* Gräfin Moutignoss, bte ehemalige Krou- Prinzessin von Sachsen, kehrt von Schloß Ronno nach Lindau zurück, wenn ihr Vater, der Großherzog von Toskana, Lindau verlassen hat.
* Studio auf einer Steif • • • Zwei gutgekleidete Fremde, von denen der eine sich für einen Regierungsbauführer, der andere für einen Dr. Phil, ausgab, kehrten dieser Tage m der Lehmannschen Gastwirtschaft zu Strausberg ein, ließen sich reichlich bewirten und machten hierbei mysteriöse Andeutungen über ein in dem nahegelegenen Orte Prötzel bevorstehendes Duell, das einige Tage später ausgefochten werden sollte. Die beiden jungen Herren blieben auch die Nacht über in der genannten Wirtschaft und ließen am anderen Morgen einen Wagen kommen, mit dem sie angeblich nach Prötzel fahren und von dort wieder nach Strausberg zurückkehren wollten. Als sie der Wirt aber aufjorderte, vorerst ihre etwa 18 Mark betragende Zeche zu bezahlen, stellte es sich heraus, daß sie keinen Pfennig Geld besaßen. Es wurde ein Schutzmann herbeigeholt, der die Zechpreller zunächst in das Polizeigesängnis einlieferte. Am anderen Morgen wurden sie dem Amtsgericht vorgeführt. Hier wurde durch ihre Vernehmung festgestellt, daß die Fremden Berliner Studenten waren, die in Prötzel einen Freund besucht, und unterwegs ihre gesamte Barschaft verjubelt hatten. Nach Feststellung dieses Tatbestandes wurden die Sistierten aus der Haft entlassen. Ten jungen Musensöhnen wird für dieses kleine „<5onrmer= vergnügen" noch ein gerichtlicher Denkzettel zuteil werden.
Arbeiterbewegung.
Solingen, 25. Aug. Der „Rhein.-Westf. Ztg." zufolge beschlossen die hiesigen Messerschleifer gestern abend, ihre Forderungen auf Erhöhung der Schleifpreise aufrecht zu erhallen und das von dem Verein felbständig aufgestellte Preisverzeichnis mit erhöhten Schleiferlöhnen am 4. September in Kraft treten zu lassen. Hebet die Fabrikanten, welche die neuen Preise nicht zahlen wollen, soll die Sperre verhängt werden.
Hamburg, 26. August. Die Straßenbahn entließ 60 Rädelsführer der Straßenbahnbewegung. Die Angestellten der Zentralbahn beschlossen, sich der Bewegung anzuschließen. An 1800 Straßenbahner sind in den Zentralverband der Verkehrsarbeiter eingetreten.
Kopenhagen, 25. Aug. Der Direktor von „bet forende Dampskibsselkabet" legte den Hafenarbeitern der Gesellschaft einen ähnlichen, das Verbot der Mitgliedschaft des Hafenarbeiterverbandes enthaltenden Kontrakt vor, wie die Arbeiter s. Z. nach dem mißglückten Ausstande unterschreiben mußten. Der Grund hierfür ist, daß der Direktor erfahren hat, die Arbeiter beabsichtigen wieder in den Hafenarbeiterverband, da die Gesellschaft ihrer Meinung nach den Kontrakt nicht gehalten hat. Die neuen Kontrakte wurden heute auf zwei Dampfern den Arbeitern vorgelegt, welche die Unterschrift verweigerten. Die Arbeit wird mit 40 Mann fortgesetzt. Die Gesellschaft ließ die im Hafen Anwesenden bei den Schiffen nicht beschäftigten Arbeiter durch die Polizei vom Platze weisen.
Laibach, 26. August. Die gesamte, 1600 Mann zählende, bei dem Bau der Karalvankenbahn in Birnbaum, Bezirk Radmannsdorf, beschäftigte Arbeiterschaft ist ausständig. Der Ausstand ist auf die Ablehnung der achtstündigen Arbeitszeit seitens der Bauunternehmer zurückzuführen.
Gerichtssaal.
Leipzig, 25. August. Das Reichsgericht verwarf die Revision der Mietsfrau Caroline Przgodda in Roeblau, die vom Schwurgericht zu Allenstein am 14. Juni wegen Ermordung ihrer drei Männer zum Tode verurteilt worden ist.
Leipzig, 25. August. Der vormalige Direktor der Leipziger Bank, Dr. G e n tz s ch, der im vorigen Jahre wegen betrügerischen Bankerotts und Bilanzverschleierung unter Annahme mildernder Hmstände zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, ließ durch feinen Verteidiger, Justizrat Broda, die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragen.
Heidelberg, 26. Aua. Die Studenten Ludwig Schmitt aus Zweibrücken und Emil Marx aus Schweinfurth wurden von der Ferienstrafkammer wegen Z w e i k a m p fs zu je 3Monaten Festungshaft verurteilt. Die Duellanten waren wegen Entleihung von Chemikalien hintereinander geraten. Der Mitangeklagte Wirt Pfaff aus Klemgemünd, in dessen Lokal der Säbelzweikampf stattsand, wurde freigesprochen.
Paris, 26. Äug. Der frühere Bankdirektor Baleusi wurde wegen Unterschlagung von über 20 Millionen Francs zu einjährigem Gefängnis verurteilt. Die Strafe wird durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet.
Eisenbahn-Zeitung.
Berlin, 26. Aug. Ein Erlaß des preuß. Eisenbahnministers an die Eisenbahndirektionen weist darauf hin, daß die jüngsten Unfälle meist durch Außerachtlassung bestimmter Vorschriften oder durch Unaufmerksamkeiten veranlaßt sind. Er beauftragt die Direktiorispräsidenten, den Beamten genaueste Beachtung der Vorschriften einzuschärfen, sowie unausgesetzt und eingehend die pünktliche Ausführung der Vorschriften zu überwachen.
— Qualmen der Lokomotiven. Nachdem in der letzten Zeit über das starke Qualmen der Lokomotiven beim Halten auf Bahnsteigen und in derNähe v o n Wohnungen vielfach mit vollster Berechtigung Klage geführt worden ist, hat die Eisenbahndirektion Frankfurt Anlaß genommen, dem Lokomotiv- persoual, sowie den Maschineninspektionen, Betriebswerkmeistereien und Stationen eine bereits früher erlassene Verfügung nochmals zur strengen Beachtung in Erinnerung zu bringen. Die Maschineninspektionen haben eine scharfe Kontrolle zu veranlassen und durch Belehrung des Personals in den Unterrichtsstunden und während der Fahrten darauf hinzuwirken, daß durch sachverständige Bedienung des Feuers das Qalmen nach Möglichkeit beschränkt wird.
Landwirtschaft.
Berlin, 25. Aug. Der „Reichsanz." veröffentlicht den Saalenstand im Deutschen Reich um Mitte August. Danach war, wenn 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering bedeutet, der Stand von Winterweizen 2,7 gegen 2,7, Sommerweizen 2,6 gegen 2,6, Winterspelz fehlt gegen 2,1, Winterroggen 2,4 gegen 2,5, Sommerroggen 2,5 gegen 2,5, Sommergerste 2,5 gegen 2,5, Hafer 2.5 gegen 2,7, Kartoffeln 2,5 gegen 2,6, Klee 2,6 gegen 2,8, Luzerne 2,7 gegen 3, Wiesen 2,4 gegen 2,6 um die Mitte des Juli. Dazu führt der „Reichsanz." aus: In der letzten Berichts- Periode verzögerten und erschwerten das vorherrschend regnerische Wetter und die zeitweise empfindlich kalten Nächte die Erntearbeiten sehr. Vielerorts gingen schwere Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und mehr ober minder starkem Hagelschlag nieder. Geklagt wird über Rostbildung, über vielfaches Aiistreten von Feldmäusen, über Lager des Getreides und beginnendes Auswachsen der Aehren. Die Ernte des Win t e r g e t r e i d es ist in Süddeutschland meist mit befriedigendem oder gutem Ertrage beendigt, in Norddeutschland steht noch viel Weizen und teilweise auch Roggen auf dem Felde. Die Sommerhalmfrüchte sind außer Hafer größtenteils gemäht, in Mittel- und Süddeutschland auch meist eingesahren. Der Stand des Hafers und der Kartoffeln besserten sich durch bie Niederschläge. Die Besserung im Stande des Klees und der Luzerne wäre noch größer, wenn nicht die Narbe nach dem ersten Schnitte infolge der anhaltenden Dürre fast versengt wäre. Ebenso litten in Preußen die Wiesen nach dem ersten Schnitt unter der sengenden Tageshitze und der lliedrigen Nachtlemperatiir.
— T i e rz u ch t i n s p e k t o r e n. An der landwirtschaftlichen Hochschule und aii der tierärztlichen Hochschule in Berlin ist, wie bereits früher au der landwirtschaftlichen Akademie in Bonn
Poppelsdorf, eine Prüfung für Tierzuchtinspektoren zur Einführung gelangt Diese Prüfungen sind dazu bestimmt, junge Leute, welche Neigung und Anlage für tierzüchtensche Tätigkeit zu besitzen glauben, anzuregen, eingehendere Studien auf diesem Gebiete zu treiben. Zugleich soll ihnen Gelegenheit gegeben werden, einen Nachweis erfolgreicher wissenschaftlicher Vertiefung in die tierzüchterischen Spezialwiffenschaften durch das Bestehen einer Prüfung zu führen. Die Prüfungen sollen indessen lediglich den Zweck haben, festzustellen, daß der Prüfling mit den für den Beruf eines Tierzuchtinspektors erforderlichen wissenschaftlichen Grundlagen sich vertraut gemacht hat. Das Bestehen der Prüfung schließt indessen nicht ohne weiteres auch den Beweis der Befähigung für das Amt eines Tierzuchtinspektors in sich ein. Vielmehr ist hierzu noch der Nachweis erforderlich, daß auf tierzuchterischem Gebiete tm allgemeinen ober in einzelnen Zweigen tüchtige praktische Erfahrungen gesammelt worden sind. Insbesondere dürfte für das Amt eines Tierzuchtinspektors neben der wissenschaftlichen Beherrschung der tierzüchterischen Disziplinen und neben der Hebung in der praktischen Anwendung tierzüchterischer Grundsätze ein sicherer, durch Praxis gewonnener Einblick in die wirtschaftlichen Bedingungen der Tierzucht und in deren Beziehungen zum Ganzen des landwrrtfchaft- lichen Betriebes unerläßlich sein.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 26. August 1903.
(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)
Das gestern bereits hier erwähnte argentinische Budget, welches heute bekannt wurde, und in der Tat äußerst günstige Momente brachte, veranlaßte die Spekulation zu großen Käufen per Kaffe und auf Prämie per spätere Termine. London zeigte von Anfang an feste, doch reservierte Haltung für Argentinier und meldete in der zweiten Börsenstunde ein kräftiges Anziehen des Kurses, worauf auch hier neue Käufe zu erhöhten Preisen statt- sanden. Die sonstigen Märkte verkehrten in ziemlich stiller, jedoch gut behaupteter Haltung. Auf dem Kassaindustriemarkt war durchgehends feste Tendenz bemerkbar, einige Spezialwerte erzielten nennenswerte Steigerungen, so z. B. Auer-Gasglühlicht, Phönix- Bergwerk, letztere auf gute Dividendentaxe, sowie die Werte der Elekrizitäts-Gesellschaften.
Privat-Diskont 33/a Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse.
Oest. Krebst .... 202.40 202.12
Deutsche Bank . . . 211.40 211.50
Darmstädter Bank . . 135.30 135.37
Bochumer Guß . . . 182.60 182.90
Harpener Bergbau . . 181.60 182.30
Schluß-Tendenz: behauptet.
Berlin, 26. Aug. In der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank machte Vizepräsident Gallenkamp darauf aufmerksam, daß bei dem nächsten Quartalswechsel mit Rücksicht auf die regelmäßig wiederkehrenden Herbstbedürfnisfe und voraussichtliche bedeutende Anspruchncchme der Bank durch das Reich eine Diskonterhöhung werde in Aussicht genommen werden müssen.
Hamburg, 25. Aug. Die von mehreren Blättern nach dem Londoner „Commercial Advertiser" gebrachte Mitteilung über eine gestern in London stattgehabte Zusammenkunft der Direktoren der deutschen transatlantischen Schiffahrts-Gesellschaften zwecks Beratung einer deutsch-englischen Kombination für den transatlantischen Verkehr ist vollkommen unbegründet. Generaldirektor Ballm, von dem in der Mitteilung behauptet wurde, daß er den Vorsitz bei der Zusammenkunft geführt habe, befindet sich zur Erholung im Süden. — Der „N. Hamb. Börsenhalle" zufolge beschloß das Syndikat deutscher Zucker- r affin er i en, für die Zeit vom 1. September an eine Herabsetzung der Anlandpreise um 15 Mk. für 100 Kilo.
Der amerikanische Tabattrust. Etwa 40 große Havanna- Firmen haben sich dem amerikanischen Tabaktrust nicht angeschloffen und unter sich eine Antitrust-Liga gebildet. Diä „Südd. Tabakztg." berichtet nun, daß die Firma Bönicke u. Eichner in Berlin, die sich für den Vertrieb der Trustfabrikate interessiert haben soll, von den Antitrustfirmen aus diesem Grunde Waren nicht mehr geliefert bekommt.
Märkte.
§ Gedern, 25. Aug. Der heutige S ch w e i n e m a r k t war gut befahren, jedoch stockte der Ha.rdel ungemein und viele Leute brachten ihre Ware wieder nach Hause. Ferkel wurden das Paar mit 38—40 Mk., EinlegsllMeine mit 80 bis 110 Mk. je nach Qualität, fette Schweine mit 45—46 Pfennig per Pfund (Lebendgewicht) verkauft.
Limburg a. d. L., 26. Aug. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 00.00 Mk., altes Korn 00.00 Alk., neues Korn 10.10 Alk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 7.40 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Ack.
Sport.
— Der Frankfurter Automobil-Klub veranstaltet ein internationales Automobil-Rennen am Sonntag dem 30. August auf der Rennbahn am Oberforsthaus in Frankfurt a. M.________
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aiit^ unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
R o d h e i m, 26. August.
Wie ich höre, beabsichtigt die Verwaltung der Bieber- t a l b a h n, an den Stationsgebäuden in Rodheim, Bieber und Heuchelheim bauliche Veränderungen vorzunehmen. Die jetzigen, ihrem Zwecke entsprechenden Wartesäle sollen zu Wohn- räumen, und die Dienststuben des Personals zu Wartesälen, umgewandelt werden. So wünschenswert diese Umbauten tm Jnsereffe des Bahndienstes sein mögen, so ist doch zu bedenken, daß dem reisenden Publikum dadurch doch wohl manche Hnannehmltchkesten bevofttehen. Im nächsten Winter werden vielleicht unsere Arbeiter bei Kälte und Schneegestöber zu 40 ober 50 in einen 7—8 Qm. großen Raum zusammengepfercht, die morgens um 6 Hhr auf den Zug warten müssen. Aber noch nicht einmal alle die Schulen zu Gießen besuchenden Schüler von hier finden in diesem Wartesaal Platz. Uni) wohin sollen die oft nach Hunderten zählenden Mtt- glieber der Gießener Vereine sich flüchten, wenn sie tm Sommer einen Ausflug gemacht haben und von einem Gewitter überrascht werden? Braucht man Wohnungen für Dienstpersonal, so ist über den Dächern der jetzigen Gebäude doch Platz genug vorhanden. Das würde kaum mehr Geld kosten und im Interesse des Dienstes, des Bahnpersonals und des Publikums praktischer fern. Außerdem würden dadurch die Gebäude an Schönheit zweifellos viel ge° ro innen. -i-
Goltrsdirnii der israelitischen Keligionsgrstllschast.
Samstag, den 29. August 1903.
Freitagabend 6.50 Hhr. Samstag Vormittag 8 Hhr.
Nachmittag 4 Hhr.
Sabbathausgang 8.05 Hhr.
Wochengottesdienst: Morgens 6.3O Hhr, abends 6L0 Hhr.
Neueste Meinungen.
OriginaldrahtmeLdungen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 27. Aug. Dem bekannten Vorkämpfer für eine Reform der Eisenbahntari.se, stellvertretendem Vorsteher des stenographischen Bureaus des Reichstages, Schriftsteller Dr. Eduard Engel wurde das- Prädikat Professor bei- gelegt.
Berlin, 27. Aug. Um em Unglück wie auf der Metropolitaubahu in Paris zu verhüten, beabsichtigt die Verwaltung der B e r l i n e r H o ch - und Untergrundbahn folgende Maßregeln zu treffen. Die Tunnelstrecke soll elektrisch beleuchtet werden, sodaß es hell bleibt,
auch wenn die Beleuchtung des Zuges versagt. Dem Zug- Begleitungs-Personal soll es möglich sein, an jeder Stelle der Bahnstrecke sofort den Arbertsstrom auszuschalten, sodaß einerseits alle Züge sofort halten müssen, andererseits daß die Geleise ohne Gefahr vom Publikum betreten werden können, da die Kontaktschiene stromlos ist.
Berlin, 27. Aug. Gegen den Redakteur der „Hilfe", Gerhard Hildebrand, ist wegen eines Artikels betreffend die Dienstanweisung für die Kteis-Schul- Jnspektoren ein Zeugnis-Zwangsverfahren'ein- geleitet worden. Hildebrand wurde aufgefordert, sich heute zum Antritt der Zwangshast zu stellen.
Halle, 27. Aug. In Mühlhausen wurde der junge Arzt Dr. S ch w a r z, der den am Samstag dort verstorbenen Arzt Dr. Schlott im Duell tätlich verwundet hatte, verhaftet. Das Duell war infolge eines Streites zwischen den Krankenkassen und den Aerzten zu stände gekommen.
Köln, 27. Aug. In der dritten öffentlichen Generalversammlung des geschlossenen Katholikentags sprach Lensing über die Entwickelung der katholischen Literatur und Presse, Dr. Porsch erörterte die Geschichte der Zentrumsfraktion des Reichs- und Landtages. Ter Domini- kaner-Pater Damatikus' sprach über die katholische Wohltätigkeit und die Vereinigung der Vereine zum Charitas- Verbande. Hierbei schilderte er Pius L, der sich bisher stets als Vater der Armen erwiesen.
München, 26. Aug. Tie 32. Hauptversammlung des Deutschen Apothekertages wurde heute unter dem Vorsitz des Korpsstabsarztes a. T. Salzmann eröffnet. Nach einer Anzahl von Begrüßungsansprachen seitens oer bayerischen Regierung, des preußischen Kultusministeriums, der Stadt München und verschiedener Apotheker und Korporationen wurde in die Tagesordnung ein getreten und die große Reihe der den Apothekevstand betreffenden Fragen erörteret. Einstimmig wurde die Resolution angenommen, die sich für die Einführung der Zwangsversicherung der Apotheker, und zwar der Alters-Jnvaliditäts-Hinterbliebenen-Ver- sicherung, auf dem Wege der Reichsgesetzgebung ausspricht. Eine längere Erörterung verursachte die Frage einer Reichch- arzneitaxe, bis schließlich mit großer Mehrheit der Antrag des Vorstandes angenommen wurde, nach dem der Deutsche Apothekerverein sich grundsätzlich für die Einführung einer Reichs arzneitaxe ausspricht, vorausgesetzt, daß die Taxe mindestens die Höhe der jetzigen Durchschnittssätze verschiedener deutscher Arzneitaxen sesthält. Ferner sprach sich: die Versammlung für beschleunigte Neuregelung der Apotheker-Vorbildung aus, wobei als Grundlage das Reifezeugnis des humanistischen oder Realgymnasiums wählen sei. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wuroe Hamburg gewählt. Abenös fand zu Ehren der Versammlung eine Fesworstellung im Hoftheater statt.
Kopenhagen, 27. Aug. An dem internationalen Radrennen nahmen sämtliche Berufsslieger mit Ausnahme Ellegards an dem Rennen um die Weltmeisterschaft teil. Das Hauptfahren gewann Grogna, das Prämienfahren und das Handicap Ruett. Im Herrenflieger-Rennen ging der Däne Axel Hansen als Erster durch Ziel.
Zürich, 27. Aug. Der Redakteur der „Neuen Züricher Ztg.", Major Albert Wegmann, ist im Züricher See ertrunken. Die Leiche ist bis jetzt nicht gefunden.
Belgrad, 27. Aug. Die Aufschrift „Guillotine für die serbischen Kön i g s m ö r d er", die sich auf einer Maschinensendung Ms Frankreich vorfand, soll ein deutsch, erBeamter bei dem Transport der Kisten durch Deutschland hinzugefügt haben.
Sofia, 27. Aug. Entgegen den türkischen Anschuldigungen von Grausamkeiten, welche die AufständischLt verüben sollen, veröffentlicht die Autonomie die Namen von 65 Ortschaften, welche in den letzten Tagen von türkischen Truppen zerstört und deren Einwohner, Frauen und Kinder niedergemacht wurden.
Sofia, 27. Aug. Aus dem macedonischen Aufstandsgebiet wirb berichtet: Tie Insurgenten vernichteten das Torf Hadschi Dalaschmak und machten 40 Mann der Besatzung nieder. Das Regierungsblatt „Nove Wek" wendet sich gegen die macedonisck^n Meetings. Tas Fürstentum werde sich unter keinen Umständen zur Störung des' Friedens hindrängen lassen.
Sidi bel Abes, 27. Aug. Die prachtvollen Palmen- und Fichtenwälder von Telagh Tirman und Bossuet sind durch einen Brand fast gänzlich zerstört worden. Ein hesttger Weststurm nährt das Feuer, welches jich^ bereits auf eine Ausdehnung von 60 Kilometer erstreckt.
Newyork, 26. Aug. Die drahtlose Telegraphie hat bei den gestrigen Jacht-Wettfahrten ein Fiasko er filtern Vier Gesellschaften hatten einen drahtlosen Dienst eingerichtet, indessen ist nur eine einzige Depesche über den Verlauf der Fahrten verständlich angekommen.
Telephonischer Kursbericht«
Frankfurt u. Ql.. 27. August 19u3.
3*/2% Reichsanleihe . . 101.80 3°/o do. ... 81.80 3V,% Konsole .... 101.35 3% do.....89.80
3V«o/l) Hessen .... 100.40 31/2^6 Oberhessen . . . 91.20 4% Oesterr. Goldrente . . 102.80
4l/6% Oesterr. Silberrente 100.50 4% Ungar. Goldrente . . 100.40
4°/j Italien. Rente . . . 102.90 4*/, 96 Portugiesen . . . 50.00 8°/. Portugiesen. .... 31.00 1% C. Türken .... 34 70 Türkenlose......128.20
4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.00
41'. % äussere Argentiner 41.70 |
3% Mexikaner .... 27.20 4V29/o Chinesen .... 92.40 Electric. Sohuckert . . . 96.40 Nordd. Lloyd . . . . 101.50
Kreditaktien ..... 202.00 Diskonto-Kommandit. . . 187.70 Darmstädter Bank . . . 135.70 Dresdener Bank .... 146.20 Berliner Handelsges. . . 153.00 Oesterr. Staatsbahn . . . 139.00 Lombarden ..... 17.10 Gotthardbahn.....189.60
Laurahütte ...... 226.30 Bochum ...... 183.00 Harpener......181.50
Tendenz: fest.
Wöchentliche WerW i>er Loörsfäöe in der Stadt Gießen.
33. Woche. Vorn 9.—15. August 1903.
(Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 23,19,
nach Abzug von 5 Ortsfremden: 13,53 °/Co.
Kinder
Es starben an:
Zusammen: Erwachsene:
im
vom
l.L
Lebensjahr:
2.—15. Jahr
Tuberkulose der
Lungen
1
1
Tuberkulose des
Darms
1(1)
1(1)
--
Herzleiden
2(1)
2(1)
—
—
Brechdurchfall
2
—
1
1
Blinddarmentzündung 1 (1)
1(1) .
—
—
Lebensschwäche
3(1)
—
3(1)
——
Atrophie
1
—
1
—-
Blutvergiftung
1 (1)
—
1 (1)
—
Sumina: 12(5)
5 (3)
6(2)
1'
Anm.: Die in Klanunern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankhett auf von auswärts uad) Gießen gebrachte Kranke kommen.


