an läge sei sehr schön gepflegt und die darin stehenden Obstbäume seien recht wertvoll. Er habe in Frankfurt häufig mitgewirkt und dort würden Obstbäume bei Geländeerwerb- ungeu besonders bezahlt. — Architekt Hamann kann über die Tatsache berichten, daß Kommerzienrat Emmelius für Baugelände an der Wilh.tmstraße den Quadratmeter mit 20 Mark bezahlt hat. — Archit'kt Meyer bekundet, daß die Firma Stein u. Mever oberhasb der Ludwigstraße vor ctL 6 Jahren das Katzenfteinsche G.'lände, etwa 10 000 Qm. groß, für 5 Mk. pro Qm. erworben habe. Es unterliege wohl keinem Zweifel, daß das Gelände heute mehr als den doppelten Betrag des dafür gezahlten Preises wert sei. Auf Befragen des Justizrats Hirschhorn bemerkt Herr Meyer, daß der in Rede stehende Geländ^kaus kurze Zeit später gemacht wurde, nachdem die Stadt Gießen das Rabenausche Gelände für einige 90 Psg. den Qm. gekauft hatte, welches von der Stadt teilweise für 10—12 Mk. pro Quadratmeter inzwischen weiter verkauft ist. Auf die weitere Frage, ob das Stein und Meversche G lande unterhalb der Schönen Aussicht heute wohl für 10—12 Mk. zu kaufen sei, bemerkt Herr Meyer, er könne sich hierzu nicht äußern, er glaube aber, der Preis sei zu gering, da es nicht zweifelhaft sei, daß der von ihm gekaufte Platz Baugelände an der zu verlängernden Ludwigstraße werde. Rechtsanwalt Katz richtet an Architckt Meyer die Frage, welchen Bauwert das Gabrielsche Haus habe und erhält die Antwort, das; ein solches Haus nicht unter 35 000 Mk. zu bauen wäre. (27 000 Mk. hat die Lokalkommissiön dafür zugebilligt.) Bauinsp^ktor Becker wünscht von dem Zeugen zu wissen, ob er den Wert des Gabrielschon Hauses als altes Gebäude, das es doch eigentlich sei, auch mit 35 000 Mk. veranschlage. Architekt Meyer bejaht diese Frage und motiviert seine Ansicht damit, daß das Haus baulich sehr gut unterhalten sei, und daher genau so viel wert sei als ein gleiches neu erbautes Haus. Weiter deponiert Herr Meyer, oaß er das Gelände, welches seitens des Staates für die Kliniken in Aussicht genommen sei, für Baugelände halte. Es sei ihm bekannt, daß der Stadterwciterungsplan, der die Fortsetzung der Ludwigstraße und deren Nebenstraßen enthalte, um deswillen noch nicht aufgestellt sei, weil man erst habe abwarten wollen, wie sich die Kliniksprojekte gestalten, da man nur im Anschluß an diese die Straßen- führung ?c. vornehmen könne. Daß früher die Absicht bestanden hat, die Hofmannstraße durchzulegen rc., ist dem Zeugen bekannt, allerdings waren dies nur Projekte, es handelte sich dabei nicht um schon genehmigte Straßen.
Rechtsanwalt Katz beantragt, für den Nachmittag den Stadtgeometer Wißner zu laden, der im Auftrag des ehemaligen Oberbürgermeister Gnauth für einzelne Interessenten Stadtpläne angefertigt habe, in denen die Straßen, um welche es sich handele, eingezeichnet worden seien.
Ingenieur Gutmann bekundet, er habe die Absicht, in einer Querstraße der Frankfurterrstaße einen Bauplatz mit 20 Meter Frontlänge zu erwerben und eS sei ihm von dem Besitzer für den Quadratmeter 40 Mk. ab- verlangt worden, und zwar unter der Begründung, ein sehr hoher städtischer Beamter habe das Land zu diesem Preise taxiert. — Dauinspektor Becker bemerkt dazu, daß es ohne nähere Angabe der Lage des Grundstückes, von dem Herr Gutmann gesprochen, nicht möglich sei, die von diesem gemachte Angabe zu prüfen. Herr Gutmann erklärt, die Straße, an der das fragliche Gelände liege, sei noch nicht da, aber dieselbe komme ganz sicher, und das von ihm erwähnte Grundstück sei als Bauplatz für Villen geeignet, er stehe deshalb noch im Handel und könne daher weitere Angaben, ohne sich zu schaden, nicht machen. Gutmann verweist dann auf die Preise, welche in letzter Zeit für Gelände an der Frankfurterstraße gezahlt worden sind, u. a. vom Staat an Prof. Boström 19 Mk. für den Quadratmeter, und erklärt, daß er das Gelände zwischen Klinik- und Wilhelmstraße für viel wertvoller erachte für Villenbauten als Gelände an der Frankfurterstraße, welche als ruhige Straße nicht zu bezeichnen sei wegen des starken Verkehrs, und die auch wegen des dadurch hervorgerufenen Staubes keine angenehme Lage für villenartige Gebäude sei.
Ingenieur Poppe-Frankfurt äußert sich über die Möglichkeit, die Wasserförderung, welche heute für die Villa und Parkanlage der EknlS-Erbcn teilweise durch einen Windmotor geschieht, später, da dieser mit den Wasserreservoiren den Kliniksbauten zum Opfer fällt, durch den Gasmotor zu betreiben. Die Lokalkommission hat als Ersatz für die Reservoire die Aufstellung eines solchen von 8—10 Kubikmeter Inhalt auf dem Dachstuhl der Villa vorgeschlagen. Der Sachverständige ist der Ansicht, daß diese Möglichkeit, Ersatz zu schaffen, nicht vorhanden sei, da er nicht glaube, daß der Dachboden ein solches Reservoir tragen könne. Wenn es möglich sei, ein genügend großes Reservoir aufzustellen, so glaube er, daß der vorhandene Gasmotor genüge. Ob indessen der untere Brunnen genüge, wenn der obere durch die Enteignung wegfalle, könne er nicht angeben; und daß ohne Anschluß an die städtische Wasserleitung das Wasser für HauS und Park nicht beschafft werden kann. — Architekt Stein erklärt, daß er mehrfach den Versuch gemacht habe, bei der Stadt die Wetterführung ,er Ludwigstraße zu erreichen, um auf dem früher Katzen- teinschen Gelände bauen zu können. Es sei ihm aber auf »er Bürgermeisterei der Bescheid geworden, daß die Straßenfestsetzung für jene Gegend, da diese innig mit den Kliniksbauten Zusammenhänge, erst erledigt werden könne, wenn genau fcststehe, an welcher Stelle die Kliniken ihren Platz finden. Nach seiner Ueberzeugung, so erklärt Stein, wäre daS ganze Gelände links der Frankfurterstraße usw. längst zur Bebauung freiaeaeben, die Ludwigstraße mit ihren Nebenstraßen wäre längst durch- geführt, wenn die Kliniksprojekte nicht in der Lust gelegen hätten. Er habe seinerzeit einen Plan besessen, der vom Geometer Wißner aufgestellt war, worauf die verlängerte Ludwigstraße usw. eingezeichnet gewesen sei. ES sei nach seiner Ansicht aar kein Grund vorhanden, weshalb man die Bebauung oeS fraglichen Geländes nicht hätte freigeben können, außer dem Grund, daß man die Kliniken darauf habe bauen wollen. — An der Hand deS amtlichen Bebauungsplanes der Gtadt Gießen ent,pinnt sich zwischen Bauinspektor Becker und Architekt Stein eine Auseinandersetzung, inwieweit Straßen, die darauf eingezeick>net sind, nur als Projekte oder als feststehende genehmigte Straßen anzuseben seien und als solche auch erkennlich sind. ES ergiebt sich, daß der Plan darin nicht genau ist, indem einzelne schon genehmigte Straßen in derselben Farbe angelegt sind, wie die projektierten Straßen zwisck)en Wilhelm- und Klinikstraße, um welche die Parteien streiten. Mithin ist der Plan bezttgl. der inzwischen genehmigten Straßen nicht uackjaetragen.
Architekt Kockerbeck weist darauf hm, daß für Ackerflächen an der Liebigstraße in der Nähe der Heyligen- städtischen Fabrik als Bauland 16 Mark für den Meter beyili sind. Er habe vor 6 Jahren für eine Ballgesellschaft
das Gelände zwischen Wilhelm- und Klinikstraße kaufen und für den Quadratmeter bis zu 10 Mark geben wollen, falls dort Dauerlaubnis erteilt werden würde. Er habe aber auf der Bürgermeisterei den Bescheid erhalten, daß man vorerst nicht darauf rechnen könne. Dos Hintergelände der jetzt mehr und mehr ausgebauten Wilbelmstraße sei das schönste Baugelände, welches wir in oer Stadt noch hätten.
Ehristoph Bieker erklärt, er habe seinerzeit für den Bauunternehmer Dinn für daS Plantsche Gelände hinter der Frankfurt erstraße für den Quadratmeter 10 Mark geboten, Plank habe jedoch dafür nicht verkaufen wollen. Später habe er nach Rücksprache mit Winn dem Plank 12 Mark für den Meter geboten, ohne diesen bewegen zu können, sein Gelände zu verkaufen. Ihm sei bekannt, oatz Winn später direkt mit Plank wegen Ueberlassung eines Teiles des Geländes vergeblich verhandelt habe, trotzdem dieser, wie er gehört habe, zwischen 14—15 Pik. pro Meter bot.
Auf Befragen erklärt Bieker, er habe sein zwischen Klinik- und Wilhelmstraße liegendes Ackergelände freihändig für 5 Mark an den Staat verkauft, nachdem der Ortsgerichtsmann Keller ihm versichert habe, der Staat gebe nicht mehr dafür und die andern Eigentümer erhielten denselben Betrag. Wenn er, B., nicht verkaufen wolle für das Gebot, dann würde das Gelände enteignet. Einen Prozeß habe er nicht haben wollen, und um so mehr den freihändigen Verkauf vor- gezogcn, weil er nicht gewußt habe, daß ihm Kosten durch das Enteignungsverfahren nicht erwachsen würden. Hierzu sei gekommen, daß schon ftüher einmal für seine Familie bei einer Geländeenteignung auch nicht mehr herausgesprungen wäre, als was man bei freihändigem Verkauf hätte erreichen können. Er sei auch Geschäftsmann, habe für das Gelände sein Geld bekommen uno mit diesem wieder Geld verdient. Bieker erklärt aber, er sei sehr gern bereit, für das erhaltene Geld mit Zinsen sein dem Staat überlassenes Geländestück zurückzunehmen, wenn die Kliniken dort nicht hinkommen.
Der Rentier Senner erklärt, er habe als stellvertretender Ortsgerichtsmann mehrere Male mitgewirkt bei ortsgerichtlichen Taxationen. Er halt das an der Ludwigstraße verkaufte Gelände von Heß-Erben für 19 Mark den Meter und das von Emmelius erworbene Terrain für 20 Mark für nicht zu hoch bezahlt. Zu dem Geländeerwerb des Rechtsanw. Grünewald zwischen Leihgesterner- weg und Wilhelmstraße (v. d. ev. Pfarrerei), das mit 10 Mark pro Meter bezahlt ist, äußert sich Herr Senner dahin, daß der gezahlte Preis nach seiner Ansicht sehr billig ist.
Obergärtner Schildknecht und der Gärtner Earl Becker haben den Wert der Obstbäume usw. auf dem Gabriel'schen Besitztum taxiert und zwar im Auftrage des Eigentümers. Man sei dabei so Verfahren, indem man aus dem dreijährigen Ertragsergebnis den Durchschnitt genommen, 10 Prozent für Amortisation und Kosten der Pflege der Bäume in Abzug gebracht, und dann den so reduzierten Ertragswert mit 4 Prozent kapitalisiert habe, um dadurch den Kapitalwert der Pflanzung festzustellen. Beide Sachverständige erklären, daß man in dieser Weise überall verfahre, um den Geldwert von Obstbäumen festzu stellen. Schildknecht bekundet weiter, daß oie Obstbäume usw. im Gabriel'schen Garten überaus gut gepflegt seien und aus den edelsten Sorten beständen.
Landgerichtsrat Dr. Schäfer wünscht zu wiflen, ob der Sachverständige bei der Annahme der Erträgnisse auch in Rücksicht gezogen habe, daß die Obstbäume nicht in der geschützten Lage, wie z. B. in Vilbel ständen. Herr Schildknecht bemerkt, daß nach seiner Erfahrung das Er- trägnis von Obstbäumen, welche in der Weise, wie die Gabriel'schen auf der Höhe stehen, viel gleichmäßiger sei, als dasjenige von Obstbäumen im Tal, z. B in der Lage bei Vilbel.
Der Zeuge Gärtner Münzinger erklärt, er habe seinerzeit die Gärtnerische Anlage vor den neuen Kliniken angelegt. Hierbei habe er von dem staatlichen Banaspi- ranten Bopp die Weisung erhalten, die Bäume so zu pflanzen, daß diese bei Anlage einer Straße, von der Wilhelmstraße aus auf das Verwaltungsgebäude der Kliniken mündend, welche vorgesehen sei, nicht wieder entfernt zu werden brauchten. Ebenso habe er Anweisung durch jenen Herrn erhalten, der Direktor-Wohnung entlang nur Sträucher zu setzen, weil, wenn die Straße komme, dort entlang dieser eine TZ an er vorgesehen sei. Es werden dann noch die städtischen Dauakten betr. die Hoftaithe Gabriel, und zwar auf Antrag der Mitglieder des Provinzialausschusses, verlesen. Nach diesen hat der Vater des jetzigen Besitzers, Bahnhofs-Inspektor Gabriel im Jahre 1870, nachdem er auf Gas, Wasser und einen gepflasterten Weg Verzicht geleistet, die Bau-Erlanbnis erhalten.
Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen. Der Vorsitzende Provinzial-Direktor Dr. Breid er t verkündet den Beschluß, daß alle weiteren Beweisanträge abzulehnen seien, weil alle Momente, welche bei "ber Beurteilung Der zu prüfenden Fragen mitspielen, genügend erörtert und geklärt sein. Es folgen die Plaidoyers.
Schluß folgt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, am 31. März 1903.
** Von der Schule. An dem hiesigen Realgymnasium und der Realschule erhielten infolge ihrer ausgezeichneten Leistungen und guten Führung folgende Schüler Prämien: 1. Realgymnasium. Oberprima: Schelhorn, Kemmer; Unterprima: Sch laudraff; Obersekunda: Wild; Quinta: Roll off; Sexta: Schenk. 2. Realschule. Untersekunda; Feller; Obertertia: Franz, Untertertia: Röderer; Quinta: Troß, Marx; Sexta: GanS.
"Evangelischer Bund. Der Familienabend deS hiesigen ZweigvereinS deS Evangelischen VundeS am Sonntag in SteinS ©arten war sehr zahlreich besucht. War ja doch auch die Persönlichkeit deS für den Abend gewonnenen Redners die beste Zugkraft. Professor Sell von Bonn entwickelte in einer wahrhaft musterhaften Rede die historische Entwickelung deS deutschen Volke» in seiner Beziehung zum Evangelium, und zeigte, wie erst durch die Reformation der Kern desselben auS der verzerrten Kirchengestalt heroorgehoben und Deutschland zum Mittelpunkt eine! neuen Geisteslebens gemacht wurde. Gespannte Aufmerksamkeit folgte dem Vortrage deS Redner- und mehrfach wurde der Wunsch laut, daß die tief durchdachte Rede im Drucke erscheinen möchte. — Im weiteren Verlaufe deS Abends teilte der Vorsitzende de» hiesigen
ZweigvereinS nach einigen einleitenden Worten mit, daß dem Vorstande von verschiedenen Seiten nahegelegt worden sei, zur Jesuitenfrage Stellung zu nehmen. Der Vorstand sehe sich deshalb zur nachstehenden Erklärung veranlaßt:
„Seitens des Vorstandes des hessischen Hauvwereins des Evangelischen Bundes ist in einer Eingabe an die Großh. hessische StaatSregieruna gebeten worden, sich jeder Aenderung des Jesuitengeseyes genenfiber durchaus ablehnend itu verbalten, und an das Grohh. Lberkonsistorium wurde die Bitte gerichtet, daß es sich in gleichem Sinne bei höchster Staatsbehörde aussprechen möge.
Unter diesen Umstanden erachtet es der Vorstand deS hiesiaen Zweigvereins des Evangelischen Bundes für nicht mehr notwendig, noch weitere Schritte in dieser Sache zu hm. Der Vorstand wurde eine Aenderung des Gesetzes im Interesse sowohl der Evangelischen, sowie auch der Katholiken der Gefährdung des konfessionellen Friedens wegen auss tiefste bedauern, und es hegt zu unserer hessischen Staatsregierung das fefte Vertrauen, daß sie in jeder ihr möglichen Weise gegen die geplante Aenderung des Gesetzes wirken werde."
Auch diesmal wieder hatte der tresstich geschulte Chor und Solistinnen deS Evangelischen Arbeitervereins unter Leitung ihres tüchtigen Dirigenten, deS Herrn MusiklehrerS Gernhard, zur Verschönerung deS Abends beigetragen. Weiter brachten Frau Professor Rahn und Fräulein Ida Stammler zwei MendelSsohn'sche Duette in vorzüglicher Weife zum Vortrage. — Sehr erfreulich war eS, daß tm Verlaufe deS Abends eine größere Anzahl neuer Mitglieder dem hiesigen Zweigverein beitraten.
" Eine fa ft totale M ondfinstemiS steht am 11. April bevor. Der Anfang ist um 11 Uhr 35 Minuten, das Ende 2 Uhr 52 Minuten (mitteleuropäische Zeit). Der Höhepunkt ist um 1 Uhr 13 Minuten, wo 0,97 des Mond- durchmessers verfinstert ist.
-o- Bieber, 29. Marz. DaS Fest der goldenen Hochzeit beging heute der Bergmann Johannes Schmidt von hier, welcher sich einer so seltenen Rüstigkeit erfreut, daß er noch jetzt in der Gebr. Stummschen Grube tätig ist. Es war ein ergreifender Anblick, als gegen Schluß des Gottesdienstes in der Kirche zu Rodheim das Jubelpaar, von dem Geistlichen an der Tür empfangen und von Kindern und Enkeln geleitet, unter den Klängen deS Posaunenchores zum Altar zog, wo eS nach einer Ansprache des Pfarrer Vömel aufs neue eingesegnet wurde. Alsdann wurde dem ehrwürdigen Paar die Ehejubiläumsmedaille nebst Schreiben auS dein Geheimen Zivilkabinet deS Kaisers, sowie als Geschenk der Kirchengemeinde eine schöne Bibel überreicht. Mit einem Loblied, von dem Posaunenchor vorgetragen, schloß die einfache und doch erhebende Feier. Möge dem Jubelpaare ein friedlicher und gesegneter Lebensabend beschieden sein!
vermischtes.
* Berlin, 30. März. In einem Hause der GerichtS- straße versuchte sich der 25jährige Kutscher Hamer- lin g und das 22jährige Dien stmädchen K ühn wegen unglücklicher Liebe durch Einatmung von Kohlengasen zu vergiften. Es gelang jedoch nach langen Bemühungen, dieselben ins Leben zurückzurufen. — Der früh?re Wucherer Stahl hat sich in dem Augenblick in einem Geschäftskontor erschossen, als er wegen verschiedener Vergehen durch die Kriminalpolizei verhaftet toerben sollte.
♦ Naumburg a. d. S., 30. März. Der Buchbinder Floeflel hat sich und seine zwei Kinder durch GaS- Vergiftun g getötet
* Geestemünde, 30. März. Der Heringö- dampfer ^Georg Adolf" ist von seiner Fangreise nach Island bis jetzt, nach Ablauf von vier Wochen, nicht zurückgekehrt. Wahrscheinlich ist er mit der aus zwölf Mann bestehenden Besatzung untergegangen. *Da3 ist der siebente Fischdanrpfer, der in diesem Winter verloren gegangen ist.
*London,30. März. Tie Leiche des Generals Mae» don ald, die gestern hier eingetroffen ist, wurde nach Edinburgh weiter transportiert. Wie über die Persönlichkeit Macdonalds noch bekannt wird, hatte derselbe sich im Jahre 1882, als er noch Unteroffizier war, mit einem Mädchen aus Porth verheiratet, jedoch nach seinen militärischen Erfolgen jegliche Beziehungen zu der jungen Frau abgebrochen. Von dieser Heirat des Generals hatten nur wenige Personen Kenntnis.
* Paris, 30. März. Der Schriftsteller Marcel Prevost, der heute zum Vorsitzenden der Soeiete des qcn§ de lettreS gewählt wurde, (die besten seiner sehr amüsanten und kokett geistreichen Werke sind in guter Verdeutschung bei Albert Langen in München erschienen^, war auf dem Wege zum Vereinslokal der Gegenstand eines Attentats. Eine Dame, die behauptet, von Prevost verlassen worden zu sein, feuerte zwei Reoolverschüfsc auf ihn ab, ohne zu treffen.
Wien, 30. Marz. Den Abendblättern zufolge wurden im 10. Gemeindebezirk Blättern-Erkrankungen konstatiert. Es handelt sich indessen um leichtere Falle. Die Erkrankten wurden ins Kaiser Josef-Hospital überführt.
* Erdstöße. In Hechingen wurde am 30. März ein hastiger Erdstoß in der Richtung von Osten nach Westen verspürt, der von unterirdischem Getöse begleitet war. Auch tm Nagoldtale wurde ein Erdbeben verspürt. — Eine ähnliche Nachricht kommt aus Jerusalem. Dort wurde zur selben Zett ein plötzlich auftretender sta ker Erdstoß verspürt, der die gesamte Bevölkerung in Schrecken versetzte. Es ist nur geringer Schaden entstanden.
♦ Ehristian Allers. Einem Neapeler Telegramm zufolge ist der deutsche Zeichner Allers auf Antrag der Staatsanwaltschaft vorGericht verwiesen worden. (Man erinnert sich, daß AllerS «während derKruppaffäre eine zweifelhafte Rolle auf Capri geffricü hat. D. Red.)
* Zum Rothe-Prozeß. ES wird gemeldet, eS errege in ber ganzen Schweiz peinliches Aufsehen, daß der Präsident deS Züricher Kassationsgerichts, Sui* er, der bekanntlich im Prozeß gegen daS Blumenmedium Anna Rothe als Zeuge aufgetreten ist, der Rothe Glauben fck-enkte. Tie „Baseler Ztg." legt Herrn Sulzer den Rücktritt vom Richteramt nahe und diese Auflassung sofl mit der öffentlichen Meinung im Kanton Züricy tm Einklang stehen.
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