Ausgabe 
1.10.1904 Drittes Blatt
 
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Nr. 331

Drittes ME

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

's ycrrtlge -ALMvcr UWfaßt 20 Seiten,

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(Md) eint tSglich mtt AuVnahrne des Sonntags.

DieGtetzentt FamlllendlStter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «hellffchr taafcölrf* erlcheüU monatUch einmal.

kommt, daß die Hoffnung auf eine Belebung des italienischen Ausfuhrhandels nach Rußland sich nicht erfüllt hat, der alles in allem noch nicht die Hälfte des Wertes ausmacht, den nur die Weizenausfuhr Rußlands nach Italien re­präsentiert. Zum Ueberfluß sind die italienischen Sozialisten bei solcher Sachlage mit Erfolg an der Arbeit, das offizielle Rußland in Mißkredit zu bringen. Die Möglichkeit, daß der Zar überhaupt nach Rom kommt, kann deshalb getrost gestrichen werden.

t o i ii e 11 c von Linie) verloben.

IM. Jahrgang

Bekanntmachung.

Unter dem Schweinebestand der Gebr. Fay zu Lang, göns ist die Rotlaufseuche festgestellt worden.

Gehöftsperre ist verhängt.

Gießen, bett 29. September 1904.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Haberkorn.

Es ist jetzt gerade ein Jahr her, daß in Italien Russenbegeifterung m hohen Wogen ging. Durch Absage de§ Zarenbesuchs m Rom ist die politische Tnnperat« so nachhaltig abgekühlt worden, dcch selbst die Geburt eines Thronfolgers nicht den Aus­tausch freundschaftlicher Kundgebungen zwischen beiden Hüscn herbestühste. Wenn irgendwo in Europa im Hindii^ auf den osiasiatischen 5lri«g die Sympathien nicht nuf Seiten Rußlands sind, dann sicl)erlich in Italien. Man , gönntu dem Zaren reiche eine Beeinträchtigung seines inter- mation-len Ansehens, weil man der Dteinung ist, die in letzter Stunde erfolgte Absage der Romreise des Zaren l)ade un­vorteilhaft auf da« Prestige Italiens emgemirkl. Hinzu

Samstag 1. scnoucr

jfc aa Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'ichen 6-V UnroerfitätSbnictereL UL Lange, Greßen.

My Redaktion, Expedition u.Druckerei - Schu!ftr.I. TeL Nr, 51, Telegr.-Adr. i Anzeiger Gcetzc».

Typhusgesahr wegen fehlten die in der Senne unter- gebrachten Mannschaften des hiesigen I n f a n t e r i e bataillons und die Schulen außer der Prima de- Gymnasiums. Nach dem Eintreffen des Zuges erfolgte die Besetzung iza Mausoleum, wo eine kurze Feier stattfand.

Es wird bestätigt, daß vom Berliner Hofe Notiz vom Ableben des Grafregenten und dem Regierungswechsel nicht genommen wurde. Hingegen kondolierten sämtliche Bundesfürsten und der Kaiser Franz Josef.

*

Derstmge" Reichskan^er.

In einem Gespräch zwischen dem Grafen Bülow und einem Vertreter der »Franks. Ztg." in Homburg findet sich ein Wort, daS sestgehalten zu werden verdienL Gras Bülow meinte, er stehe in der Mitte der fünfziger Jahre und finde das ,surchtbar jung". Die Wahl deS Wortes furcht bar^ erinnert beinahe an die den Backfischjahren eigentümliche Naivetät. Zu Dank verpflichtet Graf Bülow durch daS offene Bekenntnis, daß er sich jung fühlt, die Vereine der Nation al liberalen Jugend, über die von den politischen Gegnern gelegentlich gespottet wird, weil mcht wenige ihrer Mitglieder im reisen ManneSattec flehen. Was dem Kanzler recht ist, muß den Nationalliberalen billig sein und so können die angejahrten Herren unter den Jung- liberalcn den Spott der Gegner jetzt durch Hinweis auf das Bekenntnis des Grafen Bülow mit Fug sntkrüfteu.

V

Rom und Petersburg.

Man schreibt uns auS Rom:

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Sept. Die Abreise des Kaiser» paare? und der Prinzessin Luise Viktoria vom Jagdschloß Rominten ist auf den 5. Oktober festgesetzt. Während der- Kaiser auf der Fahrt noch Besuche in Königsberg, Danzigs Langfuhr >md Marienburg macht, reist die Kaiserin nach Jagdschloß Hubcrtusstock, wo auch bald darauf der Kaiser' ein treffen wird.

Prinz Georg von Griechenland ist heute hieri eingetroffen.

Leipzig, 30. Sept. In der gestrigen Parteiver. sammlung der Sozialdemokraten des 12. und 13. Roichötagswahlkreises ward folgende Resolution gefaßt'!

Die Parteigenossen des 12. und 13. Reichztaaswablkeeil-s verurteilen an, das Cntsrttiedensie die in einem die El re .6o£aJbcBWh^Lwl herabsetzenden Tone gehaltene Not» be- treffaA -S ü r g-r Endet um", belraelgcn hierdurch und durch lne Erklärung der gesmnton «e-nrtlion die Angeleqcnhert für er? iedi^t und erwarten von der Redaklion derLctpz. LoltSztq.", daß endlich die geradezu unergutcklichcn Polemiken mit anderen Organen eingestellt werden.

Di- lianzc Debatte gestaltete sich zu einer Anklage gegen die Rcdaktton decL-ipz. Bolksztg.". Die Geuoffcn Me h ring und Jaeckh legten lywte ihr« Redakti ondstcl len bei der Lechz. Vokkdstg." nieder.

röurg-Schwert n Katholische

ÄttStattv.

London, 30. Sept. Dio britische Admiralität erwägt, wie versichert wird, cme Beschränkung des britischen Schiffsball-Programms für die Flotte, da durch die der russischen Flotte bereiteten Nied erlag en und Ver- luflc eine erhebllche Veränderung des Gleichge­wichts zur See 5n Gunften Englands eiugetreten ist. Man beabfichtiögt, dllrch bie hierdurch möglich gewo<denen Trsparniffe das Defizit im gegenwärtigen Fftmilzjohre zu be­teiligen.

P a r i s, 30. Sept. Gerüchtweise verlautet, der König voll Spanieil werde sich mit der Herzogin Maria An-

Volitische Tagesschau.

Spat kommt er, doch er kommt!

i Ramll^ der Reichs»«zeiger. Erst heute, also fünf Tage wach dem Tode des lippis chen Grafre g e n ten, schwingt sich das offizielle Organ des Deutschen Reiches, nachdem es in der Presse mtt der Rase darauf gestoßen worben ist, dazu auf, biefent verstorbenen Oberhaupte eines deutschen Bruderfhaates 8 gan^e kühle und trockene Zeilen tvtonten. Der ^Reichsauz." schreibt irr seinem nicht­amtlichen Teile folgettdes:

Tcr am 26. September verstorbene Regent dos Fürstentums Lippe, Gras Ernst zur Lippe Biestersrld, Hit sich in der Ne­gierung des Fürstentums, die er auf Grund eines unter dem Vorsitz des verewigten Königs Mert von Sachsen abgegeben SchüdZspruches ausübte. innerhuw des Lippeschen Landes und auch darüber hinaus pevivntiche Sympathien erlvorben, die seinem Namen tüt gutes Andenken sichern. Tie irdische Hülle des Ver- swrdenerr w-urde am Tormerst^ nachmittag feierlich beigesetzt.

Zlvlscheu den Zellen' steht noch etwas zu lesen: In dieser vorsichtigen Ausdruckswelse klingt ein leiser Protest durch gegen das Recht deS Biesterfelders auf den Lrppeschen Thron. Dadurch wird der Nachruf nicht gerade wärmer. Es wäre wohl richtiger gewesen, wenn in dem Organ der Regierung bei burjem Anlaß selbst der Schein vermieden worden wäre, daß irgendwelche Verstimmung ob* waltet. Inzwischen hat btc Regierung von Schaumburg- Lrppe Einspruch denn DundeSrat erhoben gegen die Regent­schaft des Grafen Leopold von Llppe-Blesterseld, des ältesten Sohnes des verstorbenen Graf-RegenLen. Der »Lokalanz.^ weiß, vonbesonderer 6eite* aus Bückeburg unterrichtet, bie Hauptgründe des Protestes rnitzrlleilen. Von Detmold aus dürste man die Antwort aus die aufgefk'EUen Behatrptnngen kaum schuldig bleiben, und so würden bie Thronstreitigkellen nochmals vor ber Oeffentlichkeit erörtert werden. Die Oefferll- lichkell ist aber in diesem Falle gar nicht daS Forum, vor daS bie Angelegenheit gehört. Jetzt hat allein der Bundes­rat oder ein von ihm gebildetes Schiedsgericht die Entscheidung zu fällen, ob Gras Leopold oder ob der Prinz von Schaum­burg thronfolgcberechtlgt ist in Lippe-Detmold.

lieber bie Beisetzung kommt au5 Detmold heute folgende Meldung:

Dis Beisetzuns des Grafwgenten Ernst stmd nach einer Trautlferer statt. An der Feier in der ^xlLs^kapelle nahmen außer - den Kindern und Brüdern des' verstorbenen Negeuten und deren Gemahlinnen Prinz Ernst von Sall-sen-Meiningeu, Prinz Chlodwig von Hessen nnd Fürst zu Salm-Salm teil. Generalsu. perintendent Wessel hrelt eine Rede, anschliestend an den Wahkspruch des Regenten:Mögen mich bie Menschen kränken und auf mein Verderben denken, si esiud mir ohn' Nrsachfeind, Gott im Himmel ist mein Freund." Nach Bcerckisung der Feier setzte sich d-er Trauerzug in Bewegung. Hinter dem Trauerwagen sd)ritten zunächst die drei Söhne des Regertten, sodann die übrigen amVesenden Fürfllichlellen, die Abgesandten fremder Höfe, Ver­treter der Wiisseuschaft, darunter Prof. Kaht-Berlin u. Der

Irr ^.uffirtüb in AenfsH-SüdwellafriLa.

Ter Zug Lentweins nach bem Süden.

In einer Korrespondenz an» Südwestafrika ist berichtet worden, daß Ansang Oktober Gouverneur Lentwein mit einer Ersa^kompagnie, die ihm d^r Kommandeur zur.Ver­fügung gestellt habe, nachdem Süden abrürfen werde. Diese: Arigabe ist Veraltet und nicht zutreffend. Der Gouverneur, hatte allerdings um Ueberlassung einer Kompagnie zu seinem Zuge nach Großnamaland ersucht, General von; Trotha hat aber er'wtdert, daß er von seinen Truppen jetzt keinen Teil abgeöen könne. Daß er neuerdings' von diesem Standpunkte abgegangen wäre, ist nicht bekannt. Nach seinen neuesten Meldungen, worin er von den großen Schmierigkeiten der Kriegfuhrrn.g, namentlich vom Wasser­mangel sprach und bei ber sonstigen.Versorgung von Mann- fcha^en und Tieren ist auch eine Linderung in seinen Ent- fchlüssen recht unwahrscheinlich. Durch seine Weigerung, auch nur eine kleine Truppe g6-311 geben, wird die Lage auf dem Kriegsschauplätze recht hell beleuchtet. Außerdem be­festigt sich nach verschiedenen Berichten die Ueberzeugung.' immer mehr, daH im Großnamalande eine Beun-^ ruhigung von großer Bedeutung, die besondere "Maßregeln erheischen würde, nicht vorhairden ist. Die Zeit der Befürchtungen ist schon feit 'Monaten vorüber, bie: dortigen Truppen sind bereits verstärkt und was noch ans­urrruhigen Elenrenicn vorhanden ist, kann zu einem wirk-' liehen Ausstande nicht mehr führen. Die Ereignisse in Süd-- we^afEa werden jeyt wohl einen ruhigen Gang beibe-^ i;alten; man kann nicht, wie im ostastatischen Kriege, täg­lichen Nachrichten entgegensehen.

Der Typhus.

DieNordd. Alla. Ztg." v^r^ffenLlichL entert längeren Artikel, worin sie sich gegen die Behauptung wendet, die Regierung habe gegenüber der Typhus-gefahr in Südwest-^ afrila die clementaasten hygienichen Maßnahmen mißachtet, da sonst die Seuche nicht so stirchtbare Opfer hätte fordern' können. Demgegenüber hebt die ^,Nordd. Mg. Zig." hervor^' daß die L-Phuskeime nicht pur durch Wasser, sondern bei, dem engen Zusmumenleben der Truppen aud) direkt über-' tragen werden. Südafrika schcine cmßerdem klimatisch' für Typhus besonders günstig zu sein, wie die' starke .Verbreitung der Kranlheit in'ganz Südafrika und' die überaus zahlreichen Erkrankungen von Engländern wäh-- rend des Vurenkrieges zeigten. Daher rechnete man ach maßgebender Stelle von Anfang cm mit Typhus, und dem- entsprechend wurden die Truppen neben aiwerm Sanitäts- waterial besoirders reichlich mit Trinkwasferbereitern und' o-ilterapparaten ausgerüstet Außerdem seien den Truppech für Südwestaftll'a sehr reichlich Aerzve beigegebeu; ed feiert über 70 im Schutzgebiet, unter denen ein yich^ ge* ringer Prozentsatz bakteriologisch besonders ausgebildet fei] unb sich schon bei Lösung von hygienischen Ausgaben ho wahrte. Die Mitteilung von verftärEtan Wiederaustreten,' teä Typhus treffe nicht zu. Die größte KrankheitS^ zt sfer am Typhuserkruntten betrug anfangs Juni 2 3 7,{ während nach dem letzten Rapport vom 20. Septemben nur noch ein Krankenbestand von 170 zu verzeichnen war.- Dabei sei zu berücksichtigen, daß jetzt eine bedeuteno größere- Truppenzayl in Südwej'lasrika verfarnmelt sei als mstanaS^ Juni. Daß bie Zahl der Todesfälle relativ hoch sei, liege! an dem oft nicht umgehbaren Transport ohne geebnete,' Wege und an den großen StLapazen vor Ausbruch bet' Krankheit, was die Krankheit besonders bösartig machest Don! den Behörden seien alle jVorkehrungen gegen die Typhus--^ gefahr getroffen. Wenrt es bisher nicht gelungen fet beri Krankheit vollständig Herr zu werden, so liege dies an der- Ungunst^ unabänderlicher »Verhältnisse. :

Hamburg, 30. Sept. Mit dem DampferErnst Mr-- mann" ist heute abend ein Truppentransport nach Süd west- aftika von 18 Offizieren und 386 Mann abgegangen.

Aus dem Wege zur Eiseubahngememschaft.

Wie schon gemeldet wurde, sand in Heidelberg am Donnerstag eine Konferenz deutscher Eisenbahn- Minister statt, in der über denengerenZusammen- schluß der süddeutschen Staatsbahnen und der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft m der Richtung eirrer De tr ieb smitte lge m ein scha st beraten mtb, wie es den Anschein hat, auch eine Einigung erzielt wurde. In weiten Kreisen wird dieser erste Schritt zu einer wirklichen Betriebsgemeiuschaft der nord- und süddeutschen Staatsbahnen freudig begrüßt wer­den, und eg stcht zu erwarten, daß letztere jetzt in nicht allzulanger Zett zur Tatsache wird, zumal str schon Mfrnrg

Sommers über die Frage einer Preußisch-bcU)cr pfüMchchesstschen MstubahngGtivciitschast an den maßgeben­den Stellen ,alcchcnttsche" Erörterungen stattgefunden haben sollen. Baben benft allerdings, wie Staatsminister vmi Ärrauer am 8. Juni in der Ersten Kamm-cr erllärte, zurgeit noch nicht daran, nach dein,Borbild H-LssenS eine Gemein­schaft nrit Preußen c-ir^uschen.>er was nicht ist, fann noch werden! Die ,Verhältnisse werden sch-In dazu zwirrgeu, gcnt zabgefeheu davon, daß auch lücht uttüoditkgt die gornv der preußischf-hcsfischen Gemeinschaft gewählt werden muß. Württemberg jedsnsilllS ist schon heute einer Gisew bahngemeiirschaft nicht abgeneigt, unb .mtch bie bayerischen Landes boten nxrbeit sich einer solchen wohl kaum wL>er- etzcn, wenn ihnen vorgarechnet wird, daß ohne Schädig­ung deS Königreichs auä ber meinschaft vürschisdenr

Millione,c für Bayernheraussprmgen". lmd havS trüge eine Mse?Lbcvhngemeinschafl, die unter Nahrung der bis herigrn ELgentnrusverlMnisst erfolgt, sciMKlich auch den leches an sich'? ?fcr die voll'Swirtsc^a stlichen mll) Vev- lÄhrstechnischen iBerhältniffe Sikddeuftchiands kennt, wem die Ei।enbalyutarif^onfbtllcitioucn Prcuhcr^LnddeukschLan-bi bcSarnd sind, ix in ers chc irrt bie hvrrtblle bie tn-Ge meins dfp st trotz der durch sie bwängten Ä-feaöe der SekSMnbLgiieit der einzelnen Swalsb<chlren durchaus nützt als cairoter Lappen". Ist ,ie doch bie unMbar loMchjc Konsequenz der lvirtschasllich.'u Entwickeluixg De^utfAlands; Grenz- Pfähle können sie nicht anshalten !

DerDrahtzieher" England.

Die . englische Staats tun st schjreite t von Erfolg zu Er­folg. Nie hat sich die politische Welt in einem größeren Irrtum befunden, als indrm sie von der kleb Erzeugung durchs brungen war, bie russischen Diplsmaten verMrdden fLch, auf dasFrÜhaufftehen" b«sstr als die englischeri." Es gilt heute als »auSgemacht, daß der gewinnende Teil im russisch-japanischen Kriege am Ende einzigund allein Eng land sein wird. Dewn mag mm schließlich Japan oder Rußland als 'der miRLärisch Ueberlegenc sich erweisen, beide .^^oen so geschw-ächU sein, daß sie' gegenüber der Vorherrschaft Englands in Oft- a s i e u, die mit brutalerEntschiebenheit zur Gelt­ung gebracht werden wirb, zur Ohnmacht verurteilt sind. Die sprichwörtUche asiatische Schlaubett hat die<Z apaner niäN davor goschutz-t, auf das Bündnis m-Lt-Englan-d- heremMsalleu, daS doch, wesentlich! KU beim Zweck geschlosstn wurde, die Japaner zu dem Angriff auf Rußland zu er­mutigen. Jetzt sehen die Japaner wohl selbst ein, daß dieses Bündnis für sie ein Danaergeschenk bedeutet, und aus dieser Erkenntnis erklären sich wohl auch ihre fieber­haften Anstrengungen, die Lucken in der Kriegsflotte aus­zufüllen. Die Gefahr, vor« dem seemächtigen England bei der ersten Gelegenheit an die Wand gedrückt zu werden, ist eben handgreiflich Daß die Bor Herr schlaft des Union Jack im Großen Ozean auch für die deutschen Interessen dort alles andere als erfreulich sein wurde, bedarf keiner wetteren Darlegung. Es könnte sogar mit einer kriegerischen Verwickelung gerechnet werden, wenn der deutsche Be­sitz in Ostasien und der Südsee den Briten ein ge­nügend wertvolles Streitobjekt erschiene. Die größere Wahrscheinlichfkett spricht aber dafür, daß den Deutschen die ehrenvolle Llufgabe zugedacht ist, den Vorstoß einer Macht autzunehnreu, die berufen und auch im stände ist. den Engländern die Herrschaft über den Pacific streitig zu machen: das sind die Vereinigten Staaten. Ter Kampf um die Führung der angelsächsischen Rasse wirb dereinst auf dem Großen Ozea n zur Ent- scheidung gebracht werden. Daß es unvernuidlich ist, das er­kennen zwei hervorragende Angelsachsen, bereit politischer Scharfblick Bewunderung verdient: Eh am ber la in und Roosevelt. Jeder von beiden sucht sein Land tudj^ig zu machen für diesen Entschchdungskamps; Ehamberlaiu durch festen Zusa-mmensck/uß der englischen Kolonien mit dem Mutterland, Roolevelt durch Sichremng des ameriFauü schon Einflusses auf Eanada und Mirtelamerika und durch Schaffung einer imposanten Kriegsflotte. Wirtschaftlich ist England zurzeit abhängig von ber Union. Schon die Hälfte seiner Getreideeinfuhr kommt über den At­lantic. Wird Roosevelt wieder zürn Präfidenten gervählt, dami dürfen die VovbereillcugLN zum Etttscheidungsrirrgen mtt England noch in ganz auoerem Maßstabe offenbar wer­den. Deutschland liegt nrit seinen BefitzungAr und In­teressen inmitten des Schauplatzes für dieses Ringen. England müßte seine diplomatischen Tradttionen geradezu verleugnen, wenn es nicht versuchen sollte, wie Japan und Rußland, so auch Den tschland und die Ver­einigten Staaten aneinander zu bringen, derart beide zu schwächen und bann triumphierend im frem­den Rohre seine Pfeifen zu schneiden.