Ans Stadt und Kand.
Gießen, 30. August 1903.
- Von der Universität. Im Druck erschienen soeben: die akademische Festrede zur Feier des Jahresfestes der Landesuniversität, gehalten von Rektor Prof. Dr. Gustav Krüger, betitelt „Kritik und Ueberlieferung auf dem Gebiete der Erforschung des Urchristentums", und als Anhang dazu dre Univerfitätts-Chronit im verflossenen Jahre; ferner die Pro- arammarbeit des Prof. Dr. Sauer, Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog zum 25. August gewidmet, betitelt „Der Weber- Laborde'sche Kopf und die Giebelgruppcn des Parthenon". Mer Ansichten dieses Kopfes von den verschiedenen Seiten sind auf einer Tafel dieser Schrift beigegeben.
- Zuchtvieh-Import. Auch in diesem Jahre hat oer landw. Verein für die Provinz Oberhessen einen Import von Zuchtvieh der Simrnentaler Rasse aus dem Hennats- gebiete dieses Wehes durchgeführt. Es waren von Gemeinden und Privatzüchtern bestellt: 14 Bullen und 13 Rinder, bezw. Kühe. Die Versteigerung der am Dienstag hier eingetroffenen Tiere sand gestern im Nebe'schen Gutshofe dahier statt und zeigte, welch hohes Interesse die Züchter an diesen Importen nehmen. Die Qualität des eingeführten Viehes war eine hervorragend gute, und wurde dies auch dadurch vor die Augen geführt, daß z. B. bei zwei Rindern der Steigpreis 1710 und 1700 Mark, bei einem Bullen 1600 Mark betrug. Im ganzen wurden für 13 Rinder 12 894 Mark oder pro Stück 990 Mark gelöst. Da der Einkaufspreis 9584 Mark betrug, so überstieg der Verkaufspreis um 8310 Mark oder 26 pCt. den ersteren. Bei Bullen betrug der Einkaufspreis 13 622 Mark, der Verkaufspreis 15 036 Mark. Es wurden also 1414 Mark oder rund 10 pCt. gegen den Einkaufspreis mehr erzielt. Der Durchschnittspreis der Gemeindebullen beträgt 982 Mark. Der Mehrerlös kommt den Steigerern zu gute. Da der Provinzialverein sämtliche Ankaufsunkosten und Transportkosten trägt und außerdem bei Bullen 15 pCt. des endgiltlg festgesetzten Preises aus seine Kosten übernimmt, so erhalten auch diesmal die Besteller von Zuchtvieh zu verhältnismäßig billigen Preisen vorzügliches Zuchtmaterial.
* • Gießen-Hungen. Der seit ziver Monaten probeweise um 11 Uhr abends fahrende Sonntagszug Gießen- Hungen fuhr gestern abend znm letzten mal. Dieser regelmäßig namentlich von Hungener Bürgern stark besetzte Zug hat einem seitherigen Verkehrs-Uebelstande abgeholfen und wird hoffentlich für den Winter als ständiger Zug verkehren, damit auch den Bewohnern der Orte an dieser Strecke die Möglichkeit gegeben ist, den Konzert- und Theatervorstellungen anzuwohnen.
* * Vom Manöver. Gegenwärtig haben die einzelnen Regimenter ihr Exerzieren und Gefechtsschießen mit scharfer Munition, woran sich Ende der Woche das Brigad e- exerzieren und die Brigadebesichtigungen schließen. Die 117 er hatten am Samstag Felddienst bei Großen-Linden, Klein-Linden und Lützellinden. Vom 10. bis etwa 14. September sind die Brigademanöver südlich der Linie Wetzlar- Leun. Die 118 er verlassen am 9. September die Kasernen in Gießen und beziehen bei Burgsolms und Oberndorf Quartier. Vom 15. bis 20. September finden die Divisions-Manöver statt. Diese werden sich auf dem Höhenzug zwischen dem Lahntal, Solmsbachtal und Dilttal erstrecken. Der Stab der 25. Division kommt nach Burgsolms, der Stab der 49. Infanterie- und 25. Feldartillerie-Brigade nach Wetzlar, der Stab der 50. Infanterie-Brigade nach Draunsels und der Stab der 25. Kavallerie-Brigade nach Ehringshausen. Wetzlar erhält vom 19.—20. September über 7000 Mann Einquartierung, darunter die drei Infanterie-Regimenter 115, 116, 117 ganz, ferner ein Bataillon 118 er, eine Batterie Feldartillerie 61 und das Sanitätskorps. Die übrige Infanterie kommt in und um Leun (168 er), Braunfels (118 er), die 61er Artillerie bei Laufdorf, die 25 er Artillerie auf der Linie Ehringshausen- Braunfels und die 23 er und 24 er Dragoner im Dilltal zwischen Greifental und Aßlar ins Quartier. Am 21. September ist allgemeines Divisions-Biwack, bei ungünstiger Witterung Notquartier; Wetzlar erhält alsdann ca. 18 000 Mann. Die Manöver erstrecken sich hierauf nach dem Kreise Biedenkopf zu in die Gegend Nieder-WeidLach. Die Korpsmanöver finden vom 21. bis 23. September statt und ziehen sich nach Südwesten nach der Gegend Westerburg-Limburg, wo die Regimenter am Nachmittag die Bahn besteigen und nach den Garnisonen befördert werden. Die Reservisten der Infanterie werden voraussichtlich am 25. und 26. September entlassen.
* * Ueberfüll. In der vergangenen Nacht wurde ein hier in Stellung befindlicher junger Mann in der oberen Bahnhofstraße von einem bis jetzt Unbekannten überfallen und mit einem Hirschkrückenstock derart am Kopfe verletzt, daß er eine stark blutende klaffende Wunde davontrug. Dem Täter ist man auf der Spur, obwohl er nach der Tat sofort die Flucht ergriff.
* * Besitzwechsel. Das frühere Ebel'sche Besitztum des Herrn Nachtigall in der Weserstraße ging für 16 000 Mark an Herrn I. Barnaß über.
* * Sängerbesuch. Der Einladung des hiesigen Gesangvereins „Liederkranz" folgend, waren gestern die Mitglieder des Gesangvereins „Liederkranz" in Biedenkopf in unserer Stadt erschienen. Nach einem Frühschoppen in der Stadt begaben sie sich nach dem „Windhof", wo das Mittagessen stattfand. Der Nachmittag wurde durch recht anerkennenswerte Gesangleistungen beider Vereine ausgefüllt. Ungern trennten sich am Abend die Sangesbrüder mit der Hoffnung auf baldiges Wiedersehen, aber auch nicht ohne den Wunsch zu hegen, bald ein gleich schönes Lokal wie der „Windhos" in Biedenkopf zu besitzen.
** Herbstpserdemarkt — Landwirtschaftliche Ausstellung. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, beabsichtigt die Pserdemarkt-Kommission im Anschluß an den am 14. September d. Js. aus dem Trieb stattfindenden Pferdemarkt eine Pserdeschau der im Prioatbesitz befindlichen Reit-, Wagen- und Arbeitspferde abzuhalten. Dieselben können unter dem Reiter, sowie im Geschirr vorgeführt, bezw. vorgefahren werden. Die Prämiierung findet vormittags 11 Uhr statt und sind Auszeichnungen und Ehrenpreise vorgesehen. Die Vorführung sämtlicher prämiierten Pferde und Gespanne (auch diejenigen der Händler und Züchter) wird nachmittags 3 Uhr, verbunden mit Konzert der hiesigen Regimentskapelle, stattfinden.
** Kaufmännischer Verein. Am Samstag fand sin Kaufmännüchen Vereinshaus eine außerordentliche Gene
ralversammlung statt. Dieselbe war von 39 Mitgliedern, wovon 7 zum Vorstand zählten, besucht. (Der Verein setzt sich z. Zt. aus ca. 400 Mitgliedern zusammen.) Eine Er- aänzungSwahl des Vorstandes wurde dadurch hinfällig, da das seitherige Vorstandsmitglied, das sein Amt niederlegte, auf Bitten der Versammlung und des Vorstandes dieses Amt wieder annahm. Für die Bibliothek soll eine neue Einrichtung getroffen werden, durch die es ermöglicht wird, nunmehr auch Bücher an jedem beliebigen Termin schriftlich zu bestellen, die man dann zu beliebiger Zeit abholen lassen t’ann. Bestimmungen über die Feier des 10jährigen Bestehens der Fachschule sind dem Ermessen der Schulkommission überlassen worden. Zum 30jährigen Stiftungsfeste möchte man eine Festschrift erscheinen lassen, deren Bearbeitung schon im Gange sein soll.
** Das 3. Dünsberg -Wetturnen sand am Sonntag vormittag aus der Höhe des Dünsbergs bei schönstem Wetter statt. Der Bestiey war infolgedessen überaus groß, ca. 600 Turner und Turnfreunde waren anwesend; zum Wetturnen hatten sich 229 Turner angemeldet, von denen 204 erschienen. Fast alle Vereine des Gaues Hessen hatten ihre besten Turner entsandt. Geturnt wurden die volkstümlichen Uebungen: Steinstoßen, stemmen (50 Pfund einarmig), Freiweitsprung und Freiwerthoch. Dre Resultate waren überaus günstig. Bon den 204 Turnern erhielten 150 Preise, also rund drei Viertel. Alle Turner, welche 20 Punkte erreichten, erhielten Preise. Dre Leitung hatte der 2. Gauturnwart Lehrer Heußer-Bad-Nau- heim. Die Turner, welche die zehn ersten Preise errangen, erhielten außer dem Ehrendiplom Eichenkränze. Das Ehrendiplom des 1. Preises (Turner Münch-Wetzlar) wird im Schaufenster des Glasermeisters Hirz im Seltersweg ausgestellt. — Wir verössentlichen im folgenden die offizielle Siegerliste: 1. Alb. Münch, Wetzlar, 40 Punkte; 2. Earl Schwarz, M.-T.-V. Gießen, 39; 3. Ludw. Beppler, T.-V., 361-2; 4. Jul. Trapp, Friedberg, 351/2; Mich. Keller, 351/2. 5. Erich Jünge, Kirchhain, 35. 6. Wilh. Wiederstein, M.-T.-V. Gießen, 33; H. Hüttenberger, T.-V. Gießen, 33; Christoph Rössing, T.-V. Marburg, 33. 7. Carl Salzmann, Bad-Nauheim, 321/2; Carl Schneider, Lollar, 32i/2. 8. Herrn. Schmidt, T.-V. Marburg, 32; Carl Rees, Butzbach, 32; Hch. Schüttler, T.-V. Greßen, 32; Lud. Adam, T.-V. Gießen, 32. 9. Franz Riegel, Wetzlar, 3iy2; Moritz Oppenheimer, Anspach, 311/2; Wolf Feger, Anspach, 3iy2. 10. Joh. Frey, Klein-Linden, 31; Casp. Rinniusland, Lauterbach, 31; Max Günther, Lollar, 31; Ernst Wagner, Krofdorf, 31. 11. Carl Wenzel, T.-V. Gießen, 30i/2; Lorenz Schmalz, T.-V. Gießen, 301/2; Wilh. Mithoff, Friedberg, 301/2; Hch. Bi er au, Lollar, 301/2. 12. Hch. Gertz, T.-V. Gießen, 30; Curt Kaufmann, M.-T.-V. Gießen, 30; Fr. E. Henrici, Anspach, 30; Theod. Ernst, Anspach, 30; Herrn. Ilse, T.-V. Marburg, 30; Joh. Lippert, Butzbach, 30; Fritz Köhler, Lauterbach, 30. 13. Gg. Freitag, Butzbach, 29i/2; Phil. Horr, Launsbach, 29i/2; Äug. Eger, T.-V. Gieren, 29i/2; Pet. Bangert, Anspach, 29i/2. 14. Jean Hof, T.-V. Gießen, 29; Carl Hieronimus, Friedberg, 29; Adolf Eifert, Anspach, 29. 15. Äug. Adolf, Heuchelheim, 28i/2; Fritz Gerte, Wetzlar, 28i/2; Wilh. Schmidt, T.-V. Launsbach, 28i/2; Wilh. Henes, Bad-Nau- heim, 16i/2. 16. L. Dechert, T.-V. Gießen, 28; Hch. Unverzagt, T.-V. Gießen, 28; Ernst Koch, Alsfeld, 28. 17. Joh. Jost Keßler, Marbach, 27i/2; Lud. Noll, T.-V. .Gießen, 27i/2; Ant. Berghoff, T.-V. Gießen, 27i/2; Gg. Zörb, T.-V. Gießen, 27i/2; Rich. Schübecker, T.-V. Gießen, 27i/2; Otto Schleenbecker, Heuchelheim, 27i/2; Gust. Kurth, Wetzlar, 27i/2; Hch. Wagner I., Großen-Linden, 27i/2. 18. Hch. Pieper, T.-V. Gießen, 27; Lud. Löwe, T.-V. Marburg, 27; Friedr. Schwarz, Lollar, 27; Carl Walter, Nidda, 27. 19. Carl Beuder, Wetzlar, 26i/2; Alb. Hüter, T.-V. Marburg, 26i/2; Hugo Hellwig, M.-T.V. Gießen, 26i/2; Hch. Hartmann, Bad- Nauheim, 26i/2. 20. Jak. Otto, Wetzlar, 26; Th. Hahn, Obermörlen, 26; H. Rutz, Kirchhain, 26; Carl Wagner, Krofdorf, 26; Wilh. Weiß, Großen-Linden, 26; Carl Möller, Lauterbach, 26; Wilh. Frank, Lollar, 26. 21. Carl Euler, T.-V. Gießen, 25i/2 Gg. Fischer, T.-V. Marburg, 25i/2; Ferd. Hain, Friedberg, 25i/2; Herrn. Pfeiffer, Launsbach, 251/2; Fritz Wenzel, M.-T.-V. Gießen 251/2; Hch. Bauer, Lauterbach, 25i/2; Fritz Schmitz, Wetzlar, 25i/2; Wilh. Heß, Niederwöllstadt, 25 y2; Hier. Kraft, Lauterbach, 251/2. 22. Chr. Schmidt, T.-V. Gießen, 25; Carl Burgmann, Wetzlar, 25; Wilh. Weiß, M.-T.-V. Gießen, 25; Carl Germer, Heuchelheim, 25; Rhd. Zimmer, Lich, 25; Carl Amend, Großen- linden; Ludw. Faber, Großenlinden, 25; Wilh. Eichelmann, Bad-Nauheim, 25; Carl Bauer, M.-T.-V. Gießen, 25; Hch. Scheld, Großenbuseck, 25. 23. Carl Geitz, T.-V. Gießen, 24i/2; Alb. Bötz, M.-T.-V. Gießen, 24y2; Hch. Schn epp, T.-V. Krofdorf, 241/2 ; Karl Bender, T.-V. Krofdorf, 24i/2; Friedr. Sack, Heuchelheim, 24i/2; Hch. Hamel, T.-V. Gießen, 24y2; Earl Gries, Bad-Nauheim, 24y2. 24. Hch. Weber, Klein- linden, 24; Joh. Keßler, Marbach, 24; Leonh. Weisbeck, Schlitz, 24; Hch. Heuer, Bad-Nauheim, 24; Gg. Althenn, Leihgestern, 24. 25. Otto Wittkopp, Kleinlindeu, 23y2; Fr. Steger, Kleinlinden, 23y2; Lud. Kohlermann, M.-T.-B. Gießen, 23y2; Wilh. Pfaff, Launsbach, 23y2. 26. Ad. Möbus, Butzbach, 23; Carl Bormann, Wetzlar, 23; Gg. Löwer, Wetzf- lar, 23; Ludw. Mohr, Daubringen, 23. 27. Wilh. Weller, Kleinlinden, 221/2; Gg. Wedemeyer, Marbach, 22y2; Ludw. Mrnberger, Langgöns, 22i/2; Ludw. Gerlach, T.-V. Rodheim, 221/2; Joh. Kösser, T.-V. Marburg, 22i/2; Hans Krämer, Butzbach, 221/2. 28. Hch. Menges, Großenlinden, 22; Max Schmidet, Wetzlar, 22; Ed. Bender, T.-V. Rodheim; Adolf Muhl, Schlitz- 22. 29. Konr. Bücking, Alsfeld, 2iy2; Adolf Schmidt, T.-V. Gießen, 2iy2; Rob. Köhler, Wetzlar, 211/2; Lud. Grölz, Daubringen, 2iy2; Alb. Debus, Launsbach, 211/2; Hch. Weiß, Großenlinden, 2iy2; Wilh. Müller, Griedel, 2iy2; Carl Pfeffer, Leihgestern, 2iy2; Carl Reh, M.-T.-V. Rodheim, 21y2; Ludw. Schimmel, Heuchelheim, 2iy2. 30. Ernst Jung, T.-V. Gießen, 21; Joh. Heckervth, Kleinlinden, 21; Carl Schab, Butzbach, 21; Hch. Wagner II., Großenlinden, 21; Erw. Menzel, Nidda, 21; Aug. Artus, Langgöns, 21; Wilh. Frank, Marburg, T.-G, 21. 31. Hch. Nebeling, Nieder-Wöllstadt, 20i/2; Gg. Heller, Leihgestern, 201/2; H. Steinmüller, Kleinlinden, 20i/2; Hch. Zeiß, Griedel, 201/2; Hch. Hahn, Schlitz, 20i/2; Jul. Mudersbach, Ockershausen, 20y2. 32. Ludw. Schwaner, T.-V. Marburg, 20; Gg. Bruchmeier, Wetzlar, 20; Hch. Simon, Wetzlar, 20; Ludw. Hillberg, Daubringen, 20; H. Wagner, T.-V. Gießen, 20; Hch. Mootz, Großenbuseck, 20; Louis Valentin, M.-T.-V. Rodheim, 20; Fr. Rceh, M.-T.-V. Rodheim, 20.
-y- Klein - Linden, 31. Aug. Die „Linnesser Kirmes" nu.jm den schönsten Verlauf. Wohl selten hat sich unsere Kirmes eines solchen Zuspruchs seitens der Gießener erfreut, wie dieses Jahr. Während seither fast an jedem Sonntag em Regenschauer niedergmg und die Städter zurückhielt, lud gestern das schöne Wetter zu einem Ausflug em. Die Straße von Gießen hierher glich einem einzigen Menschen
strom, der sich an der Wetzlarerstraße teilte. Der Name „Burg" hat schon von jeher eine große Anziehungkraft auf die Gießener ausgeübt, und so war es denn gestern vielen Gästen nicht möglich, einen Sitzplatz zu finden. Der schöne „Burggarten" glich einem Menschengewoge. Die „Deutsche Eiche" war nicht minder stark besetzt; hier bildete das Karussell den Sammelplatz der Jugend. Im Rinn'schen Garten, wo die Kapelle der 118er konzertierte, war ebenfalls kein Platz zu finden.
)( Lollar, 30. August. Ein bedauerlicher Unfall er* eignete sich hier. Der Arbeiter Klingel hatte auf dem Schlackenberg der Main-Weser-Hütte durch Schüsse Schlackenmassen gesprengt. Nach einem Schuß rollten unversehens Schlackenmassen von oben nach und trafen den Arbeiter. Er rüg einen komplizierten Unterschenkelbruch davon.
t. Reiskirchen, 30. August. Ein Apfelbaum hier hängt voller Früchte und steht dennoch im vollsten Blütenschmucke. — Eine hiesige Bäuerin, welche nach Gießen fuhr, bestieg einen Wagen vierter Klasse, der ziemlich besetzt war. Ein Reisender machte die Frau darauf aufmerksam, daß auf einer Bank noch Platz zum Sitzen da sei. Sie erwiderte jedoch: „Nein, das tu ich nicht. Wenn der Schaffner nichts zu mir sagt, dann setz ich mich auch nicht." Die Frau stand natürlich bis nach Gießen.
-i- Grün berg, 31. August. Gestern sand die 50- jährige Erinnerungsfeier der Einweihung unserer Stadtkirche statt. Am Vormittag wurde die Feier durch einen Festgottesdienst eingeleitet und um Nttttag spielte die Stadtkapelle vom Turm der Kirche Choräle. Em Jugend- und Volksfest fand am nachmittag auf dem Wrarktplatz an der Gießener Straße statt. Der Jestzug wurde um 2 Uhr auf dem Schulplatz aufgestellt. Es nahmen daran teil die gesamte Schuljugend, Kirchen-, Schul- und Stadtvorstand und die hiesigen Vereine. Auf dem Festplatz hielt Pfarrer Schmidt die Festrede. Es entwickelte sich alsdann bei herrlichstem Wetter ein reges Treiben. Am Abend marschierte der Zug wieder nach der Stadt zurück. Die neue Stadtkirche wurde in den Jahren 1846 bis 1853 durch Oberbaurat Müller- Gießen erbaut und kostete mit Orgel, Uhr, Glocken u. s. w. naherzu 80 000 Gulden. Die Einweihung vollzog Superintendent Simon-Gießen am 28. August 1853. Die Stadtkirche ist an Stelle der im März 1816 eingestürzten Marienkirche erbaut. Sie wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts im Basilikastil erbaut.
k- Niederklein, 30. August. Am Donnerstag abend brach in der Stallung des Landwirts Franz Schwink Feuer aus. Da fast sämtliche Einwohner wegen dringender Erntearbeiten auf dem Felde beschäftigt waren, konnte sich da- Feuer ungestört ausbreiten. In kurzer Zeit waren zwei Wohnhäuser mit Stallungen und Scheunen ein Raub der Flammen. Nur der günstigen Windrichtung war es zu verdanken, daß das Feuer nicht so große Ausdehnung annahm, wie am 9. Dezember v. I., an welchem Tage ca. 25 Gebäude hier niederbrannten. Man vermutet, daß einige vier- bis fünfjährige Kinder, welche in dem erwähnten Stalle spielten, das Feuer angezündet haben.
R. Bl Darmstadt, 30. Aug. Die 40. Jahreshauptversammlung des Mittelrheinischen Gas- und Wasserfachmänner-Vereins ist heute vormittag im städtischen Saalbau unter sehr zahlreicher Beteiligung eröffnet worden. Am Mend zuvor fand eine gesellige Vereinigung statt, wobei u. a. Regierungsrat Noack eine mit köstlichem Humor gewürzte Rede über die Naturgeschichte der Gas- und Wasserfachtnänner hielt. Auch zahlreiche Damen wohnten dem Unterhaltungsabend bei, der durch den Gesang einer Reihe hübscher Lieder und eines poetischen „Willkumm, Gas- un Wasserleit in Darmstädter Mundartt^ von H. Enders, verschönt wurde. Die heutigen Verhandlungen leitete der Vorsitzende des Verbandes, Gas- und Wasserwerksdirektor Merz-Kassel ein. Namens der Großh. Regierung begrüßte Geh. Oberbaurat Klingel- Höfer die Versammlung. Regierungsrat Wick hieß die Versammlung namens der Provinzial- und Kreisbehörden willkommen, und Beigeordneter Eckert sprach die Grüße der Stadt Darmstadt aus. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht, aus welchem hervorgeht, daß der Verein, der zurzeit 198 Mitglieder zählt, sich sehr erfreulich entwickelt hat und mit gutem Erfolg für die Förderung der fachlichen Aufgaben eingetreten ist. Gaswerkdirektor Friedrich-Darmstadt gab einen Rückblick über die Geschichte der Gasfabrikation und besonders der Darmstädter Gasanstalt. Das alte Gaswerk warf in den letzten 22 Jahren mehr als 4 Millionen Ueberschuß ab. Ter Gas-- verbrauch hat in Darmstadts einen derartigen Umfang angenommen, daß unsere Stadt hinsichtlich des Gasverbrauchs pro Kops der Bevölkerung an erster Stelle steht und bezüglich der allgemeinen Durchführung des Auerlichts bei der Sttaßenbeleuchtung selbst den deutschen Großstädten vorangegangen ist. — Regierungsbaumeister Rudolph-Darmstadt besprach die neue Darmstädter Gasanstalt, die 1901/02 mit einem Kostenaufwand von 23/4 Millionen Mark errichtet wurde. Direktor Feh- mer-Darmstadt gab ein Bild von der Entwickelung des städtischen Elektrizitätswerks, der städtischen Straßenbahn und des Wasserwerks, worauf Privatdozent Dr. Kipp ler- Darmstadt Mitteilungen über seine im städtischen Gaswerk gemachten Erfahrungen bezüglich des Naphthalin- und Cyanwasserbetriebes machte. Dieselben hätten sich bisher sehr gut bewährt und Dr. K. glaubt, daß man statt des trockenen Reinigungsverfahrens in den Städten überall zu dem neuen Naßwaschverfahren übergehen werde. Nach einer längeren Frühstückspause fand eine Besprechung über das ganze Gebiet des Gas- und Wasserversorguugswesens statt. Bei der Vorstandswahl wurde der alte Vorstand wiedergewählt und zum Vorort, für die nächste Versammlung Bruchsal bestimmt. Am Nachmittag sand ein allgemeines Festessen und Konzert im Saalbau statt.
k. Mainz, 30. Aug. Während der eiserne Oberbau an der Rheinüberbrückung für die neuen Bahnlinien^ Mainz-Wiesbaden und Mainz-Bischofsheim mit staunenswerter Schnelligkeit vorwärts schreitet und man an dem dritten Bogen in den linksseitigen Stromarbeiten schon damit beschäfttgt ist, die Schlußteile in das mächtige Eisenwerk einzufügen, sind die steinernen Oberbauten auf den verschiedenen Landpfeilern noch ziemlich im Rückstand. Wie wir erfahren, ist der Grund der Verzögerung dieses Teiles des Brückenbaues darin zu suchen, daß die Pläne für die Pfeileroberbauten, bei welchen auch fortificatorische Interessen mitbestimmend find, verschiedentlich weitgehende Aenderungen erfahren haben und von den ursprünglichen zum größten Teil hier entworfenen Plänen nur sehr wenig xur Ausführung kommt. Die neuen, jüngst dem Kaiser


