Ausgabe 
28.4.1903 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

u.

Höchste 2emperatuv ylieorigfte ,

in

11,6" C.

0,5' C.

Anfangs- 211,80 211,00 140,20 186,40

Enttäuschungen, bie man hiermit in früherer Zett in Hannover erlebt hat, werden hoffentlich diesmal zu der erforderlichen Vorsicht bei derartigen Unternehmen sühren.

Meteorologische rveodachruugeu

der Station Gießen.

am 26.-27. April , 26.-27.

rennDatm an Der peiDeroergerrrraBe Deyrmmi ranrnn. ans vuavr- rennen wird die .Goldene Armbinde von Reffen*, nur offen für Fahrer der Ertraklasie, zum Anstrag gelangen. Tas Rennen isr mit 1000, 300, 150 Mk. Barpreisen dotiert und bedeutet so daS höchste Geldpreis-Rennen der Darmstädter Rennbahn. Des weiteren werden ein Frühlingspreiskahren, ein 500-Meter-Handicap, em hochdotiertes 20 Kilometer-Rennen mit Motorschrttlmachern, .Preis von HeidelbergE gCnaimt ein lO-Slilometer-TlotoxTennen auS- gesahren. (D. T. A.)

Schlußkurse.

212,12

811,80

140,50

186,75

184,40

Pctrolcumbohruugeu in Deutschland. Im Hannoverschen, der Gegend von Wietze, macht sich neuerdings wieder em leb­hafteres Interesse iür Petroleumbohrungen bemerkbar. Tie schweren

Verichtssaal.

Kiel, 27. April. Ter Prozeß Hüsfener gelangt in bet nächsten Woche zur Hauplverhandlung.

Leipzig, 27. April. Tas Reichsgericht verwarf heute die Revision Der früheren Münchener StrftSvorsteherin v. H e u s l e r, die am 8. Marz vom Schwurgericht in München zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Iahrcii Ehrverlust verur­teilt wurde.

Darmstadt, 27. April. Die bieSjahrige Radreun. Saison wird am kommende« Sonntag, L. Mai, aus der Rad-

besonders begehrt und steigend.

Privat-Diskont 2»/, Prozent.

Lest. Kredit. . .

Deutsche Bank Darmstädter Bank .

Bochumer Guß . .

Summa: 48 (20) 34 (16) 5 9 (4)

Anm.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Vermischtes.

* Berlin, 27. April. Eine parlamentarische Weinprobe, an der auch die Minister Frhr. o. Ichein- baden, Frhr. v. Hammerstein und Moeller tcilnahmen, fand im Restaurationssaal des Abgeordnetenhauses statt. Die­selbe gestaltete sich au einer äußerst genußreichen Sitz- ung, die bei allen Teilnehmern nur die angenehmsten Er­innerungen hinterließ. Man wird dies begreiflich finden, wenn man erfährt, daß auf der Tagesordnung dieser Sitzung die erlesensten Weine des Rheingaues standen, die der Abg. Wolff-Biebrich in edler Menschenfreundlichkeit aus seinem sich des besten Leumunds erfreuenden Keller zur Verfügung gestellt hatte. Dem Reichsweingesetz werden die Teilnehmer an dieser Sitzung ewig daiikbar fein, denn nur diesem verdanken sie die angenehmen Stunden. Wäre näm­lich kein Reichsweingesetz eingedracht worden, so hätte dies Gesetz auch nickst an eine Kommission verwiesen werden uni) es hätte also keine Kommissionssitzung stattsinden können. Hätte aber keine Kommissionsfitzung stattftnden können, bann hätte der Abg. WolfsiBicbrich auch nicht an einer Kommissionssitzung teilnehmen können. So aber nahm er an der Kommissionsfitzung teil und zwar nicht als ein­facher abstimmender Abgeordneter, sondern in der schwer­wiegenden Eigenschaft eines Weinsachverständigcn für den Rhemgau, den Mainkreis und den Untertaunuskreis. W solcher trat er in der Kommission dem Bestreben entgegen, die Durchführung des Wcingesetzes mehr zu beschleunigen und erklärte, daß eine solche Beschleunigung, wie sie von manch'N Setten gewünscht wurde, nur schädlich wirken könne. =tn aäuLl^ch unwissendes Kommissionsmitglied wagte es.

Kunst und Wistenschaft.

Bremen, 26. April. Der Delegiertentag ber Goethe- b ü n b e einigte sich über ben von Berlin aus angeregten Volks- schillerpreis, sobaß bie Begrünbmig bieses unb ber Anschluß an ben Goethedunb in Berlin in biefer Sache in Aussicht steht. An Paul Heyse würbe ein Sympathietelegramm abgejanbt. An­läßlich bes Telegiertentages ber Goethebünbe würbe eine große Volksversammlung abgehalten unb nach Referaten von Iusttzrat Ionas (Berlin) unb Professor Diez (Stuttgart) eine Protestresolutwn gegen bie Theaterzensur beschlossen.

die Frage aufzuwerfen, ob Wolff auch wirklich auf diesem Gebiete sachverständig sei. Jetzt aber erstrahlte der so An­gegriffene im hellsten Lichte. Es wurde festgesteltt, daß er einen der schönsten Weinkeller am ganzen Rhein besitze. Als Herr Wolff sah, wie bei dieser Eröffnung bie Gesichter der Kommissionsmttalieder einen verlangenden, sehnsuchts­vollen, teils auch einen düsteren, resignierten Ausdruck an­nahmen, konnte er nicht wioerstehen. Er lud dtt Herren ein, vom Inhalt seines Kellers zu kosten. Flugs verließ auf seinen Befehl eine Reihe von Flaschen mit edlem Inhalt Die dunklen Räume seines kühlen Kellers und bildete, wtt gesagt, hier gestern den Gegenstand des eifrigsten frohesten Studiums dreier Minister und eines Kreises von bevor- rugten Abgeordneten. Allgemein wurde freudig anertannl, >ag die Weine wohl zu den besten und edelsten Gewächsen gehörten, die der gesegnete Rheingau hervorgebracht hart, und der Keller des Herrn Wolff-Biebrich wurde in feier» licher Weise für denjenigen erklärt, der den besten Wein Oes ganzen Rheingaues birgt So findet auch jetzt noch jede gute Tat ihren Lohn.

* H a t t i n g e n, 27. April. DerHalt Ztg." zufolge ereignete sich in ber Nacht zum Sonntag auf ber Zeche Friedlicher VLachbar" eine Explosion schlagender Wetter, bei der fünf Bergleute, darunter drei schwer, verletzt wurden. Einer ist seinen Verletzungen erlegen.

* Leipzig, 27. April. Im Lagerraum der Bvrck'schen Fabrik für elektrisches Installationsmaterial, Gerberstraße, zersprang ein Ballon mit Schwefelsäure. Die Flüssigkeit Drang durch ben Fußboden in eine darunter befindliche Werkstatt. Der Ingenieur Borck erlag ber Einwirkung ber giftigen Dämpfe. Ein Werkmeister unb drei Arbeiter sind fcljtoer erkrankt, einer von ihnen ist noch in Lebensgefahr.

Newyork, 26. April. Ein Telegramm aus Santiago in Chile meldet, daß nahezu die ganze Stadt P i s a g u a mit allen Banken, Telegraphenämtern und Geschäftshäusern niedergebrannt ist. Es fehlte an Wasser zur Be­kämpfung des Feuers.

* Frauenmorde. In Stettin wurde die Tischlerfrau (Solberg aus ftamnun von dem Steinschlager Przybylski aus Greifenberg ermordet. Der Tater wurde verhaftet. Nach einer Depesche derFrkf. Ztg." wurde ber Arbeiter Loose in Altona wegen Lustmordes an einem 9jährigen Mädchen aus 9leumünfter verhaftet.

Meralur.

Die Philosophie der Gegenwart in Deutschland. Eine Charakteristik ihrer Hauvtrich-tungen nach Vorträgen, gehalten von Oswald K ü l p e. (Aus 9iatur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlichf-gemeiiioer- ständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. 120 S. Preis geb. 1.25 Mk. Der Verfasser giebt in diesem empfehlenswerten Büchlein eine Charakteristik der vier Hauptrichtungen der deutschen Philosophie der Gegenwart: Posttivismus, Ma- terialismus, diaturalismus und Idealismus unb ihrer typischen Hauptvertreter und sucht das Interesse für die moderne Philosophie zu wecken und zu steigern. In der Einleitung betont er, bag das ganze philosophische Denken der Gegenwart vor dem Bedürfnis nach Anschluß an die einzelnen Wissenschaften beherrscht ist. Sodann zeigt er, wie sich dieser Anschluß an sie je nach den vier zu unter­scheidenden philosophischen Richtungen in besonderer Weise gestattet. Als typische Vertreter für ben Posttivismus wer­den Mach und Dühring, für ben Materialismus Häckel, für ben Naturalismus Nietzs che, für ben Idealismus Fechner, Lotze, v. Hartmann und Wundt behandelt. An bie Darstellung ber einzelnen Lehren schließt sich stets eine Kritik an, bereu Grund- gedanken am Ende des Buches nochmals zusammen gefaßt luerben. Danach mißt ber Verfasser bie Hauptbedeutung dem Positivismus und dem Idealismus bei, soweit sie wissenschaftliche Philosophie sind, unb sich zu willkürlicher Spekulation grundsätzlich ablehnend verhütten. Auf dieser Grundlage zeigt er bie Möglichkeit, wie eine fruchtbare Ein­heit der philosophischen Bestrebungen immer mehr ver­wirklicht unb eine geschlossene Weltanschauung erreicht werden kann. Das Bändchen verdient die Beachtung weitester Kreise unb wirb sich bald viele Freunde erwerben.

Handel und Kerlrchr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 27. April 1903. (Mugeieill von der Bank siir Handel und Industrie, Gießen.) Infolge der Ultimo- Liquidation bewegte sich das Geschäft an der heutigen Börse in ganz kleinen Grenzen. Vorwiegend war die Haltung eine recht gut behauptete, namentlich lagen Eisenaktien seft auf das Gerücht, daß Amerika ein größeres Quantum Spiegeleisen beordert habe. Kohlen- iverte baqege» infolge unglaubhafter Gerüchte von amerikanischen Kohlenofferten leicht nachgebend. Batikaklien lagen bei stillem Ver­kehr gut behauptet; besonderes Interesse zeigte sich andauernd für die Aktien der Russischen Bank für auswärtigen Handel. Für Canada ShareS trat London in Erwartung einer strammen New- Porker Börse als Käufer auf; von anderen Bahnen waren wiederum italienische gefragt. Auf dem Rentenmarkt lagen Türken­werte lest, während Spanier teils infolge der Wahlresultate, teils von Paris offeriert im Anschluß an die Mattigkeit der französischen Rente, sich leicht abschwächten. Ter Kaffamarkt zeigte auf allen Gebieten sehr feste Tendenz; Montan- und Terrauiwerte waren

Harpener Bergbau . . 184,30

Schluß-Tendenz: ziemlich fest.

Luthevtaae in Frankfurt" beabsichtigt. Die Veranstalt­ungen sirw ausschließlich für Evangelische besttrnrnt.-- Wir find überzeugt, daß das Fest reiche Anregung bringen wirb. Ist doch msoesonbere ber Festprebiger, welcher in der durch geschichtliche Erinnerungen so bedeutungsvollen Paulskirche seine Stimme erheben wird, nicht bloß durch sein kräftiges Eintreten für die Brüder in Oesterreich, sondern auch durch seine herrliche Rednergabe weithin bekannt.

Französi sche Vorträ ge unb Rezitation en. Lektor Goetschy kündigt uns für dieses Sommersemester einen Cyclus von 5 Vorträgen und Rezitationen in französischer Sprache an. Dieselben werden voraussichtlich Freitags statt­finden unb bereits am 8. Mai ihren Anfang nehmen. Die Vorträge werben Paris unb Umgebung (unter Vorführung von etwa 75 Lichtbilbarn) behanbeln. Die Rezitationen haben allgemein verstänbliche Stücke aus ber neuesten Literatur zum Gegensianb. Näheres soll halb im »Gieß. Anz." be­kannt gegeben werben.

Beförderung. Der berittene Gen barm B ecker, der über 9 Jahre in Gießen tätig war, am 1. Oktober vorigen Jahres nach Oppenheim versetzt wurde unb besten sympathische Persönlichkeit hier noch nicht vergessen ist, ist mit Wirkung vom 1. Mai b. Js. zum Oberwachtmeister beförberi worben.

** In ber Gemälbe-Nusstellung am Brand Hai gestern roieber ein teilweiser Wechsel ber Gemälbe ftattgefun» ben. An Stelle ber Liljesors-Kollektion sind 30 Gemälde neu ausgestellt. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß bie Corpocatwe Ausstellung ber Karlsruher Kunstgenossen­schaft, sowie bie seit heute neu ausgestellten Gemälbe nur bis zum nächsten Sonntag, 3. Mai, in ber Ausstellung ver­bleiben. Am letzten Sonntag war ber Besuch ber Ausstell, ung, auch von auswätts, außerorbentlich groß.

** Berichtigung. Tie gestrige Notiz zur Anfrage bes Abgeordneten K ö h l e r - Langsdorf, betreffend das Stipendien- wesen, ist versehentlich mit L. U. (d. h. amtliche Notiz der Landes- Universität) bezeichnet worden.

:j: Rödgen, 27. April. Der Gärtner Ludwig Jnderthal wird feit 8 Tagen vermißt. Er ist 63 Jahre alt unb versah in Gießen öfter Gärtnerarbeiten.

r. Eber stabt, 27. April. In vergangener Nacht zwischen 11 unb 12 Uhr brannten im hiesigen Hofgut bes Fürsten von Solms-Lich zwei große Scheunen nieber. Da bas Gut nebst Gebäuben an bie hiesigen Ein­wohner verpachtet ist, so sinb mehrere Leute, bie ihre Sachen in ben Scheuern hatten, burch ben Vranb geschädigt. Na­mentlich sind Strohvorräte und einige Wagen und landwirt­schaftliche Maschinen verbrannt. Vermutlich liegt Brand­stiftung vor. Die Wehren von Münzenberg, Treis-Münzen- berg, Muschenheim und Oberhörgern leisteten tatkräftige Hilfe.

A. Nidda, 25. April. Gestern abend hielt der Vor­schuß- und Kreditverein im Hotel Traube seine Gtmeralversammlung ab. Nach dem RechenschaftÄrericht betrug der Gesamtumschlag 1901087.73 Mk. An Rein­gewinn ergab daZ verflossene Geschäftsjahr 13 694.60 Mk. Nach Beschluß der Versammlung werden von dem Rein­gewinn zugewiesen: 5 Proz. Dividende mit 2750Mk. den Attionären, dem Reservefonds 10 000 Mk., der Svezial- reserve 500 Mk., dem Verein Krankenpflege 200 Mk., auf neue Rechnung vor getragen 244.60 Mk., die aus dem Auf- sichitsrat aussck-eidenden Mitglieder Braun, Fabrikant H. W. Cloos und Gerbereibesitzer Friedrich Storts wurden ein* stimmig wiedergewählt. Da.' Vermögen des Vereins, der leit 13 Jahren Aktiengesellschaft ist, beträgt 140 044.60 Mk.

n. Kohden bei Nidda, 23. April. Von schweren Schicksalsschlägen wird die Familie eines hiesigen Landwirts W. K. verfolgt. Nachdem vor etwa vier Wochen der eine Sohn infolge von Blutvergiftung gestorben ist, er­tränkte sich heute nacht der Vater selbst in ber an unserem Orte vorbeifließenben Nibda. Heute morgen 6 Uhr würbe seine Leiche im Wasser gefunben. Man wirb nicht fehlgehen, wenn man annimmt, baß ber Schmerz um ben Verlust bes Sohnes ben alten Mann in ben Tob getrieben hat.

R. B. Darmstabt, 27. April. Zum Besten bes Neu­baues bes hessischen Lehrerinnenheims war für heute abenb im Kaisersaal ein Konzert veranstaltet worben, bas sehr gut besucht war; in ben Dienst ber guten Sache hatte sich eine Anzahl Mitglieber aus ber besten Gesellschaft ge­stellt, so Frau Lili Wolfs kehl, Herr Ministerialrat Weber u. v. a. Die Darbietungen ber Solisten fanben im all­gemeinen einen sehr lebhaften Anklang, besonbers bas Trio von Beethoven (Frau WolfSkehl unb bie Herren Mehmel unb Weyers) unb zwei Stücke für vier Violoncelli (Ministerialrat Weber, Weyers, List unb Callmann). Unter Leitung bes Fräulein Luise Müller hatte auch em Frauenchor eine An­zahl Chöre einftubiert, ber nicht weniger als sieben Vorträge von BrahmS, Löwe rc. zum Besten gab. Das sich bis gegen 11 Uhr ausdehnenbe Konzert bürste einen recht erfreulichen Betrag zu bem schönen wohltätigen Zweck beitragen.

Jede sorgsame Mutter

sollte auf ben Rat des Arztes hören unb betm Waschen ber Kinber bie ärzlict^ empfohlene.Patent- Myrrholin Seife anroenben. So schreibt z. B. ein bekannter Arzt: ,B e i meinem Kindchen (z. Z. Vi Jahr alt) wegen oberflächlicher Haut- fchrunben rc. zu Waschungen in Ge­brauchgenommen, hat sichoroßartig bewährt. Die .Patent-Myrrholm-Leife', welche überall., auch in ben Apotheken erhältlich, woselbst auch Die 400 hochinteressanten Myrrhotin-Bilder arans zu haben sinb, ist bereits in vielen Familien als tägliche Gebrauchsjeise unentbehrlich geworben.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt akei umec Dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Kirtorf, 26. April 1903.

Man ist in Diehhändlerkreisen angenehm berührt burch Ihren Viehmarktbericht vom 21. b. WL Bringt doch ber Bericht eine Ver­fügung der Polizeibehörde zur Sprache, bie zu einer Unerträglich­keit für ben garzen Viehhanbet wirb. Ich muß zunächst betonen, baß biefe Verfügung em weit größeres Interesse, als vielleicht an­genommen wirb, auch für bie Lanbwirtschaft, sowie auch ganz be- jonbers für die Stabt Gießen, hat. Tenn es handelt sich bei dieser Verfügung, um nichts mehr und nichts weniger, als den F o r t - beftonb der Gießener Viehmärkte überhaupt. Es ist zweifellos, daß, wenn diese Verfügung weiter besteht, der Fott- oestand der Gießener Diehmärkte mindestens sehr gefährdet, wenn nicht ganz unmöglich gemacht wird. Taß man eine auSgemolkene Kuh betreffs ihrer Mllchergiebigkeit nicht beurteilen kann, und waS bann auch die natürliche yolge davon ist daß man ihren wahren Wert bann nicht einmal annähernb seslstelle, steht wohl fest. Der Viehhänbler, ber bas Vieh heute zu einem sehr hohen Preis er­stehen muß, soll gezwungen sein, seine Ware in einem Zustande zu Markte zu bringen, der ihren Wert sehr beeinträchtigt, ober sie gänzlich unverkäuflich macht. Was nun die Frage ber Ueberfüllung ber Euter anbetrifft, so kann, wie auch Ihr Herr Berichterstatter 'richtig anfühN, hiervon nicht bie Rebe fein. Es wirb sich wohl so leicht fern Händler finden, ber em Euter sich so überfüllen läßt, baß das Tier eine Qual empfindet unb dadurch in seinem Gesuiid- heitSzustand beeintt'ächtigt wirb. Wenn es trotzdem vorkommt, daß Tiere an sog. Alilchfieber erkranken, so muß ich darauf Hinweisen, daß dies bei frisch melkenden Kühen, auch in Ställen bet Land­wirten, trotz regelmäßiger Ausmelkung, vorkommt. Die Gießener Viehmärkte haben eine Bedeutung als Absatzort für die Landwirt­schaft nicht nur Oberheffens, sondern ganz Alitteldeutschlands. WaS nun eine Einschränkung, ober gänzliche Aufhörung bet Gießener Märkte auch für bie Lanbwirtschaft bedeutet, darüber wttd man sich in den beteiligten Kreisen wohl klar fein. Wenn nun, wie man aus den Ausführungen Ihres Herrn Berichterstatters, sowie aus Ihrem heutigen Bericht der Stadtverordnetenversammlung, wohl schließen darf, bie Stadt Gießen ein Interesse an der Erhaltung ihrer Viehmärkte hat, jo wäre eS an der Zeit, gegebenen Ortes für Aufhebung dieser Verfügung vorstellig zu werden. Sollte es mög­lich sein. Die Verwaltung der Stadt Gießen zu veranlassen, in dieser Sache für Erhaltung des Viebmarttes auch bie nötigen Schritte zu tun, so wäre ber Zweck biefer Zeilen erreicht. L. K.

Wir erhielten ferner ein Schreiben, das hn Gegenteil bet Freude über bie neue Polizeiverordnung Ausdruck gibt. Der Ein­sender sagt darin, baßer häufig Gelegenheit gehabt habe zu be­obachten, wie bas Vieh, das nicht ausgemolken war, kläglich zu leiden hatte. Er betrachte daS Verfahren mancher Viehhändler als eine arge Tierquälerei und habe oft den Gedanken gehabt, sich in der Sache an den Tierschutzverein zu wenden. Sicher ist über die Frage nicht so ganz einfach zu entscheiden. Doch kann man wohl nach den Anregungen, die in der letzten Stadloerordneten- sitzuug erfolgten, einer gründlichen und gerechten Lösung der Frage emgegensehen. D. Red.

yimtli^t sltdrrßchl der Todesfälle in vietzen.

Monat März 1903.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 21,41,

nach Abzug von 20 Ortsfremden: 12,50 Ico.

Kinder

ES starben an: Zusammen:

Erwachsene:

hn

vom

1. Lebensjahr:

2.-15. Jahr

Scharlach

1(1)

1 (1)

DiphlheritiS Im Wochenbett

2(1

2(1)

Kl)

1(1)

Tuberkulose der

Lungen

Tuberkillose anderer

5(3)

5(3)

Organe

2(1)

KD

1

Lungenentzündung

6 (2)

3(1)

1

2(1)

Apoplexie

Kl)

Kl)

*

Herzleiden Tarmkatarrh

1 1

1

1

Lebeusschwäche

1

1

Neubildungen

7(5)

7(5)

Altersschwache

4

4

Anderen Krankheiten 14 (4)

9(3)

1

4(1)

Verunglückung

KD

KD

Selbstmord

1

1

-

April 1903.

Barometer auf 0° reduziert

j £

! _ o

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

o

c

-C

1

3

Windstärke

Wetter

27.

2

738,3

+ 11,2

6,3

63

4

SSW.

2

Regen

27.

9«

739,5

+ 8,4

7,5

92

8.

2

Regen

28.

7"

...

740,4

+ 7,2

2,9

91

8.

2

Bed. Himmel