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Geschäfts - Empfehlungen
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in Empfang nehmen soll. Hierzulande wird dieses Unternehmen mit Freuden begrüßt.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Leiter des Kgl. Landgestüts in Dillenburg, Landstallmeister v. Nathusius, ist gestorben. — Frau Postsekretär Plath in Homburg, welche ihr Hündchen vor dem Ueberfahren retten wollte, wurde von dem Wagen der elektrischen Bahn gefaßt und geschleift. Sie erlitt ziemlich schwere Verletzungin. — In Frankfurt a. M. ist der Bauunternehmer Weiß aus Fessy bei Metz, bekannt als Erbauer der Befestigungen Helgolands, auf der Durchreise einem Schlaganfall erlegen.
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über die evang. Kirchenlehre zur Verlesung gelangt war, setzte die Versammlung die Beratung über den Antrag Wahl-Laugen, den Zusatz zu § 13 II der Kirch en - Verfassung betreffend, fort. Als Mitantragsteller führte Aba. Dr. Lucius-Mainz aus, es seien nirgends so viele 'Widersprüche enthalten, auch gesetzliche Härten, wie in der fraglichen Bestimmung. Er macht verschiedene Abmilder- ungsvor schlüge. Oberkonsistorialpräsident Dr. Buchner weist auf frühere Erklärungen des Oberkonsistvriums hin. Die „Rehabilitierung soll die Wählbarkeit in der Gemeindevertretung wiedergeben und die Wählbarkeit in den Kirchenvorstand, und dies habe seine Bedenken. Man könne einem „Gefallenen", der bereut und sich bessert, den Grundsätzen des Evangeliums gemäß verzeihen und ihn wieder als Mitbruder anerkennen, aber man müsse zugeben, daß
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Aufgebote.
Am 17. Oft. Dr. Karl Georg Emil Brück, Apothekenbesitzer zu Gau-Ödernheim und Elisabeth Luise Klementine Emma Emilie Karolme Caesar zu Gießen. — 20. Wilhelm Scharmanu, Gendarni zu Gießen, und Anna Marie Mathilde Zimmer zu Lich. — Andreas Karl Justus Berg, Taglöhner zu Gießen, und Anna Fenser, Fabrikarbeiterin zu Gießen. — Konrad Nürnberger, Metzger dahier, und Karoline Elisabethe Rohrbach zu Lollar. — 22. Wilhelm G org Ernst Schmidt, Eisendreher zu Gießen, und Katharine Margarete Schmidt, Hausmädchen zu Gietzen. — Georg August Berg, Großh. Regierungsassessor zu Mainz, und Karoline Jakobine Schlüter zu Gießen. — 23. Louis Schäfer, Schneider dabier, und Anna Margarete Schneider, Dienstmädchen dahier. — Heinrich Sehrt, Taglöhner dahier, und Therese Jungkunst, Köchin dahier.
Eheschließungen.
Am 17. Oft. Heinrich Wilhelm Dölpel, Kutscher dahier, und Aima Elise Sieglinger, geb. Rahn, Witwe des Bäckers und Gemüsehändlers Heinrich Sieglinger dahier. — Bank Alfred Treuke, Buchhalter dahier, und Margarete Euler, Tochter des Oekonomen Ludwig Euler dahier. — Wilhelm August Seipp, Weißbinder dahier, und Karoline Mathilde Sack, Tochter des Metzgermeisters Karl Sack .H. dahier. — Martin Repp, Dachdecker dahier, und Marie Böttner, geb. Keil, Witwe des Schuhmachers Johann Georg Karl Böttner dahier. — 22. Wilhelm Fourier, Kaufmann dahier, und Katharine Elisabethe Huthmann, Kleidermacherin dahier. — 23. Georg Albert Gernand, Lokomotivheizer zu Grebenhain, und Katharine Wilhelmine Kohn zu Hanau.
Geborene.
Am 15. Oft. Dem Spengler und Installateur Wilhelm Haupt eine Tochter. — Dem Taglöhner Heinrich Philippi II. ein Sohn Karl Heinrich. — Dem Metzgermeister Otto von Eiff ein Sohn.— 18. Dem Wirt Edmund Wild ein Sohn. — 19. Dem Postboten Heinrich Wilhelm Vollmann eine Tochter Anna Marie Elise.
Gestorbene.
Am 18. Oft. Heinrich Zimmer, 50 Jahre alt, Juwelier dahier. — 19. Emma Neuschäker, geb. Heldmann, 64 Jahre alt, Ehefrau des Privatier Otto Neuschäfer dahier. — 21. Josef Eduard Riising, 38 Jahre alt, Gastwirt dahier. — 22. Ida Grünebaum, 28 Jahre alt, ohne Beruf, dahier. — Heinrich Dapper, 23 Jahre alt, Bureauqehilie dahier.
1903.
2,4
2,1
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Landwirtschaft.
— Für den Stand der Herbstsaaten in Deutschland Mitte Oftober sind nach der Zusammenstellung des Kaiserlichen Statistischen Amts die Noten folgende: Es bedeutet Nr. 2 gut, 3 mittel (durchschnittlich); die Zwischenstufen sind durch Dezi-
Gerichtssaal.
— Ein Justizrat wegen Betruges verurteilt. Das Aachener Schöffengericht verurteilte den ehemaligen Rechtsanwalt Jnstizrat Dr. Lambert Schmitz zu 30 Mk. Geldstrafe. Der Verurteilte hatte unter Vorspiegelung falscher Tatsachen einen armen Taglohner um 3 Mk. 65 Pfg. betrogen. Von einer Gefängnisstrafe nahm der Gerichtshof Abstand, um dem Angeklagten Gelegenheit zu geben, sich wieder emporzuarbeiten.
Aus Stadt und Kuck.
Gießen, 26. Oktober 1903.
'** Generalleutnant Mootz. Im grauen Altertum sollen sich sieben Städte um den Ursprung Homers gestritten haben. Jetzt beginnt ein Streit um den Geburtsort des unlängst im höchsten Greisenalter zu Darmstadt verstorbenen Generalleutnant ä la suite Johann Georg Mootz. Neulich wurde uns von geschätzter Seite mitgeteilt, der alte General sei ein geborener Gießener gewesen. Jetzt schreibt man uns von einer ebenso glaubwürdigen und zu schätzenden Seite, Mootz sei in Großen-Buseck am 25. Januar 1808 geboren. Die Kirchenbücher dürften ja unzweifelhafte Auskunft erteilen.
- Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Dragoner Bros, Reservist des 1. Großh. Dragoner- Regiments Nr. 23, die Rettungsmedaille verliehen.
** Hutweidenmeliorationen. Am 24. d. Mts. fand, wie man uns schreibt, in Lauterbach, im Restaurant Schwarz die Sitzung der Kommission statt, welcher die Hutweidemeliorationen anvertraut sind. Leider waren eine Anzahl der Mitglieder, allerdings entschuldigt, nicht anwesend. Es hatten sich eingefunden: Der Vorsitzende der Kommission, Oekonomierat Leithiger, die beiden Präsidenten des Provinzialvereins, Bürgermeister Weidner von Herchenhain, Kulturtechniker Kunz, Gutspächter Backhaus von Rudlos. — Kulturtechniker Kunz-Lauterbach erstattete den Bericht über die 1902/03 ausgeführten Hutweidemeliorationen. Darnach sind 46 Hektar fertig gestellt und 45 Hektar zu Jungviehweiden eingerichtet. Im ganzen sind durch den Landwirtschaftlichen Provinzialverein zur Hälfte mit Mitteln, die die Regierung bereit stellte, und zur Hälfte mit Beiträgen der Gemeinden bis heute ca. 1400 Normalmorgen bis dahin wüster Weideflächen in ertragreiche Weiden umgewandelt. Die Kommission betrachtet es als ihre Aufgabe, in der so erfolgreichen Arbeit fortzusahren, aber auch energisch zu verlangen, daß die meliorierten Flächen weiter gepflegt werden, damit sie nicht im Laufe der Jahre wieder in den ursprünglichen Zustand durch Vernachlässigung geraten. Es wurde anerkannt, daß viele Gemeinden mit rührigen Bürgermeistern an der Spitze diesen übernommenen Pflichten durchaus gerecht würden und daß voraussichtlich nur in einzelnen Gemeinden Anregungen in dieser Richtung notwendig werden könnten. Die Meliorationen geschehen, um dem Jungvieh ausreichende und gute Weide zu verschaffen, und es ist leider vielfach noch der Glaube verbreitet, daß die meliorierten Flächen zum Beweiden durch Jungvieh zu gut seien, ein Beweis, von welchem Erfolg die Meliorationen begleitet sind. Dem Kulturtechniker Kunz wurde vom Vorsitzenden der Dank der Kommission ausgesprochen für die Leitung und Durchführung der Meliorationsarbeiten.
Wiesbaden, 25. Okt. Wiederholt kommt die Meldung, daß der Kaiser, das Za re np a ar, der Großherzog von Hessen und die übrigen in Darmstadt anwesenden Fürstlichkeiten nach Wiesbaden kommen, um hier einer Vorstellung des „Oberon" beizuwohnen. — Für die Zusammenkunft soll der 4. November jetzt bestimmt in Aussicht genommen sein.
Biedenkopf, 25. Okt. Großes Jntereffe bringen selbst unsere Biedenkopfer Landsleute in Amerika dem für rmsere Kreisstadt Biedenkopf geplanten Kreis-Krieger-Denkmal entgegen. So sanden in Baltimore in letzter Zeit wiederholt Versammlungen von früheren „Biedenköpfern" statt, um sich über Mithilfe zur Errichtung eines Denkmals für die Gefallenen im deutsch-französischen Kriege zu besprechen. Es wurde ein Komitee ernannt, das Beiträge für diesen Zweck
gerichtsrat Doru sei ff-Gießen und Dr. Vogt-Butzbach, gesprochen hatten, wird der modifizierte Antrag Wahl- Dr. Lucius, „die Synode wolle das Oberkonsistorium ersuchen, wegen Abänderung des § 13II bald eine Vorlage zu machen und hierbei die Möglichkeit einer Wiederver- leihung der Wahlberechtigung in Erwägung ziehen; die mit Zuchthaus Bestraften sollen jedoch auf aue Fälle ausgeschlossen sein" — einstimmig angenommen.
Es folgt die Rechenschaftsablage resp. der Nachweis des V erwögen s stand es der unter der Verwaltung des Oberkonsistvriums stehenden Fonds in der Finanzpenode 1895/1900. Berichterstatter Abg. Au lb er-Eppelsheim führt aus, daß die Einnahme in den fünf Jahren um 243 000 Mk. und das Vermögen um 144 000 Mk. gestiegen seien, wie der außerordentliche Beitrag zu den Gehaltszulagen der Geistlichen und die Zahlung der ersten Tilgungsrate auf das Staatsdarlehen Das Gesamtvermögen der 18 unter Verwaltung des Oberkonsistoriums stehenden Fonds betrug 4 996 298 Mk. Besonders günstig haben sich die Ver- hältnisse der geistlichen Witwenkasse gestaltet, deren Vermögen um 89 000 Mk. zuncchm und am Ende der Periode 2 282 000 Mk. betrug. Der Antrag des Ausschusses auf Genehmigung der Rechnung sablage wird einstimmig angenommen.
Es folgt die zweite Lesung des Gesetzentwurfs, betr. die Erhöhung derOrgani st engehalte, die ebenso wie die Resolution des Ausschusses ohne Debatte einstimmig angenommen wird. Auch der Gesetzentwurf, betr. die Abänderung der Dien st Pragmatik der Geistlichen wird in zweiter Lesung ohne Debatte genehmigt.
Es soll nun noch die Interpellation des Abg. Wahl- Langen, betr. den Vorsts der Geistlichen im Schulvorst a n d, zur Beratung kommen; da der Gegenstand voraussichtlich jedoch eine längere Debatte Hervorrufen wird und eine große Anzahl von Mitgliedern mit den Mittagszügen in ihre Heimat zurückkehren wollen, wird die Verhandlung auf Montag vertagt.
R. B. Darmstadt, 25. Okt. Der Akademische Verein an der Technischen Hochschule, der unter dem Protektorat des Großh erzogs steht, beging gestern die Einweihung seines neuen Hauses in der Mühlstraße in feierlicher Weise. Namens des Senats der Hochschule war Geh. Baurat Prof. Berndt zugegen. Nach dem Choral „Nun danket alle Gott', Übergab Architekt Mark wart den Schlüssel des Hauses an Direktor Schaum, der ihn mit Glück- und Segenswünschen dem ersten Vorsitzenden des Vereins, cand. mach. Amendt, überreichte. Der Besich- tigung der schönen Räume, die ein großes Eßzimmer, Kommerssaal, Lese- und Spielzimmer, Fechtboden, Kegelbahn rc. enthalten, folgte im neuen Saal ein Frühschoppen. Am Abend war Festkommers im Kaisersaal, heute vormittag Frühschoppen im Vereinshaus und darauf gemeinsames Mittagessen im Kaisersaal.
Kunst und Wissenschaft.
— Das erste Konzert des Heidelberger Musik- festes in der neuen Stadtbolle, auf dem die neuen Konzert- Reformen zum erstenmal praktisch ausprobiert wurden, fand in Gegenwart des großherzogl. badischen Paares am Sonntag abend statt und errang einen guten Erfolg. Von den Neuerungen, die äußerst auch dadurch erkennbar sind, daß an Stelle des sonst üblichen Orchesterpodiums eine durch eine Schallwand vom Zuhörerraum abgegrenzte Nische angebracht ist, in der das in die Tiefe versenkte Orchester spielr, scheint nach der „Frff. Ztq." das verstellbare Podium eine wirklich wertvolle Errungenschaft zu sein, denn diesem in erster Linie ist wohl die sehr gute Klangwirkung des Orchesters zu verdanken, lieber die Verdunkelung, die meist zu plößlich eintrat, und über den unsichtbar gewordenen Klangkörper werden die Meinungen wohl auch in Zukunft noch auseinander- gehen. Am wirksamsten schien der erste Teil von L i s z t s „Dante- Symphoni e" und „T o d und Verklärung" von Richard Strauß zu Gehör zu kommen. Weniger sagte die Klangwirkung bei dem Hexenlied von W i l d e n b ru ch - S ch i l l i n g s zu, bei dem die Rezitation des Herrn v. P o s s a rt durch das Orchester mitunter etwas gedeckt wurde. Herr v. Possart und Kammersänger v. Milde, der Schuberts „Dem Unendlichen" sang, erschienen als Solisten sichtbar auf der unter der Orgel ^befindlichen Galerie. Gerade dieser Umstand trug dazu bei, den Künstlern den stärksten Beifall des Abends zu verschaffen, ein Beweis, wie fest das Publikum noch an den altbergebrachten Gewohnheiten zu hängen scheint. Die musiktechnifche Ausführung durch die zu einem großen Klangkörper vereinigten städttschen Heidelberger Kapelle und Meininger Hofkapelle unter Leitung von Prof. W o l f r u m, Max Schillings und Richard Strauß, der am Schluffe sich zweimal zeigen mußte, verdient das höchste Lob. Das Programm ent* hielt außer den genannten Stücken noch Bachs Fuge für die Orgel in Este und Wagners Parsifal-Vor spiel.
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ein solcher Mann nicht in einen kirchlichen Vertretnngs- Eörper gehört, der naturgemäß seine Ansprüche aus moralische Integrität viel höher stellen muß, als irgend eine Stellung „im staatlichen Rechtsleben". Das Volks empfinden sei in oieser Beziehung sehr feinfühlend, und sich darüber hinwegzusetzen, würde voraussichtlich das Ansehen der kirchlichen Vertretungskörper schädigen. Die Rehabilitierung, soweit sie für den Betreffenden wertvoll sein kann, d. h. Wiederherstellung der Wählbarkeit zur Gemeindevertretung und Kirchenvorstand, sei sonach bedenklich, und soweit sie nicht bedenklich sei, habe sie für den Betreffenden keinen Wert. Das Oberkonsistorium beantrage die Ablehnung des 'Antrags, dagegen würde es sich dem Eventualantrag des Ausschusses wöhlwollendd gegenüberstellen.
Der Antragsteller Wahl- Langen bemerkt, daß er in Rücksicht auf die wohlwollende Haltung des Oberkonsisto- riums seinen Antrag im Sinne des Ausschußantrags modifi- -ieren wolle. Nachdem noch, mehrere Adgg., darunter Land-
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Deutsche Rcichsanleiheu. Zu Schluß der vergangenen Woche erfuhren die deutschen Reichsanleihen, auch die preußischen Konsols, eine wesentliche Aufbesserung, ohne daß besondere Gründe für diese Avance bekannt wurden. Angenommen wird, daß hierbei die Hoffnung auf eine Reform de? Börfengesetzes mit im Spiel war. Auch die Steigerung der Bankaktien wird als Anregungsgrund angegeben. Es wird erwartet, daß bei einer Neugestaltung des Börsengeschäftes die flüssigen Kapitalien des Börsenverkehrs nicht mehr in bisherigem Maße im Wertpapiergeschast festgelegt und deshalb Anlagen in den ersten Anlagewerten des Landes finden werden, so meint die „K. Z/. Das wäre alles recht schön und gut, wenn es nur die Börse nicht so oft wie jener Jäger machte, der den Pelz verkaufte noch ehe er den Bären geschossen hatte.
her Ernennung seines Staatssekretärs Zeit gelassen. Keiner der namhaften Kardinale, die auch als Papabili eine Rolle spielten, hat mit Pius arbeiten wollen. Agliardi, Göttis Vanutelli, Ferrara, Serampa, sie alle haben abgelchnt — endlich hat Pius zu dem homo novissimus, dem Nicht- Italiener und Nichtkardinal Merry del Val gegriffen, der, erst 38 Jahre alt, so viel für den schwierigen Posten in die Wagschale werfen kann, daß er Routine im Verkehr mit Höfen hat und gut englisch, spanisch, deutsch, französisch und italienisch sprichst. Er ist selbst Sohn eines vielgewanderten Diplomaten. Er wurde als Sohn des spanischen Gesandten in London und seiner englischen Gattin geboren; später kam sein Vater als spanischer Gesandter nach Wien, weiterhin nach dem Vatikan und hier fand der junge Priester Beziehungen zu Ra."polla, der von seiner dipwmatischen Stellung in Madrid her mit der spanischen Familie des Botschafters befteundet war. Rampolla bahnte ihm die Karriere. Aber sie ging Merry del Val nicht schnell genug. Er überwarf sich> deshalb einmal mit seinem Protektor, der in ihm einen Rivalen zu wittern begann. Er wird als ein äußerlich liebenswürdiger, gewandter, im übrigen als still fanatischer Charakter geschildert. Die Kar- irntäle sind natürlich sehr ungehalten, oaß Pius nicht einen sder ihrigen gewählt hat. Merry del Val soll am 9. November Kardinal werden. Die deutsche Zentrumsprcsse dagegen schwelgt in Lobeshymnen über die Tatsache, daß Merry del Val kein Italiener, sondern ein Halbeng- länder, Halbspanier oder H albitaliener ist. Nichts könnte je trefflicher die Jnternationalität der katholischen Kirche symbolisieren, als diese nationale Verschwommenheit. Wie es scheint, hat er als interimistischer Staatssekretär mit Pius X. bereits mitgewirkt an der einzigen politischen Entscheidung, die sein Herr bisher gefällt hat, nämlich im ,^sservatore Romano" zu erllären, daß Loubet htt Vatikan nicht empfangen werden könne, lediglich^ weil das mit der Tradition des heiligen Stuhles nicht vereinbar sei. In Berlin war er Vertreter des Papstes beim Begräbnis Kaiser Wilhelms L, König Vmard hat er im Namen des Papstes zur Thronbesteigung beglückwünscht, und die Rechte der kallwlischen Kirche in Kanada zu schützen, wozu er nach drüben entsandt wurde, ist ihm nicht gelungen. Er wird also wohl nicht eine so hervorragende Nolle spielen und ein so einflußreicher Prälat werden, wie sein Lehrmeister Rampolla. Aber durch Milde und Versöhnlichkeit kann er manches zum Frieden der Völker beitragen.
Scheint dieser Friede auch, soweit die Wirren auf dem Balkan ihn stören, vorläufig gesichert, so rumort es wieder in Ostasien. Aber wenn die Kriegsgerüchte bezüglich Rußlands und Japans neuerdings nicht verstummen wollen und beide Mächte eifrig weiter rüsten, so scheint hier die Arbeit der Diplomatie doch schließlich den ftied- lichen Ausgang der Spannung zu verbürgen.
Nachhaltiger dürften die Folgen einer anderen zunächst viel harmloser erscheinenden Störung internationaler Beziehungen sich gestalten, die zwischen Kanada, Nordamerika und England eingetreten ist. Durch den Schiedsspruch in der Alaskafrage verliert Kunada fast die Hülste seiner pacifischen Mste samt wertvollen Goldfeldern an die Vereinigten Staaten, die seinerzeit Alaska von Rußland lgekaust haben. Die Kanadier rechneten in ihrem Optimismus darauf, das Schiedsgericht werde die Küste vor den vorgelagerten Inseln ausrechnen. Das Schiedsgerücht hat ihnen unrecht gegeben. Es hat auch auf ihre wirtschaftlichen Interessen am Besitze eines notwendigen Zuganges zum Ozean keine Rücksicht genommen, sonderm nur nach dem Wortlaut der Verträge geurteilt. Künftig ist der wichtige Lyanfjord, der die Kommunikation durch die Felsenküste ins kanadische Inland ermöglicht, den Kanadiern abgeschnitten. Es behält nur noch den Portlandkanal. Diese Entscheidung, der die kanadischen Vertreter des Schiedsgerichts ihre 'Unterschrift verweigert haben, gibt den Beziehungen Kanadas zu (strgland einen Stoß. England tut in seinem Interesse nur einen Schritt weiter auf dem Wege, vor den Pankees zurückzuweichen, um der imperialistischen Idee zu dienen. Man will nm jeden Preis die amerikanische Freundschaft im Interesse des briti- ffchen Imperialismus pflegen. Aber was bringt den Kanadiern dieser Imperialismus ein, wenn er ihnen solche Wunden schlägt? So ist man denn jetzt unter dem demütigenden ^Eindruck dieses Schiedsgerichts in Kanada daran, einmal sernstlich seine Beziehungen zum Mutterlande zu revidieren. "Ein Reichsüberdruß greift um sich und die alte und so natürliche Idee, sich! der freien Nachbarrepublik anzu- schließen, mit der man ja ursprünglich ein Ganzes bildete, taucht bereits im kanadischen Parlament mit aller Lebhaftigkeit auf.
Sechste ordentliche evangelische Landessynode.
(Originalbericht des „Gieß. Anz.") V.
R. B. Darmstadt, 24. Okt.
Nachdem die heutige Sitzung um 91/4 Uhr eröffnet und das Gebet gesprochen, auch ein-neuer Antrag Wahl-Langen


