanischer Truppen ebenfalls zum Schutze ihrer Landsleute — in Korea er- olgt, so kann man gewiß sein, daß dies im Einverständnis mit Rußland geschieht.
Reitter meldet aus Paris, es verlauft von wvhlinfor- mierter Stelle, daß auch die französische Regierung eifrigst bedacht sei, den russisch-japanischen Konflikt abzuwenden. In politischen Kreisen Frankreichs glaube man zuversichtlich, daß, wenn England die Jnttiaiive zu einer Vermittlung im Interesse des Friedens ergriffe, die französische Regierung auf Einladung bereitwillig sich solchen Bemühungen anschließen würde.
In Tokio ist in amtlichen Kreisen weder von der Landung von Japanern in Masampho, noch von einer derartigen Absicht etwas bekannt. Die Meldung von einer angeblichen Besetzung dftses Hafens seitens Japans beruht auf Er- indung.
Das Auswärtige Amt zu Petersburg erhielt ein Telegramm aus Tokio, daß Baron Rosen am 6. d. M. die Antwort Rußlands auf dft japanische Note dem japanischen Kabinett überreichte. Nach einem Telegramm der „Associated Preß" aus Tokio verlautet aus guter Quelle, Rußlands Antwort lauft unbefriedigend, besonders hinsichtlich Koreas. Wetter heißt es in dem Telegramm, Rußland habe den Wunsch ausgedrückt, die Meinungsverschiedenheiten möchten auf friedlichem Wege geregelt werden. -Solange die Aussicht auf eine solche Regelung bleibe, werde Japan die Verhandlungen fortsetzen, aber das japanische Minisftrium sei gegen eine lange Hinausschiebung der Regelung.
Der «nerikanische Gesandte in Sveul telegraphierte an das Staatsdepartement zu Washington, daß die russischen Seeleute, denen die Japaner die Weiftrreise von Dsche- mulpo nach Soeul auf der Eisenbahn verweigerten, zu Fuß Sveul erreichten.
Ter japanische Minister des Auswärttgen, Kvmura, und der russische Gesandte, Baron Rosen, hatten am 6. d. M'. nachmittags in der russischen Gesandtschaft eine Besprechung, da Baron Rosen noch immer unwohl ist. Die russische Antwort auf die japanische Note wird geheim gehalten. Am 7. d. M. wurde eine Sitzung abgehalten, an welcher der Ministerpräsident, die Minister des Auswärttgen, des Kriegs und der Marine, sowie hervorragende Persönlichkeiten ftilnahmen. Heuft, am 8. d. M, findet voraussichtliche eine Sitzung der alten Staatsmänner statt. In bestunterrichftten Kreisen herrscht der Eindruck vor, daß die Antwort Rußlands unbefttedigend sei. — An der Börse erholten sich am 6. dft Kurse etwas, gaben aber am 7. wieder nach. In der Bevölkerung ist die Stimmung sehr unruhig.
Wie das Wiener , Fremdenblatt" erfährt, wird .für den Fall eines Krieges in Ostasien auS dem österreichischen Generalstabskorps in jedes Hauptquartier je ein Offizier gesandt werden. — Seitens Japans werden in Triest große Proviantankäufe vorgenommen. Ein Llvyddampfer ist mtt einer Ladung Proviant und Munition für Rechnung der japanischen Regierung abgeaangen. Zwei in Genua von Japan angekaufte argenttuische Kreuzer, deren Bemannung in aller Eile ergänzt wurde, werden dort in zwei Tagen abgehen. Ingenieure imd dlrbeiter der Genueser Werft werden während der Fahrt die Installation ergänzen.. In Genua ist der japanische 2ldmiral Miri eingettoffen, um den Befehl über die beiden Kriegsschiffe zu übernehmen.
Aüs Stadt und Lund.
Gießen, 8. Januar 1904.
** Adreßbuch der Stadt und des Kreises Gießen. Das von der Brühlschen Universitäts-Druckerei soeben zur Ausgabe gelangte Adreßbuch der Stadt und des Kreises Gießen auf da§ Jahr 1904 liegt uns zur Besprechung vor. Es ist wohl das erste in Deutschland erschienene Äldreßbnch, das ein vollständiges Adressenverzeichnis nicht nur einer Stadt, sondern eines ganzen, 84 Bürgermeistereien und über 90 Ortschaften umfassenden Kreises enthält. Die Beschaffung des Materials hierzu repräsentiert ein tüchtiges Stück Arbeit, und vielfache Schwierigkeiten dürsten überwunden worden sein, die um so größer erscheinen, als nicht die geringsten Anhaltspunkte vorhanden waren. Das gesamte Material ist noch unseren vietfälttgen Sttchproben sorgfältig bearbeitet und, wft man uns mttteilt, wiederholt auf das genaueste geprüft worden, und so dürfen die Abnehmer des nun in schmuckem, geschmackvollem und gediegenem E noande vorliegenden stattlichen Buches überzeugt sein, daß sein Inhalt dft Ansprüche auf vollste Zuverlässigkeit nach Möglichkeit erfüllt. Wie vom Verlage hören, haben eigene Beamte und Voten an Ort und Stelle in Land und Stadt ihre Feststellungen gemacht. Dadurch wird die Korrektheit jedex ein
zelnen Adresse am sichersten gewährleistet. Dem Übersicht lich geordnete Straßenverzeichnis Gießens ist il a. Hn klar gezeichneter Originalstadtplan von leichftster Orientterbarkett beigefügt, der, nach dem neuesftn Status ausgenommen, in der Brühlschen Offizin hergestellt wurde. Das Einwohnerverzeichnis bringt außergewöhnliche Be- quemlichketten. Nicht nur sind den Privatadressen dft Firmennamen beiaefügt, man kann sich auch besonders leicht in dem Buche zilrechtfinden, wett z. B. jede Behörde, jedes Universitäts-Institut, jede Firma, die man Wohl unter zwei Buchstaben suchen körmte, hiev wie da, an zwei Sftllen auch tatsächlich zu finden ift, z. B. das Provinzial-Siechenhaus unter P. wie unter S., das Mediko-mechanische Institut unter M. wie unter I., den. Gießener Festsaal unter G. wie unter F. usw. usw. In dem! Teile „Straßen und Häuser von Gießen" istj e d er S tr a ße ein Svnderplänchen vorgesetzt, das ein anschauliches Bild von ihr nebst ihren Querstraßen gibt. Das „Gießenev Geschäftsvcrzeichnis" enthält nicht nur eine Aneinanderreihung dar Nanren und Fttmen, sondern such in genauester Gliederung nach den einzelnen Gewerben nsw. die voll«en Abressen, wodurch jedes d-ovpelte und dreifache Durchs suchen des Buches entbehrlich wird. Der Abteilung „Vereine und Kassen" ist ein sorgfälttg redigiertes alphabetft sches Verzeichnis vorgestellt, das die Auffindung jeder! einzelnen Körperschaft ungemein erleichtert. — Wir haben hier nur einen kleinen Lett der Vorzüge dftses neuen Adreßbuches erwähnt, dessen starke Verbreitung^ in Stadt und Land wegen seiner Eigenart und Genauigkeit keinem! Zweifel unterliegt. Ter Preis des 436 Seiten zählenden Buches ist nur 3 Mark. Tie Ausgabe des Buches beginnt heute in beschränktem Umfange.
•* DaS Stöcker'sche .Volk" äußett sich zu dem 9e* suche unseres Großherzogs in der Darmstädter Herberge zur Heimat folgendermaßen:
»Man will es in diesem Lager (der „Hamb. Nachr." D. dem Grobherzog immer noch nicht verzeihen, daß er einmal auf einem parlamentarischen Abend beim Kammerpräsidenten einem Gespräch mit dem „roten" Abg. Ulrich nicht auswich, obgleich das die natürlichste Höflichkeit von der Welt war: man vergißt dabei, daß unser Kaiser, den gewiß niemand umstürzlerischer Neigungen bezichtigen wird, sogar zu sich z u T i s ch e den sozialdemokratischen Polier Buchholz während der ArbeUerjchutz- konferenz geladen hat. Die zartePsyche Ernst Ludwigs von Hessen ist nichts für grobfingerige Zeitungschreiber. Ihn können nur künstlerisch und in bestem Sinne religiös gestimmte Gemüter verstehen. Ueber seine geliebte Kunst, die er nicht nur als Dichter und Komponist, sondern auch als Zeichner für gewerbliche Ent- wlitte betätigt, geht ihm nichts, und auch die Kirche, die einst ein Verbot von Theäteraufführungen am Totensonntag vergeblich von ihm zu erreichen suchte, darf ihn da nicht stören. Aber gleichzeitig ist er auch ein tief religiös angelegter Geist, und gerade darum sollte man dem Dulder sein karges Weihnachtsglück gönnen.
*♦ Professor Eck. An stelle des Geh. Kirchenrats Professors Tr. Ferdinand Kattenbusch, der bekanntlich den, durch das Ableben des Konsistvrialrats Pros. Tr. Hermann Schultz erledigten Lehrstuhl für systematische Theol-ogie in Göttingen übernimmt, ist, wie wir gestern schon mitt eilten, per Stadtpfarrer Sic. thevl. Samuel Eck zu Darmstadt zum ordentlichen Professor in der theol. Fakultät der Unft versttät Gießen mtt Wirkung vom 1. April ernannt worden. Eck, bisher Ersatzmann der evangelischen Landessynode, war früher Pfarrer in Offenbach.
** Ein Brand hat gestern abend gegen 1/2IO Uhr plötzlich dft Bewohner unserer Stadt aufgeschireckt, als von den Kirchtürmen geläutet wurde. Als «man den westlichen Himmel glühend gerötet sah, eilte man nach dieser Richtung und fand, daß es dft Rübsamen'sche Badeanstalt an der Lahn war, wo Feuer ausgebrochen war. Als dft städttsche Feuerwehr auf die Branöstelle eilte, fand sie die ganz aus Hokz aufgebaute Anstalt in hellen Flammen stehend. Nur das nördliche Nebengebäude hatte nock nicht Feuer gefangen, und die Mannschaften mußten sich darauf beschränken, das Feuer zu lokalisieren und dieses Gebäude vor der Vernichtung zu bewahren, was in kurzer Zeit auch! gelang. Die ganze iwrige Anstalt, mit Ausnahme eines südlichen Seitenbaues, brauuft so stark, daß man einfach! das völlige Niedevbrennen abwarten mußte. Al? das nördlich liegende Gebäude vor den Flammen gesichert war, ging die Feuerwehr daran, den schon erwähnten südlichen Seitenbau, der an der einen schmalen Wand schon Feuer gefangen hatte, den Flammen zu entreißen, indem sie in das kleine Gebaube. welches fast vollständig mit leeren, geteerten Fässern gefüllt war, eindrang, den Bau auseinander brach und Balken, Bretter und Fässer in Sicherheit brachte. Rack iVMndiger Arbeit konnte der größte Teil der Feuerwehr die Brandstelle verlassen. Die Rubsamcnsche Badeanstalt ist ftülher schon einmal niebergebrannt; bamals war sie versichert. Auch> der jetzige Besitzer hat, wie wir hören, sein Anwesen versichert. Was die Ursache des Brandes anlangt, so vermutet man Brandstiftung, namentlich mit Rücksicht darauf, daß zur Winterszeit die Räume der Anstalt nickt benutzt zu werden pflegen. Wie wir vernehmen, haben Personen, die zuerst auf der Brandstelle erschienen waren, Ruse gehört: .,Schaff doch zuerst dft Pech ringe weg", was wohl auch auf verbrecherische Absichten schließen läßt. — Eine außerordentlich große Zu- schanermenge strömte allenthalben zu den brennenden Gebäuden, die die weiße Eisfläche der zugefrorenen Lahn in Helle, abenftuerlicho Beleuchtung versetzten. Trüben airt andern User stand cbensolls eine dicht gedrängte Zusch-auer- menge, und dft Schutzleute konnten nur mit Mühe Waghalsige, die den F!u.ß an gefährlichen Stellen — Eisbrecher hatten dft Eisdecke teilweise aufgebrochen — überschreiten wollten, von ihrem Vorhab«"' zurückhalten. Ueb- rigens hörten wir auch die Vermutung aussprechen, daß bei der Anstalt arbeitende Leute vielleicht mit einem Wärme- ober Kvchfeuer, ben Branb, ohv- daß sie es wollten, ver-


