Ausgabe 
7.6.1904 Erstes Blatt
 
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Vorwurf ausgesetzt waren, sie führten die Abänderung des Wahlrechts im Schilde, so wurde von der Rechten vorzugsweise Wert darauf gelegt, diese angeblich durch nichts gerechtfertigte Besorgnis, die natürlich die Chance des Wahl­siegs sehr zu vermindern geeignet war, eifrig zu zerstreuen. Aussprüche aus früherer Zeit fanden eine harmlose Deutung. Zum Ueberfluß wurde hier und da schriftlich gegeben, daß der Mahlkandidat, dieser als maßvoll bekannte und erprobte Mann, nichts mit solchen, in ihrer Wirkung gar nicht abzu- mesienden Plänen zu tun habe. Und heute? Heute spricht es dieKreuzztg." gelassen as:daß die gegenwärtigen jammervollen Zustände im Reiche nicht zum geringsten dem bestehenden Wahlrechte zuzu­schreiben sind." Dies Urteil habe allerdings zunächst nur akademische Bedeutung. Warum denn aber dies fort­gesetzte Spiel mit Theorien, das einem Spiel mit dem Feuer sehr ähnlich sieht. Würde nicht damit doch der praktische Zweck verfolgt, maßgebende Stellen für einent­schlossenes Zugreifen" zu gewinnen?

Parlamentarisches.

Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 6. Juni:

Reichstag und preußischer Landtag öffnen morgen, Dienstag, ihre Pforten wieder. Daß die Beratungen nicht von langer Dauer sein werden, versteht sich beim Reichstag fast von selbst. Der Sonne Glut macht die Reichstagsflucht vollständig. Da die Entscheidung der Regierung für Ver­tagung, statt, wie es zuerst hieß, Schluß des Reichstags, ge­fallen ist, wird wohl nur das dringlichste noch erledigt werden. Daß die Kolonialbahn-Vorlage dazu gehört, ist zweifelhaft geworden. Da? diätengesegnete Abgeordnetenhaus will bis zum 1. Juli ausharren. Das Hauptstück der Entwürfe, die Kanalvorlage, kommt aber erst im Winter zur Entscheidung. Rur eine Lesung soll in der Kommission stattfinden, um die Regierung über die Wünsche der Parteivertretungen zu un­terrichten. An Wünschen, besonders nach Ausgleichungen für die Kanalbauten, wird es keinesfalls fehlen. Und bis zum Dezember erscheint noch so mancher Nachtrags-Wunschzettel. Die Orientierung ist also keine vollständige.

Aer Krieg zwischen Japan und Iußland.

Untergang eines russischen Kanonenboots.

Eine Meldung des Reuterschen Bureaus aus Tokio be­sagt: Torpedojäger, welche Port Arthur an der Ostküste be­wachen, berichten über den Untergang des russischen Kanonenbootes von dem Typ Giljak. Dasselbe sei am Samstag abend in der Nähe von Chintaoschan gesunken, das Kanonenboot sei mit einem anderen Kanonenboot, einem Torpedojäger und anderen Dampfern damit beschäftigt ge­wesen, die in der RheHe gelegten Minen zu zerstören. Als die Explosion erfolgt war, beeilten sich die übrigen Schiffe, den Hafen zu erreichen. Admiral Togo sprach die Ansicht aus, daß die Explosion einer japanischen Mine zuzuschreiban sei, der Name des zerstörten Schiffes ist un­bekannt.

Weiteres vom Kriegsschauplätze.

Llus Liaujang meldet vom 6. Juni Reuter: An der Ost­küste der Halbinsel Liautunglandetnoch einejapa- nischeArmee,um dem russischen Vormarsch von Daschitschiao gegen die Nachhut des Generals Oku entgegenzutreten. Die Japaner haben den Plan eines Angriffs auf Liaujang, falls sie denselben überharcht gehegt haben, offenbar aufgegeben. Die in zwei bis drei Wochen anhebende Regenzeit würde den Vormarsch unmöglich machen. Inzwischen halten Kosaken Fühlung mit den japanischen Vorposten, während eine andere Abteilung den rechten Flügel des Generals Kuroki nördlich vom Jalu im Auge behält. Ter Gesundheitszustand der Truppen ist überall bemerkenswert gut. Es kommen keine Fälle von ansteckenden Krankheiten vor und nur wenige Falle von Darmstörungen.

In Liaojang ist anhaltend das Gerücht in Umlauf, daß Ae Russen einen erfolgreichen Ausfall zur See aus Port Arthur gemacht haben.

Das Reuterfche Bureau meldet aus Petersburg, ein aus­ländischer Offizier, welcher sieb bei den russischen Truppen in der Mandschurei befindet, berichtet. General Kuropat- kin und sein Stab begaben sich mit der Eisenbahn nach einem Punkte zwischen Haitscheng und Taschitschiao, 60 Werst südlich von Liaujang.

Mehreren fremden Militärattaches, darunter den beiden englischen Oberst Waters und Major Thume, wurde von den Russen gestattet, sich südwärts zu begeben. Einige dieser Offiziere hoffen sich den Kosaken anzuschließen. welche nördlich von Kintschou in Fühlung mit den Vorposten der Japaner sind.

Aus Tientsin meldet Reuter vom 6 Juni: Die Russen haben Hsimmintu und dcft'en Nachbarschaft geräumt. Es heißt, sie seien im Begriff, sich mit den Truppen auf der nach Mukden führenden Straße zu vereinigen. Heute früh wurde in Niutschwang heftiges Feuern aus der Richt­ung von Liaujang gehört.

In Bestätigung früherer Nachrichten wird demBerl. Tagebl." aus Mukdcn telegraphiert: Tie japanische Hauptmacht verschanzt sich in der Gegend von Föngwangtschöng. Angeblich sind die Japaner von Kintschou in nördlicher Richtung zurückgegangen. Jedenfalls ist ein Umschwung der Kriegslage eingetreten. Es scheint, als ob an verschieden m Punkten des Kriegsschauplatzes die Vorwärtsbewegung des russischen .Heeres be­gonnen habe, dessen Lage sich täglich verbessert. Die Verluste der Japaner in den Kämpfen von Kintschou sind außer­ordentlich hoch und betragen angeblich 15 000 Mann.

Das Reiter-Gefecht bei Wasangfou.

Ein Telegramm Kuropatkins an den Zaren vom 4. Juni meldet Einzelheiten über das Gefecht bei der Sta­tion Wafangou am 30. Mai: (Sine aus Dragonern und Ko­saken bestehende russische Kavallerieabteilung mit einer Batterie erhielt, als sie von Wändsialin vorrückte, am 30. Mai mittags 5 Werst vor der Station Wafangou die Meld­ung, daß zwei Grenzwachsotnien sich mit dem Feinde, der beim Dorfe Judsiatum eine Stellung besetzt hielt, im Kampfe befanden. Die Kavallerieabteilung rückte im Trabe gegen Wafangou vor und sandte zur Unterstützung der Grenzwach­truppen zwei Eskadron Dragoner ab. Zum Schutze des rechten Flügels und zur Rekognoszierung nach dieser Seite wurde von der Llbteilung eine Sotnie und eine Freiwilligen- Abteilung nach dem Tale des Flusses Futschou detachiert, die nach Beendigung dieser Aufgabe den rechten Flügel der russischen Aufstellung bildeten. Gegen 1 Uhr nachmittags begann der Feind in bedeutender Stärke aus Judsiatum hervorzubrechen um die russische Vorhut anzugreifen. Zwei Sotnien sibirischer Kvsaken überschritten nun die Eisenbahn

und griffen zu Pferde eine Eskadron der japanischen Vor­hut an und rieben sie im Handgemenge fast ganz auf. Nach­dem hierauf die Kosaken vom Feuer zweier abgesessener Eskadronen und von Maschinengcwehrfeuer empfangen wor­den waren, zogen , sie sich zurück und lockten eine sie ver­folgende zweite japanische Eskadron auf die Frei­willigenabteilung. Diese konnten hintereinander 8 Salven abgeben. Die Eskadron machte unter großenVerlusten Kehrt. Eine dritte japanische Eskadron, die von links vorrückte, geriet unter das Feuer einer abgesessenen Grenzwach so tnie und machte darauf ebenfalls in V c r w i r r- ung Kehrt. Auf dem linken russischen Flügel befanden sich während dieser Zeit die Dragoner, die der Beschaffenheit des Geländes wegen an dem Kamp'e zu Pferde nicht teil- nehmcn konnten, auf den Höben nördlich von Judsiatun im Kampfe mit dem Gegner. Sie bemerkten eine l'mgehungs- bewegung der letzteren von der linken Seite und zogen sich auf die zweite Stellung zurück, nachdem sie die Aktion der Kosaken vollständig gesichert hatten. Gegen halb 2 Uhr nachmittags nahm eine russische Batterie Stellung und eröffnete ein e^folgreick"s Feuer arc d-e Jnfant r'e und die Maschinengewetr' s "ejnd-s ? nzw s en r r i B w g ng der japanischen I ifcn.erie nach "udsi tun festgestellt G g. n 2 Uhr erschienen dann dickte Jnfanteriekcttcn auf denHöhen, die vorher die Dragoner besetzt gehalten hatten. Auf russi­scher Seite sind ein Offizier schwer, einer leicht verwundet, drei Mann tot, neun schwer, 23 leicht verwundet. Tie Ver­luste der Japaner sind bedeutend. Aus einer bei einem gefallenen japanischen Unteroffizier gefundenen Meld­ung geht bervor, daß das 14. Regiment 70 Mann ver­loren hat.

Ein Gefecht bei Chedsiapuden.

Einem weiteren Telegramm Kuropatkins vom 5. Juni zufolge wurden am 3. Juni Kosakenabtcilungen von dem Feuer japanischer Infanterie empfangen, die auf den Höhen beim Torfe Chedsiapuden Stellung hatten. Bei Beginn des Gefechts versuchten die Japaner durch das Tal Keulensvhe vorzugehen, wurden ab r durch das wol'lgezielte Feuer des Geschützes, das die Kosaken auf Stellung bringen konnten, aufgehalten. Tie Kosaken saßen ab und zwangen, unterstützt durch inzwischen herangekommene ?lbteilungen und durch das Feuer zweier Geschütze, die Japaner, ihre Stellung aufzugebm und sich zurückzu-iehen. Tas Gefecht dauerte von 1 bis 6 Uhr nachmittags. Es nahmen 6 japa­nische Kompageien an demselben teil. Die vom Feinde errichteten Schanzen waren sehr sorgfältig aufgeführt und gut markiert. Das Feuer der russischen G">ckütze trug wesentlich zum glücklichen Ausgange des Gefechts bei. Russischerseits 1 Offizier tot, 2 Offiz-ere und 13 Kosaken verwundet. Tie Verluste der Japaner sind nicht genau festgestellt, aber bedeutender als die russi­schen.

Japanisches.

Eine Anzahl von Beförderungen unter den höchsten Offizieren des japanischen Heeres und der Marine wegen verdienstvoller Leistungen im Kriege wird fttzt veröffentlicht.

Privarmeldnngen zufolge soll General Kuroki an Typhus erkrankt sein.

Ein Newporker Blatt berichtet aus Tokio, der japanische OffizierOda habe einncuesTorpedo, welches automatisch wirke, erfunden. Dasselbe setze die Japaner in Stand, die russische Flotte in kürzester Zeit zu vernichten. Das Gesckoß soll auf eine Entfernung bis zu 150 Meilen wirken und den schwersten Kreuzer bei der Explosion 300 Meter hoch in die Luft heben. Augenblicklich soll der Offizier 15 dieser Torvedas fertiggestellt haben. Der Preis eines solchen Torpedos stelle sich auf 20 000 Dollars. Der Offizier soll geäußert haben, nach seiner Ansicht werde das Torpedo in Zukunft einen Seekrieg unmöglich machen.

Russische Kriegsmüdigkeit?

Der militärische Mitarbeiter der Pariser ZeitungPetit Re- publigue" berichtet über ein Gespräch, das er mit einem ihm befreundeten russischen Marineoffizier gehabt haben will (!), welcher der russischen Botschaft sehr nahe steht, aber nicht der russische Marineattachee sei. Der Betreffende soll gesagt haben, das Volk ist des Krieges müde, der nur infolge einer unerklärlichen Neigung des Zaren für Alexe­jew noch fortdauere. Alexejew sei einer der jämmer­lichsten Admirale, die die russische Flotte je besessen habe. Port Arthur dürfe absolut nicht in die Hände der Japaner fallen, leider sei aber dieser Ausgang unver-meidlich und weder die Energie der Garnison noch die zur Verfüguug stehenden Be­rufsmilitärs könnten ihn lange verzögern. Ich bin in der Lage zu erklären, sagte angeblich der Offizier, daß wir gegenwärtig in Rußland nur noch auf eine Intervention des Königs von England warten, um die Friedens-Pröliminarien zu diktieren. Der Preis wäre die E i n st e l l u n g des Marsches russischer Truppen auf Herat und Kabul und die Ergänzung der englisch-japanischen Allianz durch weine englisch-russische Abmachung. Wenn wir dieser Kombination zustimmen, so bedeutet die Okkupation der Marine durch Japan die Strafe für unsere Unklugheit. Es ist besser Frieden zu schließen, als unnötig viele Menschen und Millionen zu opfern.

Aus Charbin kommt indessen folgende Meldung: Der Geist der russischen Truppen ist ungebeugt. Zahlreiche Verwundete vom Jalu sind wieder gesund geworden und kehren zur Front zurück. Eine Besserung der Lage wird nach Ein­treffen aktiver Truppen erhofft. Tie Haltung der Chinesen ist verdächtig. Frauen und Kinder verlassen Charbin.

Der WienerAllg. Ztg." zufolge äußerte ein dort auf der Durchreise begriffener, mit russischen Verhältnissen vertrauter Diplomat, daß, falls der Krieg längere Zeit andauere, in Ruß­land der Ausbruch einer schweren Krisis unvermeid­lich sei.

Offiziös wird aus Petersburg bekannt gegeben: Der Kaiser befahl die Mobilisierung des unter dem Befehl des Generals Baron v. Meyendorff stehenden ersten Armeekorps, von dem ein Teil in Petersburg und Um­gegend liegt.

Der Aufstand in Aeutsch-Südrvestafrika.

Der Seesoldat Friedrich Kind ist im Feldlazarett in Okahandja am Typ hus gestorben.

Oberleutnant Müller, Kommandeur des 1. Feld­regiments der Schutztruppe für Südwestafrika, traf am 6. d. Mts. zur Meldung beim Kaiser in Berlin ein und reiste alsbald nach Hamburg ab, um mit dem Major Osterhaus, Kommandeur der 1. Feldartillerie-Abteilung für Südwestafrika, heute, am 7. d. Mts., auf dem Dampfer Schleswig" die Ausreise nach dem Schutzgebiet anzutreten.

Deutsches Keich.

Berlin, 6. Juni. Ein Besuch des Kaisers am herzoglichen Hofe in Dessau steht, gutem Vernehmen nach, im Laufe dieses Monats bevor. Wie verlautet, beabsichtigt der Monarch, den dem .Herzog Friedrich von Anhalt ver­liehenen Schwarzen Ablerorden persönlich zu überbringen.

Der langjährige hiesige Vertreter derKöln. Ztg.", Geheimer Justizrat Dr. Franz Fischer, ist heute nachmittag nach langem Leiden g e st o r b e n.

Unter dem Vorsitze des Hüttenbesitzers Vcpelius-Sulz-

bach fand die konstituierende Versammlung der Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände statt.

Der Deutsche Verein für Frauenstimmrecht hielt eine öffentliche Versammlung ab, um die fremden Delegierten des neubegründeten Weltbundes für Frauen­stimmrecht zu begrü'en. Es sprachen Frau Cauer, Fräulein Dr. Augspurg. Mr. Chapman Catt und andere.

Magdeburg, 6. Juni. Tie Hauptversamm­lung des Deutschen Verbandes kaufmänni­scher V er e in e b'gann heute. Als Vertreter der Regier­ung war Oberpräsident v. V'llticher mit mehreren Räten erschienen, als Vertreter des Han d l'm nisters war Regier- ungsrat Tr. Tunken 'ngegm. Nach Er f'nung der Verhand­lungen wünsckte Ob'rpräs'dent v Bötticher dm Verhand­lungen einen guten Verlauf und gedachte in seiner Rede der Verdienste des verstorbenen Präsidenten des Statistischen Amtes Tr. Will elmi. Ten ersten Vortrag hielt Tr Arndt- Frankfurt über Handelshochschulen. Im Hotel K iserhof fand eine zweitägige Delcg: wtenversammlung des Kauf­männischen Vereins für weibliche .Handels­an gestellte statt. Ten Vorsitz führte Frau Pro^hl aus Frankfurt a. M. Vertreter hat en ge-audT Berlin. Breslau, Hamburg. Königsberg. Stntt'art, Cassel. Dresden, München, insgesamt 3l Städte mit 30 000 Veebandsnü gliedern. Zur Annahme gelangte u. o.: 1. ein Antrag auf Errichtung einer Zentrale für den Stellennachweis, 2. ein Antrag aus Ein­führung des Fortbildungsschulunterrichts für weibliche An­gestellte.

Dresden, 6. Juni. Bei dem König wiederholten sich im Laufe des gestrigen Tages die Anfälle von Darm- ko l i k. Der König ist genötigt, auch fernerhin das Bett zu hüten. In der Nacht wurde er durch nervöse Unruhe mehrfach gestört. Fieber ist nicht vorhanden. Die Herz­tätigkeit ist regelmäßig und kr 'ftig. Die Reise n a ch Ems muß bis aus weiteres verschoben werden.

Straßburg, 6 Juni. Nach der amtlichen Feststell­ung sind bei der S t i ch w a h l z u m R e - ch s t a'g am 2 Juni im Wahlkreise Straßburg-Land 18 05 Stimmen abgegeben, von denen 65 ungültig waren. Es erhielten Recktsanwalt Blumenthal-Colmar lelsaß-lothr. Volksp. 9386, Redakteur Hauß (klerikale Lan^esp.) 8624 Stimmen. Blumenthal est somit gewählt._______________________________

Ausland.

London, 6 Juni. Die ,,St. James Gazette" bespricht den Besuch König Eduards in Kiel und erklärt, es sei un­nütz, daß die deutsebe Presse allerlei politische Znrunfts- träume an diesen Besuch knüpft. Man köune doch nicht aus der einen Seite Freundschaft, und auf der dritten Seite Feindschaft hervorkehren. Je früher Deutschland dies versteht, je eher wird eine Versündigung möglich sein.

Unterhaus. Auf eine Anfrage, nb die Regierung Rußland wegen der Bekanntmachung über s: r i e gs ko n 1 re- ban d e oder wegen der sckwimmendcn Minen und den Gebrauch neutraler Häfen als Marin, basen Borstellungen machte, erwidert Balfour, der gegenwärtige Krieg habe eine Reihe von neuen schwierigen völkerrechtlichen Fragen aus­geworfen. Tie ganze Angelegenheit werde von der Regierung sorgfältig erwogen. Er glaube aber nicht, daß irgend ein öffent­liches Interesse vorliege, den gepflogenen Meinungsaustausch zu veröffentlichen.

Paris. 6. Juni. Kammer. Tas Haus setzt bit Be­ratung der Militärvorlage fort. Vaillant (Soz.) tritt für die Gegenvorloge ein, wonach das stehende Heer durch nationale Milizen ersetzt werden soll. Ter Bericht­erstatter legt dar. daß Vaillants Vorschlag undurchführbar sei. und erklärt, sowohl Regierung wie Kommission lehnten den Antrag Vaillant ab. Dieser wird sodann mit 506 gegen 68 Stimmen vom Hause abgelehnt.

Rom, 6. Juni. Dem Senate lag heute das berichtigte Budget für 1903/1904 zur Genehmigung vor. Im Laufe der Debatte erklärte Schatzminister Luzzatti, voraussichtlich werde das Budget einen aktiven Ucbcrscl' von 18 bis 20 Millionen ergeben. Tas ' italienische Budget sei das einzige Europas, das ohne Zuhilfenahme des Staats- kredits ausgestellt sei. Tie Lage des Staatsschatzes sei gut und die Kassenverhältnisse, da 200 Millionen verfügbar seien, vortrefflich.

Budapest, 6. Juni. In der ungarischen Delegation wurde die Beratung des H e e r e s b u d g e t s fortgesetzt. Nach kurzer Spezialdebatte wurden Heeresordinarium und Extraordinarium angenommen und der außerordentliche Kredit von 8 8 Millio­nen Kronen bewilligt.

Wien, 6. Juni. Anläßlich des für geiteru im steirischen Bade Tüffer angesetzten Besuches des Fürstbischofs Napotnik kam es zu Ausschreitungen der Slowenen gegen die deutsche Bevölkerung. Die Gemeindevertretung hatte bae Aushängen slowenischer Fahnen untersagt. Trotzdem wurde am Betreiben der Geistlichkeit auf dem Kirckturm nachts eine national? Fahne gehißt. Ter Bürgermeister ordnete die Herabnahme bet Fahne an, worauf die slowenischen Bauern mit der Fahne zuni Brauhaus zogen, um sie dort zu befestigen. Tabei kam es zu großen Schlägereien. Tie Deutschen wurden durchge­prügelt, zwei Kinder verwundet.' Tie Unruhen dauerten den ganzen Tag. Die Gendarmerie nahm zahlreiche Der Haftungen vor.

Sofia, 5. Juni. Nachrichten aus Macedonien zufolge werden dort neuerliche Greueltaten seitens der Türken an der christlichen Bevölkerung verübt. Besonders in Kruschewo im Bezirk Monastir richtete eine RäuberbandeVerheerungen an. In Ochrida sei Hungersnot ausgebrochen. Der Miniftcr- Präsident sagte einer Deputation von Flüchtlingen aus Ochrida, welche Unterstützung erbat'n, besondere Berücksichtigung seitens der Regierung zu. Hingegen lauten die Nachrichten aus den Bezirken, wo die ausländischen Gendarmerieofiiziere ihre Tätigkeit aui- genommen haben, sehr befriedigend. Selbst hiesige macedoniscke Kreise geben zu, daß sich die Lage der Bevölkerung wesentlich gebessert habe.

Aus Stadt und Kand.

Gießen, 7. Juni 1904.

** Im Militär-Wochenblatt lesen wir in der Nachweisung der vom 1. Januar bis Ende März d. Js. be­kannt gewordenen Todesfälle von pensionierten und aus­geschiedenen Offizieren u. a.: Arndt, Leutnant a. D., zu­letzt im Jnf.-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hessisches) Nr. 116, Wagner, Major a. D., zuletzt Kompaqniechcf im damal. 3. Großh. Hess. Jnfanterie-(Leib-)Regiment Nr. 117, Westernacher, Oberleutnant a. D., zuletzt im 4. Großh- Hesi. Infanterie-Regiment (Prinz Karl) Nr. 118, Freiherr v. Kettler, Rittmeister a. D., zuletzt Eskadronschef im 1. Großh. Hesi. Dragoner-Regiment (Garde-Trag.) Nr. 23, Dr. Zabel, Oberstabsarzt a. D., zuletzt Negimentsarzt des 1. Großh. Hess. Feldart.-Negts Nr. 25.

** Personalien. S. Königs. Hoh. der Großherzog haben dem Pfarrer Karl Han stein zu Horrweiler die evangelische Pfarrstelle zu Bauschheim, Dekanat Groß-Gerau, übertragen; dem Diener des deutschen Hilfsvereins in Pari», Jakob Junk aus Michelbach, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Dienste^ verliehen und den

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