Nr. 234 Drittes Blatt. 154. Jahrgang
Mittwoch 5. Oktober 1904
Erscheint Kgllch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener §amillenb'ättett^ werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der iJMflMc Landwirt' erscheint monatlich einmal.
Giehener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brühlffchen Univerfttätsdruckerei. UL Lange, Gießen,
R-* ^«on, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr, bl. Telegr^Adr. i Anzeiger Gießen»
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.
oraier
'raus, daß die Fest-
-is nicht durchführ
Aer Iayresöericht des Kroßherzogkich Kessischen Landeswoyurrugsinspektors.
V.
.M?^uung-Apokrz er-Verordnungen bestanden vor Jmkvaffttreten deS WohNunErforgegeseM bereits für die Ge- nrerndlm Büdrngen, Nidda, und Ortenberg (d. d. 30. Dezember 189o) imb für den Kreis Offenbach. Die Krage, ob es sich emÄieUt, derartige Verordnungen überhaupt zu erlassen, muß nnbodmaL bejaht werden, aber mit beut Vorbehalt, daß der materrAe Inhalt derselben mich tatsächlich billigen Ansprüchen g^uüge. Enn aber von vornherein in den Verordnungen diese MindestforberunMN auf ein unzureichendes' Minimum herab- gedrrickt norden sollen aus dec Erwägung heraus, daß die Festsetzung, höherer Mindestforderungen in der Praxis nicht durchführbar fer, so unterbleibt der Erlaß der Verordnungen besser überhaupt; denn eS erscheint sowohl aus wohnungspolitischen als auch aus allgenreinen Gründen nicht empfehlenswert, in solchen Verordnungen Vorschriften mchunehmen und damit Zustände gewiffermaßen gesetzlich zu sanktionieren, die als normal nicht angesehen! werden können. "Der Erlaß von Wohnungspolizei- Verordnungen erscheint deshalb notwendig, weil die Wohnungs- Aufsichts'organe mtf die Tauer ohne eine bestimmte Unterlage zur Beurteilung der Wohnungen eine ersprießliche Tätigkeit nicht werden entfalten können, und weil es wünschensivert erscheint, in die Wohnungsaufsicht eine gewisse Einheitlichkeit hineinzu- brin^en, ohne dabei natürlich in Schablonisierung zu verfallen. Erwägungen, betreffend den Erlaß einer Wol/nungspolizei-Ver- ordnung, schweben im Kreise Büdingen. Tas dortige Kreisamt hat den Berichterstatter in dankenswerter Weise um Begut- achtung des Entwurfs zu der Verordnung ersu.cht.
Tie Frage, ob es dem Arbeiter möglich ist, in tunlichst kurzer Zeit und mit geringsten Auftrendungen die Erwerbsgelegenheiten in wirtschaftlichen Zentren auszunutzen, ist für das Wohnungswesen von wesentlicher Bedeutung. Tenn würden es die Verkehrsverhältnisse mit sich bringen, daß jeder Arbeiter auch itt dem Arbeitsorte wohnen müßte, so würde dort naturgeniäß die Wohnuugsnachfrage riesig steigen und es
würde namentlich in größere-', wirtschaftlichen Mittelpunkten die Zusammendrängung der' Menschen und damit die Verschlechterung des Wohnungswesens einen ungeheuerlichen Grad erreichen. Ebenso würde das Schlafstellenwesen in diesem Falle in ganz bedenklichem Maße wachsen. Man klagt wohl über den Fortzug der Leute vom Lande in die Städte, aber trotzdem läßt sich nicht leugnen, daß die Liebe zur heimatlichen Scholle noch tief im Herzen der Bevölkerung sitzt. Die Leute nehmen lieber die Beschwerlichkeiten einer ^Eisenbahnfahrt auf sich, als daß sie sich entschließen, in die Stadt zu ziehen. Neben der Eisenbahn ist das Fahrrad ein bei der Arbeiterschaft beliebtes Beförderungsmittel. T-em Berichterstatter sind zahlreiche Fälle bekannt geworden, wo Arbeiter eine Stunde und länger mit dem Rad brauchen, um zu ihrer Arbeitsstelle zu gelangen, und wo sie diese Tour jeden Tag morgens und abends machen. Es handelt sich habet zum großen Teil um Arbeiter, die keinen Haus- oder Grundbesitz haben, bei denen also keine Rede davon sein kann, daß ihre Freizügigkeit durch die Seßhaftntachnng beschränkt oder aufgehoben worden sei. Aber sie wollen in ihrem Heimatsvrte bleiben, wo ihre Verwandten, Freunde und manche ihrer ehemaligen Schulkameraden wohnen, wo sie ein größeres Hinsehen genießen, als in der Stadt, und wo mancher von ihnen in gemeindliche Ehrenämter einrückt, z. B. Gemein der atSmitalied wird. ES kann nur gewünscht werden, daß sich die Leute diese Gesinnung erhallen und ihre Bestrebungen, tu dem Heimats- orte eine gute Wohnung oder ein eigenes Heim zu erlangen, müssen nach Kräften unterstützt werden.
beider trifft man viele Gerne indeverwallungeir, die einen entgegengesetzten Standpunkt einnehmen; sie sagen, die kleinen Leute zahlen die wenigsten Steuern und verursachen die meisten Lasten (Schul- und Armenlasten). Wenn wir ihnen nun obendrein noch gute Wohnungen schaffen, so werden die Quartiere, die sie bisher inne hatten, leer und in diese ziehen wieder andere Leute von auswärts ein, von denen noch mehr, als von den Einheimischen, zu befürchten ist, daß sie Lasten verursachen. Tiefe engherzigen Erwägungen haben schon mehrfach Gemeinderäte bestimmt, von Aufnahme des gemeinnützigen Wohnungsbaues abzufchen. Es waren dies übrigens nicht nur Gemeinden, die in der Nachbarschaft größerer Städte gelegen sind, sondern ein Fall wurde dem Berichterstatter mitaeteilt, wo die Aufnahme der Wohnungsfürsorge durch die Gemeinde deshalb für bedenklich erachtet wurde, weil in einem kleinen Nachbarorte angeblich recht schlechte Wohnungsverhältuisse herrschen, und befürchtet wird, von diesem könnten minderwertige Elemente in die durch Erhärtung neuer Wohnungen leergewordenen Quartiere in alten Häusern ziehen.
Schon auf Grund solcher Beobachtuugeit muß man sagen, daß es kein Wunder ist, wem: die Landbevölkerung stetig abnimmt, bedauerlich diese Tatsache an sich ist. Ist die ^ugend in daS heiratsfähige Alter hineiilgefoachsen und soll geheiratet werden, so bleibt den Leuten recht häufig gar nichts weiter übrig, als etwa im väterlichen Hause sich mit einem Stübchen zu begnügen, wenn nicht etwa schon das älteste Kmd bteies
Ier Wng.
Kriminal-Roman von O. Elster.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Das war -der Zug, welcher Bertha Wülchrnndt fortsülwte! Wohin — Käthe wußte et nicht! '&ie verschwand m der Welt Vimnis^der Tat.
^Unglüclllckerweisc Voar ihr Vater über Land gefahren zu einer dienstlichen Konferenz. Er kehrte erst gegen Abend zurnct.
Was füllte Käthe beginnen? Mit ihrer Mutter konnte fie über ihren Plan nicht spreck-en, die einfache alte Frau wurde sie kaum verstanden haben, jedenfalls aber wurde sie nichts unternommen haben, ohne mit ihrem Gatten zu sprechen.
Einen Fremden in das Vertrauen, ziehen? Nein, das durfte sie nicht. Ein Rechtskundiger war in dem ^-or,e nicht vor- (jtinben/ die einfachen Bewohner des Torfes konnten ihr nicht
Frieden Widder geben ^Geheimnis mit jeder
tatC 9101(04 sie da. Eine brennende Ungeduld verzehrte sie. M glanvll den Schlüssel zu dem Geheimnis in der Hand zu haben, n- glaubte den Miebten retten, ihm Rum und -, c - ( ,n können, und doch mußte sie untätig
diejenige, welche ihr den Schlüssel gegeben, das d-r Stunde, mit jeder Miilute lueitcr und werter
mit sich fortfül>rte. r
Gegen Abend hielt es sie Nicht mehr int Hause, enc eilte nut die Landäraße ihrem Vater entgegen. Als |ip zit dir hlatan n Allee fani hc von der Hi ^ -chaße zum Gutschch abziveiate, fuhr der Wagen Ferdinands int raschen <rabe an ihr vorüber.
Sie fnb /.abiiiüiia im v'nfiai sitzen, se,t in die Eae gedruckt, ji , hie Lippin ft ii zusammengedrückt, die finsteren Augen starr in die Ferne blickend.
Recht in Anspruch genommen hat, ober sich in einem anderen Orte eine Wohnung zu mieten. Tmnit werden aber nicht nur der Landlvirtschast gute Arbeitskräfte entzogen, sondern den Geschäftsleuten am Orte gehen auch Konsumenten verloren.
Tie oben angeführten Bedenken mancher Gemeindeverwaltungen sind auch nicht stichhältig. Tie Wohnungsfürsorge soll dazu dienen, den kleinen Leuten gute Wohngelegenheit zu geben bezw. solche Überhaupt erst zu schaffen, damit die Leute in der Heimat bleiben; werden von etwaigen Zuzieihenden die freiwerdenden Wohnungen in gesundheitsichädlicher Weise benutzt, so hat die Ortspolizeibehörde nach dem Wohnungsauffichtsgesetze baS Recht zum Einschreiten. Tie Zugezogenen sollen — wie hier und da behauptet wird — oftmals minderwertige Elemente sein. Tas kann zugegeben werden, obwohl der Berichlterstatter nicht selten den Einoruck gehabt hat, als werde hier Armut mit Minderwertigkeit identifiziert. Tie größeren Städte sind hier zweifellos viel übler daran, als die kleinen Gemeinden; denn dort können iich wirklich minderwertige Elemente viel leichter' verbergen, als In Keinen Städten und Dörfern.
Gegenüber derartigen von wenig sozialer Einsicht zeugenden Erwägungen ist es wohltuend, wenn man auch Gemeinderäte mit weitausschauendem Blick und richtigem Verständnis für das soziale Leben der Gegenwart findet. Wenn z. B., wie dies namentlich bei den genannten 4 Gemeinden der Fall war, bei den Verwaltungsorganen lleinerer Städte und Dörfer der Wunsch zum Turchbruch gelangt, durch Beschafftmg neuer Wohnungen die Leute nicht mir der Gemeinde zu erhalten, sondern ihnen und ihren Familien auch die Führung eines menschenwürdigen Daseins zu ermöglichen, so erfüllen sie damit nicht nur eine vom Gesetz gewollte, sondern auch eine von der Vernunft und der Nächstenliebe biftierte. Pflicht.
Tie Vergünstigungen, die von den Bahnverwaltungen gewährt werden, bestehen darin, daß den auswärts beschäftigten Arbeitern bei genügendeni Ausweis Wochenkarten verabfolat werden, die in .der Regel zur zwölfmaligen Befahrung oer betreffenden Bahnstrecke berechtigen und deren Preis im Tnrch- schnitt die Hälfte deS gewöhnlichen Tarifs beträgt.
Auf der Preußisch-Hessischen Staatsbahn berechtigen die Arbeiterwochenkarten zur Benutzung der 4. Wagenrlasse, auf der Main-Neckarbahn der 3. ^Waaenklasse. Der Einheitspreis der Karten beträgt auf beiden Bähüen 1 Pfg. pro Kilometer, während der gewöhnlich^ Tarif der 4. Wagenllasse 2 Pfg. pro Kilometer ist.
Ferner werden auf der Preußisch-Hessischen Staatsbahn an Arbeiter Monats- und Monatsnebenkarten 3. Klasse verabfolgt, deren Fahrpreis sich gegenüber dem der Wochenkarten niedriger stellt, sobald die betr. Bahnstrecken täglich zweimal in jeder Richtung (auch zum Einnehmen des Mittaaessens) benutzt werden sollen oder wenn mehrere Angehörige eines Hausstandes die Eisenbahn vom Wohnorte nach der Llrbeitsftelle benutzen, da in diesem Falle nur für eine Karte (Stammkarte) der volle Preis, sür die übrigen (Nebenkarten) aber nur die Hälfte erhoben wird.
lieber die Zahl der im Jahre 1903 aus'gegebenen Arbeiterwochen- und Monatskarten auf im Großherzogtum, belegenen Stationen nach den Städten Tarmstadt, Frankfurt, Offenbach, Hanau, Gießen, Mainz, Worms und Mannheim gibt folgende Tabelle Anstmrst.
Solche Zusammenstellungen erscheinen nicht uninteressant, sie geben auch einen. Anhalt dafür, wo starke Arbeiterbevölkerung wohnt. Es wurden danach von hessischen Ortschaften auS verabfolgt :
Arbeitev-
nach:
Wochenkarten
Monatskarten
Darmstadt Offenoach
142 644
3990
115 452
—
Gießen
19 204
:—
Mainz
49 829
792
WormS
46 160
852
Frankfurt
149 231
3762
Hanau
5 920
—
Mannh'eim
21005
—
Summa
549 445
9396
Rechnet man auf den Arbeiter pro Jahr 50 Wochenkarten (das ist wohl hoch genug gegriffen, da abgesehen von Saisonarbeitern infolge Krankheiten, Beurlaubungen und Abhaltungen sonstiger Art die Turchschuittsarbeitszeit nicht mehr als 50 Wochen pro Arbeiter betragen wird) und 12 Monatskarten, so wohnen schon nach dieser Zusammenstellung 11 772 Arbeiter außerhalb ihres Beschäftigungsorts. Mer das sind bei weitem noch nicht alle Arbeiter, es kommt hinzu die große Zahl derer, die andere Beförderungsmittel, als die Eisenbahn (Fahrräder. Omnibusse, Schiffe, z. B. Mainz-Kostheim rc.) benutzen, dann oie zweifellos ins tausendfache gehenden Fälle, wo andere, üis die obengenannten Städte den Arbeitsort für anderwärts wohnende Arbeiter bilden, sodaß man wohl kaum zu weit geht, wenn mau annimmt, daß etwa 25 000 hessische Arbeiter und Arbeiterinnen ihre Er- werbsgelegenh'eit außerhalb ihres Wohnorts haben.
Was würde es aber für das Wohnungswesen der betr. Städte bedeuten, wenn die Arbeiter, die jeden Tag von auswärts nach
den Städten kommen, um da #u arbeiten, samt ihren Familien in diesen Städten wohnen müßten, und welch harter wirtschaftlicher Schlag wäre es für die betr. Gemeinden, wenn die Hunderte von Arbeitern, die jetzt auswärts ihr Brot verdienen und Geld in die Gemeinden bringen, diese verlassen und nach dem Arbeitsort ziehen müßten. Es wäre das, für manche dieser Gemeinden, für viele Geschäftsleute daselbst gleichbedeutend mit dem wirtschaftlichen Ruin!
Tie Bo den frage spielt im Wohnungswesen eine sehr wich tige Rolle und insbesondere ist es die ungesunde Boden- s p e f u 1 a t io n und die Ueberteuerung desjenigen Geländes im allgemeinen, das für Bebauungszwecke in Betracht kommt.
Als eins der wirksamsten zur Erzielung gesunder Verhältnisse in dieser Hinsicht ist eine sachgemäße Bodenpolitik der Gemeinden anzusehen, wie auch andererseits durch gute Bebauungspläne und Bauordnungen eine Einwirkung auf den Bodenpreis
möglich ist.
Tie nachbezeichneten Städte
Gemarkung: T>armstadt
Mainz Offenbach Worms Gießen
haben im Eigentum von ihrer
33.0 Prozent,
26.6
45.3
22.2
49.4
In Hessen haben 21 Gemeinden Bauland überhaupt nicht im Besitz, 19 Gemeinden bis 1 Hektar Bauland auf je 1000
Einwohner, 6 Gemeinden 1 bis 5 Hektar Bauland auf je 100Q
Einwohner, 5 Gemeinden über 5 Hektar Bauland auf je 1000
Einwohner.
Das Ergebnis der Erhebung in Hinsicht auf das Gemeinde- Bauland muß als kläglich für die Gemeinden bezeichnet, werden! Außer den 21 Gemeinden, die Bauland überhaupt nicht im Besitz haben, bleiben auch die 19 Gemeinden, mit einem Baulandbesitz bis zu 1 Hektar pro 1000 Einwohner in der Bodenfrage für den Wohnungsbau so ziemlich ganz außer Betracht,, denn diesen geringen Besitz müssen sie- für öffentliche Bauten rc. reservieren und sie können davon für die Errichtung von Wohnungen nichts abgeben. Es bleiben also nur 11 Gemeinden, deren Baulandbefitz groß genug erscheint, um damit den Grundstücksmarkt in preisermäßigender Weife beeinflussen zu können.
Faßt man die Grund st ückspreife unter dem Gesichtspunkte ins Auge, inwieweit sie den Ban kleiner Häuser für^ ein- oder zwei (über einander wohnende) Familien zulafsen, fo fragt sich zunächst, wie hoch der Einheitspreis des Baugeländes überhaupt fein darf, um solche Häuschen noch rentabel zu machen. Eine normale Baustelle für ein kleines> Haus sollte in der Regel mindestens 300 Qm., bei billigen Grundstückspreisen eher mehr als weniger, betragen, wenn nicht durch die Bodengestaltung eine derartige Parzellierung unmöglich gemacht wird. Geht davon die Fläche für Hans und Hof ab, so bleibt noch ein nettes Gärtchen, das den Leuten bei der Anpflanzung von Gemüse, Obstbäumen, Blumen viel Freude machen wird. Dieses Flächenmaß gilt für das Einfamilienhaus, es wird aber auch für das Zweifamilienhaus ausreichen müssen, bezw. nicht viel größer fein dürfen, weil dieses ja nur des teueren Grundstückspreises wegen gebaut werden muß. Tas Bauland für das Einfamilienhaus sollte dann — immer normale Verhältnisse vorausgesetzt — nicht mehr als 2 Mt. pro Qm., dasjenige für Zweifarnllienhäuser nicht mehr als 3 bis 4 Mk. kosten. Legt man diese Zahlen, für die selbstverständlich keineswegs irgendwelche mäßaebende Bedeutung beansprucht wird, zu Grunde, so wäre der Bau solcher kleinen Häuser ausgeschlossen in: Bad- Nauheim, BibM, Bingen, Büdingen, Butzbachz Darmstadt, Gie 6 e n, Hechtsheim, Mombach. Nierstein,- Ober-Ram- stadt, Offenbach, Oppenheim, Seligenstadt, Vilbel,- WormS: 16 Gemeinden.
lieber das seitens der Gemeinden zur Vergrößerung ihres Grundbesitzes Geschiedene bezw. über Verkäufe von Gemeiudegelände ist zu berichten, daß Alsfeld, Gießen und Griesheim erhebliche Flächen an Baugelände angekauft haben. Tie Stadt Darmstadt ist schon längere Zeit bemüht, ihren Grundbesitz, namentlich auch an Bauland, zu vergrößern. Es ist dies sowohl hier, als wohl auch in vielen anderen Gemeinden eine recht schwierige Aufgabe, lveil das zur Bebauung^ reife Gelände eben nur zu dem marktgängigen Preise zu haben ist, weil ferner viele Grundbesitzer glauben, gleich höhere Preisforderungen stellen zu können, wenn die Gemeinde als Käuferin auf tritt und weil endlich viele Grundbesitzer überhaupt nicht geneigt sind, ihr Gelände zu verkaufen, es fei denn, daß ihnen diejenigen hohen Preise bewilligt werden, die sie im Laufe der Zeit noch zu erzielen hoffen.
Trotz dieser Schwierigkeiten muß aber gewünscht werden, daß die Gemeinden sich nach Möglichkeit bemühen, möglichst große Baulandftächen, insbesondere auch solches Gelände, das zwar vorläufig als Bauland nod> nicht in Betracht kommt, aber in späterer Zeit bei weiterer günstiger Entwicklung der Geineinden voraussichtlich für die Erbauung mit Wohnhäusern erschlossen werden muß, in ihren Besitz zu bringen, daß sie aber auch bei Wiederabgabe des^ Geländes nur solche Preise stellen, die die Selbstkosten decken. Außerdem ist es erwünscht, daß fie dem gemeinnützigen Wohnungsbau Gelände zu noch geringeren Preisen zur Verfügung stellen, wie dies nach der Aufstellung bisl^r die Gemeinden Astheim, Butzback), Gießen und Mainz getan haben.
Wie ein Wink des Sckstclsals erschien ihr diese Begegnung. Ihm, ihm wollte fie alles sagen — ihm wollte fie alles an- v erträum!
Sie erhob die Hand. Ferdinand sah sie nicht — fie wollte rufen, sie wollte sich vor die Pferde stellen — doch da war der Wagm schon an ihr vorüber und bog nach der entgegengesetzteii Seite der Srtaße ein — den Seitenweg verfolgend, welcher zum Bahnhof führte.
Jetzt rang sich doch ein Schrei von ihren Lippen, der 'Kutscher wandte sich um — und jetzt, jetzt erhob sich auch Ferdinand und blickte zurück, einen Augenblick schien es, als wollte er anhalten lassen, dom dann erhob er nur die Hand wie zum Abschiedsgruß und sank auf den,Sitz zurück.
In der Ferne ertönte das Pfeifen der Lokomotive, der Kutscher hieb auf die Pferde, daß sie in raschestem Tempo dahiu- rasten — bald war der Wagen den Angen Käthens entschwunden.
Langsam kehrte sie in das Elternhaus zurück. Neue Zweifel stiegen in ihr empor, wie die Schatten der Nacht, die sich allmählich aus die Erde niedersenkten..
Weshalb war er entflohen? Tiefe Frage quälte sie ohne Unterlaß und nagten an ihrem Glauben, an ihrem Vertrauen, wie die unaufhörlich anspülende Welle an dein Felsen.
4. Kapitel.
In der Tat, Ferdiiwud halte Wendessen verlassen! Nickst auf immer, wie er anfangs im Sinn gehabt, sondern nur zu einem bestimmten Zweck, nach dessen Erfüllung er in die Heimat zurückkehren wollte. In einem Briefe an den Pfarrer teilte er diesem seine Absicht mit. Der Brief lautete :
Mein teurer väterlicher Freund!
Ehe ich Weudesfen, Sie und die lieben Ihrigen für eine Zeit, deren Taner ich nicht bestimmen Fann, verlasse, drängt cv inick-, Ihnen nochmals für alle^ die freundliche und trostreiche Teilnahme zu danken, welche Sfe mir in dett letzten schweren Wochen erwiesen haben. u baute Ihnen und den Ihrigen von ganzem Herzen für den Glauben an mich; wenn mich ein Gedanke in dieser inrchtbaren Zeit aufrecht erhalten konnte, so war.
es der, daß die Besten, die Edelsten, die Frömmsten der Menschen an meiner Unschuld nickst zweifelten. Dieser Gedanke legt mir aber auch eine Pflicht auf, die ich erfüllen muß, ehe ich wieder vor Sie und die Ihrigen treten kann, die Pflicht, meine Schuldlosigkeit den Augen der ganzen Welt zu beweisen, damit nicht der Verdacht, der jetzt noch auf mir ruht,' auch diejenigen schädigt, welche treu und fest >.i mir gehalten haben.
So verlasse ich Sie denn mit dem festen Entschluß, den Täter zu finden oder nie wieder zu Ihnen zurückzukehren. Es ist eine schwere Aufgabe, welche nicht einmal die staatliche Polizei, das Gericht mit all den Machtmitteln, welche ihnen zu Gebote stehen, lösen konnte. Ich hoffe sie dennoch zu lösen — iuie, das weiß ich nicht, aber ein unbestimmtes Gefühl leitet mich und diesem Gefühl merbe ich folgen. — Leben Sie wohl. Ich gebe Ihnen keine Adresse an, da ich selbst nicht weiß, wo ich bleibe. Offen gestanden, möchte ich auch durch Ihre gütigen Worte, die Sie mir unzweifelhaft senden würden, in meinem Vorhaben nickt wankend gemacht werden. Ich muß auch im Verborgenen bleiben, um so unbeobachteter und sicherer kann ich mein Ziel verfolgen.
Also nochmals leben Sie wohl! Seien Sie und die Ihrigen herzlichst gegrüßt. Wann wir uns wieder sehen, steht in Gottes fcaub, aber stets bleibe ich Ihnen von ganzem Herzen dankbar und _treu ergeben. Ferdinand Groller.
Der Pfarrer schüttelte da- graue Haupt, als er diesen Brief im Kreise seiner Familie vorgelesen, und auch die Frau Pfarrerin konnte nickst umhin, eine kleine mißbilligende Miene auszusetzen.
(Fortsetzung folgt.)
— „De r Ku n st wa r i' rg T. W. Callwey in München! hat eine Auslage von 20000 erreicht.
— Die Hstchochch t>?os-Buchhandlung in Wismar bereitet eine hod?d >nt j cu > .1 uscjnb e von Reuters „Strom t i d" vor, di.e R«'den t der Bearbeiter, O. Heidmüller, unbe rührt gelassen.


