Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'fchen Unwersttätsdruckerei. R. Lange, Gteße«.
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulftr.?. Tel. Nr. 61. Telegr^Adr. r Anzeiger Gietzm,
Rr. 288 Zweites Blatt. 134. Jahrgang Mittwoch *5*. Dezember 1904
Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntags. X sA A.A
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^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der MM Hf L4 0 M L, W ti l&v Mr 6-| W B W.W TL
«hesfijche Landwirf erscheint monatlich einmal. v-w v^s/ -
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.
Kine Botschaft des ^rästdenten Wooftvett.
Washington, 6. Dez.
Tie heute im Senate und im Repräsentantenhause verlesene Botschaft des Präsidenten Roosevelt hebt einleitend hervor, daß die Vereinigten Staaten sich fortdauernd eines bemerkenswerten Gedeihens erfteuen. Mit Recht werde ihn solcher Zeit mehr als in ungünstigen zu größeren Ausgaben für dauernde Zwecke, für den Bau von Schlachtschiffen, Forts, öffentlichen Gebäuden und für die Verbesserung von Wasserstraßen geschritten.
Tie Regelung der Fragen von Kapital und Arbeit sei durch die Trennung der Machtbefugnisse der Bundesregierung und der Einzenstaaten erschwert. Besonders zeige sich diese SckMierigkeit hinsichtlich der Gesetzgebung über das ArbeitenmitirngeheurenKapitalien. Auch zum Schutze der Rechte der Arbeit, wie andererseits gegen Ueber- grifse der Arbeiterorganisationen emzuschreiten stehe der Bundesregierung nur selten das Recht zu. Gegen Ausschreitungen der letzteren müßten aber alle guten Bürger und öffentlichen Diener Front machen. Pöbelherrschaft dürfe in keiner Form geduldet werden. Die Lohnarbeiter hätten aber Anspruch auf besonderen gesetzlichen Schutz. In ihrem Interesse solle nach Möglichkeit ein strenges H af t p f l i ch t g e s e tz durchgeführt werden.
Tie Botschaft beklagt die Uebervölkerung der Großstädte und die Entvölkerung des flachen Landes und wünscht scharfe Kinderarbeits- und Fabrikinspektionsgesetze und das Verbot der Frauenarbeit in Fabriken. Längere Ausführungen sind dem Ackerbau, der künstlichen Bewässerung wasserarmer Gegenden, dem Forstwesen, den Wildschuhgebieten rc. gewidmet.
Jeder Silberdollar sollte gesetzlich in Gold einlösbar gemacht werden.
Bezüglich der Einwanderung und der Naturalisation führt die Botschaft aus, es wäre absurd, einen Unterschied machen zu wollen zwischen dem Manne, dessen Eltern nach Amerika einwanderten, und dem Manne, dessen Eltern schon vor mehreren Generationen landeten. Jeder sei berechtigt, lediglich nach seinem Werte als Mensch beurteilt zu werden. Aus welchem Lande die Einwanderer kämen, sei glcichgiltig; wenn sie körperlich und geistig gesund, vor allen Dingen aber guten Charakters seien, dann solle man sie mit herzlicher Gastfreundschaft bewillkommnen. Tie gute Lebenshaltung der amerikanischen Lohnarbeiter auftecht zu erhalten, sei wesentlich, und deshalb sollten nicht Massen von Leuten zugelassen werden, deren Lebenshaltung, Gewohnheiten und Gebräuche derart seien, daß dadurch die amerikanischen Lohnarbeiter auf eine niedrigere Stufe herabgedrückt werden könnten.
Wenn man von der auswärtigen Politik und der Haltung sprechen wolle, welche die amerikanische Nation in der Welt beobachten solle, so sei davon untrennbar die Frage, welche Stellung der Kongreß gegenüber der Armee und namentlich der M ar in e einzunehmen gewillt sei. Wie für ein Individuum sei es auch für eine Nation nicht nur unklug, sondern lächerlich, eine hochtrabende Sprache zu führen, wenn sie sich nicht auf eine entsprechende Macht stützen könne. Fehle die Absicht, eine solche Macht zu schaffen und zu erhalten, welche erforderlich sei, einer kräftigen Haltung Nachdruck zu verleihen, dann sei es besser, kerne solche Haltung einzunehmen. Die Botschaft führt dann aus, das feste Ziel des amerikanischen Volkes, wie aller erleuchteten Nationen, sollte darin bestehen, den Tag näher zu bringen, an welchem in der ganzen Welt der Friede der Gerechtigkeit herrsche. Gewisse Arten von Frieden wären im höchsten Grade unerwünscht, und auf die Tauer ebenso zerstörend, wie irgend ein Krreg. Tas Ziel, welches der Nation und der ganzen Menschheit, gesetzt werden sollte, das sei der Friede der Gerechtigkeit, der Friede, welcher komme, wenn jede Nation nicht nur in ihren eigenen Reihen gesichert sei, sondern auch ihre Pfucht anderen gegenüber genau erkenne und erftille. , Es sei Pflicht, im Gedächtnis zu behalten, daß eine Nation nicht mehr Recht habe, einer anderen, schwachen oder starken, Nation eine Ungerechtigkeit zuzufügen, wie einem EZ^lnen Menschen einem anderen gegenüber em solches Recht zustehe. Aber man dürfe auch nicht vergessen, «3 o Pflicht einer Nation, wie die des euMlnen Menschen.sei, oi eigenen Rechte und Interessen zu schuhen, solange nicht Mittel und Wege gefunden seien, Nationen, Unrecht begehen, internationaler Kontrole zu unterstell en, wäre es für die zivilisierten Nattonen ernet bof abzurüsten. Eine vollständige Abrustun. g von seii en der großen zivilisierten Völker wurde gleichbedeutend mtt einem sofortigen Rückfall in die Varbar^^in^r
Kleines Iemsseton.
der Brennpunkt der großen ^olk.bew q . Schiller-
Reichsversasfi'nq des Frankfurter darlam , Sänger-,
WZZMLM-Z im Jahre 1891 in swvi Friedrich Stoltze. Ms nationaler
« bis 18 Ü mit w-gh und Fr-Mg.
Frechcitssinger wetten Gedichte bilden eilte poetische
rnlf) und Hnc W ^s Aufschwungs der Nation im Geiste Chronik lener Epochendesmotzen deutschen Volks- Schillers, der Ma J . Q^er H^rwegh und Frestigrath 1849 mufacn besaß Stoltze in der fteien Stadt Frank- Freistätte an der er zwar zunächst auch nicht mehr «L ää r sk
S Ä ber witzig-kecke Redakteur der ^ruuk- Krebbelztg" und der „Sntcrn" wegen Presivergetzen ver- uN t " Zuletzt auch in Preutzeu zu 17= >hren GesungmSba t “H? ffionfinntion in der eigenen geliebten erstadt Hut Swltzes vulilijctted Miirtyrerlum zu einem traglkeumschen, ihn selbst aber
einen oder anderen Form, sein. Ein großes, freies Volk ei es sich selbst und der Menschheit schuldig, vor den Mächten des Bösen nicht zur Hilflosigkeit herabzusinken.
Bezüglich der Politik der Vereinigten Staaten gegenüber den anderen Ländern der westlichen Hemisphäre erklärt die Botschaft, es sei unwahr, daß die Vereinigten Staaten von Ländergier erfüllt seien, oder hinsichtlich dieser Länder andere Projekte hegen, als solche, welche deren Wohlfahrt bezwecken. Jedes dieser Länder, dessen Bevölkerung sich gut führe, könne auf die herzliche Freundschaft der Vereinigten Staaten rechnen. Anhaltendes Unrechttun aber und Ohnmacht würden, wie sie anderwärts auch das Einschreiten einer zivilisierten Nation erfordern, auf der westlichen Hemisphäre auf Grund der Monroedoktrin die Vereinigten Staaten zwingen, wenn auch widerstrebend, die internationale Polizeigewalt auszuüben. DieMZnteressen der Vereinigten Staaten und die ihrer südlichen Nachbarn seien in Wirklichkeit identisch.
Die starke Waffe der Negierung — heißt es in der Botschaft weiter —, durch welche die Negierung ihren Rechten in internationalen Angelegenheiten Achtung verschafft, sei die Flotte. In deren weiteren Ausbau dürfe kein Stillstand eintreten. Es gebe keine größere patriotische Pflicht, als die Flotte den Bedürfnissen des Landes entsprechend zu erhalten. Die Stimme Amerikas sei mächtig in der Frage des Friedens, und sie sei mächtig, weil Amerika den Krieg nicht fürchte. Der Krieg im fernen Osten habe gezeigt, daß das Hauptgewicht für jede Flotte, die dieses Namens würdig sei, auf die großen Schlachtschiffe zu legen sei. Die Botschaft befürwortet ferner den Bau von Torpedobootszerstörern und von Unterseebooten. Das Flottenpersonal müsse auf den höchsten Grad der Leistungsfähigkeit gebracht werden.
Bezüglich des Heeres betont die Botschaft, daß dieses mehr Offiziere benötige. Ferner sei es wichtig, daß die Offiziere sich in der Führung größerer Mafien üben, und daß die Natinnalgarden der einzelnen Staaten sich an das Manöverieren im Felde, besonders in Verbindung mit der regulären Armee, gewöhnen.
Mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß das amerikanische Kapital durch die Gesetzgebung ermutigt werde, aus den Philippinen Anlage in Eisenbahnen, Faktoreien, Pflanz- ungen und Minen zu suchen, schließt die Botschaft.
Dcrmijcbtw*
* Die neue ft en französischen Duellkomödien. Der sozialistische (!!) Abg. Jaurös und der frühere Abgeord- nete und Antisemit D6roul öde haben ihren Zweikampf am Dienstag in der französisch-spanischen Grenzstation Hendapn ausgefochten. Das Pistolenduell ist ohne Resultat verlaufen. Beide Gegner, die sich auf 26 Schritt Entfernung gegenüber standen, schossen in die Luft. Sehr komisch wars, daß Jaurös vorher ausführlich erklärt hatte, daß er im Prinzip ein Gegner des Duells sei. Die deutschen Sozialdemokraten finden denn auch mit Recht das Gebühren des Theorie und Praxis so wunderlich auseinanderhaltenden Herrn Jaurös unbegreiflich. Herr Döroulöde, der aus Frankreich Verbannte, hatte von der republikanischen französischen Regierung zu diesem Duell freies Geleit aus französischem Boden erhalten! — In Toulouse fand ferner infolge einer Preß-Polemik zwischen dem Redakteur des Blattes „Döpöche", Le fort, und dem Journalisten L o rm ey ein Duell statt. Nach sechsmaligem Kugelwechsel wurde letzterer schwer verletzt, fein Gegner verhaftet.
* Ein Schildbürgerstückchen. Ein heftiger Kampf zwischen Berliner Unternehmern und dem Magistrat der mecklenburgischen Stadt Fürstenberg findet seit einigen Wochen auf dem Schwedtsee statt. In der Nähe des Dorfes Navens- brück, dicht an der mecklenburgischen Grenze, wird zurzeit eine Sandsteinfabrik errichtet, die einem Berliner Konsortium gehört. Von der Fabrik aus ist zum besseren Transport der Waren eine Hafeneinbuchtung nach dem Schwedtsee bezw. der Havel geschaffen. An der Mündung des Hafens zum Schwedtsee müssen Baggerarbeiten vorgenommen werden, deren Ausführung jedoch vom Fürstenberger Magistrat untersagt wurde. Die Berliner bestritten aber den Fürstenbergern ihre Hoheitsrechte, da nach der Generalstabskarte die Grenze am See als streitig bezeichnet wird. Sie ließen daher durch mecklenburgische
Staatsbagger die Ausbaggerungsarbeiten in Angriff nehmen. Das war dem Magistrat der Stadt Fürstenberg denn doch zuviel, er ließ um Prahme und Bagger eine Kette legen, um die Arbeiten zu verhindern. Der Gegner zersprengte jedoch in mitternächtlicher Stunde die Kette und setzte seine Arbeiten fort. Nun bot der Magistrat eine „Flotte" aus und ging mit dieser zum Angriff gegen die Berliner über. Prahme und Bagger wurden kurzerhand genommen und auf Fürstenberger Gebiet gebracht. Die Besiegten aber ergaben sich nicht. Sie stellten nun ihrerseits eine „Flotte" zusammen und drangen im Schutze der Dunkelheit in den feindlichen Hafen, um die verlorenen Fahrzeuge wieder zu erobern. Jetzt sollte in Fürsten berg, so meldet das amtliche Publikationsorgan für Templin, die Schützengilde aufgeboten werden.
* Kleine Tageschronik. Fünf ost preußische Fisch erkühne hatten sich am vergangenen Mittwoch aufs K u r i s ch e Haff begeben und waren mit der Besatzung infolge des in der folgenden Nacht plötzlich eingetretenen strengen Frostes eingefroren. Am Samstag wurden die Kähne durch Eistreiben, welches infolge des Wetterumschlags eingetreten war, aufs Haff getrieb.en. Tie Angehörigen der Besatzungsmannschaften telegraphierten an den Regierungspräsidenten in Königsberg um Hilfe. Dieser ordnete die sofortige Absendung _beä Regierungsdampfers „Memel" zur Bergung ab. Tie Fischer waren nur bis Sonntag verproviantiert. — Tas Städtchen Kala rasch im russischen Gouvernement Kischinew wird schon über ftn Jahr von einer Räuberbande gebrandschatzt. Tiefer Tage ist die Eisens bahu-Stallon und die Kirche bestohlen worden, wobei ein Wächter erschossen wurde. Es scheint, daß die Räuberbande ihren Raub mit der Polizei teilte, denn sonst hätte sich letztere nicht so lange passiv dazu verhalten. — In dem Frauen- ashl zu Borrisokane (England) entstand in der Nacht ein Brand, wobei zwei Frauen und ein Kind in den Flammen u m k a m e n. Unter den Insassen entstand eine Panik. Der Materialschaden ist bedeutend. Das Feuer entstand durch die Unvorsichtigkeit einer der Insassinnen, welche geraucht hatte. — In Mailand haben zwei schwere Explosionen stattgefunden, zunächst eine Gas- und daraus eine Magnesium-Explosion, wodurch das Atelier des Photographen Ganzini zerstört wurde. Zwei Arbeiter wurden getötet, der Besitzer und ein Arbeiter sind schwer verlebt.
Girichtslaal.
(th.) Gieß en , 7. Tez. Eine überaus rohe Tierquälerei, begangen von einem Schäfer und dessen 22 jähr. Sohn aus Gelnhaar, unterlag gestern in der Berufungsinstanz der Beurteilung der Strafkammer. Der Schäfer hatte eine Hündin, welche er für das Hüten der Schafe brauchte und die eine ganze Anzahl von Kötern aus dem Torfe an sich lockte. Ter Angeklagte behauptete, er hätte sich der Hunde gar nicht mehr erwehren können. Besonders arg beim Flirt mit der Hündin soll es des Nachbars Hund Philax getrieben haben, dem der Schäfer daher furchtbare Rache androhte, wenn er ihn erst erwischt haben würde. Tas Unglück wollte es, daß der Hund bei einem Besuch der Geliebten nicht vorsichtig genug war und dem Angeklagten und dessen Sohn gerade in die Hände lief, als er die Scheune verließ. Während nun der Sohn das Tier auf Geheiß des Vaters festhielt, nahm dieser ein Messer aus der Tasche und verstümmelte das heulende Tier. Tann ließ er es laufen. Tie Strafkammer war mit dem Schöffengericht darin einig, daß die Tat der beiden Angeklagten Tierquälerei und Sachbeschädigung darstellte und trat dem vom Schöffengericht ausgesprochenen Urteil, wonach der Vater mit acht Tagen Gefängnis, der Sohn mit 15 Mk. Geldstrafe zu belegen sei, bei.
N. B. Darmstadt, 6. Tez Von dem Schwurgericht wurde heute der 28 jährige Dienstknecht Michael Josef Schmitt aus Reichenbach (Unterfranfen) wegen, Straßenraubes unter Einbeziehung seiner Vorstrafen zu einer Gesamtstrafe von sechs Jahren Zuchthaus verurteilt.
Kisenvaijn-Ikitung.
— Die Eisenbahndirektionen wurden von Ministee v. Budde auigesordert, zu berichten, welche Einrichtungen zwecks besserer Fürsorge für die Eisenbahnbeamten und Arbeiter getroffen worden find und zwar: 1. Hinsichtlich der Errichtung von Ueber- nachtungs- und Aufenthaltsräumen und deren zweckentsprechenden inneren Einrichtungen a) für das Fahrversonal, b) für Stationsund Güterbodenarbeiter, c) für Streckenarbeiter, d) für unverheiratete Arbeiter. 2. Hinsichtlich der Verpk'egung des Personals: a) wegen Abgabe von Speisen zu billigen Preisen seitens der Bahnhofswirte, b) wegen Gelegenheit zum Wärmen und Zubereiten von Speisen, c> wegen Errichtung von Kantinen unter Angabe der Art des Betriebes und, ob Pacht erhoben wird, d) wegen Beschaffung von Kaffeemaschinen und Apparaten zur Herstellung von Selterswaffer. 3. Hinsichtlich der Beschaffung von Büchereien und Lesestoff für Ilebernachtungs- und Aufenthaltsräume. Ferner sieht der Minister einem Bericht entgegen, welche Anordnungen zur Einschränkung des Genusses alkoholischer Getränke während der Dienstzeit getroffen sind.
Märkte.
ke. Frankfurt a. M., 6. Dez. Heu- und Stroh- mar k t. Heu kostete heute Mk. 3.30—3.60, Stroh Mk. 2.00 bis Mk. 2.20. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest.
zu einem Humoristen gemacht, der mit den Gesinnungen eines Großdeutschen die herzinn-'gste Vorliebe für das Altheimisme und das besondere des Mtfranks-urtertums verband. Tie alten Bräuche und Vorrechte der altberühmten Goethestadt, die Originale und die Originalität ihres kraftvollen Bürgertums, aber auch das Rückständige so mancher Erscheinung in ihnen wurden zum Gelen- stand seiner stets lebensprlihenden, bald hochgestimmten, bald satirischen urwüchsig-kräftigen Di a l e kt dichttmg. Stoltzes Humor ist so kerndeutsch und so herzerquicklich, wie der Fritz Reuters: sein Leben aber war weit interessanter als das des plattdeutschen Meisters. Stolzes persönliche Schicksale blieben seit den Tagen der Temagogenverschwörung und des „Frankfurter Attentats" im Jahre 1833 aufs innigste verwachsen mit den Schicksalen der Vaterstadt, der während seiner Lebenszeit so hohe Ehren und so tiefe Demütigungen zuteil wurden. Johannes Proelß war der Berufenste, dies Leben zu schildern. Ms Redakteur des Feuilletons der „Franks. Ztg." hat er in den achtziger Jahren Stoltze persönlich nahe gestanden. Er läßt in seiner Darstellung den Dichter selbst oft zu Worte kommen, so daß der Leser Stoltzes Humor ganz direkt kennen lernt, wahrend der Biograph uns erzählt, in was für erregten Lebenskämpfen Stoltze zum Humoristen reifte und sich als Humoristen beivahrte Die deutsche Welt bereitet sich vor, den hundertjährigen Todestag Friedrich Schillers gemeinsam zu begehen. Von der rdealen begeisterungsvollen Stimmung mit der unsere Väter IböJ den lpindertjährigen (Geburtstag Schillers begingen, vermittelt dies „Zeit- und Lebensbild" ein ebenso klares toie reich haltiges Bild. Schon aus diesem Grunde evoeckt es ein allgemeines Interesse. Der Verlag hat dem hübsch aiisgestatteten Werke zwei Bildnisse Stoltze in Lichtdruck mit faksimilierten Unterschriften darunter
ein bisher noch nicht veröffentlichtes aus dem Jahre 1854 sowie das Faksimile eines Gedichtes beigefügt. Men Freunden des auch in Hessen geschätzten Dichters und Humoristen wird das Buch eine willkommene Weihnachtsgabe sein.
— Zum Carreno-Konzert erhalten wir von geschätzt ter Seite folgende Zuschrift:
Soeben lese ich, daß in dem Bericht über das Konzert immer noch von Teresita Carreno die Rede ist. Ihr Berichterstatter ist offenbar nicht darüber orientiert, daß Teresita Carreno Sie (weniger berühmte) Tochter der Frau Carreno aus zweiter Ehe mit dem Beinamen „Tag 1 iapetr a"*) ist. Diese junge Künstlerin (gleichfalls Klavierspielerin) hat znmr auch schon Ruf als Pianistin, es liegen auch eine Reihe günstiger Kritiken aus Leipzig, Berlin usw. über sie vor, doch hat sie nicht entfernt den berühmten Namen ihrer Mutter, ber großen Meisterin, wohl der ersten aber im Klavierspiel. Das „walzerartige Sätzchen", mit dem Frau Carreno den Wbenb nach dem Bericht scküoß, ist eine außerhalb Gießens bekannte Komposition von F-rau^Teresa Carreno, „ein kleiner Walzer" eigener Komposition. £?ie hat sich Übrigens noch durch andere Kompositionen, z. B. ein vielgespieltes Streichquartett einen Namen als Komponistin gekniffen.
— Der Impresario Burg plant mit deutschem Kapital in Wien ein internationales Opernhaus, betitelt „ R ichard- W a g n e r - T h e a t e r " zu errichten, in dem nur Wagner-Dramen aufgeführt werden sollen.
*) Fran Terese Carreno war in zweiter Ehe mit einem Italiener Namens TagliaPetra verheiratet (in erster mit dem berühmten Violin Vinnosen Säuret, in dritter mit Engen d'Albert) und lebt Nun in vierter Ehe!


