Ausgabe 
29.8.1903 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 202

Erscheint tSgttch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt dre Gretzener Lamilien« oiatter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. 93er- lag d« Brühlffchen ^ntvert^Buch-«.Stein- druckerei<PtetzchErben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Gchnlstratze?.

toreffe für Depeschem «»zeiger Gieße«.

Ferusprechanschluß Nr. 6L

Erstes Blatt.

Samstag 29. August 1903

153. Jahrgang

Bezugspreis» monatlich75P^ viertel» Gietzener Anzeiger

N M _W> < MM ZeUenpretS: lokal 12M,

** General-Ameiger w .,ss,a

v den poltik and allgem,

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giehen MGZ

zeigenteil: Hans Beck.

Aie Anarchie im Hrient.

lieber dem Goldenen Horn ziehen sich die politischen Wolken immer drohender zusammen, die 9Nöglichkell eines kriegerischen Konfliktes ift nicht von der Hand zu weisen. Tie unmittelbar interessierten Mächte rechnen auch! dem Anschein nach mit dieser Eventualität, beim anders läßt sich die Tatsache kaum erklären, daß sowohl die britische Admiralität als auch Rußland und die Türkei den Kohlen­gruben in Wales ütT letzter Zeit sehr bedeutende Lieferungs­aufträge erteilt haben, die mit größtmöglicher Beschleunig­ung ausgejührt werden sollen. Die englische Marine­verwaltung hat nach derDaily Mail" das Doppelte der sonst um diese Zeit' für die Kriegsschiffe benötigten Quan­tität' in Auftrag gegeben, und von der russischen Regierung heißt es, sie habe eine Anzahl von Kohlendampfern ge­chartert, um die getauften Borräte sofort nach dem Be­stimmungsort zu schassen. Die Kohlenbestellung seitens der Türkei freilich entbehrt nicht des komischen Bei­geschmacks, well die türkische Kriegsflotte auch heute noch nicht für einen vollwertigen Kampsfaktor gellen kann. Daß sie, bei aller seemännischen Tüchtigkeit und persönlichen Tapferkeit der Besetzung, gegen die Flotte auch nur einer der im Orient engagierten Mächte, zu denen jetzt die Ber­einigten Staaten getreten sind, etwas ausrichtet, ist höchst unwahrscheinlich. Weshalb also die elligen Kohlendestell^- ungeu der Pforte? Sollte der türkische Marineminister hinsichtlich des Zustandes der meisten ' Kriegsschiffe den Sultan wieder einmal in Illusionen gewiegt haben?

Jedenfalls ift die Anarchie tm Orient zur Zell höchst bedenklich. Der amerikanische Vizekousul in Bei­rut, Magelsen, ein Norweger von Herkunft, ist zwar, neuesten Meldungen zufolge, nicht ermordet. In der Chiffre-Depesche über den Vorfall rn Beirut ift nach dem Rcuterffchen Bureau, eine Irrung vorgekommen; es han­delt sich um einen Mordversuch, nicht um einen Mord. Ein Unbekannter schoß auf ihn, die'Kugel flog dicht vorbei. Trotzdem ist die Entsendung amerikanischer Kriegsschiffe nach Beirut, die man nun allerdings nur als Vorsichtsmaßnahme ansehen kann, zur Tatsache geworden. Bis' die näheren Umstände der Tat amtlich genau bekannt sind, werden wohl drastische Mittel nicht cmgewendet werden. Das amerikanische Geschwa­der, das von Nizza nach der Küste von Tünis bestimmt war, hat indes Befehl erhallen, nach, Beirut abzügehen, und so haben sich denn bereits am Freitag abend die KriegsschiffeBrooklyn" undSan Francisco" nach Genua begeben, wo sie sich, mitMachias" vereinigen, um, nach­dem sie Kohlen eingenommen haben, die Reise nach Beirut an^llreten. In Newyork verlautet halbamtlich, daß, so­fern die Türkei nicht sofort alle amerikanischen Forder­ungen bewilligt, die amerikanischen Schiffe einen oder mehrere Häfen besetzen und der Gesandte abreisen wird.

Inzwischen wird die Situation im Orient im­mer gefährlicher. Nach einer telephonischen Meldung aus LRrshington depeschiert' das amerikanische Missionsamt in Boston dem Staatsdepartement, es habe Nachricht von der versuchten Niederbrennung des amerikanischen Euphrat-Kollegs zu Charput in Kleinasien, einer Misfionsanstalt, erhallen Die Gefahr der Lage dort nehme zn Infolgedessen hat auch hier der amerikanische Ge­sandte in Konstantinopel, Leishmann, einschrellen müssen. Er ersuchte die türkische Regierung, sofort zum Schutze aller in Charput lebenden Amerikaner die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen Die Miffionsverwaltung zu Boston wandte sich an das amerikanische Staatsdeparte­ment, nachdem es von dem Boffchaster aus Konstantinopel eine telegraphische Meldung erhalten hatte, daß der Fana­tismus in Charput sich kaum noch eindämmeu lasse und ein längeres Zögern gefährlich sei.

Währenddem wächst der Aufstand in Mace- bonien. Heber seit dem 18. August stattgehabte Kämpfe liegen folgende Nachrichten vor: Bei Tirnowo, nordwest­lich von Kllkilisse, sollen zwei Bataillone drei Daae lang von Komlleebanden umzingelt gewesen sein. Im Ge­biet zwischen Kirkllisse, Tirnowo, Wasstlito und Midra fan­den Kämpfe mll Banden statt. In Kirkilisse sind Gerüchte über bevorstehende Dynamitanschläge gegen die öffentlichen Gebäude der Konsularagenzien verbreitet. Me Konsulate von Adrianopel suchten beim Wali um Schutz nach. Von 24 türkischen Beamten der östlichen Kteise des Wilajets Uesküb, deren Bestrafung vom östreichisch-ungarischen und russischen Konsul beantragt und neuerlich in einer Me gefordert worden war, wurden bisher neun bestraft. Der Kommandant von Kirkilisse, Vehli Pascha, ist mit brei Bataillonen zur Verfolgung der Banden abgegangen. Mo- bllisiert tyurden die fünfte itnb sechste Rediefdivifton ut Adrianopel und Penoarma und sechzehn Bataillone der Rediefs zweiter Klasse, das mit zwei Nizamdivisionen fünf Divisionen ergibt. Bei Koile kämpften vor wer Tagen Aufständische und türkische Truppen 11 Kunden lang mll starken Verlusten an Toten uno Verwundeten. Es heißt, daß die regulären Baschibozus in Koile ernorangen, wo die Einwohner, welche geflüchtet waren, unter surckftbaren Martern unterworfen wurden. Im ganzen Msttrkt lleskub herrsche großer Schrecken. Endlich überfiel eme^^nsurgen- tenbande im Wilajet Monastir das Dorf d^eveskch das 2000 griechische und wallachische Häuser zahlt. Die Besatz­ung leistete Widerstand, mußte sich aber wegw der über­legenen Zahl der Aufständischen zuruckzrehen. Als Verstark- ung herankam, kehrten die Türken zuruck und umzingelten die Ausständischen. Nach mehrstündigem Kmnpfe wurden die Insurgenten teils getötet, teils z e rspr en g t und teils gefangen genommen. Die Fliehenden werden verfolgt. Die Bewohner kehrten in das Dorf zuruck, das militärisch bewacht wird.

Nach einer Konstantinopler Depesche macht sich zu anebem' die Geldn ot dort'wieder sehr fühlbar, sind zur Auszahlung des Monatsgehaltes und zum Thron­besteigungsfest in der nächsten Woche nur 100000 Pfund vorrätig und selbst unter den Truppen macht sich linzu­frredenhell bemerDar, da schon einige Zell oll Lieferan­ten wogen NichtzaMung kein Fleisch geliefert haben.

Die Wassergesellschast in llettos, die Konstantinopel mll Trinkwasser versorgt, forderte von der Pforte genügen­den Schutz, da sie befürchtet, daß die Insurgenten die Wasserzusühruug abschneiden wollen. Die Pforte ttaf Maß­nahmen. Me Ernennung des Marschalls Ibrahim Pascha, des Kommandeurs der 9. Division in Serres, zum Kommandochef der Truppen in Macedonien gilt als bevor­stehend. Ibrahim ist ein Mann der Tat und enffchiedenen Vorgehens.

Bei den orieu talisch en Bah n en wird eingehend erwogen, ob der Personenverkehr bis auf weiteres nicht ganz ein zu stellen wäre, da niemand mehr Garantie zu bieten vermag. Ein Exttablatt des macedoni- schen Komitees beschuldigt die Verwaltung »der Orientbahn, daß sie selbst das Leben der Passa­giere aufs Spiel setze, da sie vom Komitee recht­zellig gewarnt worden sei, die Passagierbeförderung einzustellen. Me Aufftändischen führen einen Kampf auf Leben upd Tod und betrachten die Zerstörung der Eisenbahnen als einen Akt d ringen d st er Not- weh r. Europa müffe endlich den christlichen Gebieten der Türkei zu einer menschenwürdigen Existenz verhelfen.

NoMische Tagesschau.

Aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Man schreibt uns aus Berlin, 28. Aug.:

Mll dem' Besuche Kaiser Franz Josefs in Rom, den die italienische Presse auf Grund des Papstwechsels als sichjer hinstellte, hat es wohl noch gute Wege. TerKreuzztg", die in Angelegenheiten der Auslandspolitik vorzüglich un­terrichtet rst, wird nämlich aus Wien, wahrscheinlich von diplomatischer Selle, geschrieben, es sei eine müßige Er­findung, wenn die kürzlich in der Grenzstadt Treviso er­folgte Begrüßung des italienischen Königspaares durch den östteichischen Dlvisionskommändanten Frhrn. v. Stei­niger mit euui Besmpsabsicht Kaiser Franz Josefs in Verbindung gebracht werde. Es handle sich um eine höfische Gepflogen hell, die allerdings als ein Zeichen sehr freund­schaftlicher Beziehungen anzusehen sei. Daß dem mit schweren mnerpolitischen Sorgen Krise in Ungarn beladenen Herrscher der Habsburgischen Monarchie jetzt und für die nächste Zeit die Absicht eines Auslandsbesuches fernlieA, ist. wohl begreiflich. Doch ebenso begründet" erscheint die Annahme, daß Kaiser Franz Josef zu einer Reise nach Rom grundsätzlich enffchlossen ist, und daß er durch Kaiser Wilhelm, seinen" für den 18. September erwarteten Gast, in diesem Beschluß bestärtt werden wird.

Bayer« und die Reichssteuerreform.

Unter der UeberschristBayerri und die Reichssteuer­reform" wird derGerm." von chrem Münchener Mll- arbeller geschrieben, es! sei nicht unbekannt, daß die bayrische Regierung eine Sanierung der Reichssinanzm vorerst durch die Tabakfabrikatsteuer möchte, weil auf das Er­gebnis der Mehrellrnahrnen durch die Zölle in den neuen Handelsverträgen nicht gewartet werden könne. Daß damit noch nicht das Problem der Reichssteuerreform durch F-est- legung des Verhältnisses zwischen den Matrikularbellrägen erreicht wird, sondern, daß man damll bis M den neuen Handelsverträgen warten müsse, scheint das Kalkül der bayrischen Regierung anzunehmerl. Bayern sei der Führer der Bundesstaaten hierin, und es sei somit ein Ausdruck der Lage, daß ein Bayer jetzt Reichsschatzsekretär werde. Aus Bayern fei ,Me Auffassung entschieden zurückzuweisen, als ob bayrische Zentrumsmitglieder durch den neuen Schatz­sekretär Frhrn. v. Stengel gewonnen werden könnten, die Steuerpolllik des Zentrums matt zu setzen durch Erhöhung oder Erwellerung der Verbrauchsabgaben des Reiches, um dadurch eine Erhöhung der Mattikularbeiträge hintanzu- Hallen"^ Die bayrische Zenttumspresse, die den neuen Staatssekretär warm begrüßte, hat übereinsttmmend eine Aktton in diesem Sinne in entschiedener Weise abgelehnt. Es giebt keine Tabaksabrikatfteuer nnö giebt nichts von St euern, die den Konsum des Volks belasten."

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Aug. Heute vormittag unternahmen der Kaiser und die Kaiserin, Prinz Eitel Friedrich und der Herzog von Coburg-Gotha einen Spazierritt von Wil- helmshöh e nach dem Essigberg, Der Kaiser hörte sMer die Vorttäge des Stellvertreters des Chefs des Ma- rinekabinetts, Fregattenkapitäns v. Krosigk und des Chefs des Zivllkabinetts Wirkt. Geh. Rats v. Lucanus. Zur Mittagstafel waren geladen Geheimrat Hinzpeter, Prin­zessin Wilhelm von Hessen-PhlliPPstal-Barch feH> mit Sohn, dem Prinzen Christian, und Hofdame Frl. v. d. Recke.

Der Kaiser lud 'die Mitglieder des sächsischen Provinziallandtages tzur Abentafel am 3. Sep­tember im Landeshause zu Merseburg ein.

Ueber Vorberei tungen für die Kaiser­parade bei Erfurt wird demHann. Cour." von dort berichtet: Der Militärfiskus hat das eigentliche Paradefeld, d. h. das Terrain, auf welchem die Truppen vor dem Kaiser vorbeimarschieren, sozusagen auf em Jahr gepachtet. Mit ankeren Worten: der Militärfistüs hat die Besitzer dieses zehn Acker umfassenden Terrains, sümttich Landwirte in dem

weimarischeu Dorfe Azmannsdorf, verhindert, für dieses Jahr es zu bestellen, und zahlt dagegen für den Acker 105 Mk. Weiter hat der MllllärfiskuS das fragliche Ter­rain im Frühjahr planieren und mit Gras besäen lassen, und selldäu ist unablässig unter Aufficht eines Majors z. T. daselbst gearbeitet worden, um eine möglichst glatte und feste Rasenfläche zu schaffen. Das Gras wurde häufig ge­mäht und der Boden gewalzt; jede sich infolge von Witte­rungseinflüssen usw. wieder zeigende Unebenheit beseittgt. Hierzu kommen jetzt, wo soeben die sehr große und sehr teure Zuschauertribüne dicht bei diesem Paradeierrain er­richtet wird, noch folgende Vorbereitungen: Me Truppen werden, von einer Stellung zwischen Azmannsdorf und dem nördlich davon gelegenen Torfe Kerspleben aus in südwestlicher Richtung nach,« jenem Paradeterrain und weiter­hin nach dem etwa einen Kilometer davon entfernten Bahndamm der thüringischen Staatsbahn zu marschieren. Sie müssen dabei einen von Azmannsdorf nach Erfurt führenden Ko^nmunalweg überschreiten, der aus der einen Seite von Pflaumenbäumen und einem Graben flankiert ist. Ter Graben muß deswegen auf eine erhebliche Strecke zugfüllt, und die zum Teil sehr stattlichen Bäume müssen aus dieselbe Strecke beseittgt werden. Ferner wird nicht nur eine Hallestatton an der Eisenbahn für den Kaiser er­richtet, sondern es wird auch von dieser aus eine Art Chaussee nach dem Paradeterrain gebaut, auf welcher sich der Kaiser mit seinem Gefolge zur Parade begiebt und diese wieder verläßt. Die Chaussee wird elf Meter breit und führt über eine Bodenerhebung, die zum Teil planiert wlld. Die betreffenden Arbeiten werden von Infanteristen und Pionieren- ausgeführt.

Ein Zeugniszwangsverfahren ist, wie wir bereits kurz mitteilten, gegen den Redakteur der i l f e", Hildeb rand, eingeleitet worden. Die ,,Hllfe" hatte Anfang d. I. einen Arttkel veröffentlicht, worin eine Dienstanweisung für die unmittelbar den Kreisschulinspek­toren unterstellterr Rekwren im Regierungsbezirk Potsdam" trittsiert wird. Zur Ermittelung des Verfassers wurde ein Ermittelungsverfahren gegen Unbekmmt eingeleitet und Hildebrand als Zeuge vernommen. Dieser lehnte jede Mit­teilung über den Verfasser ab, wofür er mit 100 Mk. Geld­strafe belegt wurde. Am Dienstag ging nun Hildebrand die Aufforderung zu, sich Donnerstag zum Anttitt dec Zwaugshüst wegen Zeugnisverweigerung zu stellen. Heute hat H>ildebrand in Moabit die über ihn verhängte Haft an getreten.

DemVorwärts" zufolge wurde der Anttag auf Haftentlassung Le ids unter Kautionsstellung wegen Fluchtverdachts abgelehnt.

Danzig, 28. Aug. Auf dem 44. Genossen­schaftstag wurde der Anttag der Genossenschaftsbank Moabit-Berlin auf Einführung gemeinsamer Maßregeln zum Schutz der Verbandsvereine gegen zahlungsunfähige uni) böswillige Schuldner sowie gegen andere Personen, denen gegenüber Vorsicht geboten erscheint, einstimmig an­genommen.

Kirche und Schule.

Nach einer Meldung aus Trier beschäftigte sich eine außerordentliche Stadtratssitzung mit der Errichtung einer katholischen Uebungsschule am Seminar der paritätischen Töchterschule. Der von der Re­gierung vorliegende Gesetzentwurf wurde als unllar zurückgewiesen. Man beschloß, die von der Regierung beantragte Art des Religions-Unterrichts der Entscheidung des Bischofs anheimzuftellen.

Kolonialpost.

Berlin, 29. Aug. Zu Angriffen gegen den Gouverneur von Samo a, Solf, bemerkt die natto- nalliberale Korrespondenz: Was etwa an seiner Geschäfts­führung zu beanstanden sei, werde ja der über die jüngsten Veröffentlichungen in der Presse zwischen ihm und der Behörde geführte Schriftwechsel ergeben. Durchaus irrig sei aber die Behauptung, der deutsche Generalkonsul in Sydney reiste nach Samoa, um der Regierung über die Lage der Tättgkeit des Gouverneurs zu berichten.

Ausland.

Kopenhagen, 28. Aug. Der Zar und die Zarin sowie König Eduard werden Mllte September gleich- zeittg aus Schloß Fredensborg eintreffen. Das Zarenpaar begiebt sich von dort zur Tellnohme an der Hochzeit des Prinzen Andreas von Griechen­land nach Darmstadt. '

Basel,' 28. Aug. Der Zionisten-Kongreß hat folgende Anträge der Nattonalfondskommission angenom­men. Zweck des Fonds soll sein: in Paläftin a und den Nachbarlanden Bau-, Acker- und Gartenland, auch Wald­ungen und Grundstücke jeder Art anzukaufen, das gekaufte Land zu bebauen oder bearbeiten zu lassen, oder auch an Juden mit Ausschluß der Afterpacht zu verpachten; alle möglichen oder denkbaren llnternehm- ungen, welche diesem Zwecke dienen, zu begründen oder zu fördern; zur Erhalttlng oder Erwerbung des Besitzstandes Verttäge jeder Art xu. schließen, sowie zur Entwicklung dieses Zweckes mit industriellen oder finanziellen Unter­nehmungen sowie mit Regierungen oder Behörden in Ver­bindung zu treten. Von dem Nationalfonds sollen % zmn Land an kauf dienen, 1/4 unantastbar bleiben und ftuchtbrin- gend angelegt werden. Die Feststellung des Statuts für den Nattonalsonds ist Aufgabe der nächsten Jahreskonse- renz. Die Generalversammlung der Aktionäre der Zionisti­schen Kolonialbant genehmigte den Bericht und die Rechnung. Diese ergiebt 2 Prozent Dividende. Die Summe