Ausgabe 
6.9.1904 Erstes Blatt
 
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free VeüSvuna opportun er)meinen zu lassen. 'ne Ver- Tobung ginq int Grvßb. 3cigbfd)lo(i offiziell Jagdhaus ge­nannt, vor sich» wo die fürftlidVn Miste nach, 6 Uhr abends von ihrem ÄuSflng nach dem Teehause Zinmcfiwkchrt waren. Der Kr^'nprinz und die Prinzessin Cäcilie befanden sich im Salon und einige Minuten später stellte sich das jugendliche ^ärflenpanr der Großherzogin -Mutter als Verlobte vor.

Rach Telegrammen aus Gmunden hat die Verlobung <nn Hose des Herzogs von Cumberland, des welfischeu 'Thronlmä ton deuten, in OVmunben lebhafte Freude hervor* gerufen. Seit dem Tage, an dem der iimge Gr Herzog von Mecklenburg mit der Fanu'lie des Herzogs von Cumber­land in venmin dtschaftlichc Vezielnlngeu getreten ist, ist auch die junge Brant des Kl'onprinzen, Herzogin Cäcilie, dem Gmnndener Hofe keine Fremde geblieben. Sie hat mehrere Male in dem herzoglichen Schlosse zu Chnunben zu Besuch geweilt. Ein inniges, freundschaftliches Verhält­nis hat sich -wischen der jungen Braut und den Töchtern deS Herzogs von Cumberland herausgeblldet.

Von beut Großherzig von Mecklenburg-Schwerin ist tn Schwerin folgendes Telegramm an daS Staatsmiuiste- rhrm eingetroffen:

Altona, 4. Sept Tcm Stattt-nnnisi wium macke ich die dockerfreulicke Mitteilung, daü meine vielgeliebte Sckwcster, Her* rvgin Cäcilie von Mecklenburg, am 4. Sept, unter meiner Frau Mutter unb meiner freudigen Eirnmlligung sich mit dem Kron- Prinzen des Deutschen Reick>eS und von Preußen verlobte. Ich hoffe tu Gott, daß auf dieser Verbindutrg,von der ich überzeugt bin. daß sie in ganz Mecklenburg freudigen Widerhall findet, der Segen meines teueren hockseligen Vaters ruhen nrnbe. Friedrich Front."

Kaiser Wilhelm benachrichtigte König Victor vpn Italien telegraphisch von der Verlobung des Kron­prinzen. Der König antwortete, er werde, trenn irgend möglich, der Hochzeit beiwohnen.

DaSWiener Fremdend latt" schreibt zu der Verlobung: Die Nachricht von Mefcr Verlobung wird nicht bloß in Deutschland, sondern auch in Oesterreich-Ungarn angesichts der innigen Freundschafts- und Allianzbe- ziehungen, welche die Herrscher und die Reiche ver­knüpfen, mit froher Teilnahme begrüßt werden. Das Blatt erinnert daran, daß der Kronprinz ein wiederholt auf das herzlichste begrüßter Gast des Kaisers von Oesterreich war. und daß der Kaiser von Oesterreich auch zu der Feier deS Mündigwerdens deS Kronprinzen in Berlin anwesend war.

In Dänemark wird die Verlobung von der Presse mit großer Zufriedenheit begrüßt. Die Blatter betonen, daß der künftige dänische König und der künf­tige deutsche Kaiser Schiwäger fein werden, eine Tatsache, die eine Stärkung der deutsch-dänischen Freundschaft ergeben würde.

Die Braut

Herzogin Cäcilie hat den größten Teil ihrer Jugend im Aus lande verbracht. Ihr ver­storbener Vater wurde von Bismarck einst als zuverlässiger Bundesgenosse und treuer Nachbar gepriesen. Die Groß­herzogin Anastasia, von Geburt eine russische Großfürstin, hat ihre Tochter, wie es heißt, in deutschem Sinne erziehen lassen. Einen entscheidenden Einfluß auf die spätere Aus­bildung übte in den letzten Jahren Miß King, eine An­gehörige des großherzoglichen Haushalts. In Rußland von einer deutschen Mutter geboren der Vater war ein Eng­länder und der Sprachen dieser Länder mächtig, hat die Miß ihren Zögling weiter fortgebifbet Herzogin Cäcilie beherrscht das Französische und Englische vollständig und ist im Russischen gut bewan­dert. Die Musik übt sie als Kunstfreundin ohne beson­dere Leidenschaft. Die Passionen der Herzogin sind die Hauswirtschaft, an der sie sich gern wie ein auf dem Gutshof erzogenes mecklenburgisches Landeskind be- teiliat, unb der Reit- und Fabrsport diese Vor­liebe teilt sie Wit dem Kronprinzen. Ihren keimen erhielt sie nach der ^woßmutter, der im Jahre 1891 verstorbenen Prinzessin Cäcilie von Baden, die sich 1857 mit dem Großfürsten Michael Nikolajewitsch, dem Bruder Kaiser Alexanders II.. vermählte und seitdem den Namen Olga Feodorowna führte.

AuS Berlin wird uns noch geschrieben:

In hieügen Hostttifen ist man dem Vernehmen nach geneigt, die Vorgescbickte der Verlobung des Kronprinzen zurückzuführen bfS zum April v. I., b. h. bis zum ersten Besuche Kaiser Wilhelms am Koyenbag-mer Hofe gelegentlick d S Geburtstages König Chrrstians. Bei den engen verwandtschaftlichen und be­sonders "freinrbftfxntlichen Beziehungen zwischen den regierenden Hörnern nt Mecklmbvrg-Schwerin und Dänemark war es die für die Verlobung des Kroiwrinren unumgängliche Vorbedingung, die seit Jahr und Tag tuniim Kopenhagen und Berlin bestehende, durck die verstorbene Königin von Dänemark, dieScknrieger- mutter Europas", verschärfte Spannung zu lösen. Ter Berliner .Hof tat den ersten Schritt mit Einladung und Aufzeichnung des f?ro7wrin^n von Dänemark, dem damals besonders der deutsche Kronprinz Aufmerksamkeit ri erwies. Nach der Rückkehr des bänb scken Gastes in ':tne Heimat erfolgte die Einladung König Christians an Kaiser Wilhelm, der ihr Folge leistete unb seine Anwesenheit in Kopenhagen auch die mecklenburg-schwerinschen Herrsciaften weilten damals dort zu Besuch über das ur- fvrünglicke Programm hinaus verlängerte. Damit formte das Verlöbnis des deutschen Kronprinzen als tn die Wege geleitet gelten unb bes Weiteren förderlich dürste dieser Angelegenheit ber diesjährige Geburtstag König Christians gewesen sein, zu bem in Vertretung Karier Wilhelms der deutsche Kronprinz in Kopenhagen erschien unb nun auch seinerseits dort mit seiner jetzigen Braut unb deren Familie zusammentraf. Ter holt» tische Reflex deS Verlöbnisse S unb die Staatsraison bleibt am wenigsten unberücksichtigt, wenn es sich um die Wahl ber künftigen deutschen Kaiserin handelt weist also aus Dänemark hin, besten Herrscherhaus wiederum mit den narr- baftestkN- Dynastien Europas verwandtschaftlich verbunden ist. Man dürfte deshalb kaum fehl gehen in der Annahme, daß die erste Auslanbsvisite des Brautpaares in Kopenhagen erfolgen wirb, wo man beiläufig noch in diesem Monat den Besuch deS Herzogs und der Herzogin von Cumberland und des mecklenburg--fckwerinscken Großherzogpaares erwartet.

Ein heiteres Begleitspie l hat das GhrtgniS dadurch gehabt baß rroch am Sonntag morgen der als hochoffiziöS geltendeBerl. Lok-AnzT bie Verlobungsmeldung als unrichtig bezeichnete Ein paar Tage zuvor verkündete dasselbe Blatt, dos siinen Nachrichtendienst für den bestorganisierten und zuver­lässigsten bet Belt hält, den Rücktritt deS Gouverneur- OberstenLeutwein in TeutschSüdwefdAfrika. Zwei Da- nehentr»ffet ersten Range- im Zeitraum einer halben Bocke daS ist wirklich alles mögliche. Ober ist nach rxm Scke.^'Nt deS grandiosen Sparlotterieprojcktes der T rafK zwischen hemLokal-Awchger" und der Negierung gerissen? I-dmialls rrrirb fortan ernige Vorsicht am Platz fein gegenüber ben 7^br\^:wn ober Dementis von dieser Seite.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Sept. Der Kaiser wirb am 16. Sep. ftwiber tn Ladin en eintreffen unb dort bis zum 18. abends verweilen.

Zu der Erkrankung des Fürsten Herbert Bismarck wird ans FricbrichSrrlh gemeldet, daß der Fürst von einem akuten Leberleiden befallen ist, baß eine erhebliche Abmagerung beß Kranken zur Folge hatte, so daß er sich nur mit Hilfe eineß Stockes im Zimmer zu bewegen vermag. Der Fürst mußte unter diesen Um* tänben auf eine Erholungsreise in diesem Sommer verzichten und im Schloß Friebrichßruh dauernden Wohnsitz nehmen, auch konnte er der an ihn ergangenen Einladung zur Teil- nahuie an dem Paradediner in Altona wegen seineß leidenden Suftanbcß keine Folge leisten. Wie nach derKöln. Ztg." verlautet, hatte Fürst Herbert Bißmarck im Frühjahre in London einen schweren Krankheitßanfall, der in nahestehenden Kreisen als eine Art Schlaganfall bezeichnet wurde. In Friedrichßrnh hatte er sich wieder etwas erholt, ist aber vor etwa 14 Tagen wieder schwer erkrankt.

Die Erkrankung beß Frhrn. v. Mirbach be­icht in einem Herzleiden, daß ihn nötigt, sich ans ärzt­liches Anraten vorläufig jeder aufregenden Tätigkeit zu ent­halten.

Zu dem bevorstehenden Parteitag der Deutschen Resorrnpartei (9hüi[cmitcii Zimmermann'scher Richtung) in Dresden beantragt der Landesverband Kur Hessen:

Der Parteitag wolle beschließen: I n d e n W a h l k r e, s e n M a r b u r g * K i r ch b a i n-F r a n k e n b e r g-V ö h l, A l s f c l b- Lauterbach'Schotten, Gießen-Gr ünberg-Nidbg ist schon jetzt eine p l a n m ä 6 i g e Agitation zu entfalten, um dieselben beidennächst en Wahlenzurückzu erobern. Die Anstellung eineß geeigneten NednerS mit dem Sitze in Frank­furt a. M. ist in Erwägung zu ziehen. Insbesondere erscheint eS auch notivenbig, daß unsere jetzigen Abgeordneten in den genannten Wahlkreisen abwechselnd Werbcreisen unternehmen.

Kiel, 5. Sept. Wie bie »Kieler N. N." melben, wirb ^önig AlfonS von Spanien im nächsten Jahre mit einem Geschwader den Kieler Hafen besuchen, um als Gast beß Kaiserß den sportlichen Veranstalttingen zur Kieler Woche beizuwohnen. Der Besuch beß Königs ist bie Er- wiberung deß Besuches, ben ber Kaiser in diesem Frühjahre bem Königßhofe abgestattet hat.

Bückeburg, 5. Sept. Amtliches Resultat ber nm 1. September im Fürstentum Schaumdtirg-Lippe ftattgebabten Reichstags-Ersatzwahl. Abgegeben wurden insgesamt 7250 Stimmen; davon erhielten Brun st ermann in Stadt­hagen (kons.) 3 5 8 4, Klingenhngen in Herford (Soz.) 2192, Crüger in Charlottenburg (srs. Vp.) 1458, zersplittert 21 Stimmen. ist Stichwahl zwischen Bninstermann unb Klingenhagen erforderlich.

Dreß den, 5. Sept. Wie daß ,T. I/ meldet, be- Ihnmte ber König mit Rücksicht auf die durch ben unge­wöhnlichen Wassermangel für die Bevölkerung der Lausitz ein» getretenen Mißstände, daß bie diesjährigen beim 12. Armee­korps angcfetjten KorpSmanöver nu Bf allen.

Wegen Einführung von NotstnnbStarifen für bie Industrie pflegt die sächsische Regierung Perhand- 1 ungen mit bem preußischen Verkehrsminister. Sollte Preußen ablehnen, so wirb Sachsen allein vergeben, da bie sächsische Regierung den industriellen Notstand anerkennt.______________

Mische Tagesschau.

DaS jnngliberale Schulprogramm.

baß vorgestern auf bem Leipziger Delegiertentage zur Annahme gelangte, nennt baSBerl. Sa gebt" eine nationalliberale Tat. Man habe, so wirb bemB. T " von einem Teilnehmer an der Leipziger Tagung gefdnieben, wieber einmal Töne gehört und eine Kampfes st im mung gegen bie Reaktion vernom­men. In ber vertrau licken Sitzung am ersten Tage schien cs nvch, alS tvenn keine volle Harmonie erzielt würbe. Diese Be­merkung scfnoächt inbeffnt bie Tatsache nicht ab, baß die Mehr-

s thnmen jegen 8 Stimmen, mit ber die Richtlinien eines nationalliberalen Äbulprogrcnmns ausgestellt wurden, äußerst imposant ist. In gavtffcm Sinne eine baS Sckmlkompromiß er­drückende Mehrheit. Tenn nidttß hilft darüber hinweg, daß im Hauptpunkt die Jungliberalen fick im entschiedensten Okgcn- ätz befinden zu denienrgen Mitgliedern der nationalliberalen Partei, die baS Sämlkomvrorniß gebilligt und veneidigt haben. Wollte bie mit bem Zentrum unb den Konservativen geschlossene Vereinbarung bi Konfessicnssckule alS Regel, bie Simultansckule als gcbulbetc Ausnahme aufgefaßt wisien, so präzisiett der Be- bie Volks- unb Lehrerbildung eine allen Bekenntnissen gemein» ante Scknile kS'multanschule.) ' Ebenso bestimmt lautet ber an bie Spitze gestellte Satz des jungliberalen Sckulprogramms: Tie allgemeine Volksstlmle ist eine weltliche Einrichtung, deren Leitung ausscl'4iestlick dem Staate zusteht. Tie nächstliegende Frage ist, trie sich bie nationalliberale Fraktion beß preußischen Landtages mit diesen Beschlüssen absinden wird. Ein Redner bat bie Besorgnis geäußert, baß die Jungliberalen mit ihren Richtlinien Gefahr liefen, einfach ignoriert zu werden. Ein foldxß Nichtbeackten müßte mon_ aber als äußerst bedenklich erkennen, denn bnburch würde erst recht die ju g , d. h. echt liberale Opposition verschärft werden.

Heer und Alotte.

In her Nacht zum Sonntag brach in dem Manövcr- lager von Esscg eine Panik unter ben Pferden aus, a(ß ein Pferd erschossen wurde. Etwa 7 0 0 Pferde ftürmten durch daß Zeltlager ber schlafenden Soldaten, von denen viele verletzt wurden. Der größte Teil der Tiere raste durch die Stadt. Viele rannten gegen Stachel­draht, wodurch sie sich schwerverletzten; andere liefen in den See. Die Zahl der getöteten und verletzten Tiere ist noch nicht festgestellt. 80 bis 100 dürften vernichtet fein.

Ausland.

Konstantinopel, 5. Sept. AuS Wan in Armenien sind an mehrere hiesige Botschafter Telegramme gelangt, welche melden, daß am Donnerstag 150 revolutionäre Armenier unter Führung von LoriS Mclikow, eines rusiischen Armeniers, die Stadt Wan betraten, um am Tage der Thron­besteigung deS Sultans Unruhen hervorzurufen. Die Auf­ständischen besetzten ein Stadtviertel und plünderten das­selbe. ES entbrannte gleich darauf ein heftiger Kamps mit ben türkischen Truppen. Es wurden 3 3 Häuser ein» geäschert. Auf beiden Seiten wurden 4 1 Personen ge­tötet. 2000 Christen flüchteten aus Furcht vor Massakres in ein Kloster. Die Insurgenten schossen besonders heftig von einem unmittelbar in ber Nähe beß französischen Klosters gelegenen Hause auf die türkischen Truppen. Weitere telc- graphische Einzelheiten stehen noch auß. Die auf einer Reise hefindlichen Konsuln von England und 9(incrifa in Wan er­hielten von ihren Botschaften Befehl, sich sofort nach Wan zurückzubegeben. In dieser Angelegenheit hatte der russische Botschafter eine zweistündige Unterredung mit bem Großvezier.

Tanger, 5. Sept. Eine Karawane, die Gold von Fez bringen sollte, wurde bei Akbalhamra, ungefähr 25 Meilen von Tanger, angegriffen. Den Maultiertreibern ge­lang, sich mit ungefähr 30 000 Piastern nach einem sicheren Platz zu flüchten. Ein Maultier mit 6000 Piastern siel in die Hände der Räuber.__________

Aus Stadt uud Fand.

Gießen, den 6. September 1904.

* * Eine ne ne.Karte beß Kreises Gießen von Pros. Waiiiscr-Butzbach ist im Verlag von Emil Roth- Gießen erschienen. DoS kleine Heft (Preis 60 Pfg.) enthalt die wichtigsten Wegemarkierungen unb eine sehr reichhaltige Karte beß Kreiscß mit genauer Darstellung ber Stäbtc unb Dörfer nach ihrer Größe, ber Schlößer, Ruinen. Türme, ber Höhenschichten, Straßen, Wege unb Eisenbahnen.

* * Ein Mißgeschick hatte am Sonntag eine Gesell^ schäft, bie sich im Philosophenwalb ein Sonntaqßvergnügcn machte. Eine größere Anzahl von Damen hatten am ge­meinschaftlichen Tisch Gläser voll Milch vor sich stehen unb schauten dem Spiel zweier kleiner .Hunbe zu. Plötzlich ver­legten bjese ben Platz ihrer Ausgelassenheit unter ben Tisch der Gesellschaft, bie Damen rafften unter Ausrufen bes Schreckens ihre Kleiber zusammen, wobei der Tisch um* gestoßen wurde und die sämtlichen Milchgläser sich über bie festlichen Gewänbcr ergossen, woburch großer Schaben an* gerichtet wurde.

* * Die Sciltanzcrfamilie L. Kniee giebt morgen abend auf dem Brandplatz eine letzte Vorstellung. Gestern abend fanden sich zahlreiche Zuschauer auf dem Platz ein, die ben geivanbten Darbietungen ber Künstler auf bem kleinen Seil mit großenl Jntcrcsic ztischautcn. Der Greis mit betn langen, eisgrauen Bart, ber vor Jahren auf bem kleinen Seil auftrat, ist zwar tot, aber anbere jüngere Kräfte zeigten gestern in allerlei Kunststücken ebenfalls eine berounbernß* werte Gcwanbtheit unb Zierlichkeit ber Bewegungen. Humo­ristische Szenen unb Tanze auf bem Pobium veroollstanbigten eine hübsche Zirkusvorstellung unter freiem Himmel. Zum Schluß betrat einer bet Künstler, als Storch oerkteibet, mit größter Sicherheit baS große Seil, bas in beträchtlicher Höhe vom KrcisamtSgcbäube zur Kaserne gespannt ist. Für diese halsbrecherische, schwierige unb gefährliche Kunst wirb im Umhcrgehcn ein Zuschauergelb von wenig Groschen erhoben. Da bas Wetter heute wieder gut ist, verdienen die Seil­tänzer ntid) bei der letzten Vorstellung bie Aufmerksamkeit be§ Gießener Publikums.

h. Friebberg, 5. Sept. Zu einer großen Trauer- fnubgebung gestaltete sich beute bie Beerdigung des Geh. Mcbizinalrats Dr. Martin Lorenz, Großh. Kreisarzt i. P. Tie Spitzen ber Zivil- unb Militärbehörbcn unserer Stabt, sowie Aborbnungen verschiedener Korporationen uub Vereine und ein großer Teil der Einwohnerschaft nahmen neben vielen von auswärts Erschienenen am Trauerzuge teil. Kirchenrot Dekan Meyer hielt eine Grabrede, worin er u. a. sagte, daß der Dahingcgangene, einer heiteren Lebensauffassung zuncigcnb, gerne andere erfreute, unb ihm bicS wesentlich erleichtert würbe blirch feine musikalische Begabung. Sein künstlerisches Spiel bereitete allen einen wahrhaften Kunstgenuß. Direktor Dr. v. Peter sprach als Freimaurer zu bem Bruber. Direktor Schäfer sprach namens bes Lehrerkollegiums. Für ben Wettcrauer Aerzteverein sprach Mebizinalrat Dr. Weckerling. Für den KreiS Friebberg sprach ZIreisrat Fey. Er betonte, daß ber Verstorbene nahezu 33 Jahre als Kreisarzt seines Amtes gewaltet habe. Auch er legte, wie die Vorredner, eine reiche Blumenspenbc nieder. Herr Weber legte namens be§ MusikvereinS einen Kranz nieber. Herr Koch aus Gießen war als Vertreter ber Loge .Lubwig zur Treue* anwesend. Der Verstorbene hat ein Alter von 71 Jahren erreicht.

= Stockheim, 5. Sept. Die Frau eines Arbeiter-m ber hiesigen Zuckerfabrik endete heute auf eine gräßliche Weise. Sic goß in bas schwach brennenbe Herdfeuer aus einer vollen Kanne etwas Petroleum. Im Augenblick war die Frau in eine Feuersäule gehüllt. Alle Hilfe war vergeblich. Von Brgnbwunben bedeckt, starb bie BebauernS- werte gegen abend. Vier unversorgte Kinder trauern um bie Mutter.

r. Mainz, 4. Sept. Der 16. Deutsche Feuer- wchrtag rourbc hier eröffnet. Nach ber am gestrigen^Vor- mittag stattgehabten Eröffnung ber Ausstellung von ,ycuer- wehrgeraten unb Ausrüstungsstücken fanden am Nachmittag technische Vorträge statt. Den Vortragen reihte sich am Abend in berStabthallc* bie Begrüßung ber auswärtigen Feuerwehren durch bie Behörben an. Die ausgebchntcn Räume ber .Stabthalle" reichten zur Aufnahme ber er­schienenen Feuerwehrleute nicht au8, unb schon bald nach der EröffnungSstunbe waren ber riesige Saal mit ben angrenzen* ben Gallcricn bis auf ben letzten Platz besetzt. Heute morgen fand zunächst eine große Schulübung der hiesigen Feuerwehr statt, zu welcher sich als Vertreter des Großherzogs Staats- Minister Rothe unb Hofmarschall von Westermeller cingefunben hatten. Der Nachmittag galt dem Festzug ber Feuerwehren, der in unabsehbarer Lange vor ben Vertretern beß Groß* herzogß defilierte. Der Festzug bestand auß 60 Feuerwehr* verbänben, baruntec auch einer auß Oesterreich. Außer ben hessischen Verbänden waren vertreten: Altenburg, Anhalt, Baben, Bayern, bayrische Pfalz, Brandenburg, Braunschweig, Kaffcl, Elsaß-Lothringen, Hannover, Mecklenburg, Mcinrngen, Ost- unb Westpreußen, Pommern unb Posen, Vcrbanb Rheinprovinz, Königreich Sachsen, Provinz Sachsen, Schlesien, SchlcSwig-Hokstcin, Türingen, Westfalen, WicSbabcn unb Württemberg. Dem Festzug reihte sich ein gemeinschaftliches Bankett der Ausschüsse an, dem am Abend noch zwei große Konzerte in derStadthalle* folgten. Am 5. d. Mts. wurde vom Feuerwehrtag folgende Resolution an­genommen: 1. Der 16. deutsche Feuerwehrtag erklärt bie seitherige GeschästSorbmmg beß beutschen Fcucrwchrtageß unb Außschusseß für ausgehoben. 2. Der 16. Deutsche Fcuerwchr- tag setzt an besten Stelle einen bie Feuerwehren beß Deutschen Reiches umfassenden neuen Verband ein, besten Namen unb Organisation späterer Beschlußfassung Vorbehalten Meibt. 3. Der 16. deutsche Feuerwehrtaq erklärt bie von dem ein* gesetzten SonbcranSschuß zu Dreöbcn verfaßten BunbcS* satzilngen eines BunbcöauSschllsteS, welcher bie gemeinsamen Förberungen feuerwehrlicher Angelegenheiten zwischen Dcutjch* lanb unb Oesterreich regelt, anzunehmen.*