Ausgabe 
28.2.1903 Zweites Blatt
 
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Aus Stadt und Land.

Gießen, 28. Februar 1903.

Die Sitzungen des Schwurgerichts pro 1. Quartal 1903 finden vom 2.-7. März statt. Am Montag dem 2. März wird verhandelt gegen Wilhelm Pfeil aus Nieder-Ofleidcn wegen Totschlagsversuchs; am Dienstag dem 3. März gegen Jakob Eifer Ehefrau aus BorSdorf wegen Meineides; am Mittwoch dem 4. März gegen Alexander Schmidt aus Wettsaasen wegen Mordversuchs; am Donners­tag dem 5. März gegen Heinrich Horn aus Calbach wegen Meineides; am Freitag dem 6. März gegen Joh. Konrad Opper auS Trais a. d. Lda. wegen Verbrechens im Amt und am Samstag dem 7. März gegen Gustav Schellmann auS Geiß-Nidda wegen Urkundenfälschung.

** Die Reifeprüfung am Gymnasium be­standen, wie wir zu unserer gestrigen Notiz ergänzend nach­tragen, die Zöglinge Bender, Bryllerty, Fröhlich, .Haberkorn, Hanstein, Helwig, Höhlbaum, Koch, Make, Naumann, Sand­mann, Schmandt, Schönhals, Seeger, Steinreich, Walb, die vom Mündlichen dispensiert wurden: ferner Mendorf, Buchholt, Frank, Klein I, Klein II, Rühl und Strack. Tie Abiturienten des Gymnasiums machten gestern eine gemein­same Wagcnfahrt durch die Stadt und nach Wetzlar. Am Realgymnasium bestanden die Zöglinge Büttner, Loeber, Leib, .Huhn, Nikolaus, Rammer, Schelhorn, die vom Mündlichen dispensiert wurden; ferner Koch, Kurtz, List, ft'oor, Weise, Weiniger, Schweickert und Schneider.

Zu Oberbriefträgern ernannt wurden der Postschaffner A. Keßler und der Briefträger Peter bei dem hiesigen Postamt.

* * Aus Anlaß des Semesterschlusses hielten die Juristen gestern abend im Saale des Hotels Groß­herzog von Hessen einen Kommers ab. Tie Mediziner hielten ihren Kommers im Saale des Einhorn-Hostels.

* * In der Gemälde-Ausstellung am Brand sind neu ausgestellt zwei Gemälde von F. Pacyka-Berlin: Kirchgang" undLrgclspielender Mönch"; drei Gemälde von Hans v. Bartels-München:Holland. Interieur"Tas Wrack" undDie zwei Freundinnen"; von F. Rabending- München:Auf dem Schiern in Südtirol"; ferner noch eine Kollektion farbiger Zeichnungen von Elisabeth Weih- rich-Mainz. Auch fei noch daraus hin gewiesen, daß fast alle gegenwärtig ausgestellten Gemälde nur noch kurze Zeit in der Ausstellung verbleiben, da in aller Kürze für den hiesigen Kun st verein eine Sonderausstellung hervor­ragender Werke in Aussicht genommen ist.

* * Aus dem Theaterbureau. Es sei nochmals daraus hingewiesen, daß Herr Hubert Tretzsch am Sonntag alsV e r l ch e n s r e s s e r" und am Montag als Pfarrer von Kirch feld" hier gastieren wird. Für das am Dienstag den 3. März stattfindende Benefiz der Frau Marie JennyTie Tarne von Maxim" hat Fräulein Hohenfels, die die Rolle derC r e v e t t e" im vorigen Winter hier kreierte, ihre Mitwirkung zu^ gesagt.

* * Oberhefsischer Gefchichtsverein. In der vorgestrigen Mitgliederversammlung gedachte zunächst der stellvertretende Vorsitzende Geh. Hosrat Behaghel in warmen Worten der hervorragenden Verdienste, die sich der seitherige Vorsitzende Pros. Höhlbaum um den Ver­ein erworben hat. Sodann stimmte die Versammlung der von dem Vorstand vorgeschlagenen Ehrung für Prof. Gun­dermann, den langjährigen eifrigen Förderer des Vereins- museuins, zu. Prof. Wolff aus Frankfurt sprach dar­auf .über die Eroberung und Sicherung der Wetterau durch die Wmer. Er gab ein hochinteressantes Bild von dem Fortschritte der Wissenschaft auf diesem Gebiet, indem er dabei vom eigenen Forschen und Finden ausgehen konnte. Er begründete eingehend die Ansicht, daß man für die Sicherung der Wetterau, die erst durch Domitians Chattentrieg dem römischen Reich definitiv einverleibt wurde, drei Perioden zu unterscheiden habe: Die An­lage der ersten kleineren Erdkastelle mit korrespondierenden größeren Kastellen der Ebene unter Tomitian, die Mum- nng der Kastelle der Ebene unter Hadrian und Vorschieb­ung der Truppen an die weitergerückte Grenze verbunden mit der Anlage eines Palisadenwerkes und der Errichtung von Holz- später Steintürmen, und endlich nicht vor Ende des zweiten Jahrhunderts der Ersatz der Palisade durch einen dauerhaften Erdwall mit vorgelegtem Graben. Ter Redner legte an einzelnen, z. B. bei der durch die Nieder Funde als richtig erwiesenen Wertung der Ziegel­stempel, dar, wie die Resultate durch Zusammenwirken von scharfsinniger Kombination und glücklichen Funden errungen und gesichert lverden. Zum Schluß kam er auf die noch der Lösung harrenden Aufgaben tut Gebiete der nördlichen Wetteran zu spreck^en und gab der Hoffnung Ausdruck, der Verein möge daher ebenso eifrig und er­folgreich mit Hand anlegen, wie er es für die Erforschung der borrömifdjen Verhältnisse in unserer Gegend getan hat und tut.

* * Besitzwechse l. Bauunternehmer Ab ermann erwarb für den Preis von 58 000 Mk. vom Bäckermeister Will). Gengnagel dessen Haus mit daneben liegendem Bauplatz Lndwigstr. 37, Ecke Bleichstraße.

** Volksl onzcrt des evangelischen Arbei­tervereins. Uns wird gefdiriebcu: Infolge des freund­lichen (Snt gegen Tom men et des Konzertvereins und des aka­demischen Gesangvereins ist der evangelische Arbeiterverein auch in diesetn Jahre wieder in der Lage, ein Volkskonzert veranstalten zu können. Dasselbe findet nächsten Montag, den 2. März, abends 8 Uhr in der Turnhalle statt und wird die neunte Symphonie von Bethoven unddie erste Walpurgisnacht" von Mendelssohn Bartholdy darbieten. Tas Konzert, dessen Abhaltung nur durch die großherzige Beihilfe einiger ungenannter Herrn ermöglicht wird, ist natürlich nur für den ev. Arbeiterverein bezw. finanziell nicht leistungSfähigc Kreise bestimmt. Ein öffent­licher Kartenverkaui sowie öffentliche Bekanntmachung hat demgemäß nidu stattgefunden. Unsere Stadt kann stolz dar­auf sein, daß es durch freundliches und selbstlos auf­opferndes Zuiammenwirken ermöglidjt ist, solch unvergäng­liche Kunstwerke gegen ein geringes Eintrittsgeld (20 Pf.) auch solchen Kreisen zu Gehör zu bringen, denen sonst Kon­zertsäle aus finanziellen Gründen nickst wohl zu­gänglich sind.

Rödgen, 28. Febr. Am Abend des Fastnachts- Dienstags feierte der hiesige Gesangverein Ein­tracht seine diesjährige l'tbendunterhaltnng. Die Dar­bietungen bestanden aus Musik- und Gewngsvorträgen, ver­schiedenen kölnischen Terzetten und einem einaktigen Lust­spiel. Sämtliche .Vorführungen zeugten von einem fleißigen Studium, und der Beifall war verdient.

dm. Darmstadt, 28. Fedr. Die Entwickelung der Darmstädter Möbelindustrie schreitet rüfttg vorwärts.

So sah sich die Darmstädter Möbelfabrik und Kunstsalon, Großh. Hess. Hof-Möbelfabrck, durch den großen Zuspruch, der ihr sowohl von hier als auch von auswärts zuteil wird, veranlaßt, eine weitere Filiale in Frankfurt a. M. in der Kaiser-Wilhelm-Passage zu eröffnen. Die rapide Entwickelung dieses Unternehmens ist ein Beweis der bedeutenden Leistungs- fähigkeit der Fabrik, welche berechtigte Anerkennung findet. Auch von Seiten der höchsten Herrschaften wird dem Etabliffe- ment großes Interesse entgegengebracht. Wiederholt beehrten Se. Kgl. Hoh. der Großherzog, Se. Kmserl. Hoh. der Großfürst Sergius von Rußland, Jonne hier zu Besuch weilende höchste und allerhöchste Herrschaften die Ausstellungshäuser der Darmstädter Möbelfabrik.

() Marburg, 24. Febr. Der Voranschlag der Ein­nahme und Ausgabe des Kreises Marburg für das Rech­nungsjahr 1903 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1142293 Mark ab. An der hiesigen Universität habilitieren sich heuie: in der medizinischen Fakultät der Abteilungsoorsteher am hygienischen Institut Dr. meb. Römer mit einer Antrittsvorlesung über Trinkwasser­versorgung mit besonderer Berücksichtigung der Waj'ser- verhältnisse Marburgs, in der theologischen Fakultät der Repetent am Seminarium Philippinum Lic. tyeol. Walter Bauer mit einer Antrittsvorlesung über Wertung und Stellung der Frau im Gemeindeleben der ersten Christen.

Vermischtes.

* Orkan in England. Aus dem nördlichen und mittleren England werden viele Unfälle, die der Sturm herbeiführte, berichtet. Die Hängebrücke über die Menai- Straße (Nordwales), die längste Hängebrücke Englands, 1819 bis 1826 von Telford erbaut, ist so beschädigt, daß der Verkehr über sie eingestellt werden mußte. In Holyhead wurde eine aus Eisen konstruirte, 350 Personen fassende Kirche aus ihren Fundamenten gehoben und zertrüminert. Lokomotivführer, die in der Nacht von Holyhead nach London fuhren, erzählten, sie hätten an der Küste von Wales noch nie einen solchen Sturm erlebt. Einem von ihnen wurden durch fliegende Steine die Zähne ausgeschlagen. In Manchester wurde ein Wohn­haus vom Sturme unigerissen. Ein Knabe wurde dabei tätlich verletzt. Die Feuerwehr mußte die Bewohner retten. In Lower Gornal wurde das Pavillon-Theater ganz zerstört; Kostüme und Dekorationen wurden nach allen Richtungen zerstreut. In Morley wurde ein eisernes Dach 20 Meter weit auf eine Schule geworfen und diese arg beschädigt. In Darlington stürzte der Turm der Presbyte­rianerkirche zusammen. Auf der Furneß-Eisenbahn, die an der Küste von Cumberland entlang führt, wurde heute früh ein von Carnforth nach Whitehaven fahrender Zug vom Sturme um geworfen, als er gerade bei Ulverstone auf hohem Viadukte über den Leoenfluß fuhr. Da der Telegraph zerstört war, dauerte es drei Stunden, bis Hilfe kam. Es zeigte sich, daß 32 Personen verwundet waren. Vier Personen werden vermißt. Sie sind offenbar in den hoch- fluthenden Leoenfluß hinuntergeschleudert worden. Am Hause eines Methodisten-Predigers in Hetton (Durham) wurde das Dach eingedrückt, der Prediger im Bett getötet, seine Frau schwer verletzt. In Burnley tötete eine umfallende Plakatwand einen Knaben.

Kunst und Wisscnschast.

Eine neue amerikanische Expedition zur Entdeckung deSNordpols soll im Mai von Newyork aufbrechen. Mr. William Ziegler aus Brooklyn, der, wie bekannt, 1300000 Mark für die Baldwin-Exvedition aus­gegeben hat, will auch für diese alle Ausgaben bezahlen. Peary soll die Leitung der neuen Expedition angeboten worden feilt; wenn das Marineministerium ihm den nö­tigen Urlaub giebt, wird er sie wahrscheinlich annehmen. Peary wird nicht wie beim letzten Male durch die Baf- ftnsbay an der Westküste Grönlands entlang gehen, son­dern von einem Punkte der skandinavifch>en Küste auf­brechen. Tie Hauptbasis wird das Franz Josefsland fein. Von dort werden Schlitten gebraucht und es soll eine Reihe kurzer schneller Vorstöße von einer sehr kleinen Gesell­schaft gemacht werden, um zum Pol zu gelangen.

Gerichtssaal.

t. Gießen, 27. Febr. Schöffengericht. Zunächst kamen drei Anklagen wegen Körperverletzungen zur Aburteilung. Zwei Italiener, Talnuni und Toscana, saßen auf der Anklagebank, letzterer war mit seinem Apselsinenvorrat in denNassauer Hof" gekommen und hatte mit dem in Gießen bekannten Grifsjo Unglück gehabt, d. h. er mar seinen Vorrat bei diesem Gllickssptet sehr schnell los geworden. Ta erschien aus der Bildfläche der Ange­klagte ebenfalls mit einem Korb voll Apfelsinen. Die Gaste des Lokals riefen einstimmig dem Konkurrenten des Toscana em Nixjo entgegen. Beide Italiener verließen hintereinander die gastliche Statte und es soll nun draußen auf der Straße ein Ziveikampf zwischen ihnen ausgeiochren wordne feilt. Es war aber nicht recht auszuklärcn, wer der Schuldige war. Toscana, als Zeuge ver- nommcn, belastete feinen Landsmann sehr. Talmini, der Ange­klagter war, bestritt die Darstellung des Zeugen und beschuldigte diesen, daß er ihn verhauen habe. Tas Schöffengericht glaubte aber dem Talmiiii nicht und sprach den Angekagten von Strafe und Kosten frei. Nicht fo gut kam ein junger Bursche von Wiß­mar davon, der übrigens eine ihm von der Strafkammer jüngst zndiklierle Gefängnisstrafe mqjen Diebstahls verbüßt. Er halte lieb auf denr Hoie des Weiten Schützenhofes an einem gleichaltrigen Bmlchen vergriffen und benfelbcn auf kurze Entfernung mit einem faustgroßen Stein dicht unters Auge getroffen. Ter Angeklagte wurde trotz seines Leugnens durch mehrere Zeugen der Tat über­führt und erhielt eine Zusatzstrase von einer Woche Gefäng­nis, wobei feine Angetrunkenheit, in der er sich bei Ausübung der Tat beiaiib, strafmildernd als bcrücksichngt wurde. Angeklagt ivarell dann derKraslmcnfch" B. loegcn Sachbeschädigung und ruhestörenden Läruis, der Wirt V. und der Studiosus F. wegen Körperverletzung mittelst gefährlichen Werkzeuges. Der Angeklagte B. betrat eines abends das Lokal des V., zog Rock und Weste aus und schickte sich an, sich als Kraftmensch zu prodtizleren. Tie Stu- denten, welche Karlen spiellen, ivolllen aber die Kunst des B. nicht sehen, worauf der Wirt dem Künstler das Lokal verbot. Da dieser aber der Aufforderung, zu gehen, feine Folge leistete, wurde er von einem der Gäste energisch hiuaiisbesördert. Tie Freude dauerte aber nicht sehr lange, denn bald erschien der Künstler aufs neue in der Gaststube, wurde indesien abermals hinausbe'ördert. Hier draußen soll B. jetzt, roic mehrere Zeugen bekunden, ein förmliches Wutgebrüll ausgestoßen haben, so daß es vor dem Lokal einen gewaltigen Menschcitauflaui gab. Aus der Mitte desselben ertönte der Rn»,schlag' ihm doch die Fenster ein'', ivelcher Aufforderung der Kraft­mensch wutentbrannt eiligst nachkam. Fünf Fensterfchetben waren

zertrümmert, schon drohte der letzten Scheibe des Lokals dasselbe Schicksal, da nahte Wirt, begleitet von seinem Gast F., jeber bewaffnet mildem dicken Ende eines zerbrochenen Billardqueus, und nun regnete es Hiebe auf den Sachbeschadiger. B. erhielt wegen Sachbeschädigung 4 Wochen Gefängnis und wegen des ruhestörertden Lärms 2 Wochen Haft. Ter Wirt und der Gast wurden von Strafe und Kosten freigesprochen und zwar, weil das Schöffengericht annahm, die Prügel, die der ver­urteilte Angeklagte erhalten hat, seien ausgeteilt, um denselben von der weiteren Zerstörung von Fensterscheiben abzuhalten. Dor 14 Tagen verhandelte unser Schöffengericht gegen den Oberförster N. von L^ well er an Orten, an denen zu jagen er nicht berech­tigt sei, die Jagd ausgeübt haben soll (§ 292 d. Str.-®.). Dem für Jägerkreise hoch bedeutsamen Fall liegt folgender Tatbestand zu Grunde. Der Angeklagte hat in der Gemarkung L., wo er als Stellvertreter des Jagdeigners berechtigt war zu jagen, ein Reh krank geschossen, welches über die Grenze in ein fremdes Jagd­gebiet flüchtete. Ter den Cberförfter begleitende Jagdaufseher machte seinen Hund los, welcher das Wild verfolgte, aber nicht in der Lage war, dasselbe zurück zu bringen. Nun erst nahm auch der Cberförfter seinen eigenen Hund, fegte ihn auf dte Fährte des Wildes und diesem gelang es, die Beute zur Stelle zu bringen. Der Angeklagte entschuldigte sich damit, daß man in Jägerkreisen allgemein der Ansicht sei, es fei erlaubt in dieser Weise zu ver­fahren. Er habe gehandelt wie jeder andere Jäger auch handele und fein Weidmann würde in seiner Handlungsweise ein Jagd­vergehen erblicken. Tas Urteil in dieser Sache wurde nun heute vormittag verkündet. Tas Schöffengericht erkannte wegen Jagd- oergeheiis auf eine Geldstrafe von 10 Ai k. eocntueU 5 Tage Haft und sprach auch die Einziehung des Gewehrs und des Hundes, mu denen die unerlaubte Jagd ausgeübt worden ist, aus. Tas in Rede stehende Vergehen, so führte der Vorsitzende aus, sei sehr milde zu ahnden gewesen, weil tatsächlich die Ansicht der Jäger dahin gehe, die Ausübung der Jagd in der vom Oberförster N. beliebten Art und Weise sei erlaubt, es fei dies aber nicht richtig, und es stehe dem der § 292 des Reichsstrafgesetzbuches entgegen. Der übrigens für die Jagdausübenden prinzipiell wichtige Fall soll, wie wir hören, vom Verurtellten der Strafkammer unter­breitet werden.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Märkte.

Gießen, 28. Febr. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochemnackt fofteten: Butter pr.Pfd. 0,901,00 Alk., Hühnereier 1 St. 67 Pfg., 2 Stck. 0000 Pfg., Gänseeter 00-00 Pfg., Enteneier 0OPsg., Kche vr.Stck. 58 Pf., Käsematte 2 Stck. 56 Pfg., Erbsen pr. Liter 31 Pfg., Liitsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 1,001,20 DU., Hühner pr. St. 1,001,70 Mk., Hähne pr. Stück 0,862,00 Mk., Enten pr. Stück 2,002,40 SDlf., Gänse pr. Pfd. 5460 Pfg., Ochsenfleijch pr. Pfund 6176 Pfg., Kuh- uiid Rindfleisch pr. Pfund 6066 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6672 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5272 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6,006,50 9)«., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 6,007,00 DU., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 000 Pfg., in Korben 0000 Pfg. Trauben 0000 Pfg.

Motto zur neunten Symphonie.

Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium Wir betreten seuertrunken, Himmlische, Dem Heiligtum*.

So drang einst zur Hunmelspsorte Schillers hehrer Ueberschwall, Seine prunkvoll schönen Worte Fanden hellen Widerhall.

Eines andern Großen Seele Senkte Gott die Kenne eüi;

Finnin, was ich Dir hier befehle, Diog's der Dtenschheit Hymnus sein*.

Der vernahm's und feuert tunten Er dem Wort die Töne lieb: Freude, schöner Götterfunken, Strahlt's aus ferner Symphonie.

Telephonischer Kursbericht«

Frankfurt ». U., 28. Februar 19U3.

B/jO/o Reichßanleihe . . 103.30 30/j do. ... 93.20 3/,°/o Konsole .... 103.00 3°/0 do.....93.20

3*/s% Hessen .... 101.30 3% Oberhessen . . . 100.00 496 Oesterr. Goldrente . . 103.30 4' 96 Oesterr. hilberrento 101.20 496 Ungar. Goldrente . . 102.10 4°/ Italien. Rente . . . 103.70 4% % Portugiesen . . . 51.80 °/ Portugiesen. .... 32.55 196 C. Türken .... 30.60 Türkenlose......130.00

4°/o Griech. Monopol.-Anl. 45.20 4l<796 äussere Argentiner.

8u/o Mexikaner .... 20.00 4*/, /(, Chinesen .... 93.00 Electric, hob ackert . . . 101.00 Nordd. Lloyd . . . . 97 50

Kreditaktien .... 216 00 Diskonto-Kommandit, . . 194.80 Darmstädter Bank . . . 141.75 Dresdener Bank .... 149.00 Her iner Handelsges. . . 159.20 Oesterr. Staatebahn , . . 147.90 Lombarden . . . . . 15.20 üottbar'ibahn.....182.70

Laurauütte ...... 217.00 Bochum ....... 187.50 Harpener......174.10

Tendenz: still.

Neueste Meldunge».

Originaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeigers.

Berlin, 28. Febr. Arn aestrigen Hochzeitstage des Kaiser Paares fand bei oernselben eine Tafel statt, zu welcher die Herren und Damen der ehemaligen und der jetzigen Umgebung geladen waren. An die Tafel schloß sich ein Konzert.

Berlin, 28. Febr. Ter Kaiser hat dem neu ge­gründeten Bund der Kaufleute, welcher ihm bei feiner Konstituierung ein Huldigungstelegramm gesandt hatte, eine Antwort zugehen lassen, in welcher er dem Bunde eine segensreiche Tätigkeit zur Wahr­ung der berechtigten Interessen des deut­schen Kaufmanns st andes wünscht.

Berlin, 28. Febr. Ueber die Veränderungen in den höheren preußischen Verwaltungs­stellen äußert sich dieTägl. Rund sch.": Im all-' gemeinen macht der Prasidentenschub nicht den Eindruck eines Rucks nach links. Von einigen, z. B- von Herrn o. Philipsborn, fei eine starke konservative Gesinnung sogar bezeugt. Ein paar Versetzungen hätten sogar einen leisen Änstrrch von Strafversetzungen. DieF r e i s. Z t g." schildert den neuen Posener Oberpräfidenten als hochkonservativen Mann und erinnert daran, daß er in Königsberg dem Freisinnigen Dr. Dullo die Bestätig­ung versagte und dem freisiimigen Abg. Krieger als Kom­munalbeamten eine Verwaltung erteilt hat. Die in der vorigen Woche verhafteten Anarchisten werden d^s Ver­breitens verbotener anarchistischer Schriften beschuldigt Der Anarchist Röhr bleibt in Hast. Es. haben bereits mehrere Vernehmungen durch den Untersuchungsrichter stattge> funden. An Stelle des durch die Flucht des Heraus­gebers cingegangenen AnarchistenblattesFreiheit" wird vom 1. März ab in Düsseldorf ein neues Anarchisten- blatt erscheinen.

Trier, 28. Febr. Bischof Korum ist von seiner Ront^Reise wieder hier eingetroffen.