Ausgabe 
26.10.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 251

Erscheint tLglich außer Sonntag-.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siehener Kamilien» blätter viermal in der Woche beigelegL

StotanonSbrud u. Ver­lag der Brühl'schen ttnwers.-Buch- u.6tem» b ruderet <Pretsch Erben) Redaktion, Expedition and Druckerei:

Schulstratze 7.

Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen.

Krrnsprrchanschluß Nr. 5L

Montag 26. Oktober 1903

Erstes Blatt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeigrr

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

153. Jahrgang

ve»«g-peet»» monalUch7bVt^ viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.L viertel- jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen üi die Dagesnurnmer >is vormUtags 10 Uhr. ; etlenpvelfl; lokal 12'151, auflrodrtfl 80 Pfg.

3«taai»0ClHä für den polti. and attgern. Teil P Witiko fÜt .Stabt und &mb* und .GertchlSjaaf. August Gütz, für den '21 n- letqentetl* Panfl Beck.

Deutsches Keich.

Berlin, 25. Okt. Der Kaiser hatte sich für gestern abend beim Grafen Bülow zum Diner angesagt. Unter den Geladenen befanden sich oer Rektor der hiesigen Uni­versität, Freiherr von Richthosen, die Professoren Reinhold Begas, Dr. Slaby, Renvers, Harnack, FürstAchnowsky, Ge­neraladjutant v. Scholl, Fregatten-Kapitän von Grurmne, der Chef der Reichskanzlei Wirkt Geh. Oberregierungsrat Conrad und Oberleutnant Graf Viktor zu Eulenburg.

Zu der Finanzministerkonferenz will das B. T." noch- erfahren Haden, daß Mgemeine Ueberem- stimmung dahin erzielt sei, daß für die Durchdringung neuer Steuern weder Aussicht, noch erneNvt- Wendigkeit hierfür vorliege. Weder Bier noch Ta. - sbak, noch die.Automaten sollten zu indirekter Be­steuerung herangezogen werden.

Das Entlassuugsgesuch des OLerprasrdenten Freiherrn v. Richt Hof en ist zum 1. November genehmigt worden. Als sein mutmaßlicher Nachfolger wird ein ost Preußischer Edelmann, der viel in der Umgeb­ung des Kaisers weilt, genannt.

Eine Kommission hatte einen Entwurf zu Unfall- Verhütungs vor schris t en für die ^ndwrrt- schastlichen Maschinen ausgearbeitet, dieser

Entwurf ist in einer Konferenz der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften zur Annahme gelangt. Selbst­verständlich ist jede Berufsgenossenschaft berechtigt, diese Vorschriften einzuführen oder nicht, sie gegebenenfalls mit Abänderungen zu versehen usw. Jedoch ist jetzt zu. er­warten, daß sich eine regere Tätigkeit auf dem Gebiete der Unfallverhütung in den larrdwrrtschastlrchen Berufs- genojsenschajten geltend machen wird, umsomehr all die Kommission den Austrag erhalten hat, auch Ar andere: ihr geeignet erscheinerrde Gebiete weitere Unsallverhutungs- Vorschriften zu entwerfen. ,

Hannover, 24. Okt. Der^ Ziimnermeistertag, der von 200 Zimmer meistern aus allen Zeilen des Reiches besucht ist, beschloß die Gründung emes Jrutstner- m e i st e r b u n d^e s. Der Zweck soll die tzÄmrg des Znn- mergewerbes im Allgcmcmen und die Vertretung der Arbeitgeberinteressen im Besonderen sein.

Atm nster, 25. Okt. Heute fano im kgl. Sckstoßgarten <Le feierliche Enthüllung des für den in Petlng ge­fallenen tzrhrn. v. Kettel er errichteten Denkmals m Anwesenheit der Mutter und zahlreicher anderer Ver­

Uolitische Tagesschau.

Die agrarischeDeutsche Tageszeitung" liest dem deutschen Studentum kräftig den Text. Sie tadelt die Bummelei und dieVöll e r e i, beider das Trinken Selbstzweck ist", findet aber alsdann, daß es noch bedenklichere und bedrohlichere Gefahren gibt:

Dazu gehört das Gigerl- und Fatzkentum, die unsinnige und unmännliche S ch n i e p e l e i, die hier und da eingerissen ist. Ein Student, der den Gigerl spielt und in affigen Aeuß erlichkeiten sich ge­fällt, ist eine viel häßlichere Erscheinung als der, der des Burschentums Zauberpokal manchmal bis auf die Neige leert. Der hinten durchgezogeneScheitel mit seinem etwas unanständigen Namen ist uns wesent­lich unsympathischer als die infolge des Mendtrunks schief gesetzte Mütze. Wie viel wird leider in dieser Beziehung von einer gewissen Klasse von Studierenden gesündigt! Sie machen alle Albernheiten der Mode mit, die vom Stehkragen, der bis an die Ohren reicht, bis zu den schlürfenden Schnabelschuhen, vom Augenglas, dessen Handhabung als Kunst betrieben wird, bis zum Armbande. Sie schließen beim Gruße bald die Hacken, bald die ganzen Füße zusammen, sie bewegen den Hut bald im Kreise um den Kopf, bald ziehen sie ihn mit einem hörbaren Rucke bis dorthin, wo der Rücken seinen Namen verliert. Sie reichen die Hand bald in einem spitzen Winkel, bald von oben, bald von unten herab, kurz, sie sind dien st willige und ge­dankenlose Affen jeder noch, so törichten Mode. Vor solchen Auswüchsen muß sich das Studen- tentum ebenso, ja noch mehr hüten, wie vor den Sün­den, die man ihm gewöhnlich vorwirft. Sie sind dem Wesen und dem Geiste des echten deutschen Studenten- tums zuwider. Das mögen ja Aeußerlichkeiten sein; aber qlle derartigen Aeußerlichkeiten lassen aus einen gewissen inneren Mangel schließen. Auf andere innere Gefahren, die das deutsche Studentum bedrohen, kann nur kurz hingewiesen werden, so beispielsweise auf die Sucht, sich schon selbständig in politischen und ähnlichen Fragen zu äußern und zu betätigen, die einen bedenklichen und oft recht kindlichen und unreifen Dilettantismus zeitigen muß, so auf eine ge­wisse Neigung, in niederen, etwas anrüchigen Lr e i- s e n zu verkehren, die damit entschuldigt wird, daß es Pflicht sei, alles Menschliche kennen zu lernen, aber durch diese Entschuldigung natürlich von ihrer verderblichen Wirkung nicht das Mindeste verliert, so ferner auf die altkluge Blasiertheit, die sich stellt, als ob die eigentlichen Freuden der Jugend schon längst über­wundener Standpunkt seien, und die diese meist zu­recht ge künstel t e Greisenhaftigkeit als der Weisheit höchste Blüte wertet, so endlich auf das überspannte, innerlich faule und eigentlich feige Uebermenschentum, das jenseits von Gut und Böse zu stehen wähnt und keine andere Richtschnur kennt, als den eigenen schlappen und irrenden Willen.

Der Herr Artrtelschreiber hat das Räuspern und -Spucken des ehrlichen Kapuziners inWallensteins Lager" wahrlich trefflich abgeguckt.________________________________

wandten des Gesandten statt. Zugegen war als Vertreter des Kaisers Generalleutnant v. Moltke. Ferner waren an­wesend Fürst Salm-Horstmar, der Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes Frhr. v. Richthofen, der Kriegsminister von'Einem, mehrere Herren, die mit dem Freiherrn v. Kette- ler in Peking waren usw. Präsident Dr. Boediker hielt die Gedächtnisrede.

München, 24. Okt. In der Mgeordnetenkannner richtete Minister Frhr. v. Feilitzsch an das Hans einen Appell, die konfessionellen Streitigkeiten ruhen zu lassen, und zu ersprießlicher, objektiver Arbeit zusam­menzuwirken. Der Vorwurf, daß bei Anstellungen und Beförderungen im Staatsdienst die K a t h o l i k e n zurück­gesetzt würden, sei gänzlico unbegründet. Wenn in einzelnen Zweigen des Staatsdienstes 'mehr Protestanten wären, so liege das nur daran, daß mehr Protestan­ten studierten und sicy zum Staatsdienst meldeten. Im Staatsdienst komme es nur auf die Tüchtigkeit der Beamten, nicht auf die Konfession an.___________________

Aas 25jäyrige Strstungsfeft des Aitcs-Iereins nahm unter der Aywesenheit I. G H. der Priitzcssin Ludwig von Battenberg um 11 Uhr in der Turnhalle der Stadt­knabenschule ihren Anfang. Die Prinzessin wurde am Bahnhof von Provinzialdirektor Dr. Bee wert, Oberbürger­meister Mecum und dem Schriftführer des Vereins, Prof. Fromme am Bahnhof empfangen und nach der Micejchule geleitet, wo sie die Schülerinnenarbeiten besichtigte, wobei ihr von Frl. Else Schröbel ein hübsches Blumenbukett mit einer kleinen Ansprache überreicht wurde. Nach ern- genommenem Frühstück betrat der hohe Gast mit größerem Gefolge den Saal der Turnhalle, wo zunächst Begrüßung und Vorstellung der Vorstands­mitglieder stattfand. Es hatten sich die Spitzen der Behör­den, darunter der Provinzialdirettor, der Regimentskom­mandeur und der Oberbürgermeister eingesunden, und die Turnhalle erwies sicy als etroas? zu klein, um die Alice- schüler innen, die geladenen Gäste auch' der akademische Gesangverein beanipruchte Raum alle bequem auszu­nehmen. Nachdem der Chor unter Univecsitäts-Musikdirek- tor TrautmannLaudate pueri" von Mendelssohn-Bar­tholdy gesungen hatte, trat die Präsidentin des Vereins, Frau Oberamtsrichter Gebhardt ast oen Rednerpult und hielt folgende Begrüßungsansprache:

Großherzogliche Hoheit!

Verehrte Anwesenden l

Eine hohe Ehre, eine große Freude zugleich ist es für uns, Sie heute zur 25jährigen Jubiläumsfeier unserer Alice-Schule hier versammelt zu sehen begrüßen zu dürfen m unserer Mine unsere erlauchte Protektoren und Sie alle, tue See in liebenswürdiger Weise unserer Etnladung die erwünschte Folge gegeben. Dies aus- zusprechen ist für mich nicht nur angenehme Pflicht, sondern auch inneres Bedürfnis. Ich heiße Sie also int Namen des Vorstandes der Alice-Schule herzlichst willkommen und knüpfe daran die Hosf- nung, daß es uns gelingen möge, nicht nur für diese kurze Stmide, sondern andauernd Ihr Jiiteresse für die ernsten Bestrebungen und hohen Ziele unserer Anstalt zu wecken und zu fesseln. Die hohe, verklärte Stifterin des Alice-Vereins, deren reicher Geist mit seltenem Verständnis das vornehmste Gebot unserer Religion: Liebe Deinen Nächsteri rote Dich selbst" erfaßt und zum Aus­druck gebracht, roar die Erste, die vor 25 Jahren der neu ge­gründeten Aliee-Schule zu Gießen ihre Glück- und Segenswünsche sandte. Wenige Wochen nachher schon hatte ihr für alles Edle uub Große warm empfindendes Herz aufgehört zu schlagen ihre gütigen Augen hatten sich geschlossen für immer l Aber ein geheiligtes Erbe hatte sie uns hinterlassen in dem zarten Reis, welches von dem, schon in jugendfrischem Triebe stehenden Baume des pciuptvereins, hierher verpflanzt wurde. Dasselbe in ihrem Sinne zu hegen und zu pflegen, haben sich im Laufe der 25 Jahre viele bemüht. Inwieweit es ihnen gelungen, zu helfen und zu fördern, darüber wird Ihnen aus beredterem Munde Kenntnis ge­geben werden. Zu diesem Zwecke bitte ich Sie, Herrn Professor Dr. Fromme, dem Schriftführer unserer Schule, Ihre gütige Auf­merksamkeit zuwenden zu wollen.

Der Schriftführer, Pros. Fromme verlas einen aus- sührllchert Festbericht über die Geschichte des Mcevereins, in dem er der edlen Bemühungen der verstorbenen Groß­herzogin Alice um das Wohl des weiblichen Erwerbs ge­dachte. Auf Ihre Veranlassung wurde der Gießener Verein 1878 gegründet, dessen Protektion die hohe Frau übernahm. Den Vorstand bildeten die Damen Landrichter Erdmann (Präsidentin), Bürgermeister Bramm, Professor Bratuscheck, Fabrikant Hanstein, Dr. Weisfenbach, Kauf und die Herren Kreisschulinspektor Büchner (Vizepräsident), Bürgermeister, Bramm, Professor Bratuscheck, Fabrikant Hanstein, Rechts­anwalt Batst, Professor Oncken. Die ersten Lehrerinnen waren die Fräuleins Müller und Gerbode. Beide hatten sich vorher in der Darmstädter Schule nrit dem Unterrichts­betrieb vertraut gemacht. Außerdenr wirkte als Lehrer Herr Hug.

Die städtische Behörde hat dem Aliceverein ihr Interesse an der Schule von Einfang an lebhaft betätigt, vor allem dadurch, daß sie ihr unentgeltliche Unterkunft rn städtischen Gebäuden gewährte. Am 11. Juli 1878 wurden ihr zunächst zwei Räume im oberen Stock nebst Küche und zwei Kam­mern im unteren Stock des damaligen städtischen Schul­hauses aus dem Asterweg überlassen; 1880 wird ihr der ganze obere Stock des 5)>Luses mit Ausnahme eines Zim­mers eingeräumt; endlich in 1892, nach Vollendung des Neubaues der Stadtknabenschule, erhält die Schule von der Stadt das Schulhaus auf dem Oswaldsbera zur alleinigen Benutzung. Damit war-endlich die Möglichkeit einer Reu- organisatwn der Schule und einer wesentlichen Erweiterung ihrer Lehrziele gegeben.

Ein besonderes Interesse bekundeten auch fortgesetzt unserer Schule der Aliceverein in Darmstadt, der, mit reich­licheren Mitteln versehen, lange Jahre emen jährlichen Bei­trag von 100 Mk. leistete, die Spar- und Leihkasse in Gießen, die regelmäßig jährliche Unterstützungen zuerst von 100 Mk., später von 400 urrd 500 Mk. verwruigte, und der

Staat, der in regelmäßigen Zwischenräumen einen Beitrag von 500 Mck. gab. Mehrfach sind auch Vortragsrechen, Konzerte und Theatervorstellungen veranstaltet worden, deren Erträgnis der Schule zu gute kam; denn aus den regelnräßigen Beiträgen seiner Aiitglieder und den Ein­nahmen aus Schulgeld hätte der Aliceverein niemals seine großen Artsgaben bestreiten können.

Das Schulgeld hat man nämlich von Anfang an aus sehr mäßiger Höhe gehalten, um niemand vom Besuch der Schule aozuschrecken, namentlich auch nicht ärmere Gemein­den daran zu hindern, daß sie ihre Jndustrielehrerinnen auf Gemeindelo,ten in der Aliceschule ausbilden ließen. Für Unbemittelte sind regelmäßig einige Freistellen offen ge­halten worden.

Der Lehrplan der Schule war anfänglich sehr einfach: Im ersten Semester, Winter 1878/79, wurde gelehrt in einem 1. Kursus von wöchentlich 24 Stunden: 2 Stunden Sticken, 2 Stunden Räodellzeichnen und Musterfchneiden, 14 Stun­den Weißnähen, Zuschneiden, Anfertigen von Leibwäsche, Flicken, 4 Stunden Stricken und Stopfen. Der 2. Kursus umfaßte in 6 Stunden wöchentlich Zu schneid en und Ma­schinennähen, der 3. Kursus in 16 Stunden wöchentlich Kleidermachen. Die Zahl der Schülerinnen betrug 38.

Sehr bald erweiterte aber die Schule ihren Wirkung^ kreis, indem sie auch die Ausbildung von 5^andarbeits- lehrerinnen in ihr Programm aujnahm. So erscheint denn weiter auch ein Lehrermnen-Kursus im Programm unserer Schule, der während der fünf Sommermonate in wöch^ent- lich 26 Stunden Stricken, Häkeln, Nähen, Fachzeichnen, Zu­schneiden, Unterrichtslehre, Freihandzeichnen, Rechnen, Deutsch (geschäftliche Briefe) und Schönschreiben behandelte gegen ein Honorar von nur 40 Mk. Das Zeugnis über die bestandene Prüfung berechtigte zur Anstellung als Hand­arbeitslehrerin in den Gemeinden des Großherzogtums.

Mit der Zeit erfuhr nun der Unterrichtsplan eine immer weitere Ausdehnung. Das im Jahre 1889 ausgegebene Programm verzeichnete folgende fünf 5turse: 1. Weiß­nähen, Sticken, Stopfen, Fachzeichnen, Freihandzeichnen. 2) Anfangsunterricht im Mas astneunähen, Wäschesa)neiden, Weißstiaen, Fachzeichnen, Frechandz.ichnen. 3. Erweiterter Unterricht im Maschtnennähen, Wäscheschneiden, Freihand­zeichnen, Weiß- und Buntsticken. 4. Weiß- und Buntsticken, Filet-Guipure, Point-Lace usw. 5. Kleidermachen, Zu- schneiden, Fachzeichnen, Freihandzeichnen. 6. Bügeln. 7. Buchführung. 8. Zeichnen und Skalen. 9. Lehrerinnen­kursus. Die Zahl der Lehrkräfte betrug jetzt fünf, nämlich die Damen Awser, Decker, Pseil, Schopbach und Herr Hug.

Ter Besuch der Schule, der sich im ersten Jahre ihres Bestehens auf insgesamt 85 Schülerinnen belaufen hatte, war stetig gejtiegen. Tie Durchschnittszahl war 155 in den Jahren 18/8 bis 1885. Insgesamt hatten bis zum letz­teren Jahre 1083 Personen Unterricht genommen, von denen sich 38 zu Handarbeitslehrerinnen ausbildeten. Bis zum Jahre 1888 stieg die Zahl auf 1557 und bis zum Jahre 1893 auf 2200. Jetzt beträgt die Gesamtschülerinnenzahl rund 3500. Davon haben 180 die Prüfung als Handarbeitsleh­rerin abgelegt.

Einen großen Abschnitt im Leben der Schule aber leitet das Jahr 1892 ein, in welchem der Ueberzug in das von der Stadt zur Verfügung gestellte neue Heim auf dem Oswaldsberg erfolgte. Im neuen Hause war es nun auch möglich, den schön lange bestehenden Plan der Anglieder­ung einer Kochschule zur Ausführung zu bringen. Eine größere Probe ihrer Leistungsfähigkeit bestand die Koch­schule im Sommer des Jahres 1898, als Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin, sowie die hohe Protektorin der Schule, Prinzessin Ludwig von Batten­berg, Königl. Hoheit, anläßlich eines auf Oswaldsgarten stattsindenden landwirtschaftlichen Festes die Aliceschule mit ihrem Besuche beehrten und dort den Tee einzunehmen ge­ruhten.

Als weiterer Kursus erschien im Programm von 1902 ein Kursus im Kunstwaschen von 2r ^monatlicher Dauep Endlich wurde vom Winter 1901/02 an gerneinscyaftlich mit dem Kaufmännischen ^Verein ein Handelskursus für Damen eingerichtet, in welchem von Herrn Hauptlehrer Knaus in einfacher Buchführung, Kontorarbeiren, kaufmännischem Rechnen, Schönschreiben, urrd im Gebrauch der Schreib­maschine unterrichtet wird.

Eine neue Ordnung der Unterrichtskurse wurde nötig im Jahre 1902 durch eine Verfügung, welche bestimmte, daß in Gemeinden von mehr als 2000 Seelen an den öffentlichen Schulen nur solche Lehrerinnen zur Anstellung kommen dürfen, die sich einer staatlichen Prüfung unter­zogen haben. Eine der drei zu errichtenden Prüfungskom­missionen wurde nun nach Gießen verlegt. Durch, diese staatlichen Prüfungen, die im Lokal der Schule und im wesentlichen von deren Lehrkräften abgehallen werden, trat somit die Schule zu den staatlichen Unterrichtsbehörden in enge Beziehungen, die aus die weitere Entwicklung der Schule sicher vom wohltätigsten Einfluß sein werden. Diesen Beziehungen entsprang zunächst das erweiterte Unterricksts- programm; es trat dem fünsmonatlichen Kursus zur Aus­bildung von Lehrerinnen cm neunmonatlicher zur Seite für alle die Schülerinnen, welche die staatliche Prüfung ab­legen wollen.

Das warme Interesse, das die Sbadt Gießen von Anfang an für die Aliceschule hegte, bekundete sie im Jahre 1900 durch einen neuen Beweis ihrer Fürsorge, indem sie der Oberlehrerin Frl. Möser die Berechtigung zu einer Pension in derselben Höhe, wie sie die an den städtischen Schulen angestellten ZMndarbeitslehrerinnen genießen, zuerkannte. Für die Altersversorgung der übrigen Lehrerinnen sorgte der Aliceverein selbst, indem er sie in die Kaiser Wilhelm- Stistung einkaufte und die Beitrüge zur höchsten Klasse der Alters- und Jnvaliditatöversicherung für sie übernahm.

Möchte es der Aliceschule vergönnt fein, unter gleichen