wandt werden. Zur Uirtersrützung der genannten Beamten können aus dessen Antrag nach Bedarf in einzelnen Lundes- Leileu Zeicl-enlehrer höherer Schulen mit der Beaufsichtigung einer Anzalfl von Schulen betraut werden. Die finanzielle Tragweite einer derartigen Organisation ist unerheblich, der jährliche Aufwand ist ohne das Gehalt des Landeszeichen-Zn spektors aus 90P0 Mk. ver- anjä>lagt. Jnuirerhtn wurde durch eine solche Einrichtung 'm wenigen Jahren eine einheitliche Pflege und eine in weite Volksschichien eirrdringendc lebendige Einwirkung des Zeichenunterrichtes erwartet werden dürfen.
Deutsches Keich.
Berlin, 27. Nov. Laut „Kreuzztg." übertrug der Kaiser die Leitung der Nachbehandlung mit Massage und Stimmübungen auf Vorschlag des Generalstabsarztes Dr. Leuthold an Dr. Gustav Spieß aus Frankiurt a. M-, der sich durch seine Schriften auf bcm Gebiete der Hals- und Naseukrankhciten bereits einen Namen gemacht hat.
— Der Kaiser hörte heute die Vorträge des Kriegsministers uni) des Chefs des Generalstabes der Armee.
— Die Einweihung der amerikanischen Kirche in der Metz-Straße hat heute, am amerikanischen Dankestage, unter großer Beteiligung der hiesigen amerikanischen Kolonie und in Anwesenheit sämtlicher Mitglieder der amerikanischen Botschaft stattgefuitden. 2er Kaiser hatte mit seiner Vertretung den Kronprinzen beauftragt. Die Kaiserin hatte den Kammerherrn Grasen von Mülinen entsandt. Die Kirchenbehörde war durch Generalsuperintendent Dryander vertreten. Die Kirche wurde durch einen Gottesdienst eingeweiht. Präsident Roosevelt hatte in einem Schreiben feiner Freude darüber Ausdruck gegeben, daß es der Kolonie gelungen sei, sich, in Berlür einen Bauplatz für eine Kirche zu sichern.
— Der Bundesrat überwies in seiner heutigen Sitzung die Vorlage betreffend den Eirtwurs eines Gesetzes über den Servistarif und die Klasseneinteilung der Orte den zuständigen Ausschüssen und hat dem Ausschußbericht über den Entwurf des Etats für die Expedition nach Ostasien zum Reichshaushal.s^tat für 1904 den Ausschußberichten über Entwürfe von Etats zum Reichshaushalisetat für 1904, und zwar a) für das Reichsmilitärgericht, b) über den allgemeinen Pensionsfonds, ferner den Ausschußbericyt betreffend den Entwurf des Etats über den Reichs invalidenfonds zum Reichshaushaltsetat für 1904 und über den Entwurf des Etats für das Schutzgebiet Kiautschou auf das Rechnungsjahr 1904, sowie den Ausschußberichten über a) den Entwurf des Etats des Reichsamts des Innern zum Reichs- haushaltsetat, b) für die Haushaltsetats für die Schutz- gebiete auf das Rechnungsjahr 1904 und den Ausschußberichten über die Entwürfe von Etats zum ReichshauA- haltsetot für 1904, und zwar a) für das Auswärtige Amt, b) für das Reichsschatzamt, seine Zustimmung erteilt.
— Im hiesigen sozialliberalen Verein hat Dr. Barth gestern u. a. folgendes gesagt:
„Es ist lebhaft zu bedauern, daß der von etwa 20 angesehenen Professoren der Berliner Universität geplante Ausruf an das liberale Bürgertum, sich zum Kampf gegen die Reaktion diesmal an die Sozialdemokraten anzulehnen, unterblieben ist. Eine Disziplinierung dieser Professoren stand nicht zu erwarten, denn dazu fehlt doch der Regierung die Kourage."
Magdeburg, 26. Nov. Die hiesige Handelskammer faßte einstimmig eine Resolution, die sich gegen die Erhebung von Schiffahrtsabgaben auf natürlichen Wasserstraßen weichet.
Dresden, 26. Nov. Bei der Verhandlung des Gesetz- entwurses über die Organisation des Aerztestan- des wurde in der 2. sächsischen Kammer von freisinniger Seite verlangt, das bisherige Verhalten der Aerzte-Organi- sation gegen leitende Aerzte in Naturheilanstalten gesetzlich unmö glich zu machen.
Weimar, 26. Nov. Eine Aenderung des Landtagswahlgesetzes im Großherzogtum wird angestrebt. Die sogenannten Tausendtalernränner des zweiten weimari- schen Verwaltungsbezirkes haben eine Petition in Umlauf gesetzt, in welcher von der Regierung verlangt wird, daß die Tausendtalermänner nicht mehr wie bisher in einem Orte des Verwaltungsbezirkes zusammenkommen, um den einen Abgeordneten zu wählen, sondern daß die Tausend- talermanner jedes Ortes für sich an ihrem Wohnorte wählen dürfen. Für die allgemeinen Wahlen wird die Beseitigung der Wahlmännerwahlen verlangt und statt dessen werden direkte Wahlen gefordert.
Krrche uvv Schule.
Ueber die Evangelische Bewegung in Oesterreich berichtet der Hilfsausschuß in Darmstadt: Seit Beginn dieser Bewegung sind bis Anfang dieses Jahres 37 Kirchen, 15 Bethäuser und 8 Pfarrhäuser erbaut, etwa 100 Predigtstationen errichtet und 12 selbständige Pfarrgemeinden gebildet worden. Im Jahre 1903 wurden bisher 9 Kirchen, 2 Betsäle nnd 1 Pfarrhaus ihrer Bestimmung übergeben. Von den neuen Kirchen stehen 5 in Böhmen, 2 in Kärnten und je 1 in Niederösterreich und Schlesien. 10 Kirchen sind gegenwärtig im Bau begriffen. Welche erstaunliche Arbeit gerade in Bezug auf Kirchbauten geleistet worden ist, geht u. a. daraus hervor, daß im Teplitzer Gebiete anstatt früher 1 heute 9 Kirchen stehen. Eine gottesdienstliche Stätte ist eine unerläßliche Bedingung für ein gesegnetes Gemeindeleben und wird von den Uebergetretenen selbst auch als eine solche empfunden. Auch evangelische Schulgebäude wurden in diesem Jahre erfreulicherweise errichtet, im ganzen 3. Zu den bisherigen 12 selbständigen Pfarrgemeinden kommen in diesem Jahre weitere 7. Sieben neue Vikariate sowie 11 Predigtstationen, darunter 6 böhmische und 3 steirische, wurden errichtet. An 22 Orten ward erstmaliger Gottesdienst abgehalten. Die Uebertritte im 1. Halbjahr 1903 haben gegenüber dem 2. Halbjahr 1902 eine Steigerung erfahren: sie betrugen 2334 gegenüber 1885 im letztgenannten Zeitraum, also 449 mehr! Davon entfallen 924 auf die Wiener Super- intendenz und 821 auf Böhmen. Die Verluste der römifchen Kirche berechnet die ultramontane Berliner „Germania" (vom 9. Sept. 1903) auf mindestens 73 000. Mit dem äußeren Ausbau geht die innere Festigung der Gemeinde gleichen Schritt. Diese geschieht nicht nur von den Geistlichen in Predigt, Unterricht und Seelsorge, sondern die Gemeindeglieder helfen mit, so daß die evangelische Kirche Oesterreichs für uns Reichsdeutsche hierin geradezu vorbildlich sein kann. Neben den der Volksbildung dienenden Bestrebungen wird christliche Liebeswert in keiner der jungen Gemeinden
vernachlässigt. Armen- und Krankenpflege finden überall verständnisvolle Förderung. So wirken in Prag gegenwärtig 7 und in Olmütz 2 Schwestern. — Soll die verheißungsvolle religiöse Bewegung im verbündeten Nachbarlande weiter blühen und gedeihen, so ist es Pflicht aller evangeli- chen Kreise in Deutschland, sie auch weiterhin mit den nötigen Geldmitteln zu stützen. 80 Vikare, die zur Zeit tapfer und treu auf österreichischem Boden Reichsgottesarbeit treiben, muffen regelmäßig besoldet werden, von anderen großen Aufgaben ganz zu schweigen. Die Mittel des Ausschusses für die Förderung der evangelischen Bewegung in Oesterreich sind fast erschöpft. Wer schnell gibt, gibt doppelt. Freundliche Gaben sind zu richten an Herrn Pfarrer lüe. Waitz in Darm- tadt, Herrn Kapitänleutnant a. D. Grill in Bensheim und Pfarrer Euler in Gießen.
Keer unO Aiotte.
Berlin, 26. Nov. Dem Fähnrich Hüssener wurde mit dem gleichzeitigen völligen Ausscheiden aus dem militä* rischen Dienstverhältnis der Abschied erteilt.
Kolonialpost.
Berlin, 26. Nov. Der Gouverneur des deutschen Schutzgebietes in Ostafrika, Graf Götzen, der joeben von einer längeren Reise nach den nördlichiten Teilen der Kolonie in Dar-eö-Salam eingenoffen ist, äußerte sich über seine Reijeeindrücke, er sei über die große Zahl der Bewohner und den reichen Anbau des Gebirges jenes nördlichen Teiles der Kolonie überrascht. Es übertreffe darin die Usambaraberge. Wenn auch in einzelnen, schwer zugänglichen Teilen des Gebirges die Eingeborenen noch scheu und zurückhaltend seien, jo herrsche in den wirtschaftlich wichtigen Gebieten volles Vertrauen zu der deutschen Verwaltung und die Steuern werden willig bezahlt. Im Interesse einer ausreichenden Bewässerung der umliegenden Ebenen hielt der Gouverneur eine einfache Art von Jorstverwaltung für notwendig und bezeichnet den Bau einer Bahn in das Innere der Kolonie für unerläßlich, wenn nicht die gegenwärtige geschäftliche Stagnation fortdauern solle.
— Nach einer Londoner Depesche sieht der Direktor einer britischen Gesellschaft in Deutsch-Südwestafrika, der kurz vor dem neulichen Auf stände der Bondelzwarts in Warmbad war, die Ursache des Aufstandes nicht in irgendwelcher Härte oder Ungerechtigkeit der Regierungsbehörden.
Kapstadt, 25. Nov. Hier ist eine Nachricht eingetroffen, nach welcher die Hottentottenhäuptlinge W i t b o o i, Beersibo und Bethani in Keetmanshoop die Ankunft des deutschen Gouverneurs Leutwein erwarten, um die ganze Angelegenheit zu regeln. Man erwartet, daß eine befriedigende Regelung erfolgen werde. Es wird gemeldet, daß nur in Warmbad Ausstand gewesen fei.
Ausland.
Rom, 26. Nov. Die „Tribuna" erklärt: Offizielle Nachforschungen der Regierung ergaben, daß die diach-rich- ten über Eisenbahn-Attentate in Frankreich gegen den König von Italien unwahr sind.
Budapest, 26. Nov. Abgeordnetenhaus. Die heutige Sitzung der Abgeordneten war sehr stürmisch. Bei Beginn erklärte der Präsident Perczel, der Präsident der liberalen Partei, Baron Podmaniczky, habe schriftlich einen Antrag auf Abhaltung von Parallelsitzungen im Parlament eingereicht; hierüber werde morgen amSchluß der Sitzung abgestimmt werden. (Ungeheurer Lärm, Wider- pruch links.) Ugron erörtert, daß die Erklärung des Prä- identen die Hausordnung verletze. Während der Rede llgrons find die Mitglieder der äußersten Linken sehr unruhig. Der Präsident ermahnt die Ruhestörer wiederholt zur Ordnung. Andreas Ratl» wird vor den Jmmunitäts- ausschuß gesteNt werden, wo über ihn wegen systematischer Ruhestörung abgeurtei.lt werden wird. Dem Präsidenten wird unter andern leidenschaftlichen Zurufen vom Abg. Horvath das Wort „B a n d i t" ins Gesicht geschlendert. Der Präsident rügt das Wort. Hierauf nimmt Graf Tisza das Wort. Seine Rede ist bei fortdauerndem Lärm schwer verständlich. Nikolaus Bartha (Szederkenyipartei) ruft dazwischen: „Die Vorteile der Verständigung stecken Sie in die Tasche!" Der Ministerpräsident erwidert: „Sprechen wir nicht von der Tasche", worauf Bartha ruft: „Ich bin kein verkrachter Bankdirektor!" Geza Gajary (Hb.) schreit daraufhin: „Man nannte Sie einen Schurken; widerlegen Sie das!" Dadurch veranlaßt, stürzt sich der Oppositionelle Estner dröhnend auf Gajary. Die Abgeordneten scharen sich in einem Halbkreise; aus dem ungeheuren Lärm tönen hin und wieder leidenschaftliche Ausrufe hervor. Der Präsident suspendiert die Sitzung, Nach Wiederaufnahme der Sitzung setzt der Ministerpräswent feine Rede fort.
Petersburg, 26. Nov. Der heute über das Befinden der Kaiserin ausgegebene Krankheitsbericht lautet: Gestern abend betrug die Temperatur 37,2, Puls 64. Heute morgen Temperatur 37. Die Kaiserin schlief während der Nacht gut. Seit gestern eitert das kranke Ohr recht stark. Das Allgemeinbefinden ist befriedigend.
Bloemfontein, 26. Nov. Der gesetzgebende Rat wurde heute eröffnet. Ter Gouverneur erklärte, daß binnen kurzem in Bloemfontein Konferenz ab gehalten werden solle, auf der alle Teile des Staates vertreten fein sollten. Professor Koch werde ebenfalls zugegen jein und werde mit der Konferenz über die Unterdrückung der unter dem Därmen „Blutharnen" bekannten Viehseuche ver- h and ein.
AUS IiaSi uni) Saud.
Gießen, den 27. November 1903.
** Provinzialausschuß. Am 2. Dezember vormittags 9 Uhr findet im Sitzungssaale de§ Regierungsgebäudes eine öffentliche Sitzung des Provinzial - Ausschusses der Provinz Oberhessen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des Ortsarmenverbandes Marburg gegen die Ge- meindekrankenkaffe zu Ober-Breitenbach, wegen Erstattung der Kur- und Pflegekoslen für den Dienstknecht Johannes Listmann aus Liederbach. 2. Klage des Ortsarmenverbandes der Stadt Frankfurt a. M., gegen den Ortsarmenverband Kirtorf wegen Kostencrsatz für die Dienstmagd Johanna Höchster aus Kirtorf. 3. Beschädigung von SolmS Laubach- ,chen Grundstücken durch den Betrieb her Grube Friedrich bei
TraiS-Horloft; hier: Antrag auf Enteignung nach dem Berg- gesetz. 4. Beschwerde deS Rentners Adolf Nies zu Frankfurt a. M., wegen Heranziehung zu den Gemeindesteuern der Gemeinde Blofeld; hier: Berufung gegen die Kostensestsetzuns des Kreisausschusses Büdingen.
♦* Zum Tode der Prinzessin Elisabeth. AuS Coburg wird jetzt offiziös energisch die Nachricht polnischösterreichischer Blätter dementiert, Prinzessin Elisabeth sei einer Vergiftung durch Strychnin (von anderer Seite wird von Austerngift gefabelt), zum Opfer gefallen. Österreichische Blätter wissen noch folgendes zu berichten: Aus Befehl des Zaren wurde für die Leiche der Prinzessin ein schwerer Sarg aus reinem Silber in Warschau angefertigt. Der Sarg, zu welchem zwei Pud (ca. 80 Kilo) Silber verwendet wurden, mußte binnen 18 Stunden fertiggestellt werden. Er ist ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst, im Renaissancestile und. mit geflügelten Engeln an den vier Ecken geschmückt.
** Dritter Vortrag des Kauf ni an nischen Vereins. Dr. K. B o e ck aus Neu-Rochwitz redete gestern abend im Festsaale des Caf^ Leib über „Sibirien einst und jetzt *. Er gab zunächst eine einleitende Erklärung über Rußlands frühere und jetzige Politik in Asien und orientierte seine Zuhöhrer über die wichtigsten geographischen Punkte Sibiriens. Dann schilderte er an der Hand einer Karte rasch die Eindrücke, die er bei seiner Reise ins Innere Asiens empfangen hatte, die meist noch sehr traurigen Verhältnisse in den russischen Provinzstädten, die Verkehrshindernisse und eine Reihe jener denkbaren und undenkbaren Zwischen- alle, die ihm auf seiner Reise zum Hindernis wurden. Trefflich beleuchtete er auch die einzelnen Völkerschaften in ihren Sitten und Gebräuchen und die traurige Lage der exportierten Verbrecher. Semem zweistündigen Vortrage, der an manchen Stellen deS echten Humors nicht entbehrte, schloß der Vortragende die Vorführung einer Reihe von Lichtbildern an, die dem Publikum die Schönheiten der Statur, die Trachten der Völkerstämme, industrielle Betriebe und kulturelle Fort- chritte Asiens in einem Maße zeigten, wie man es von Sibirien kaum erwarten konnte. Trotz technischer Schwierigkeiten, die Dr. Boeck bei der Ausführung der Lichtbilder entstanden waren, gelangen die Bilder, so daß das Publikum lebhaften Beifall spendete.
•* Pickenbach f. Der frühere antisemitische Reichs- tagsabg. Pickenbach ist nach der ^Staatsb.-Ztg." gestorben. Pickenbach war eine Zeitlang Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung und wurde 1890 für Gießen in den Reichstag gewählt. Im letzten Jahrzehnt ist er öffentlich kaum noch hervorgetreten.
— Der Sturm hat in der Frankfurterstraße 27 die telegraphische Leitung zerstört. Die Störungen sind so groß, daß alle verfügbaren Arbeiter hinbeordert wurden, um die Leitung möglichst bald wieder herzustellen.
H. B. D a r m st a d t, 26. Nov. Die Stadtverordneten Versammlung wählte in ihrer heute nachmittag abgehaltenen Sitzung fast einstimmig den langjährigen Stadtverordneten Karl K a h l e r t zum Ehrenbeigeordneten von Darmstadt. Kahlert ist ein sehr angesehener Kaufmann und Ntitglied der hiesigen Handelskammer: er steht im 69. Lebens- jah.re und tritt an die Stelle des früheren langjährigen Beigeordneten Riedlinger. Auch sein Vater hatte sich als Bürgermeister große Verdienste um die Stadt erworben. Die weiteren Gegenstände der heutigen Beratung waren nur lokaler Natur. Ein Antrag der hiesigen Metzgerinnung, den jeweiligen Obermeister der Innung zum Ntitglied der städtischen Schlachthaus- Deputation zu ernennen, wurde dem zuständigen Ausschuß überwiesen.
O s s e n b ach , 26. Nov. Einem Ersuchen des hiesigen Kreisamts entsprechend hat die Hande ls kämm er einen Bericht über die Lage des Arbeitsmarktes inH Winter 1903/04 erstattet. Daraus ist hervorAuheben, daß im Kammerbezirk gegenüber derselben Zeit des Vorjahres mehr Arbeitskräfte beschäftigt werden, die Arbeitszert teilweise verlängert worden ist und auch die Lohnveryaltnisse sich nicht zu Ungunsten der Arbeiter geändert, stellenwelse sogar eine Steigerung erfahren haben. Tie meisten Fabrir- betriebe scheinen für die nächsten Monate genügend beschäftigt zu sein, sodaß Arbeiterentlassungen kaum eintreten dürften; es kann deshalb mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, daß die Zahl der Arbeitslosen im kommenden Winter eine wesentlich geringere fein wird, als im Winter 1902/03. Bei den stark steigenden Preisen für ine meisten Rohstoffe und Halbsgbrikate und angesichts des allgemein sehr scharfen Wettbewerbes können jtooqi die Preise für die fertigen Waren gar nicht ober doch nur in ganz vereinzelten Fällen, uno selbst bann nur ungenügend erhöht werden. Sehr nachteUig und einem nachhaltigen Aufschwünge stellt sich befonders die Ungewißhert über die künftige Gestaltung unserer handelspolitischen Beziehungen zu einer Reihe von für den Kanunerbezirk äußerst nichtigen Auslandsmärkten entgegen.
Frankfurt a. M., 26. Nov. Heute mittag trat hier lebhaftes Schneegestöber ein.— Infolge Sturmschäden sind die Fernsprech- und Telegraphenleitungen nach außer- halb vielfach unterbrochen. Der Verkehr nut dem Norden, so besonders Berlin und Hamburg, ferner mit Amsterdam, Brüffel und London, unterliegt deshalb teilweise erheblichen Verzögerungen.
Kassel, 26. Nov. Im Elisabethhospckale erlag hier einem Gallensteinleiden Otto Engelbert Freiherr v. Brackei, em Mann von bewegter, fast abenteuerlicher Vergangenheit. Er gehörte als Offizier der päpstlichen Garde an, trat in napoleonische Dienste und ging dann mit der französischen Expedition nach Mexiko, wo er später in die Dienste des Kaisers Maximilian trat und bis zum Oberstleutnant ausrückte. Zahlreiche Siege hat er gegenüber den Aufständischen erfechten helfen, his schließlich mit dem Sturze und Tode seines Kaisers auch seine Osiizierslausbahn em jähes Ende sand. Er wurde dann Sprachlehrer und Journalist in Mexiko; bekannt wurde er durch seine zahlreichen Artikel über Kaiser Maximilians Hinrichtung, deren Äugens zeuge zu sein er gezwungen war, sowie über die mexikanische Kaiserzeit im allgemeinen. AIS er älter wurde, kehrte er nach Deutschland zurück, wo er sich mit belletristischen und kulturhistorischen Arbeiten befaßte. Mit besonderem Stolze nannte sich der alte Herr einen Freund des Präsidenten Diaz von Mexiko, der den Deutschen großes Wohlwollen entgegen* bringt.
Kleine Mitteilungen auS Hessen und bett Nachbarstaaten. In Mainz hat sich die Stadtverordneten^


