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28/03/1903 Zweites Blatt
 
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gebe weiter zu bedenken, daß von den Gemeinden für die persönlichen und sachlichen Ausgaben der Volkvjchub jährlich öi/2 Millionen geleistet wurden. Den technischen

Nachmittags - Sitzung.

Am Ministertisch: StaatünunisterRothe, Finanzminister Gnauth und ReglerungSkommissaricn.

Präsident HaaS eröffnet die Sitzung anstatt um 31 2 * * * * */, Uhr erst um 48/4 Uhr, da vorher zwischen den einzelnen Paiicioorständen in Gegenwart des Staatsministers und des Ftnanzminlsters Besprechungen über die eoent. Bewilligung der Forderung für die Technische Hochschule stattfanden.

Zur Geschäftsordnung erhält das Wort Abg. Rein­hart: Er könne erklären, dass der grüßte Teil seiner Freunde für die Bewilligung der Forderung für die Technische Hoch­schule eintreten werde, wenn sich die Großh. Regierung bereit erkläre, eine weitere Erhöhung der Studiengelder für die außerdeutfchen Studierenden auch während des Sornrner- semesterS emtreten zu lassen, sodaß sich in den Einnahmen an Studiengeldern ein Mehr von etwa 60000 Mark ergebe.

Abg. v. Brentano bemerkt, die Negierung habe schon die Erklärung abgegeben, daß mit der Bewilligung der jetzigen Lriveiterungsbauten alle Wünsche befriedigt seien und weitere Anforderungen nicht erhoben werden würden, sich auch be­reit erklärt, die Sludiengelder für die Ausländer zu erhöhen, sodaß eine gute Verzinsung der jetzt aufzuwendenden Siimine erreicht wird, eS sind unsere finanziellen Bedenken gegen die Vorlage behoben. Wird nun auch noch seitens der Regierung eine befriedigende Erklärung auf die Anfrage deS Abg. Rein­hart abgegeben, so werde er mit feinen politischen Freunden in dec Lage sein, für die Vorlage zu stimmen.

Abg. Dr. Gutfleisch (frei).) hat in seinem und seiner Freunde Namen zu erklären, daß sie für die Be>oilligung der Forderung waren und auch bleiben würden, ohne Rücksicht auf die zu erwartende Regierungsantwort.

Abg. Hirschel (Antis.) erklärt, er sei prinzipiell für die Bewilligung der Vorlage gcnresen und habe daher wohl nicht nötig, sich noch näher darüber zu erklären. Wenn jetzt seitens der Regierung eine entsprechende Erklärung abgegeben werde, 0 werde er und ein Teil seiner Freunde für die Vorlage stimmen.

Sie wollten aber dabei keineswegs dem Institut die Lebensader unterbinden, sondern seien lediglich durch das Zweirnillionen-Defizit zu ihrer Haltung veranlaßt. Redner bedauert dann, datz die Regieruna einen von seiner Partei gemachten Vennittelungsvorscylag auf Be- willigung von 400 000 Mark abgelehnt habe, die zu not- wcndiaen Erweiterungsbauten dienen sollten.

Abg. Schönberaer (nl.) nimmt der Vorlage aegen- über einen schroff ablehnenden Standpunkt ein uiw legt denselben näher dar.

FrnanKMiuister Gnauth hält es für seine Pflicht, hier nochmals zu erklären, daß er nicht die Bedenken derjenigen teile, die unter Himveis auf die ungünstige Finannzlage die Forderung ablehnen wollten. Wenn die Finanzlage eine jo schlechte wäre, dann müßte doch noch verschiedenes Andere abgelehnt werden, was vielen der Herren sehr am Herren liege. (Heiterkeit.) Er habe schon die Zusich.rung gegeben, daß er an neue Steuern absolut nicht denke und er erkläre weiter, daß er jede Vcrcuil- wortung für die Bewilligung dieser Forderung gern über­nehme.

Abg. Dr. Heiden reich (nl.) weist darauf hin, daß er in dem Ausschuß das einzige Mitglied war, was gegen die Forderung stimmte. Er werde aber nach den Erklär­ungen der beiden Minister dafür stimmen. Merkwürdig sei, daß die anderen Herren, wie Hirschel und Molthan, im Ausschuß dafür und jetzt dagegen seien.

Abg. Ulrich weist ebenfalls aus diesen plötzlichen Wandel in den Anschauungen hin, und plüoiert bann sehr lebhaft für Bewilligung der Regierungsforderung. Bei Ablehnung würde das Institut in Stagnation kommen, und das wäre sein Ruin. Die Erweiterungsbauten Hütten schon vor Jahren borgenommen werden müssen. Es sei doch unerhört, daß das größte Aud.torium der Hochschule eine Baracke fei, also die Technische Hochschule ein Baracken­lager, das sei doch gar zu merkwürdig. Die Forderung sei genau so berechtigt, wie die für die Universität an­standslos bewilligten.

Da noch zehn Redner zum Wort gemeldet sind, wird die Sitzung um H/i Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung heute nachmittag 31/2 Uhr.

Hochschulen verdanke die deutsche Industrie in der Haupt­sache ihren großen Aufschwung, die Bewilligung der For­derung (ui daher Wirklich eine gute Tat.

Abg. Molthan erklärt, daß er und seine Freunde auf ihrem ablehnenden Standpunkt verharren würden;

an von Menschen bewohnten Orten anlege und dabei ganze Dörfer beseitiae. Er sei gegen die Aufforderung an bic Regierung, aus die Anlegung eines neuen Truppenübungs­platzes hinzuwirken.

Abg. Kohler führt Klage darüber, daß die Auszahl­ung d er Verpflegungsgelder so spät erfolge.

Ministerialrat Best betont, die Einquartierungslasten seien in den letzten Jahren Dank der durchgreifenden Maßnahmen der GeueralkommaiidoS wesentlich herab­gemindert worden. Daß eine allgemeine Erhöhung der Verpslegungsgelder notwendig sei, halte auch die Regier- ung für empfehlenswert. Zu Der Frage über den Weg­fall der Magazinvcrpflegung könne er sich nicht äußern,! es seien hierfür wohl in erster Linie militärische Ge­sichtspunkte maßgebend.

Nach kurzen Bemerkungen der Abgg. Leun und Haas-Mainz kommt es noch zu einer persönlichen Ätos- einandcrsetzung zwischen den Abgg. Dr. David und Köh­ler, alsdann wird der Ausschußantrag mit großer Mehr­heit angenommen.

Nach einer kurzen Pause gelangt die von der ersten Kammer genehmigte Etatspositiou, für Erweiterungs­bauten an der Technischen Hochschule Ö587G0 Mark zur Beratung.

Abg. Hirschel legt als Referent deS Ausschusses die Gründe dar, die den Ausschuß bewogen haben, dem Be­schluß der Ersten Kammer zuzustimmen. 0S fei das na­mentlich durch die Erklärung des Staatsministers ae- scheheil, der den Hochschuibau mit der jetzigen Bewillig­ung als abgeschlossen bezeichnet und die Erhöhung bei Studienaclder sür Auswärtige zu erhöhen sich bereit er­härt habe.

Staalsminister Rothe führt aus: Nachdem die erste Annulier die Bor läge bewilligt hat, liegt die Entscheidung in der Hand der zweiten Kammer. Die Regierung lege der Bewilligung dieser Forderung die größte Bedeutung bei. Er fei überzeugt, daß das Haus das Institut nicht aufheben, sondern weiter fördern wolle, und dazu fei die Bewilligung absolut notwendig. Der Erweiterungs­bau sei gemeinsam mit der Kammer iin Jahre 1901 be­schlossen worden, die jetzige Vorlage sei nur eine Folge oieses Beschlusses. Er erkläre namens der Regierung auf bas Bestimmteste, daß dieselbe mit dem jetzigen Erweiter­ungsbau die Ausgestaltung der Techniscl>en Hochschule als abgeschlossen betrage und keinesfalls mit weiteren For­derungen dafür kommen werde. Die gewünschte Erhöhung der Studiengelder für Ausländer fei im Wintersemester 1901/02 eingetreten, und ergebe ein Mehr von 35 000 Mk, also mehr, als die Verzinsung der jetzt geforderten Summe ausmache. ES sei beabsichtigt, fofon nach der Fertigstell­ung der Erweiterungsbauleii, im Herbst 1904, eine weitere Erhöhung der allgemeinen Studiengelder eintreten zu lassen. Wenn also die Regierung durch die Bewilligung der Forderung in der Lage sei, das Jnstitiit auf seiner jetzi­gen Höhe zu erhalten, so werde durch die erhöhten Ein­nahmen ein vollständiger Ausgleich für die jetzige For­derung cintrcten. Er bitte deshalb dringend um An­nahme der Forderung, die Regierung müsse jede Verant- Wortung für die euent Zlonsequenzen einer Verweigerung dieser Summe oblehnem

Abg. Reinhart (nl.) tritt in wärmster Weise für die Bewilligung der Forderung ein. Er und seine politischen Freunde hatten schon einmal, im Jahre 1879, die Hoch­schule vor dem Untergang gerettet: die heutige Aktion gegen dieselbe sei ganz ähnlich. Redner wendet sich dann gegen die früheren Aeußerungen des Abg. Wolf und stellt einen interessanten Vergleich an zwischen den Bewillig­ungen für die Universität Gießen und denen für die Technische Hochschule. Für die Universität seien seit 1888 8051000 Maik, |ür die Hochschule dagegen nur 2 700 000 Mark vom Staate geleistet worden, wozu bann allerdings auch die Stadt Darmstadt noch eüua zwei Millionen be­willigt habe. Der Slaalszuschuß für jeden Studenten in Gießen betrage 874 Mark, für jeden Studierenden der Technischen Hochschule nur 168 Mark pro Jahr und er

Abg. Weidner (Hess. Dp.) wendet sich mit persönlichen Bemerkungen gegen den Abg. Ulrich und erklärt dann, baß auch er nur aus finanziellen Gründen gegen die Bewilligung der Summe gewesen fei. Nach den heutigen Ausführungen des Staatsministers und des FinanzminssterS würde doch eine schwere Verantwortung darin liegen, auf dem oppositio­nellen Standpunkt zu verharren. AuS diesem Grunde werde er und seine Freunde für die Bewilligung der Forderung stimmen.

Abg. Äorell (iraktionSloS). Er habe feine Stellung zu der Vorlage überhaupt nicht vorher festgelegt; er werde, wenn die Erklärung der Regierung ihn befriedige, für die Forderung stimmen.

Abg. Bähr erklärt, daß er unabhängig davon, wie die Regierungserklärung ausfalle, gegen die Vorlage votieren werde.

StaatSmiyister Rothe führt au8, er habe schon heute morgen dargelegt, daß, wenn ständischerseitS die angeforbertc Vorlage bewilligt werde, alsdann die Großh. Regierung be­reit sei, vom Herbst 1904 ab eine Erhöhung der allgemeinen Studiengelder emtreten zu lassen. Sie sei auch bereit, den auS der Mitte deS Hauses von verschiedensten Seiten ge­gebenen Anregungen Folge zu leisten und gleichzeitig eine Erhöhung der Studiengelder für die außerdeutsihen Stu- bicrenben auch für bas Sommersemester emtreten zu lassen. Wir würden alsdann immerhin auf eine weitere Einnahme von 60 00060000 Mk. zu rechnen haben. (Allgemeine Bravorufe.)

Präsident Haas fragt, ob die zehn noch vorgemerkten Redner nun noch das Wort ergreifen oder nicht lieber ver­zichten wollten, Die Abgg. Langenbach, Erk, Dr. Gilt­st eis ch u. A. verzichten darauf, während die Abgg. Wolf, Bähr und Joutz das Wort verlangen und in längeren Ausführungen noch einmal ihren ablehnenden Standpunkt darlegen.

Die Vorlage wird schließlich mit allen gegen 7 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten die Abgg. Schönberger, Wolf, Joutz, Hauck, Bähr, Kipper und Brauer.

Es werden sodann noch einige auS der Ersten Kammer zurückgelangte Positionen durch debattelose Zustimmung er­ledigt, worauf Präsident HaaS erklärt, daß damit der Ha uS- haltSetat für 1903/4 von der Zweiten Kammer definitiv verabschiedet sei.

Auf der Tagesordnung steht nun noch Anfrage der Abgg. Langenbach und Genoßen über den Kaufmännischen Unterricht.

Staatsminister Rothe verliest als Antwort hieraus eine längere Erklärung der Regierung, worin mitgeteilt wird, daß die Handelskammer Mainz bereits einen AuSbildungSkursuS ür Lehrer an kaufmännischen Fortbildungsschulen eingerichtet habe. Die Regierung habe deshalb zur Zell keine Veran- lasiung, auf diese Frage weiter emzugchen.

Auf Antrag Langenbach soll die Regierungserklärung gebrueft unb barauf eine Besprechung ber Angelegenheit an­beraumt werden.

Es entspinnt sich nun noch eine längere Debatte übn die nächsten Sitzungen. Schließlich wirb der Antrag auf eine SamStagSsitzung abgelehnt und die nächste Sitzung auf Dienstag 10 Uhr anberaumt Schluß 6*/4 Uhr.

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ler ifchen Mitteln schüfe, würde von der Presse, die Herr Ernst zu achten oorgiebt. Dank und Sympathie ernten. Leider ist der selige SDlohöre schon lange tot, seine Spuren führen nicht diirch Ernsi'sche Kiitderschulstuben, und der große un- barmherzige Wahrheitsapostel des Nordens, Ibsen, führt sein Eeziermesfer anders als der Herr Lehrer a. D. Otto Ernst fein spanisches Röhrchen. Wenn bei so einem Revoloerblatte eine Redaktionssitzung stattsindet, dann ist daS, wie er glauben machen will, ein großer, ansehnlicher Stab, obwohl eS in Wirklichkeit zumeist ein kleines, untergeordnetes Organ mit armfcligcn Mitteln und in armseliger Verbreitung ist. Den großen, anltänbigcn Teil der Presse läßt Otto Ernst allerdings auch zu Worte fonuuen, aber die Tätigkeit des ,guten* Redakteurs ist so schattenhaft, energielos, man möchte fast sagen trottelhaft geschildert, daß er ganz e ndruckSloS bleibt. DaS meiste Material über die schlechte Presse, so sagte Otto Ernst in seinem Wiener Interview selber, habe er inFrankreich gesammelt, und als deutsches Stück tischte er eS einem deutschen Publikum auf! Wenn eS ihm darum zu tun gewesen wäre, zu demonstrieren, daß die Kimst, die Kritik und die öffentliche SUlemung in zwiespältigem Ver­hältnis zu einander sich befinden, dann hätte Ernst nicht so tiefstehende, kaiim irgendivo zu findende Subjekte wählen dürfen wie die RedaklionSmitglieder der .Gerechtigkeit*, denen jeder sittliche Ernst fehlt, die ohne Urteil, ohne Geschmack, ja ohne einen Funken von Selbstachtung von den gemeinsten Motiven getrieben, einen Künstler zu unterdrücken bestrebt sind bloß weil er die musikalische Mitwirkung einer Dame abgelehnt hat, die der Redaktion nahe sicht. Auf diese Art ist die un­bestreitbar gute künstlerische Idee, einen nicht abzuleugnenden schweren Mißstand zu geißeln, deren ernsthafte Ausführung eine Tat wäre, nicht diirchzuführcn. Die Sentenzen und Scherze über Preßfreiheit unb Unfreiheit des kritisierten Künstlers bauern viel zu lange, kehren mit etlichen Varianten immer wieder unb wirken schließlich ermüdend. Die einzige LiebcSszene aber i't unsäglich lächerlich; ein junges Mädchen erscheint um , 10 Uhr abends in der Wohnung des von dem Revoloerblatte bejubelten jungen Komponisten, um ihm Rosen au bringen und nebenbei rührselige Gespräche mit ihm

zu führen! Man wird sich freilich dann auch nicht wundem dürfen, daß dasselbe Fräulem am nächsten Abend schon die Braut deS Komponisten geworden ist! Das Spaßhafteste dabei ist, daß sie eins der neun Kinder eines Rebakuons- mitglicbeS gerade jenes Schandblattes ist, eines alten Herrn, der ohne Rücksicht auf seine und der zahlreicheii Semigen Zukunft der .Gerechtigkeit* empört den Rücken kehrt. O deutsche Komödie, was tätest du ohne Schlußverlobung unb Verlobungöschluß! Hat man sich auch lange Zeil hindurch vergebens nach Stuck und Handlung umgesehen, die fried­liche Aussicht auf saftige Hochzeitsfchüsseln macht alles wieder gut.

Das Stückchen hat aber auch seine kleinen Vorzüge. Der

2. Auszug, der in der Redaktion berGerechtigkeit" spielt, ist ganz amüsant, unb manches Aeußcilichc ist bem Milieu in einem ZeituiigSbetricbe ganz nett abg< guckt. Unb wenn

es auch, wie in jedem anderen Berufe, in dem journalistischen

eine foldje ausgesuchte Lumpeiibande wohl nur in der Ein­

bildung des Herrn Ernst gibt, und ebenso eine solche Gift­

nudel von Zeitung, die ihre Feuilletoniubrik znm Rcdak» tionsspuctuapf benutzt, so ist bod) bie Lehre, bic der Ko-

mödienschreiber sich selber gibt, ganz verständig. Ter von der Kritik heruntergemachte Künstler soll sich nicht aus Prcßpolemiken cinlaijen, sondern durch bessere und voll- tomnienerc Kunstwerke seine Tadler zu entwaffnen suchen! Zu rühmen sind ferner ein andauernd frischer Humor, flotte Szenenführung, mand'C musterhafte Episode, die präg­nante Sdstagfertigkeit des Dialogs.

Es hat etwas recht Zweifelhaftes, wenn auf der Bühne ein Künstler als fabelhaftes OK*nie, als der Töne Meister, als cm neuer Rid-ard Wagner auSposaunt wird, in feiner Persönlichkeitswuk^ng aber abjol.-t nichts Bezwingendes vom Autor mitbclommcn hat. Tiefe unbanibarc Figur dar- zuftellcn, lag gestern Herrn v. Stahl ob. Ta Herr Ernst es versäumt hatte, zu zeigen, welcl-c Welten in diesem Manne stccrcn, sodaß nia/t öaS mindeste zu spüren ist von dem Herzschlag eines musikalischen Lebens, so hatte sich Herr v. Stahl darauf zu beschränken, einen jungen Brause­kops zu zeichnen, der nichts anderes tut als sich fort- wahrend ulki- Druckerschwärze zu erbosen, worin offenbar Herr Ernst bie Charakteristik beS KünstlertumS erblickt. Tiefe

Ausgabe erfüllte Herr v. Stahl mit fd>önem Temperament und Frische, in edler Haltung und mit echten GefühlS- walluiigen. Den besonnenen, die impulsive Künstlernatur dämpfenden Freund hatte Herr Ger lach darzilftellcn. Dieser phantomisch-imaginär mit wenigen blassen Slrick)en aiigedemeteweiße" 'JiebaLeur ist schon vom Auivr zu kümmerlicher Passivität verurteilt, und Herr Gerlach gab ihn denn auch nicht weniger oberflächlid) als Herr Eriill selber. Tie mehr oder iveitigcr amüsanten Merle und Kerlchen von derGerechtigkeit", die unter sich und mit dem Verleger im schnodderigsten Tone verk.hr en, bereite­ten als possenhafte Chargen unfern Tarsteliern viel Ver­gnügen. Ten Herrn Löhmann, der mit öffentlicher Mein­ung handelt, stellte Herr Becker leider recht matt dar. Die Rolle bietet Gelegenheit, einen kiobiaen Pr^tz Wil naivem Chnismus zu zeichnen, dem eine sehr starke Wirk­ung beschicden sein kann. Tiefer Sck>undb mt.be jitzer von verwegenster Niedrigkeit der Gesinliung ist von seiner Macht außerordentlich überzeugt, und pocht mit stärkstem Selbstbewußtsein barauf, baß feineGerechtigkeit" von allen bcn Tausenden und Abertaufenden gern geiefen wird, die an Klatsch und Skandal Vergnügen finden. Um so wirt- ungsvoller war dafür unter Herrn LöhmannS Pießban- bilcn Herr Ramfeyer als alkoholisierter Intellekt der Redaktion, eigentlich bad einzige Fettauge auf Herrn Ernsts breiter Wassersuppe, ein witziger Zeimn-Uebermensch mit spitzen Rcbcpseilcn. Ter Haup.gauner berG.rechtig- feit", ber Rezensent Struppmann bcs Herrn Steinert war auch nicht übel; indem er den Sarkasmus und die Boshastigkcit besonders kräftig unterstrich, hatte er den Beifall auf seiner Seite. Um die übrigen druckerschwärz­lichen Gentlemcn machten sich uamemlid) die Herren Zo­ber und Topfen verdient. Mit Aneik.irnung zu neiuu» sind endlich auch die Herren W^allmüller, Heypertz unb Kruse unb bie Damen Schmibt, Bünau unb Brücher. Siebe zur Sache war bei allen zu spüren. Könnte man nur mit bem Stück selbst auch einverjianben sein wi: mit ber gestrigen Aussühmna, bic mit lebhaftem Beifall ausgenommen würbe! Vielleicht kommt Herr Ern» selber noch einmal zu ber Einsicht, baß, wie Herrn Loh' manns, seine ganzeGerechtigkeit" bes Zornes ber Edle» nicht wert ist. PW.