Ausgabe 
26.8.1903 Zweites Blatt
 
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mit Mühe in seine Wohnung schleppen. Der deutsche Konsul betrieb die eingeleckete Untersuchung energisch.

lieber London wird noch berichtet, daß vier Kugeln den Missionar ins Gesicht trafen. Auch das Dienstmädchen seiner Gattin und ein Bootsmann wurden verwundet.

Diediordd. Allg, Ztg." bringt bte Meldung ohne Kommentar zum Abdruck. Daraus laßt sich wohl ent­nehmen, daß der Fall keine diplomatischen Weiterungen nach sich ziehen wird. Zum mindesten dürsten genauere Nachrichten, auch über die Sühnemaßregeln der chinesischen Regierung, abgewartet werden.

Doch nicht nur aus dem südlichen, sondern auch aus dem nördlich en China kommen Meldungen vom deutsch- feindlichen Treiben der Zopsträger. Hier sind die deut­schen Telegraphen lini en aus eine Strecke von englischen Meilen zerstört worden. Die im Norden statio­nierte Besatzungsbrigade kann solche Untaten sreilich nicht hindern, da sie auf wenige große Städte verteilt ist; aber die Frage drängt sich auf: würden Nicht schlimmere Untaten sich ereignen, wenn die Anwesenheit der deutschen Soldaten die chinesischen Banden nicht einigermaßen in Schach hielte? Die Zurückziehung oder Verringerung der Brigade dürste unter solchen Verhältnissen kaum geraten erscheinen.

Kirche und Schule.

Vom evangelischen Predigerseminar zu Friedberg. DerFranks. Ztg." wurde unlängst aus Fried­berg geschrieben:

Die Zilstände an dem hiesigen evangelischen Predigerseminar haben sich nachgerade zu einer völligen Anarchie entwickelt. Der Direktor ist seit tangerer Zeit schwer teideiid unO sucht Heitung in einer Anstalt. Die Gründe, die den Ausbruch des leidens m erster Linie veranlaßt haben, liegen an den Zuständen, die an der Anstalt herrschen. Der seil einer Reihe von Zähren dort tätige Prof. S. war s. Z. an die Anstalt berufen worden, um, wie er behauptete, dasBekenntnis" zu vertreten. Tie Art, wie er diesen Auftrag durchführte, brachte es schließlich dahin, daß ihm die Kandidaten offen den Gehorsam aus sagten, ihm nicht nur ausdrücklich in Worten ihre Geringschätzung aus­sprachen, sondern auch seine Vorlesungen beuutzteii, um nicht zuzu­hören. Die Behörde hätte entweder die streikenden Kandidaten entfernen, oder den Professor veranlassen müssen, seinen Abschied zu nehmen. Sie tat weder das eine noch das andere. Die un- haltbarLi Zustände dauern nun schon über ein halbes Lahr, ohne daß zu einer gründlichen Besserung Anstalten getroffen wären. Vielleicht erkennt, wenn es zu spät ist, auch die Behörde, deren bei der Berufung von S. befolgte Politik von Anfaiig an von der Mehrzahl der hessischen Geistlichen mißbilligt worden war, daß m geistlichen Dingen mit der Politik der schwebenden Wage doch nicht auszukommen ist.

Diesen Artikel ließen wir bisher unbeachtet, weil es ihm gar zu sehr an positiven Unterlagen fehlte. Jetzt druckt ihn aber dieN. Friedb. Z." ab und fügt hinzu:

Die Verantwortlichkeit für den Inhalt obiger Notiz muffen wir selbstredend derF. Z." überlassen, als den Tat­sachen entsprechend müssen wir indessen die schon längere Zeil umhergehenden Gerüchte ansehen, daß an dem hiesigen Pre- digerseminar Zustände herrschen, die der Anstalt selbst nichts weniger als dienlich find und eine Aenderung unbedingt er­heischen. Hoffentlich bleibt ein Eingreifen Großherzogl. Re­gierung nicht aus. Wie wir annehmen müssen im Zusam- rnenhang mck dem Gesagten, erscheint nachstehende uns zuge- koinmene 9lotiz:

Predigerseminar Friedberg. Infolge der bedauer­lichen Erkrankung des Herrn Direktor Prof. Dr. Weiffenbach hat Großh. Oberkonsistorium die Verkürzung des Sommer- ferne st ers um 14 Tage und die Entlassung der Kandidaten ohne Schlußfeier angeordnet.

Auch das vergangene Semester hatte ohne Schlußfeier stattgefundeu, wir glauben in beiden Fällen infolge der ge­schilderten Umstände, wie auch eine damals von uns ver- 'iffenllichte Zuschrift aus Pfarrerkreisen vermutete".

Aer Zöarenyausörand in Budapest.

Wie wir gestern mitteilten, ist Budapest der Schauplatz eines schweren Brandunglücks gewesen. Ein großes Waren­haus ging in Flammen auf uud viele Menschen fanden einen, furchtbaren Tod.

Wie aus dem Flammenmeer herausgeschbeudert, fielen aus den oberen Stockwerken des brennenden Hauses mensch^- liche Körper in die Tiefe. So oft ein Körper herabstürzte, ertönte tausendstimmig ein jammernder Aufschrei Um­stehender. Mck. gerungenen Händen oder audgebreiteten Armen um^ Hilfe fieheno erschienen Gestalten, von empor- zuckenden Flammen grauenhaft erhellt an den Fenstern. Wieder unten ein markerschütternder Schrei.Herab­springen" tönt es aus allen Kehlen. Frauen, die bei dem furchtbaren Anblick ohnmächtig werden, rufen um Hilfe, dazwischen schallen die Kommandoworte der Offiziere, die schrillen Signale der Feuerwehr. Nun kam das Schreck­lichste. Wie von einem Höllenseuer beleuchtet, fallen von der Höhe des lichterloh brennenden Gebäudes menschliche Körper schon bald oder ganz verbrannt herunter. Der Sturz wird von neuem Wehgeschrei begleitet. Dann bahnen stch Feuerwehrleute mit leblosen Wesen, die sie in grauen Tüchern auf den Schultern tragen, einen Weg durch die Menge. Es ist ein langer Trauerzug. Plötzlich gellt eine Frauenstimme durch die Lüfte, übertönt den Lärm, das Prasseln der Flammen und die Signale. Ein Mädchen m entsetzlicher Angst um das Schicksal ihrer Schwester' ist wahnsinnig geruoroen. Ein junger Mann, der seine Mutter suchte, schlich an der brennenden Hauptfront des Hauses hin, setzte sich nieder, um nicht gesehen und fort- gennejen zu werden. Er kann nicht mehr denken, jein armer verwirrter Kopf kann nicht fassen, daß es aus dieser Flammenhöhle kein Entrinnen gicbt. Ein Feuer ballen jaust vor thm nieder und erschlägt ihn. Die Leiche wckd von zwei Feuerwehrmännern aufgehoben und davongetragen.

Kaiser Franz Josef besuchte am Dienstag mittag die im Spital liegenden, bei dem Brande Verwundeten und richtete an alle tröstende Worte; dem Oberbürgermeister drückte der Kaiser ]ein tiefes Beileid angesichts des großen Un­glücks aus, das die Hauptstadt in Trauer versetzte. Hierauf begab sich der Kaiser zu Fuß inmitten einer gewaltigen Menge nach b-cin t>r and orte und erkundigte sich, nack) den Lösch- -und Rettungsarbeiten. Er dankte allen, die daran beteiligt waren und richtete an den Oberbürgermeister fol­gende Worte: Ich wünsche, daß die Bau st akuten einer Revision unterzogen werden, damit in Zukunft solche Vorkommnisse verhindert werden; ich wünsche, daß die Entstehungsursache des Feuers gründlich untersucht werde mil festzustellen, wen bic Veranwortung für dieUnterlassung

Die Angestellten des Warenhauses versammelten sich, gestern nachmittag. Es wurde festgestellt, daß keiner ver­brannt ist, mehrere sind allerdings verletzt. Für die Brot­losen wurden Sammlungen veranstaltet

Die seuerpolizeckiche Untersuchung der Brandstätte wurde unterbrochen. Die Besteigung des dritten und vierten Stockwerks ist lebensgefährlich. Auf Anordnung der Po­lizei wird ein Gerüst aufgeführt, das morgen früh fertig sein dürste. Bis dahin ist die Bergung etwaiger Leichen in den oberen Stockwerken unmögliche

Es herrscht große Aufregung über die Art ber Warenhäuser. In dem Goldberger;chen Waren­hause befand sich kein Notausgang und die Treppen waren aus Holz, sodaß sich das Feuer rafcnb schnell über alle Stockwerke verbreiten konnte. Auch die Feuerlchchetn- richtungen waren nicht in Ordnung. Als ein Angestellter die Löschvorrichtungen in Tätigkeit setzen wollte, kam kein Wasser. , . . .

Wie Augenzeugen berichten, waren beim Ausbruch des Brandes etwa 300 Menschen in dem Warenhause. Binnen fünf Minuten hatte das in einem Auslagefenster durch einen elektrischen Funken entstandene Feuer sich ausge- breitet. Nach den bisherigen Angaben werden noch etwa 15 Menschen vermißt, genaues ist aber noch nicht bekannt. Ein Beaniter des Hauses, Alexander Glück, arbeitete im ersten Stock. Er flüchtete, da alle Auswege versperrt waren, ins Kloset, zerbrach dort in der Verzweiflung das Wasser­leitungsrohr, um sich gegen die Hitze zu schützen, und wurde dadurch gerettet. In einer Stunde ist der junge Mann grau geworden. Eine Dame, welche Einkäufe besorgte, wurde von der zum Ausgange stürzenden Menge niedergetreten und verlor das Bewußtsein, wurde aber schließlich schwer verletzt gerettet. Da das Treppenhaus voll Rauch war, flüchtete der größte Teck der Bewohner in die Wohnung des Geschäftsinhabers Goldberger im vierten Stock. Nach der Aussage eines geretteten Dienstmädchens waren dort etwa 15 Personen. Die Möbel begannen schon zu brennen, alles kniete zum Gebet, als endlich die Feuerwehr mit Sprungtüchern kam. 5 oder 6 Personen wagten nicht den Sprung und verbrannten. Leider verunglückten am meisten die Hinabspringenden, weil die Sprungtücher zu klein waren. 9hir 9 Personen retteten sich durch den Sprung, 12 wurden dabei getötet. Wahre Heldentaten verrichtete der Polizei- Inspektor Bockelberg, der durch Flammen und Rauch hin­durch eindrang und sechs Leute rettete. Aehnliches taten ein hauptstädtischer Lehrer und noch andere Herren. Ein Bewohner des Nachbarhauses wollte die in der Nähe seiner Wohnung befindliche Gittertür des Warenhauses, vor der zahlreiche Käufer und Angestellte verzweifelt um Hilfe riefen, sprengen. Ehe er aber eine Axt aus seiner Wohnung holen tonnte, stand schon das ganze" Treppenhaus im Rauch, so daß er >a,rn Eingang seiner Wohnung ohnmächtig nieder­fiel. Dies machte seine Familie aufmerksam, die ihn rasche hineinzog. Durch ein Seitensenster rettete sich bann die ganze Familie in den Hof des Nächst) cuchauses. Ob die im Geschäft um Hilfe Rufenden gerettet wurden, konnte bisher nicht festgestellt werden. Die Ruinen des Warenhauses, dessen Eisentonstruttion vollständig zerstört ist, drohen ein- zupürzen. Der Verkehr auf der überaus belebten Kerepeser Straße mußte deswegen eingestellt werden.

Bet dem Brande find au et) acht Mitglieder der Feuer­wehr mehr oder minder schwer verletzt-

Aus Stiüst uuit Ailw.

Gießen, den 26. August 1903.

Personalnachrichten. LautDarmst. Ztg." ist dem Fmanzminister Dr. Gnauth vom Kaiser der Kronenorden erster Klasse verliehen worden. Se. Kgl. H. der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 8. August dem israelitischen Lehrer Leopold Wertheimer zu Heldenbergen das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen. Das Ehren­zeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ver­liehen durch Allerhöchste Entschließung Sr. Kgl. Hoh. des Grohherzogs vom 1. Juli d. Js. den Mitgliedern der fici- willigen Feuerwehr zu Weisenau: Josef Heller, Komman­dant, und Josef Rauch dort.

** Landesuniversität. Der hierher berufene ordentliche Professor für Landwirtschaft und Direktor des landwirtschaftlichen Institutes, Prof. Dr. Gisevius ist in Königsberg organisatorisch ganz hervorragend tätig gewesen. Auch in Gießen fällt ihm die Ausgabe zu, sich bei der geplanten Erweiterung des landwirtsck-chllichen Institutes zu betätigen. Im Jahre 1858 als Sohn des Landrats Gisevius in Allenstein geboren, besuchte er ba§ Kneiphösische Gymnasium in Königsberg, um dann dort und in Bonn-Poppelsdorf zu studieren. Nachdem er zunächst in Poppelsdorf das kulturtechnische Examen bestanden und in Bonn mit der Dissertation:Beiträge zur Methode der Bestimmung des spezifischen Gewichtes von Mineralien und der mechanischen Trennung von Mineralgemengen" den philosophischen Doktorgrad erworben hatte, legte er 1884 in Königsberg das große landwirtschaftliche Staatsexamen ab, um dann 1895 ebendaselbst auch das exarnen pro sacul- tate doeendi (Oberlehrerprüfung) zu bestehen. Mick)aelis 1886 wurde er Wanderlehrer desO st p r e u ß isch en land­wirtschaftlichen Zentralvereins" und hat als solcher im Winter 1887/88 in dessen Auftrag die land­wirtschaftliche Winterschule in Braunsberg neu eingerichtet. Ostern 1888 an die berechtigte Land­wirtschaftsschule zu Dahme (Mark Brandenburg) als ordentlicher Lehrer, später als Oberlehrer berufen, wurde er 1896 dort zum Direktor ernannt. Arn 15. Mai 1898 er­hielt er einen Ruf an die Universität Königsberg als außerordentlicher Professor und hat hier hauptsächlich die Ausgestaltung des landwirtschaftlich-physio­logischen Laboratoriums und des landwirt- s ch a f t l i ch - b o t a n i s ch e n G a r t e n s zu einem modernen Institut für Pflanzenproduktion, Knlturtechnik und Ma- schckienlehre ins Auge gefaßt, sowie mit Hilfe der Land­wirtschaftskammer die Einrichtung von Feldver­suchen, welche später zur Erwerbung des V er such s- feldesWaldgartensürdie Landwirtschastskammer und die Universität führten. Hier werden neben permanentem Düngungsversuch und Versuchen über Fruchtfolge die Prüf­ung fremder Getreidesorten und die Züchtung ostpreußischer Sorten angestellt. An diese Zentrale Waldgarten für Sortenprüfung schlossen sich Filialen in Ost- und West- pr eu ß en an. So hat die w e stpr e u ß i sche Lan d w irt- schaftskammer 5000 Mk. für das Jahr 1903 zu solchen Zwecken zur Verfügung gestellt. Unter Professor Gisevius Leitung werden diese Filialversuche von praktischen Land­wirten der Provinz W e st p r e u ß e n ausgesührt und die Ergebnisse in Jahresberichten zur Verfügung gestellt. In Ostpreußen hat der In st er bürg er Zentralver­ein für Litauen und Masuren in ähnlicher Weise die Resultate der Wakdgarter Versuche der Praxis näher zu bringen gesucht. Neuerdings sind auch aus Anregung von Professor Gisevius in Ost- und Westpreußen im

Anschluß an diese Einrichtung mit Unterstützung der beiber- fettigen Landwirtschaftskammcrn ein ostpreußischer und em weftpreußischer Saatenbauverein ins Leben gerufen worden, die die Vermehrung guter fremder und einheimischer Sorten in die Hand genommen haben. Gi s e v i n s verfolgte mit der Begründung dieser Saatenbauvereine den Zweck, die D>auer seiner Züchtungsversuche zu gewährleisten, indem er sie von seiner Person unabhängig machte. Heber seinen Nachsvlger ist bisher noch nichts bestimmt.

*'Die Entstehung und Entwickelung der Gießener Tabakindustrie" betitelt sich, wie wir heute berichtigend mitteilen wollen, die Jnaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der philosophischen Fakultät der Ludwigs-Universität, die einen Bruder des früheren Gießener Handelskamniersekretärs, den Handelskammersekretär zu Ulm, Otto Kehrn, zum Verfasser hat.

§ Butzbach, 25. Aug. Heute wurde das Feld- artil lerie-Regiment Nr. 61 in hiesiger Stadt und den Nachbarorten einquartiert. Unser Bataillon (die 168er) hat sich von Mainz aus heute zu den großen Schieß- und Exerzierübungen nach Griesheim begeben. Zum Namenstag unseres Landesherrn hatten einige Gebäude dahier heute Fahnenschmuck angelegt. In Ostheim ist nun mit dem Bau des neuen Schulh auf es am nordöstlichen Orts­ausgange begonnen worden.

W o r m s, 25. Aug. Die hiesige Spenglerinnung richtete an die hessische Handwerkskammer eine Eingabe mit dem Verlangen, Schritte zu tun, damit von allen staatlichen und städtischen Submissionen in Hessen alle Nichthessen ausgeschlossen werden sollen.

GerichtssM.

** Gießen, 25. August. S t r a i t a m m e r. Gegen das Urteil des Großh. Schößengerichls Gießen, das den Mitangeklagten Ehristopy W a g e »i b a ch, Schmiedlehrling in Allen-Buseck, wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung zu 60 Mk. Geldstrafe verurteilte, legte derselbe Berufung em. Tas Gericht sprach ihn aus Grund der heutigen Beweisauinahme von Strafe und Kosten ; r e i. In der Person des Johannes Reuter von Dauernheim stand ein schon vielfach vorbestraftes JndividniMi vor den Schranken des Gerichts. Der Aiigeklagte har sich am 20. Mm l. Js. bei dem Landwirt Lröll in Rairirod verdirigt und erklärt, den folgenden Tag jcmeit Dienst antreten zu ruolien. Daß er zur Zeit noch im Dienst bei Metzgerineister Schlörb in Ulrichsteiii ftaub, verschwieg er. Nach Empfang vorr 1 Mark Draufgeld entfernte er sich, ohne wiederzukehren. Das Gericht verurteilte ihn wegen Betrugs m wiederholtem Rückfalle unter Annahme mildernder Umstände zu 5 Monaten Gefängnis. Die Verhandlung gegen den Maurer­gesellen Kaspar W ä eh t e r X. zu Gambach fand bet verschlossenen Türen statt. Es wird ihm zur Last gelegt, sich gegen § 176 pos. 3 Str.-G.-B. vergangen zu haben. Das Urteil lautet auf Fr e i- s p r e ch u n g mangels ausreicheiiden Beweises. Ter Tienst- knecht Karl Mauer von Schweinsheupten war bei Gutspächter Esan in Großen Bnseck bedienstet. Am 2. Juli l. Js. entfernte er sich unter Mitnahme eines kleinen Geldbetrags, sowie von Pan­toffel, Kragen u. s. w., die den zwei Aiitbedielisteten, mit denen er das Gesindezimmer teilte, gehörten. Er hat diese Sachen aus einem Gebäude mittels Einstelgens gestohlen und sich daher des schweren Diebstahls schuldig gemacht. Das Gericht verurteilte den geftänbigen Angeklagten zu 8 Monaten Gefängnis.

UmverMts Nachrichten.

Die neu errichtete ordentliche Professur für romanische Philologie an der Universität Tübingen wurde dem außer­ordentlichen Professor Dr. V o r e tz s ch in Tübingen, die neu er- richtetete außerordentliche Professur der englischen Philologie dem Lektor Professor Dr. Fran z, und die neu errichtete außerordent­liche Professur für Geschichte dem Profeffor Dr. Kornemann (früher in Gießen) übertragen.

"Kunst und Wissenschaft.

Dr. Theodor Koch vom königl. Museum für Völker» künde zu Berlin, der im April ds. Js. eine Forschungsreise nach den Nebenflüssen des Amazonen st romes an­trat, ist, wie man uns mitteilt, am 10. Juli glücklich in Trinidade am oberen Rio Negro angekommen. Er gedenkt sich von hier zum Rio JsLma und Rio Uaupss zu wenden, wo eine2lnzahl noch un­erforschter Jndianerstämme dem Ethnologen ein reiches Arbeitsfeld bieten. Tie Rio Negro-Reise ist etwa auf ein Jahr berechnet. Wettere Forschungen sollen bann einigen südlichen Nebenflüssen des AmazonetistromeS gewidmet fein.

Kopenhagen, 24. Aug. Der Historiker, Reichsarchivar Bricka, ist geftern gestorben.

Der in Gießen wohlbekannte Schauspiele». R a m s e y e r erzählt in einem Berner Blatt von den Fahrten, die er mit einer eigenen Truppe unternommen. Eines Tages kam er mit dieser in einen Flecken im bernischen Emmental und begab sich zum Herrn Gemeindepräsidenten, um von diesem die Erlaubnis zur Veranstaltung einiger Vorstellungen zu erbitten. Ta maß das würdige Gemeindeoberhaupt den Schauspieler vom Kopf bis zu den Füßen und hielt, nachdem er die Zeugnisse Ramseyers aus verschiedenen schweizerischeii Städten durchgesehen, folgende kurze Ansprache:Säget, schämet Ihr ech jetzt nid, da soga z'schan- spilere, so 'n chräftige Bursch, wie Dir syt? Ganget Ihr ga schaffe V*

Der Wiederaufbau des Eampanile in Venedig ist, wie nach dem BlattAvanti" der Architekt Luca Beltrami, der bedeutendste Fachmann Italiens, behauptet, un­möglich. Die ersten Versuche hätten bereits die Unmöglichkeit bewiesen, auf dem morschen Unterbau den kolossalen Ban des Eampanile wieder aufzurichten. Beltrami sagte, daß durch die Fundamentierimg die umliegenden Ciebäube der größten Gefahr ausgesetzt würden.

In j>em Kampf ums Dasein der Kinder bilden die beson­ders im Sommer aiiftretenden Alagen- und Tarmkrankheiien die schlimmsten Feinde. Ter beste Schutz gegen dieselben ist eine ra­tionelle Ernährung, welche bei möglichster Schonung des Magen- Darmkanals dem Organismus die zu seinem Aufbau notwendigen Nährstoffe znführt und ihn dadurch gegen Krankheit widerstands­fähig macht. Eine solche Ernährung geschieht durch die Tarreich- img von Kufeke's Kindermehl nut Milch, welches die in der Muttermilch enthaltenen Stährstosfe im richtigen Verhältnisse besitzt, die von der Natur nicht für die kleinen Ntenschen bestimmte Kuh­milch durch die Herstellung einer icinflodigen Gerinnung im Ma­gen des Kindes dem kindlichen Verdauungsapparat anpaßt und durch Gehalt an seinen Atiiierall und Eiweißstoffen die Entwickel­ung des Knochen- unb Muskelsysterns auf das Günstigste befördert. ________________________________________ 5528

Mäs und abgeracked

nach vollbrachtem Tagewerk noch irisch und munter ist, meil sie sich durch den Gebrauch von Gioths gemahlener Kernseife mit Salmiak und Terpentin beim Kochen der Wäsche die Arbeit des Reibens fast aus dem Wege geräumt hat. Ein Versuch übcrAcuat Per Packet 15 Pfg. Fabrikant: I. Gioth, Hai,au. 6 9 3735

Wenn auch M engsten berg'» Wegne^i«; eine Kleinig­keit teurer ist, als die gewöhnlichen oder die nur sogenannten Wein­essige, so haben Sie doch von den 10 Pfg. 0 en beHereii a!of)lfleicbmact und feine SJittflenbcidnucrbcn. ' " M- ZMsnÄMsL» MMLvvu Eiten & Keussen, Krefeld.