Ausgabe 
7.6.1904 Zweites Blatt
 
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Gießener Anzeiger

Erfchetw täglich mtl Ausnahme befl Sonntags.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen

Die öeutige Kummer umfaßt 8 Seiten.

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DieGiehener Lamilienblätter" werden dem ^Anzeiger oiennal wöchentlich beigelegt. Der »Hessische £anörolrf erscheint monatlich einmal.

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Frankfurt a. M., 6. Juni. 45. Hauptversamm» lung des Vereins deutscher Ingenieure. Heute vormittag wurde die erste Sitzung durch den Vorsitzenden Geheimrat v. Linde-Berlin mit Begrüßungsworten an die erschienenen Mitglieder und Ehrengäste eröffnet. Unter letzteren befinden sich der Regierungspräsident Hengstenberg-Wiesbaden, Oberbürgermeister Adickes und der Rektor der technischen Hochschule Darmstadt Prof. Dingeldey. Regierungspräsident Hengstenberg begrüßte die Versammlung Namens der Staats­regierung. Er betonte den Aufschwung der deutschen In­dustrie und Technik und den Einfluß, den hierauf der Verein deutscher Ingenieure geübt hat und noch übt. Vom Arbeits­minister v. Budde ist ein Telegramm eingegangen, worin er sein Bedauern ausspricht, der Versammlung wegen wichtiger Amtsgeschäfte nicht beiwohnen zu können. Nach dem Re­gierungspräsidenten sprach der Rektor der Technischen Hoch­schule Darmstadt Prof. Dingeldey. Er gab der Freude Aus- druck, daß ein Tag der Taglmg in Darmstadt stattfinden solle, und betonte die Wechselwirkung zwischen Theorie und Praxis, zwischen Hochschule und Beruf. Weiter sprach der Rektor der Handelshochschule Frankfurt a. M. Prof. Dr. Buchka, Baurat Neher als Vertreter des Architektenverbandes, Herr Helmholtz als Vertreter des Vereins deutscher Eisen- Hüttenleute, Prof. Hartmann für den Verband deutscher Elektriker, Prof. Freund im Namen des Vereins deutscher Chemiker. Der Vorsitzende v. Linde dankte sodann für die herzlichen Begrüßungsworte und erstattete sodann den Geschäftsbericht. Die Versammlung beschloß die Verleihung der Grashof-Denkmünze an Parsons in Glasgow und de Laval in Stockholm. Nachher fanden Vorträge statt. Am Abend mar ein Festessen im Palmengarten.

** Aus dem Bureau des Stadttheaters schreibt man uns: Nochmals sei in letzter Stunde auf die heutige erste Vorstellung (Bettelstudent) hingewiesen, die nach dem außerordentlichen Erfolge in Marburg ja einen ganz besonderen Genuß verspricht.

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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu UnwersitätSdruckeret. R. Lange. Gießen.

Redaktion,Expedition u. Druckerei Schulstr.7.

Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

Ans MM und Land.

Gießen, den 7. Juni 1904.

Das Groß h. Regierungsblatt Nr. 17 hat zum Inhalt eine Bckanntmachiing, den Erlaß einer Geschäfts­ordnung des Denkmalrats für das Großherzogtum Hessen be­treffend.

* Silberne Hochzeit feierten gestern der Stations- assistent Carl Borchers und Ehefrau. Die silberne Hoch­zeit feiern außerdem am Mittwoch, den 8. d. M. Kaufmann Karl Klein Henn und seine Ehefrau Christine, geb. Flett.

* Der Kriegerverein hielt am Sonntag sein Wald- sfest in der zweiten Schneise des Licher Waldes ab. Es hatten ffich soviel Mitglieder mit ihren Familien eingefunden, daß die vorhandenen Sitzplätze bei weitem nicht ausreichten. Namentlich mußten die Nachzügler ausnahmslos sich Platz unter einer Tanne suchen, was übrigens die Festfreude nicht ^beeinträchtigte. Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Wiener, hieß Äie Teilnehmer alle herzlich willkominen und brachte am Schluffe seiner kernigen Rede ein Hurrah auf Se. Majestät fcen Kaiser und Se. Königl. Hoheit den Großherzog aus. Hierauf folgten Kinderspiele der verschiedensten Art, Austeilen non Gebäck, Fähnchen und Broschen mit dem Bildnis des 'verstorbenen Prinzeßchens. Mit eintretender Dunkelheit rüstete man sich zum Heimweg. Die Lampions wurden angezündet uund unter Vorantritt eines Teils der hiesigen Militärmusik fflog die große Schar der Festteilnehmer vor die Wohnung Äes 1. Vorsitzenden, der inzwischen nach Hause gegangen war, mnb brachte ihm noch ein Ständchen. Der Schriftführer des Aereins, Herr Möbus, dankte ihm im Namen des Vereins ffiir seine unermüdliche Tätigkeit im Verein und brachte ein

Valitische Tagesschau.

Nach berühmten Mustern 1

Der bayerische bäuerische Abgeord. Anton Memminger du§ Würzburg hat, wie wir mitteilten, am 19. Mai im bayerischen Landtage eine lange Rede über die Verhältnisse in der Universitätsstadt Würzburg gehalten. Er entrüstet sich dabei (vergl. unsere Nr. 126, 2. Bl.) besonders über die Damen, die er kurzwegWeiber" nannte, und beschul­digte die Würzburger Mütter, ihr ganzer Ehrgeiz gehe dahin, ihre Töchter an die Studenten zu verkuppeln. Die meisten Würzburger Studenten seien nach der Schilderung des Abgeordneten verlumpte Trottel, die sich in Weiberkneipen ruinieren.

Als sich nun Memminger seine Ausführungen über die Würzburger Frauen im Stenogramm etwas näher besah, da kam ihm doch wohl die Ueberzeugung, daß er sich arg ver- gallopiert hatte. Er zog es deshalb auch vor, in seinem Blatt, der in Würzburg erscheinendenN. Bayer. Landesztg.", seine Rede nur in stark verbesserter Form nach- zudrucken. In demWürzb. Journ." wird ihm aber nachgewiesen, daß er 14Kraft stell en" entweder ganz entfernt oder doch wesentlich abgemildert hat. Herr Memminger hat also in aller Form den Rückzug an­treten müssen.

Schwurgericht.

th. Gießen, 6. Juni.

Die beabsichtigte Hinausschiebung der diesmaligen Tagung des Schwurgerichts hat sich doch nicht als ratsam erwiesen, und so wurde denn gestern der einzige vorhandene spruchreife Straffall abgeurteilt. Verhandelt wurde gegen die

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nun in höchster Eile unter Zurücklassung von Hut und Stiefeln, sprang aus dem fünf Meter hoch liegenden Fenster heraus und verbarg sich den ganzen Tag über in einem leerstehenden Keller in der Mühlstraß,

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dreifaches Hurrah auf ihn aus, in welches die Teilnehmer lebhaft einstimmten. Nachdem Herr Wiener für die ihm ge­wordene Ehre seinen innigsten Dank ausgesprochen und die Musik noch ein schöne? Stück vorgetragen hatte, trennte man sich mit dem Bewußtsein, einen schönen genußreichen Tag im Krieger-Verein verlebt zu haben.

Die hiesige Ortsgruppe des Deuts ch- nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes feierte am Sonntag im neuen Saalbau ihr diesjähriges Sommer- fest, welches sich eines sehr guten Besuches erfreute. Es wurde von dem Verbände auch alles mögliche geboten, um seine Gäste zu unterhalten und zu amüsieren. Jux-, Schieß-, Varietätcnbudcn und sonstige Buden waren aufgeschlagen; die Musik stellte die hiesige Militärkapelle. Zwischen 9 und 10 Uhr wurde ein großartiges Feuerwerk abgebrannt, an das sich der offizielle Tanz im großen Saale schloß, der die Fest- teilnchmer bis nach Mitternacht in bester Stimmung zu­sammenhielt. Jeder, der das Vergnügen verließ, ging wohl vollbefriedigt nach Hause, trotzdem er auf die im Programm angekündigten humoristischen Vorträge verzichten mußte.

S t. W e n d e l znButzbach. Von hochverehrter Seite geht uns folgende Notiz zu: JtnGieß. Anz" vom 31. v. Mts. befindet sich eine Korrespondenz aus Butzbach, das Kirchlein St. Wendel daselbst, betreffend. Wir er­lauben uns dieser einiges anzufügen. Es gibt in Butzbach zwei Kirchen: die große Stadtkirche St. Marxen und das kleine liebe Kirchlein St. Wendel, lieber dieses, das viel älter ist, als jene, sagt die Legende, cs sei zu Köln a. Rh. ein irischer Missionar, aus königlichem Geschlechte, mit seinen Mönchen eingetreten, aber er sei, leider, allda bald gestorben: vorher aber habe der Königssolm noch angeordnet, daß seine Leiche auf einem Karren, bespannt mit noch uneingefahrenen Stieren, denen volle Freiheit ihres Weges zu lassen sei, gelegt werden solle. Hinter diesem wundersamen Fuhrwerke sollten die Mönche psal- modierend dreinzichen und da, wo ein Rad ausfalle, solle er begraben und ein Kirchlein erbaut werden. So ist denn nun diese eigentümliche Karawane gezogen die kreuz und die quer, über Berg und Tal, Feld, Wies und Wald, bis sie dann endlich im uralten Butzbach einzog. Als sie nun in die Mitte des Ortes gekommen da fiel zum Glück ein Rad aus!!, da, wo die Roßborngasse in die Weiseler Gasse einmündet. Vor dem Orte, nach Weisel zu, war die Leiche des später heilig gesprochenen irischen Königssohnes, wie es heißt, in einerWildnis", beerdigt, und dann das zierliche Kirchlein mit daranstoßen­dem Hospital für arme, schwächliche Butzbacher Frauen, erbeut. Zu Anfang der 1830 er Jahre ist letzteres ab­gebrochen und derHessische Hof" auf der denkwürdigen Stelle etabliert worden. Das liebe Kirchlein aber mit seinem schlanken Turme dieser soll ein wahres Kunst­werk der Baukonstruktion sein und den Silberglöcklein, steht heute noch unerschüttert von all den Stürmen der vielen Jahrhunderte, die über es dahingebrauset, da, und ladet den Pilger zum Beten ein". In dem Kirchlein ist ein großer Schrein neben der Kanzel, an der Wand an­gebracht, und in diesem ist die ganze Historie: Leichnam St. Mendels, auf dem Karren mit den Stieren und dem ausgefallenen Rade usw., in feiner vergoldeter Holz­schnitzerei dargestellt: im Volksmunde wird das Ganze dieGoldene Oe chserch en" genannt. Am Treieinig- keitsfeste Trinitatissonntag hat der zweite Stadt- geistliche die Flügeltüren des Schreines sind weit ge­öffnet, man will dieGoldene Oechserchen" wieder sehen eine betreffende St. Wendclspredigt zu halten und be­kommt derselbe dafür eine Extravergütung. In der halben Stadt, vom Kirchlein bis zur glücklichen Radaus­fallsstelle ist aber ohne Musik usw. Kirchweih, die sog. Wennelskirmes" und die Hospitalitinnen, die jetzt bei Leuten in der Stadt untergebracht sind, bekommen je einen Kirmeskuchen.

b. Friedberg, 5. Juni. Heute fand die Fahnen­weihe des hiesigen Gesangvereins Germania statt. Schon gestern abend bei der Vorfeier war ein solches Treiben hier, wie man es seit langen Jahren hier nicht beobachtete. Heute morgen erfolgte Weckruf durch die Musikkapelle des zweiten Bayerischen Jägerbataillons aus Aschaffenburg. Nachmittags bewegte sich der Festzug durch die schön geschmückte Stadt unter Teilnahme sämtlicher hiesigen Vereine, des Stadt­vorstandes, und sämtlicher fremden Gäste. Die Festrede auf dem Festplatz bei der Seewiese hielt Pfarrer Kleeberger. Sein Hoch galt dem Gesangverein Germania. Die Begrüßungs­ansprache hielt der Präsident B. Jakob. Die Ueberreichung der Fahne erfolgte durch Fräulein Anna Krebs, welche einen Prolog sprach. Später begann das allgemeine Festvergnügen und morgen abend wird das Fest seinen Schluß durch ein großes Feuerwerk finden.

R. B. Darmstadt, 6. Juni. Tie hessische Hand­werkskammer hielt heut vormittag im hiesigen Rat­haussaal ihre 8. Jahresversammlung unter dem Vorsitz des ersten Präsidenten, Obermeister Falk-Mainz, ab. Als Vertreter der Regierung wohnte Ministeriatsekretär Mat­thias der Beratung bei. Nach kurzer Begrüßung der 35 anwesenden Vertreter durch den Vorsitzenden gab der Kam­mersekretär Eengelbach den Jahresbericht. Das verflossene Jahr sei ein sehr arbeitsreiches, aber auch hinsichtlich der Entwickelung erfreuliches gewesen, besonders die Durch­führung der Regelung des Le'hrlingswesens habe dem Vor­stand viel Mühe und Arbeit gekostet. Gegen die jetzt be­stehenden Vorschriften auf diesem Gebiete hätten sich so gut wie keine Beschwerden erhoben; man könne daher diese Regelung als eine durchaus zweckentsprechende erachten. In gleicher Weise bewährten sich die Vorschriften über die Gesellenprüfungen und auch hinsichtlich ocr Meister­prüfungen reige sich in der Handwerkerwelt ein erfreulich fortschreitendes Interesse. Besondere Anerkennung zollt der Bericht der Tätigkeit der beiden Kontrollbeamten Kehl- Worms und Nessel-Offenbach, die bezüglich der Beobacht­ung der Vorschriften über das Lehrlingswesen trotz der

kurzen Zeit ihrer Tätigkeit schon sehr beachtenswerte Er­folge aufzuweisen hätten. Es bestehen z. Z. in Hessen 18 Zwangsinnungeu Und 40 freie Innungen, ferner 119 Ortsgewerbevereine und 27 andere gewerbliche Verbände. Obermeister Falk dankte den Ausschußvorständen, den Re­visionsbeamten und den Kammermitgliedern, besonders auch der Regierung, resp. deren anwesendem Kommissar für ihr reges Interesse und ihre ersprießliche Tätigkeit, wor­auf Mmisterialsekretür Matthias dankend erwiderte und den Wunsch aussprach, daß die Handwerkskammer sich nun Segen des Handwerks kräftig weiter entwickeln möge. Aus der vom Kassierer Rosen erstatteten Jahresabrechnung ist zu entnehmen, daß den Gesamteinnahmen von 40 768 Mk. eine Gesamtausgabe von 38 360 Mk. gegenübersteht. Der neue Voranschlag für das Jahr 1905 balanziert in Ein­nahme und Ausgabe mit 24050 Mk. Es folgten noch einige Referate über die Errichtung der Gesellenprüfungs-Aus­schüsse, die Anstellung von Beauftragten, die Frage der Gesellen- und Meisterprüfungen, Lehrverträge usw., worauf die Versammlung gegen 1 Uhr schloß.

R. B. Darmstadt, 6. Juni. Tic zweite diesjährige Schwurgerichtspcriode nahm heute unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Tr. Stein ihren Anfang. Zur Aburteilung gelangte eine Anllage wegen Mordversuchs gegen den 24- jährigen Fabrikarbeiter Ludwig Laut, geb. zu Wolfskehlen, zur­zeit in Darmstadt. Der Angeklagte war mit der 21jährigen Tina Mink hier verlobt und wollte sie auch heiraten; er kannte sie schon von seiner Militärzeit her und bewohnte bei dem Vater der Braut, der Laternenwärter ist und in der großen Vachgasse wohnt, eine Kammer. Ter Angeklagte soll sich jedoch immer mehr dem Trünke ergeben haben und dann gegen Braut und Brautvater sehr wenig liebenswürdig gewesen sein. Nach einem harten Austritt mit tätlichen Angriffen sagte sich Dina endgiltig von ihrem Galan los, und der Vater setzte ihn unter Einbehalt seines Koffers vor die Tür. Verschiedene Versuche Lauts, das frühere Verhältnis mit seiner Dina wieder herzu­stellen, schlugen fehl; da faßte der Angeklagte den Entschluß, sie zu töten: nachdem er sie noch auf einem Ausflug nach Frank­furt verfolgt und auch da die Gewißheit erhalten hatte, daß seine Braut für ihn verloren sei. Er schlich sich in der Nacht zum 21. März in das ihm ja wohlbekannte Haus ein, nachdem er sich vorher in einer WirtschaftMut" angetrunken hatte, und stieg, als in der Minkschen Wohnung alles schlief, vom Treppenfenster aus in die Schlafkammer Dinas durch das Fenster ein. Bei seinem Eindringen erhob ein in der Kammer befindlicher Hund Lärm. Dina erwachte und wollte zum Bette herausfpringen. Doch da spürte sic auch schon einen scharfen Griff an der Kehle und aleich darauf eine Anzahl Schläge auf die rechte Schulter und den Oberarm, die sich später als Messerstiche herausstellten. Auf ihre Hilferufe wollte der Mordbube flüchten, traf aber in der Küche mit dem Vater zusammen und brachte ihm mehrere gefährliche Stiche an Kopf und Schulter bei, sodaß der schwache Mann unter starkem Blutverlust zu Boden sank. Laut flüchtete

Die Versetzung

des Kroßyerzogs von Mecklcnburg-Stretitz.

Neustrelitz, 6. Juni.

Ter Kaiser traf kurz vor 1 Uhr mit Gefolge hier ein und wurde am Bahnhofe von dem jungen Großherzog und dem Erbgroßherzog empfangen und durch daZ Spalier der Krieger- und anderen Vereine nach dem Schloß ge­leitet, wo der Kaiser die Großherzogin-Witwe begrüßte. Von hier begaben sich die allerhöchsten Herrschaften als­bald zur Trauerfeier in die Schloßkirche. In der schwarz ausgeschlagene- Hofkirche war der Sarg unter einem schwarzen D. le chin aufgebahrt, zu Häupten die Krone, zu Füßen d e Insignien und Orden. Am Kopfende saßen Die Landstände. Das Schiff der Kirche füllte sich mit Mit­gliedern des Staatsministeriums, .Hofchargen, der Ritter­schaft und des_ Militärs; die Fürstlichkeiten, die Ver­treter von Fürstlichkeiten und die auswärtigen Würden­träger fanden sich ein und legten kostbare Kranzspenden am Sarge nieder. Unter Orgelklang betraten um 1 Uhr der Kaiser mit der Okwßherzogin-Witwe, der Großherzog und die großherzogliche Familie das Gotteshaus und nahmen neben dem Katafalk Platz. Nach dem Gemeinde­gesang und der Liturgie hielt Hofprediger Horn eine Leichenrede über den Psalm 90 Vers 10. Der Redner hob die Energie und Arbeitskraft des Verewigten hervor, der ein Charakter voll Gerechtigkeit und Wahrheit gewesen sei und seine Bundcspflichten stets erfüllt habe. Lebhaften Widerhall habe es im mecklenburgischen Volke gefunden, daß der nunmehrige Großherzog in der Pro­klamation an sein Volk die Treue zu Kaiser und Reich so warm betont habe. Mit einem Ge­sang und dem Segen schloß die Feier. Der Kaiser und die Fürstlichkeiten nahmen sodann an dem Frühstück im Schlosse teil.

Der Kaiser verlieh den Kronenordeu erster Klasse dem Oberhofmarschall F-rhr. v. Maltzahn, den Kronenorden zweiter Klasse mit Stern dem Oberstallmeister v. Boddien, den Kronenorden zweiter Klasse dem Hausmarschall von Dewitz und dem Kabinettssekretär v. d. Wense, den Kronen­orden dritter Klasse dem Oberhofprediger Horn und dem Leibarzt Sanitätsrat Dr. Ahrens.

Ter Kaiser ist um 33/4 Uhr nach Berlin ab gereift. Ter Großherzog und der Erbgroßherzog begleiteten den Kaiser zur Bahn, wo sich der Kaiser von ihnen aufs herz­lichste verabschiedete.

je, wo er dann entdeckt und verhaftet wurde. Der Angellagte hatte in der Voruntersuchung und auch heute noch hartnäckig die Tat zu leugnen versucht, mußte sie aber schließlich doch zugeftehen und legte ein volles Geständnis ab. Er gab auch zu, daß er sich seit drei Tagen mit der Absicht der Ermordung seiner früheren Braut, die der Mutterschaft entgegensieht, ge­tragen babe und in Frankfiirt nur keine Gelegenheit zur Aus­übung der Mordtat fand. Nachdem die Gesck'worenen die Frage ans Mordversuch mit Ueberlegung und Körperverletzung bejaht, jedoch mildernde Umstände als vorliegend anerkannt hatten, bean­tragte Oberstaatsanwalt v. Hessert wegen des Mordversuchs fünf Jahre und wegen der Körperverletzung ein halbes Jahr Zucht­haus. Das Urteil lautete auf eine Gesamtstrafe von 4 Jahren 8 Monate Zuchthaus.

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