Samstag 30. Mait »03
Nr. 125
153. Jahrgang
Erstes Blatt.
1803-1903
Var hundertjährige Zubeifest der 2. Bataillon; der Wer
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ein prächtiger Anblick, wie Se. Königl. Hobt «oß, begleitet von seinem Gefolge und bi
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Sie hielten auf der
Ta tonnten, in der Hessen
Ubrefle tüt Tepe’eben: Anzeiger Sieben. Fern>vrechonick»I«bAr 61.
Brigade Landgraf ward e< zugeteill Und bald nach Darmstadt hm versetzt, So daß es damals schon vereint geweilt, Sowie das Regiment zusammen jetzt.
Tie Herrn Franzosen ruhig weuer laufen.
So ging es westwärts, stets umschwärmt Von den stosatenhorden.
Raum Feuer, das die Glieder wärmt. Wenn nachts sie steif geworden.
Cb auch die Kälte grimmig beißt Und bitterer Hunger quälte, Untadlig bleibt der Truppen Geist Und eins nur füllt die Seele:
„Wenn der Russen Sturm uns wild umbraust, Stets finde er aufs neue Tie wuchtig schwere Hessenfaust Und echte pessentreue.*
Und heimwärts tarnen unversehrt Bon allen nur die Hessen.
Wohl nie hat io der Truppe Wert Im R liege sich ermessen.
TaS Land, was m Rußland in Halte und Kampf Tie Bataillone umschlungen.
Tie nächsten Jahre sollten zeigen schon Ten jungen Truppenteil un Krieg, Bet Jena tapier focht daS öatailloi
Die Geschichte des 2. Bataillons der 116er
in Versen.
Gedichtet zum 100jährigen Jubiläum deS Bataillon» von Hauptmann ftü11jchan.
Jn'S vorige Jahrhundert führt uns heut der Blick, Tas kürzlich erst dahin entschwand,
' Und 100 Jahre deuten wir zurück, Wie's damals stand um's liebe Hessenland. 9U>ch zitterte die Welt von jenem milden Sturm In unferm Nachbarlande Frankreichs fort, Wo in des Volles Seele naß der Wurm Und zeugte grausen ftömgsmord.
Schon hallte dumpf die Erde von dem Schritt Tes Rorfen, der ans Wirren auferstand Und als Europas Geißel weiter schrut Bis niederschmetterte ihn Gottes Hand.
Ter 10. Landgraf Ludwig verlor manch Stück An Frankreich links des Roemes, manchen Crt, Erhielt jedoch dafür an deutschem Land zurück Fast mehr noch als er geben mußte 'ort.
Aus aufgelösten Stämmen er da schuf Am L Juni unser 2. Bataillon Füsilier zunächst war fern Beruf Und Alsfeld war die erste ©armion.
Klängen bet Militärmusik unserer Truppen auf bcm Platze ein. ES war ein prächtiger Anblick, wie Se. Königl. Hoheit der Großherzog, begleitet von seinem Gefolge und ben Herren, die ihn am Bahnhöfe empfangen hatten, vor un*
bk Studentenschaft ausgestellt, um dem LandeSsürste« eine Huldigung zu bereiten. Sämtliche Korporationen waren vertreten: in längerem Zuge erstreckten sich die einzelnen ~ hnen vom Portale be- Schlosses
Da hast du, vom Feindessturm umbrauft Ihm immer gezeiget auf» Reu Tie wuchtig schwere Hessenfrucht Und echte pesjemreul
Bei Graoelotte und St. Privat
Hast du wacker geftanöen den Mann Und bei Brtare — du zeigtest da, Was em Hesse leisten kann.
So mögest du denn auch fürder fein Geschnitzt aus echtem Holz
Und der Ahnen ivert l oh Töchterlein, Tes Vaterherzens Stolz.
Was heute ich von drr gesehn —
Uiid wie ich hier alles sand — Beruhigt kann ich wieder gehn Es fleht in guter Hand.
So lebet wohl Ihr werten Herrn, Zu lange schon weilte ich hier!
lieb wohl o Tochter! — ich scheide gern Tenn Bessere folgen mir.
Doch eine Gnade noch sei mir zu Teil
Weil ich doch den Weg zu Euch fanb 1 „Euer königlichen Hoheit Segen und Hell Und es blühe das Heffenland l*
Und wahrlich deckten sie den Rückzug gut, Russen starke Hausen. Hessen treuer Hut,
außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Ktssstthen tondwlrl die siebener Kamillen« blätter viermal in bet Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag bet Brühl 'leben Umverl.-Vuch-u-Stein- bruderti (theiid) Ifr tben) Redaktion. ErvedtNo« und Truaerei:
zahl 1803—1903 trägt. Oberst v. Graevenid richtete mit markiger Stimme an Se. Königl. Hoheit folgende Warte:
.Ew. K. H. danke ich allerunteriänigft für diesen erneuten GnadenbeiveiS und die hochehrenden Worte an das Regiment. Möge das Bataillon seine mit dem schönen Band geschmückte Fahne auch in Zukunst nur zur Ehre des Regiments und zum Heile des Vaterlandes führen. Wir alle geloben auch fernerhin in ernster Friedensarbeit dre Glieder zu stählen, damit w»r jederzeit kriegsbereit dastehen, wenn der Ruf S. ft. H. an bad Regiment ergehen sollte, um mit GotteS Hilfe an die glorreiche 100jährige Vergangenheit eme ruhmreiche Zukunft anzuknüpsen.
Präsentieren 1
Unserem alleruntertänigflen Tank geben wir Ausdruck in dem Rufe: S. H. H. der Großherzog von Hessen, uiUer SlÜergnäbigfier Landesherr Hurrah! Hurrah 1 Hurrah 1
Die Parade janb zu Kuß statt in Zügen zu 16 Rotten. Die Mannschaften trugen weißleinene Ho,en und Helm mit Haarbusch. Ausgezeichnet schien der Parademarsch des ganzen Regiments, der sich an Se. König!. Hoheit vorbei bewegte, wonach der Großherzog mit seinem Adjutanten und Oberst von Graevenitz die Front des Regiments ab- schritten. Bei der darauf folgenden Begrüßung zeichnete Se. Kgl. Hoheit viele der erschienenen Gäste, darunter auch einen der Veteranen, durch huldvolle Ansprachen aus. Zum Absperren von Oswalds Garten waren von jedem Bataillon ein Vizeseidwebel, drei Unteroffiziere, ein Gefreiter und 12 Mann gestellt, außerdem die am 1. April b. I. ein getretenen Einjährig-Freiwilligen. Führer bes Absperr- ungskommanbos war Leutnant Wehr heim. Die Auf,leib ung auf Oswalds Garten hatte Major heuer geleitet. Zum Betreten des Paradeplatzes waren für die Damen von den Bataillonen EintrtttStarien ausgegeben. Unmittelbar nach der Parade war eine Anzahl von Beförderungen bekannt gegeben worden. Nach dem Parademarsch blieb das Offizierkorps auf Oswalds Garten zurück. Die Kompagnien, außer der Fahnen-, 3. und 4. Kompagnie, unter Führung der Feldwebel marschierten durch die Wetzsteinstraße, Schloß- gaffe, Senckenbergstraße n^cy der -euen Kaserne. Die 3. und 4. Kompagnie begab sich durch die Wetzsteingasse über ben Lindenplatz nach ihrer Zeughaus la ferne. Hier begab sich alles auf die Stuben, die Höfe blieben leer. Jede Korn- pagnie hatte zwei Unteroffiziere unb zwei gewandte Leute bestimmt, bie sich der ehemaligen LataiUonsangehörigen annahmen.
Bei der Fahrt durch die Stadt und zum alten Schloß wurde der Großherzog stürmisch begrüßt.
Die Besichtigung des allen SchloffeS.
Nach Beendigung der parade fuhren <se. König!. Hoheit mit Begleitung unter ben Hochrufen der Bevölkerung durch Neustadt, Marktstraße, Nkarktplatz, Mäusburg, Seltersweg unb Südanlage nach dem alten Schloß. Hier hatte sich
Prolog.
Verfaßt unb gesprochen beim Diner im Offizierkasino m Anwesenheit Sr. HgL H. bc5 Großherzogs am 29. Mai 1903.
Schaut hierI Vom Leib-Grenadicr-Bataillon Komm ich — aus weiter Fern, Und begrüße in tiesster Tevotwn Se. Köntgl. Hoheit den Landesherrn.
Schon 100 Jahre fast schlafe ich Den wohlverdienten Schlaf, Ta war es wie Hornrui, der weckte mich, Als heut' mich die Kunde traf.
TaS Töchterlein, welche« vor langer Zeit Aus unj'rer Afche entstand, Tas feiert sein Jubiläum heut Im lieben Hesietüand.
Drum steig' ich aus langer GrabeSnacht Hinaus heut' nach Gießens Gau'n, Mich trtebs mit des Vaterherzens Macht, Nach der Tochter auszujchau'n.
Ta hör' ich: »TaS liebe Töchterlein, (Wie die jungen Damen so sind-, Tas wollte recht gerne älter sein Als nur ein Leib-Grenadier-ftrnd.
Nun ja! Auch ich hab' der Ahnen Schar, Ich hoffe, Ihr alle ihr kcnnts, Die Leib-Grenadier-Garde mein Vater war Jin Schlosse zu Pirtnasens.
Tes Gründers, Erbprinz Ludwigs, Ihr Habt heute ben Hauch gefühlt, sein Fahnenmarich wurde beim .Präsentiert* Von der Musik heut gespielt.
So wäre der Ahnen Zahl nicht schlecht, Tie ich, ber Vater, befaß, Und das Enkelkind hatte wohl etwas Recht, Laß man nicht der Ahiien vergaß. , Allein das hessische Standesamt, Tas sagte: ,9)(Cin ft mb, o nein! Genug finb 100 Jahre insgesamt, Alan muß bescheiden sem!
Trum Tochter, 2. Bataillon, Ich grüße Dich jetzt aufs besf, Empfange des Vaters Gratulation Zürn heutigen Stistungsfest.
Was immer ich auch von dir vernahm Erfreute mein Daterherz, Daß damals ich nicht mir nach Rußland kam, Verursacht mir heute noch Schmerz.
war überaus glanzvoll. Tas Regiment und dessen ehe- maligen Angehörigen waren bereits um 1 Uhr 25 Min. auf Oswalds Garten eingetroffen uni) befanden sich feit 1 Uhr 50 Min. in Paradeausstellung. Gleich nach 2 Uyr trafen Se. Königl. Hoheit unter den donnernden Hochrufen d ungeheuren Menge, bie sich versammelt hatte, und bt
Euerer königlichen Hoheit, bem Rektor maqnisicentissimu» bet Ludoviciana, bringe ich ben ehriurchtSvollsten Willkominengruß ber Gießeiier Slubcntenfchail bar. Wir bauten für ba« treue Gedenken, das Euere Königliche Hoheit ber Lubomciana feit ben Tagen ^hrer Stubienzeit bewahrt Haden, sowie für bie lande-väterliche Fürsorge unb bie Beweise allergnäbigsler Hulb, bie wir noch biß in bie letzten Tage von Euerer Königlichen Hoheit empfangen durften. Ich darf basür Euerer Königlichen Hoheit baS Gelübde unwandelbarer Treue unb Hingabe Ihrer Stubentenschaft ab legen.
Se.ftönigl,che Hoheit ber Grobherzog, ber Rektor magnifioti* iffimuS ber Ludoviciana: hoch, hoch, hoch.
Se. Königl. Hoheit der Großherzog reichte dem Vertreter der Studentenschaft freundlich bie Hand unb ex* wiberte etwa folgende huldvollen Warte: ,Lch banke Ihnen für Ihre freundliche Begrüßung. Seien Sie versichert, baß ich immer dieselbe freundliche Gesinnung wie seither meiner Universität bewahren werde. Tellen Sie dies bitte Ihren Kommilitonen mit!" — Unter erneuten Hochrufen erstiegen sodann Se. Königl. Hoheit bie Treppe zum Schloß, wo Architekt Hofmann und Oberbürgermeister Mecum ben hoben Gast erwarteten und empfingen. Beim Runbgang bnrm die Räume des Schlosse-, wo sich auch u. a. ber Rektor ber Universität und der Provinziclldirek- tor befanden unb wobei bie beiden genannten Herren, Oberbgm. Rtecum unb Architekt Hofmann, bie Führung übernommen hatten, äußerten Se. KLnigl. Hoheit ber Gro^ Herzog, er fei überrascht über bie eigenartigen, malerischen Raumgestaltungen, unb gab bcm Wunsche Ausdruck, baß alle Einzelheiten mit größter Pietät geschont unb erhalten bleiben möchten. Ferner äußerte ber hohe Herr sein Interesse über die Frage beS inneren Ausbaues bes Großherzogl. Absteigequartiers unb brückte ben Wunsch aus, daß Oberbürgermeister Mecum und Architekt Hop- mann ihm in biejer Angelegenheit referieren möchten. Ferner waren Se. Königl. Hoheit sehr befriebiat von ben Bauplänen bes Schlosses, Die üt hübscher Ueh erficht in
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Ein Festtag wie der 29. Mai ist seit bcm 10. Mai 1900, b«m Enthüllungstage bei Kriegerdenkmal», in Gießen nicht mehr üocgclommen. Ueberall trug das Fest seine Farben auf unb veränbecte bas gewöhnliche Getriebe beS Tages. Alt unb Jung war auf ben Beinen, um ben Lanbcsfürften Au fehen und zu begrüßen, um bas prächtige militärische Schauspiel auf OsivaldS Garten zu genießen, ober an der Freude und dem Frohfinn Teil zu haben, die bie festlichen Klänge ber Musik hervorriefen. Und über dem Trubel in den Straßen, ber Parade auf Oswalds Garten unb ber Fahrt Sr. ft. H. bcs Großherzogs durch die Stadt thronte ein sommerlich freundlicher Himmel, ber, wenn auch bie Sonnenstrahlen gar heiß von ihm niebergtngen, der Jubiläumsfeier das schönste Gewand verlieh.
Heber die Ankunft des Großherzogs Haden wir gestern schon berichtet. Die darauf stattfinbenbe
Parade auf OkwaldSgarte«
Gruppen mit ihren F-ah .
in der Richtung, von der der Großherzog erwartet wurde. Eine dicht gedrängte Menge harrte wiederum be» Erscheinens des hohen Gastes, bie Sommerglut verachtenb, bie auf sie hernreberbrannte. Unter bem Hoch ber Studenten unb ben jubelnden Zurufen ber Anwesenben trafen Se. Königliche Hoheit am Brand ein. Das Geführt des Großherzogs hielt vor dem Theologischen Verein an, als aus dessen Reihen ber 1. Chargierte des Vereins, fhib. theol. Hartmann vor trat unb an Se. Königl. Hoheit folgende Worte richtete:
Unb 1809 half es zum Sieg.
Als gegen Rußland der Erobrer zag Tie perrfchaii in Europa zu vollenden, Und übermütig oÜau straff ben Bogen bog, Ta mußt' auch Hesjen feine Söhne (enben. Wenn biefed schmerzlich auch erscheint, So schaffte es bod) eine große Freube, Tenn o'twäns zogen, vorläufig vereint Zum Regiment, bie Bataillone beibe.
Es brach bann ba5 VerhänaniSjoch herein;
Tes Frankenkaisers prunkend falscher Schimmer In Moskaus Flammen glühend rotem Schenz Im Beresina-Ets ging er in Trümmer. Gen Westen flüchtete bas stolze Heer, Tas prahlenb gegen Rußlanb auSgewgen.
— Ganz aufgelöit — unb mrgenbS Orbitung meljt, So wälzten weuer sich bie Wogen.
Wie's jüngst geheißen .Deutsche nach ber Front*, So hieß es damals »Hessen an das Ende*, Taß, weils der Franzmann nicht mehr leisten konnf Ter Ruße dorr den Hessen fände.
Z"5T7 Q vT Q wwnüt(id)7B^,oltrt*
GletzenerAnmaerW
" General-Anzeiger " ”
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MGZ V gementeti: Hon« Beck.
seren Bataillonen, die mit Front na*d)i der Stadt standen, vorüber über den Platz schritt unb vor der großen Anzahl der geladenen Gäste stehen blieb. Ter Generaladjutant Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs, Generalmajor v. Wach t e r, verlas folgenden
Tage»befehl de- Großherzog».
Ich verleche dem 2. Bataillon de» Infanterie-Regiments ftaifer Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 bei fernem 100jährigen Bestehen im Hinblick auf bie zu allen Zeiten treu geleisteten Dienste ein Säkularsahnenbanb.
Es gereicht mir zur besonderen Genugtuung, die Schmückung Oer Fahne eigeichändig voniehmen zu können.
Gießen, 29. Mai 1903.
(gez.) Ernst Ludwig.
Oberst v. Graevenitz, der Rcgimentslornrnandeur, ließ danach die Fahne des 2. Bataillons vor führen, die sich, von Oberltnt. G i e s e und Ltnt. Frhr. NordeckzurRabenau eskortiert, vor dem Großherzog neigte. Eigenhändig befestigte Se. Königl. Hoheit an der Fahne daS neu verliehene Band, das das hessische Wappen und die Jahres


