Tomen wieder nach Straßburg, nach Pcwi§ und noch London. *&ei den letzten Nennen, das sie in Straßburg besuchten, äußerle Jacsons die Absicht, über Hamburg nach Loudon zu reisen, um von dort aus Rennplätze zu besuchen. Angeblich wurde er noch geschäftlich zurückgehalten und ließ daher seine junge Frau vorausfabren, die sich nun in einem ersten Hotel in Hamburg niederließ. Der Mann traf aber nicht ein. Als nach acht Tagen der Gastwirt feine Bezahlung erlangen konnte — die Gepäckstücke waren bei dem Manne zurückgeblieben — zeigte er die vermeintliche Zechprellerin bei der Polizei an. In ihrer wandte sich nun die angeführte Künstlerin an ihren Vater, der sie auslbste und nach Hause zurückführte. Die Mitteilungen über die Erlebnisse mit dem Manne, namentlich auch die wahrscheinlich vor gespiegelte Trauung in Paris, wurden der Polizei übergeben. In Hamburg hat sich inzwischen herausgestellt, daß sich Hutter dem falschen Namen Karry Jacsons der berüchtigte Falschspieler und Buch- dcher Heinrich Jacobus verbirgt, der von Hamburg aus gesucht wird. Er ist bisher nicht wieder aufgetaucht. Jacobus, der verheiratet war, verlor vor etwa Jahresfrist seine Frau durch den Tod^ Diese hatte in Berlin eine Liaison mit dem Attachee einer auswärtigen Gesandtschaft, j)em sie unter dem Vorgeben, daß ein von ihr geborenes Kind ihn zum Vater habe, die Summe von 20 000 Mark entlockte. Während seine Frau starb, verbüßte Jacobus eine Strafe und hat auch in Hamburg eine solche zu begleichen.
• In dem vielgenannten Buch „Aus einer kleinen Garnison" erzählt der Verfasser, Leutnant Bilsen, einen hübschen Streich, welchen die Einjährigen einer Schwadron ihrem auf Geschenke erpichten Vizewacht- m eist er gespielt haben sollen. „An der Wand stand ein Klavier, obwohl weder der Vizewachtmeister, noch seine Gattin, eine frühere Ladenmamsell, in die Kunst des Klcwierspielens eingeweiht waren. Doch mit diesem Klavier hatte es eine besondere Bewandtnis, und nie ruhte der Blick des Besitzers ohne einen gewissen Groll auf der schuldlosen „Drahtkommode". Im ersten Jahr ihrer Ehe nämlich hatte es die Frau Wachtmeisterin oft schmerzlich empfunden, nicht ein Klavier, das Kennzeichen einer „gebildeten" Einrichtung, ihr eigen nennen zu können, denn die Kollegin der zweiten Schwadron besaß ein Instrument. Ihr Gemahl sprach daher des Oesteren mit Nachdruck gegenüber den vier Einjährigen der Schwadron von den Talenten seiner Lebensgefährtin auf musikalischem Gebiete, die nun elend verkümmern müßten, da er zur Anschaffung eines „Pininos" nicht die nötigen Mittel besäße. Es hatte ihn daher kaum gewundert, als er eines Tages jenen „schwarzen Wimmerkasten", wie er ihn nannte, in seinem „Salon" vorfand mit einer schriftlichen Widmung der gütigen Spender. Als aber für die Einjährigen dec Tag der Entlastung kam, kam für den entsetzten Wachtmeister ein großer Wagen, dessen Lenker die Weisung hatte, das für sechs Monate gemietete Klavier wieder abzuholen! Um nicht zum Gespött der Kameraden zu werden und auf flehentliches Bitten seiner Gattin kaufte der Wachtmeister das Klavier auf Ratenzahlung, und nun stand das unselige Instrument unbenutzt an der Wand, während die Rechnung noch lange nicht abgezahlt war. Daher bie Wut des Wachtmeisters auf dieses Prunkstück seines Salons!"
Gerichtssaal.
Offenbach, 27. Okt. Vor dem Schöffengericht stand heute vormittag die Privatklage des früheren sozialdemokratischen Stadtverordneten Georg gegen den Redakteur der Ofielibacher Zeitung", Rädisch, wegen Beleidigung, und Sie Widerklage des letzteren gegen Georg, ebenfalls wegen.Beleidigung, zur Verhandlung. Es handelte sich, wie die „Openb. ßtg." schreibt, um die G e m ü s e d i e b st a h l s - A f f ä r e, von der nachdem sie allgemein bereits das Stadtgespräch bildete, auch die' Offenb. Ztg." Notiz nahm, ohne den Namen des Stadtverordneten Georg zu nennen. Trotzdem strengte dieser die Privattlage gegen der: verantwortlichen Lokalredakteur der „Offenb. Ztg." an. Ta Georg in der Sühneverhandlung mit Bezug auf den betreffenden Zeitungsarlckel beleidigende Aeußerungen fallen ließ, erfolgte bie Widerklage. Bereits in der am 7. Juli d. Js. stattgehabten Verhandlung, welche später wegen Nichterscheinen eines Zeugen ausgesetzt rvurde, hatte Rädisch erklärt, daß eine Beleidigmig des Privatklägers nicht beabsichtigt gewesen sei, daß der Arlckel nur in Anbetracht der kommunalen Stellung, die der Privatkläger ein- nahm, veröffentlicht worden sei und daß er im übrigen in der Lage teilt werde, die Richtigkeit der Aiigaben des Artikels mit Ausnahme von einigen umvejentlichen Punkten durch Zeugenaussagen darzu- tun. Trotzdem scheiterte damals ein vom Vorsitzenden versuchter Vergleich, da Georg vom Prwatbeklagten die Tragung sämtlicher Kosten, sowie die Veröffentlichung einer Berichtigung forderte, auf deren Fassung sich Rädisch nicht einlassen konnte. In der heutigen Verhandlung' kam, nachdem der Vorsitzende den Privattläger Georg wiederholt darauf hingewiesen hatte, daß er doch tatsächlich wegen Feldsrevels beslrast worden fei und auch seinerseits insolge der Widerklage eine Straie zu erwarten habe, ein Vergleich zustande, wonach Rädisch erklärte, es sei richtig, daß Georg seinerzeit wegen Feldfrevels mir 1.70 Mk. Geldstrafe belegt worden ist, daß aber die Ausschmückung der Schilderung der Tat des Georg auf falschen Informationen beruhte. Rädisch übernimmt die Kosten seines Anwalts und des Gerichts, während Georg die Kosten semes Anwalts trägt.
Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 28. Oktober 1903.
(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Prival-Diskont 3"/s Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse.
Oest. Kredit . . . 208.90
Deutsche Bank . . • 219.25
Darmstädter Bank . . 145.00
Bochumer Guß . . . 190.20
Harpener Bergbau . . 200.90
Schluß-Tendenz: Fest.
210.12
219.75
145.37
191.50
201.75
— Neue Reichsanleihe in Sicht? Sobald der Herbst etwas vorgeschritten ist, kann man mit ziemlicher Sicherheit darauf rechnen, daß' die ersten Gerüchte von neuen Anleihebedürfnissen des Reiches auftauchen; so auch jetzt. Es wird in einem Berliner Blatte daraus hmgewiesen, daß der Erlös der letzten Reichsanleche zu recht wefeittlichem Teil zur Tilgung der Schatzscheine dienen sollte und hervorgehoben, daß das Reich jetzt wieder Geld, braucht, also das Bedürsnis nach einer neuen Aiüeihe vorhanden ist. Dies Bedürfnis muß spätestens bis zum nächsten Frühjahr besriedigt werden. Man würde schon eher zur Begebung schreiten, wenn die Gelder nicht erst vom Reichstag bewilligt werden müßten. — Hoffentlich macht man sich dann in allen beteiligten Kreisen die Lehren zu Nutze, die sich aus der letzten Reichsanleiheemission ergeben haben.
— Dresdner Bank. Aus Berlin erhätt die „F. Z." eine längere Korrespondenz, die sich mit der Dresdner Bank beschäftigt. Von einer Kapitalerhohung könnte nur dann die Rede sein, wenn das Institut Aussicht sähe, durch ihr neues Kapital eine Erhöung ihrer Erträgnisse herbeizusühren. Gegenwärtig versügt das Institut über reichliche flüssige Mittel. Der Plan der Errichtung einer Filiale m Frankfurt a. M. bestcht zwar, wann er aber ausgesührt wird, ist noch unbestimmt. Die rheinische Bankbeteiliguiig ist in
guter Entwicklung und es dürsten die rheintsch-westsältschen Bank- interessen des Instituts in absehbarer Zeit S"Emem großen Bankunternehmen zusammengesaßt werden. Das laufende Geschäft der Dresdner Bant entwickelt sich befriedigend und darf die Dividend^ für 1903 mit mindesteiis 7 pEt. in Aussicht genommen werden.
Märkte.
Gießen, 29. Okt. Marktbericht. Auf heutigem Wochennwrkt kosteten: Bittter pr. Psd. 1,20—0,00 Akt., Hühnereier 1 St. 7-8 Vfg., 2 Stck. 00-00 Psg., GänfeeierOO—00 Pfg., Enteneier 8-0 Pfg^ Käse pr. Stck. 5—8 Pf., Käsemalle 2 Stck. 5—6 Psg., ^E)seltpr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubeii pr.Paar 0,70—09,0Mk., Hühner pr. St. 1,30—1,80 Mk., Hähne pr. Stück 0,70—1,50 Mk., Enten pr. Stuck 1 70—2,20 Mk., Gänse pr. Psd. 58—60 Psg., Ochsenflepch pr. Pfund 68—78 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—66 Pfg., todjrueme- fleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—76 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 65—74 Psg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 4,50—5,50 Alk., Weißkraut per Zentner 1.30 Mk., Zwiebeln pr. Zentner 4,50—5,00 Mk., Milch pev Leiter 18 Psg., Aepfel per Psd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg.s Zwetschen Mk. 7.00—9.00 pr. Ctr., Trauben 00—OOPfg^^^___^
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt alle, unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Gießen, 29. Oktober.
Ist eine Vereinigung der hiesigen Kaufleute gegen das immer mehr nm sich greifende Konsumvereinswefen möglich? Diesem wird am besten durch das in Norddentschland in vielen Städten mit Ersolg gegründete Rabatt-Marken- Spar- Verein-Sy st em entgegengetreten. Nur durch vereinte Kräste läßt sich em Ziel erreichen und aller Konkurrenzneid muß in bett Hintergrund treten. Durch ein Zusammengehen der Kausmannschaft läßt sich erstens mehr erreichen und zweitens verringern sich die Kosten weserttlich. Eine allgemeine Versammlung zur gegenseitigen Aussprache dürfte diesbezüglich am zweckdienlichsten fern. Der Einsender dieses ist bereit, die Sache nach Kräften zu unterstützen. M- L.....
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
Oktober 1903.
Barometer auf 0° reduziert
28.
226
738,3
28.
9“
740,3
29.
724
739,3
Temperatur der Luft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
12,8
8,2
75
8,5
7,9
96
6,4
7,0
98
Höchste Temperattlr am 27. bis
Niedrigste „ , 27. ,
Wetter
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28. Oktober
28.
2
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3
+ 13,4 0 C.
+ 3,5" 6.
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