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1.10.1904 Zweites Blatt
 
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Samstag! Oktober 1904

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schar Universitätsdruckeret. R. Lange. Gießen.

Redaktion, ExpedUion ».Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr. i Anzeiger Gieße«.

Rr. 331 Zweites Blatt. 154. Jahrgang r.

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags. J V

DieGießener KamMenblatter" werden dem K DHA OIm gi OF FW Hg JF 4% g

»Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der NV F H H A W W Fl W H W. V fef bJ

Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. H I V* H vH W" v vH W" v

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen.

Arästdeut Wooftvett.

ernMng, so wird uns heute vom Herold-Buremr aus' St. Louis genreldet, in LSa.shingtou offiziell die Delegierten des Kongresses für Kunst und Wissenschaft. Dabei unterhielt er sich lange Zeit mit den hervorragendsten deutschen Professoren tote Harnack, Hertig, Lieb­reich, Pfleiderer und anderen. Zum Schluß sprach er über die Bedeutung solcher internationalen Zusammen­künfte führender Geisher für die guten internationalen Be­ziehungen. Jede Nation nrüsse heutzutage von der anderen lernen. Der Präsident betonte insbesoridere, daß Amerika von Deutschland z.u lernen versuche, und zwar nicht nur in wissenschaftlicher Beziehung, son­dern auch auf denr Gebiete des Schiffsverkehrs.

Mr. Roosevelt hat sich also im weißen Hause mit deut­schen Gelehrtenlange Zeit", d. h. aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt: eine Viertelshunde unterhalten. Re­sultat: das gerührte Kabeltelegrcumn.

Sehr erbaulich! Ilud um so erfreulicher, so meint der Harmlose, als Herr Roosevelt ja so intim mit unserem Bot­schafter, dem Baron Spech ipv daß er ihn mit dem Kose­namenSpeckchen" beehrt! Neulich soll Herr Roosevelt sogar Nibelungenverse einem deutschen Gelehrten gegenüber rezitiert 5aßen, und der Gelehrte war begeistert.

Ja, sieht das nicht gar sehr nach Pose aus? Denkt man da nicht unwillkürlich an Fremdenführer oder Hotel- Wirte in beliebten Gebenden, die eine poetische .Verherrlichj- ung der landschaftlichen Reize bei passender und nicht passen­der Gelegenheit als Retlanre einfließen lassen, im übrigen von dem Dichiter vielleicht nicht eine Zeile kennen?

Roosevelt ist einer der allergeriebensten Amerikaner. Seitdem er uim die Wiederwahl sich bewirbt, ist jede seiner Handlungen aus die Wirkung nach außen hin berechnet. Er sagt jedermann etwas angenehmes und schüttelt jcoer- nrann höchst bieder die Rechte, weil er jede Stimme braucht. Mit den Gelehrten spcicht^ec gelehrt, mit dem Mann aus dem Volke populär, dem Sportsman zeigt er seine Künste als verwegener Rauhreiter, und mit den von der Kultur unbeleckten Leuten aus dem wilden Westen sitzt er am Biwakfeuer zusammen, den Zylinder auf dem Kopf, ihr kärgliches Mahl teilend. Es gibt keine Bestrebung, die er nicht mit wahrem Enthusiasmus billigt und zu för­dern verspricht: die Fr reden s ve r mi t t lu n g und We lt fri e d ens id een ebenso wie die ehrgeizi­gen Ero b erun g s tr äume seiner Lands leute, die Wünsche der Gemäßigten und die Forderungen der Draufgänger" über alles und noch einiges andere läßt Mr. Rooseveltmit sich reden". Juden, Jesuiten, Katholiken, Protestanten, Farbige, alle sind seinem Herzen teuer. Schon manchen Präsident­schaftskandidaten hat es gegeben, aber keinen, der so unend­lich viel versprochen hat. Mr sind überzeugt, Roosevelt wird gewählt werden, denn sein Gegner, der Demokrat Parker, hält allzu hartnäckig an seinem Grundsatz fest, nichts zu verheißen, ja nicht einmal sich unter das Volk zu mischen, mib damit ist den Amerikanern^ dem schaulustig­sten Volk der Welt, nicht gedient.

Die Deutsch-Amerikaner stehen wohl in ihrer großen Mehrheit nicht auf Roosevelts Seite. Es ist dem Präsidenten direkt Voreingenommenheit gegen das Deut sch tum, sowie Neigung zur weiteren Beschränkung der Einwanderung, die in erster Reibe die deutsche Einwanderung treffen würde, zur Last gelegt wor­den. Die Deutschs-Amerikaner trauen auch der Weltpolitik Roosevelts nicht über den Weg; die ungestüme Ver­stärkung der a m e r i t a n i s ch e n F l o t t e gilt als Vor­bereitung für kriegerische Abenteuer und für Ein­mischungen aller Ecken und Enden. Eine Probe davon, was nach der Wiederwahl Roosevelts zu erwarten ist, hat der kürzlich aufgetauckM höchst sonderbare Plan der .Vereinigten Maaten gegeben, in Deutschland amerikanische Auswanderungs-Inspektionen einzurichten. Er- sreulicherweise stand der beinahe naive Gedanke in den Ver. Staaten hätte bei einem ähnlichen Projekt auf deut­scher Seite ein Sturm Der Entrüstung sich erhoben alsbald die gebührende Zurückweisung. Wir setzen manche leidenschastlich,e Anklage von Deutschamerikanern gegen Roosevelt auf das Konto der Wahlbewegung, die drüben immer mit den stärksten Accenten arbeitet. Aber es scheint uns doch, daß diese Opposition tiefere Gründe hat, irtti) daß man aus jähren ^Aeußerungen eher Schlüsse auf das Maß von Deutschenfrcundlichkeit des Präsidenten zu ziehen berechtigt ist, als aus seinen jovialen Empfängen, Nibe­lungen-Zitaten und seiner Rühmung der deutschen Mssen-- schaften und des deutschen Schiffsverkehrs.

tz'lU Kgrac-Ii0g,amm.

Das Büch des Direktors der landtvirtschaftlichM Aka­demie Bonn-Poppelsdorf, Geh. Regierungsrats Pros. Dr. Theodor Frhr. v. d. Goltz überAgrarwesen und Agrarpo litik" ist in zweiter umgearbeiteter und durch ein Agrarp^ogramm vermehrter Auflage erschienen. Durch ein Agrarpro gramln hat er Die neue Auslage ver­mehrt. Es lautet:

V Die Landwirtschaft bildet das Fundament der ganzen Volkswirtschaft, die Agrarpolitik demnach einen besonders wichtigen, Teil der Wirtschaslspolitik überhaupt.

2. Für diejenigen, welche Agrarpolitik zu treiben berufen sind oder sich berufen fühlen, .ist es ein unoedingtes Erfordernis, daß sie die Bedeutung mrd Aufgabe der Landwirtsä-ast für Staat und Gesellschaft vollkommen zu würdigen wissen, daß sie außerdem die Bedingungen, an weiche der Erfolg des land- wirtstw ft liehen Betriebes geknüpft ist, einigermaßen kennen.

Z. Da das landwirtschaftliche Gewerbe und die ländliche Bevölkerung einen sehr konservativen Charakter besitzen, Ber- änderungl n in ihnen fid> nur sehr langsam vollziehen, so kann bloß eine solche Agrarpolitik dauernd heilsame Wirkungen haben, welct)e von großen und weiten Gesichtspunkten sich leiten Uii,t, welche nicht nur die Gegenwart, sondern vor allem die Zukunft ins Auge faßt.

I He wiaftigste Ausgabe der Agrarpolitik besteht darin, die Verteilung des Bodenbesitzes aufmerkiam zu verfolgen, und dar­auf Bedacht zu nehmen, daß dieselbe eine angemessene bleibt oder, juiceit sie es nicht ist, in der Zukunft wird (Bcsitzpvlitik).

Denn von ihr hängt es mehr wie von allem anderen ab, ob die Landwirtschaft ihre Aufgaben in einer für die Gesamtheit för­derlichen Weise erfüllen kann und ob die einzelnen Gruppen der Endlichen Bevölkerung in einer befriedigenden Lage sich befinden. Große, mittlere (bäuerliche) und Heine Besitzer müssen überall nebeneinander fern. Der land­wirtschaftlich benutzte Boden muß zum weitaus überwiegenden Teil von dessen Eigentümern selbst bewirtschaftet werden.

5. Die Lösung dieser vornehmsten Aufgabe der Agrarpolitik bildet die notwendige Voraussetzung für die an zweiter Stelle wiäftigste, welche die Herbeiführung gesunder sozialer Zustände unter der Landbevölkerung zum Endzweck hat (Sozialpolitik). In einer angemessenen Verteilung des Grundbesitzes liegt die sicherste Gewähr auch für eine normale Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse auf dem Lande. Es kommt dann wesentlich nur noch darauf an, daß die einzelnen Gruppen der ländlichen Bevölker­ung einen ihrem Grundbesitz entsprechenden Anteil an der Ord­nung und Verwaltung der kommunalen Angelegenheiten erhalten.

6. Befriedigende Arbeiterverhältnisse sind bloß zu ertoarten, wenn die weit überwiegende Mehrzahl der verheirateten Arbeiter Anteil am Grundbesitz oder doch die sichre Aus­sicht hat, solchen mit Hilfe von Ersparnissen später zu erwerben.

Das Wanderarbeitertum in seiner jetzigen Ausdehn­ung wirkt nachteilig auf die Gestaltung der Besitzverhältnisse und der sozialen Zustände, ebenso auf die Erfolge des landwirt­schaftlichen Betriebes. Dasselbe ist daher einzuschränken; aus dem Auslande kommende Arbeiter nichtdeutscher, besonders pol­nischer Nationalität sind möglichst sernzuhalten.

7. Das Ziel der Produktionspolitik muß auf ein dauerndes und niöglichst starkes Wachstum sowohl der Roh­erträge wie der Reinerträge gerichtet sein. Die ein­zelnen in ihr Gebiet Mögenden Maßregeln müssen je nach den gerade vorhandenen wirtschaftlichen Verhältnissen sehr verMeden sich gestalten. In allen Fällen sollen sie aber so gewählt werden, daß sie die Erreichung der wichtigeren und toesentlich gleich blei­benden Ziele der Besitz- und Sozialpolitik nicht hindern, sondern im Gegenteil fördern.

8. Die Leitung der Agrarpolitik muß in den Händen der Staatsregierung sein und bleiben. Diese muß daher zu­nächst und vor allem über die zu erstrebenden Ziele und einzu­schlagenden Wege selbst zur Klarheit gelangen und dann das als richtig erkannte mit Beharrlichkeit durc^nsetzen versuchen. Hier­von soll sie sich auch durch entgegengesetzte Meinungen und Wünsche der einzelnen Jnteressentengruppen oder Parteien nicht abbringen lassen.

9. Eine erfolgreiche Agrarpolitik ist nur durchführbar, wenn die Staatsregierung und die von ihr anerkannten landwirtschaft­lichen Vertretungskörper sich mit einander verständigen. Um zu einer Einigung und zu einem die Sache wirklich fördernden Resultate zu gelangen, .ist es nötig, daß vorher von beiden Seiten eine eingehende objektive Untersuchung und offene Klar­legung der tatsächlich vorhandenen Zustände und Bedürfnisse stattfindet.

10. Die agrarischen Zustände im Deutschen Reiche bieten zwar gegenwärtig ein nach mancher Richtung nicht erfreuliches Bild; sie sind aber mindestens ebenso gut oder besser wie die in irgend einem anderen größeren europäischen Kulturstaate. Es liegt keine Ursache vor, an der Zukunft zu verzweifeln; die vorhandenen Schäden können geheilt oder doch auf ein ungefähr­liches Maß herabgemindert werden. Ob dies geschieht i-der ob wir Zuständen rntgegengehen ähnlich denjenigen, welche das alte Rom. ins Verderben gebracht haben, hängt zu einem wesentlichen Teile von der Richtung und dem Erfolge unserer Agrarpolitik ab.

.Das Programm bewegt sich in allgemeinen Gednniken, Freiherr v. d. Goltz hat in den einleitenden Bemerkungen ausdrücklich hervorgehoben, daß er auf die Ausgestaltung eines besonderen und ins einzelne gehenden Agrarpro­gramms verzichten wolle. Seinen Gedanfen wird man im ganzen zustimmen. Auch wir haben die Hoffnung des Freiherrn v. d. Goltz, daß die Schwaden geheilt werden können.

Hvst-Kusstellung des Höeryeff. Köstöauvereins.

(Originalbericht desGieß. Anz.")

H. L. Friedberg, 30. Sept.

In seiner Eröffnungsrede betonte Kreisrat Fey, daß die Ausstellung den Interessen der Landwirtschaft, speziell aber den Interessen des Obstbaues dienen solle und belehrend und 'ördernd einwirken möge, durch das bedeutendste Lehr- und Erziehungsmittel: Das Beispiel. Die Bedeutung der Förderung des Obstbaues aus hygienischen Gründen dürfe nicht unter» chätzt werden. Und wo es sich um so wichtige Interessen handelte, da sei der Besitz treuer Förderer und Freunde von unschätzbarem Wert. Am Schlüsse seiner Ausführungen dankte Redner allen denen, die zum Gelingen der Ausstellung bei­getragen haben und eröffnete die Ausstellung mit den Worten: Der Obstbau er wurzele, er gedeihe, er bringe reiche und schöne Früchte. Das Hoch auf den Protektor der Ausstellung, den Großherzog Ernst Ludwig, fand begeisterte Aufnahme.

Direktor Dr. v. Peter wies in seiner Ansprache auf die vollendete Schönheit des Obstes hin. Seit Jahren sei die jetzige Ernte eines der schönsten Obstjahre. Sein Dank galt der Tätigkeit des Komitees des Oberhess. Obstbauvereins.

Prof. Reichest übernahm die Führung zum ersten Rundgang durch die unter seiner Leitung künstlerisch arrangierte Ausstellung, die im großen Saale desSaalbaues" unter» gebracht ist. Hier präsentieren sich dem Auge des Beschauers m 6 großen Längsseiten die prächtig gefärbten Früchte aus den gesegneten Gauen der Wetterau und des Südabhanges des Vogelsbergs. Die erste Tafel umfaßt Haufen von je 10 Kilo der gangbarsten Marktsorten wie 5laiser- und Kanada- Reinetten, Winter-Goldparmänen, französische Reinetten, roter Eiserapsel usw.

Gleich nach der Eröffnung der Ausstellung haben die Preisrichter ihre Arbeit begonnen und sie im Verlaufe des Nachmittags beendet. Preisrichter sind: Prof. Wämser- Butzbach, Sparkassenreehuer Wahl-Lauterbach und Ober- gärlner Reder^Nieder-Ofleiden. Unter anderen wurden mit Prämienauszeichnung bedacht: Fürstliche Obst­baumschule Lich, Gebrüder SieSmayer-Vilbel, Stadt Fried­berg, Stadt Gießen, K re is st ra ß en - Ve r w a l t u n g Gießen, Gräst. Gärtner Ried e l-Assen heim, Grast, Solms- Rödelheimsche Domänenpächter, KrelSstiaßenverwaltung Als­

feld, Fabrikant H a l l e r - Friedberg, Pfarrer Loos-Butzbach, Zigarrenfabrikant Mueller-Gießen, Georg Burk- Laubach, Karl Maul-Assenheim usw. Trotzdem die hiesige Ausstellung nur für die Kreise Friedberg und Gießen speziell arrangiert ist, sind auch Aussteller aus den Kreisen Alsfeld und Lauterbach zugelassen; die Aussteller der Kreise Büdingen und Schotten vereinigten sich in Schotten, wo am 28. d. Mts. eine Ausstellung eröffnet wurde.

Die Bühne des Ausstellungssaales ist durch geschicktes Arrangement des Obergärtners John in einen phantastisch hergerichteten Palmen- und Lorbeerhain umgewandelt. Mitten darin steht die Büste des Großherzogs, rechts und links da­von die Bütten Sr. Majestät des Kaisers und des Groß­herzogs Ludwig IV. Zwei mächtige Füllhörner liegen davor und ergießen ihren kostbaren Schatz von Früchten und Beeren auf ihre Unterlagen.

Bald nach der Eröffnung der Ausstellung drehte sich auch das Glücksrad, um je nach der Laune Fortunas Glücks­lose oder Nieten zu spenden.

Das Eröffnungsessen im oberen Saale des Saal- baues zeigte eine recht stattliche Teilnehmerzahl. Mit der Obstausstellung ist auch eine Ausstellung selbst her- gestellter Geräte für O bst bau m pflege und Obst- verwertung verbunden. Hierbei ist besonders erwähnens­wert ein Gestell mit Material für Obstbaumpflege, das Herrn I. Bailmeister-Friedberg gehört und bereits prämiiert worden ist. Das Interesse der Bevölkerung an der Aus- stellimg bekundet sich dadurch, daß der Besuch bereits sehr stark ist. Die 9lusstellung wird schon am 2. Oktober g e- schlossen. An diesem Tage findet die offizielle Preis­verteilung statt. Die Ausstellungsgegenstände werden ent­weder einzeln oder zusammen in einem Sammelsortimente in Düsseldorf ausgestellt werden.

Wenn die Frau eine böse Sieben ist.

Tie grausige Tat des Arbeiters Seufert in Berlin, der am 26. Februar sein eigenes Kind hingeschlachtet hat, beschäftigte bas Schwurgericht am dortigen Landgericht L Seufert war Witwer, als er im Jahre 1901 seine Frau heiratete. Sie brachte ihin ein unehelich geborenes Söhnchen, den jetzt siebenjährigen Arthur, in die Ehe, verschwieg ihm aber das Vor­handensein einer jetzt 17jährigen unehelichen Tochter. Schon einige Wochen nach der Eheschließung zog der Unfriede ins Haus. Nach seinen Angaben habe ihm die Ehefrau seine Häuslichkeit zur Hölle gemacht. Außer dem siebenjährigen Arthur war noch ein in der Ehe geborenes Töchterchen im Hausstande. Wie der Angeklagte, der Grund zur Eifersucht zu haben glaubte, be­hauptet, habe ihn seine Frau mit diesem Mädchen, das er sehr lieb hatte, ost geärgert, ihn verspottet und ihm wiederholt gesagt, er solle sich nicht einbilden, daß das Kind von ihm sei. Er habe seiner Frau allwöchentlich fast seinen ganzen Verdienst abgegeben, sie habe ihn aber sehr schlecht versorgt und in der empörendsten Weise ihm beinahe täglich ihre Abneigung gezeigt. Diese sei so weit gegangen, daß sie häufig den Wunsch aussprach, er möchte doch bloß mal vom Drache stürzen und tot liegen bleiben. Niehrmals habe sie ihm gedroht, wenn er nicht von ihr ginge, würde er eines Abends das Nest leer und seine sieben Sachen auf der Straße finden. Oft ging sie allein oder mit den Kindern aus und verbot Arthur, dem Vater zu sagen, daß sie in einer Restauratton gewesen seien. Ende Februar war der Unftiedc besonders groß. Am 26. Februar war die Frau mit dem Mädchen wieder in eine Restauration setzte sich aber nicht zu ihm, und als er ihr sein Bier anbot, lehnte sie es ab, mit ihm zu trinken. Tas Töchterchen spielte mit dem Portemonnaie der Mutter, und als sich dabei die Geld­tasche öffnete, glaubte er, darin einen Ring zu bemerken, von dem er bis dahin keine Ahnung hatte. Tas erregte seinen Ver- dack>t. Er ging allein nach Hause und brachte die Kinder zu Bett. Als ble Frau später nach Hause kam, entstand wegen des Ringes ein Streit, wobei jene behauptete, das, was er für einen Ring angesehen, sei der Schlüssel zu ihrer dLahmaschine gewesen. Da der Viann sich hierbei nicht beruhigen wollte, ging die Frau wieder ans der Wohnung. Ec nahm ein Messer, das er auf einem Schleifstein wetzte. Mit Entsetzen sah nun der Knabe, wie der Vater mit dem Messer in der Hand an das Bett heran­kam, und hörte, wie er, vor dem Mädchen stehend, sagte: T r u d ch e n, Deine letzte Stunde ist gekommen!" Ter Knabe floh auf den Flur, und durch das Haus gellte sein Angslschrei:Mutter, Mutter! Vater ist mit dem Diesser am Bett!" Ta stürmte die Mutter die Treppen hinauf, und als sie ihre Wohnung erreickit hatte, ttat ihr der Angeklagte mit den Morten entgegen:Ta hast Tu Tein Kind" und überreichte ihr- das von ihm auf ein Kopfkissen gelegte Trudchen, welches bereits tot war und eine furchtbare Schnittwunde am Halse zeigte. Ter Vater hatte sein Kind mit denr Messer abgescUachtet. Als die Polizei kam, stürntten Nachbarsleute mit in die Wohnung und chlugen auf den Täter ein. Ter Angeklagte behauptete, daß er das Kind nur verletzen wollte. Er habe darüber nachgedacht, was er wohl macken könnte, damit die Frau nicht so viel weg­liefe, sondern zu Hause bliebe und nicht immerzu zankte. Da sei ihm der Gedanke gekommen, wenn er eins der Kinder verletzte, dann würde die Mutter durch die Pflege des Kiüdes vom Weg­gehen und fortgesetzten Zanken abgehalten werden.

3n SchllöLrung einer Reihe von Zeugen kam die Frau chlecist fort. Mehrere Zeugen kamen darin überein, daß der r)'vau die Hauptschuld an den argen Zänkereien zuzumesfen sei, denn sie fyabe den Mann schlecht behandelt, wiederholt beschimpft, ihm manchmal kein Essen gegeben, wenn er von der Arbeit kam usw. Dem Mann wurde allseitig das Zeugnis eines fleißigen, ruhigen Arbeiters gegeben, der sich ost über seine Frau bitter beklagt habe.

Auf Grund der umfangreichen Veweisaustiahnre gaben die Geschworenen i hren Wahrspruch auf s ch w e r e K ö r p c r v e r * letzung mit tödlichem Erfolge unter Zubilligung mildernder Um stände ab. Das Uri eil lautete auf vier Jahre Gefängnis.

Die meisten Nacbahmnn^en v«»n D Hommpl« Haemutogen werden, üm das D. R. P ho. 61,31)1 zu um^onen, mit Zuhilfenahme von A*1her bereitet, ein Zusatz, der insbesondere für Kinder und Nervöse direkt, sehüdheh ist. Um sicher zn »ein, daa aethe. tt-t« Original-Präparat zn erhalten, verlange man stets ausdrücklich Dr. Homme)» Haematogen und achte anl die SchutimarkeSäa~ gende Löwin. De/8