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7.1.1904 Zweites Blatt
 
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154, Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 5

Genera!-Anzeiger, Amts- und AnzeigeblatL für den Kreis Gießen

Erschein täglich mit Ausnahme deS Sonntags«

DiSictzcner Smntltcnblötter** werden dem Anzeiger viermal wöchentlich bergelegl. Der Qeffifdie Landwirt" er|ct)eml monatlich einmal.

handelspolitischen Verhältnisse bringe. Mr die Erhaltung^ des Friedens wird unseres Kaisers starker Ann sorgen!

Donnerstag 7. Jmrnar 1904

BfTtmtTDorthd) «h Ben eG^emetaee M| P. Wittko; tüi den Äi^eiacnietii B«<L

XßtQttontonKf und Verlag der Brüht^tz« UnwersttätSdruckerei (Pietsch ttrtenjt Eietzen»

Schoße, das die pathologische Ursache ihrer vielen Nichts- würdiokeiten ist, ist ihr. bis zum Lebensüberdruß zuwider. So geißelt Ibsen jenes unklare und unbesonnene Freiheits­streben desneuen" Weibes, das aus bangem Grauen vor der Mutterschaft, die Frauen vom Schlage der lieben alten Tante Jule ans Leben zu knüpfen pflegt, da§ Leben verab­scheut; desneuen" Weibes, dem der Mut der Ueberzeugung und der innere Gehalt fehlen. Hedda Gabler ist eine Summe von Nora, Frau Alving und Nebcika, aber ohne die großen Ziele, die tiefen Einsichten und die stolzen Absichten und Leidenschaften dieser Frauen, sie ist eine bewußte Verzerrung ins Häßliche, ins ethisch Häßliche. Aesthetisch hat sie ihr eigenes Schönheitsideal, das die Parodie einer echten Schön- hcitssehnsucht ist. Sie schwärmt für alles Außergewöhnliche und Extravagante und für große Taten und hat sich ihr unvernünftiges und im wesentlichen an reinen Aeußerlichkeiten und konventionellen Lebensformen und -Formeln haften ge­bliebenes Schönheitsideal und das ist eine vortreffliche ironische Verspottung desästhetisierenden" modernen Weibes der großen Welt auch für den Tod zurecht gemacht : Weinlaubumkränzt ein Schuß in die Schläfe, allenfalls in die Brust; ein Schuß in den Unterleib dagegen ist häßlich.

Ibsens Hohngelächter über die beste aller Welten, sein bitterer Sarkasmus, der die Seele seines meisterhaften Dialogs ausmacht, ist natürlich allen denen zuwider, die das Theater nur für eine Stätte des Vergnügens und die dramatische Kunst für etwas recht Angenehmes halte«, s.- lange sie scherzt und lacht oder durch Wahngebilde dichte- ruscher Phantasieerbaut" underhebt". Daß em ernst­hafter Denker aber ernühafte Dinze künstlerisch ernsthaft be­handelt, daß die Kunst sich das Gebiet der verfeinerten modernen Psychologie uniertem macht, da§ wollen viele immer noch nicht c el'pn lassen. Nun, auch diese der mo­dernen Kunst noch Stehenden werden einmal zu der

Gießener Theateroerein.

Ibsens .Hedda Gabler *)

Das vielgescholtene Jbsensche DramaHedda Gabler" als Dichtung zu verstehen und gu verteidigen, ist nicht schwer. Ibsen, der vor derHedda Gabler" nur große, edle Frauen­charaktere geschaffen hatte, solche, die alles cinsetzen für Wahr­heit und Freiheit, die aus der Enge der Unfreiheit und Un­wahrheit sich herausarbeiten, inußte es einmal reizen, das Gegenteil zu schaffen. So gestaltete er im Jahre 1890 war's einen weiblichen Charakter, dem alles Menschliche, d. h. menschlich Gute und Edle, fremd ist. Wie Berthold Litzmann, der bekannte ordentl. Professor der Litteratiirge- schichte an der Universität Bonn, in seinem guten Buche Ibsens Dramen" sehr richtig sagt,hat Hedda trotz ange­borenen Schönheitssinnes gar kein tieferes Interesse, weder für die Kunst noch für irgend etwas sonst." Seelisch brutal veranlagt hat sie bei ihrem Hang fürs Sensationelle, Nerven­aufregende, durch die langweilige Mittelmäßigkeit ihrer Um­gebung unbefriedigt, ja angewidert, zerfressen, in sich nur niedere, gemeine Instinkte des weiblichen Trieblebcns zur Entfaltung gebracht: Neid, Mißgunst, Eifersucht, Feigheit, Lügenhaftig- tcit, Genußsucht, rücksichtslosen Egoismus, Falschheit, absolute Lieblosigkeit. Obendrein fehlt ihr, trotz ihrer Scheu vor dem Skandal, nicht die Gewiffenlosigkeit, diese Instinkte ungeschcut sich ausleben zu lassen. Sie sind bei Hedda verborgen in der bestechenden Form der Weltdame. Die Begriffe Pflicht und Verantwortung kennt Hedda nicht, sie hat keine Lebeiis- aufgabe, in ihr ist eine ungeheure Leere, die sie mit Nichtig­keiten ni-zufüllen sucht. Denn das keimende Leben in ihrem

*) Dal. die prachtvolle große deutsche Ausgabe von Ibsens /amtlichen Werken, Yerausg. von Brandes, Elins und Lchlenther, Bd. VILi, Verlag von S. Fischer in Berlin.

besseren Einsicht kommen, daß die Kunst keinen anderen Zweä hat als sich selbst. .

Im April 1902 wurde hierHedda Gabler" durch das Lindemannsche Ibsen-Ensemble aufgeführt und wir lernten in Frl. Nehoff damals eine Hedda-Darstellerin kennen von mehr großartigem als großem Stil. Ihre Hedda war eine ganz und gar am Aeußerlichen hangende gelangweilte elegante junge Frau mit einem kalten Puppenherzen, em nur nach ihren Instinkten handelndes oberflächliches Wesen von be­rückendem, bestechendem Aeußeren. Irene Triesch saßt die Hedda ganz anders auf und an. Da ist viel Verschleiertes, Ver­zwicktes, da giebt eS innere Abgründe, Ernst und Schwere. Diese leidenschaftZoolle, kalt nur scheinende Seele steckt in allem eher als in aschgrauer Mittelmäßigkeit und langweiliger Gleich- q.ltiakeit. Sie überragt geistig ihre ganze Umgebung in jeder Hinsicht. Sie schaut in ZukunftSftrnen und tief hinein in Mcnschcnherzen, auch in da§ ihre, daS so leer ist untz doch gar so gern von etwas Besonderem erfüllt fern möchte^ Ihre Seele ist ganz Sehnsucht nach etwas Außerordentlichem, nach einer sie befreiendenfreiwilligen Tat de§ Mutes, einer Tat, auf die em Schimmer von unwillkürlicher Schönheit fällt" (3. Akt, Szene mit Brack). Die Triesch legt dir inneren Abgründe der Hedda, und zwar jeden einzeln mit sorgfältiger Aufrichtigkeit bloß, die sie nur durch ihr starre« und überstarkes Ichbewußtsein, durch das angenommene Recht auf das -«nze unbemänieUe Ausleben der eigenen Pers- lichkeit mit allen ihren Untugenden und Eigenheiten be­gründet. Die Hedda der Triesch ist geistig stark, ist oerstandesscharf, ihre Hedda verfährt nach klug über­dachten Plänen, sie hudelt nicht so Menü Hedda __ logisch um* immer überlegt. Eine verwöhnte gelangweilte Salsndnme nur darzustellen mit nied­rigen Trieben ist der Triesch eine zu geringe Aufgabe» Turmn macht sie aus ihr mehr als der Dichter, darum dreht

A.rche und zchule.

__ Wie aus Posen gemeldet wird, ist der Besitzer be5 Majorats Obersitzko, Graf Sigismund RaczynSki nebst Gemahlin zum Protestantismus übergetreten.

Nom, 6. Jan. Der Papst verkündete heute mittag int Saale des Konsistoriums die Heiligsprechung der un» garischen MärtyrerMarcuS Grisino, Stefan Pongracz und Melchior Grodecz. Gleichzeitig wurde ein Erlaß be-. kannt gegeben, durch den der Heldenmut und die- Tugenden der Jungfrau von Orleans anerkannt werden. Anwesend waren u. a. die Kardinäle Ferrata, Stein» Huber und Mathieu und die Botschafter Scecsen und Nisard. Dec Papst drückte in einer kurzen Ansprache die Hoffnung aus, Frankreich werde eingedenk bleiben, daß sein geschicht­licher Ruhm und seine Rolle in der Zivilisation von dem Bekenntnis des Evangeliums herrühren. Der Bischof von Orleans rühmte Jeanne d'Arc, der Weihbischof der Erz­diözese Gran die ungarischen Märtyrer. Er legte namens seines Vaterlandes das Gelübde ab, daß die Ungarn bis zum Tode die Vorrechte und Rechte des Heil. Stuhles verteidigen würden.

umschränkt anerkennen. v

In noch höherem Grade als Amerika nahm die ^en- deüz der Vereinigung unser Denken und Tun aus wirt­schaftlichem Gebiete ein. Die Konzentrationsidee hat in erster Linie die gesamte Industrie beherrscht. In der Kohlenindustrie war das Sinnen und Trachten aus die Er­neuerung des Rheinischz-weftfälischen Kohlensynockats ge­richtet. Und es ist, wenn auch erst nach, Ueberwürdung großer Schwierigkeiten, gelungen, nickst nur (bis auf eine kleine Zeche) die alten Mitglieder des Syndikats, sondern auch die mädjitigen, bisher noch außen, re h end en Zechen, sowie alle Hütte nzechssn, d. h. die Zechen, die im Besitze von Eisenhüttenweri'en sind, für den neuen Syndikats­vertrag zu gewinnen. Das Nheinisck>-westsälische Kohlen- syndikat umjaßt nunmehr fast dreiviertel der Steinkohlen- örderung. Das Syndikat hat aber nun auch das alte Koks- und Steinkohlensyndikat in seinen Schaß ausgenom­men unb sich sogar einen kräftigen Einsluß auf den rheini­schen Kohlenhandel gesichert. Tas Rheinisch-westfälische lwhlensynditat vereinigt in seiner Hand acso eine enorme Macht. Man kann nur den Wunsch aussprechen, daß es davon einen gemäßigten Gebrauch macht.

Weniger Erfolg hatte die Eisenindustrie mit chren Be­mühungen, das Verbandswesen zu reorganisieren. Ein­zelne Syndikate konnten zwar wieder in den sicheren Hasen der Verlängerung gebracht werden, so insbesondere die Mheisen-Verbände und das Gas- und Siederohrsyndikat. Andere Verbände aber, so namentlich die Blechsyndikate, können sich nur mühsam behaupten. Was aber das Wich­tig ste ist und womit sich die ganze Eisenindustrie, sowie die Börse anhaltend beschäftigten, nämlich der Stahlwerk- Verband, dieser war am Ende des Jahres noch nicht zu stände getommen. Doch hegen nicht bloß oie Beteiligten die Hoffnung, daß es im neuen Jahre gelingen werde, die widerstreitenden Interessen auch hier auf einer mittleren Linie zu vereinigen.

Bemerkenswerte Erfolge hat dagegen wieder die Elek- trizitätsindusrrie mit ihren Vereinignugsbestrebungen er­rungen. Hier hat uns das Jahr 1903 vor allem die Errrchtung der Siemens-Schuckertwerke gebracht, die mit

wachsen ist, .

Lange zurückdenlen wird an das Jahr 1903 die tex­til-, insbesondere die Baumwollindustrie. Die letztere er­freute sich eines gedeihlichen Geschäftsganges, aber ein Teil der Früchte ihres Fleißes wurde ihr entrißen durch die Ausschreitungen von Spckulanlenkäquen an den ameru kanischen Börsen, die die Preise für Rohbaumwolle das ganze Jahr hindurch auf einer unnatürlichen Höhe er­hielten. Eine Freude aber wurde den deutschen Zucker- konsnmenten bereitet. Am 1. September trat nämlich die Brüsseler Konferenz in .Kraft, die eme wesentliche Ermäße ung des Zncterpreifes zur Folge gehabt hat. ,

Tem jetzt begonnenen Jahre gegenüber haben wir den Wunsch, daß es uns eine befriedigende Regelung unserer

einem Grundkapital von 90 Millionen Mark die größte G. m. I b. H. Teutschlands darstellt. Sie hat mit glückt.chem Gri fe i die Starkstromabteilungen der Akt.-Ges. Siemens und 1 Halske und der Schu^ertgesellschast zusammeng.faßt und damit in energischer Weise zur Gesunbung und Weiterent- wickelung der deutschen Elektrizitätsindu>rrie frei getragen. , Aus dem Bereiche der Siemens- und Ha.ske-G.fellschast ist weiter zu erwähnen, daß die Akt.-Ges., für Licht- und Kraftanlagen in Berlin die Kölner Akt.-Ges. für elettr.sche Anlagen erwarb und daß auch die öfterreichftchen Stark- kromab Leitungen von Siemens und Halske und Schuckert zu einer neuen großen Gesellschaft zusammengefaßt wur­den. Was sonst auf dem Gebiete der Elektriz.tät an Ver­einigungen zu stände kam, können wir nickst alles aufzählen. Kaum flüchtig streifen können wir auch die Konzmtcackvnen, die sich in anderen Industrien vollzogen, so in dec Ma- chineiibranche, in der Glasindustrie, der Brauerei, und vie sich auch, abgesehen von. den eigentlichen Verbänden, in der Montanindusrrie die Werke immer näher aneinander schlossen. Wir eilen weiter zum Bankgeschäft.

Hoch über allen Ercignisten des Jahres ragt hier die Vereinigung der Dresdner Bank und des A. Schaafs- hausen'fchen Bankvereins, wodurch die größte Banken- kombination, die je bestund, geschaffen wurde. Diese ganz überraschend gekommene Transaktion gab nicht nur auf dem Gebiete der Banken den Anstoß zu neuen gesckstift- 1 ich en Unternehmungen, sondern enftachte auch an der Börse ein neues Leben. Das frischie Leben, dah während einzelner Abschnitte des Jahres die Börje durchflutete, hatte seinen Grund aber auch in der Aussicht auf die Lo-.senreform, sowie in der Gestaltung der wirtschasAichen Kon;unktur.

Bezüglich des Geschäftsganges und der allgemeinen Situation war 1903 ja kein Haussejahr. Vielmeyr laßt sich die Eittwickelung als ein langsames, aber doch sehr merkliches Anziehen der Konjunktur charakterisieren. In Einzelheiten blieb manches M wünschen übrig, aber im ganzen bedeutet das obgelaufene Jahr euren guten Lchritt weiter auf der Bahn unseres wirlschafelrchen Fortschrittes. Der Außenhandel zeigt in Ein- und Aus- juhr wesentlich höhere Zahlen; insbesondere hat der Ex­port von Eisen und Kohlen so große Dimensionen ange­nommen, daß in Belgien und England die Eisenindustrie sich schwer bedrängt fühlte durch, die deutsche Konkurrenz. Die Eisenproduktion erreichte die Rekordzahl von 10 Mill. Tonnen und überflügelte damit England ganz bedeutend. Auch in Kohlen und Koks ist eine wesentliche Steigerung der Produktion zu verzeichnen. Die Kohlen- und Koks- Jndusrrie blickt überhaupt auf ein sehr befriedigendes Jahr zurück In der Eisenindustrie haben namentlich die großen Werke ihren Aktionären große Freude bereitet. In der Elektrizitätsindustrie hat der Grad der Beschäftigung sehr stark zugenommen, aber die Werke klagen noch immer über unzulängliche Preise. Gute Beschäftigung bei wenig befrie­digenden Preisen ist auch sonst das Eharakteristtsche in der Situation mancher Branchen. Das kommt eben daher, daß - sich die Werke in der letzten Hochkonjunktur zu stark aus- : gedehnt haben und daß sie sich so lange eine precs- . drückende Konkurrenz bereiten werden, bis der Kvnsum in : die jetzt noch übergroße Produktionssähigkeit hineinge-

Aus KtaLt uud KauL.

Gießen, den 7. Januar 1903.

** Personalien. S. K. H. der GroßherzoA haben geruht, am 6. Januar d. I. den S'.adtpfarrer Lic. thool. Samuel Eck zu Darmstadt zum ordentlichen Professor in der theologischen Fakultät der Landes-Universität Greßen mit Wirkung vom 1. April 1904 an zu ernennen. Tas Ehrenzeichen für Mitglieder sreiwilUger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Höchst i. O. Johann Adam Stottert und Johann Christvpb Wilhelm Pilger. S K. H. der Großherzog haben den Ober­land esgerickstsrat bei dem Lberlandesgericht Tr. Philipp Hangen zum Landgerickcksdirektor bei dem Landgericht der Provinz Rheinhe.sen, den Landgerichtsrat bei deut Landgericblt der Provinz Rheinhessen Augicst FabrieiuS zum Oberlandesgerichtsrat bei dem Oberlandesgericht ei> nannt, den Oberförster der Lbcrförsterei Gw^en, Ober­forstmeister August Joseph zu Gießen auf sein Rach- suchen und unter Anerkennung seiner treu geleisteten Tienste mit Wirkung vom 1. April d. I. ab, bis zur Wieder» her Stellung seiner Gesundheit, in den Ruhestend verseh und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum RiUertteuK 1 Klasse, des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Ter Bezirks kassier er der Bezirkskasse Bingen Georg Philipp Klein zu Mngen wurde in gleicher Dienst- eigenschast an die Dezcrkskasse Gießen II. versetzt, Finanza.pirant Bernhard Schneid t aus Türmstaot zrun Steuereinnehmer des Steueramts Viernheim ernannt.- Ter .Hauptsteueramtsassistent bei dem Hauptsceueramt Offenback Wilhelm Bur b aum wi-rde auf ;em Nachsuchen zum Uebertritt in den ReichKdienst aus dem Staatsbiensttz entlassen. , .

** Personalveranderungen der Oberpost«, direktiou Darmstadt. Verlie hen wurde von Sr. Maj. dem Kaiser und König: dem Postdirektor Schnitt- spahn in Worms der Rang der Räte 4. Klasse und dem! Oberpostsekretär Cochlovius ebenda bei seinem Sck^vi den aus dem Tienste der Charakter als Rechnunvscat.i Bon Sr. K. H. dem Großherzog: dem Oberpostaisotenten Möbus in Bab-Nauheim das Ritterkrerrz 2. Klasse M Verdienstordens Philipps dcs Großmütigen und dem Brief­träger Mittel in Gießen das Allgemeine Ehrenzeichen, beiden bei iljreni Scheiden aus dem Dienste. Versetzt

Die heutige Mmmer umfaßt 8 Seiten.

Iüickbück auf Industrie und Mörse.

Wenn wir in der UeberMle »nichtiger Vorkommnisse des Wirtschaftsjahres 1903 die richtige Grmppierung ge­winnen wollen, dann brauchen wir nur die Worte Kon­zentration, Vereinigung, Fuftvil auszusprechen. Tenn die Vorgänge in der Politik, sei es der inneren oder der äußeren, habeu feinen Einfluß aus unsere wrrtschaftlichc Entwickelung ausgeübt. Stärker schon waren unsere Ge­danken von Amerika beherrscht. Die Vereinigten «Staaten von Amerika traten mit einer ganz außerordentlichen Prosperität in das Jahr 1903 ein, eine Prosperität, von der auch wir profitierten, denn wir konnten von dem Ueber- flusse unserer Eisenindustrie ganz beträchtliche Mmgen aus den schier unersättlichen amerikanischen Markt aoladen. Freilich schon im Frühjahre kam die aufsteigende Kon- junltur drüben ins Stocken. Bald schlug die Ueberspann- una aller Produktions- und Konsumtionsverhältnisse tn ihr"Gegenteil um; her Rückgang der Konjunrmr begann. Jii den noch im boiigeu Jahr so heiß umstrittenen Ge­bilden der Trustidee begann es bedenklich zu kriseln. Unb nun brach bei uns die leidige Amerikaflircht mit ver­stärkter Gewalt hervor. Amerika, so wähnte man bei uns vielfach, wird uns jetzt zu Schleuderprefseu Mit seiner Ueberproduktroil überschwei».. .1. In Wirklichkeit schritt Amerika mit fast erbarmimgl'.o,er Energie zur Einschränk­ung seiner übergroßen Produktion. Unsere Sorge vor Ame­rika erwies jich als grundlos. Wir sollten denn auch endlich mit der kritiklosen Verhimmelung amerikanischer Einrichtungen und Leistungen aushören. Das Große, das die Amerikaner vollbringen, können wir deshalb doch, un-