Nr. 255
Erscheint täglich ander SönnlagS.
Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Giehener Faimlien« blätter viermal in der Woche beigelegL
Rotationsdruck u. Verlag der Brü h t'schen Untoers.-Buch-u-Stein- druckeret (Pretsch Erbens Redaktion, Lrpeditron und Druckerei:
Schnlstratze 1,
Adresse sür Depeschenr Anzeiger Gietzcu.
Acrniprechanschluß Nr. 51.
Zweites Blatt. 153. Jahrgang Freitag 3V. Ottover iVyS
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Gietztner Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt sür den Kreis Gießen MM
Kitzunll der Stadtverordneten.
Gießen, 29. Oktober 1903.
Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi, Heyligenstaedt und Cu^fchmann und die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Haubach, Helfrich, Huhn, Jann, Jughardt, Keller, Kirch, Leib, Loos, Orbig, Pirr, Dr. Schäfer, Schafsstaedt, Schiele und Wallenfels.
Entschuldigt hatten sich: Dr. Gutfleisch, Heichelheim, Hanau, Krumm, Petri, Schwall und Faber.
Kolonialpost.
Berlin, 29. Okt. Gemäß dem Beschluß des Ausschusses 6er Deutschen Kolonialges ellschast richtete der Präsident der Gesellschaft, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, eine Eingabe an den Reichskanzler wegen Festsetzung der Befugnisse der eingeborenen Polizisten in den deutschen Schutzs gebiet en, worin laut „Deutscher Kolonialztg." auf die in letzter Zeit vorgekommenen Uebergrifse eingeborener Polizisten gegenüber den Weißen verwiesen und eine grundlegende, ins einzelne gehende Regelung der Bestimmung verlangt wird, die den Verwaltungsorganen und Gerichten eine zuverlässige Richtschnur abgibt. Es wird anerkannt, daß eine geordnete Verwaltung der Kolonien nicht durchführbar ist, ohne daß Farbige mit den behördlichen Befugnissen auch Weißen gegenüber betraut werden. (SS solle aber daran festgehalten werden, daß auch der mit Beamtenfunktion betreute Farbige dem Weißen Ehrfuchrt zu bezeichnen hat. Daher solle ein Eingeborener nur in Gegenwart und auf Befehl eines weißen Vorgesetzten gegen Europäer emschreiten dürfen, falls es sich nicht um Ergreifung von Verbrechern aus frischer Tat handelt.
Aus Windhoek wird der „Nationalzeitung" über Greueltaten im Ovambola nd gemeldet: Auf deutschem Gebiet am rechten Ufer des Okovango sind folgende Deutsche von den unter-portugiesischer Oberhoheit stehenden Ovambos ermordet worden: Von den Leuten des Kapitäns YLambaze die Reis enden Eusmerich und Laug, außerdem die aus vier Köpfen, den Eltern und zwei Kindern, bestehende Familie Paasch, deren jüngere Tochter von den Leuten des Kapitäns Bambakautu geraubt wurde und festgehalten wird. Den letzteren Leuten fällt auch die Ermordung des Ansiedlers Arndt zur Last. Die Mörder wohnen am linken portugiesischen Okovangoufcr.
Bekanntmachung.
Betr.r Die Veranstaltung von Verlosungen innerhalb des Großherzogtums.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 9. Oktober ds. Js. (Kreisblatt Nr. 122) bringen wir hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß Großh. Ministerium des Innern dem Vorstand des Evangelischen Kirchbau-Frauen-Vereins Darmstadt die erbetene Erlaubnis zur Ausgabe weiterer 1000 Lose und zum Vertrieb derselben im Großherzogtum erteilt hat.
Gießen, den 27. Oktober 1903.
Großherzogliches Kreisamt Gießeu
I. V.: Dr. Wagner.
I Vor Beginn der Tagesordnung wurde Sekretär Möckel als Protokollführer in der üblichen Weise dienstlich vereidigt, woraus Oberbgm. Mecum ein Dankschreiben der Witwe des Gasarbeiters Karl Schmidt, der eine
Unterstützung von der Stadt zuteil geworden war, verliest und des Weiteren öffentlich feststellt, daß ein vor kurzem in der Stadt verbreitetes Gerücht, wonach die Person des Oktroiinspcktors Maser in die Kriegs gerichtsafsäre des Feldwebels Jeckel verwickelt und entlassen worden sei, auf Erfindung beruht. Der Beamte hat mit der Sache des damals Angeklagten nicht das Geringste zu tun.
Es ist ein Schreiben des Bauunternehmers Rinn eingelaufen, das Oberbgm. Mecum verliest, worin B^ug genommen wird auf die Aeußerung des Stadtv. Wallenfels in der letzten Sitzung über das Gebäude an der Ecke der Ostanlaae und der Landgrafenstraße. Rinn bemerkt darin, daß die Pläne damals der Stadtverord- netenversammlung Vorgelegen hätten und daß man erst dann ein Urteil über den Bau füllen könne, wenn er vollendet sei. Stadtv. Wallenfels erklärte darauf, daß am 26. Juni das Gesuch in die Tagesordnung eingeschoben worden sei. Ob die Pläne vorgelegen Hütten, könne er nicht sagen; er wisse nichts davon und viele seiner Kollegen ebenfalls nicht. Jedenfalls habe er von sehr vielen Seiten abfällige Urteile über den Bau gehört. Er habe die Sache zur Sprache gebracht in dem Bestreben, die Stadt vor Schädigungen der schönen Anlagen möglichst zu bewahren. Im Publikum hätten Viele sich gegen diesen Bau ausgesprochen. Man möge bei derartigen Gesuchen in Zukunft das Kind beim Namen nennen; es sei von einem Hintergebäude die, Rede gewesen, Stall bleibe aber Stall. Herr Wallenfels beruft sich auf die Forderungen des Artikels 29 § 15 der Bauordnung und ersucht den Vorsitzenden, solche Pläne in Zukunft deutlich vorzulegen, denn er sei noch jetzt der Ueberzeugung, daß, wenn die Versammlung gewußt hätte, daß man dabei uw einen Stall zu befinden habe, das Projekt nicht genehmigt worden wäre. — Oberbgm. M ecu in erklärt, die Pläne hätten am 26. Juni osfengelegen, er habe aber schon in der letzten Sitzung mitgeteilt, daß das Gesuch genehmigt werden m ü ßt e. —Stadtv. Kirch schließt sich den Ausführungen des Stadtv. Wallenfels an und will ebenfalls Mittel und Wege suchen, solchen Verunzierungen vorzubeugen. In den paar Minuten, die der Ver- salnmlung nur zur Verfügung stünden, die Baupläne zu prüfen, sei es nicht möglich, ein kompetentes Urteil darüber abzugeben. Man müsse sich darauf verlassen, daß Oberbürgermeister und Baudeputation die Sache gründlich prüften, und er möchte den Wunsch aussprechen, daß der Oberbürgermeister und die Deputation selbst sorgen möchten, daß derartige Pläne keine Genehmigung fänden. Das Schreiben des Herrn Rinn könne im übrigen nicht geeignet sein, die Stadtverordneten mundtot zu machen. — Oberbgm. Mecu m erklärt nochmals, das Gesuch habe genehmigt werden müssen, sonst hätte sich der Gesuchsteller beschwert und Recht bekommen. — Auch Stadtv. Haubach giebt zwar in der Sache selbst den Vorrednern Recht; soviel er aber wisse, gebe es kein Mittel, das Gesuch abzulehnen. Und nur aus diesem Gesichtspunkt habe die Baudeputation ihren Antrag gestellt. i
Beig. Georgi bringt besch-werdeführend vor, daß dem letzten Stadtverordnetenbericht des Gießener Anzeigers zu der Angelegenheit des Rinn'schen Gebäudes an der
Ostanlage eine Bemerkung zu gefügt gewesen sei, die rncht von der Redaktion selbst Herrühren könne. (Es handelt ich wie wir bemerken wollen, darum, daß n a ch der letzten Sitzung vom 15. Oktober der Oberbürgermeister sich erinnerte, daß die bezüglichen Pläne der Stadtverordnetenversammlung am 26. Juni Vorgelegen hatten und daß er dies, indem er der Redaktion des Gieß. Anz. davon Mitteilung machte, auf dem raschesten Wege bekannt geben wollte. D. Red.) Beig. Georgi fuhr nun, als der Ober- bürgernreister bekannte, daß er selbst diese Mitteilung in die Zeitung gegeben habe, fort, daß es unzulässig sei, daß diese Sache, bevor die Stadtverordneten davon Kenntnis hatten, im Gießener Anzeiger gestanden hätte. (IL E. war es der selbstverständliche, weil kürzeste Weg, den hier Oberbgm. Mecum eingeschlagen hat, um die Sache zur schleu- nigsten Kenntnis der Stadtverordneten zu bringen. Die Presse wird häufig genug von den Behörden dazu benutzt, langwierige Instanzenwege abzukürzen, um das Publikum über etwas schnell zu unterrichten, woran die Oefsentlich- keit ein Interesse hat, und sieht selber eine ihrer Hauptaufgaben darin, als bequemstes Verkehrsmtttel zwischen Behörden und Publikum zu dienen. D. Red. d. Gieß. Anz)
Das Baugesuch der Gail'schen Dampfziegelei, wobei es sich um einen Dispens nach § 5 der Baustatuten handelt, wurde genehmigt, ebenso folgende Baugesuche: des Joh. Gg. Pfaff für die Stephanstraße, des Wilhelm Hause für die Mäusburg und des H. Winn für die Bahnhofstraße.
Der nächste Punkt der Tagesordnung betrefft dre Not-, wendigkett, eine Vorschulklasse anderweitig unterzubringen. Die Klassen dieser Schule waren seither teils im Gymnasium, teils im Turmhaus am Brand untergebracht. Da nun durch eineTeilung noch eine Klasse entstanden ist, steht man vor der Frage, wo sie unterzubringen sei. Gegen die Miete eines Raumes sei eingewandt worden, daß man die Vorschulklassen nicht noch mehr in verschiedene Anstalten zerstreuen solle. So sei denn der Ausweg vorgeschlagen worden, die Aula des Gymnasiums durch eine 2i/2 Meter hohe Bretterwand in 2 Räume zu teilen und in dem kleinen die Bibliothek unterzubringen, wogegen der Saal der Bibliothek für die Vorschulklasse frei werde. Die Schuldeputation stellt demgemä ßeinen Antrag mtt dem Zufügen, die Kosten möge die Stadtkafse tragen. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt diesen Antrag an.
Das Gesuch des $>. Winn um Abtretun g städt. Geländes an der Roonstraße — es handelt sich um 192 Quadratmeter — wird aus Anttag der Baudeputatton mit dem Preis von 13 Ml. sür den Quadratmeter genehmigt.
Der Gelündeaustausch an der Roonstraße mit K. Stohr I. Wwe. wird von der Tagesordnung abgesetzt, Der mit W. S e i pp III. nach dem Antrag der Baudeputatton genehmigt.
Die Str aß en b e zeichn un g Neuenweg und Neuenbäue hat vielfach zu Uuttarheiten und Irrtümern Anlaß gegeben. Die beiden Straßen schneiden sich in spitzem Winkel, aber seither wurde die gerade Verlängerung der Neuenbäue vom Schnittpunkt an Neuenweg genannt. Nun hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, auch diese gerade Fortsetzung mit dem Namen Neuenbäue zu benennen und die Straße vom Kreuzplatz bis zur Johannesshraße Neuenweg zu heißen.
Und
Hustav v. Moser f. Nachdruck verboten.
Von Paul Wittko.
Freund Hein hat aus seiner unermüdlichen Wanderung öurch dieses Jammertal, genannt die Erde, am 23. Oktober, in der schlesischen Stadt Görlitz, dieser beliebten ostdeutschen Pensionopolis preußischer Offiziere, Rast gemacht. An dre Tür des Hauses Blumenstraße Nr. 9 hat er gepocht, dem Bewohner, einem lieben alten Herrn von eleganter Offiziershaltung, dessen Augen noch vor wenigen Monden lustig leuchteten und dest en Schnur r- und Backenbart so wohl gepflegt war, sreundttch aus dre Schulter geklopft und ihm ein altvertrautes Wort rns Ohr geflüstert, ein Wort, das ihn vor 30 Zähren in die Reche der deutschen Zelebritäten geführt hat: „Ultimo . Und der alte Herr hat den Wink verstairden. Er hat an der Hand von Freund Hein nicht nur sem Hau^, sondern auch diese an Lächerlichkeiten so übervolle Welt auf Nimmerwiedersehen verlassen. Das schmucke Poetenheim, m dem länger denn vier Jahrzehnte der scheflenklingende Humor mit ftoher Ausdauer seine Pritsche geschwungen hat, steht nun öde und verlassen da, und in der Ecke u^er dem Schreibtisch, an dem der alte H^rr lntt unverwustticher Laune eine Unmenge unterhaltsamer Scherze ersonnen hat, ziehen jetzt vielleicht ein paar dicke Kreuzspinnen ihre Netze.
Wenn wir den 9t am en Gustav v. lRoser Hören, dann umzieht unsere Lippen ein gemütliches Schmunzeln. Er ist uns allen ein guter alter Freund gewesen. Man hat ihn immer gern gehört, wenn er von der Duhne herab plauderte und scherzte, jeder von uns erinnert sich mancher von ihm uns bereiteten frohen Stunde. Muß das ent Racker gewesen sein in seinen Jugendjahren. So fe;ch und toll, so naiv selbstbewußt und doch so fast unanjtandig tuaendhast — vielleichjt so ein famoser Kerl wie Kamerad Reis-Reiflingen. Man konnte mit ihm über feine leicht lockeren, aber immer doch hübsch artigen Streiche so recht heilsam lachen, so wie es früher dRode war. Und anaesichts seines Todes beMeicht uns doppelte Wehmut. Wir haben in ihm einen Mattn von beftem Herzen und lauterster, echt ritterlicher Gesinnung verloren, emen Mann hrm naiv üerttaem Humor; und wenn wir uns auf unS ^ber recht besinnen, wenn wir ehrlich mtt uns selber smd,
dann bemerken wir nicht ohne Bangen, daß uns schon lange vor diesem alten Manne jener gutmütige H-umor von gemächlicher Breite, den auch wir einst besaßen, verlustig gegangen ist. Moser, der Görlitzer Aristophanes, ist sich allzeit gleich geblieben, wir aber haben uns sehr verändert. Ob zu unseren Gunsten? Zum Teil wohl, zum Teil auch nicht. Wo sind die Zeiten jener unsäglich, harmlosen, lieben, törichten ltterarischen Dummenjungenstreiche, die uns Moser sein Leben lang vorgemimt hat und die uns einst so unbändig amüsiert haben! Einst öffneten wir alle unserem lieben Freunde Moser Herz und Hand, letztere zum Applaus. Wenn wir heute seine uns uralt anniutenden Scherze hören, dann finden wir viele von ihnen überlebt, in den meisten der gutmüttg und ftcundlich lächelnden Gesichter seiner zahllosen Schwankfiguren einen Zug von Fadheit, und ihre biedere altftänkische Kleidung nicht gerade geschmackvoll. In den letzten 15 Jahren haben sich die Nerven unseres Herzens, hat sich unser ästhettsches Empfinden gar sehr verfeinert und mit gelindem Schauder denken wir an jene Diluvialzeit deutscher Dramattk zurück. Moser, den wir einst für den Wilhelm Busch der Schauspiel-Bühne hielten, ist uns für sie heute das, was uns Millöcker sür die Oper ist. Wir lachen ja auch noch heute ein bischen mit ihm und über ihn, noch heute ist er uns, um a la Reif-Reif- lingen einen „meteorologischen" Ausdruck zu gebrauchen, in gewissem Grade ein guter alter Onkel, aber auch so überflüssig wie der brave Onkel v. Folgen in seinem „Reif". Doch toir sind leider alle auch ein bischen blasiert geworden, wir können keine rechte Freude mehr finden an harmloser Drolerie, wir können nicht mehr mit herzhafter Teilnahme lächeln, wenn uns ein müder, alter Großonkel seine alten Witzchen und Schnurren von anno Toback zum hundertsten Male erM)lt. Das ist das Betrübliche bei der mit uns vorgegangenen Wandlung.
Eine natürliche gejchichtsgesetzliche Folge der festen Fügung des neudeutschen Reiches war es, daß vor dreißig Jahren die Blicke aller ganz ausschließlich auf die großen politischen Dinge gerichtet waren. Die welthistorischen Ereignisse von 1870/71 lasteten dermaßen auf aller Welt, daß die Künste von der Politik ganz erdrückt wurden. Aus keinem Gebiete der Kunst ist datuals irgendwie Bemerkenswertes oder gar Bleibendes geschaffen worden. Die ganze fästine Litteratur war lahm gelegt, und vollends auf dem
Gebiete des Dramas entstand eine Gattung, die zwei Jahr» zehnte lang über einen embryonalen Zustand nicht herauskam und deren Probleme, wenn man ihr überhaupt solche nachsagen darf, völlig an der Oberfläche kleben blieben. Jsf- land, Kotzebue und der spießbürgerliche Benedix bildeten die Grundpfeiler, auf denen die lachenden Poeten damals weiter bauten, und schablonenhaft wie bei diesen blieben auch die Figuren des neuen bürgerlichen Schau- und Lustspiels. Mit der Psychologie mühten sich die Autoren gewöhnlich garnicht ab, und der äußere Bühneneffekt, auch wenn er sozusagen an den Haaren herbeigezogen wurde, war ein für allemal Trumpf.
In jener Zeit erlebte Gustav v. Moser die lautesten Bühnenerfolge, die ja allerdings nie schwerwiegend zu sein pflegen. Wie viele andere vor ihm und nach ihm tst er nach jahrelangem Umwege durch eine Reihe preußischer Kasernenhöfe wohlsituierter Inhaber von Sitz und Stimme auf den unteren Hängen des deutschen Parnaß geworden, mit einem dickleibigen Büchlein von Tantiemenquittungen als Zivilversorgungsschein in der Brusttasche. Ein Leutnant und ein Dichter find ja bekanntlich durchaus nicht so grundverschiedene Existenzen. Wir brauchen ja garnicht bis auf Heinrich v. Kleist, aus den Grafen Platen, den Freiherrn v. Gaudy, auf Friedrich de la Motte-Fouquee usw. zurückzugehen. Denken wir doch nur an den wegen seiner Hohenzollerndramatik hoch beehrten Major a. D. Joses Laufs und an den wegen seines allzu offenherzigen Garnisonromans in diesen Tagen verhafteten Forbacher Leutnant Bilsen.
Gustav v. Moser Hütte in diesem Mnter sein 60 jähriges Leutnantsjubiläum feiern können. Anno 1843 hatte er, 18jährig, den prinzlichen Pagenrock mit der preußischen Leutnantsunisorm vertauscht. 13 Jahre später hatte er seinen Abschied genommen und sich auf sein schlesisches Rittergut zurückgezogen. Erst zu Beginn des 6. Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts hat er sich, zunächst ganz schüchtern, mit ein paar Einaktern aus das tatenreiche Feld der Bühnenlitteratur begeben. Anfangs waren's nur kaum bemerkte Scharmützel, denen er aus diesem Felde sich aussetzte. Genau 30 Jahre nach dem Betreten seiner militärisck)-en Laufbahn und ebenso genau 30 Jahre vor feinem Tode gewann er aus den Brettern, die die Welt bedeuten sollten, seine ersten größeren glorreichen Schlach-


