Ausgabe 
27.8.1903 Zweites Blatt
 
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Ausland.

Haag, 26. Aug. Sämtliche Mannschaften der 6. Feld- batterie haben den Gehorsam verweigert und entfernten sich aus der Kaserne. Sie wollten damit gegen die schlechte Behandlung seitens des Batteriechefs protestieren. Die Militärverwaltung hat umfangreiche Maß­regeln getroffen, um ähnliche Vorgänge bei anderen Batte­rien zu verhindern.

Paris, 26. Aug. Der Generalrat des Departements Eure et Loire hat den Wunsch geäußert, den Zoll auf Mais und Futtergetreide sowie auf Wo l l st o s f e aus Holland und Belgien um 25 Prozent zu e r h ö h e n.

Die Ankunft des Königs von Italien erfolgt zwischen dem 12. und 16. Oktober. Tte für den 13. Ott. geplante Einberufung des Parlameirts ist infolgedessen auf eine Woche verschoben worden.

Basel, 26. Aug. In der heutigen Sitzung des Zio- aistenkongresses referierte Oppenheimer über die Art zionistischer Ansiedlungen im allgemeinen, besonders mit Rücksicht auf P a l ä st i n a. Die Debatte über das Ostafrika- Projekt wurde geschlossen, nachdem noch tzerzl und Nordau gesprochen hatten. Das Aktionskomitee stellte den Antrag, eine Kommission zum Studium des Ostafrika-Projektes zu wählen. Diese soll eine Expedition entsenden. Bei der Abstimmung stimmten 295 mit ja, 177 mit nein. Die dem Ostafrika-Projekt feindlichen Russen verließen demonstrativ den Saal.

Wien, 26. Aug. DieAllg. Ztg" sagt, das Unter­bleiben des Wiener Besuches des Königs der Belgier sei eine Folge der Spannung zwischen dem Kaiser und dem König Leopold. Tie Veranlassung der Spannung seien die bekannten Vorfälle beim .Lode der Königin Henriette sowie das Vorgehen des Königs gegen die Prinzessin Luise von Koburg. Der Kaiser blieb absichlich länger in Budapest, um eine Begegnung mit König Leo­pold zu vermeiden, worauf dieser seine Wiener Reise aufgab.

Mazedonien.

Der bulgarische Ministerpräsident Petrow unterbrach plötzlich eine Wahlagitationsreise und kehrte nach Sofia zurück. Meldungen über verstärkte Bandenüber­tritte sollen seine Rückkehr veranlaßt haben. Tie in einem Meeting gefaßte Resolution wiederholt die Forder­ung betreffs eines christlichen Verwesers mit ständiger euro­päischer Kontrolle. Die Resolution wird den Vertretern der Mächte, dem serbischen und rumänischen Konsul, sowie der bulgarischen Regierung zugesandt. Eine macedonische Ab­ordnung begibt sich nach den europäischen Hauptstädten, um die Berliner Siznatarmächte zum Einschreiten zu Gun­sten Maeedoniens zu bewegen.

Heber den Adrianopeler Aufstand wird gemel­det: Aufständische sprengten vorgestern das Postamt und die Kaserne int Torf Talaschmak in die Luft und machten 15 Gendarmen nieder. 25 Baschi- bozuts hatten ein heftiges Gefecht bei Gioktepe. Komitee­banden verbrannten die Getreideernten in den Dörfern Kavaklii und Jenidsche im Bezirk Kirkkilisse. Die zerstörten Telegraphenlinien zwischen mehreren Orten der Linie Kirkkilisse sind wiederhergestellt. Die Einwohner der von den Komiteebanden umstellten Dörfer Dokusjuk, Syklar, Kedikoi und Derekoi und anderen in der Umgebung von Kirkkilisse jlück)teten.

Eine Rote der Pforte sagt in Beantwortung der Note der östreich-ungarischen Botschaft, daß Cdhib Pascha und Suleiman Pascha mit dem Kommando über die Maß­nahmen zum Schutze der Orientbahnen, und zwar Letzterer mit dem Schutze der Saloniker Bahnlinie, betraut feien. Die Bahnhosswachen würden entsprechend verstärkt, um ähnliche Vorfälle' wie bei der Station Seleniko zu ver­hüten. Infolge der jüngsten freundschaftlichen Vor­stellungen seitens einiger diplomatischen Stellen erließ die Pforte Befehle an alle Zivil-, Militär- und geistlichen Behörden, dahingehend, Auswüchse des mohammedani­schen Fanatismus sowie Ausschreitungen seitens der Trup­pen gegen die Bevölkerung zu verhüten. Die kompetenten Stellen werden für die Ausführung dieser Befehle ver­antwortlich gemacht. Wie verlautet, beabsichtigt die Pforte wegen der von den Komitees verübten Greueltateu im Sandschak Kirkkilisse und der hierdurch verursachten Massen­flucht von Mohammedanern und Christen nach Konstanti­nopel bei den Großmächten und in Sofia ernste Beschwer­den und Vorstellungen zu erheben, mit der Angabe, daß Beweise dafür vorliegen, daß Bulgarien zu der Bandeti­bewegung nicht nur die Bandenchefs liefere, sondern sie auch, in persönlicher und materieller Beziehung unter­stütze. Zugleich werde die Pforte erklären, daß sie jedwede Verantwortung für alle Folgen ablehne.

In der Mhe der Ortschaft Zinetieo 100 Kilometer von Konstantinopel ist eine bulgarische Bande aufgetaucht. Infolgedessen werden die umfassendsten Sicherheitsmaß­regeln getroffen, um Konstantinopel vor einem Ueberfall zin schützen.

TieFrkf. Ztg." berichtet aus Konstantinopel: Mar­schall Omer R u s ch d i Pascha, Kommandant der ma- cedonischen Otkupationstruppen, wurde ab gesetzt und nach Konstantinopel berufen. Seine Absetzung ist ein wesent­licher Erfolg der Militärpartei, welche den Marschall Omer mangelnder Umjidjt und Tatkraft beschuldigt. Ter Sultan bot das Oberkommando Eh dem Pascha an, der jedoch aus Rücksicht auf seinen leidenden Zustand ablehnte.

Die türkische Regierung zu Tripolis befahl den Ankauf von Pferden für Maeedonien.

Tie9ieue Fr. Presse" meldet aus Konstantinopel, daß wegen des geringen Reiseverkehrs die vorläufige Ein­stellung des Orient-Expreßzuges Wien-Konstan- tinopel beabsichtigt ist.

DieNat.-Ztg." schreibt anscheinend reichsoffiziös: Der bevorstehende Besuch, Pen der Zar dem Kaiser von Oesterreich in Wien abstatten wird, kann nur dazu beitragen, die volle Uebereinstimmung Oesterreich-Ungarns und Rußlands hinsichtlich des Zusammengehens der beiden Staaten, insbesondere in Bezug auf die Notwendigkeit, den macedonischen Aufstand rasch zu unterdrücken, durchaus zu bekräftigen. Tiesc Bemühungen finden zugleich von feiten anher er europäischer Großmächte entschiedene'Unter­stützung.

Aus Alüdl und Land.

Gießen, 27. August 1903.

Sc. Majestät Kaiser Wilhelm 11. hat gestern auf der Rückreise von Lronberg nach Kassel mit Sonderzug um 5,07 Uhr nachrn. die Station Gießen passiert.

* Ernennung. Der a.-o. Prof, an der Universität Königsberg Dr. Paul Gisevius mürbe lt.Darmst. Ztg."

zum orb. Professor der Landwirtschaft an der Universität Gießen ernannt. ~ , r .

** Der Universitätsbiener Ioh. Ruhl würbe, wie uns aus Darmstabt nach amtlicher Quelle drahtlich ge- melbet wirb, mit Wirkung vom 1. September in den Ruhe­stand versetzt und ihm bas silberne Kreuz bes Vcrdienstorl. cns Philipps bes Großmütigen verliehen unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste.

** In Betreff ber Vorträge über Kranken­pflege seitens einerSchw ester Friederike" wirb uns von berufener Seite mitgeteilt, baß die Veranstalterin dieser Vorträge aus dem Darmstädter Diakonissenhaus aus- geschieben ist unb bie Vorträge mit ber Sache ber christlichen Diakonie nichts zu tun haben. .

*» Der GesangvereinHarmonie" brachte gestern abenb seinem Mitglieb August Albolb für 25jährige Mit- gliebschaft ein Stäubchen. Herr A. würbe burch Ueberreich- ung eines Diploms zmn Ehrenmitglieb ernannt.

** Dünsbergwettturnen. Am fommenben Sonn­tag finbet, wie wir bereits mitteilten, auf bem Dunsberg bas dritte volkstümliche Turnfest bes Gailes Hessen statt. Gleich ben über ganz Dcntschlanb verbreiteten berühmten Felbberg- turnfeften soll auch bas Dünsbergturnfest einen echt volks­tümlichen Charakter tragen. Hoch auf ben Bergen, fern von bem Alltagstrubel ber Welt messen bie Jünger Jahns in frieblichem Wettkampfe ihre Kräfte unb ber Dünsberg soll eine Pflanzstätte bes echten beutschen Volkstums werben. Die Feste stehen im Dienst ber beutschen Turnerschaft unb omit im Dienste für da§ Vaterlanb. Es wäre zu wünschen, baß seitens ber Einwohner Gießens unb ber Umgebung bes Dünsbergs biesen Turnfesten, bie zu ben schönsten Hoffnungen berechtigen, bas größte Interesse entgegengebracht wirb.

r Robhei m a. Bieber, 26. Aug. Auch im Kreise Biedenkopf hat sich ein Hilfskomitee ber burch Hoch­wasser Geschäbigten gebilbet unb finb zu Biebenkopf, Battenberg, Gladenbach unb hier zu Robheim Sammelstellen bei ben Bürgermeistern eingerichtet. Da unsere Lanblcute auch biesmal roicber ben Erfolg ihres Fleißes burch eine ziemlich gute Ernte belohnt sehen bürsten, so werben ich auch in allen Gemeinben unseres Kreises willige Geber inben, bie gern ein Scherflein zur Unterstützung ber Geschä­bigten beitragen.

k- Ettingshausen bei Lich, 25. August. Bei ber heutigen Beigeorbnetenwahl würbe Zimmermeister' Hein­rich Seipp mit 61 Stimmen neu gewählt. Der seitherige Beigeorbncte G. H. Kell erhielt nur 39 Stimmen. Seipp ist erst 28 Jahre alt. Die Wahlbeteiligung war sehr leb­haft; von 116 Wahlberechtigten stimmten 100 ab.

Homberg a. d. Ohm, 26. Aug. Am Sonntag fand hier eine Sitzung des Bezir ksau s s chu s ses Gießen, bestehend aus Vertretern der Ortsgewerbevereine Gießen, Lich, Grünberg, Lollar, Londorf und Homberg, statt. Tie Arbeiten der hiesigen Sonntagszeichenschule fanden, wie der Vorsitzende, Petri-Gießen, bemerkte, Anerkennung. Ter Antrag Geißler-Kempten, betr. gesetzliche Regelung einer Pensionskasse für je lb ständige Gewerbetrei­bende, fand Zustimmung. Bei Besprechung über das taatliche Submissionswesen, das in allernächster Zeit eine zufriedenstellende Regelung in Hessen erfährt, über Festlegung von Einheitspreisen für staatliche Ausbesserungs­arbeiten und über engere Submission wurden verschiedene Klagen darüber laut, daß bei Vergebung von Arbeiten von den maßgebenden Baubehörden die einheimischen Hand- toerfer nicht immer in der Weise berücksichtigt würden, wie dies zu wünschen sei. Von feiten des Vorsitzenden wurde daraus hingewiesen, daß die Handwerkskammer stets bereit ei, berechtigte Klagen der Handwerker bei den zuständigen Behörden vorzubringen und für Abhilfe einzutreten. Ein Probeabzug der Statuten der neu zu gründenden Handwerkergenossenschaft wurde den Vorsitzenden der einzelnen Vereine übergeben. Man war der Ansicht, daß das Interesse für diese Genossenschaft aus dem Lanlde noch recht gering sei. Tie Städte möchten zunächst der Frage erst näher treten. Tie Anmeldungen zur M eister - irüfung in Oberhessen sind heuer außerordentlich zahl­reich; die Zahl 90 ist überschritten. Die theoretischen Prüs- ungen finden vom 7.-25. September in Gießen statt. Nach einigen Bemerkungen des Vorsitzenden über die Revision der Handwerksbetriebe, die in allernächster Zeit beginnt, und einer kurzen Ansprache des Beigeordneten Geibel-Hom- berg an die Mitglieder des Ausschusses wurde die Versamnv- lung geschlossen. Am Nachmittag unternahmen sämtliche Herren, denen sich der Vorstand und andere Mitglieder des hiesigen Ärtsgewerbevereins angeschlossen hatten, einen Spaziergang über ben Höchberg nach Schweinsberg. Der Besuch ber Amöneburg mußte leiber des starken Gewitter­regens wegen ausgegeben werden.

Darmstadt, 26. Aug. S. K. H. der Groß Herzog empfingen am 26. August u. A. ben Oberlehrer Professor Dr. Schmitt vom Gymnasium in Gießen, ben Kreisrat Dr. Wallau von Lauterbach, ben Hofrat unb Thcaterbirektor Varena von Königsberg i. Pr., ben Generaldirektor des Hof- theaters und der Hofmusik Werner. S. K. H. der Groß­herzog werden nächsten Samstag, 29. d. M., weder Audienzen erteilen noch Meldungen entgegennehmen, sondern nur Vor­träge im Rcsidenzschloß.

Sprendlingen, 26. Ang. Heute nacht wurde das Schild und die N a ch, t s ch e l l e unseres Arztes, des ReichStagsabg. Dr. Becker in einer nicht wiederzu- gebenben Weise mit Menschenkot beschmiert, sodaß, wer den Arzt zur Nachtzeit rufen wollte, sich besudeln mußte.

Mainz, 26. Aug. Eine s o zi al i stis che V e rs amm- lung beschloß die Entscheidung der gragc, ob der Posten eines Reichstags-Vizepräsidenten anzunehmen sei oder nicht, der Fraktion zu überlassen. Der Abg. Dr. David erklärte, er stehe auf dem Stanopunkte Vollmars.

Bingen, 26. Aug. (5in Nachspiel zur Reichs­tagswahl bildet eine Beleidigungsklage, welche der nationalliberale Kandidat bes Wahlkreises Mainz- Oppenheim, Dr. Pag en stech er, gegen ben bauernbünd- lerischen Kandidaten Landtagsabg. Wolf angestrengt hat unb bic cum Schöffengericht zu Niederolm zum Austrag gelangt. Wolf, welcher im Wahlkreise Bingen-Alzey energisch uie Kandidatur des nationalliberal-antisemitischen Rechts­anwaltes Elaß im L^hhlkampse unterstützte, fühlte sich dar­über verletzt, biajs Dr. Pagenstecher in seiner (Wolfs) Hei- matgemeiude Stadecken eine Wählerversammlung abhielt, um die Stimme der dortigen Wähler für die nationalliberale Sache zu gewinnen. Er richtete deshalb ein geharnischtes Schreiben an den Gegenkandidaten, worin er ihm u. a. Bauern, ang verwarf unb andere Schmeicheleien un­

geschminkt vortrug, die den Gegner veranlaßten, eine Be­leidigungsklage anzustrengcn.

W o rm s, 26. Aug. Derer st enatronallrberale Arbeiterverein im Deutschen Reiche ist in einer fehr zahlreich besuchten Arbeiterversammlnng in hiesiger Stabt begründet worben. Ter ganz ausschließlich von Arbeitern ins Leben gerufene Verein soll Gelegenheit bieten, aus ber Mitte ber Arbeiterschaft heraus dauernden Protest ertönen zu lassen gegen die immer anmaßender auf tretende Sozial­demokratie. Ferner soll das Prinzip und Ziel der Vereiittg- ung sein, das gegenseitige Vertrauen, bas Interesse unb bie Zufriedenheit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu pflegen. Von einem Mitveranstalter ber Versammlung, einem Arbeiter, wurde betont, haß bie Veranstalter des Abends aus sich selbst heraus gehandelt und einen Rus an ihre Kameraden hätten ergeyen lassen, die intelligent genug feien, um die soziale unb politische Lage zu über­blicken und dazu Stellung zu nehmen. Keine Anfeindung würbe sie schrecken in der Verfolgung ihrer Aufgabe, die nationaigefinnten Arbeiter von Worms in einem Verein zusammenzuhalten. Wie ber Vorsitzenbe vor Schluß der Versammlung mitteilte, haben sich zu bem Verein, abge­sehen von 16 noch ausstehenden Beitrittslisten, bereits 800 bis 900 Mitglieder angemetbet.

Wetzlar, 26. Aug. In der gestrigen Stadt- verordnetensitzung teilte ber stellvertretenbe Bürger­meister Hiepe mit, daß bie verstärkte Einquartierungskommission sich vollstänbig außer Stand sehe, die Mannschaften in solcher Höhe unterzu bring en, und ist dahin bei dem Lanbrat vorstellig geworden. Es wurde auch eine Em- gabe an ben Lanbrat gemacht zur Weitergabe an bie Division. In dieser Eingabe sind alle Gründe bargelegt, welche gegen die hohe Einquartierung sprechen. Es sind bie engen Ver­hältnisse ber Stabt bargelegt, ber Umstand, daß in diesem Jahre mehrfach Typhusfälle in ber Stadt vor- gekommen sind. Es wurde ferner der Bericht der Aerzte eingereicht, m welchem diese besonders auf diese Fälle Hin­weisen. Der Lanbrat hat bie Eingabe sofort befürwortend weitergegeben, jedoch ist bisher eine Antwort nicht cingelaufen. Durch Verfügung bes Regierungspräsidenten sollen die Häuser, in denen in diesem unb vorigen Jahre TyphuSsälle vor­gekommen finb, mit Militär nicht belegt werden. Alle diese Gründe sollen dem Divisionskommandeur mündlich vorge­tragen werden. Auch soll mitgeteilt werden, baß die Be­völkerung über bie hohe Einquartierung sehr erregt sei. Die Verpflegung ber Truppen könne nicht so ausfallen, wie es von der Bürgerschaft geivünscht werbe. Stadtv. Kaiser sprach sich für eine Reform ber Einquartierungs­frage aus, es müßte em Ortsstatut ausgestellt werben. Es sprachen sich in biesem Sinne noch einige Stadtverordnete aus und es wird eine diesbezügliche Vorlage gemacht werden.

Wetzlar, 26.Aug. Wegen der Angelegenheit I. Jaeod war eine Versammlung des hiesigen Vorschuß- und Kreditvereins cinberufen. Wie wir ben Berichten hie­siger Blätter entnehmen, stehen für ben Verein 22 786 Mk. auf dem Spiel, wovon nur 576 Mk. persönliche Schulden Jacobs bei dem Verein, ber Rest Wechsel seien, die Jacob stets in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer einer Ziegelei diskontierte. Wie weit bic Akzepte gefälscht seien, lasse sich zurzeit noch nicht feststellen. Den Gesamtpassiven in Höhe von 6070 000 Mk. soll ein Warenlager von ca. 20 000 Mk. Erlösmcrt gegenüberstehen.

Fulda, 26. Aug. Ein großes Feuer hat da.s Magazin der norddeutschen Wollkämmerei und die an­grenzenden Stallungen unb Scheunen zerstört. Der Schaden wird auf eine halbe Million Mark geschätzt.

Kleine Niitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In ben Ruhestand wurde versetzt der Monteur in der Hess.-Prcuß. Eisenbahngemeinschaft Karl Hinkel zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. September 1903 an. Morgen, Freitag, werden cs 50 Jahre, daß in Grüriberg die neue Stadttirche eingeweiht wurde. Sie wurde an der Stelle erbaut, wo 1816 die alte Kirche, Marien­kirche genannt, zusammenstürzte. Diese Kirche war eine ber ältesten Oberhessens; da aber zu ihrer Erhaltung nichts ge­schah, so erfolgte der Einsturz. Aus Anlaß ber vor fünfzig Jahren erfolgten Weihe der neuen Kirche findet am Sonntag ein Volks- und Jugcndsest statt. In Hopfmannsfeld feierten Bürgermeister Grcb unb Frau dieser Tage die goldene Hochzeit.

Vermischtes.

* Hamburg, 26. Aug. Tie Leiche des Berliner Offiziers Grafen von Bondissin wurde mit durch­schossener Schläfe aus der Alster gezogen. Vor­gefundene Briefe ergaben als Grntid nnglüttliche Liebe.

* Dresden, 26. Ang. Tie Deutsche S t ä d t e - Aus­stellung wird bis Mitte Oktober verlängert. Der bis­herige Reingewinn beläuft sich auf 100 000 Mark.

* Kopenhagen, 26. Aug. Ein Deutscher namens Zweinert, der von der Kieler Polizei gesucht wird, wurde hier bei einem Einbrnchsdieb stahl ertappt und nach heftigem Kampfe, in welchem mehrere Personen verletzt wurden, verhaftet.

* Paris, 26. Aug. In Remiremvnt ist gestern eine aus fünf Personen bestehende Familie infolge Genusses giftiger Pilze lebensgefährlich erkrankt. Wie mitgeteilt wird, hat Jaques Lebaudy feine Au­s' p r ü ch e an der marokkanischen Küste und dem Kap Jnby nicht aufgegeben, vielmehr zwei Anwälte mit ber Geltendmachung seiner Rechte beauftragt. Lebaudy beabsichtigt, den Handelsverkehr zwischen Algerien und Marokko über den von ihm anzulegenden neuen Hafen, den erTroja" nennen wird, zu leiten. Gleichzeitig plant er die Schaffung einer Dampferlinie, welche bic kanari­schen Inseln mit ber algerischen Küste verbinben soll

* Sassari, 26. Aug. Ein Waldbrand mutet fen der Nacht vom 24. zum 25. August in ber Nähe von Avela 300 Hektar finb vernichtet. Tas Feuer droht sich auf ben Lanzen Forst ausznbehnen. Truppen sind zur frilfelciftuna abgegangen.

* New York, 26. Slug. Ein Goldsucher, welcher bis zum Polarkreise vorgedrungen war, will U e h e r r p ft c der Andre eichen N o r d p o l e x p e d i l i o n gefunden haben und hat Teile einer Ballonhülle an- Baneouver mitgebracht. Er erklärte, dieselben an der Niackenziebai aufgefunden zu haben. 0

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