Ausgabe 
30.5.1903 Zweites Blatt
 
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MM

Samstag 30. Mai 1908

153. Jahrgang

Zweites Blatt.

Ausfuhr durch Vorzugszölle auf englische und englisch- koloniale Erzeugnisse getroffen wird.

pit ytutlgeglHmmtr umsatzt 16 Settm.

man

schwarzer Damengürtel;

2 Portemonnaies mu .jnquu, *

1 blauer Sammtgürtel und 1 Bier- und Wein-

v. Kessel und v. Deines wurden zu komman- Generälen befördert.

Kaiser hat auf dem Truppenübungsplatz eine

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ladungen derungen leutnants dierenden

Der

Ordre erlafien, wonach die Offiziere künftig die Ueber- rücke von dem Grundtuch des für sie vorgeschriebenen Waffen» rockeS (der Ulanka) zu tragen haben. Ausgenommen sind die Ofsiziere der Mafchinen-Gewehr-Abteilung, die wie die Jäger Ueberröcke von dunklem Grün, und die der Jäger zu Felde, die wie bisher solche von dunkelblauem Tuche tragen werden. Die SanitätSofsiziere und die Beamten der Militär­verwaltung sollen Ueberröcke von dunkelblauem Tuche tragen. Blauschwarze Ueberröcke dürfen bis auf weiteres abgetragen werden. Neubeschaffungen dagegen sind nicht gestattet.

Der Kaiser in Düberitz.

Der Kaiser begab sich gestern (Freitag) früh um 6 Uhr auf den TruppenübungSvlatz von Düberitz an die Spitze seiner Truppen, mit denen er einen großen Angriff am West­rand- des UebungSplatzeS auS über das ehemalige Dorf- berih auSführte, während der Feind in der Nähe deS Hasen- heid-bergeS südlich von Dallgow, eine feste Stellung einge­nommen hatte. Bald nach Ü Uhr begannen kleine Vorposten­gefechte, um 7 Uhr griff die Artillerie ein und um 8 Uhr war daS Gefecht in vollem Gange. Um 9l/i Uhr ließ der Kaiser zum Sturm übergehen und von drei Geilen zugleich drängten die Mafien deS Armeekorps auf die Stellung de« vom Prinzen Friedrich Leopold kommandierten Feindes ein. Der Kaiser hielt dann in der Nähe deS HasenheidebergeS Kritik ab, während die Truppen im Viereck um den ver­hüllten Denkstein Friedrichs deS Großen Aufstellung nahmen. Die Kaiserin wohnte der Feier im Wagen bei.

In seiner Ansprache bei der Enthüllung de« Denksteins brachte der Kaiser zum Ausdruck, daß aus dem historischen Gelände vor 150 Jahren der große König den Samen qesäet habe, der so reiche Früchte getragen. Im Sinne Friedrichs deS Großen soll in der Armee weiter gearbeitet werden, damit sie jederzeit zu großen Taten befähigt bleibe.

General v. Kefiel dankte dem Kaiser, versicherte ihn der allzeitigcn treuen Hingabe deS GardekorpS und schloß mit einem dreifachen Hurra auf den obersten Kriegsherrn, da« von dem gesamten GardekorpS mit freudiger Begeisterung ausgenommen wurde. Dann siel unter präsentiertem Gewehr die Hülle. Die Kapelle intonierte die Nationalhymne, die Artillerie schoß Salut. Der Kaiser umritt dann daS Denk­mal und nahm, neben der Kaiserin haltend, den Vorbeimarsch deS Armeekorps ab. Die Infanterie ging in Armeekolonnen vorüber, die Kavallerie und Artillerie im Trab. Bald nach

Nr. 125

Erscheint täglich außer Sonntag*.

Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem 8«Nischen Landwirt btt Gießener Familie», blätter oiemuxl in der Woche beiflelegt

Rotationsdruck tu Ver­lag bei Brühl leben llntoed.-Ducb* u.Btnn- b rudern (tlieddj Erden-

Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei unS geltend zu machen.

Gießen, den 80. Mai 1903.

Sroßherzoglicbe» BoUzeiamt Gießen.

Hechler.

Bekanntmachung. _______

Die am 81. März l. IS. angeordnete Sperre der Bahn­hofstraße zwischen Westanlage und Schanzenstraße wird hier­mit aufgehoben.

Gießen, den 80. Mai 1903.

GroßherzogltcbeS Polizeiamt Gießen.

Hechler.

12 Uhr fand ein Frühstück beim Kaiser statt, zu hem 360 Ein­ergangen waren. Eine große Anzahl von Beför- und Auszeichnungen ist erfolgt. Die Deneral-

^Qef'unben^ 1 Paar schwarze Glacehandschuhe und ein

9 schwarzer Damengürtel;

verloren: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Medaillon,

wahrnehmen. Tort hat Graf Bülow eine vertraute Zwei­sprache mit dem Prinzen Hohenlohe nicht gepflogen, der übrigens die Neichstagssihunaen verhältnismäßig selten besuchte. Tas schließt natürlich nicht auS. daß der Kanzler außerhalb des Parlaments mit dem Sohne seines Amts­vorgängers sich über polittsche Fragen unterhalten hat. Aber daß Graf Bülow dem Prinzen Lohenlohe sein Volt- ttsches Herz auSgeschüttet haben soll, ist wenig wahrschein­lich. Prinz Hohenlohe folgert vielleicht aus einer gelegent­lichen Bemerkung des Kanzlers über die Parteiverhältnisse mehr, als dieser damit sagen wollte. Ob die Darstellung deS Prinzen Hohenlohe durch die offiziöse Presse richttg gestellt werden wird, bleibt abzuwarten.

politische Tagesschau.

Prinz Hohenlohe und Graf Bülow.

Tie Hagenauer Wahlrede des Prinzen Alexander Hohenlohe, des SohneS deS verstorbenen Reichskanz­lers, wird in oer Presse noch immer lebhaft erörtert. Nicht wegen der entschiedenen Stellungnahme deS Prinzen für den Liberalismus. Zu diesem hat sich der Prinz im Reichs­tag, wenn er das Wort ergriff und bei den Abstimmungen, mit solchem Freimut bekannt, daß ihm von den Konser- vattven bedeutet wurde, er möge seinen Platz von der rechten auf die linke Seite deS Hauses verlegen, was Prinz Hohenlohe aber nicht tat Er ist auch, waS weniger bekannt sein dürfte, ein Freund des den Vertretern der Landwirt­schaft unsympathischen Seewesens, eine Neigung, die ihn zur Uebernahme einer AufsichtSratsstelle bei der Hamburg- Amerika-Linie veranlaßte. Toch das Interesse an der Hage­nauer Wahlrede des Prinzen ist nicht durch persönliche Mo­mente, sondern durch den Umstand hervorgerufen worden, daß der Prinz sich zum Verkünder der geheimen politischen Wünsche deS Reichskanzlers macht Graf Bülow gehe nur notgedrungen mit dem Zentrum, er würde lieber mit einer großen liberalen Partei als maß­

gebenden operieren.

So ließ sich, wie wir bereits kur^ meldeten, Prinz Hohenlohe in seinem alsässischen Wahlkreis vernehmen. Hätte er mitgeteilt, der Kanzler würde ebenso gern die Liberalen in der Rolle der ausschlaggebenden Partei sehen, so wäre kein Wort weiter zu verlieren. Tenn warum sollte Graf Bülow grundsätzlich daS Zentrum vor den Liberalen bevorzugen wollen? Aber die Angabe, daß der Kanzler lieber mit den Liberalen als mit denschwarzen Fi­guren" operieren möchte nöttot d?ch zu rin'.gen Bemerk­ungen. Graf Bülow dürfte schwerlich anders als vielleicht im vertrauten Kreise ein Wort gebrauchen, daS ihm vom Zentrum verübelt und alsUnbant" Zolltarif! auf­gelegt werden könnte. Tenn Graf Bülow wird auch ferner­hin auf daS Zentrum angewiesen sein; die Wahlaussichten sind für diese Partei leider im ganzen günstiger als für die Liberalen. Es ist allerdings ohne weiteres zuzugeben, daß die polittsche Individualität deS Grafen Bülow nicht recht in den ,Len trumSr ahmen" hineinpaßt

Nun ist auch die Frage von Belang, ob Prinz Hohen­lohe den Vertrauten deS Kanzlers zuzuzählen ist. An äußeren Merkmalen hierfür fehlt es. Im Reichstag konnte von engeren Beziehungen fischen beiden Herren nichts nehmen. Tort hat Graf Bülow eine vertraute Zwei-

Deutsches Deich.

Berlin, 29. Mat Bei dem gestrigen Tiner tot Offizierkasino, zu dem die Offizierkorps der Kaiserbrigade, die Kaiser Wilhelm zum Andenken an seinen Vater am 29. Mai zu exerzieren pflegt, eingcladen waren, erhob fick der Kaiser und forderte Die Teilnehmer auf, ein stille« Glas auf den verewigten Kaiser Friedrich zu leeren. Tann führte der Kaiser in längerer Rede aus, daß aus d;em Brigadeexerzieren nun eine große rneg«- mäßige Uebung geworden sei. So werde in der Armee immer mehr dem Beispiel des großen Königs nachgeeisert und so solle es auch in Zukunft immer mehr geschehen^Ter Brigadekommandeur dankte in warmen Worten. Adolf Menzel hat zu dem Tiner eine künstlerisch ausgeführte Tischkarte entworfen, wofür ihm der Kaiser in einem Tele­gramm seinen Tank aussprach. . ,

Tie Ankunft des Kaiserpaares in Wies­baden erfolgt am 3. Juni abends.

Ter Kaiser bat, wie dieNordd. Allg. Ztg/ mit» teilt, dem bayrischen Ministerpräsidenten Frhrn. v. Pode- wils den Roten Adlerorden 1. Klasse verliehen. Tie In­signien sind demselben heute vor feiner Abreise mit einem Glückwunschschreiben des Reichskanzlers zugegangen. Mi­nisterpräsident v. Podewils bat sich nach Dresden begeben, wo er mit dem sächsischen Ministerpräsidenten konferieren und später vom König Georg empfangen werden wird. Von Dresden begiebt sich Freiherr v. PodewilS nach München zurück.

Ter hiesige Bottchafter der Bereinigten Staaten von Amerika Tower stattete gestern dem Reichskanzler einen Besuch ab. Ter ,,Nat.-Ztg." zufolge handelte eS sich dabei um die Uebermittlung der amtlichen Anzeige, daß das mittelländische Geschwader der Union fite! be­suchen und voraussichtlich während der Kieler Woche dort eintreffen wird.

Als neuen Oberpräsidenten von Schlesien nennt dieStraßb. Post" jetzt den schlesischen Magnaten Grafen Ti e l e -Win ckl e r, der vor kurzer Zeit die Ein­drücke einer Reise in die Vereinigten Staaten in einem Buche zusammengefaßt hat, das den besonderen Beifall des Kaisers gefunden.

Tas am 26. August 1899 zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika abgeschlossene Poft- pak^tabkommeu, das Sendungen bis zum Gewichte von 5 Kgr. zuläßt, ist derVoss. Ztg " zufolge amerika­nischerseits mit der Wirkung gekündigt worden, daß er mit Ablauf des Monats Juni außer Kraft tritt

monalüch otertii* jährlich Mt. MO; durch Adhole- u. Zweigstelle monaillch t$L; durch dlePost Mk.r.viert ei- jährt «weicht Bestell«. Annahme von »nzetgea füx die lagetnummec di» Docmuiag» 10 Uhr. yrtlenprtt»; total ll'OU auswdet» «0 Big.

Bciani worlMdb tftt den poltt. un6 a tigern, teil, tk tthitto. rüt .Stadl und ttantr und .Gericht»! aal'. August wöh. tüi den An» «eigenteil: Han« Beck.

GietzenerAnzeiger

w General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Chamberlain

hat schon wieder eine Rede geredet, deren Spitze gegen Deutschland gerichtet ist. Sie wird in der offizidsen Nordd. Allg. Ztg." ohne Kommentar zum Abdruck ge­bracht ein Beweis, daß sich unsere maßgebenden Kreise über die wortreiche Drohung des englischen Ministers mit dem Zollkrieg gegen Deutschland nicht im min­destens aufregen. Man wird Herrn Chamberlain wohl eher dankbar sein, daß er die Karten so rückhaltlos aufdeckt, daß er sein Bestreben unverhüllt zeigt, den Zollkonflikt Deutsch­land- mit Kanada nicht lokalisiert zu lassen, sondern das Gebiet der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Eng­land und Deutschland hinüberzuspielen. Dies zu wissen, kann den Verbündeten Regierungen nur angenehm fein, einmal für die Beschlußfassung über die gegen Kanada zu ergreifenden Gegenmaßregeln, bann und besonders aber auch in Rücksicht auf den neuen deutsch-englischen Handelsvertrag, über den die Verhandlungen in Kürze beginnen sollen. Man wird hier nicht vergessen, daß Chamberlain Deutschland als den einzigen handels­politischen Feind Großbritanniens hingestellt hat. eine Behauptung, die nicht anders als mit dem Worb Demagogische Phrase" bezeichnet weiden kann. Temagogisch, auf die deutschfeindlichen Gefühle des englischen Volkes spekulierend, ist die ganze Rede Chamberlains. Doch das läßt sich erklären; es geht in England zu den Wahlen, und diese sollen Chamberlain die Plattform für seine M i- nifterpräsidentschaft schaffen, sie sollen eine impo­nierende Mehrheit für die unionistisch-imperialistischen Ideen und Pläne Chamberlains ergeben, was gleichbedeutend wäre mit dem Ende der Ministerpräsidentschaft des im Grunde mehr konservativen als unionistischen Lord Balfour. Er­reicht Chamberlain seine Absicht und bei seiner unbestreit­baren Volkstümlichkeit ist es wahrscheinlich, dann wird England nach und nach in Zollkriege mit aller Welt verwickelt. Tenn ebensowenig wie Deutschland wer­den es sich die anderen Staaten gefallen lassen, daß ihre

Bekanntmachung.

Seit.: Schweinepest.

Infolge des Ausbruchs der Schweinepest sehen wir un« veranlaßt, die Abhaltung von Schweinemärkten im Kreise Gießen bi« auf weitere« zu verbieten.

Gießen, den 29. Mai 1903.

Großherzogliche» KreiSamt Gießen.

_________I v: Dr Kranzbühler.___________

Bekanntmachung.

tieft.: Schweinepest.

Mit Rücksicht auf den AuSbruch der Schweinepest m den Gemeinden Ebcrstadt, «rüningen, Leihgestern und Obbornhofen werden sämtliche in den genannten Orten be­findlichen Schweine unter vrisfperre gestellt.

Die daneben für einzelne Gehöfte augeordnete Gehöft- sperre wird durch diese Maßregel nicht berührt.

Gießen, den 29. Mai. 1903.

GroßherzoglicheS KreiSamt Gieße«.

_____ I V: Dr Kranzbübler.

Bekanntmachung.

Betreffend: Schweinepest Leihgestern.

In den Gehöften deS Ludwig Haatz TT. und deS Jo- Hann Georg Hauser in Leihgestern ist die Schweine- pest ausgebrochen. Es ist Gehöftsperre angeordnet.

Im Gehöft des Kaspar Wagner IV. in Leihgestern befinden sich einige der Schweinepest verdSchttge Schweine. Dieselben sind unter Stallsperre gestellt worden.

Gießen, den 29. Mai 1908.

Großberzootichc* KreiSamt Gießen.

_______I B i Dr. KranzbühTer.___________

Bekanntmachung.

Betreffend: Schweinepest in Obbornhofen.

In den Gehöften deS Konrad Lingner, deS Hemrick Mörschel, deS Bürgermeisters Löfchhorn, deS Georg Heinrich Kammer Wtw^ de« Rechners Mörschel und de» Johanne« Wilhelm Bommerstein in Obbornhofen ist Schweine- pest festgestellt worden. Die genannten Gehöfte sind unter Gehöftsperre gestellt worden.

Gießen, den 80. Mai 1908.

GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen.

I B: Dr. Kranzbühler. ________

Bekanntmachung.

tietr.: Schweinepest in Grüningen.

In den Gehöften deS Friedrich Carl Stumpf, Earl Leidig I. und der Anna Elisabeth Nobeler m Grüningen ist Schweinepest festgestellt und Gehöftsperre ange- ordnet worden.

Gießen, den 80. Mai 1903.

GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen-

I. D.: Dr. Kran zbübler.____________

Bekanntmachung.

Betr.: BläSchen-AuSschlag in Harbach.

Der BläSchen-AuSschlag in Harbach ist erloschen. Die Sperrmaßregeln sind aufgehoben.

Gießen, 29. Mai 1903.

GroßberzoalicheS KreiSamt Gießen.

I. D.: Dr. K r a n z b ü h T e r.________________

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche.

Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Interefienten, daß für den am 4. Juni l. IS. in Leun, Kreis Wetzlar, an- stehenden Diehmarkt der Auftrieb von Schweinen auS der Provinz Oberhessen polizeilich verboten ist.

Gießen, den 29. Mai 1903.

Großb-'rzoasichi'- Kreisamt Gießen- __________I B: Dr. Kranzbühler.__ Amtliche Nachrichten über Viehseuchen. In dem Gehöft de« Georg Kallenbach in Flensingen ist die Schweinepest auSgebrochen und ist über dieses Gehöft die Sperre verhängt. Die Seuche ist aus dem Kreise Schotten verschleppt. _ _ , .

JnDauernheim ist die Schweinepest auSgebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden.

In den Gemeinden Melbach, Steinfurth und Wohnbach ist die Schweinepest auSgebrochen.

^Bekanntmachung.

Sn her Zeit vom 23. Mai bis 30. Mai 1903 wurden in

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