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27.3.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 73

rf 4 eint EL,sich auver Sonntag*.

tem (Siebener "iln^etger werden tm Wechsel mit dem Keffilchen Landwirt d>e «Hefcentr Kamillen- Mäntr viermal in der Woche beigeltflL

Rotationebrud u. Ver­lag bet Brüh l 'ichen Unioeri.-Buch- u.6iem- brudertt(liietid)lferben) Redaktion. Lroedinon und Truderei:

LchnlBratze 7.

flbreile für Teveldten: Anzeiger Gießen.

^#rniprrdienldilii6'#?t 61.

(pr-ftcS Blatt.

153. Jahrgang

Freitag 27 Marz 1903

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Bezn stoprei»: monatlich 7bPI., viertel» mhihd) Mk. 2.2U, durch rldhole- il Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch dtePosl Mk.2.vienel- jäbrL an*ld)L Beltellg. Jnnahmt von Lnzelgeg für die Zaqcenuininec bii vormittag« 10 Uhr. ßeilenpreit: lokal lkPs^ autioärti W IM ft.

Berantwortttch tüt den polii. und oQflem.

Amfz- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Teil. P. Witiko tüt ,Stabt und Vantr und ,Wend)t«laaie: Auauft Vötz; für den 71 n- ietaentetl: banl Bed.

^jur Mai tilbl» iiquvte.

Schon zum Schlusie unsere- gestrigen Äarted-9lrlifel6 erwähnten wir da« slenographtiche Protokoll der Martell- ttnqueietoimniffion. Die Debatten über die wichtigste Frage, lämttch dre Preispolitik de« Kohlensyndilats, Haden einen sehr beeilen Raum m der zweitägigen Sitzung inßcnommen.

Emer längeren Ausführung bei Abg. Bergrats Dolhcin <u dic>em Lhema enlneljnten wir folgende«:

Ich muh erneut betonen, da« zwar nicht tm Roblenberaban, aber tast in der qeiamten anbeien IuduUiie und namentlia) in der (iiienuibultne der Rudgaug ber MoniunUuc sich bereits im Iuut 1UÜU voibncitete und tm Xlau e de» Iahies IVoo unnicr flär* le re I iineiiiionen annaOm. Tie Klage der verjchiedeniien Induiii icn, nameiulid) auch der tiijeiunbunue, soweit sie auf beit '«llnfaui hemöer Kohlen zu jener ^eu angetviesen waren, über die honen koOlenpretle beweilen, dag die Nacht,age für (feiicn auBcrotbcnilid) rüdftängifl war, und du» man mit einer jweiielio« stnlendeu Mott- tn(iur ztt rechnen habe, (re war also tmuico irr achtens damals i)r wohl zu überleben, da» die Kott|unltur nicht nur die pubc Iberjchruten hatte, lonbetn da» wir uns aut einem start abiictgcn- >en Aue betäuben, ber uch aUerbing« un Kohlenbergbau unmittel­bar noch nicht beinertbar machte. Nun ist nur nicht emgeialleii, Finals zu betiaupien, da» m ber Periode der auiltchienöen Kon­junktur das Kohlensyndilat nicht eine durchaus ancikimeneweue vreisuolitd geführt hat. Ich habe bei wiebeiholien l^elegeiiheiteit tusgefiihrt, da» t* in jener Zett z,vetiellos masrigend aui die Vreue gewirkt hat. Die Herren brauchen mich deshalb nicht fi.r tuten Io enragieiien Wegner zu halten. Ich bm nur der Meinung: »aourch, da» eie auf ganze Jadre hinaus zu den damals iclji hohen Preiieu Ihre 'Jlbnebmer banden, haben eie diese Nimehmer n eine wirischaiutch schivierige tage gebracht, denn Oieie (onnten ür ihre (ttAeugnifje un Jahre Itfcd und schon in der zweuen Jialfie de4 Jahres 1V(X) nnr welentlld) reduzierte Preise befommen, wahrend sie ihre Tfatenahen zu denselben hohen Preisen ober zu »euer geltienencn Preisen beziehen mußten. Pedtgltch dann sehe ich den Fehler, den s. Z. das epnbdat gemacht hat und noch tn- oiem weiter macht, al» es gegenüber der start gefunknen Hou- kmliur nicht getrugeiid mit den Preisen herumeigegangen ist.

Im weiteren Verlaufe trat dann em Vertreter der (feifen- /nbuürie nach dem anderen auf und rühmte die .mäßigende Preispolttif während der aussleigenden Monjunftur. Fan alle ober betonten ebenfalls, der eine schärfer, der andere milder, daß da« Kohlensyndilat beim Rückgänge der Konjuntlur den kohlenoerbrauchenden Industrien mehr Enlgegenlonunen hätte zeigen müssen. In besonder« entschiedene Worte kleidete der Vertreter der Veremtgung rheiniich-wcstsälischer Bandeisen- Walzwerke, Wuppermann-Schlebusch, diese Lkahnung. Er sagte:

Wenn un« die RohftossverdSnde aus dem jetzigen Wege eine« Tages an die Wand gedruckt haben, Vlanonalurvmogcn, Kamillen- Dfiuiögeu zerstört, Arbeiter brotlos gemacht, die Sieuerträiie der Gemeinden, in denen unsere Werte liegen, geschädigt haben und die Betriebe an die Werte geleitet haben, welche die Kohlen selbst l>aben, bann wird da» Kohlensyndilat auch kerne »reude unb lernen 'Jluijen davon haben. Heule man also rechtzeitig em!

Zu den Mitteln, mit denen sich die Konsumenten gegen­über dem Kohlensyndifate zu Helsen gesucht haben, gchärt aaiuentlich die Gründung von Kohleneinfaussver-

einen. Der ikcferent iHegierungöiai Voller äußert sich hierzu folgenbermaßen:

Ta« Kohiculyndikat steht diesen Einkaulsoereinen nicht sym­pathisch gegenüber unb hat es wiederholt abgelehnt, itch nut ihnen tu panbelsbeztehruigeu einzulasieir, es bat He vteltnehr auf die pänblertreile oenviesen. Nach ber Atischauung der maggcbeiiben MobleiimbuiirieUcn bietet nämlich der Mohlenzivlicheiibanbet den Kobleniverlen eine grouere Wewaljr regeiredner gieichmaviger Ab­nahme. Bet dem öirclten Bezüge de» Honjumenieii vom Kohlen- werte handle e» sich mellten« um Barzahlung ober um numailidie Jicgclung bei Rauiioiwiiellung. Tiejcuigen Ruiiben, welche längeren Kredit bcaiiiprumien, müßten sich eben an Zwischen- banaler wenden unb natürlich auch denen Berdieuii za tragen haben. Tcr KoßiengroültanOler dagegen hat dem Werte loiort bnr jii befahlen oder gegen eid)erl)eii»lei|iung zu beziehen, lern oirou- Händler liegt auberbein die Pflicht ob, bei emiieienbcm Kohlen- mangel die £pelulauou<-gelu|ie der lleinen Cue.janbler unb loniiigrn Spekulanten badmch zu unieibmben, daß er die Kohlen dem Konhmicnteii birrtt zusuhrt und nochmaligen Zivischenbandel beschrankt. Tie Moblenemlaui»ueiciiie wurden dagegen nur bann eine U>araiitie bieten, wenn sie die von den Werten bezogenen Kohlen lediglich an ihre Mitglieder lieferten und legiere verbunden waren, ihren gesamten Kohlcnbedars nur durch den Bezug von ihrem Berbande zu öedciu Tie bisher gemachten (inabvungen hauen aber gezeigt, da» dreEtNtanfsverdäude zu ^Zeltender Kohlen- hausie einen i.bermäßigen Bedarf haben unb Ui Zeilen ber Baisse, wo ihre Mitglieder den Bedart anbei wen dr eien, ihren Nbnahme- uervfiidjtungcii nicht nachziilonimen versuchien. eenen» bet Kobicnabmbmer wirb bie 'Abneigung des Lyndital« gegen die Ein­kaufsvereine damu zu ciliaren versucht, da» bas LynOilat em In­teresse daran habe, zwischen Erzeugung und Perbrauch eine schranke beließen zu lassen, hierdurch verhindere e» bie Crgantia- non der Berbrartcher, allo die Bildung eines (toegenlanello, und könne weniger leicht gezwungen werben, den Berbrauchern Zn- gejianbniiie zu machen.

Tas Verhältnis des Kohlensyn d i kalS zu den Händlern wurde von dein Kohlengrotzhandlcr Fulda aus Frankfurt a. Pt. unter anderem m folgender Weise beleuchtet:

Taß das Syndikat deS Handel« al» wichtigsten Faktor in bei Regulierung bes Nbsatjes bebari, ist bereits wiederholt ausgouhri worden; nur bie enge Berbtndung dem Handel ermöglicht es den Ihndiztenen Zechen, ihren Beirlcb auch m Zeiten verminderter 'Jittdiirage am recht zu erhalten. E» wird daher als eine Hane em- piunben, baß wir Itohlenhaiibler) bei alter Loyalität unb Boi- nehmheit der lOejchaitsiuhrung de» Syndikat» duich dcsien grund­sätzliche Bebingrmgen unjcre alle cteuung eigentlich oolitg emge- biivt haben. Tenn um e« frei heraus zu sagen: wir sind wenigstens soweit ber Entlauf in Frage kommt keine Kaufleute mehr, uns ist die trete Beivegungsmoglichleit vollständig genommen, die Intelligenz de» Einzelnen ist absolut ausgeschaltet. Ter Flinke und ber (jaule, der toiuue und der Kieme, sie sind alle gleich, ob wir *ür solche Zen per loden, m denen es den Zechen daraui an- kommt, sich Absatz zu schassen, ai» Käuier auiiieten, ob wir 'JJhlionen Tons ober nur üwu Tonnen brauchen, alles dies wird vollständig gleich behatibelt! Es ist, wie ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen kann, von Rabatten in irgend welcher Form auch bet den größten Mengen (eine Rede. Wir haben keine Mogtichleu, beratend niitzuwirken bei der Preisgestaltung, noch einen Emslu» bezüglich der Zeit, m der wir (auicn mu||eiu Es besteht kem Zivang, emzukauten, aber wer nicht sofort zugieiu, der hat ^u erwarten, ba» spater bie betreßenbe Platte und bie benötigten oorten über- haiipt nicht mehr zu haben sind.

Nicht eingchenb genauen sich auch bie Debatten über bie Frage, ob bas Syndikat auf bte 91 rbe Ue r- un b XI o l) n-

Verhältnisse bei syndizierten Betriebe Einfluß gehabt hat. Hierbei gab ber Vorsitzende al« Vertreter der Regierung fol­gende Eillarung ab:

Es lag nicht in unserer Absicht, bei ber heutigen ersten Be­sprechung ich betone immer wieder, baß wir int fünlange ber ganzen -Lache sichen - eine gto»e sozialpolitische Tebatte zu ent­fesseln, sondern wir wollten uns nut vergewissern, ob wir Recht hauen mH ber Vlußaiiung, baß ba» Kartell eine Einwirkung auf bie Ptbeitetvethältnisie nicht gesucht unb sich nicht vorgesetzt hat. Unb wir wollten weiter wissen, ob etwa eine ungünstige indirekte Einwirkung zu Tage gerieten ist. lieber diese beiden Qiagen hat 'ich die Ttslussion auch ausgeiprochen. Tagegen wäre» nicht un­sere Absicht, untersuchen zu Iahen, m welcher Form gegenüber künftigen Arbeitersynbikaien da» Kartell sich zu benehmen haben würbe, welche Beitiagsschluhe unb bergt, ba angezetgt wären. Las liegt auf einem Ivcbiete, ba» weit über den Rahmen unterer Erhebungen hmausiuhrt und auch eine andere Zusammensetzung der Beriammlung enorbeui würbe. Ich bitte, bie» beim werteren Perlons ber Besprechung im Ange zu behalten.

Für den XKtifn enthält bie Veröffentlichung über bie Verhandlungen in den ersten beiden Sitzungen ber Enquete- Konunifiion manche lesenswerte vollsivirtschaftliche Stelle. Besonders angenehm »st cs für den Volkswirischastler, baß er einmal eine zusammmenhangendc Tarstellung de« Kohlen- jyndilatS erhalt. Die Vertreter de« Syndikat« waren offen­bar mit dem Entschlüsse gdommen, nur auf die aUerbrmgenb- llcn Falle Auskunft zu geben. Es wirb auch weiterhin bet entschiedensten Ausdauer und großer Unermüdlichkeit bedürfen, damit d»e Enquete in allen Fragen die gewünschte Klärung ergebe.

Hejstschcr Janbtug.

IL B. Darm stabt, 26. März.

Am Ministertische: Cberbauiat Eoulmann, Eeh. Mebizinalrat N e i d h a r b t, die Ministerialräte Tr. Ä e d e t, B e st.

Präsident Haas eröffnet bie Sitzung um 10*/* Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilt der Referent des zweiten Ausschusses, Abg. Seelinger, mit, daß ber AuS- |a,uß gqurn nuchniitlag das Aussührungsgesetz zu der Reichs-Schlachtvieh- und Fleischbeschau febr eingehend durchberaten und den Reserenten in Anbetracyt der ^ringlichl^ii der Lache mit der mündlichen Bericht­erstattung beauftragt l-abe. Tas Haus ertennt einstimmig den Tritiulichleitsantrag für d.e Vorlage an.

Abg. Leelinger (tiatL) gibt darauf ein kurzes Refe­rat über die vont Ausschuß in Qkgentuart der Regierungs- Vertreter und der von der Kammer gewünschten Sachver­ständigen, Staatstnlni.icr Rothe, Ministerütitute Braun, Weber, Lbernledizinal^at Lorenz, Lbcrbürgetmeister Lr. E a ß n e r-Mainz, B-igeoedneten Dr. Elässing- Larm,tadt rc., gefaßten Mschlaf,e. Die sich auf die Abänder­ung Der Artikel l, 4, 7, 11 und 14 beziehen. (Wir hoben oie Abänderung Du|er Ahntet bered« wortgetreu in unserem gestrigen Aussatz über diese Materien zum Abdrull gebracht. D. Red.)

Las 5^aus geht daraus zur D-sprechuna ber Anfrage ber '21bgg. xr. Schinilt und Gen., die Entfestigung von

Klkßever T?eat rverein.

Man amüsicrie firb> denn es war ein Schwank, man lackte über die Karikaturen, die da vor uns durcheinander wirbelten,indessen jeufeit« der Bretter, im Leben, in der W.tk- lichkeit.die natürlichen Menschen in b.s..,e.denerer Zurückhalt­ung und etwas langsamer auf ihren verschlungenen Pfaden dahinzuslvlzieren pflegen. Aber von freiem L<bensschilderer entbedt, von den sicheren Augen eines Sd-wankautvrs be­obachtet, fuhren sie im Rampenlicht, husch, husch, ein Tänz­chen aus. 3m Schwank ist das Leben in der Tat ein lustiger Tanz. Die Satire, die uns inand>nuil anzuivehen scheint, ist Rebenwirlung, die wir sekundär empsindcn. Ein Pro­blem, das dem Leben anhaftet, einen Gedanken, der zn einem Urteil geht, nehmen wir nicht nut herüber. Nut in solchem G.i.ie hat bet Schwank etwas von künstlerischer Strinmung. Wir fanden sic gestern abend imH ochzeitS - tag" nrcht rein vor. Tie beiden Schwankdichter Wolters und Kviitgsbrunll-Schaub hatten sich nüht ganz an das Leben aiigejüjlofi.n. Tie f.^mdoIsche Kunst Ibsens, des.en ,/Rora"- Ees.alten sie schalthast verfolgen wollten, rang ihre Be­mühungen teilweise nieder. Hatte Ibsen das viel und oft läppisch beljaubelte Qfcbict der Ehenebe psychologisch ge­weitet, so fujien unS amHochzeitstag" der Abend auf den Morgen zu rasch zu folgen, und der Hochzeitszug kam um ben Tempel, den Iosen erbaut hatte, nicht ganz g.ad herum. Es war nur ein kurzer und nicyt ganz einwand.rererHoch­zeitstag". Tie beiden Ehepaare, die im Mittelpunkt des Stüdes stehen, besaßen nicht die einheitlich Jortlaufcnbc ttomil, die die stockende Ungewißheit ausschließt. TaS eigcntlidieNora"-Thepaar ist ber ldreisphysitus Hans tzlemm mit Marie, seiner Frau. Marte, die bei dem zu häufig wiederkehrenden Skat- unb Kegelzeitvertreib ihres Mannes sich vereinsamt Dortommt, faßt in derNora"- Dorsteliung im Theater den Entschluß, auch unter bie be- yerztcn Heldinnen zu gehen, was ihr aber versagt bleiot. hierin fohle wohl ber Kernpunkt des ruhen, ^.ir

fanden, daß tiefer Urhebergedanke der >u,ter alUS aiuerc denn eine künstlerische Tat war, wenn ryu auch zugeben müssen, daß die sich fortspinnenbe Vanolung, besonders bas Gebühren des verliebten Ehemannes, mitunter er­heiternd wiJte. einige emgefloa/tene Neb.nept,oden und ibre Figuren hatten, obwohl ste etwas wulkurltch her- befohlen waren, feueren Erfolg, ba sie unmdterbarer auS bem leben hervotgingen. - Tas Spiel ber Tarsteller wat im ganzen gut Herr Ferlach führte bie Rotte des Rechts­

anwalts HanS Schmidt, des Spiz.a.isten in Ehescheidungen, mit gutem Bemühen durch Der Kteisphysikus und Kegel- styieber Klemm wurde durch Herrn R a in s e y e r gut fiubicn zur Tarstellung gebracht. Herr Zoder, der den famosen Weingutsvejitzer Zierbatg spielte, hat auch zu dem Heuer- kettSerfolg besonders beigetragen. Tie wecklichen uiollen waren an sicy schr dürftig ausgcftattet, und es ist wohl kaum möglich als Frau Melanie, bie Gattin des Rechts­anwalts, überhaupt befriedigendes zu leisten.

Die a f e n p f o t e", Tragitomodie in einem Auszug von H. Brennen, konnte uns nicht ernstlich inicrcffieicn, obgleich auch sie in der Rolle des zweiten Kanzlisten, der von seinem Tirektor die amtliche Has.npsvte bean.p.ucht, das gut besuchte Haus mehr,ack zum Tatyen brachte. So Hai ein wenig Ursprünglichkeit und Ungesuchthett das Publikum gestern avcnd erheitert und unterhalten; ivar s nicht die ab- getlarte Kunst des Ganzen, so war's doch der zärtliche ncgelschieberdoktor, oder Zierdalg, der geschraubte Wein- gueSbesitz^r und Ehefchcidungskanoibat, oder der mannhasi überzeugte Kanzlist, der von |einem Vorgesetzten die amtliche Hasenpfote haben will. A. G.

Tie verloren geglaubten Vriese ViSmarck«

während bes beutsch-sran^os.scheu KttegeS an feine Gattin gerichtet, etwa 70 an ber Zahl, hoben sich roieber auf- gefunden. Geschrieben in den weltgeschichtlich beDeuteno» jien Augenblicken, h.ngeworsen im Srurm und Drang biß oelblebeiis, ober auch einmal in einer stll.en Stunde ab­gefaßt in ber den Abgih.tztcn das Heimweh übermannte, idiO diese Briefe, an die ihm teuerste Person gerichtet, lür Alle, bie sie nun Lfen dürfen, das schönste Andenttn an d en Unvergeßlichen. Eine uuswahl der Briefe Der» össeml.cht dieGartenlaube" in ihren nächsten Num­mern und Heften. Wir sind in ber Lage, mit ^utor'sa- .Un ber D.rlagShaiwl-ng ben nachstch.n^en 93.le, un,cr..

Lesern mitzuteilen:

M ainz, 2. Au g. 70.

Mein Iiebe5 Her;

wir sind heut früh um 7 glücklich hier eingetragen, mübe, aber gefunö. Ich habe no^ mer Stunben un Belte geschlas-n, und würde jetzt zum Kön.ge müssen, wenn ich etwas an^uz,.h.i hätte. Im Besitz oon nur einem Nacht- h-uide unv oem d.c.,e-äiiyuge, f<y.cke »ch ^bekeu hm. Engel .st so sll/.an gew-ien, meine Sachen sämtlich dem folgen­den ^gc zuruckgulllssen; der soll um 2 tommen, es ist

aber ebenso möglich, daß feine Ladung noch mehre Tage von uns getrennt bieibt Ein Bett, Kists en, Schlafröcke unb viele andere wunderliche Tinge von denen ich un Eisen- bahn-Eoupee fernen Gebrauch machen konnte, hatte man sorgfältig bei der Hand |ür mich, aoer feine Dusche, keine Kleiber! Earl") Hütte für Lebensmittel gesorgt, natürlich uao Vierfache des Bedarfs.

Wir fahren ftunOvklang im Sand-Tempo, lagen stun­denlang still, zenachdem die Militärzüge vor uns den Weg sperrten. Heut früh schöner Soiineiiaufgang, von Binger­brück gcschen. In der ersten Nacht mußte ich bei jedem erwachen auf ben guten Polstern an die armen Junten auf ihien Holzbänf^ii denfen, wie sie übermüdet fein wur­den; Nachrill)! habe ich hier noch nicht von ihnen. BittS Geburtstag benutzte ich gestern um eine kleine Intrigue iur fein Fähnrichw.rden anzuzett^ln. Ich weiß nicht, ob |ie gelingt; der König war verwundert, baß er noch nicht Unteroffizier wäre. Betrübend war, baß ich in Hamm bei Tisch zum G^funvheittrinfen für ihn nichts als Weiß^ wein mit Soba unb zum Anstoßen nur ben alten Badel- fchwingh halte; mtin anberer Nachbar war S. M.

Hier bin ich bei einem reichen Ehanipagnerfabrikan- ten, Kupfcrberg, einquartiert, oben aus Dem Kästrtch, weite lonnige Aussicht über die Stadt mit Rheingau, Wiesbaden- Ilane, ruff. Kapttle dah nier, aber so weit ab vom König und allen andern, als ob ich in Worms läge: unb bann fein Hemb! Ter I^bel der VolkS.ua, 'fen aaf ben Bahn- Ijöfen war betäubend, mir zu viel für jetzt, sie sollten «ich das sparen bis nach dem Liege den Goll uns geben wolle.

Ich habe Dich g.beten, mir die roten Generalssachen zu schicken, nicht die Infanterie-lltiiform, well ich zu der andern Degen und noch e.nen dritten Heim hoben müßte. Ich brauche sonst alle zwei Tage eine neue weiße Mütze, _no der Ledethll.n ist leichter a.s der eiserne, ber mich n ber Stirn drückt. Ich Dcnfe bie Senbung wirb schon , jcl sein wenn dies mit ben langsamen Zügen in Deine 11 .c'anD gelangt. Vom Feind n.chts Neues, gestern und ceut nichts voej.fallen. Glichen in Düsseldorf gesehn, rechnet auf Dich in Nauheim. Gott behüte Dich und Tein Berl.ner Kind, und die oeiben hellblauen. Telle mir mit wa- Tu von ihnen hörst, ich werde Dir melden, waS an mich gelangt

Dem treuster v. A.

) Gras D.smarll-Dohlen.