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28.3.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 74

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«djulörahr 7.

Mbrtflt für Depeicben:

teiger Gießen.

^rrnlprrAan»d>lufc J/r.5l.

Samstag 28. März 1903

Zweites Blatt.

153. Jahrgang

monatlich 76i>U piertel- iäbihd) Mk. 7J8O; durch Addote- u. Zwergstellen monatlich 65 Pl.; durch die Volt itf.t.vierid- jährt. aiitlcbL Bestell-. Annahme oon Anzelqe» ür die lagHnumin« dis Dormutaa» 1U Uhr.

3«lenprti<: lokal UtiU au»ivane 8U Big.

Verantwortlich für ben polu. und allgem. Teil: U «Jittto. tüt »Stadt und Xdanb* und ^lLenchtejaaf. iluauft DLy. für den Are- reraentell: Bans Beck.

GiehenerAnzeiger

"'z General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Jle yimlige Kummer umfaßt 18 Sritnr

Lche -efflfche Slandeüammer.

1LB. Darmstadt, 27. März.

Präsident Graf ® ö r h, gen. v. Schlitz, eröffnet die heutige Sitzung um 10y< Uhr. Tas Haus genebmigt ohne Debatte die weiteren EtatSpositGnen des Ministeriums der Justiz und der Finanzen, dann die Positionen über Lnlcih.n uird Staatsschuld, Pensionen, Verhältnis zum Reich, Indisponible und reservierte Fonds, endlich den Voranschlag über die AuSgabebedürfnts,e der ersten Lum­mer, der nach dem Äntiag dcS Bureaus genehmigt wird.

DaS hau* beschließt sodann auf Ansuchen der Regier- vng, auch int Geicl-Lstsverkehr mit den Behörden und Privaten von jetzt ab die neue Rechtschreibung zur An- wcndung zu bringen, und wählt sodann zum landständi­schen Mitglied jur die StunL-sll>uldenverwaltung den LkerkonsistorialprästdetUcn D. Goldmann, zu dessen Stellvertreter den LberlandeSgerichtspräs^enten a. D. Tr. Lnorr. Ta weUere Bcratungsgegenstände von der zwei­ten Lämmer noch nicht voclicgen, ver.agt sich das HauS auf SamStag vormittag 10 Uhr. Fast sämtliche Mitglieder der ersten Lämmer wohnten darauf auf dec reservierten Tribüne der zweiten Lämmer deren Beratungen bei, die sich um die Forderung für die technische Höchst ule drehten und einen teilweise erregten Verlauf nahmen.

Zweite yksflsche SlandcLammer.

Am Ministertisdy: Finanzmintster Gnauth, Mlnlste- rialräte Braun, o. Biegeleben.

Präsident HaaS eröffnet die Sitzung um vy, Uhr. Im Sitzungssaal ist eine groge Marie au,ge,teilt, weld-e in grün- rot-schwarzen Farben die Frequcnz^ifsern der Besucher der Technischen Hochschule veranschaulicht.

Tas Hous befchästiat sich ^utuiujfl mit Rückäuszerungen der 1. Kammer. Trese hatte die gestrichene Forderung von 4000 Ml. für Pflasterungserneuerung i m Hose de - Großh. Mar stall- wieder in den Etat eingestellt. Rainen- des Finanzausschusses beantragt Abg. Häusel Ablehnung der Forderung, und das Haus beschliesst demgemäß. Bei der Forderung für eine Sberförstereuvvhn- ung in Groß-Stcüihcim beantragt der Ausschuß Annahme des Beschlusses der 1. Kammer, das Haus bcjckließt mit allen gegen fünf Stimmen die Genehmigung des dafür geforderten Betrages von 10000 Mk. Die 1. Kammer hat ferner beschlossen, bei der PosUionVertretung tm Bundesrat" das von der ztoeiten Kammer beschlossene Ersuchen um das Eintreten der Regierung für Diätenbewil- lrgung an die RcichStagsobgeordneteti aozulchnen. Die L Lummer beschließt einsrunm.g, auf ihrem früheren Be­schlüsse zu verharren, Weiter bat die 1. Kammer die abgelchntcn o2 000 Mk. für bauliche Veränderungen im Großh. Refidenzschlosse wieder in den Etat ein­gestellt. Abg. Häusel beantragt namen- der Lusschuß- mehrheit LKwiltigung der Forderung.

Abg. Löolf (hest. Vp.) meint, die Forderung sei keine dringliche; er bedauere sehr, daß der Ausschuß plötzlich ohne Angabe von Gründen zu feinem Dcräiibetkn riksastuß ge- louunen sei. Eck>on um nickt im Londe den Eindruck hervor-

zurulen, alS wären wir lediglich eine BcwtUigungSmaschine, ersuche er um Ablehnung.

Finanzminisler Dr. Gnauth tritt mit warmen Worten für die Bewilligung der Forderung ein. Der beabsichtigte Umbau sei notwendig, um die allzu beschränkten 9iäumc besser auSnutzen zu können. Eine Ablehnung der Forderung könnte lcicht ali eine beabsichtigte Demonstration aufgefagl werden.

Abg. Ioutz (parteilos'» spricht sich gegen die Forderung auS. Es handle sich hier nicht um die 32 000 Mk, sondern um die vielen dann noch weiter zu erwartenden baulichen Veränderungen.

Abg. Dr. Schmitt (Ztr.) erhebt Protest gegen die Ausführungen des Finanzministers; eS liege der Kammer und das sage er namens aller Mitglieder des Hauses jede Absicl)t einet Temonstration vollständig fern. Er würde die Summe bewilligen, wenn das nötige Geld vorhanden wäre, aber jetzt veranlasse ihn die ungünstige Finanzlage und die Rüasicl>t auf bte Steuerzahler, tue Forderung ab­zulehnen.

Abg. Hirsche! (Antis.) versichert, daß auf dem Lande keine Forderung so unsympathtscy ausgenommen worden sei, wie diese. Er bitte um Ablehnung.

Abg. Bähr (hcis. Vp.) spricht ebenfalls gegen die De- willigung der Forderung, ninti möge damit warten, bis die Fiitatijlage eine beficre geworden sei.

Finanzminister Dr. Gn a u t h veiteckigt kurz seine Aus­führung über die Rotwendigkeit der Forderung, während

Abg. Tr. Schmitt noch einmal sich dagegen äußert, baß man Mitglieder des Hauses für fähig l-a.te, s.e könnten mit der einjau-cn Ablehnung der 32OuU Mk. eine Demon­stration gegen das Gcvßherzogliche Haus bcabstcht.gcn.

Rach einigeu Bemertungen dec Abgg. Molt Han, Köhler und Weidner luuö die Forderung mit allen gegen drei Stimmen abgelehnt. Tafür summten die Abgg. Reinhart, Häusel und Tr. QhUficifu). Von den So- ziatoemotraten ivaren nur die Abgg. £rb und Berthold anwesend. TaS Haus lehnt endlich noch die wieder ein­gestellte Forderung für den Bau einer Forstmartwohnung bei Offenbach ab. Tie Regierungsvorlage, betreffend die Teilung belasteter (Grundstücke, wirb ohne De­batte nach den Ausschußanträgen genehmigt, ebenso die Re­gierungsvorlage, betr. die Abänderung des Gesetzes vom 3u. Avaust 1ö7u über die Aussühiung des deutschen Ee richt S- kostengesetzes und dec deutschen Gebührenordnungen für Gerichtsvollzieher und für Zeugen und Sachverständige.

ES gelangt nun der Gesetzentwurf über.die Auosuhiung dcS Reichsgesetzes, bett. dieSchlachtvieh-undFleisch- beschauzur Beratung. TaS ^aus genehmigt ohne Debatte die Art. 1ö, alsdann Art. U mit einem kurzen Zusatz- antrag des Abg. Kohler, und daraus ohne weitere Debatte den Rest des Gesetzentwurf- nach den Aueschußantcägen. (tiUr haben sämtliche vom Ausschuß vocgesch.agcne Lender­ungen bereits zum Abdruck gebracht. D. Red.)

Darauf wird der Antrag der Abgg. Tr. Fr c nah und (Ben., die Versicherung gegen ^agelschlag bett, ui Verbindung mit einer Vorstellung der Magdeburger Hagelveriicherungsgrsetlichaft im gleiten Betreff beraten. Dr. Frenay hatte beantragt, an die Regierung das Lrfuchen zu richten, daß sie mit einer auf Gegenieitigkeit gegründeten, jeben kapitali,tisck)cn Gewinn ausschtiegenden B-r,ichetungS-

gcfellfd/ail einen ähnlichen Vertrag abschlicsten möge, wie dieS Württemberg, Baden und Elsast-Lothringen getan haben, und durch welchen den hessischen Landwirten die Möglichkeit geboten Wirb, sich gegen bic Folgen dcS Hagel- schlageS durch Zahlung fester Ptämien bei einer unter der Kontrolle der Grvsjb. Regierung in Bezug auf Verwaltung und Tarifierung sichendenGeg. u,eiti^k<.ib»gestllschast zu ver­sichern. Gegen büfen Antrag hat bic Magdeburger Hagel, versicherungsgesellfchaft durch ihre Petition Stellung ge­nommen.

Tte Grosth. Regierung hat dem AuSschust mitgeteilt, datz die Angelegenheit durch eine bereit- in bet Thronrede an* gekündigte, demnächst ben Ständen zugehende Vorlage ihre Erledigung finden wirb. TaS HauS beschliestt darauf dem AuSsehutzantrag gemäst, die Angelegenheit vorerst für er­ledigt zu erklären.

L^znglich einer Vorstellung der Gendarmeriewacht­meister S-Witive Götz zu Lampertheim mn Eih^ ig ihre- A>itwen- und Lvaifengeldev empfiehlt der AuSschust, der Witwe aus ben Mitteln der StaatSunterstützungslasse eine enljprechenbe Unterstützung pro Jahr zuzuwenden. Die Abgg. Bähr und Seelinger wünsck-en über diesen An­trag hinauszugehen und der Äitwe die volle Pension zu bewilligen. TaS HauS gibt dem Ausschubantrag nach einigen Bemertungen dec Abgg. Häusel und Weidner feine Zufiimmung.

Zur Beratung gelangt nun der Antrag Dr. Frenay und Genoisen, die Einquartierungslasten betr. Der Antrag bezweckt belanntlich, die Regierung zu ersuchen, bau sie mit aller Energie dahin mitten möge, daß endlich den durch bic übermäßigen, stets wicberlehrenden Ein­quartierungslasten geschädigten Mmeinben in der Um­gegend von Mainz eine Entschädigung geivährt wird oder ourd) Errichtung von Baracken die EinauartiecungSlasten genommen werden. Ter vierte Ausschuß, der sich nUt oct Angelegenheit eingehend beschäftigte, beantragt, die Großh. Regierung zu er|ud)en, auf baldniöglichste Anleg­ung des projektierten Truppenübungsplatzes hinwirken zu ivoHen und danach den Antrag bet Abgg. Frenay u. Gen. für erlebigt zu erklären.

Abg. Dr. Frenay (Ztr.) erklärt sich im allgemeinen mit ben Ausführungen des Ausschusses einverstanden. Er könne mit Befriedigung konstatieren, daß die Einquartter- ungölaftcn schon etwas nachge,assen hätten. Er ersuche aber die Regierung, dahin zu wirken, daß die Gemeinden von den Einquariierungslaiten mögiid)ft gan* befreit werden. Tie Hauptsack-e aber fei, bau eine Erhöhung der viel zu mebrigeii Verpflegungsgelber erstrebt werde. Er hoffe, daß die diesbezüglichen Bemühungen der Regierung von Erfolg jein werden.

Abg. Wolf stellt da- wiederholte Ersuchen an bk Regierung, dafür Sorge zu tragen, daß beim 18. Armee­korps bie Magazinoerpilegung m Wegfall kommt und die Menagegelder bar ausbezahlt werden.

Abg. Senßselber meint, daß die in der Antrag-- bcgrüiibung berührten ftlagcn sich nicht nur auf Mainz bezögen, sondern für die All gemein he it gelten könnten. Redner gab dann verschiedene drastische Beispiele für die Mangclhastigk.it dec Magazinverpstegung.

Abg. Tr. David bez. ichnet cS als geradezu kultur­widrig, daß man Schießplätze, anstatt in öde Ländereien,

(!5ifferner ^hiötlljralrr.

Tie Gercchtigkeit.

Eine Komödie von Otto Ernst.

(Vuchmi-gabk: i. bti 6. Tausend bei L. Siaackmann in Leipzig).

Von allen den schönen Versprechungen, bie und vor Be­ginn der nun zu Ende gehenden Spielzeit gemacht wurden, ist jetzt, kurz vor Toresschluß, eine eingelöst. Sticht Schön- herr- überall mit gutem Erfolge gegebener wirkungsvoller .Sonnwcnbtag«, nicht Engels fein poetische- »lieber den Wassern', nicht Gorkis ,911410191* re. rc., Dichtungen, von denen uns diese ober jene noch ganz zuletzt in Aussicht gestellt worben war, ronebe un- geboten, fonbern man hat um mich eine- auch »foziaf gefälligen Ausdrucke- zu bedienen da- .magere* Repertoire zum Schluß durch eine Preß- komödie verstärkt. Der Buchausgabe dieses Stückes ist ein lose- Blätichen beigegeben, das die Neberschnst trägt: .Eine Rezension al- Mottos in dieser heißt eS u. a.:

Dornehiuer Ton gegenüber solchen Machiverken wäre eitel £itru6. Herr Sudermann, der geiireuge Lberrichier, verzeihe l Schlechte, plumpe etiide zimmern, Kalauer fabrizieren. Wwbchen derb kopieren, bie Maßen reizen, Tanienbe dtirch iohe Instinkle ms Verdienen bvmacii und auch noch aui unsere Achtung Anspruch machen ba*3 ist zu viel verlaugt. Wenn ich so lange mu Cito Ernst im Echmuge waten muß er nennt da- .Komödie" so bade ich nicht den Willen und nicht die Kraft, auf ber kritischen Leier, wie Sudermann da- wünschte, nach fußen Tönen zu suchen. Dichterbrang und Kaßabraug sind grunbocrichiebene Tmge, und je inierarischer fid) Cito Ernst bei feinen Vorlesungen Qicbt, de,w widerlicher wirkt bas Gai^e.

Und in me.chcm greulichen Rcvolverblatte steht dies ge» schrieben? Die Verlagsbuchhandlung des Herrn Ernst steht nicht an, das Blatt zu nennen; es ist die ,Frkf. Ztg.' vom 11. November v. I......Und in ähnlicher Tonon

schrieben m jenen Tagen, da Ernst'S .Gercchtigkeif zum ersten Male auf den weltbedcutenden Brettern erschien, alle deutschen Blätter vom Range »ind Ansehen der .Frankf.Zlg^ Niemand ivird dem Frankfurter L>eltblattc, der .Tagt. Rund­schau dem .Tag" rc. rc. nachsagcn, daß sie sich etwa von den Knallbömbchen deS Herrn O. Emst getroffen fühlen können. 9latürlich nicht die Tendenz des Stückes verstimmte

die meisten deutschen Rezensenten, sondern der betrübliche litlerarifche Niedergang dc- einst mit so großen Hoffnungen von der gesamten ernsthaften Kritik in der Litteratur begrüß­ten ehemaligen Hamburger VolksschuUehrerS, dem das frühe Lob der besten deutschen Blätter so zu Kopfe gestiegen ist, daß er mindestens Bemerkenswerte- auch glaubt leisten zii können aus einem, seinem eng begrenzten, in .erster Linie ly­rischen Talente gänzlich femliegenden Gebiete, dem deS Dra- inaS und zumal der bramamdjen GesellfchaftSfaiyre, wozu dem Verfaffer der .Gerechtigkeit' neben sicherer Gestaltiings- kraft und nianchetn Anderen noch vor Allem dreierlei fehlt: Menschenkenntnis, Welterfahrung und Gerechtigkeit, d. h. CbjchtDitäL

Qn dec .größtm Sünde' führte sein Held Krieg gegen einen Pfarrer, der so absurde Gesinnungen hat, wie sie bei einem Geistlichen im realen Leben fd)lechterdmgS nicht vor- konimen können, und dagegen anzukämpfen ist cm Kinderspiel, es ist der Kampf gegen die Karnkalur eine- Geistlichen, wie sie sich Herr Ernst m seiner WcUunerfahrenheit vorstcllt, nicht etwa daS glaubt wohl der Herr Lehrer a. D. gegen die orthodoxe Getstlichkcit. Inder »Jugend von heute' füljrte uns Herr Ernst einige litlerarifche Jünglinge in ver­zerrter Fayon vor und glaubte damit bte ganze moderne Strömung tn der Kunst ad a euruum zu führen. In .FlachSmann als Erzieher' kämpft fein Held gegen einen Lchuloorsteher, der sich fern 91ml durch falsche Zeugnisse er­schlichen hat, als Betrüger also bei ernsthaften Kämpfen überhaupt nicht in Frage kommt; und mit dieser erlogenen Komödie vermeinte er unsere gesamten deutschen Lchulvcryält- niffe zu kritisieren! Hier, in der .Gerechtigkeit', passiert ihm daS Riißgcschick, daß er im Kampfe gegen die Revolverblätter diese selbst als über bie Maßen bedeutend und machtvoll fchüdert so daß Fürsten bei ihnen vorfprechen und Generäle von ihren Mitarbeitern intervlcivt zu werden wünschen, daß sie imstande sind, hervorragenden Talenten das Leben zu vergällen, dabei jedoch das große Publikum m die Irre zu führen, um hinterher alles zu widerrufen und an dcm vorgcführten Bei­spiel klipp und klar zu beweisen, baß diese vermeintliche Macht nur in der Einbildung Kurzsichtiger existiert. Tenn schließ­

lich erringt ja trotz der unmöglichen Schuftereien auf der Redaktion des schon wegen deS starken sittlichen Gegendruckes in der Publizistik höchst unwahrscheinlichen ReooloerblatteS der Komponist Frank einen Riesenerfolg! Tag Publikum, so sagt uns doch gar deutlich der damit vor fernem Auditorium kmxende Herr Ernst, läßt fern Utteil absolut nicht »vergiften'; mögen Zeitungen schreiben, waS sie wollen, eS fragt nicht danach, und wer sich über Preßstirnmen aufregt, ist ein 9larr, sogt der Herr Aiitor. So weist also Herr Ernst genau daS Gegenteil nach von dem, was et ut- sprünglich behauptet halte! Wozu aber bann ber Lärm? Und er selbst bietet ja das beste Beispiel für diesen Beweis. Tie gesamte eriislhafte Kritik hat alle seine Dramen mit Einmütigkeit abgelehnt, trotzdem finden sie sich fämtlich auf dem Repertoire der deutschen Bühnen unter den bevor­zugtesten Stücken! Wer fröhnt da eigentlich dem Geschmack der großen Menge, bie Presse oder die Thealerdirektlonenf Kennte der Herr Lehrer a. D. em wenig die Litteratur- geschichte, dann würde er wissen, daß die ilHcnge zumeist die Tagesgrößen vergöttert, von Denen die ernslhasle Kritik nicht- wißen will; bie Genies aber sind von der 2)tenge fast fielt bei ihrem ersten Sluftreten verkannt worden, einzelne Re- zensenlen aber hat es fiel« gegeben, die dem Genie feine Bahn zu brechen verhalfen und deren einsame, allen Tage-lärm mißachienden Wege liebevoll verfolgten.

Herr Ernst webt sich selber einen billigen Heiligenschein und fchimpil auf die Pieffe, weil sie ihn ehrlicherweise nicht loben konnte. Er proyt m seinem J'ac.UBe-Siücf nut eaionischcr Tugend und schreckt dabei in dem plumpen Arrangement, in bei Lkrupellosiigkeit feiner Mittel vor nicht- zurück, am wenigsten vor der Unwahrheit.

Es ist keine Frage, daß von einer gewißen Sorte von Preße, die man ja fast allenthalben antrifft, ungemein viel Grund dazu gegeben wird, sie als verächiiiche Einrichtiing zu empki.iden, teils durch notorische Niederträchtigkeiten, teils durch höchst unfreiwillige Koiiiik ihrer Tonart, ihre auS jeder Zeile strotzende Unbildung und MinderbegabtheU. Eme Latyce auf diese Schund- und Lchandpresje wäre gar sehr am Plage, und jeder Autor, der diese Satyre mit fünft»