Ausgabe 
26.10.1903 Erstes Blatt
 
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Inserat).

** Steinkohlen -Bezugsgesellschaft Gießen. In unserem Bericht vom Samstag ist zu bemerken, daß Nuß­kohlen (Sommer) 40304,86 Zentner, nicht 4304,32 Zeruner bezogen wurden.

8. Leihgestern, 25. Oft. Am Donnerstag stürzte das 5 jährige Söhnchen des Wagnermeisters Pauli in einen Brunnen und wäre sicherlich ertrunken, wenn nicht der Ge- clle L. Schäser von Watzenborn rechtzeitig zu Hilfe gekommen wäre und den Knaben unter eigener Lebensgefahr gerettet hätte.

)( Grünberg, 25. Oft. Die hiesige Dickelsmühle, welche von dem bisherigen Besitzer um 45 000 Mk. erworben wurde, ging letzte Woche für 8000 Mk. in den Besitz des Herrn Theodor Stein hier über. Auf öffentliche Einladung versammelten sich heute nachmittag gegen 100 Personen, um das für die beabsichtigten Kuranlagen ausersehene Terrain unter entsprechender Aufklärung und Belehrung einer ein­gehenden Besichtigung zu unterziehen Leider war der in Aus­sicht gestellte Besuch der sich für das Projekt interessierenden Herren aus Frankfurt unterblieben und auch das Großh. Kreisamt erteilte in letzter Gründe eine Absage.

b. Laübach, 25. Oft. Der zu einem Jahr Gefängnis verurteilte Schreiber ist heute früh aus dem hiesigen Gefängnis entwichen.

(!) Friedberg, 24. Oft. Die Errichtung einer höheren Bürgerschule für Mädchen ohne Vorschule ist vom Stadtrat einstimmig beschlossen worden. Man glaubt, daß sie schon im Frühjahr eröffnet werden kann. Taub­stummenlehrer Heyland hat der evangelischen Kirche ein Ge­schenk von 2 5 000 M k. vermacht. Die Stadt löste im Herbst für Obst 9775 Mf, Auf dem freien Platz um die Stadtkirche ist die Herstellung von gärtnerischen Anlagen ge­plant.

R. B. Darmstadt, 24. Oft. Am 6. oder 7. November tritt der Zar in Begleitung des Grafen Lambsdorff die Nückreise nach Rußland an.

R. B. Darmstadt, 25. Oft. Das russische Kaiser* paar kam heute vorrnittag von Wolssgarten nach Darm­stadt und besuchte mit dem Prinzen Andreas und Gemahlin sowie dem russischen Minister, Grasen Lambsdorff und den Hofcharchen den Gottesdienst in der russischen Kapelle. Am Abend kamen das Zarenpaar, der Großherzog, Prinz und Prinzessin Heinrich und die battenbecgischen Herrschaften wieder sämtlich mittels Automobils hierher und besuchten das Hof­theater, wo Wagners Tannhäuser zur Ausführung kam. Die Rückkehr der fürstlichen Herrschaften nach Jagdschloß Wolssgarten erfolgte mit der Bahn. Die vor kurzem an­gekündigte Ausstellung von dem neuen Mitglied der Künstler- tolonie, Paul Haustein, ist nunmehr im Souterain des Ernst-Ludwig-Hauses eröffnet worden. Sie umfaßt Arbeiten in Metall, keramische Gegenstände, zahlreiche Buchschmuckblätter und Sonstiges. Die interessante kleine 2lusstellung, welche ein Bild vielseitigen Schaffens gibt, sei dem Besuch ins­besondere der Kimstgewerbetreibenden wärmstens empfohlen.

R. B. Darmstadt, 25. Oft. Gesindeball des Hoftheaters. Bei dem Künstlerfest, das von den Mit­gliedern des Hostheaters zum Besten der Wohltätigkeits- Anstalten der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger in sämtlichen Räumen des städtischen Saalbaues verun­staltet wurde, konnte man sich wirklich auf einen glänzen­den Gesindeball in einer Weltstadt versetzt sehn, so lustig war die Zahl der Küche und der Haus-, Reit-, Stall- und Bauernknechte, der Osfiziersburschen, Kammerdiener, Kut­scher und Portiers, die sich in trauter Harmonie mit den adretten Stuben-, Kammer- und Küchenmädchen, den feschen Bauerndirnen, Kinderfrauen, Wäscherinnen, Milchmädchen usw. hier ein großes Stelldichein gegeben hatten. Das Dienstbotenkostüm lvar eben Vorschrift, wie sich das für einen ordentlichen Gesindeball auch von selbst versteht, und was den zahlreichen anderen Sterblichen, die für die Erlangung eines Herrschaftsbuches und damit der Er­laubnis, in vrosaner-Gesellschaststoilette zu erscheinen, eine Mark Aufschlag zahlen mußten, besonders imponierte, das lvar das stattliche Netz der Polizeiorgane, die überall im Saale und aus der Bühne in blankgeputzter Schutz- mannsunisorm und größtem Diensteifer für die Aufrecht­erhaltung der öffentlichen Ordnung sorgten. Die polizei­liche Eröffnung des Festes erfolgte durch den Amtsdiener Eonradi, der in seiner köstlichen Gesängniswürter- Frosch-Maske sich zu vortrefflichen Begrüßiings-Knittel- bersen begeistern ließ. Viel Spaß machten dann das Wiener WalzerkoupletDonauperlen", von fünf feschen Aaschermadeln vorgetragen, und drei Lieder eines Dienst- boteu-Doppel Quartetts, beide Chöre aus den ersten Sänge­rinnen und Sängern des Hostheaters zusammengesetzt. Die Dienstboten sangen auch noch das drolligeBei uns z'Haus" von Joh..Straiip und dann mimten mit präch­tigem Humor Frl. Bradski-Ziegler und Herr von Wolzogen- , Marlow ein paar Ueberbrettllieder, denluftigen Ehe­mann" und ,chie Haselnuß" von Oskar Strauß. Den Gipfel­punkt der allgemeinen Lachlust aber erreichte der Abend mit einer Theaterprobe von SchillersRäubern" in Wix­hausen; hier spielte der Theaterdirektor Schmierberger- > Conradi und jein getreues Küchenfaktotum Frau Zeter- . Den Ihausen als der alte Moor, zuerst mit Hilfe einiger Künstler, zum Schluß aber der Direktor als Briefträger mit Hilfe von 26 Briefen die Räuber ganz allein ein i echtes, stürmische Heiterkeit aus allen Seueu des Hauses ; erregendes Meisterpütt. Daß darnach auch ZeplersCake- Walt'" ausPitt und Pottet", gesungen und getanzt von Frl. Ziegler und Herr-» Murlow, den vollen Appbaus erntete, Vedats kaum noch der Erwähnung. Fast sämt- : liche bekannte Bühnenmilglieder, wir nennen nur .die feiten oe Haan, Valdek, Rehbock, Wagner, Knispel, Riech - , mann u. v. il, hatten nach besten Kräften, auch als über-

für Krieg zu stimmen, er würde dafür sorgen, daß das» von Glänzer gekaufte Pferd von Krieg bezahlt werde. Rechtsanwalt Katz stützt sich int Wesentlichen aus die Aus­führungen des Zeugen und beantragt die Wahl für un- gillig zu erklären, da ein Stimmenkauf seitens des Krieg stattgesnndeu habe. Rechtsanwalt Jnstizrat Metz zu Gießen bestreitet den Stimmenkauf, worauf der Provinzial - Ans­chuß nach geheimer Beratung beschloß, dem Rekurs statt­zugeben, die Wahl zu kassieren und der Gemeinde die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen, sowie eme Verhand­lungsgebühr von 10 Mark an die Provinzialkasse zu zahlen.

**Vier Jahreszeiten". Dm Dienstag und Müt- woch, den 27. und 28. d. Mts.' finden im genannten Lokale 2 große Spezialitäten-Vorstellungen statt, woraus wir an dieser Stelle nochmals aufmerksan- machen. (Näheres

Aus Stadl und Land.

Gießen, den 26. Oktober 1903.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Großh. Geheimen Obersorstrat i. P. Ludwig Frei) auf ein Nachsuchen von der Stelle eines Mitgliedes der Prüfungs­kommission für das Finanz- und technische Fach zu entheben und den Großh. Geheimen Obersorstrat Dr. Walther zum Mitglied der Prüfungskommission für das Finanz- und tech­nische Fach ernannt.

Das Großh. Regierungsblatt Nr. 50, aus­gegeben am 23. Oktober ds. Js., enthüll: Verordnung, die Enteignung von Gelände zum Bau einer Nebenbahn von Butzbach nach Lich. (Der Butzbach-Licher Eisenbahn- Aktien-Gesellschaft wird eine weitere Frist zur Stellung des Antrages auf Einleitung des Enteignungsverfahrens bis zum 1. Dezember 1903 gewährt.)

** Provinzial-Ausschuß. Am Samstag beschäf­tigte sich der Provinzialausschuß mit dem Gesuch des Philipp Kuhl zu Inheiden um Konzessionierung einer Gastwirtschaft und erkannte zu Recht, daß unter Aufhebung des Urteils des Kreisausschusses des Kreises Gießen vom 21. Wiärz 1903 dem Rekurs stattgegeben und dem Gesuch­steller die Konzession zu erteilen sei. Die Kosten des Verfahrens trägt der Gesuchsteller. Der Sachverhalt ist folgender: Ter Gesuchsteller bat unterm 6. Februar 1903 vor der Großh. Bürgermeisterei Inheiden um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft. Der Gemeinderat zu Inheiden verneinte in seiner Sitzung vom 10. Februar l. Js. die Bedürfnis frage. Hiergegen protestierte der Bür­germeister Reitz in einem Bericht an das Großh. Kreis- anlt Gießen, indem er ausführte, im Gemeinderat seien zwei Mitglieder, die Wirtschaft betrieben, und spricht sich für die Gewährung des Gesuches aus. Der Kreis­ausschuß des Kreises Gießen schließt sich in seiner Sitzung vom 21. Mürz l. Js. dem Gemeindebeschluß an und be­gründet sein Urteil damit, daß bei einer Einwohnerzahl von 375 Seelen drei Schankwirtschaften genügten. Hungen, welches mehrere Gasthöfe besäße, liege nur 20 Minuten von Inheiden entfernt und könne leicht erreicht werden. Auch seien in dem nahegelegenen Trais-Horbosf zwei Gast­wirtschaften vorhanden und den Reisenden sei Gelegenheit geboten in diesen Gemeütden Nachtquartier zu ftuoen. Gegen diese Entscheidung verfolgte nun der Vertreter des Gesuchstellers, Rechtsanwalt Katz zu Gießen form- und fr pt- gerecht Rekurs an den Provinzial-Ausschuß. In der heuti­gen mündlichen Verhandlung sprachen sich die Zeugen für die Gewährung des Gesuchs aus, worauf sich Rechts­anwalt Katz in feinen Ausführungen stützte, und beantragte, dem Rekurs stattzugeben, was geschah. Sodann werden die Urteile in Sachen Enteignung von Gelände des Karl Stern zu Homberg a. 0. zur Erbauung der Nebenbahn Nieder-GemündenNieder Ofleiden, sowie in Sachen Ent­eignung von Gelände für die Nebenbahn Lauter­bach-GrebenhainCrainfeld verkündet, in we-- chem die Enteignung ausgesprochen wurde. Als vierter Punkt der Tagesordnung steht die Reklamatron gegen die Bürgermeisterwahl zu Bur gbr acht. Am 15. Ott. 1902 fand in der Gemeinde Durgbracht die Bürgermeister­wahl statt, bei welcher Johannes Krieg II. und Heinrich Reifschneider daselbst je 22 Stimmen erhielten. Da Stim­mengleichheit vorhanden war, wurde Stichwahl auf den 8. November anberaumt, bei welcher ebenfalls Stimmen­gleichheit herrschte und sodann das Los zu Gunsten des seitherigen Bürgermeisters gezogen wurde. Krieg, war also der Gewählte. Gegen diese Wahl wuroe seitens verschie­dener Wähler Rekurs verfolgt und ausgesührt, daß die Wahl ans Stimmenlaus beruhe, ipdem ebcr Gewählte drei Personen, die erst zur Partei Neifjchneider zählten, durch Leistung von Bürgschaft usw. auf seine Seite herüber ge­zogen hätte. In der heutigen Verhandlung bestreitet der Gewählte, Bürgschaft mit Rücksicht auf die Wahl geleistet zu haben, was jedoch von den vernommenen Zeugen widerlegt wird. Ein Anhänger der Partei Krieg soll sogar am Abend vor der ersten Wahl zu Wilhelm Glänzer in die Wohnung gekommen fein, und denselben gebeten haben,

-um Beitritt Ku jenen gewerkschaftlichen Organi­sationen auf, die nicht auf dem Boden des Klass en - k a m p f e s stehen.

Sie fordert ferner von der Gesetzgebung: 1. Sicher- ung und Erweiterung des Koalitionsrechtes, und zwar: a) der § 152 ver Reichsgewerbeord-nung soll nicht nur aus Erlauguiig besserer, sondern auch auf die Er­haltung bestehender Lohn- und Arbeitsverhältnisse Anwend- nng finden; b) der § 153 R.-G.-O. soll dahin erweitert werden, daß nicht allein der Mißbrauch des Koalivons- rechts unter Strafe gestellt wird, sondern auch du Ver- hiiiderung am legitimen Gebrauch. 2. Schaffung eines einheitlichen und freiheitlich.en Vereins - uiid V e r s ain ni l u n g sr e ch t s für das ganze Reick- an Stelle der einzelstaatlichen Vereinsgesetze, worin alle das Koalv- tionsrecht und die Tätigkeit der Berufsvereine cincngciiben Bestimmungen der Vereinsgesetze beseitigt sind. Im be- 'onderen soll allen Vereinen, die aus Grund des 8 152 R-G.-O. gebildet sind (Arbeiterberussvereine, Gewerl'schas- ten), sowie allen sonstigen zur Wahrung der Berufsinter­essen gegründeten Vereinen gestattet werden, ihre Tätigkeit auf die alligcmeinc Verbesserung der sozialen und wirt- chaftlickiien Verhältnisse des Gewerbes, namentlich auch durch s2LenDerung, der Gesetzgebung auszudehuen, ohne da­durch deii Bestiuimungen der einzelstaatlichen Vereinsgesetze imterwvrfen zu sein. ^Uid), die Frauen ist die Teililahme und Ätitivirkung an sozialpolitischen Vereinigungen uiid 53er)'antnilaingen zu ermöglichen. 3. Verleihung der R echts- ähigkoit an die Berufsvereine zur Sicherstell­ung chrer Vermögensrechte ohne Einschränkung il)rer Be­wegungsfreiheit." c

In Der Debatte bat u. a. der Vertreter der bayri- chen Postbediensteten, Schreiner-München, in )ie Resolution einen Passus auszunehmen, der für die Arbeiter und Angestellten der Staats- und Gemeindebetriebe uneingeschränktes Koali­tion sr echt fordert, damit sie öffentlich ihre Interessen wahrnehmen und den Weg der Selbsthilfe einschlagen können. Insbesondere soll ihnen die unbeschränkte Aus­übung des Petitions-, Beschwerde- und Versammlungs- rechts, der freie Ausdrucr ihrer Wünsche den Verwaltungen gegenüber durch die Organisation und die selbstgewählten Vertrauensmänner gestattet fein.

Bei der Abstimmung wurde der Aiitrag der süddeut­schen Staatsbediensteten fast einstinmiig angenommen, des­gleichen die ganze Resolutiion. m c

Abends wurde ein Kommers äbgehalten. Dre Redner fanden teilweise sehr scharfe Töiie gegen die Sozialdemo- tatie.

Beweisen wohlwollenden Interesses, wie sie ihr in Den ersten 25 Jahren ihres Bestehens zuteil wurden, auch ferner» hin segensreich zu wirken in der Erziehung der Flauen zu nützlickier TäRgkeit in Familie, Schule und Leben im Sinne und Geiste ihrer hohen ersten Protektorin, der ver­storbenen Großherzogin Mice, die der Sck)ule ihren Namen gegeben hat.

Danach nahm Oberbürgermeister Mecum das Wort zu folgender Disprache:

Gkoßberzogliche poherti Hochverehrte Festversammlung!

Zu dem heutigen Fest- und Ehrentage des Gießener Alice- Vereins für Frauenbildung imD -Erwerb ist mir eine zwiefache ,5lufgabe geworden, rvelche ich gern und mit Freuden übernommen

Namens der Stadt Gießen heiße ich Etire Hoheit, die hohe Protektorin des Vereins, ut unserer Stadt von ganzem Herzen will­kommen und überbringe denr Verein und seiner Protektorin die besten Glückivünsche zinn heutigen Tage. Die Bcwohiier von Gießen, nicht minder die der Proviiiz Oberhessen imb der benach­barten preußischen Orte, sind deni Verein, seiner Protektorm und Veit Danien des Vorstandes zu großem Dank verpstlchtet, weil diese piit eiiigehendcr Sachkenntliis uiid Ausopferilng, dttrch unernnidliche Teüigkeit tauseriden von jungen Mädchen Keimtnisse und Fertigkeiten beigebracht haben, die ihnen eine gesicherte und geachtete gebens- Stellung bieten, und weil sie vielen jungen Mädchen, die sur ihre Zukunst nicht aus eigenen Erwerb ange,viesen sind, eine tüchtige Grundlage und Uliteriveismig für ihren künitigen Beruf als Haus­frau gehen. Ter Verein hat damit redlich mitgearbeitet an der großen sozialen Aufgabe, den Fraiien mtgemeffene ErwerbSzweige erschließen nnD die Heranwachsende weibliche Jugend zu tüchtigen Hausfrauen zu erziehen.

Mit diesem Glückwunsch möchte ich die Bitte verbinden, der Verein möge nicht erlahmen in seinem idealen Streben, er möge sortfahren auf der mit soviel Glück Uiid Erfolg betretenen Bahn und seine Schule, die schon so großes geleistet hat, inuner mehr ausbaueli nnD vervollkommnem Darin wird ihm auch für die Zu­kunft der Darck und die Hilfe der Stadt Gießm und ihrer Bewohmr Nicht Wc-veite Aufgabe ist mir vom Vorstand des Alicevereins öer ehrenvolle Auftrag zu teil geworben, seiner hohen Protektorin, Den anwesenden Gästen, den Vereinsmltgliedern, Lehrerinnen und Lehrern, allen früheren nnD jetzigen Schülerinnen aufrichtigen Tank auszusprechen für das große Interesse, das sie bisher Miseren Bestrebungen entgegen gebracht und durch ihr heutiges Erscheinen aufs neue bekundet haben, rmd weiter die Bitte aus­zusprechen, sie möchten auch ferner ihr freundliches Wohlwollen der Schule bewahren und eifrig neue Mitglieder werben, damit Der Verein auf breiterer finanzieller Grundlage seinen Bestrebungen noch mehr als bisher nachkommeii kann zum Besten der Zukunft unserer heranrvachsenden Jugend.

Um auch weiteren Kreisen zu zeigen, was unsere Schule leistet, und gelvissermaßeri als Rechtfertigung feiner Tätigkeit wäh­rend des verflogenen Vierteljahrhunderts hat der Vorstaiid in den Schulräumeii eine Ausstellung von Schülerarbeiten veranstaltet, -u dereii Besuch er fremrdlichst eirlladet. Etwaige Mängel der Arbeiten bittet der Vorstand wohlwollend zu beurteilen, weil es eben Schülerarbeiten sind und die Vollkommenheit in weiblichen Handarbeiteii erst durch lange Uebtmg erlangt wirb. Der Vor­stand glaubte, den heutigen Festtag nicht vorübergeheu lassen zu Dürfen, ohne auch der Stifterm des Vereins, der hochseligen Groß­herzogin Alice dankbar zu gebenfen. Wenn auch der vlame des Äreius und seiner Schule immer wieder das Bild der edlen Frau auf dem Fürsteiitrone uns vor Augen führt, wollte der Vor­stand den Lehrerinnetl wib Schülerinnen auch ein dauerndes Zeichen des Gedenkens an das heutige Jubelfest des Vereins und feine hohe Stifterin und erste Protektorin, der wir alle so unendlich viel Gutes und Edles zu verdanken haben, verleihen. Unserer jetzigen Protektorin sind wir zu außerordentlichem Dank verpstichtet, daß sie zu unserem Feste in höchsteigener Person erschienen ist und ihr unerschöpfliches Wohlwollen für den Verein dadurch aufs neue dekundet hat, noch mehr aber dafür, daß sie uns noch die besondere Ehre erweisen will, die Gedenkzeichen für ihre edle Frau Mutter den Lehrerinnen selbst zu überreichen. Schließlich ist mir soeben der Auftrag geworden, Den Dank I. Großh. Hoheit zum Ausdruck zu bringen für die freundliche Begrüßung, die Ihr bet der Ankunft und in diesem Saale entgegengebracht worben ist.

Den Lehrerinnetl der Miceschule nm wen Geoenk- «medaillen überreicht und den Schülerinnen je ein fein aus- igkführtes Bildnis sder verewigten Großherzogin Alice, der ,'Gründerin des Vereins.

Mit dem Gesang des akademischen GesangvereinsDem Gott Jehova schalle Dankgesang" a. d. OratoriumJosua" -von Handel war die Feier beendet. I. Hoy. die Prinzessin unterhielt sich mehrfack)! mit Damen des Vorstandes, ver­abschiedete sich mit freundlichen Worten und begab sich ^ur Wckreife zum Bahnhof. Viele der JMeilnehmer be­gaben sich nach dem Schulhaufe, um in den dortigen Räu­men die Ausstellung weiblicher Handarbeiten zu bejich^ ttigen.

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ArveiterLongreß.

Frankfurt a. M., 25. DTt

Heute und mvrgen tagt hier ein Arbeiter kongreß, der -fick) offiziellErster deutscher -Arbeiterkongreß" nennt. Sozialdenwkratifche mid HirfchfDunckersche Gewerkvereine sind nicht vertreten. Die Delegierten vertreten: a. christ­liche Gewerkschaften, L. sonstige Derufsvereine, darunter Eisenbahlierverbände, Deulschnalionaler Handlungsgehilfen- AZerband usw., c. evangelistt^e Arbeitervereine, d. katholische Arbeitervereine, im ganzen 620000 Arbeiter.

Nach 4 Ichr wurde der Kongreß, der von etwa 200 De­legierten besucht ist, von dem Vorsitzenden des Lokalkomitces, Bärrn-Franksurt eröffnet, in der er die anwesenden Stadt­verordneten, den kgl. Gelverberat und den Vorsitzenden des Gewerbegerichts fpesonders begrüßte. Von den Verheiß­ungen der Februarerlasse fei noch manches unerfüllt. Schuld an dieser Tatsache sei der Undank, mit dein die dar ge­böte ne.Hand des Kaisers zurückgestoßen wurde. Es gelte, dem Kaiser, der das Wohl der Arbeiter wolle, treu zur Seite zu stehen. Die Ansprache schloß mit einem Hoch aus den Kaiser.

Zu Vorsitzenden wurden der Vorschende des evangelb' scheu Arbeitervereins Berlin, Frariz Behrens, und der Vor­sitzende des Gesamtverbandes der christlichen Gewerk­schaften, Stegerwald-Äöln, gewählt.

Hieraus wurde ein Huldigungstelegra mm an den Kaiser abgesandt.

lieber das Koalitionsrecht der deutfchen Arbeiter und die Ver cinsg es etzg ebun g sprach der Veibands- sekretär der christlichen 'Textilarbeiter, Schisser-Krefeld. Mit vcm Ruf nach einem guten Reichsvereinsgesetz schloß unter Beifall der Redner, der folgende Resolution vorschlug:

Tie berufliche Organisation der Lohnarbeiter ist das einzig wirksaino und deshalb nuerläßlich^ notwendige Mittel, um eine gerechte Regelung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse aus Grund des freien ArbeitsVer­trags zu erzielen, eine gedeihllck)e Entwicklung des nationalen Wirtschasts- und Gesellfckmftsleberis zu sichern und dauernd geordnete Verhältnisse zwischen Arbeiter und "Arbeitgeber aus dem Boden der anerkannten Gleich- b e r e ch t i g u n g beiderseitiger Organisationen anzu- bahnen und in Tarisgemeinschafien seftzuhalten. Von dieser Ueberzcugung durchdrungen, fordert die Versamm- Erng alle u uorganis ier te n d cu t s ch en Ar be iter