gespannt werden konnte, der dem brennenden Bau gewendete Zeit nur von drei bis vier todesi utigen Männern gehalten wurde, deren Konstitution trotz der immensen Hitze noch irgendwie standhielt. Die meisten herabgesprungenen Personen erreichten das Sprungtuch, das jedoch stets nachgab und auf das Pflaster aufstieß. Die große Erschütterung, welche dieses Abprallen verursachte, hat bei der überwiegenden Zahl der Herabgesprungenen tödliche Gehirnerschütterungen hervorgerusen. Außerhalb des Sprungtuches fielen von etwa 20 Personen höchstens vier oder fünf nieder, jene nämlich, die ohne Sigchal aus entfernteren Fenstern den Todessturz wagten.
Der Kaiser spendete für die Geschädigten aus eigenen Mitteln 5300 Kronen.
Gegen den Kommandanten der Feuerwehr, Szerbovszky, wird, wie das Ungarische Korr.-Bureau meldet, Disziplinaruntersuchung eingeleitet.
Die Feuerwehr setzt die Bergungsarbeiten fort. Im 3. Stock wurden z"w e i gänzlich verkohlte Leichen aufgefunden. Mehrere Personen wurden als vermißt angemeldet, die jedenfalls bei dem Brande ums Leben kamen. Von München hergesandte Fachmänner erklären, daß bei dem Bau des Warenhauses, aber auch bei den Rettungsarbeiten große Fehler gemacht worden seien.
Vermischtes.
* Der deutsche Kaiser, sagt ein englisches Blatt, zählt zu den eifrigsten und kunstverständigsten Theaterbesuchern; er ist aber ziemlich unnachsichtig in seiner Kritik. Anders Kaiser Franz Joseph, der kleine Fehler bei den Premieren durchgehen läßt. Sein Applaus ist nicht selten bei der Beurteilung und Aufnahme eines neuen Stückes maßgebend gewesen. König Eduard, der englische Thronfolger und die englische königlische Familie sind weniger von ernsten, dramatischen Stücken eingenommen, als von Burlesken, Operetten und Singspielen. Der junge König von Italien und seine Gemahlin nehmen reges Interesse an den Vorgängen auf der Bühne, und man sieht sie häufig die Einzelheiten und die schauspielerischen Leistungen besprechen. Der Zar verharrt in seiner Loge interesselos, aber der undankbarste königliche Theaterbesucher ist der König von Rumänien. Wenn er nicht gähnt, so schweifen seine Blicke uninteressiert über die Bühne hinweg.
* Saloniki, 26. August. Der türkische Generalstabsarzt Jacques Paschaist infolge Blutvergiftung gestorben, die er sich bei der Operation verwundeter türkischer Soldaten zugezogen hatte.
Kunst und Wissenschaft
— Der bekannte naturwissenschaftliche Schriftsteller Ernst Krause (Earus Sterne) ist in Eberswalde an einem Herzschlag g e ft o r b e n.
— Bemerkenswerte römische Fuirde sind im Habichtswalde bei Osnabrück gemacht worden. Der Entdecker, Professor Dr. Knothe, schließt aus ihnen, daß jenes Terrain der Schauplatz des zweiten Varuslagers aus der Schlacht im Teutoburger Walde sei.________________________
Krieskasten der Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)
L. R. Anzeiger für die Stadt Bern, Ausl. 17 500.
Universttäts Nachrichten.
ss Marburg, 26. Aug. Die Immatrikulationen für das am 15. Oktober beginnende Wintersemester an hiesiger Universität haben an folgenden Tagen zu geschehen: Theologen am 15., 21., 27. Oktober und 2. November, Juristen am 16., 22., 28. Oktober und 3. November, Mediziner am 19., 23., 29. Oktober und 4. November, Philosophen am 20., 26., 30. Oktober und 5. November. Die endgiltige Immatrikulation findet am 14. Novbr. in der Universitätsaula statt. Die Vorlesungen müssen bis zum 12. November belegt sein.
Gerichtssaal.
A l l e n st e i n, 26. Aug. Wie die „Allenst. Ztg." meldet, wurde in der gestern in Sensburg stattgehabten Sitzung des Kriegsgerichts der 37.Division über das Duell, welches am 18. August zwischen Offizieren des 73. Feldartillerie-Regiments stattfand und mrblutig verlief, verhandelt. Die Ursache des Duells war ein Wortstreit. Leutnant Kayser wurde zu vier Monaten, Leutnant K l a u e n f l ü g e l zu drei Monaten und Leutnant W ü ll f ch e, der die Forderung überbracht hatte, zu einem Tage Festungs haft verurteilt.
GingesanM.
(Für Form und Inhalt aLct unter owser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Es ist nicht wahr, daß die Gemeindevertretung von Großenlinden den Bewohnern des Steinwegs das Bachwasser entzieht. Um eine Gemeindeangelegenheit handelt es sich im vor- lieqeilden Falle überhaupt nicht. Durch den Steinweg fließt der Mühlbach, und da dieser an der einen Straßenseite offen war, bestand für das Publikum eine gewisse Gefahr. Diese Gefahr zu beseitigen Hal seil Jahren ein Bewohner des Steinwegs, der wahr- schemlich mit jenem Einsender identisch ist, verlangt. Der Unterzeichnete mußte die Beschwerde stets zurückweisen, weil die Brücke und die Straße nicht durch die Gemeinde, sondern durch den Kreis unterhalten wird. Schließlich machte der Beschwerdeführer die Gendariiierie auf die Gefahr aufmerksam. Mit welchem Erfolge weiß ich nicht, da, wie bereits angedeutel, es sich hier nicht um eine Gemeinde-, sondern um eine Kreisstraße handelt. Dieser Tage nun ergänzte die Kreisstraßenverwaltung die alte Holzbrücke durch einen Zementröhrenkanal und erteilte dem Anwohner die Erlaubnis, seinen bis jetzt offenen Hof durch Verlängerung jenes Kanals und Anbringung eines Tores zu verschließen. Was erlebte man? Derselbe Steinwegsbewohner, der früher die Polizei anrief, daß das offene Wasser beseitigt wird, stellt sich nunmehr auf die Straße und schreit „Mordjo", ihm werde die Benutzung des Wassers entzogen 1 Das ist recht bezeichnend für diesen Herrn. Durch die Neuerungen werden die Zustände zum Wafferholen wesentlich verbessert. Wenn der Eingang für Pferde zur Tränke auch verschmälert wurde, fo reicht er noch aus und wer da nicht hineinreiten kann, dem spreche ich die Befähigung ab, mit Pferden umzugehen. Daß die Tränke offen blieb, hat man meiner Fürsprache zu verdanken. Ob nun das mit Jauche und allem Unrat gesättigte Bachwasser als Trinkwaffer die Gesundheit der Tiere fördert, kann ich nicht beurteilen. Sollte dieses Wasser für Pferde und Rindvieh nachteilig wirken, dann wäre es allerdings erwünscht gewesen, das erste Projekt der Kreisstraßenverwaltung wäre zur Ausführung gekommen und damit die Tränke fürs Vieh beseitigt, denn das Galoppreiten zur Tränke ist eine Tierquälerei und für die Straßen- passanten ost lebensgefährlich. Doch alle diese Dinge silid Nebensache, der Schwerpunkt liegt darin, daß der Nachbar der Tränke seinen Hof verschließen will, obwohl einige Bewohner des Slein- wegs behaupten, sie hätten durch Ersitzung das Recht erhoben, jenen Hof zum Wasserholeii und zum Tränken des Viehes zu passieren. Wiederholt habe ich dieseir Beschwerdeführern erklärt, daß dieser Streit nicht durch die Gemeindevertretung, sondern nur durch die ordentlichen Gerichte abgeurteilt werden kann. Daß dem so ist, kann jeder Untertertianer, nicht aber der Verfasser jenen Ein
gesandts begreifen und deshalb ist es zwecklos, auf alles Werter- einzugehen.
G r o ß e n l i n d e n, 25. August 1903.
Leun, Bürgermeister.
Meteorologische Beobachtungen
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August 1903.
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Wetter.
Verlauf der Witterung von Dienstag bis Mittwoch.
Das am Montag südlich Irland erschienene Tief ist vorüber gezogen, wobei der Wind von Süden über Westen nach Nordwesten drehte. Die Negenfälle waren wegen der Nähe des Hoch's gering. Zu gleicher Zeit hat sich das Hoch, wie zu erlvarteu, mehr über unsere Gegend ausgebreitet, sodaß heute, Mittwoch, die Bewölkung abnimmt und vielfach heiteres Wetter herrscht. Doch scheint die Herrschaft des Hochs nicht lange anzudauern, da im Nordwesten ein kräftiges Tief erschienen ist, sodaß in Irland und Schottland ber südlichen Winden schon wieder Regen fällt.
Auszug aus itu Archrubiichern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute. Matthäusgemeinde. Den 16.Aug. sJiein- Hard Kröll, Kaufmann zu Offenbach a. M. und Elise Marie Hofmann, Tochter des Spezereihändlers Wilhelm Balthaser Hofmann zu Gießen. Johannesgerneinde. Ten 15. August. Ernst Georg Karl Ludwig Rohde, Rechtsanwalt zu Darmstadt und Margarete Luise Wilhelmine Sturmfels, Tochter des verstorbenen Reallehrers Heinrich Stnrmfels zu Gießen.
Getaufte. Marcusgemeinde. Den 16.August. Dem Schreiner Otto Harig eine Tochter, Elise, geb. den 7. Juli. Den 18. August. Dem Wirt Adam Ubrich eine Tochter, Elise, geb. den 15. August. Lukasgemeinde. Den 9. August. Dein Hilfs- rangiermeister Heüirich Geitz ein Sohn, Karl Heinrich, geb. den 23. Juli. Den 16. Aug. Dem Schlosser Willy Müller ein Sohn, Wilhelm, geb. den 24. Mai. Denselben. Dem Hilfsheizer Adolf Gabriel ein Sohn, Hans, geboren den 25. Juli. Denselben. Dem Friseur Emil Koch ein Sohn, Wilhelm, geb. den 25. Juni. Denselben. Tenr Schneider Johannes Find ein Sohn, Konrad Johannes, geb. den 14. Juli.
Beerdigte. Matthäusgemeinde. Den 18. August. Heinrich Wagner, Gewerbebanks-Direktor i. P., 66 Jahre alt, starb den 16. August.
Familien Nachrichten.
Verlobte: Frl. M. R o s s i in W i b o r g (Finland) mit Herrn E. Dieckmann in Bad Nauheim.
Gestorben: Fraü Margareta Hoffmann, aeb. Fuldat in Grünberg. — Herr Johannes Mafsing, Alt- Bürgermeister in Griesheim. — Frau Eva W e x, geborene Scheibel m Butzbach. — Herr JohannHeinrichScheuer- mann, Kanzleimspettor in Darmstadt.
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