Ausgabe 
3.12.1904 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 285

Zweites Matt

154. Jahrgang

Samstag 3. Dezember 19U4

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Ker gerichtliche Abschluß der AuMat-Affären. * acn bie,e" ®rilnbEn

a rn

Ter Angeklagte, der von heute ab Krankenkost er­halten soll, lvurde nach Beendigung der Verhandlung wieder nach der Strafanstalt Vechta transportiert.

Rotattonsdruck und Verlag der Brühl'fchen UmverstlätLdruckeret. tJL Lange, Gießen.

Redaktion,Expedition «.Druckerei: Schukftr.A»

Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr, i Anzeiger Vietze«,

zu machen.

Port Arthur

Nom, 2. Dez.Gionare ui ^oma" meldet aus Tokio: Man erwartet jeden Augenblick den Fall der Forts Sun- guschan und Kelikwan. Der Korrespondent fügt hinzu, daß seit48StundenPort Arthur nurnochein rau­ch end er Trümmerhaufen (?) sei. Die meisten Ge­bäude sind durch die japanische Beschießung in Flammen ausgegangen.

P a r r s, 2. Dez. Aus Tokio wird berrchtet, gerucytwetse verlaute, die japanischen Verluste bei dem letzten Sturm aus Port Arthur seien ungeheuer; aus dre,em Grunde erkläre sich das Schweigen der Behörden über die Operationen.

Tokio, 2. Dez. Laut Bekanntmachung des General­stabs sind 17 Offiziere im Felde gefallen Und 64 verwundet. Der Kampsplatz wird nicht genannt, man nimmt aber an, daß es im Kampfe vor Port Arthur gewesen ist.

T o k i o, 2. Dez. (Reuter.) Es heißt, die R u s) e n hätten die Wiedereroberung des 203 Meterhügels mit großen Streitkrästen versucht, wären aber mit schwerem Verluste z u r ü ck g e s ch l a g e n worden. Tic Russen be­festigten jetzt ihre Stellungen zwischen Liautischan und Rantaujchan, wo sie, wie man annimmt, den letzten halt machen würden. r P1 .

Petersburg, 2. Dez. Die gestrrge Börse stand unter dem schlechten Eindruck der Einnahme des sog. 2 0 3 M e,t e r - Hügels durch die Japaner. Ter V e r l u st dieser Stellung ist für die Verteidiger von Port Arthur sehr mißlich, da die Japaner von diesem Hügel aus den ganzen Hafen beherrschen.

London, 2. Tez. Die Minierungsarberten gegen Er- lunaschan, Sungtschuan und Tungkitwauschan dauern ener- gi ch fort. Es verlautet, daß die Angriffe bis zur völligen Eroberung Port Arthurs ununlerbrvchen sortgesetzt werden sollen. Im japanischen Lager hosst man, daß dre Festung etlva am 10. Dezember fallen lvcrde. (Was jmO Hoffnungen, was sind Entwürfe!" D. Red.)

Japan und die Friedenskonferenz.

Washington, 2. Dez. axc jupauiiujc Geschäftsträger teilte dem stellvertretenden Sekretär des Staatvdeparle ments mit, daß Japan gestern die Einladung Roosevelts zu der zweiten Friedenskonferenz erhalten habe, die alsbald dein Parlament überwiesen werden solle. Aus der Form dieser Mitteilung schließt man, daß die Einladung von Japan wohlwollend ausgenommen wurde.

Ker Krieg.

Aus der Mandschurei

Petersburg, 2. Tez. General Kuropatkin mel­det dem Kaiser von gestern: Die Sotnien, welche am 30. November den von dem Paß, 12 Werst südlich von Tsin- hetschen vertriebenen Feind verfolgten, beorängten ihn die ganze Zeit und gelangten über Ssuidun bis zum Tait- jeho. Sie beschädigten die Telegraphenlinie im Flußtal und nahmen den Leitungsdraht mit sich. Die Japaner verbrannten wahrend eines Gefechts die Proviant­niederlagen in zwei Dörfern im Tat des Taitseho. Bon der zur Verfolgung der Japaner ausgesandten Ab­teilung wurden zwei Kosaken verwmrdet. Rach Aussagen von Ehinesen brachten die Japaner während des Kampfes in dem Paß am 30. Nov. etwa 50 Tote und 150 Verwundete auf Karren fort. Wir fanden noch 23 Leichen. Wir Haven 7 Mann gefangen genommen. In der Nacht zum 1. Dez. sind keine Meldungen über Kämpfe eingegangen.

Petersburg, 2. Dez. General Ssach arow meldet dem Generalstab unterm 2. Tez.: Unsere Truppen aus dem linken Flügel zwangen den Feind im weiteren Ver­laus der Verfolgung, eiligst die Dörfer Tapindujchan und Hatsynty zu räumen und sich auf Tfiantschan zurück­zuziehen. Nach den Kämpfen aus den Pässen südlich von Dsmtetjchan sanden wir u9 japanische Gewehre. Am JO. Nov. unternahmen TruppemeUe unseres rcajtcn Flügels am Schaho eine Erkundigung in der Richtung aus Lamulun. Sie näherten sich den feindlichen Schanzen bis auf 20 Schritt und wurden von heftigem Gewehr,euer empfangen. In diesem Scharmützel sind auf unserer Seite ein Offizier und drei Mann verwundet und drei Mann getötet worden. Nachdem es beim Feinde ruhig geworden war, wiederholte ein Teil der Abteilung einen Erkundnngsvcrsuch, schlich sich an die feindlichen Schanzen westlich von Lamutun heran und warf sich mit dem Bajonett au, den Feind. Die Ja­paner flohen hierauf nach einem hartnäckigen Kampfe, wobei sie bis auf das rechte Ufer des Schaho verfolgt wur­den. Ein Japaner wurde gefangen genommen uni) 25 ge­tötet. Auf unserer Seite wurde ein Ojfczier verwundet und ein Mann getötet Auf unserem linken Flügel schlich sich in der Nacht zum 1. Tezemoer eine Abteilung an da Stellung des Feindes heran und gab eine Salve gegen seine F-eldwache ab. Aus einer nahen Befestigung brachen hieraus gegen 60 Japaner hervor und eröffneten ein hef­tiges Gewchrseuer. Die Schanzen wurden von uns im ^ajonettkampi genommen, wobei einige Flinten und Aus- rüstungsgegenstunde in unsere Hände fielen. Am 1. Dez. sind keine Meldungen über Kämpfe eingelaufen.

Petersburg, 2. Dez. TerRus,. Tel.-Ag." wird aus Mulden gemeldet: Die russische Kavallerie setzt die Verfolgung des Feindes fort, der sich aus den Südpäjsen zurückziehr. General Rennentamp, gelang es, durch das Gefecht am 29. Nov. sestzustellen, daß die Frontstellung der Japaner sehr ausge­dehnt ist, die Reserven aber nicht erheblich smd.

Petersburg, 2. Dez. Eine Depesche aus Mulden meldet, daß bei dem .Heere Brennmaterial und Lebensrnittel zu fehlen beginnen. Dieser Mangel könnte vielleicht Kuropatun veranlassen, einen verzweifel­ten Versuch zur Einnahme der Kohlenminen von Jentai

Aus Ataöt u::ö £unö.

Gießen, 3. Dezember 1904.

In der Gemäldeausstellung im Turmhaus Brand wird kommende Woche wieder ein größerer

solidarisch. v . <_ r r r e

Minister Ruhstrat teilt mit, daß heute morgen bekannt ge- trorden sei, Tr. Sprenger stehe mit dem xnfrimi nier* ten Artikel desRes idenzboten" in Verbindung, er habe den Artikel vorgelesen und er hätte ihn gebilligt.

Tr Sprenger weist diese Verdächtigungen mit Entrüstung zurück.' Ruhstrat erhebe diesen Vorwurf völlig plötzlich, und er beantrage die Vernehmung der Frau Biermann.

Es folgt das Plaidoyer des Staatsanwalts Tr. Firn men. Ter Angeklagte ist den Beweis für seine ungeheuer­lichen Behauptungen vollständig schuldig geblieben, es i,t erwiesen worden, daß der Minister weder in der Gerichtssitzung wider Tr. Ries-Biermann noch im Landtage eine Uiuvahryeit gesagt hat. Zugegeben ist nur, daß der Minister in den lebten Zähren wi Kasino bisweilen gepokert hat. Da von der Ver­teidigung beantragt worden ist, den Kriminalkommissar v. Man- teus el-Berlin als Sachverständigen zu befragen, ob Pokern ein Glücksspiel ist, so will ich mich darüber m ihix^e aufcmL halte Pokern, zumal wenn es im Kreist von gesellschaftlich^ Gina»- Sten getollt wird, für fein Glücksspiel.' Set der stras- Äumelfung fei zu erwägen die Schwere der Be.etdtIttngen und der Umstand, baß der Angeklagte die Artikel aus Llandaliucht verösfentlicht habe, ohne sich irgendwie zu ettotbigen, 06 bte Behauptungen wahr seien. Es sei ferner zu erwägen, daß dem höchsten Justizbeamten des Landes wilstmucher Meineid, also wohl die schwerste Beleidigung, zum Vorwurf gemacht worden sei. Dadurch habe auch der Angeklagte die vsfentlictst Autorität in schwerster Weise erschüttert. Ter Redner b o an t r a g t e sclstietzllch eine Gefängnisstrafe von 1 I a h r dr e i At on a t en, Publikationsbefugnis für den beleidigten Minister und Tragung der Kosten des Verfahrens. , - , t ,

Aus Befragen erklärte der Angeklagte Schweynert, er berzichte aus eine Verteidigungsrede.

Schließlich wurde Redakteur SchweY n e r t wegen Beleidig­ung des Rftnisters Ruhstrat zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

In der Begründung des Urteils wird ausgesührt: Es ist dem Minister Ruhstrat von dem Angetlagten der Vor­wurf gemacht worden, er habe einen wissentlichen Meuicid ge- leisstt und im Landtage die Unwahrheit gesaut. r5Ür beide Be­hauptungen ist der Beweis der Wahrheit Niast erbracht worden. Tie beiden vernommenen Richter, die in der Verhandlung wider Tr Ries-Biermann, der fine als Vorsitzender, der andere als Referent fungierten, haben in durchaus glaubwürdiger Weise be- kundet, daß der Minister die behauptete Aeuße^ng Nicht getan bat ^aniit fällt auch der Vorwurf, daß der Minister sich der Unwahrhasliakeit im Landtage schuldig gemacht habe. Den Bekuno- unaen des Zeugen Meyer hat der Gerichtshof keinen Glauben ge- icdenkt zumal dieselbe im direkten Gegensatz zu deu ^ekund- .na n des Zeugen Schmidt,' Tr. Schleppegrell und Becker stehen u t>er Zeuge Meyer sich l-eute außerdem zu einem durchaus ninubbaiten Beugen in einen direkten Gegensatz gesetzt hat Es glaub asten B ö Minister als Oberstaatsanwalt und

Mini er Lustige Sieben gespielt habe. Bei dem Porerspiel hat es sch auch melMials um große Umsätze gehandelt. B i der ©fJiuimehVng war zu erwägen, daß der Angeklagte dem höchsten ^ufft/beain en des Landes den schwersten Vorwurf, den man ftch den n kann, den des Rkeineids gemacht hat, und daß er die en L^urs erhoben hat, oyne sich zu vergeivissern, ob dersestb ^^Waln-l, i beruht. Strafmildernd ist erwogen worden, daß Ä Aiiaetiaale voll auswärts kam, in fremde Verhältnisse ge- 5,,. 0inaebräiißt wurde und es nicht festgestellt wurde, welche E nflusse und Zuslüsterungen auf ihn eüigewirkt haben. Man wisse auch nicht, wer ihn in letzter stunde zur Verösfent-

IL

Oldenburg, 2. Dez.

Tie Verhandlung gegen den Redakteur Schweynert, die gestern wegen Erschöpfung des Angeklagten um 8 Uhr abends vertagt worden war, wurde heute fortgesetzt. Der # Verteidiger Tr. Herz richtete an den Gerichtshof die Bitte, nur vier Stunden hintereinaiider zu verhandeln und dann eine Pause eintreten zu lassen, da der Angeklagte, der im Gefängnis zu Vechta einer täglichen elfstündigen Zwangsarbeit unterworfen sei, durch diese harte Behandlung körperlich arg heruntergekommen ist. Da Schweynert an sich eine äußerst sensible Natur sei und nur an geistige Tätigkeit gewöhnt, habe er umsomehr gelitten, als er im Gefängnis sehr mangelhaft verpflegt werde. Gestern z. B. habe Sckstveynert den ganzen Tag über nur tr ockenes Brot und eine Erbsensuppe zu essen bekommen, und diese sei auch schon kalt gewesen. Der Angeklagte, der aus langer Einzelhaft plötzlich in den Gerichtssaal getreten sei, werde von den vieien Eindrücken so lebhaft bestürmt, daß ei her Sammlung bedürfe.

Tie eigentliche Verhandlung begann nun mit dem nochmaligen Verhör des Kellners Meyer, der behauptete, daß Ruh­strat noch im Winter 1899/1900 mit dem Buchhändler Sännidl und dem Zahnarzt Dr. SchleppegrellL u sti g e Sieben" ge­spielt habe. ,,Jch habe selbst den Spielern ein Plakat, auf dem dieLustige Sieben" ausgezeichnet war, und den Würfelbecher gebracht. Zu der Zeit, als dieLustige Sieben" gespielt wurde, war im Klubzimmer sonst niemand anwesend. ^Jch bediente die Gäste auch während des Spiels derLustigen sieben" und hab. genau wahrgenommen, daß gewürfelt und gesetzt worden ist. Ich habe mich nicht länger in der Nische aufgehalten, als geraix zum Bedienen notwendig war. An den Blicken der spielenden Herren konnte ich sehen, daß mein längeres Verweilen Nicht erioüiischt war. Ich Hape manUMal nach beendetem Spiel auf dem Teppich der Nisme L-ilberstücke gefunden.

Ter Zeuge Meyer wird vom Vorsitzenden auf die Folgen seiner Ausfage aufiuertfam gemachi und eindringlich vermahnt. Dei Zeuge bleibt dabei, die Wahrheit gesagt zu haben. Er wird darauf wegen des Verdachtes des Meineides sofort verhaftet und wird abgeführt.

Ter Gerichtshof berät eine Stunde darüber, ob Rechtsanwalt Tr. Sprenger infolge seiner Eigenschaft als Zeuge noch weiterhin imstande sei, sein Ncandat als Verteidiger aiiszuüben. Als bei Gerichtshof wieder im Saal erscheint,^ elgrcift Tr. 'Sprenger das Wort zu folgender Erklärung: Sowohl im Lause des Vor­verfahrens wie wahrend der Hauptverhandiung sind eine Anzahl von außergewöhnlichen Vcaßnahmen ergangen, die die Verteidig­ung illusorisch machen. Die Verteidigung hat die Msichff, ihr Amt nicht sorrzuführen, da die tatfäckstick-e Ausübung unmoglich gemacht wird. Die Verteidigung erklärt damit die Nieder- leg un g ihres Amtes.

Schweynert: Ich erkläre hiermit, daß ich sämtliche von meinen Verteidigern gestellten Beiveisanträge zurückziche, auch aus die Gegenlvart der Zeugen verzichte^ da meine Verteidiger sich zur Fortführung der Verteidigung autzer Itanbe erklärt haben. Ich selbst vermag, entkräftet durch Schweigegebot, mangel­hafte Verpflegung und elfstundige schwere Arbeit während der letzten zwei Monate, der Verl-andiung nicht zu folgen und halte eine Zeugenvernehmung ohne einen vertrauten nicht olden- burgisthen Gerichtsbeistand für gänzlich bedeutungslos und werde eine Erklärung in diesem Prozeß nicht mehr

^Tr.^H e r z erklärte sich in jedem Punkte mit Tr. Sprenger

Hungersnot in Sibirien.

Irkutsk, 2. Tez. Aus Ochotsk ging eine brieflicht Meldung ein, daß im Gebiet von Gischibinsk infolge Fisch- mangels 5)ungersnot herrsche. Die Einwohner von zwei Dörsern seien verhungert, weil zwei dorthin gesandte Proviantdampser nicht rechtzeitig eintrafen.

Ker Futllund in K.urjch-SübweftulriKa. Tie Kosten des südwestafr.kanischen Feldzuges.

Der Herero-Feldzug hat bereits mehr als 100 Millionen. verschlungen. In dem Nachtragsetat werden für 9 9 Offi­ziere und Militärbeamte für ein Jahr 7 3681 5 Mk. gefordert für Gehalt und Löhnung. Das macht pro Kopf die Summe von 7442 Mk. Tabei befinden sich unter 'den 99 Offizieren nur drei Slabsofsiziere, die übrigen sind 9 Hauptleute, 48 Leutnants, eine Anzahl Aerzte usw. Für den^Ehinafeldzug sind erheblich geringere Beträge gefordert worden. Damals erhielt ein Hauptmann 600 Mk. monatlich == 7200 Mk. pro Jahr, cm Leutnant 240425 Mk. pöo Monat, also 28805100 Mk., wozu noch 1200 bis 1440 Mk. Ausrüstungsgelder kamen, die auch diesmal besonders in Anrechnung gebracht werden. Die Offiziere erhalten also dieslnal ungefähr doppelt soviel, als beim Ehinafeldzug. Für die Mannschaften betragen die enliprechenden Ausgaben, inkl. der Feldwebel, Sergeanten und Unteroffiziere 104 2 Mk. pro Kopf und Jahr, also ein Siebentel desjenigen, was die Offiziere erhalten. Im Ehina- seldzug erhielten die Unteroffiziere monatlich 12 0 Ntk., das sind 1440 Mk. pro Jahr, aljo mehr als jetzt.

Wechsel der Gemälde vorgenommen und die Ausstellung bleibt vom Dienstag an vier Tage geschlossen. Das demnächst an die Writglieder des Kunstvereins zu verteilende Vereins­blattSchwerer Dienst" ui von Professor PH. Frank- Berlin, nicht wie angegeben war, von Professor Halm. Das Vereinsblatt ist am morgigen Sonntag ausgestellt.

** Die Gemäldeausstellung Selterweg 79 dauert noch Sonntag und Montag und ist noch Gelegenheit geboten, gute Geinälde zu sehr billigen Preisen zu erwerben. Wir möchten nicht versäumen, Kunstintercssenten daraus aufmerksam zu machen. .

** Verunreinigung der Flüsse. Die Antwort der Großh. Regierung auf die Anfrage des Abg. Schlenger, Reinhatt und Gen. betreffend die Verunreinigung der Flüsse ist im Druck erschienen, wovon uns heute ein Exemplar zu- gegaiigen ist.

Offenbach, 2. Dez. In der gestrigen Stadtver­ordnetenversammlung wurde in der Angelegenheit de§ PräfentationSrechts des Fürsten von Jsenburg- Birstein folgender Antrag der Stadtverordneten Boehm und Genossen angenommen:

Tie etabtDevorbneieiiverjanunhmg wolle auf die Verfügung des Großh. Armisteriums des Innern vom 24. August 1904 ev= klaren, daß Vorschläge für die Ablösung des Vorschlagsrechts sich nach Ansicht der Sladloerordnetenversainmlung lediglich auf die Stellen beziehen können, die im Jahre 1848 vorhanden waren. Für die Ablo,ung jedlvcden Borjchlagsrechts aus die stellen an oeii hiesige,! Vbiksschulen bietet die Stadt dem Fürsten die Summe von 12 000 'Mark." .

Ter Verfassungsausschuß hatte in ferner Mehrheit diesen Antrag zur Genehmigung empfohlen und dabei erklärt, daß er es für nötig hält, bei Annahme des Antrags auszusprechen, daß zur Aufhebung des Rechts ein Gesetz notwendig sein würde. Oberbürgermeister Brink wiederholte die Vor­geschichte der Angelegenheit, in der im August d. Js. durch das Viinisterium em Vergleich angeregt wurde. Im Sep­tember wurde dann vom Verfasstingsausschuß beschlossen, beim Ministerium anzufragen, welche Auffassung es von der Frage habe. Tags darauf wurde dann vom Stadtv. Boehm uni) Genossen der oben angeführte 'Antrag eingebracht, und der Verfassiingsausschuß wurde mit der Begutachtung des- ,eiben beauftragt. Der Vorsitzende bemerkt weiter, daß in Gegenwart des fürstl. Jsenburgtschen Kaliunerdirettor^Bräunig Verhandlungen gepflogen wurden, wobei dieser aber große Zurückhaltung beobachtet habe. Er betont weiter, daß überall die Ausfassung herrsche, daß der Fürst tatsächlich kein Vorschlags recht habe, und daß es sich seinerzeit nur um eine R euordn u n g des Schulwesens gehandelt habe. WaS den zweiten Teil des Antrags des VerjassungsausjchuffeS an- lange, so habe dieser nut der gesetzlichen Festlegung ver­meiden wollen, daß durch einen Vergleich etwa em Verhält­nis geschaffen werde, über das sich später wieder ein Streit, wie jetzt, entjpinnen könnte. Er, der Oberbürgermeister selbst, könne dem ^Antrag nicht zustimmen. Bei den stattgehabten ErgänzungSwählen zur Handelskammer wurden die aiisscheidenden Herren wiedergewählt. In der nicht­öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten tvurde be- ,chtoffen, zur Erweiterung der höheren Mädchenschule die Hermannsche Hosreite GelettSslraße 18 zum Preise von 58 000 Bit. zu erwerben. Schließlich wurde, nachdem der Oberbürgernieister die Sitzung verlassen hatte, ein Antrag angenommen, den Gehalt des Oberbürget meisters vom 1. April 1905 ab auf jährlich 12 000 Ncark fest- zusetzen. ___________ _______ _

|| M sm verlange 11

I ausdrücklich die Originalmarke II IDr. Homiiiefs llaematogen und lasse I | sichNachahmungen nicht auireden. | |

Erscheint tSgNch mit Ausnahme des Sonntags. A aa äa - ? - a

Die ..Gießener ZamiNenblStter- werden dem U MI M tli li 0 I |

»Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der BF ff U || || W U jgL ti U M fei Ä,

^efstfchß Landwirt" erscheint monallich einmal. Äi V V V w w