Ausgabe 
30.10.1903 Zweites Blatt
 
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Tie von der Baudeputation vorgeschlagene Er h ö h- uug des Kredits für die Unterhaltung detz Straßen Pflasters für das laufende Jahr um ICOO Mk. wird ohne Debatte genehmigt.

Ein kleiner Zusatz zu dem Vertrag mit der Ge­meinde Queckborn, der schon am 8. Oktober der Be­ratung der Versanunlung vorgelegen hat, wird auf "Antrag der Queckborner Gemeindevertretung und Befürwortung der Baudeputation angenommen.

Für die Kläranlage und das Haupt ab sluß siel wird das linke Lahnufer entlang die Enteignung von Gelände beantragt. Es haben darüber seither schon Verhandlungen geschwebt, die nicfyt zum Ziele führten, da die Besitzer (es sind zusanrmen ca. 50) zu hohe EntsclMigungen forderten. Die Versanunlung beschloß nun nach den Auseinandersetz­ungen des Oberbürgermeisters an der Hand der Pläne, die Enteignungen zu den anfänglich! festgesetzten Taxwerten, die zwischen 30 Pfg. und 3 Mk. such bewegen, ins Werk zu setzen und zwar von zusammen 71800 Quadratmeter für die Kläranlage und 22 500 Quadratmeter für den Kanal. Tie Gesamtsumme, um die es sich handelt, beträgt etwa 40000 M k.

Ter Firma Jäger il Rumpf werden Kanalarbeit en übertragen für die Westanlage im Betrage von 11000 Mk. und für den Schiffenbergerweg von 3000 Mk.

Im Schulhause in der Neustadt betrug seither die Ver­gütung für die Reinigung von 3 K l a s s e n r ä u m e n 75 Mk. Da eine Klasse hinzugekommen ist, genehmigt die Versammlung die Erhöhung der Vergütung auf 100 Mk.

Außerhalb der Tagesordnung wird dem hiesigen Zweig verein vom Roten Kreuz auf seinen Antrag

Ausbildung einer Hilfskolonne mit Befürwortung des ors Hahn zu bestimmten Zeiten die Turnhalle der

Stadt -Mädchenschule kostenlos zur Verfüg­ung gestellt.

Bezüglich des Erlasses einer Polizeiverordnung .wegen Verabfolgung geistiger Getränke sollen noch Erhebungen angestellt werden; dieser Punkt wird daher von der Tagesordnung a b g e s e tz t.

Das Gesuch um Erlaubnis zum W i r t s ch a f t s - betrieb des Aug> und Louis Datz hier für'Selters­weg 23 wird genehmigt, das der Oranienbrauerei zu Dillenburg für Neustadt 1 wird, wie früher schon einmal, weil in der Nähe schon 15 Wirtschaften sich be­finden, abgelehnt, das des Phil. Hofmann für Wetz­steingasse 8 dagegen genehmigt.

Damit war die Tagesordnung erschöpft. Es werden von einzelnen Stadtv. nod) verschiedene Angelegenheiten zur Sprache gebracht.

Stadtv. Emmelius führt Klage darüber, daß von Spaziergängern im Philosophenwald beim Betreten des Waldes und Sammeln von Laub so viel Pflanzungen weggerissen und zerstört würden. Die Stadt möge veranlassen, daß hier Abhilfe geschaffen werde.

Stadtv. LZirr will bei Beerdigungen auf dem Friedhof am Rodberg mehr als bisher zur Auf­rechterhaltung der Ordnung getan wissen. Es sei bei größeren Beerdigungen seither leider vielfach vorge­kommen, daß Neugierige und Unbeteiligte in großer Zahl sich in das Schiff der Kapelle gedrängt und dort den Leid­tragenden den Platze versperrt hätten. Er schlage vor, daß man durch einen entsprechenden Anschlag am Hauptportal diese Störungen zu verhindern suchen möge. Unbeteiligte möge man auf die Emporen verweisen und das Friedhofs- Personal demenfiprechend anweisen. Auch am Grabe selbst würden die Leidtragenden vielfach durch unberechtigten Andrang im Platze beschränkt; man solle Sorge tragen, daß die Neugierigen mehr im Hintergründe sich aufstellten.

Oberbgm Mecum ist auch zu Ohren gekommen, daß bei einer letzten größeren Beerdigung durch Neugierige, ^darunter Frauen in hellen Kleidern, Störungen, sogar Wortwechsel und Streitigkeiten, vor- gekommen seien. Der Friedhossaufseher habe bei Beerdig­ungen viel zu tun und sei nicht in der Lage, überall die Ordnung aufrecht zu erhalten. Er, der Oberbgm., wolle versuchen, durch Anbringung einer Tafel mit Aufschrift am Portal diesen Zuständen abzuhelsen. Er fügte noch hinzu, daß es ihm sehr leid tun würde, wenn das nichts nützen und er genötigt würde, durch uniformierte Potizeibeamte solchen Störungen zu begegnen. (Tresen wirklich beschämen­den Vorkommnissen muß in der Tat energisch entgegen- ^etreten werden. Wie gefühllos und roh ist es, wenn an

so ernstem Ort die Neugierde sich! breit macht. Es ist sehr lehrreich, auf die Personen an achten, die in Hellen Kleidern sich auf Friedhöfen so ordinär benehmen. Fruchtet die Tafel am Portal nichts, dann sollte man mit solchem Ge­lichter allerdings kurzen Prozeß machen. D. Red.)

Stadtv. Kirch erklärt, er habe auch wiederholt Leid­tragende klagen gehört darüber, daß beim Austritt aus der Kapelle zum Grabe selbst unwürdige Zustände herrschten. Die Neugierigen drängten sich zuerst zur Tür hinaus und besetzten die Treppe, sodaß die Leidtragenden nicht wüßten, wohin sie sich! zu begeben hätten. Er schlage vor, dem abzuhelfen, indem man auf der anderen Seite den Aus­gang nehme, hinter der Kapelle herum sich begebe und in geordnetem Zug hinter dem Sarg zum Grabe gehe, wie das überall der Fall sei. Es würde sich vielleicht auch empfehlen, den Friedhofswärter auf dem alten Friedhof zur Aufrechterhaltung der Ordnung hinzuzukonrinandieren. Beig. Georg: meint, die FriedhofsLommission möge die Sache in die Hand nehmen, worauf Stadtv. Haubach bemerkt, er glaube nicht, daß dies nötig werde, da die Verhältnisse auf dem Friedhof eben noch neu seien und nach den vorgebrachten Anregungen die Sache sich tvohl ganz von selbst machen werde.

Auf eine Bemerkung des Stadtv. P i r r erklärt Oberbgm. Mecum, es stehe bei Begräbnissen aus dem Friedhof am Nahrungsberg jedermann frei, dort, wie auf dem neuen Friedhof, die Kapelle zu benutzen. Auf Antrag werde sie kostenfrei. zur Verfügung gestellt. Nur dürften der Stadt sonst keine Unkosten verursacht werden.

Damit ist die öffentliche Sitzung beendet.

Zer Irozeß wegen Kindesunterjchreöung gegen Sie Orafin Kwilecki.

in.

Berlin, 29. Okt.

Die Zeugin Falkonska bestätigt nochmals ihre gestrige Aussage. Sie habe Tinge beobachtet, woraus sie bis in die neueste Zeit auf einen intimen Verkehr des Grafen und der Gräfin schließe. Ein entfernter Verwandter der Gräfin, Rentier v. Moszenski erklärt, als er den Knaben gelegentlich gesehen habe, sei ihm sofort die Fa­nlilienähnlichkeit aufgefallen. Die Hebamme, die die Gräfin vor 24 Jahren entbunden hat, bekundet, die Ent­bindung sei leiast gewesen. Fräulein v. Ward eska bemerkt, die Hanpidelastungszengin Andruszewska sei in Wroblewo schlecht behandelt worden; sie wurde nach ihrer Aussage mißhandelt, weil sie sich weigerte, ihr vorgelegte Papiere zu unterschreiben. Die Falkonska hält der Zeugin vor, daß sie in Gegenwart einer Schwester der Falkonska gesagt habe, sie sei von der Gräfin schlecht behandelt wor­den, sie werde sich rächen. Die Wardeska behauptet nur von schlechter Behandlung gesprochen zu haben. Land- aerichtsrat Foth, der die Untersuchung .führte, erklärt, die Ermittelung der Wahrheit sei besonders schwierig ge­wesen wegen des grenzenlosen Unterwürfigkeitsgefühles der meisten Zeugen, besonders der Ossowska. Sie habe erst ein Geständnis abgelegt, nachdem sie durch ein Schriftstück schwer belastet sei, das ein Schuldbekenntnis enthielt. Die Arbeiterfrau L e w a n d o w s t a will bestimmt wissen, daß die alte Andruszewska am Geburtstage des Knaben sowie vorher in Wroblewo anwesend war. Hedwig Andruszewska ei allgemein für verrückt gehalten worden. Andere Zeugen wissen nicksts von der Anwesenheit der Andruszewska am Geburtstage des Knaben. Zeugin Boguslawa sah die Gräfin 1896 im leichten Neglige und bemerkte, daß die Gräfin in anderen Umständen war. Frau v. Poninska suchte die Angeklagte am dritten Tage nach d-er Geburt aus und fand sie ganz im Zustande einer Wöchnerin, blaß, ermattet und stark gealtert. Sie sei der innersten lieber* zeugung, daß die Gräfin wirklich geboren habe. Die Aehn- lichkeit des Kindes mit der Mutter sei unverkennbar ge­wesen. Hierauf wird die Verhandlung auf morgen ver­tagt.

Aus Stad! unö Kauö.

Gießen, 30. Oktober 1903.

* Provinzialausschuß. Mittwoch den 4. November l. Js., vormittags 9 Uhr, findet im Sitzungssaale des Re­gierungsgebäudes dahier, Brandplatz Nr. 9, eine öffentliche

Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch des Kaspar Müller zu Gießen um Erlaubnis zum Likörausschank in dem Hause Lindenplatz Nr. 12 dahier. 2. Durchführung des Flucht- lmienplanes für den Seltersweg vor dem Hause Nr. 75; hier: Enteignungsantrag der Stadt Gießen. 3. Reklamation gegen die Bürgermeisterwahl zu Vockenrod. 4. Beschwerde des Spenglers Georg Kreuder zu Nidda gegen den Kreis­straßenmeister Krafft daselbst. 5. Neubau des Georg Heinrich Keil I. zu Ettingshausen; hier: Rekurs gegen eine kreisamt­liche Verfügung.

** Achte General-Versammlung der Ver­trauensmänner des Hilfsvereins für die Geistes­kranken in Hessen. Das Großh. Ministerium, Abteilung für Schulangelegenheiten, hat die Kreis-Schulkommissionen ermächtigt, denjenigen Lehrern, welche Vertrauensmänner des Hilfsvereins sind es sind deren zurzeit über 300 den zum Besuch der Generalaersammlung (16. November) er­forderlichen Urlaub zu erteilen. Die hierin ausgesprochene Anerkennung der Zwecke des Hilfsverems verdient den wärmsten Dank, und dieser Dank dürfte in einer zahlreichen Beteiligung der genannten Vertrauensmänner an der Generalversammlung den richtigsten und natürlichsten Ausdruck finden.

** Denkmalschutz. Das im Juli dieses Jahres et* lassene Gesetz über den Schutz der Denkmäler hat in Hessen bereits vielfach das Interesse an den Denkmälern der Ver­gangenheit neu belebt und mannigfache Anregungen zur Folge gehabt. Nunmehr soll eine alle Volkskreise umfassende Orga­nisation geschaffen werden. In erster Lime sollen den Baubeamten, Denkmalpflegern, der Ministerialabteilung für Bauwesen und dem Denkmalräte als behördlichen Organen Hilfsarbeiter Architekten, Kunsthistoriker und Historiker beigegeben werden. Dabei soll, um ein einträchtiges Zusammen­arbeiten zu erzielen, der häufig hervortretende Gegensatz zwischen Architekten und Historikern ausgeglichen werden. Historisch gebildete Hilfsarbeiter werden sich unter den akade­misch gebildeten Lehrern, Geistlichen, Mitgliedern der Geschichts- und Altertumsvereine finden. Daneben sollen überall Ver­trauensmänner herangezogen werden, wobei weniger eine fach­männische Bildung als Verständnis und Liebe für die Auf­gaben der Denkmalpflege die Hauptsache sind. Ihre Tätigkeit soll in der ständigen Aufmerksamkeit auf die Denkmäler der näheren Umgebung bestehen. Zum Beispiel haben sie von jeder Gefährdung eines Denkmals dem Denkmalpfleger Nach­richt zu geben. Diese Einrichtung wird besonders dazu bei­tragen, die Denkmalpflege volkstümlich zu machen. Auch den Altertums- und Geschichtsvereinen, sowie dem Verein für Heimatkunde soll eine geeignete Stelle in dieser Richtung ein- geräumt werden. Die Organisation soll ferner ebenfalls auf den Schutz der Werke der Bildhauerei, Malerei und des Kunstgewerbes ausgedehnt werden, ebenso auf die Altertümer. Für den Urkundenschutz fehlte es bisher fast an jeder Organi­sation. Da es sich hierbei vor allem um einen Schutz der zum Teil sehr verwahrlosten Archive der bürgerlichen und kirchlichen Gemeinden handelt, bei dem Mangel gesetzlicher Handhaben und Befugnisse aber nicht viel zu erreichen war, wird auch auf diesem wichtigen Gebiete eine umfassende Orga­nisation geschaffen werden.

§ Butzbach, 29. Oki. Die evangelische Kirchengemeinde- vertretung läßt eine Sammlung freiwilliger Beiträge zur Ausschmückung der Markuskirche veranstalten. Von Hauptlehrer Storch wurde ebenfalls ein Fenster mit Glas­malerei für diese Kirche gestiftet.

) ( Grünberg, 28. Okt. Die Ehefrau P. von hier wollte gestern von einem Wagen steigen, glitt dabei aus und brach ein Bein. Der am Montag abend auf dem Markt­platz in Gießen überfahrene junge Mann ist der hiesige Bäcker K. H.

h. Wallenrod, 29. Okt. Gestern abend fuhren die in Lauterbach beschäftigten Arbeiter Heinr. Kern und Valentin Geißler in einer Wagenabteilung nach Hause. K. hatte G. früher schon einmal überfallen und vom Gericht einen Denk­zettel dafür bekommen. In der Bahn machte sich Kerns

ten. Damals entstand en, zunächst eigentlich nur für die damalige Gorlitzer Soubrette bestimmt,Das Stift­ungsfest" undUltimo", Stücke, die heute noch zu den dauerhaftesten Säulen des deutschen Bühnenrepertoires gehören, die einfach nicht tot zu megen sind, denn wie aus dem Lastest des Zauberkünstlers springen hier die drolligen Situationen verlockend und verführerisch hervor. Beides waren zwar flüchtige und nach alter Humoristenart einseitig verzerrte, aber doch charakteristisch umrissene Spie­gelbilder des hebens, die Mos er's eigenstes Naturell, das auf denWitz", den Situations-, Figuren- und Wortwitz, besonders zugeschnitten war, nicht verleugneten. Im Ultimo" war sogar ein Konflikt vorhanden, zwischen Pro­fessor und Kaufmann, zwischen Wissenschaft und kommer­zieller Spekulation, der allerdings von episodenhaftem Beiwerk stark überwuchert wurde. Der große Erfolg dieser -beiden bürgerlichen Komödien spornte ihn zu außerordent­licher dramatischer Fruchtbarkeit an. Er erinnerte sich seiner lustigen Leutnantszeit und schuf in seinemVeil­chensresser" (1876) den Typus eines leicht enrpfäng- lichen Courschneiders, den prächtigen, frischen, nie um den rechten Ton verlegenen Husaren schweren ö ter v. Berndt, der noch heute auf griesgrämige Grillen wie Insekten­pulver neuester Ernte gegen Motten und anderes lästiges Ungeziefer wirkt. Freilich nicht gleich erkannte der heutere Schwank- und Lustspielpoet, daß er dem einstigen schneidigen Jünger des Mars sein Bestes zu verdanken habe, daß die Porträtierung des Leutnantsthpus nach seiner komischen Seite hin feine Spezialität Jen, daß ihn vereinst als den Leutnants-Dichter und Dichter-Leutnant par excellence jedermann vor dem lachenden geistigen Auge behalten werde. Er begab sich zunächst auf ftemde Gebiete. Aus dem benachbarten Polen, von dem Gute des Großgrund- ;bei'itzers Grasen Fredro dem Aelteren entnahm er sein nächstes Stück. Dieser Graf Fredro jen. wird in Literatur­geschichten emphatisch derpolnische Moliere" genannt. Treffender wohl verglich, man die Grafen Alexander Fredro Vater und Sohn mit Alexander Dumas pöre und fils. Mädchenschwüre" (1877) nennt sich eins der hüb­schesten Lustspiele des älteren Fredro, aber der deutsche Edelmann verdeutschte leider die Figuren in dem Stück des polnischen Edeimannes. Besser hätte er dem Stück die polnische Lokalfarbe gelassen, das hätte ihm im Deutschen größeres literarisches Interesse verliehen. Tie Mojer';che

Bearbeitung des polnischen Lustspiels macht fast den Gin-^ druck eines echten Moser, erinnert aber doch auch in seiner Zierlichkeit ein wenig an die Grazie Scribes. Von Polen wandte er sich dann nach England, von wo er sich den Bibliothekar" (1878) heruberholte, Szenen aus dem englischen hagh-lise von ergötzlichster Verwechslmigskomik. Dieses waren seine beiden einzigen Wanderungen außer Landes. Er kehrte definitiv zu feinen heimischen Penaten zurück und brachte noch in demselben Jahre eine tolle kleinstädtische Stadtverorvnetenkomödie heraus, denHY- v o ch o n d e r", diesen wackeren kleinbürgerlichen Hausvater, oer nicht sündhaft, doch auch nicht so ganz tugendhaft, nicht dumm, aber auch nicht so ganz aufgeklärt, im ganzen vorurteilsfrei, doch von einer Marotte besessen ist, die ihn zum 5^ypochonder machen könnte, wenn §err von Moser mehr Moliörisch zu Werke gegangen wäre.

Das Jahr 1879 bedeutete für ihn insofern einen Wende­punkt in feinem Schaffen, als er fortan bei feinen dra- matijchen Arbeiten sich zumeist eines Kompagnons bediente. Seine erster Mitarbeiter war L'Arronge, und die Frucht der gemeinsamen TätigkeitDer Registrator auf Reise n", den Emil Thomas, der bekannte Berliner Ko­miker, vor einigen Jahren wieder vor das Lampenlicht gezogen hat. L'Arronge wollte damals von diesem Ex­periment des Wied erb elebens nichts wissen und meinte, er würde, als derhalbe Vater" des Stückes, an Tantieme eine baumwollene Weste verdienen. Und er hat sie da­mals auch richtig verdient, diese baumwollene Weste, aber sie hatte Seidenstreifen und in der Tasche steckte ein Taus endmarkschein!

In den nächsten Jahren verband sich Gustav v. Moser mit Franz v. Schönthau. Der preußische Leutnant a. D. und der ehemalige östreichische Marinekadett entrierten einenKrieg im Frieden" (1880), den die deutschen Bühnen noch lange nicht abrüsten werden und der heute noch bisweilen auf deutschen Hoftheatern sogar au Kaisers Geburtstag aufgefuhrt wird. Bon den anoeru Kompagnie­arbeiten der beiden Herren sind nur nochUu(ere Frauen" am Leben geblieben, ein Stück von echtem Lust- spielton und echter Lustspielidee, in dem der brave Lohn­diener Pfeffermann die weltersahrene Bemerkung macht, daß sich doch in jedem Haus alles um die Liebe drehe. Tiefes gute Wort hat hen.e freilich nur sehr bedingte Giltigkeit, denn vieleunserer Frauen" von heute mochten

j am liebsten die ganzedumme" Liebe an den ersten besten ' 9kagel hängen wie einen alten Jtlpon und ihre flatternden Fahnen mit der Stand artenin schristLos vom Mmne" er­bittert in den Kampf um Gleichberechtigung auf politischem und sozialem Gebiete tragen.

Glück bei Frguen" errang damals auch Moser mit seinem Lustspiel, das er also betitelt hatte und in dem er den Scheinerfolg und den wahren durch Herzens­eigenschaften erzielten Eindruck auf Frauenherzen wirksam gegenüberstellte. Dann aber kam, 1885, ein Hauptschlager, Reif-Reiflingen", dieser köstliche Schwank aus dem Leben eines Leutnants, Öen selbst ein Mitterwurzer gern darftellte.

(Schluß folgt.)

Berlin, 29. Okt. Heute mittag fand die feierliche Eröffnung der Kinderklinik in der Charite in Anwesenheit des Kultusministers, des Ministerialdirektors Dr. Althofs, des Generalstabsarztes Leuthold und der Pro­fessoren v. Bergmann, v. Leyden und anderer statt. Der Direktor Geheimrat Heubner gab in seinem Vortrag ein Bild der historischen Entwicklung und Behandlung kranker Kinder. Der Kultusminister erwiderte mit einer Anerkenn­ung der vorzüglichen Neueinrichtungen, die der Wissen­schaft und der Menschheit forderlich fei. Direktor Heubner überreichte das erste Exemplar seines im November er- fcheinenden, von Fachkreisen mit Spannung erwarteten Lehrbuches Kinderheilrunde. Direktor Heubner er­hielt den roten Mlerorden dritter Klasse.

Prof. v. Behring teilt mit, daß die Meldung, die Villa Krupps aus Capri sei in seinen Besitz überge­gangen, um dort eine Anstalt für Serum behand­ln ng zu errichten, ein Phantasiegebilde sei.

Ponta Delg ad a (Azoren), 29. Okt. Das deutsche SüdpolarfchiffGauß" mit der unter Leitung des Prof, v. Drygalski stehenden Expedition ist heute hier ein­getroffen.

Stockholm, 29. Okt. Nord enskjo eld beabsich­tigt, eine n at urhisto risch-a n t h ropo lo gij ch e Ex­pedition nach den Grenzbezirken von Peru und Bo- livia zu unternehmen. Die Abreise ist für Dezember 1903 oder Januar 1904 in Aussicht genommen. Für die Dauer der Expedition sind 15 his 18 Monate in Aussicht genommen.