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27.10.1903 Erstes Blatt
 
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Dienstag »7. Oktober 1903

153. Jahrgang

Erstes Blatt

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Ldresje für Depeschenr «n-etger Gtetzeu. gtrn1pred)an1djlu6 Nr. 5L

xnn durcb die Ausführung eines ^Äo- ) st e i nR ixfelo.

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Erscheine täglich außer Sonntags.

Dem Gteßener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siegener Familien- blätter mermal in der Woche deigelegt.

NouuionSdruck tu Ver­lag bet Brühl'schen Unwers^Buch* tu Stein- bnidetei (Pietsch ttrbat)

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auSrodrtfl 20 Pfg. PUtaRiwortlich für den polU. and altgem. Teil! P. ÖHtto: für .Stadt und &mb* und .GertchtSsaal*; August Götz; für den An­zeigenteil: <>ane Beck.

Gietzener Anzeiger

** General-Anzeiger v w

Amts- und Anzeigeblati sw den Ureis Gietzen

praktische Jahr.

Ar. 10

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der Landwirtschaft aut", ein Wort, das zur Zeit des letzten ' chwunges zu schänden geworden ist.

......T_____ Menschliche Arbeitskräfte" stellt der Ver­fasser zahlenmäßig fest, daß der Lohn in dem Zeitraum von 1840 bis heute beim Gesinde um das 7i/2fache, beim Taglohn um das fiinsfache gestiegen ist. Die Gesamt- wirtschaftsausgaben betrugen von 1806 bis 1810 pro Jahr 28 717 Mk., 1895 bis 1902 pro Jahr 181312 Mk. lieber die Beschaffung moderner Jnventarstücke, besonders Ma­schinen, schreibt der Verfasser:Im Jahre 1824 war eilt Säetuch vorhanden im Werte von 2.39 Mk., im Jahre 1862 wurde mit einem Aufwande von 245 Mk. eine Säemaschine angeschasst und zwar eine Breitsäemaschine. Erst im Jahre 1883 gelang es denl jetzigen Pächter, Herrn Oekonomierat Hoffmann, seinen Vater nach langen Kämpfen zur An­schaffung einer Drillmaschine zu bewegen, der später noch

l Msnatr-Beilage

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W Siebener Anzeiger

Die FuymMg oer prtTfcinerten Mynnnre, negr reine Ver­anlassung vor, näher an diese J^age heranzutreten! Daß man aber den Bestrebungen des Vogelsbergs, an die großen Verkehrsadern dura) eine Nebenbahn ange,lylosseu zu wer­den, wohlwolleuO von allen Seiten her gegenübersteht, ist nicht zu leugnen. Besichtigten doch cr)r ganz jüngst Se. Exeeltenz der Finanzminister Är. Gnauth mit einem Oberbaurat das ganze Gelände, um persönlichen Einblick von der ganzen Sachlage zu gewinnen. Auch diese Herren dürften zu der Ansicht neigen, daß eine Erschließung des oberen Vogelsberges einzig und allein durch eine direkte Verbi n d u n g mit der P r o v i n z i a l h a u p t st a d r Gießen gewonnen werden muß, und daß dies in bester

8 praktischen Arztes zu dem Artikel io ie Akademieea der Medizin".

-tr. das im Anschluß an das Staats­praktische Jahr des jungen Arztes n ärztlichen Kreisen wohl niemand Losung mittelst Gründung von Aka- t größeren Städten gedacht. Seit ge- irren dunkle Andeutungen über solche gierung in der Luft herum und y.e Welt. Denn das möchte ich voraus- all der Aerzte findet diese nig, wie die bisherigen. In itung hat man es nur bisher unter­en Ansichten des ärztlichen Publikums Wozu auch sollte das dienen? Unsere Berlin scheinen ja Wohlgefallen daran d immer das zu beschließen, das ein* ünschen der Aerzte Diametral ist, die berechtigten Wünsche und For- 0 Deutschen aber vollkommen in den direkt ohne Wohlwollen zu be-

an die Zulassung der Frauen zum .tudium (warum nicht auch zum h ilo lo gis che n, juristischen?) ; von Jüngern Aeskulaps mit Real- .u erinnern, während fast gleichzeitig -Veterinärmedizin er Gymna- .fordert wird. Bekannt ist auch, wie fall- und Kran kenversicher- g mit den ärztlichen Foroer- : d e r g e s e tz t hat. In ersterer sind wähnt, obwohl ohne sie eine praktische nzen Gesetzes unmöglich wäre, in der verabschiedeten Novelle zu letzterem annter schreiender Mißstände der Honorierung der ürzt- n nur die Pflichten der Aerzte . e n und Forderungen aber nicht lwollende Erwägung zugesagt. ;en waren nötig, um meine Behaupt- an Wohlwollen der Reichsregier- lerzten zu beweisen. Ich komme nun na und möchte die Kehrseite der Medizin", wie sie sich! dem Aerzte-- t.

Krankenhäuser, deren Leiter einen Neben diesen steht die große Zahl Krankenhäuser, Hospitäler re., deren eil wohl ebenso bedeutende Koryphäen Leiter der Universitätskliniken. Sie keinen Lehrauftrag. Und diesen . einem gewissen Grage erhalten. iterscheidungsmertmal existiert nicht, n, wie ich dem Aufsatz in Nr. 249 hme, die selbständige Behand- n durch die Praktikanten ermöglichen. . i k e n nicht möglich wäre! Dem Ver- r gern gestattet worden, die akadem. iar ausdrücklich, daß dies erwünscht nur einer dahingehenden Bitte, eines bei jedem jungen Arzt voraussetzen

'.rung erfüllt zu sehen.

ßen Hochschulen nicht möglich ist, wo : die Ferner sitzend en mit Krim- rlauf einer Operation ver- -a wird eben ein für seine Ausbildung nicht bleiben. Er dient seinem mehr, wenn er eine kleinere nige klinische Semester auf-

te, unterscheidet nichts, rein gar nichts er geplanten Form (siehe Artikel in liversitätskliniten. Auch die Zahl der ürchte ich, so groß werden, wie an auch. Es wird sich also nur um eine klinischen, der Krankenhaus- cln, in welcher der an großen Hoch- (durch die Ueberfüllung) mangelhaft er Mediziner, welcher während seiner ebummelt" hat, die Lücken seiner Aus- i können. Für die Zwecke der Praxis, praktischer Ae r z t e, wird das tadcmien nayezu zwecklos sein.

näheren Erläuterung dieser Behaupt- auf einige Punkte näher einzugehen, o es für Den ärztlichen Praktiker unter in ärmlichen Verhältnissen,

uTtieL «viuut'ucn, ohne jede Assistenz eine ge­burtshilfliche oder chirngrijche Operation vorzunehmen. Er muß die Instrumente keimfrei machen, desgl. das Opera­tionsfeld, und muß dafür sorgen, daß diese fernerhin nur mit aseptischem Material in Berührung kommen. Die Vor­nahme der Operation ist meist weniger schwierig, als die Erfüllung die)er Forderungen, von der dar, Leben und die Gesundheit des Patienten, der fieberfreie Verlauf des Wochenbettes u. a. ab hängt. Lernt der junge Arzt das praktisch, in der Klinik? Wird er das in Akademien lernen? Es ist einfach unmöglich, in solchen mit allen modernen Hilfsmitteln ausgestarteten Anstalten die Verhältnisse einer dunklen, engen, schmutzigen Häuslichkeit zu markieren.

derLöhne zur Folge hatte, int Gegensatz zu der etwa seit 1885 bis heute bestehenden Agrarkrise, die Arbeitern mangel und steigende Löhne mit sich brachte.

1870 wurde die Bahn Gießen-Hungen eröffnet und damit für Hofgüll die Station Lich, von der das Gut nur 5 Km. entfernt liegt. Jetzt steigern sich die vom Gute und zum Gute beförderten Güter wie der Verfasser sagt, sprungartig. Aber die Schilderung der Verhältnisse von 1870 bis 1885 ist nicht geschehen. Der Verfasser sagt auf Seite 43: Unter der Rückwirkung des industriellen und allgemein-wirtschaftlichen Aufschwunges der 70er Jahre folgte eine Übergangsperiode, deren Resultat die Klarheit des Bildes ungünstig beein­flussen würde. In die Zeit von 1870 bis 1885 fallen die guten Getreide- und Fleischpreise. In dieser Zeit entstand das Wort:Wenn es der Industrie gut geht, gebt es auch der Landwirtschaft aut", ein Wort, das zur Zeit des letzten wirtschaftlichen Aufsck

Im Kapitel:M

dem alten Wege. ' . ..

Nun will em neuerdings auf den Plan tretendes Pro­jekt diesen Umweg vermeiden, die Vertreter decheloen sagen: Was wollen nur die oberen Vogelsberger mit ihrem Ver­kehr nach Gie ß e n und Fr a n k f ur t ? Gi eßen sei doch Nebensache! Die Hauptsache sei, daß eine befere Ver­bindung zwischen den einzelnen Kreisstädten des Vogels­berges, hier in erster Linie zwischen Schotten und Als­feld, geschaffen werde. Diese Ar.hn ginge dann quer ourcp den Vogelsberg und würde den selben durch Anglieoerung an seine KreiSpädte völlig erschließen.

DckdLi wird vergessen, daü damit. Oie Regierung vor eine noch viel schwierigere Aufgabe gestellt würde, wie im

eine zweite folgte."

Mit diesen Ausführungen soll offenbar dargetan toert den, wie schwer alte Herren sich zu Neuerungen entschließen und besonders dann, wenn sie bei der gewohnten ängstlich* sparsamen Wirtschaft, begünstigt durch die Zeitverhältnisse, große wirtschaftliche Erfolge aufzuweisen haben. Das war hier der Fall. Mitte der 70er Jahre gestattete mir der, alte Herr einen Einblick in die Wirtschaftsbücher. Die all­jährlich voraenommenen Abschlüsse zeigten verblüffend hohe Wirtschaftsüberschüsse. Konnte von 1885 ab der jetzige Be­wirtschafter von Hofgüll die neuen Errungenschaften auf dem Gebiete des Ackerbaues, der Viehzucht, des Meliora­tionswesens, der Technik such nutzbar machen, so verdanktej er das mit den in einer Zeit angesammelten Kapitalien, in der man noch mißtrauisch Neuerungen gegenüber stand, einer Zeit, über die überlegen zu lächeln wir heute so leicht bereit ^ Seiber bleibt uns der Verfasser die Antwort aus die Frage schuldig, wie rentiert unsere heutige Mrischastsweise mit den großen Importen und Exporten, wie die bis an die Grenze getriebene Produktion im Gegensatz zu der be^ scheideneren Produktion bis zum Beginn des Jahres 1885! etrna, Denn überall, auch in. den bäuerlichen Mrtsckaktem.

Kosgüll in der Wetterau.

HundertJahreder Entwickelung eines i nten- siven Betriebes von Dr. Richard Aninger.

Orig.-Artikel des Hess. Landw.

Unter diesem Titel erschien in diesem Jahre in der Ver­lagsbuchhandlung von Paul Parey in Berlin SW. ein Buch, welches eine weite Verbreitung in landwirtschaftlichen Kreisen verdient. Wer das Buch studiert, das in anziehender Form die Entwickelung eines landwirtschaftlichen Betriebes im einzelnen schildert, studiert damit die Entwickelungs- aeschichte der Landwirtschaft Mitteldeutschlands in den letzten 100 Jahren.

Wie der Verfasser in seinem Vorwort richtig sagt, wird auch für den Theoretiker die Arbeit von großem Interesse sein. Sie liefert eine große Reihe statistischer Daten, Zahlen und Auskünfte über Verhältnisse, die sich wohl von Mund zu Mund im Kreise der Praktiker erhalten haben, die man vergeblich in Lehrbüchern zusammengetragen findet, soweit sie wenigstens mitteldeutsche Verhältnisse betreffen.

Wenn man auf Einzelheiten eingeht, so findet der unpar­teiische Beurteiler manches, was zur Kritik herausfordert. So sieht der Verfasser die Steigerung der Erträge und damit des Exportes fast nur allein herbeigesührt durch die Möglichf- keit, die erzeugten Produkte auf der im Jahre 1850 eröff­neten Main-Weser-Bahn (Butzbach) zu befördern. Zweifel­los hat die Eröffnung dieser Bahn zur vermehrten Pro­duktion angeregt. Auf Seite 47 werden auch noch als Ur­sache zugegeben die Fortschritte in der Technik des landwirt­schaftlichen Betriebes. Wesentlicher hat m. E. der steigende Wohlstand, die Entwickelung der Industrie (Freizügigkeit) und die Zunahme der Bevölkerung Deutschlands nach den verheerenden Kriegen bis 1815 beigetragen. Die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten stieg, eine nennenswerte Einsuhr fehlte, ja unser Export nach England machte nicht selten unsere Vorräte knapp. In dieser Zeit beginnt bereits die vermehrte Nachfrage nach Weizen, die das Zurück­drängen des Roggenbaues zur Folge hatte. Diese Ent­wickelung hat sortgedauert; heute ist die Hauptbrotfrucht nicht mehr der Roggen, sondern der Weizen. Das hat lediglich seinen Grund in den durch den wachsenden Wohl- tand hervoraerufeuen Ansprüchen der Konsumenten. 1806 i iis 1825 wurden von unserem Gute 221.76 D.-Z. Weizen ver­kauft, 1825 bis 1845 497.50 D.-Z. Obgleich in dieser Zeit ür Hofgüll noch keine Bahnstation existierte, stieg doch chon der Anbau und damit der Export von Weiten um mehr als das Doppelte. Die Ablieferung allen Getreides er­folgte auf dem Hofe. Frachtkosten entstanden somit über­haupt bis dahin nicht. Die Mühlen, Handel treibende Frachtfuhrleute rc. waren die Wnehmer. . Nur die Ver­frachtung des Branntweins erfolgte durch eigene Gespanne. Außerdem fiel in den Zeitraum von 1820 ab die. große Agrarkrise, die ein Sinken des Packtvreises und ein Sinken