Nr. 285
Viertes Blatt
Samstag 3. Dezember 1904
Gießener Metzer
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen
Nolitische Tagesschau.
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Lebensjahr: 2»—15. Jahr
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154. Jahrgang
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RotattonSdrnck und Verlag da Brüh lachen UntoerfitätShrucfereL 9L Lange. Gtetzeu.
Redaktion,Expedttton ».Druckerei: Schulst*. R.
Tel. Nr. 5L Telegr^-Adr. t Anzeiger Gietze»
Erscheint UigNch mti Ausnahme bet Sonntag-.
Die „Oietzener §amilienb!8tter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »Htsstlch« CanbwW erscheint monatlich einmal.
Marke auf der Sohle.
An m.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, roie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
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Kauft nur
Zum Prozesse über die Gelsenkirchener Typhusepidemie.
Ter Prozeß in Essen hat, wie unsere Leser wissen, einen Lächerlichen Ausgang gehabt. Tie Anklage gegen die Ti- rektoren und den Maschinenmeister des Gelsenkirchener Wasserwerkes lautete auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und auf Nahrungsmittelverfälschung. Es wurde in dem Prozeß festgestellt, daß mittelst eines Stichrohres unfiltriertes Ruhrwasjer einem Teile des Leitungs- Wassers zugeführt wurde (Leither Wasserreservoir); daß. in allen Ortschaften, die von hier ihr Wasser erhielten, gleichzeitig und plötzlich die Thphusepidemie ausbrach, während die vom Frillendorfer Bassin und die vom Bochumer Wasserwerk versorgten Ortschaften verschont blieben. Tas Ruhrwasser war durch den 200 Meter oberhalb der Schöpfstelle einmündenden Eigerbach hochgradig verunreinigt;
aufstand, dem Kätscher beim Füttern half, Kaffee kochte, die Kinder anzog und dafür sorgte, daß Punkt 4 Uhr abgefahren wurde. So ging die Reise über U l m und L i n d a u glücklich von statten. Nur ganz zuletzt gab es Schwierigkeiten. Von Feldkirch in der Schweiz an waren die Wege so steinig und uneben, daß die Wagenräder oft in den Felsengelcisen stecken blieben. Deshalb ging Bahrdt neben dem Wagen her und sckwb den Wagen weiter, wenn tir zwischen den (Steinen stecken blieb. Sehr befchwerlich gestaltete sich die Reise, als Bahrdt 1776 von Marschlinz nach Dürkheim a. b. H. übersiedelte, wo er ebenfalls eine Erziehungsanstalt leiten sollte. Zunächst galt es, auf dem Wagen, der nur drei Personen faßte, für drei Erwachsene und drei Kinder Platz zu schaffen.. Tas machte der Professor auf eine originelle Weise die er mit folgenden Worten beschreibt: „Mitten un Wagen stellte ich ein starkes Volz perpendikulär auf und zapfte es unten und oben in ein starkes Querholz ein. Das untere Querholz, ließ ich mit Eisen an dem Fußboden des Wagens fest macucn. Auf das obere aber legte ich ein ovales Brett, auf welchem die beiden großen Mädchen mit dem Rücken gegeneinander und nut dem Gesicht zum Wagen hinaus gelehrt n&en konnten. Dazu machte ich von Vorhangsstäben zwei halbe Bogen und befestigte ne auf dem ovalem Sitze dergestalt, datz feder den Nucken eine»Jtinbcy umschloß. Endlich befestigte ich an ledern Bogen einen Riemen, mit welchem die Kinder vorn über die Brust her festgeschuallt werden konnten, sodatz sie, bei einem Stoße des Wagens nicht hcraub- ftirrsen konnten Tie Erfindung war herrlich. JJccin Hannmeu WÄ*n frei unb hatten stets Aussicht." Aber fdfci gleich im Anfang ihrer Reise geriet die Profesioreusamilie in groß Gefahr. Bei Lindau gingen die Pferde ourch, der Wagen stürzte in einen Graben und überschlug sich so völlig, daß er auf seine Decke zu liegen kam. Zum Glück wurde niemand verletzt, nur die Frau Professor war in Ohnmacht gefallen. Jedoch der Vogelbauer, in dem die Kinder gesessen hatten, war total zertrümmert und mußte von neuem lsergestellt werden. — ■JeOttJ- falls niertte man aus diesen Schilderungen, daß man toi 130 ^aboen nicht beauem reiste, lind dadei wll es Leute geben, die tfUte itimewi® bebaue,nt, dab di- Eisenbahnen da» Reisen mit dem Posüvageu. wobei der Postillon so poesievoll in das Sporn stieß, verdrängt Haben.
— Jeder hat sein V a d n z". Die langen Winterabende brechen herein, Weihnachten steht tot bet Tür, und Mürch-ngestalten huschen wieder gehnnmisvoll durch itnfevc Rüume. «ie wollen tie böscu Geister bannen, denen die (».robstadtinenschen der,alten lind, s e balgen sieh in ihrer Frische mit un,ecer e-ncht nach Ge-
hat. Aber sie hat nicht vorausgesehen, daß eine ihrer neuesten Maßregeln dem ganzen Europa eine Umwälzung in der Modeentwickelung zu bringen droht. Tnrch die von ihr befohlene Abschaffung des Zopfes int Heer kommen zweihundert Millionen Zöpfe erwachsener Chinesen auf den Markt, denn es ist nicht zu zivesieln, daß jetzt alle treuen Ehinesen sich entzopsen werden. Die Gesamtlänge all dieser Zöpfe beträgt 190 000 Kilometer, ein Band, das einigemal um die Erde gelegt werden kann. Eine solch riesige Masse „Ware", wie sie jetzt durch den Befehl der Kaiserin auf den Haarmarkt geworfen wird, ist noch niemals in irgend einer Warengattung in die Wagschale geworfen worden. Nur hat die Kaiserin, die offenbar keine Vertreter auf dem europäischen Handels- und Modemarkt besitzt, den Zeitpunkt nicht ganz glücklich gewählt. Vor Jahren, als falsches Haar ein Modegebot war, wäre die Haarmasje höchst willkommen gewesen und hätte die Damen vor dem falschen Falschhaar bewahrt. Bekanntlich bestand damals das falsche Haar ost nicht aus Haar, sondern aus Seide und ähnlichen Stossen. Jetzt wird falsches Haar nur noch von Damen getragen, denen es wirklich an diesem so sehr gewürdigten Schmuck gebricht. Ihre Zahl droht sich freilich in erschreckendem Maßstab zu mehren, seitdem das „Wellen" der Haare erfunden wurde. Die Wellung wird durch Brenneisen bewirkt. Tas Haar- vertrocknet durch diese Behandlung mit dem Brenneisen und stirbt allmählich ab. Es ist aber, nach der „Voss. Ztg.", auch sehr wahrscheinlich, daß angesichts der dem .Haarmarkt bevorstehenden Ueberfülle, die Mode wieder auf falsche Zöpfe geraten wird. Tas Haar der Ehinesen, Münn- leüi und Weiblein, ist freilich durchweg pechschwarz, während die Mode jetzt „rotes Haar gebietet".
* Gefährliche blinde Passagiere. Das große Segelschiff „Rhone" kam nach einer äußerst ereignisreichen Fahrt von Caleutta über Demara und Guadeloupe in Philadelphia an. Die „Rhone" hatte mit besonders ungünstigen und ungewöhnlichen Verhältnissen zu kämpsen. Der Kapitän, H. G. Trust, brach plötzlich zusammen, während er in seiner Kabine die Photographie feiner Braut betrachtete, die er nach der Rückkehr von der Reise heimzuführen gedachte. Ein Matrose stürzte aus dem Mast auf das Deck und starb an den Verletzungen. Vor Kap Hatteras wurde die „Rhone" von einem Organ gepackt, der ihre Segel in Fetzen riß und das Schiff beinahe zum Sinkrn brachte. Die größte Gefahr entstand der Schiffsmannschaft jedoch aus dem Vorhandensein blinder Passagiere. Sechs Reger hatten sich, wahrscheinlich in Guadeloupe an Bord geschlichen und fielen, als das Schiss zwei Tagereisen von Guadeloupe eutsernt war, mit Knitteln, in die sie Nägel geschlagen hatten, über die Schiffsmannschaft her. Nur nach einem blutigen Kampfe gelang es der Mannschaft, die Angreifer zu überwältigen. Sie wurden in Ketten gelegt und in dieser Weise gefesselt gehalten, bis das Schiff am 5. November den Hafen von Philadelphia glücklich erreichte.
* Wie kuriert m an den Kater? Diese Frage stellte die Zeitschrift „Küche und Keller" an ihre Leser. Man sieht, daß es immer noch interessante Rundfragen gibt. Ein ausgepichter Fachmann scheint Schreiber folgender drastischen Zeilen zu sein: „Man saust von derselben Sorte Spiritus, von der man den Katzenjammer bekommen hat, am nächsten Tage wieder so viel, bis man Appetit zu etwas anderem bekommt. Tas ist unwiderruflich ein bewährtes Mittel, es hat wiederholt mit und tausendsüns- hundert meiner Gäste geholfen."
Nr. 2. Wenn du einen Kater hast Und er macht dir große Last, Möchtest gern ihn vertreiben, Will ich ein Rezept verschreiben: Einfach ist's nur, ohne Mühe, Trink 'ne gute Tasse Brühe,
Wie man im 18. Jahrhundert in SüdwestderUfchland reiste.
unserer Zeit, der Zeit der Schnellzüge unb elektrischen Bahnen, ist L RÄsen nicht mehr mit besonderen S-tMerin- triten verbunden, es ist im Gegenteü, »on Ausnahme ollen ab- ciriehen eine angenehme und genußreiche Sache. Im 18. Jahr hS dagegen^ das Reisen sehr lästig, unb beschwerlich, Wer damals von Kassel nach Frankfurt reute, nahm vorher rührenden Abschied von Freunden unb Verwandten, da es ihm unsicher erschien, ob er die Heimat wie^rsehen werde. In feiner Selbstbiograplfte gibt der Rationalist Karl ^brich B a hr bt interessante Schilderungen von der damaligen Art 8u«ifen. Im ^söbre 1771 nrurbe Bahrdt von Erfurt als Prosesior nach Gießen berufen. Tie Weite des Weges ^rawaßte ihn, seim Mabiiien in Erfurt zu versteigern. Die Reise jelbit, Die Der Gelehrte mit seiner Frau unb Inem Kir^e unternahm, war Twkhft beschwerlich. Aus jeder Station müßten die Reiftuben einen anderen Wagen nehmen unb wurden von ^m llenden fuhrwerk so erschüttert, daß sie drei TageuMs, ^^^lagetoiie aus Meßen. In Gießen beging der leichtsinnige Professor die ~ kit, sich Fuhrwerk und Pferde anzuschaffen, /r sagt, um feiner Frau ein Vergnügen zu machen, namentlich um bequem und schnellnach Wetzlar zu kommen, wo der Proststr sich gern „erlustigte". Aber der Mann, der sich bis dahinnur mit VückMN nno Handschriften abgegeben hatte, wurde bnm Handel über das Ohr gehauen. Seine Nachbarn lachten ihn aus, als er zwei Pferde gekauft hatte, die so voller „Lause waren, daß man ks Ungeziefer metzenweise von ihnen herunterkehren kannte. Nun kaufte er sich für 300 Gulden, von denen er .200 leihen mußte, zwei Mecklenburger Pferde unb eine Halbchat,e und stellt^ wn er sagt, ein Fuhrwerk her „das sich sehen lassen konntt
In Gießen konnte sich 'Bahrdt wegen seines lockeren Lebens nicht lange halten unb mußte froh fern, ^ls er von dem Herrn von Salis berufen würbe, besten Erziehungsanstalt M a r > ck> l i n z in der Schweiz zu leiten. Für die llebersiebelmig nach der Schweiz kam dem Gelehrten sein eigenes Fuhrwert sehr zn ftatten. Auf der Halbchaise, .die er selbst mit einer tuchenen Lecke überzogen hatte, saß er mit fern J tf u Ö oiubcni, seinem Famulus, einer sranzöftfchen „Mamsell uno einem lucitcrei. Reiscbegteiler, „den die Mamsell an ben 4>anbui bk ,Vkbe nack sich zog". Jeden Lag wurde von. morgens 4 V s nd nds 8 Uhr gefahren, doch wurden täglich nicht niehr als ß c q Meilen zurückgelegt. Profestor Balwdt war nach seiner Behauptung deder zuerst von der Reiftgesellschast morgens
selligkeit unb Zerstreuung, nach Reichtum unb Macht. Leicht hat cs das schlichte Märchen in unseren Tagen nicht. Der Märchen- kunst wird wohl — wie Tr. Bruno Wille im neuesten Heft des „Literarifchen Echos" ausführt — ein Kunstmärchen gegenüber- gestellt, allein ber rechte Sinn will in weiten Kreisen nicht mehr für das Märchen aufkommen. Doch die Göttin Poesie — meint Bruno Wille weiter — weiß darob die kindlichen Herzen zu trösten, in der Weise, wie Goethes originelle Mutter den Knaben Clemens Brentano twstete. Er hatte das Ländchen Vaduz wegen des kuriosen Namens lieb, ohne zu wiffen, wo es eigenllich lag. Alle Wunder der Ätärchenwclt, den gläsernen Berg, den Olymp, den Garten Eden umschloß die Greiize von Vaduz, unb alle seltsamen, lieben Dinge, Wachspnppchen, Zuckerwerk und Weih- nachtsflitter kamen nach 'der Ueberzeugung des Knaben aus diesem gelobten Ländchen. Glückselig lebte er in ber reinen Illusion, dic über der Wirklichkeit schwebte wie ein Sternhimmel über einer Froschpfütze. Schließlich hielt er sich für den privatisierenden Fürsten von Vaduz unb trug dessen Insignien heimlich unter bent Röckchen. Plötzlich wurde er ans seinen schönen Träumen heraus- gerisseu. Als in Frankfurt a. M. eine Käiserkrvnung stattfinden sollte, lvurde neben den vielen anderen Fürsten auch ber wirkliche Regent von Vaduz erwartet, unb Vaters Buchhalter wies dem Knaben aus HübnerS Zeitungslexikon nach, welche Bewaiidtnis es eigentlich mit dem Ländchen Vaduz habe, daß es nämlich nebst der Herrschaft Schellenberg seit 17/9 das ftürftentiun Liechtenstein. bilde unb dem Fürsten dieses Namens gehöre, vtun war Clemens zu Mute, als habe sich daS Paradies in feinen Händen verwandelt zu einem goldenen „Wart ein Weilchen' in einem nie- maligen BüchSchen. Aber eine Hausfteundin, die Frau Rat Goethe, trottete ihn mit einer Deutung von Vaduz, die zugleich Uber den Sinn des Märchens Llufschluß acht: „Laß dich nicht irre machen: glaub du mir, dein Vaduz ist dein und liegt mif keiner Landkarte, unb alle Frankfurter Stadtsoldaten und leib \i bic Lx- lei bereiter mit dem Antichrist an der Spitze können dir es man ivegnehmen: es liegt, wo dein Geist, dein Herz auf die Wnoe geht.
Wo dein Himmel, ist dein Vadiiz, Ein Land auf Erden ist dir nichts nutz.
Dein. Reich ifi in tat Wolünt und >'w>t tat dteftr CTbe, und so oft es sich mit derselben berührt, wird s Tränen regnen. Ich n-ünsche einen gesegneten Regenbogm. Bis ixibm baue deine Öeentolöficr «Ut auf bk schttmttmtdcu votat unter tat title- MKttt, Wttn bi. Lui. inen wurtai (ie vcnvuiktt; «ein, baue fie auf bett geflügelten Schultern der Phantaite,
Heiß muß sein sie und auch tlar, Tann ein Brot mit Kaviar, Ohn' Zitrone, ohne Zwiebel, Fort wird sein „das böse liebel".
ZimveksiLärs-Yuchrichren.
— Eine Stubentenversammlnng ber Technischen! Hochschule Berlin- Charlottenburg nahm eine gegen die fünfcH i o n c 11 e n Korporationen gerichtete Resolution an. Des weiteren wurde beschlossen, bei Rektor und Senat zu beantragen, die bereits bestehenden katholischen Verbindungen zu j u s p e n d i r e n und weitere neue nicht mehr zu gestatten. Außerdem soll ein anßerordentlicher Verbandstag der deutschen technisehen Hochschulen emberuien werden, auf dem ein gemeinsames Vorgehen ber deutschen Studentenschaft gegen die konfessionellen Korporationen in bie Wege geleitet werden soll. Nachdem alle drei Anträge gegen die eirka 30 Stimmen der katholischen Korporationen angenommen waren, verließen diese unter Protest die Ver- sammlilng und gaben die Erklärung ab, daß sie gegen die Beschlüsse vorgehen würden.
Lattdwirlschuft.
— Eine B ü n d l e r v e r s a m m l u n g, die am Sonntag in Wächtersbach tagte, forderte den Landtagsabg. für Gelnhausen-Schlüchtern aus, für die K a n a l v o r l a g e nur zu stimmen bei Festlegung von S ch i f f a h r t s a b g a b e n auf den regulierten Flüssen und Kanälen und des staatlicheii Schlepp Monopols auf dem Rhein-Hannvver-5ianal mit Tarifen, durch die den Staatsbahnen ferne empfindliche Konkurrenz gemacht werde. Besonders charatterlstlsck) ist, daß m ben weiteren Ausführungen der Resolution nicht nur über die Auslandskorikurrenz, sondern auch über die I li l a li ds k o n knrr en z un t er ben Landwirten geklagt wird. So heißt es zum Schluß: „Haben jetzt schon z. B. unsere kleinereli Landwirte zenweilig unter unverantwortlichen Schweine- p reisen 511 leiden infolge Zufuhr von hannoverschen Fettschwemen auf dein Frankfurter Alarkt, so wird zweifellos in Zukunft diese Konkurrenz tioch fühlbarer werden, wenn dort der Getreidebau weiter in der Rentabilität zurückgeht."__________________________
MüMlu c AeberM der Todesfälle m der LIM Äießell
43. Woche. Vom 16. bis 22. Oktober 1904. (Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 (inkl. 1600 Alarm Militär) Aterblichkeitszisfer: 20,80
nach Abzug von 6 Ortsfremden: 9,45 "/m.
Kinder
nahm dieser doch die Abivässer der an ihm liegenden Ortschaften aus, und seine unmittelbaren Anwohner entleerten kurzer Hand ihre Nachtgeschirre in denselben. Sowohl im Eigerbach, wie im Leither Wasserreservoir wurden lebende Typhusbazillen nachgewiesen. Vor Ausbruch der Epidemie gelangten erwiesenermaßen die Ausleerungen eines Typhuslranken in den Eigerbach. Das Leitungswasser roch nach Fäkalien, war trübe und führte Würmer, Wassermolche bis 12 Zentimeter und Aale bis 25 Zentinreter Länge mit sich. Und dennoch war hiermit der ursächliche Zusammenhang der Epidemie mit der Wasserverunreinigung juristisch nicht erwiesen. Die Gutachten der Sachverständigen widersprachen sich so sehr, daß der Staatsanlvalt gezwungen wurde, die Anklage auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung fallen zu lassen: es blieb nur Nahrungsmittelverfälschung übrig.
Ter Prozeß hat also das, was allgemein erwartet wurde, nicht leisten können infolge des Widerstreits der medizinischen Meinungen. Unp trotzdem erhoffen wir von diesem Prozeß gutes für das Allgemeinwohl; sind doch die hier ausgedeckten Zustände geradezu haarsträubend. Im Ruhrgebiet befinden sich Stichrohre bei über 20 Wasserwerken und liefern mehr als ein Drittel des gesamten Wasserbedarfs. Es wird also dem Deutschen zugemutet, das schmutzigste Wasser, das man siichz nur denken kann, zu trinken. — Wenn wir ganz von den Theorien über die Entstehung des Typhus absehen und sogar die jetzt fast allgemein anerkannte Kochsche Lehre unberücksichtigt, also alles Medizinische außer Spiel lassen, so müssen wir doch sagen: Es ist zum mindesten nicht hyaienisch und äußerst unappetitlich, ein Wasser zu trinken, das allerlei Unrat, Fäkalien, lebende und tote Tiere enthält, lvelches äußerst übel riecht und sogar Erbrechen verursacht. — Das beste Trinlloasser liefern uns bekanntlich die Quellen. Ta solches Wasser aber nicht überall oder in genügender Menge zu haben ist, sind wir aus Ersatzmittel angewiesen. Tie Wissenschast hat nun festgestellt, daß gut filtriertes Grund-, Fluß- und auch Süßfeewasser durchaus geeignet zum menschlichen Genuß ist. Turch Filtration werden —- wertn auch nicht alle — so doch die meisten Bakterien und sämtlicher grobe Unrat zurückgehalten. Wo also das vorhandene Quelttvasser nicht ausreicht, müssen wir verlangen, daß uns ein LertuNgswasser geliefert wird, das den Anforderungen der Hygiene entspricht. Was aber lehrt uns rm Gegentell hierzu der Prozeß in Essen? Ein Teil der Stich rohre im Ruhrgebiet ist sogar von der preuß. Re- aierung konzessioniert. Diese Handlungsweise des Staates aber, so erllärt die „Dtsch. Tagesztg.", entspricht nicht feiner Pflicht, für die Gesundheit seiner steuerzahlenden Bürger zu sorgen. Hierin muß Wandel aeschassen werden; und diesen Wandel erhoffen wir mit Zuversicht von dem jetzt beendigten Prozesse.
Vermischte».
* Millionen von Zöpfen. Die Kaiserin von China ist eine bedeutende Frau, wie sie des öfteren bewiesen
Es starben an: Zusammen: Erwachsene
Lungentuberkulose
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Gehirnhaut-
tuberkulöse
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Lungenemzünbung
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Tarmkatarrh
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krebs
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Ileus
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ilebensschwäche
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Eklampsie
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tätlicher Körper-
Verletzung
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