Montag 29. Juni 1903
Zweites Blatt.
153. Jahrgang
Die heutige Dummer umfaßt 8 Seiten.
den
serbische Staatsumwälz- toieber Friede in den oorgesMen wäre. Dian
die die go-
filden herrschen. Der Bundesrat vertagt sich, die saure Gurke tritt üi ihre Rechte. Bald wird sich die politische Sommerstille beruhigend auf die Gemüter legen.
In Aachen beabsichtigen die Sozialdemokraten Giltigkeit der Reichstagswahl anzufechten, weit Einsicht in (Die Wählerlisten nur fünf Tage möglich wesen sei.
fiziere werden begnadigt, Amnestieakt ist der erste Erlaß, zeichnete.
Kaum vierzehn Tage hat die
Roosevelt und der Zar.
Der amerikanische Präsident Roosevelt hat eine aus
einige reaktiviert. Der den der König unter-
Nr. 149
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem GießenerAnzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Kamillen, blätter viermal in der Woche bergelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh Plenen Unwers.-Buch- u.Etein- druckeret (Pietsch Erdens Redaktion. Srpeditton und Druckeret:
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ung gedauert. £eute herrscht Straßen Belgrads, als ob nichts hat nur 'mal die Dynastie gewechselt. Friede wird auch bald bei uns in den vom Wa^lampf zerstampften Ge
Tie Wahlen.
Von dem Kampf um den Reichslagssitz oes 3. Hess. Wahlkreises (Lauterbach-Alsfeid-Schotten werden uns einige heitere Stückchen mitgeteilt: Von allen Richtungen waren antisemitische Redner Herrn Binoewald zu Hilfe geeilt. So erschien auch in S t u m p e r t e n r o d bei einem dortigen Grundbesitzer ein Antisemit aus dem Rheinland. Man machte sich in Gemeinschaft mit einigen anderen Stumpertenrod.r freunden der antisemitischen Sache auf oen Weg nach Ködvingc n. Ter Saal war gut besetzt; der Antilemü aus dem Rheinland ließ seiner Beredt - samkeit freien Laus, er dachte ganz Zböddingen zu sangen. Doch mrt te* Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund
Staaten stammende jüdische Petition an den Zaren durch den amerikanischen Botschafter in Petersburg übermitteln lassen zu Gunsten der bei den Kischinewer Judenverfolgungen in Not Geratenen. Rußland notifizierte darauf der Regierung der Vereinigten Staaten, daß es des Präsidenten Roosevelt Entschluß tief bedauere, die Bittschrift oorgelegt zu haben. Es hoffe, daß die Vereinigten Staaten mit den ihnen dargebrachten Sympathieäußerungen zufrieden seien. Das russische Auswärtige Amt werde die Petition zurückweisen auf Grund seiner Politik, sich jeder Einmischung in die inneren Angelegenheiten fremder Mächte zu enthalten und für sich selbst auf gleiche Behandlung zu bestehen.
Nach der New Port „Times" ist der russische Botschafter Cassim in Washington über die Wendung der Dinge wegen der Haltung des. Präsidenten Roosevelt in der Kischinewfrage in Unruhe und erwägt ganz offen die Möglichkeit seiner Abberufung.
Völitische Tagesschau.
Wahlfälschungen sollen, wie wir schon am Samstag kurz berichteten, in Berlin von der Sozialdemokratie mehrfach verübt worden sein. Nach der „Kreuzztg." ergieöt sich aus den Listen, daß ein eganze Reihe von Personen Stimmen abgegeben hat für Wähler, die bereits verstorben oder nach auswärts verzogen sind. Heber die Vorgänge in Berlin ist den zuständigen Behörden Mitteilung gemacht worden.
Die „Post" berichtet, daß Fälschungen an der Hand von Drucksachenversendungen an die Wähler im Verein mit genauer Kontrolle der Wählenden im zweiten Berliner Wahlkreis möglich geworden seien. Diese Versendungen sind in diesem Jahre zum ersten Male durch die Post erfolgt. Von den verschictten Briefen an die 81000 Wähler des zweiten Berliner Wahlkreises sind etwa 5000 als unbestellbar zurückgekommen mit Bemerkungen, wie: „Aressat verstorben, A. unbekannt verzogen, A. verzogen nach (Angabe des Ortes)". Von diesen 5000 verzogenen oder verstorbenen Adressaten haben aber nichtsdestoweniger rund 1000 gewühlt! Unter diesen Wählern befindet sich z. B. der seit längerer Zeit in Swinemünde weilende Kaufmann .Hökscher, auf dessen Namen am 16. Juni gewählt worden ist, obgleich .Hökscher am Wahltage gar nicht in Berlin geweilt hat, ferner der Chemiker Auerbach, welcher seit vier Wochen in der Ratsapotheke in Thorn tätig ist, auf dessen Namen aber ebenfalls am 16. Juni gewählt worden ist. Höchst merkwürdig ist cs, daß im Hause Blücher- straße 67 sieben Wahlberechtigte verzogen waren, unbekannt wohin, und daß diese sieben dennoch sämtlich gewühlt haben.
Im 95. Bezirke ereignete sich der wunderbare Fall, daß auch ein Wähler sein Wahlrecht ausgeübt hat, obgleich er im Gefängnisse zu Tegel sag! Zum Beweise, in welchem ungeheuren Umfange Wahl schwindel von der Sozialdemokratie betrieben ist, führt die „Post" noch folgendes au: 95. Bezirk: Heinrich, Gottlieb, Invalide, Wckemstr. 94 (befindet sich im Gefängnis Tegel). 92. Bezirk: Glatte, Ernst, Referendar, Teltowerstr. 16 (vev- storben). 24. Bezirk: Schmidt, Gottfried, Korbmacher, An- »7 (verstorben). 145. Bezirk: Robert, Carl, Arbeiter, ibachstr. 68 (verstorben). 125. Bezirk: Horn, Wilhelm, Kaufmann, Zossenerslr. 40 (nach Stuttgart verzogen!). 34. Bezirk: Ettlich, Ernst, Maurer, Puttkamerstr. 17 (nach Drewitz bei Wittenberg verzogen). 119. Bezirk: Roller, Walter, Lithograph, Solmsstr. 30 (nach Heilbronn verzogen). 93. Bezrik: Kampsschmieder, Maler, Teltowerstr. 28 (nach Magdeburg, Brandenburgstr. 2a b. Jäger verzogen). 64. Bezirk: Fehr, Ernst, Kaufmann, Dennewitzstr. 9 (unbekannt verzogen). 129. Bezirk: Bote, Hcinr., Rentier, Plan-Ufer 17 (nach Grünheide i. M. verzogen). 77. Bezirk: Krause, Wilh., Kausm., Kirchbachstr. 7 (nach Köln verzogen). Anzeige ist erstattet und Protest gegen die Wahl eingelegt worden. Wie wir schon mitteilten, ist zu untersuchen, in welchem Umfange die Sozialdemokratie kurz von der Feststellung der Wählerliste die Genossen aus Nachbarkreisen, in denen ihre Stimme nicht ins Gewicht fällt, in Wahlkreisen großer Städte, wo wenig Stimmen den Ausschlag geben, als zugezogen anmelden läßt, ohne daß tatsächlich eine Uebersiedel- ung stattfindet.
zwischen zu viel verliebte Kußhände über den Ozean geworfen hätten, die dort Stimrunzeln erzeugt haben, und wenn wir das Geschwader nicht geradezu mit unseren Einladungen herübergezwungen hätten. Bei dieser Gelegenheit soll nun auch die Angelegenheit der S t a t u e F r i e d- richs des Großen erledigt werden, die man vielleicht am besten auf Räder setzt, weil niemand in Amerika ein dauerndes Bedürfnis darnach empfinde^ sie in seiner Nähe zu haben. Die amerikanische Presse brachte bieje diachricht mit dem Hinzufügen: es solle entschieden werden — ob die Schenkung überhaupt stattfinden sollte. Wenn diese Frage kurz mit Nein beantwortet würde, so würde die Zahl derer nicht gering sein, die diesseits und jenseits des Ozeans diese Lösung nrit einem „Uff" der Erleichterung aufnehmen würden....
Am letzten Samstag lief auf der kaiserlichen Werft zu Kiel der große Kreuzer „Ersatz ftaifer" vom Stapel. Durch den General-Feldmarschall Grafen Waldersee ist er auf Allerhöchsten Befehl „Roon" getauft worden. Der Kaiser, die Kaiserin, Prinz und Prinzessin Heinrich, die Prinzen August Wilhelm und Oscar, Reichskanzler Graf Bülow, der amerikanische Admiral Cotton sowie zahlreiche Ehrengäste wohnten dem Stapellauf bei.
Was außerhalb der schwarz-weiß-roten Grerizpsähle in vergangener Woche die Welt bewegt hat, konnte noch immer gegenüber der serbischen Umwälzung kaum aufkommen. So wurden von zwei Staaten des Dreibundes Ministerkrisen gemeldet. Wahrend die italienisch e aber lediglich in Personalfragen wurzelte und rasch und ohne Folgen wieder wie eine Fata morgana vorüber zog, wird die ungarische über Ungarn hinaus Folgen haben. Sie hat einen weiteren Ruck der ungarischen Politik nach der chauvinistisch-magyarischen Seite hin bewirkt. Wieder war es die springendste aller politischen Fragen, die Heeresfrage, die die östreichisch-ungarische Regierung in eine Zwangslage gegenüber den Parteien brachte und sie zu einem unglücklichen Kompromiß zwischen Neichs- einheit und Magyarennationalismus llvang. Sie hat zwar die einheitliche Organisation und die oeutsche Armeesprache in der östreichisch^ungarischen Armee, gegen die die Magyaren schon lange Sturm laufen, noch einmal gerettet — ober nur, indem sie ihre lange geplante Forderung vermehrter Rekruteneinstellung fallen lassen mußte. So zerren die verschiedenen Nationalitäten des habsburgischen Völkermischmasches toeiter an den Wurzeln der Reichseinhell und werden nicht ruhen, bis der Baum einst einmal abstirbt. Der neue Ministerpräsident, der Banus (Stall- Haller) von Kroatien Graf Khuen Hjedervary, der schon kürzlich den Kroaten bei ihren Revolten die magyarischen Krallen gezeigt hat, wird noch unbedingter als sein Vorgänger Szett tanzen müssen, wie die chauvinistische Kossuth- partei Pfeift. — Daß aber die Deutschen Oesterreichs, die für chre nationale Zukunft daraus erwachsenden Gefahren immer Rarer erkennen, beweist das feste Zusammenschließen der deutschen ParteienOe st er re ichs mit Ausnahme der Alldeutschen. Ein ständiger Ausschuß wird versuchen, in allen wichtigen Fragen ein gemeinsames Vorgehen der Deutschen zu ermöglichen.
In der serbischen Angelegenheit hat England die entschiedenste Haltung gezeigt. Es hat alle Beziehungen zu Serbien abgebrochen und seinen Gesandten abberufen. Die P for t e ahmte dieses Beispiel zum Teil nadjk erklärt aber jetzt freundlichst, daß die Zurückberufung des türkischen Gesandten in Belgrad keineswegs als Demonstration gegen König Peter gelten solle, sondern nur als Verurteilung des Königs mord es, dessen Sühne erwartet werde. Darauf aber wird sie wohl recht lange warten können. König Peter, der nun bereits seit fünf langen Tagen auf dem serbischen Thrünchen sitzt und sich über die Anerkennungsdepesche Kaiser Wilhelms „ausnehmend freut", zeigt nicht die geringste Lust dazu. Was ist denn auch grog vorgesallen? Die Kette politischer Morde, mit der man in Serbien Staatsstreiche von jeher prompt erledigt hat, ist um ein Glied vermehrt, Belgrad hat ein schauerliches Schaustück mehr. Der sorgsam bewahrte Blutflecken auf der Diele des königlichen Schlafgemachs, über den man nur einen kleinen roten Teppich gelegt hat, wird später, wie der immer wieder erneuerte berühmte Lutherklecks auf der Wartburg, den Fremden als nationale Ställe mit gehobenem .Gefühle gezeigt werden: hier vollzog sich ein politisches Ereignis ersten Ranges, das eine neue glücklichere Aera für Serbien heraufführte. Und die Urheber dieser Aera sollte man bestrafen? Es sind 85 Offiziere an dem Komplott beteiligt — der König ist vorläufig noch geradezu umringt von Mitgliedern des Komplotts, die seine besten Freunde sind. Darum ist es weiter nicht überraschend, daß er bei dem großen Offizier s-Empf ang am Freitag, als er über 900i Offizieren die Hand drückte, sagte, keiner solle aus seinem Vaterlande wegen seiner politischen Vergangenheit ausgewiesen werden. Er, der König, kenne die Bitterkeit einer Ausweisung, da er sie 45 Jahre gekostet habe. Ter König erkundigte sich nach den Persönlichkeiten, welche jeit dem Königsmord Serbien verlassen hätten, und sagte, man solle ihnen bei der Rückkehr wegen des Vorgefallenen keine Schwierigkeiten machen. Der Justizminister unterbreitete dem König eine Amnestieliste. Alle politischen Verurteilten werden freigelassen, anderen wird die ©träfe ermäßigt. Alle bestraftenOf-
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Gießener AnzeigerW
General-Anzeiger .“S
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW
U i KP tetaenteti: Pan« Beck.
Völitische Wochenschau.
Zu derselben Zell, da sonst in Deutschland der Mann mit den drei Buchstaben „M. d. R." auf der Visitenkarte in den Gründen des Schwarzwaldes, an den Gestaden des Vierwaldstätter Sees oder im kühlen Wellenschlag am Ost- oder Nordseeftrond von den verflossenen Kümpfen der pollli- schen Saison, an denen er teilgenommen hat ober doch wenigstens hätte teilnehmen können, zu träumen pflegt, wenn ihn nicht die Heuernte zu 5)aufe hält, hat es heuer für das politische Deutschland recht erheblich gezuckt. Die Tage der Hauptwahl und der Stich wahl haben das Alte umgestürzt und ein anderes Bild vor unsere Augen heraufgeführt. Ganze Parteien sind fast von der Bildfläche verschwunden, andere, die seit Jahren emsig versuchten, an die Oberfläche zu steigen, sichren weiter ihre Molluskenexistenz unterhalb des Wasserspiegels. Hervorragende parlamentarische Führer — sofern wir, was vielfach bezweifelt wird, solche überhaupt in der letzten Session im Vergleich mit oen klassischen Zeiten unseres Parlaments noch besessen haben — klangvolle Namen sind in den Tiefen der Wahlurne verschlungen und das verwaiste Parlament wird sich neue parlamentarische Größen aufziehen müssen. Wird der Liberalismus, der jetzt 51 Angehörige der nationalliberalen Partei, 21 der freis. Volkspartei, 9 der freis. Vereinigung, 6 der deutschen Volkspartei, im ganzen also nur 87 (bisher 103) Rcandate zähll, in wichtigen Fragen sein gemeinsames Votum in die Wagschale werfen ober werden weiter die zentrifugalen Kräfte nach rechts und links die Uebermacht behalten? Wird die ncllionalliberale Partei nach rechts schwenken oder werden Sozialdemokratie und Freisinn sich enger verbinden? So viel Wünsche, soviel Fragezeichen, zu denen noch das eine große kommt, mit dem vielleicht alle anderen erledigt sind: ob nicht doch alles beim alten bleiben wird? — Denn ttotz der Empfindlichkeit der Verschiebungen haben die Neuwahlen doch feine Aenderung von Grund aus herbeigeführt. Mll mehr Lärm als früher werden sich die 81 Sozialdemokraten (Höchst hat nun doch nicht den Sozialdemokraten, sondern den Z e n - trumsmann Jtschert gewählt) vor dem Kaiserhoch erheben und den Sitzungssaal verlassen. Ob aber in der Sozialdemokratie die Reformer Bernstem und Dr. David oder die Revolutionäre Koutsky und Bebel die Vorhand haben werden — auch darüber ist es müßig, schon jetzt Bellacht- ungen anzustellen. Vorerst versinkt der neugewählte Reichstag für Monate in die Bergessenhell. Die polllische Welt hat Zell zum Atemholen, Zell zu ernstem Durchdenken des Geschehenen!
In Hamburg folgte dem Wühl-Schlachtruf: hinweg mit der Monarchie", dem die sozialdemokratischen Massen in allen Wahlkreisen zum Siege verhalfen hatten, faurn vier Tage darauf der tausendfache Zuruf der festlich gestimmten Bürger: ,Loch Kaiser Wilhelm!" Wahrlich, daß vier Tage vorher rot gewählt war, das sah man, nach dem Prunk der viel schönen Reden zu urteilen, der Stadt Hamourg nicht mehr an! Nicht weniger als 225000 Mark halle man für ein paar Stunden des Kaiserbesuchs ' ausgewendet — der Schmuck, der Jubel, das Weller, alles ließ den Monarchen den Eindruck des Wahltages voll- e kommen vergessen. Kaiser Wilhelm hat ihn denn auch in seiner schwungvollen, stolzen und zuversichtlichen Rede bei der Einweisung des Schillingschen Kaiser Wilhelm-Denkmals vor dem Rathause Hamburgs nicht erwähnt. Nur ganz leise klang es durch seine begeisterte Verherrlichung der Zellen Wilhelms I. hindurch, daß manche schwarze Berge politischer Arbeit sich heute vor uns auftürnien. Der Kaiser hat sich gern unter den Hamburgern — beim Rathausmahl, im Hasen, beim Derby, dann bei der Cuxhavener Jacht- regatta — seines Lebens und des aufblühenden Hamburger Verkehrs- iumb Wirtschaftslebens gefreut, und die einflußreichen Reederkreise Hamburgs lassen es denn auch stets an nichts fehlen, die für ihre Interessen so wartvolle Teilnahme des Kaisers für Hamburg immer von neuem zu beleben. Daß neben mancher harmlosen Liebenswürdigkeit und mancherlei Byzantinismus auch der republikanische Unabhängigkeitssinn der Hamburger nicht ganz erstorben ist, beivies, daß die Stadt die ihrer geschichtlichen Ueberzeugung und ihrem Geschmacke widersprechende Bezeichnung „Wilhelm der Große" nicht auf das Denkmal gesetzt hat. Lieber hat man es vorläufig ganz ohne Inschrift gelassen.
Von Cicxhaven führte der Weg der kaiserlichen Jacht „Hohenzollern" durch den Nordostseekanal zur Kieler Woche. Hier bei den Rennen des Kaiserl. Jachtklubs sollten wir uns der Ehre freuen, von einem amerikanischen Geschwader besucht zu werden, das zur Verherrlichung der Rennwoche erschienen ifL. Was vor Jahresfrist dem Prinzen Heinrich drüben an Liebenswürdigkeiten erwiesen ist, konnte jetzt den amerikanischen Offizieren und Matrosen überreichlich heimgezahlt werden. In Byzantinismus gern einmal arbeitende Blätter, wie das „Derb Tagebl.", wissen bereits ihren staunenden Lesern zu berichten, daß man in Marinekreisen Amerikas über das liebenswürdige Urteil des deutschen Kaisers über die amerikanische Marine entzückt sei. In seinem Bericht über das Marine-Departement soll Admiral Ccllton erklärt haben, daß der Kaiser bei dem Besuch des amerikanischen Flaggschiffes sehr herzlich und teutselig gewesen sei. Er habe die Mannschaft und das ganze Schiff besichtigt und dem Kommandanten gegenüber seine hohe Anerkennung hierüber ausgesprochen. Ob der Admiral der amerikanischen Republiken wllklich das Wort „leutselig" gebraucht haben wlld'? Jedenfalls könnte man sich mehr dieses amerikani- scheu Freundschaftsbesuches freuen, wenn wir nicht in


