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4.7.1904 Erstes Blatt
 
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yrv. 154

IrHthi tag«* au bei Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die Siebener Kamillen» Glätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck tu Ver­lag der Brüh l'scheu Univeich-Buch-u. ©teilt* bmdtrtU 9t Lang«» Redaktion. SrpedMo» und Druckeretr

Gchulstratze 7.

ttbrefie für Depeschen: Anzeiger Gieße«.

Kernsprechanschluß Nr 6L

Erstes Blatt.

154. Jahrgang

Montag 4 Juli 1904

GietzenerAiljeiger

** General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

verugspreiOr monai lich7b viertel* jäbrlich Mk. L20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.viertel- jährt. cmSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür bie Taqesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenyrei«: lokal 12

auswärts 20 Pfg. verantwortlich lst, den poiit und allgem. Teil: P. Wittko: für »Stadt und Land^ und »GerichtSs aal *: A u g u st Goetz; für den An­zeigenteil: HanS Bert

Volilische Tagesschau.

Zur hesfischeu WahlresOrm

Mrd urrS geschrieben:

Man wag nun über die Aufhebung der drei Mandate der Städte Alsfeld, Friedberg und Bingen denken, wie man will, die Art, wie sie plötzlich über Nacht vollzogen wurde, und wie der neue Kompromiß überhaupt zu stando kam, steht jedenfalls in den langen Verhandlungen .um das direkte Wahlrecht einzig da. Der frühere und der jetzige Wahlrechtsausschuß hatten sich in fast dreijähriger mühevoller Beratung mit der Mandats­vermehrung herumgequält, bis sie endlich, einer Eingebung des Kammerpräsidenten folgend, in der Vermehrung au 60 eine Basis für die endlose Verständigung gefunden zu haben glaubten. Und nun kommt unmittelbar vor Tores­schluß eine Hand voll Herren, und wirft das ganze diffizile Bauwerk wieder über den Haufen! Es sollteunter allen Umständen" am Ireitag das Haus nicht auseinander gehen, ohne eine definitive Entscheidung getroffen zu haben und so folgte denn unter großem Tumult und knurrendem Magen r es war mittlerweile 2 Uhr geworden das 3a" von 37 Freunden des Antrags Bähr. Daß damit zwar eine vorläufige Entscheidung, aber noch lange nicht bic" Entscheidung erfolgt ist, liegt auf der Hand. Wer weiß, was noch für neue Ueberraschungen bevorstehen bei der Einteilung der ländlichen Wahlkreise, mit der sich der um 5 Mitglieder verstärkte Ausschuß von heute beschäftigen wird. Und mit was sür Gesichtern werden die Mitglieder desselben, von denen verschiedene am Freitag mit lautem Nein" stimmten, an die Lösung chrer neuen, schwierigen Ausgabe herantreten???

Per Krieg zwischen Aapan und Außlaud.

Kämpfe bei Port Arthur zu Waffer uud zu Laub.

Tokio, 3. Juli. .Admirak Togo berichtet, Montag nacht wurde ein russisches Wachtschiff, das einem Schlacht­schiff ähnlich sah, bei der Hafeneinfahrt vor Port Archur durch einen Torpedo zum Sinken gebracht Ein russischer Tor - pedobootszerstürer wurde ebenfalls in den Grund ge­bohrt

Petersburg, 2. Juli. Beim Angriff auf die kleine be­festigte Position an dcr Hsiaupintau-Bucht, 20 Werst vor Port Archur, büßten zwei japanische Regimenter bei dem dreimaligen.Sturm 1000 Manu gegen ein russisches Bataillon ein, .das nad? .Sprengung der vor der Position gelegten Minen, auf welche die Japaner geraten waren, zurückging.. Obwohl die Regenpercode ein getreten ist und die Japaner teilweise auf Föngwangtschoug zurückgehen, sind doch noch größere Zu­sammenstöße zwischen Haitschöng und Kaitschou möglich, wo täg­lich lleinere Scharmützel stattfinden. Tie Wege sind allerdings fast unpassierbar geworden, die Soldaten kommen nur mit Hilfe von Stöcken vorwärts, und der Train bleibt überall stecken. Ein temporärer Stillstand der größeren Ope­rationen ist wahrscheinlich. Zwischen Korea und Japan ist ein furchtbarer Orkan am 27. Juni niedcrgegangen und hat eine große Zahl japanischer P.roviantbarken mit Mehl vernichtet

Paris, 2. Juli. .Privattelegramme aus Petersburg be­richten, daß die Japaner einen Sturmangriff gegen die vorgeschobenen Befestigungswerke von Port Ar­thur unternommen haben. Die Russen zogen sich zurück, nack)dem sie Minen gelegt hallen, welche explodierten, als die Japaner die betreffenden Stellen erreicht hallen. Biele Japaner wurden getötet

Petersburg ,3. Juli. Wie General Ssacharow an den Geueralftab von gestern meldet, geht der Feind von Seniutschen aus nicht weiter vor. Am 30. Juni ging der Feind auf der aus Ssiujan nach Siahotan (33 Werst südwestlich von der Station Taschitschiao) führenden Straße gegen eine russische Aufklärungs­abteilung Lum Angriff über und nahm mit zwei bis drei Kompaanien Pantechan, auf dem Wege Ssiujau-Siahotau, etwa 28 Werft von Ssiujan, ein. Nach dem Gefecht bei Lia- hotan am 27. Juni zogen sich die Japaner sehr eilig nach Chansa (auf dem Wege Ssiujan-Kaitschou) zurück. Unter den japanischen Truppen scheint .Dy senterie stark ver­breitet zu sein. In dem Gefecht vom 27. Juni verlor der Gegner zwei Geschütze und einen Protzkasten, die durch die Geschosse dcr russischen Artillerie vollständig zertrüm­mert worden waren. Im 9wrdcn des Tschapanlinpasses fahren die Japaner fort, mit einer kleinen Abteilung .Ta- miarlgou, acht Werst vom Tffchapanlinpaß, zu besetzet:. Am 1. Juli wurde feftgestclll, daß ber Feind wiederum mit geringen Abteilungen, aus dem nach Siabotau und Tindiatin (sieben Werst südöstlich von Siahotan) führenden Wege vorrückte. Auf der vom Dalienpasse nach Simutschen (auf dem Wege nach Haitscheng) führenden Straße häll der Feind in der Stärke von etwa zwei Kompagnien einen Engpaß im Süden von S i a o k u ch a n (13 Werst südlich von Simutschen) besetzt.

Bonbon, 3. Juli.Daily Telegraph" berichtet aus Liao­jang- Die russische Armee fetzt chren Bormarsch nach Süden fort. In militärijdjen Kreisen ist man jedoch der Ansicht, daß der Rückzog Kurokis nur eine taktische List ist, um die Russen nach dieser Richtuilg zu locken, toährend Küroki den Versuch macht, die russische Stellung LU überflügeln. Dieser Versuch wird jedoch tvahrsck)einlich wegen des Regens und der Ueberschwemmungen fd)citern.

Petersburg, 3. Juli. Wie der Berichterstatter desRe- aierungsboten" aus Liaujang vom 2. .b. M. meldet, war die tage a u f dem Kriegsschauplätze in den letzten vier Tagen folgende - In der Front nimmt eine berittene Abteilung bei Vorhut das Dorf Sialatsi, an der Eisenbahn, etwa neun Werft südwestlich von Kaitschou, ein. In einem Gefechte, das am 27. Juni bei Sifontai in der Nähe von Scniutsckicn stattsand, würben ein Leutnant und zehn Kosaken verwundet^ cm Kosak wurde getötet. Wacb .den erfolgreichen Kämpfen bei Siahotan räumten die Japaner am 30. Juni Tsche- guontin, die sclwmrzen Berge, Siandiao nnd Mabiawaidsa.

H der Kulidschchter verloren i i c in diesen K ä m pfcu gegen 50" M a u n. Am 30. .rnni bedrängte eine Abteilung bcc Vorhut des Gegners unsere^ Freitpilligen auf dein i dem chalinpasst le belebte vas rf . l guchau tödlich von eurntschen, wurde aber zuruckgedrangt. .Gernchttveffe verlautet, daß sich der Dalin-

paß Mach )oie vor iw den Händen der Japaner be­finde. Die Nachhut der östlichen Abteilung bestand am 29. Juni Gefeckte in den Pässen von Ufunguan bis Laholin und zog sich auf die Stellung .im Janselinpaß zurück. Am 27. Juni griffen die Japaner auch die Abteilung des Generals Rennenkampf im Siaoulinpaß an. Der Feind wollte in dem Tale des Zagefluffes seinen rechten Flügel umgehen, was ihm aber nicht gelang. Am 28. setzte der Gegner den Vormarsch gegen die Ab­teilung Rennekampf's fort, die sich zum F e n schu ili n p a ß zurückzog. Unsere Verluste waren unbedeutend. Ein Kosaken­offizier wurde verwundet. Es bestätigt sich, daß die I a p a n e r Mangel an Verpflegung leiden, desgleichen an Transportmitteln. Es brechen Krankheiten unter ihnen aus.

DaS Wladiwostokgeschwader.

Tokio, 3. Juli. Das russische Wladiwostvt-Geschwader entkam Frellag abend (wieder einmal) bet Verfolgung des Admirals Kamimnta.

London, 2. Juli. Telegramme berichten, daß das Wladi- woftokgeschwader vor Gensan das in Glasgow erbaute japa­nische Handelsschiff ^Koun Maru" von 7500 bannen Gehalt in den Grund gebohrt habe. Ein anderes in den Grund gebohrtes Kriegsschiff der Japaner ist dieEitsu" von 13 900 Tonnen Gehalt

Friedeusvermitlluug.

Zu dem neuerdings wieder in Betracht gezogenen Gedanken einer Friedensvermillllmg ^vill das23. T." aus guter Quelle erfahren haben, daß .es Tatsache sei, daß die Bestrebungen zur Beendigung .des Krieges fortaesetzt werden. Die Vermittlung würde, um reden Anlaß .zu Konflikten zu vermeiden und ihr größeres Gewicht beizulegen, als eine gemeinsame Aktion aller Großmächte erscheinen und jedenfalls die guten Dienste der Neutralen jur Verfügung .stellen, ohne irgaib welchen Druck auszuübeu. Bei allen neutralen Mächten besteht ber Wunsch, den Krieg möglichst bald, beendet zu sehen, da er die Interessen ganz Europas aufs tiefste berührt, und eine Einigung beider kriegführenden Mächte als wohl möglich 'betrachtet wird.

In Paris riefen die neuesten Nachrichten vom ostasiattschen Kriegsschauplatz unverhohlene Befriedigung hervor, well sie be­weisen, .daß .die Japaner doch größeren Schwierigkeiten be­gegnen, als erwartet wurde. Die dort niemals ganz aufgegebene Vermillmngsidee beginnt angesichts der für Rußland etwas günstigeren Sachlage neuerdings aufzuleben. Man rechnet dabei msbesondere auf England und wünscht, daß dieses sich seiner Stellung nnd Pflichten als europäische Macht erinnern werde und Japan gegenüber wirksam zur Geltung bringen möge. Viel Heiller erscheint allerdings die Frage, wie Rußland sich ohne end- scheidenden Waffenerfolg ^zu einem Vermittlungsversuch stellen würde. Man hofft aber, daß die Regenzeit, welche die Kriegs- opcrattonen zu Lande mobl säst vollständig lahmlegen dürfte, wesenllich dazu beitragen wird, den Bermittelungsplan zur Reife zu bringen.

Deutsches Keich.

Berlin, 3. Juli. Das Ka i s erp aar segelte gestern mit demMeteor^" von Kiel nach Travemünde. Der Kaiser verweilte gestern bis nach 10 Uh-r im Kurhause und begab sich dann an Bord ber ,Hohenzollern". Heute morgen wurde an Bord Gottesbienst adgehalten. Von 12 llhr mittags ab starteten in ber Lühecker Bucht bei günstigem Winbe über 40 Jachten zur Wettfahrt bes Norddeutschen RegattaveveinS und bes Lübecker Jachtklubs. Mit bem ersten Start gingen bie Jachten ^ambur^ mit dem Kaiser an Bord undSn&omar" saft gleichzeitig über die Start­linie.

Me bieRhein.--Wests. Ztg." meldet, verlaßt das deutsche Geschwader am 6. Juli Kiel, um einer Ein­ladung des Königs Eduard nach Plymouth zu folgen.

Die Verteilung von Pückler-Redeu auf den Straßen Berlins wird fortgesetzt. In einer dieser Reden deS antisemitischen Grafen, die bei ihrer Verteilung auf der Straße auch >in die Hände von Kindern gelangen^ heißt es:Auch Ihre Söhne, die schon das Gymnasium oder die Realschule oder irgend eine andere Schule besuchen, die müssen Sie astch jetzt erziehen zu schneidigen Antisemiten m:d müssen den Jungens einen ge­waltigen und einen furchtbaren Zorn ein- impsen gegen das fremdeGesindel, damit sie gegen ihre jchdischeri Kollegen aus ber Schule zu Felde ziehen und ganz fürchterlich draschen."

Der Kolon ialrat beriet gestern den Etat für Deutsch-O stafrika. Hauptgegenstand der Beratung bil­dete die Gefahr der Ausbreitung des Islams in Zentral­afrika unb die Besiebluug bes Schutzgebietes durch Weiße, owie bie Schafsturg einer letzten Instanz für die Schutz­gebiete in ber Heimat. In ber Spezialbebatte würbe unter anberm besprochen: bie JnstanbHaltung der beutschen Dampfer auf den Binnenseen unb bie Enttvickelung des landwirtschaftlich-brologischen Instituts in Amani. Bei ber Beratung bes Etats für Neuguinea wurde bie Anlage eines botanischen Gartens int Schutzgebiete einstimmig angenommen. Ohne Debatte wird der Etat der Karolinen, Marianen und Pagao- rnseln erledigt. Bei Berattmg des Etats für Samoa wird ein Llreal für einen botanischen Garten in Aussicht ^stellt. Der Antrag auf! planmäßige Bearbeitung der Zandeskilnde der Schutzgebiete wird au eine sechsgUÄrige Kommission verwiesen.

DieGermania" veröffentlicht eine Einladung zur 51. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, die vom 21. bis 25. August, irr Regens­burg stattfindeL

Gegenüber dem Hinweis derjßrcffc auf dieauf- ällende Beschleunigung", mit ber der BundeSrat die No- )eile zum M ünzgesetz in der von: Reichstag be- chlosscueu Fassung lll>lehnte, bemciTt dieRordd. ÄÜlg. Ztg.", daß der Bundesrat ben Gesetzentwurf im gewöhn lichen Geschästöigang erledigte. B<ft der ablehrrenden chlußsassung ging der BlmdeSpat zn^eifelloS davon aus,

daß dre Frage der Prägung von Dreimalkstucken zum mrndesteu nicht als spruchreif angesehen werden könne, während die Umpräguug der Fünfzig- Pfennigstücke einen weiteren Aufschub nicht mehr duldete. Der Annahme, daß sich der Bundesrat bei der Beschlußfassung von einer grundsätzlichen Abneigung gegen die Dreimarkstücke leiten ließ, fehlt jeder Anhalt, lleber die Frage einer brauchbaren Gestaltung ber Fünfmartstücke sind feste Entschließungen noch nicht getroffen.

Die allgemeine Ortskrankenkasse Berlin hat in chrer Generalversammlung beschlossen, die freie Arztwahl auf zu geb en und vom 1. Januar nächsten Jahres die Behandlung dem Verein Berliner Kassenärzte zu übertragen. Wie verlautet, beab­sichtigen noch einige andere Berliner Krankenkassen das System der freien Arztwahl als zu kostspielig für den Kassenetat aufzugeben.

Norderney, 3. Juli. Der ReichZkanzler Graf Bu^ l o w, begleitet von dem Gesandten v. Below ist hier ein­getroffen.

Karlsruhe, 3. Juli. Heute fand bie feierliche Ent- hüllun g bes Bismarck-Denkmals statt. Der Feier ging in ber städtischen Feschalle ein Festakt vorauf, bei welchem Geh. Hofrat Professor Dr. Oechechäuser bie Festrede hielt. Bor dem Denkmal, das vor ber städtischen Fesch alle ausgestellt ist, übernahm Oberbürgermeister Schnetzler mit einer Rede das Denkmal in die Obhut ber Stadt. Darauf gab Prinz Max den Befehl ber Enthüllung.

Keer uud Motte.

Gera, 3. Juli. Das zweihuudertjahrige Stiftungsfest bes Geraer Bataillons bes 96. Infanterie-Regiments ist hier als allgemeines Fest begangen worden. Der Fürst stiftete bem Bataillon eine namhafte Summe, ber EÄprinz 30 000, deren Zinsen als Prämie für bewährte Unteroffiziere Verwendung finden sollen; die Stadt schenkte dem Ossizierkorps eine silberne Schale. Bei ber Parade standen auch bie Veteranen in Front.

Metz, 3. Juli. Heute fand bie Einweihung bes durch den westdeutschen Jünglingsbund errichteten Soldaten­heims, des Kaiser-Mchelm-Hauses, statt. Ml der Ern- meihungsfeier nahmen Dell der Gouverneur von Metz, Gene­ralleutnant v. Hageuow, der Bezirkspräsident von Loth­ringen, Graf Zeppelin, der Polizeipräsident von Metz, Baum­bach von Kaimberg, der Militäroberpfarrer Friedrich und der katholische Garnisonpfarrer Monsignore llmpsen.

AuslanS.

London, 2. Juli. Ter Vizekönig von Jnsien, Loch Curzon, hiell heute in Tover eine Rede, str welcher er aus­führte, m Indien sei er als Vizekönig verantwortlich 'für bie Verteidigung der weitgeftre ckten Grenze gegen eine europäische Macht; er müsse deshalb, obgleich ep den Frieden wünsche, erforderllchenfalls zum Angriffe über­gehen.

Der Vorsitzende des Pariser Gemeinderats, sowie der Syndikus des Sein-edepartements sind hier eingetroffen, um König Eduard ein Erinneruugszeich en an seinen vorjährigen Pariser Aufenthalt zu überreichen.

Rotterdam, 3. Juli. Für den Besuch eines dent* scheu Geschwaders in holländischen Häfen, der noch im Laufe dieses Monats gelegentlich einer llebnngsfahrt ftattfmden soll, werden in den Niederlanden eifrige Vorbereitungen ge­troffen. Im Seebad Scheweningen plant man für ben 16. Juli bie Ver^rnftallung großer Festlichkeiten. Es verlautet, daß Prinz Heinrich der Niederlande, welcher als Admiral a la suite der holländischen Flotte steht, die deutschen Schiffe besichtigen und einige besuchen wird.

P aris, 3. Juli. Gerüclüweise verlautet, die Ber ha ftüng des Generals Delanne, des früheren Generalftabschefs, welcher in der Dreyfus-Affäre kompromittiert ist, steht unmittelbar bevor. Die Meldung derPatie^ über die bevorstehende Verhaftung des früheren General-Proku­rators Baurepaire findet keinen Glauben. Ein Offizier, dessen unmittelbarer Vorgesetzter General Delannc gewesen war, erklärt, daß Pas zn^eite Bureau des Generalstabes noch über andere geheime Einkünfte außer dem Geheimfonds verfüge. IL fu würden dort die Geldbettäge abgetiefert, welche Agenten er­halten, die von anderen Mächten zur Spionage enga­giert sind und denen sie im Austr age des General- ftabes falsche Pläne, Dcodelle >Patronen usw. liefern.

Belgrad, 2. Juli. Gestern überfielen Albanesen das nächst .der Grenze gelegene Dorf Mnowatz. Sie zündeten mehrere Hauser an und beschossen die serbische Grenzwache. Sie wurden aber schließlich in die Flucht ge­trieben.

Sofia, 2. Juli. . Wie verlautet, bat Fürst Ferdinand die Absicht, wahrend seines Aufenthaltes in Marieubad, wel­cher sich bis Mitte August erstrecken soll, bert eine Begegnung mit dem König von England zu haben, zum Ztvccke einer ?lusiprache über die mazedonische Frage. Man glaubt, daß König Eduard einer solchen Begegnung nicht abgeneigt ist, da feit ber Erriäüvng einer bulgurifdH'it diplomatischen Vertretung in London die Beziehun<p'u Bulgariens zu üngLutb besonders frcund- chafllich gennirbcn seien.

Petersburg, 3. Juli. .Fürst Obolenski, General- tcutnant ber Flotte und früherer Gouverneur von Charkow, ist zum Generalgouverneur von Finnland ernannt worden.

Alis Stnöt und Kund.

Gießen, den 4. Juli 1904.

H Personalien. S. K. H. der Großhcrzog haben den ordentlichen Professor Dr. Friedrich Dingeldcv für die AmtSpcriode vom 1. September 1904 bis 31. )ll,gust 1905 5um Rektor der Technischen Hochschule hier ernannt.

Personalien. Zu ber Mitteilung von der Dienst» ciülaffitng des Oberlehrers Dr. Hermann Büttner u