Ausgabe 
31.10.1903 Zweites Blatt
 
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wcrLen in diplomatischen Kreisen Mitteilungen bekannt, die auf direkte AeuHarun gen des Grafen zurückgc führt wer­den. Danach soll Graf Lamsdorfs Herrn Delcasso versichert haben, die Abschjließung eines SchiedsVertrages mit England und Italien befriedige die russische Re­gierung umsomehr, als Frankreich damit nur der zuerst vom Zaren gegebenen Bewegung gefolgt sei. Be- Aüglich Macedoniens soll Lamsdorfs bemerkt buben, er hoffe, Frankreich werde sich wie Deutschland den Wünschen des Sultan gegenüber ablehnend verhalten, der die llebernahme der Kontrolle durch! alle Signatcw- !Mächte des Berliner Vertrages beantragt habe, um der iöstcrreichf-ungarischM Doppelkontrolle auszuweichen. Der Konflikt Rußlands mit Japan werde, wie der russische Mi­nister bestimmt erwartet, friedlich beigelegt werden.

Vor dem Schluß der Arbeitsbörse gab es in den -Sälen und Korridoren blutige Kämpfe. Gin betrüben­des Schauspiel war es, die der Rettungswagen harrenden verwundeten Schutzleute auf dem Boulevard hingelegt zu sehen. Fast jedes Gesicht war blutüberströmt; viele lagen mit zerschmetterten Gliedmaßen da. Die ^Rettungswagen kamen sehr spät.

In der Kammer kamen heute die Ruhestör­ung en bei der Arbeitsbörse zur Sprache Coutand :(Soz.) wirst dem Polizeipräsidenten Lepine vor, daß er Pie Arbeitsbürse von Polizeibeamten besetzen ließ und er­klärt, weun er anwesend gewesen wäre, als die Polizei ^unschuldige Arbeiter niederschlug, hatte Lepine die Arbeits- börse nicht lebend verlassen. (Beifall bei der äußersten Linken.) Combes erklärt, er billige die vom Polizeiprä­sekten auf der Straße getroffenen Maßnahmen. Hingegen billige er nicht, daß die Polizeibeamten mit gezücktem Sabel itn die Arbeitsbörse eirrdraugen. (Beifall links.) Ans den Berichten der Polizeibehörde gehe hervor, daß die Schutz- Fleute ihre im Säulengang der Arbeitsbörse aufgestellten Kameraden in Gefahr glaubten und mit der flachen Klinge !zuschlagend, in das Gebäude eindrangen. Combes bemerkt. Die Untersuchung über den Vorgang sei eingeleitet. Wenn jemanden die Schuld treffe, werde er feine Pflicht tun. '(Beifall.)

Rom, 30. Okt. Der Papst empfing gestern eine vene­zianische Patrizierin und äußerte beim Abschied: Wer weiß, ob ich Sie nicht in einem oder zwei Fahren in Venedig wiedersehe.

Ein Bürgermeisterskandal.

Noch ist über den Eisenacher Bürgermeisterskandal kein Mas gewachsen, und schon gibt es im Weirnarischen schon wieder eine,Kürgermeisteraffäre". Zur Revision des Je­naer Stadtbauplanes die alte Musenstadt ist im Begriff, sich neuzeitlich zu verjüngen war als Kapa­zität in diesem Fache Professor Henrici gewonnen worden, er legte aber plötzlich! die Arbeit nieder, und zwar, wie aus Deftigen Angriffen des Hausbesitzervereins auf den in Ur» taub abwesenden Oberbürgermeister Singer her- vorgrng, weil dieser ,chie Revision des Stadtbauplanes Hinterlistig zu vereiteln suche". In der betreffen­den Vereinssitznng war es besonders Professor Weber, der äußerst scharf gegen das Stad tob erhaupt vorging. Jetzt ^veröffentlicht der Oberbürgermeister eine nicht minder scharfe Erklärung, die voraussichtlich die peinliche Ange­legenheit dem richterlichen Urteil zuführen wird. Als nebensächlich und dem öffentlichen Urteil zu über­lassen, bezeichnet er die Vorwürfe, er habe Professor Hen­rici absichtlich voll des süßen Weines in die Herrensitzung tut HotelZur Sonne" geschickt, den Henrici- sichen Plcm monatelang liegen lassen usw.; ehrenrührig «oer sei der andere Vorwurf:er habe Professor Henrici «röblichgetäuscht und denselben ohne Vorwissen, also Hinter dem Rücken d es Gemeind erats, dazu ani­miert, von der Stadt ein recht hohes Honorar FU verlangen, damit die Gemeindebehörden durch die Kostenhöhe von der Vornahme der Revision abgeschreckt würden". Das fei eine infam e Unter steltüng, wehhe die Akten Lügen straften. Wer nach Einsicht in dieselben es noch fertig bringe, ihn der ihm angedichteten perfiden Handlungsweise zu zeihen, der verdiene den Namen eines elenoen Schurken und gewissen­losen Ehrabschneiders, dem es ein leichtes sei, den Ruf der Stadt naify außen in hohem Maße zu gefährden, und aus niedrigsten Gründen, die nur persön­lichem Haß entsprungen fein könnten, den ersten städti­schen Beamten mit Kot zubewerfen. Schließlich fordert Oberbürgermeister Singer die Professoren Henrici und Weber, die er für die Urheber all dieser Anwürfe zu «halten scheint, dazu öffentliche auf, Rinnen fünf Da- gen klipp und klar für ihre, feine Beamtenehre tief berletzenden Beschuldigungen den urkund­lichen oder zeugeneidlichen Beweis zu erbringen,, oder chre Behauptungen öffentlich unter Ausdruck des Bedauerns zu widerrufen".

Man sieht dem Ausgang des Ehrenhandels, welcher die ersten Kreise der weimarschen Universitätsstadt aufs lebhafteste beschäftigt, mit Spannung entgegen.

Aus Staöt und Land.

Gießen, den 31. Oktober 1903.

LU. In das Universitäts-Al bum haben sich bis Freitag den 30. Oktober neu eingeschrieben 111 Studierende, darunter 2 Theologen, 18 Juristen, 29 Mediziner, 12 Veteri- nürmediziner, 50 Angehörige der philosophischen Fakultät. Die erste Immatrikulation hat heute mittag stattgesunden. Das Verzeichnis der neu immatrikulierten Studierenden wird von Montag an fortlaufend veröffentlicht. Die zweite Im­matrikulation findet am 7. November statt.

** Das Promenadenkonzert fällt morgen aus. Unsere Regimentsmusik konzertiert morgen Sonntagabend im Cafe Leib (Theatersaal), worauf hierdurch aufmerksam gemacht wird.

** Durchgehende Pferde. Gestern nachmittag rannte das Pferd eines hiesigen Pferdehändlers mit einer Wagenscheere anhängend, die sich vom Wagen losgelöst hatte, die Frankfurtersttaße und den Seltersweg herunter und gefährdete Menschen und Fuhrwerke im höchsten Grade. Ein Arbeiter, der das rasende Tier am Seltersweg auf­halten wollte, wurde zu Boden geschleudert und erlitt Ver­letzungen am Kopfe. Erst in der Sonnenstraße konnte das Pferd, wo es stürzte, eingesangen und mit erheblichen Ver­letzungen dem Eigentümer zu geführt werden. An dem­selben Nachmittag ging ein beim Ackern am Trieb scheu .gewordenes Pferd durch rannte die Gründ er gerstra ße her­unter durch die Moltkesttaße nach dem Großen Steinweg, wo es von einem Soldaten aufgegriffen wurde. In diesem Falle wurden weder Personen noch das Pferd selbst be­schädigt.

** Der Giestener Fußballklub 1900, seit

kurzem Mitglied des deutschen Fußballbmtdes, der ca. 150 Kltcks von Deutschland und Deutsch-Oesterreich umfaßt, hat am letzten Sonntag feine Uebungsspiele wieder aufgenonr- men. Spielzeit ist von jetzt ab Sonntag nachimittags von 3 Uhr bis zur einbrechenden Dunkelheit. Der Umkleideraum ist im Schützenhaus. Der G F. C. hat für diesen Winter bereits mehrere Wettspiele mit auswärtigen Klubs in Aus­sicht genommen. Herren, die sich für die Bestrebungen des Klubs interessieren, werden gebeten, sich entweder zu ben Uebungsspielen ein find en zu wollen, oder sich um Aus­kunft an Herrn Willy Schwan, Mäusbnrg, zu wenden.

L Ranstadt, 30. Ott Der hiesige Bahnhof der Ober hessisch en Eisenbahn liegt eine halbe Stunde vom Dorfe entfernt Auch die Nachbarorte Dauemheim, Dauernheimer Hos, Ober- und Niedermockstadt, die auf unseren Bahnhof angewiesen sind, haben einen weiten Weg dahin. Es bestand daher schon lange der Wunsch, den Bahn­hof genannten Orten näher zu rücken. Es wurde ein Pro­jekt au§gearbeitet, wonach der Bahnhof vor Ranstadt an das Straßen kreuz nach Mockstadt gelegt werden sollte. Dies war aber für Dauernheim mit dem fiskalischen Hof noch inrgünftiger als die bisherigen Verhältnisse. Es hätte einen großen Kostenaufwand durch Höherlegung des Bahndammes auf 3 Km. Länge und durch Erhöhung des Viaduktes an der Dauernheimer Straße verursacht, ohne alle Beteiligten zu­frieden zu stellen. Da wurde der Vorschlag gemacht, die Bahnstrecke Nidda-Ranstadt mehr nach! Dauernheim zu rücken, sie soll, anstatt wie jetzt im Niddatal den Bogen nach links, nach rechts nehmen. Die ganze Bahnlinie würde den anderen Ortschaften näher gebracht, imb es könnte ein Platz zum Bahnhof gefunden werden, der für alle genannten Plätze näher und besser zu erreichen wäre. Der Viadukt konnte dabei weiter benutzt werden, ohne verärrdert werden zu müssen. Die Kosten dieses zweiten Planes sollen voraus­sichtlich die des ersten nicht iuefentlief), übersteigen. Die Ge­meinde Dauernheim, durch deren Gemarkung die Lücke dann führen würde, ist bereit, das Gelände unentgeltlich zu stellen; auch vom Fiskus wäre dies zu erwarten. Jede der beteiligten 'Gemeinden ist, wie mir hören, bereit, einen nam­haften Geldbetrag zu bewilligen.

Darmstadt, 30. Ott Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin v o n Rußland, S. Kgl. Hoheit der Großherzog, Äre Königh Hoheiten Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen haben sich, wie dieD Ztg." be­richtet, vormittags nach der Saalburg begeben und sind im Laufe dev Nachmittags auf Jagdschloß Wolfs garten zurück- gekehrt. Am Dienstag abend wurde im Herrschafts-Foyer des Großh. Hoftheaters dem Kaiser und der Kaiserin von Rußland, dem Großherzog und dem Prinzen und der Prin­zessin Heinrich von Preußen durch Direktor Peterson aus Köln eine Neuerung, auf dem Gebiete der Staubent­ziehung mittelst Saugluft (Vacuum Cleaner) ans Teppichen, Möbeln u. dgl. m. im Betriebe vorgeführt. Der Apparat erregte lt.D. Z." das größte Interesse der hohen fürstlichen Personen. Die Erfindung ist englischen Ur­sprungs, während die Herstellung und der Vertrieb der Apparate für Deutschland in den Händen derVacuum- Reckckger-Gesellschaft m. b. H" in Berlin liegt.

sd. Darmstadt, 30. Ott Bei den Beratungen des Finanzausschusses brachte dem Antrag Ulrich bett. Beseitigung der Stempelsteuer und Deck­ung des Ausfalles durch eine Erhöhung der Progression der Einkommensteuer der Antragsteller eine Berechnung, die im Gegensatz zu der von dem Finanzministerium bereits veröffentlichten Berechnung, die Höchststeuerleistung bei einem Einkommen von 1% Million auf 130000 Mk. fesh- setzt. Man beschließt, die Negierung aufzufvrdern, auf Grund dieser Berechnung, eine Aufstellung vorzulegen, aus der zu ersehen ist, welche Mehreinnahmen hierdurch zu erzielen seien. Der Vorstellung einer Anzahl D b er» le hrer, bett. Regelung ihres Besoldungsdienstalters, wurde, im Gegensatz zu der Meinung der Regierung, be­schlossen, stattgegeben. T>em Staatsverttag zwischen Baden und Hessen bett. Abtretung des Condominats Kürnbach in Baden gegen Eintausch entsprechender Waldungen und Zu­zahlung von 175000 Mk. wurde mit 4 gegen 3 Stimmen zugestimmt. Der Anttag des Abg. SchMttt betr. die Aus­bildung der jungen Verwaltungsbeamten toirb ein­stimmig angenommen. Die Vorstellung der Angestellten des Arbeitshauses Dieburg bett. Wohnungsgeld­zuschuß wurde einstimmig, abgelehnt. Die Beratung der Vorlage bett, den Hoftheaterumbau wurde auf Wunsch der Negierung auf eine spätere Sitzung verschoben. Der Antrag Wolff und Genossen betr. Erwerbung von Weinbergen in mittleren und kleineren Lagen zu Staatseigentum wurde angenommen und die Vorlage der Steueraufieher bett. Gehaltsregulierung abgelehnt.

Vermischtes.

* Rom, 31. Okt. Vergangene Nacht geriet der Schnell­zug Mailand-Rom in der Nähe von Parma auf ein Nebengeleise, wo vier mit Getreide beladene Eisen­bahnwagen standen. Es erfolgte ein furcht b ar er Zu­sammenstoß. Mehrere Reisende sind leicht verletzt, unter ihnen der Senator Roux und der Deputierte Bruni- cardi. Die Untersuchung ergab, daß der Unfall b öswil- lig durch Personen herbei geführt wurde, die die Weichen umgestellt hatten. Der Zug konnte nach zwei­stündigem Aufenthalte die Fahrt fortsetzen und traf in Rom mit drei Stunden Verspätung ein.

* Newyork, 30. Okt. Nach einem Telegramm aus Pueblo (Colorado) entgleisten ein Expr eßzug der Atchison-Dopeka and Santafe-Msenbahn auf der Brücke von Apishapa Man glaubt, daß es sich um einen Anschlag von Eisenbahnräubern handelt. Dte Nägel waren von drei Schienen entfernt. Die Brücke brach- zusammen. Die Lokomotive und vier Magen stürzten in den Fluß. 30 Personen sind verletzt.

Gerichtssaat.

b. Gießen, 30. Okt. (Strafkanrmer-Sitzung.) Der Tagelöhner C. B. übernachtete mit dem Tagelöhner Benkert von Z ürzburg in der Nacht vom 4. auf 5. Juni d. I. in einem gemein­samen Zimmer in Friedberg. Des folgenden Atorgens benutzte B. die Abwesenheit seines Schlafkameradelr dazu, dessen Koffer zu er­brechen und sich verschiedene Kleidungsstücke des Beukert anzueignen. Er hat sich dadurch des schweren D i e b st a h l s schuldig gemacht und erhält dafür sechs Ntonate Gefängnis. Ter Tagelöhner Th. K. von Ober-Erlenbach kam Ende August d. I. zu dem in Gießen wohnenden Obsthändler Giehl und fragte ihn, ob er ihm nicht Obst, das er in der Grünbergerstraße gesteigert hätte, abkaufen wolle. Giebl ging hierauf em und gab dem K. auf sein Verlangen zunächst 2 Mk. und des folgenden Tags 1 9)lf. als Vorlage, bekam aber niemals das gekaufte Obst zu sehen, da das Ganze Schwindel war. Urteil: Neun Monate Gefängnis wegen Betrugs. Tie Straf­sache gegen den vielfach vorbestraften Handelsmann I. L. von Alsfeld beschäftigte heute die Strafkammer längere Zeit. Ter An­geklagte kam am 6. Januar d. I. mit ntehreren Stück Vieh zu dem Piehmarkt nach Gießen. Am Vormittag des Atarttes verkaufte er

nun eine Kuh an den Handelsmamr Albert Aron, wobei er auf Befragen zuficherte, daß die Kuh nicht huste. In der Tat bemerkts aber der Käufer auf dem Transport nach Hause und in seinem Stalle, daß die Kuh sehr stark huste. Die Kuh magerte völlig ab und hatte für den Käufer, da er die Milch der Kuh nicht verwenden wollte, da er befürchtete, die Kuh litte au Tuberkulose, gar keinen Wert mehr. Er strengte hierauf eine Zivilklage beim Amtsgericht Alsfeld an, das auch den Angeklagten zur Zurücknahme der Kuh verurteilte, wogegen dieser Bertlfung verfolgte. Das neben dem Zivilversahren laufende Strafverfahren endigte heute mit der Frei­sprechung des Angeklagten, die jedoch nicht, wie besonders betont wurde, darauf beruhte, daß das Gericht sich von seiner Unschuld überzeugt hätte, sondern einen hinlänglichen Beweis für seine Schuld, insbesolidere nach der Richtung, ab ihm bewußt war, daß die Kuh infolge des Hustens minderwertiger werden und damit eine Ber- Mögensschädigung für den Käufer eintreten würde, nicht als völlig erbracht ansah. Heute hatte sich auch der am 5. De­zember 1885 geborene Maurer A. E. von Vilbel, der am Abend des 27. September d. I. den 17 Jahre alten Tagelöhner Johann Ackermann von Vilbel erstochen hatte, wegen Körperverletzung mit rötlichem Erfolg zu verantworten. Am Abend des 27. September lfd. Js. war Tanzmusik in der Hübner'scher Wirt­schaft in Vilbel, die auch von dem Angeklagten, dem Ackermann und noch anderen jungen Burschen besucht wurde. Nachdem es dort schon geringe Differenzen zwischen dem Angeklagten und einem anderen jungen Burschen wegen angeblichon Stoßens beim Tanz gegeben hatte, verließen sie sämtlich zwischen 11 und 12 Uhr die Tanzmusik. Am Hause des Kaufmanns Schwarz trafen nun der Angeklagte, in dessen Begleitung noch 2 andere Burschen sich be­fanden, mit dem Ackermann und dessen Kamerad Neuberger zu- samnien. Hier begann nun der Angeklagte zunächst Streit mit Neuberger wegen des Tanzes und wurde hierbei unterstützt von einem mittlerweilen herbeigekommenen anderen Burschen. Acker­mann kam rum seinem bedrängten Genossen zu Hilfe und trennte sie mit Gewalt. Die Details dieser kleinen Rauferei sind nicht mit Bestimmtheit festgestellt. Durch das Geständnis des Angeklagten steht jedoch fest, daß die Rauferei beendet war, als er aus Zorn und Rache das Messer nahm und es dem vor ihm stehenden kräftigen Ackermann tief mitten ins Herz stieß. Ackermann konnte sich mit Hilfe seines Freundes noch einmal erheben, brach aber dann zusammen unb blieb tot liegen. Das Gericht versagte dem Messerhelden, der so namenloses Unglück über eine achtbare Familie gebracht hat uni) so kaltblütig em blühendes Menschenleben ver­nichtete, mit Rücksicht auf die Brutalität und Unveranlaßtheit der Tat mildernde Umstände und erkannte auf eine Gefängnisstraßo von 4 Jahren.

Gingrsantt

Gießen, 31. Oktober.

Die in der für alle Privatbeamten fo außerordentlich wichtigen Pensionsangelegenheit hier am Platze ange­stellten Erhebungen haben ein ungemein klägliches Resultat ergeben. Trotzdem in jedem Stadtteil, eine Anzahl Ausgabestellen für die Fragebogen eingerichtet waren und sich ein jeder Interessent einen solchen bequem beschaffen konnte, haben sich von den Hunderten von Pr-ivatangestellten kaum hundert der geringen Mühe unterzogen, das Formular auszufüllen und abzuliefern. Diese Gleichgiltigkeit gegenüber einer Sache, die, wenn sie gelingt, den d e ul s ch e n Privatangestellten, ihren Familien und ihr em ganzen Stande von unschätzbarem Werte fein wird, ist um so bedauerlicher, als nur d i e Menge der ein gje heu den Fragebeantwortungen der Maßstab für das Interesse fein kann, welches die Privatbeamten beseelt und nach rvelchem das Reichsamt des Jnnerrr seine Entschlreßungen treffen wird.

Wer d ie außerordentliche Tragweite einer staatlichen Pensions- und Hinterbliebenen-Ver» sicherungiu dem angestrebten Umfange erkannt hat, darf sich seiner Pflicht, den Fragebogen aus­zufüllen, unter keinen Umständen entziehen.

9ioch rst es Zeit für jeden, den es angehtz feine Pflicht zu erfüllen. Herr Louis Lind, Zigarrengeschäft,Krrchenplatz, ebenso die Expedition dieses Blattes haben sich bereit erklärt, noch während der kommenden Woche die Fragebogen zur Verfügung zu stellen und ausgefüllt wieder entgegenzunehmen.

Bemerkt wird noch, daß die Briefe nicht direkt an das Reichsamt gesandt werden dürfen, sondern- an die Ausgabestellen wieder abgeliefett werden müssen.

Ein Privatbeamter.

Die Paffanten des Wetzlarer Weges müssen von dem Bahnübergang ab bis zumRheinischen Hof" fast die ganze Zeit bei dem nassen Wetter durch den Schmutz des aufgeweichten Fußweges baden. Ter Weg war vor einiger Zeit noch schön passierbar, tnbem er festgetreten war; nun ist aber vor einigen Tagen die harte Oberfläche entfernt rooiben und betyalb aUeS auf­geweicht. Em halber Wagen voll Kies würde genügen, um jene stelle wieder passierbar zu machen. S.

Märkte.

Gießen, 31. Okt. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,001,15 Mk., Hühnereier 1 St. 78 Pfg., 2 Stck. 0000 Pfg., Gänseeier 0000 Pfg., Enteneier80 Pfg., Käse pr. Stck. 58 Pf., Käsematte 2 Stck. 56 Pfg., Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,7009,02)11., Hühner pr. St. 1,301,80 Mk^ Hähne pr. Stück 0,701,50 All., Enten pr. Stück 1,702,20 Mk., Gänfe pr. Pfd. 5860 Pfg., Ochfenfleisch pr. Pfund 6878 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6266 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfinrd 6676 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7076 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 6574 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,005,50 Mk Weißkraut per Stück 57 Pfg., per Zentner 1.301.60 Mk., Zwiebeln pr. Zentrier 4,505,00 All., Atilch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 16 bis 20 Mk., in Körben 0000 Pfg., Zwetschen Mk. 7.00-9.00 pr. Ctr., Trauben 0000 Pfg.

Telephonischer Kursbericht.

4% Oesterr. Goldrente .

4x/6% Oesterr. Silberrente 101.00

100.10

103.80

52.75

31.90

37.20

141 20

101.90

90.85

101.85

90.85

100.05

100.20

102.20

26.80

91.90

110.50

4% Ungar. GoldrenteJ 4v/o Itaüen. Rente .

41/, % Portugiesen .

3°/ Portugiesen. . .

1% C. Türken . .

Türkenlose ....

4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.15 4xk% äussere Argentiner.

372% 3% 3V.% 3% 372% 37o%

Reichsanleihe do.

Konsols . do. . .

Hessen Oberhessen

. 105.70

. 212.30 . 196.80 . 145.00 . 155.30 . 165.00 . 144.20 . 17.00 . 190.50 . 241.50 . 190.00 . 200.20

3% Mexikaner . . 4%o/g Chinesen . . Electric. Schlickert . * Nordd. Lloyd

Kreditaktien - .

Diskonto-Kommsndit, . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . , Berliner Handelsges. . Oesterr. Staatsbahn . . Lombarden . Gotthardbahn .... Laurahütto ..... Bochum ...... Harpener .....

Tendenz: fest.

Wo die Wirtschaft-Kass-

nur erlaubt, einen billigeren Bohnenkaffee zu kaufen, hat e§ die Hausfrau in der Hand, dieses Getränk durch einen Zusatz von Kathreiners Malzkaffee wesentlich zu verbeffern. Kathreiners Malzkaffee gibt nämlich, abgesehen von seinen anderen guten und gesundheitsfördernden Eigenschaften, dem schwächsten Bohnenkaffee einen angenehmen, vollen Go- schm a ck, den man bald nicht mehr entbehren mag. Man geht dann ganz von selbst zu immer größeren Quanti­täten Malzkaffee über, bis man schließlich die Entdeckung macht, daß Kathreiners Malzkaffee selbst, ohne jede Bei- mlschung von Bohnenkaffee, allein und rein genossen, baS vortrefflichste und wohlbekömmlichste Frühstücks- und Vesper-Getränk ist.