Ausgabe 
26.6.1903 Erstes Blatt
 
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Segen gesprochen halte, stimmten die Anwesenden das Lied an: Mnogija ljcta (deutsch:Auf viele Jahre"). Der König verabschiedete sich mit den Worten:Mit Gott, Brüder!" und begab sich zur Truppenschau, die bei schönem Wetter stattfaud.

An der heutigen Truppenschau nahmen etwa 5500 Mann teil. Derselben wohnten der östreichische, der ungarische und der russische Militärattachee bei.

König Peter nahm die Demission des bisherigen Ka­binetts an und betraute Awakumowitsch abermals mit der Kabinettsbildung. Awakumowitsch schlug die Beibehalt­ung der bisherigen Regierung vor, was der König annahm. Die Regierung bleibt daher in der bisherigen Zusammen­setzung im Amte. Ter Slönig notifizierte heute allen Sou­veränen und dem Präsidenten dxr französischen Republik seine Thronbesteigung.

König Peter erließ folgende Proklamation: Meinem reuten Volke! Bedeutungsvoll i,st sowohl für mich als das Land der Augenblick, da ich mich zum erstenmale als König an das Serbenvolk wende. Die nationale Volksvertretung hat mich in Uebereinstimmung mit den Gefühlen und Wünschen des gesamten Volkes einmütig zum König von Serbien gewählt. Indem ich die Wahl annehme, habe ich heute gemäß den Bestimmungen der Verfassung vor der nationalen Volksvertretung den Lid als gesetzlicher König von Serbien abgelegt. Jetzt verkünde ich meinem teuren Volke, daß ich von heute in meine töniglichen Rechte und Pflichten trete. Mit Gottes Fügung und des Volkes Willen, womit vor einem Jahrhundert mein Großvater Georg aus­erkoren war, das Serbenvolt in den heiligen Befreiungs­kampf zu führen, bin auch ich aus den Thron des König­reichs Serbien gelangt, in welchem mein Vater, Fürst Alexander, als Erwählter des Volkes sechszehn Jahre lang regierte. Gewohnt, jederzeit aufrichtig offen zu sprechen und zu handeln, bin ich entschlossen, meine ganze Fürsorge der Beglückung und Wohlfahrt des Volkes zuzuwenden. Ich erachte es für meine erste Pflicht, bei dieser feierlichen wichtigen Gelegenheit meiner innersten Ueberzeugung Aus­druck zu verleihen, daß ein Herrscher der Träger der Freiheit und des Fortschritts seines Voltes sein soll. Ich will ein wahrer konstitutioneller König von Serbien fein. Für mich find alle verfassungsmäßigen Bürgschaften der Freiheit und der Vvltsrechte die Grundlage aller regelmäßigen und glück­lichen Entwicklung, sowie allen nat oualen Fortschritts des staatlichen Lebens ebenso viele Heiligtümer, die ich stets sorgfältig achten und hüten werde. Auch verlange ich von allen und einem jeden, daß er dasselbe tue. Von diesen Grundsätzen durchdrungen, überliefere ich die Vergangen­heit der Vergangenheit und überlasse es der Geschichte, jeden nach seinen Taten zu richten. Indem ich den Ueber- lieferungen des serbischen Volkes und der Vorfahren treu bleibe, werde ich mich in der auswärtigen Politik von den traditionellen Bestreben des serbischen Volkes bestimmen lassen und zu gleicher Zeit die freundschaftlichen Bezieh­ungen, welche das Bedürfnis der europäischen Gemein­schaft erfordert, namentlich mit den benachbarten Völkern, aufrechterhalten. Mein tapferes Heer, dem ich meine könig­liche Anerkennung für seine bisherigen Dienste und seine Aufopferung für das Vaterland zolle, will ich auf die Stufe eines würdigen Hosfnungsankers des serbischen Volkes er­heben. Mit diesen Gedanken und Gefühlen empfinde ich vollauf die Größe und Schwere der Herrscherpslichten; doch bin ick) von der aufrichtigen Unterstützung des Volkes über­zeugt. Ich hoffe, daß ich mit Gottes und meines Volkes Hülse Serbien zur Wohlfahrt, zum Fortschritt und zu glück­lichem Gedeihen führen werde.

Von den Gläubigem des König Alexander, der einige Liegenschaften, aber kein Barvermögen hinterlassen hat, find bisher Forderungen in Höhe von 400 000 Francs an­gemeldet.

Aus SIM uni Kani.

Gießen, den 26. Juni 1903.

Nachrichten aus Stadt und Land find uns stets willkommen und werden anzemeycu honoriert!

** Persona lnachrrcht. S. K. H. der Großherzog haben Allergnüdigst geruht, am 20. Juni d. I. dem zweiten evangelischen Pfarrer Dekan Damian Bergmann zu Babenhausen, Dekanat Groß-Umstadt, die erste evan­gelische Pfarrstelle daselbst zu übertragen.

** Provinzial ausschuß. Am Samstag, den 27. Juni, vorm. 8i/2 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungs­gebäudes hier eine öffentliche Provinzialauöschußsiaung mit folgender Tagesordnung statt. 1. Zurücknahme des dem David Kaufmann von Kirtorf erteilten Wandergewerbe­scheins. 2. Gesuch des Heinrich Lautz zu Staufenberg um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft. 3. Klage des Ortsarmenverbandes der Stadt Frankfurt a. M. gegen den Ortsarmenverband Friedberg wegen Erstattung von Krankenpflegekosten für Martin Thomas aus Friedberg, 4. Gesuch des Abraham Hammel zu Nidda um Erlaubnis zur Errichtung einer Fettsiederei: hier: Urteilsverkündig­ung. 5. Enteignung von Gelände für die Nebenbahn Lauter­bachGrebenhain-Erainfeld; hier: Urteilsverkündigung. 6. Klage des Ortsarmenverbandes .Hanau gegen den Land­armenverband Friedberg; hier: Urteilsverlündigung. 7. Ent­eignung von Gelände in der Gemarkung Gießen zum Zweck der Errichtung einer chirurgischen und Augenklinik; hier: Urteilsverkündigung. Wie wir schon beretts berichteten, soll Samstag, den 27. l. M., vorm. 81/4 Uhr i. S. Enteignung des Lampusschen Geländes auf dem Seltersweg ein Augeu- fcheinstermin stallfinden. Wie wir nun erfahren, fällt dieser Termin aus.

** Städtischer Arbeitsnachwei s. Tas Jahr 1902/03 ist füic dm städtischen Arbeitsnachweis in Bezug auf Inanspruchnahme und Zahl der vermittelten Stellen seit seiner Errichtung das beste gewesen, einestclls woh infolge davon, daß das Bestehen des Nachweises durch Ver­teilen von Karten, Veröffentlichung in der Zeitschrift des landwirtschaftlichen Vereins der Provinz Oberhessen usw. den Handwerkern und Landwirten, insbesondere auch der näheren und weiteren Umgebung Gießens bekannt wurde, andernteils aber auch infolge des allmählichen Schwindens des früher bezüglich der Güte und Brauchbarkeit der zu­gewiesenen Arbeitskräfte gehegten ..i,,trauens, insbesondere seitens der Handwerker. Erfreulicherweise wurde der Ar­beitsnachweis im abgelaufenen Jahre auch sehr viel zur Vermittelung von Personen für häusliche Dienste, Dienst­mädchen, Lauf, Putz- und Waschfrauen usw. benutzt. Wenn leider in vielen Fällen die Gesuche um Zuweisung von Dienstmädchen nicht befriedigt werden konnten, so hat das seinen Grund darin, daß trotz der wöchentlich zweimal er­scheinenden Bclänntgabe der offenen Stellen und der Stellensuchenden in ix.i hies en ageszeitungen der Zweck des Nachweisesdie pnentgeliliche Vermittelung von Stellen" gerade den Dienstboten nicht bekannt war. In

den nachstehenden Zahlen fügen wir eine kleine Uebersicht über die Tätigkeit im IcgLn Geschäftsjahr 1902/03 an. 1/. Männliche Abteilung. Gesuche um Zuweisung von Arbeitern 562, Gesuche um Zuweisung von Arbeit 865. Es wurden besetzt 239 Stellen. 2. Weibliche Abteilung. Gesuche um Zuweisung von Arbeitern -136 um Zuweisung von Arbeit 237. Es wurden bejeet 117 Stellen. Im ganzen lagen somit 998 Gesuche von Arbeitgebern und 1102 von Arbeitern vor. Von den ersteren waren von auswärts 186 und von hier ^2 Gesuche. Von letzteren 520 hiesige und 582 auswärtige bezw. zugereiste Arbeiter. Von den besetzten Stellen waren 331 hier und 55 auswärts gemeldet, die 191 hiesigen und 193 auswärtigen bezw. zugereisten Ar­beitern und Arbeiterinnen und Tienstboten zugewiesen wur­den. Auch seit 1. April d. I. ist eine fortdauernde wachsende Inanspruchnahme der Nachweisstelle zu verzeichnen, sodaß zu erwarten steht, daß sie sich bald an die Seite der übrigen Arbeitsnachweise des Landes stellen kann.

** Eine Reformtracht für die Männer ist ohne Zweifel ein wichtigeres Bedürfnis als eine mit den Regeln der Hygiene und der Aesthetik im Einklang stehende Aenderung des Frauenkleides. Tas spürt der Mibtel- europäer sehr merklich am eigenen Leibe besonders zur Sommerszeit. Die Modetorheiten der Frauen mögen noch so wunderliche Blüten getrieben haben, in einer Beziehung sind sie für die Männer unbedingt nachahmenswert, nämlich in der leichten, luf­tigen und duftigen Hellen Kleidung, die unsere Damen mit so großem Reiz und wirklich schöner Ge- taltuna im Sommer zu tragen wissen. Der Manii dagegen hält sich für verpflichtet, selbst bei 30 Grad Celsius im Schatten in gestärktem Oberhemde, schwarzem 'Rock, Cy- linder und Handschuhen oder im Waffenrock mit Epauletten Besuche zu machen. Solche Kleidung sollte nun im Sommer ganz verpönt sein: hell, leicht und lustig sei auch das Kleid des Mannes, steifer Kragen und Manschetten sind eine Last, und wenn auch endlich das faltenreiche, ungestärkte Ober­hemd allgemeine Anerkennung gesunden hat, so muß der törichte gesellschaftliche Zwang in der Sommerlleidung doch noch weiter zurückweichen. Warum sind leinene Hosen und Röcke, die früher selbst der Modenarr nicht verschmähte, in der Gegenwart verbannt? Warum muß unter dem Rock noch eine Weste die Verdunstung des Schweißes hindern? Weiß müßte also auch bei den Männern die Farbe des Sommers, und waschbares englisches Tuch oder Drillich der Stoff fein, der zum Anzug gewählt wird. Einen Ueber- gang nach dieser Richtung scheinen ja die hellen Strand- und Tennisanzüge schon anzudeuten; doch herrscht auch bei ihnen noch sehr mit Unrecht der Wollstoff vor. Zudem trägt man sie meistens nur zu dem bestimmten Zweck, während sie gerade in den heißen Straßen und Häusern au ihrem rechten Platze wären. Es ist zu hoffen, daß die 0 notwendige Reform der Herrenmoden sich im engen An- chluß an die Sportkleidung Bahn brechen wird. Sehr lang- am wird es ja damit gehen, und ehe die neue Tracht ge- ellschaftsfähig ist, werden wir armen Attünner wohl noch manchen Schweißtropfen verlieren.

* Was Du nicht willst, das man Dir tu! Durch die in diesen Tagen vollzogene Reichstagswahl er­innere ich mich eiines spaßhaften Vorkommnisses bei einer Bürgermeisterwa h l in einem Dörfchen des Vogels­berges. Die beiden streitenden Parteien hatten für ihre Kandidaten Stimmzettel drucken lassen und zwar von ver­schiedener Größe. Zwei gegnerische Bauern hatten ihren Knechten die Stimmzettel ihres Kandidaten in die Hände gedrückt. Der Knecht des einen Dauern litt nicht gerade sehr an übergroßer Intelligenz, und sein Herr gab ihm den Stimmzettel seines Kandidaten mit den Worten: Hierschte, Hannes, den wirfste in de Kaste und kahn annern. Loß derr nor niet van Vatter (der gegnerische Bauer) an annern Zeall offärwen." Hannes geht die Gasse hinab, von den Blicken seines Brotherrn verfolgt. An der Sttaßenbiegung aber stand schon Walter, und wohlgefällig lächelnd sagte er zum Hannes:Na, Hannes, woas hoaste dann do firn Zeall, den triefte jo goar niet von dene Wvahl- herrn vabgenomme, der ies jo Die fu klahn; da, do hoaste an grissern." Der Tausch war rasch vollzogen und der ver­blüffte Hannes gibt den Zettel des Gegenkandidaten seines Herrn ab. Zu Hause empfängt ihn sein Herr mit allen möglichen Tiernamen. Hannes aber entgegnet ruhig: Wanns wirrer ies, dann gäbt mer an grüße Zeall, däi llahne nimme net an."

)( Lollar, 24. Juni. Hier ist eine Ortsgruppe des deutschen Flotten Vereins gegründet worden. Sie zählt ungefähr 50 Mitglieder. Zum 1. Vorsitzenden wurde gewählt Stationsvorsteher Köllner, welcher auch die Geschäfte des Schriftführers und Schatzmeisters versieht. Ferner gehören noch zum Vorstand: Kaufmann Johannes Lenz und Maurermeister H. Deibel. Ein G e s ch e n k v 0 u 500 Ai ar k hat Fabrikant Weinrich aus Hersurt dem hie­sigen Turnverein zur Erbauung einer neuen Turnhalle überlassen. Weinrich ist von hier gebürtig und ein Mit­begründer des Turnvereins.

-t- Butzbach, 25. Juni. Infolge Einladung des Pfarrers Loos fand gestern hier unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Küchler eine stark besuchte Versammlung statt, in welcher über praktische Maßnahmen zur Hebung der Wohnungsverhältnisse der minderbemittelten blassen be­raten wurde. Zu der Versammlung war auch Landes- wohnungsinspektor Gretzschel aus Darmstadt erschienen. Terselbe erläuterte in eingehendem Vortrage die hessische Wohnungsgesetzgebung und schilderte die Einrichtung einer g c in c'i n 11 ü $ i g e 11 Baugenossenschaft. In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde allgemein die Gründung einer solchen Genossenschaft befürwortet, es traten hierfür u. a. auch Arbeitgeber und Arbeitnehmer io arm ein. Am Schlüsse der Versammlung erklärten eine größere Anzahl Herren ihren Beitritt zu der zu gründenden Baugenossenschaft. Infolge dieses gültigen Ergebnisses soll bereits iir dEn nächsten Tagen die Konstituierung der Ge­nossenschaft unter Zugrundelegung des Aiusterstatus des Zentralvereins für Errichtung billiger Wohnungen in T ar in­st adt erfolgen.

)( Laubach, 25. Juni. Tie neue Bahnstrecke Laubach-Mücke geht ihrer Vollendung entgegen, sodaß die Eröffnung auf den 1. August festgesetzt worden ist. Gegenwärtig ist man noch mit dem Umbau des hiesigen Bahnhofs und mit dem inneren Ausbau der Stations­gebäude beschäftigt. Bei Mücke wurde ein großer eiserner Steg über den Bahnkörper erbaut. Täglich verkehren bereits Materialzüge. Tie Gesamtstrecke von Friedberg über Hungen und Laubach nach Mücke ist also am 1. August hergestellt.

B. Herbstein, 25. Juni. Ter Haupwerein der Gu sta v - A d 0 l f - S t i f t un g im Großherzoglum Hessen feiert auf Einladung des hiesigen evangelischen KirckMi- vorstandes sein I ah r e s f e st am 7. und 8. Juli in unserer Stadt. Es ist damit zugleich die Einweihung unseres

neu erbauten evangelischen Psarr- und Schulhauses ver­bunden, das die hiesige evangelische Gemeinde unter an­erkennenswerter Beihilfe des Gustav Adolf-Voreins und vieler auswärtiger Glaubensgenossen erbaut hat. Für die Feier ist folgeiides Programm ausgestellt: Tienstag, den 7. Juli nachm. 31/2 Uhr: Einläuten des Festes und Em­pfang der Gäste, 4y2 Uhr nichtöffentliche Sitzung der Ab­geordneten der Zweigvereine zwecks Beratung des Unter­stützungsplanes; abends 8 Uhr. gesellige Vereinigung der Festteilnehmer imDeutschen Haus". Ter Hauptfesttag, Mittwoch, wird mit »Festgeläute und Choralblasen vom Kirchturm eröffnet. Um 1 _>12 Uhr stellt sich der Feprug an der seitherigen Pfarrwohnung auf und bewegt sich zum ü'epgollesdienst, in dem Pfarrer Reinhardt-B.örrstadr die Festpredigt halten wird. Von hier gehrs zum neuen Psarr- und Lchulhaus, woselbst Supeiintendent Pttt-Zcn Tarmpadt die Weihe vollziehen wird. An den Festakt schließt sich ein gemeinsames Essen imDeutschen Haus", wo auch um 4i/2 Uhr eine Nachversammlung stattsindet mit Begrüßungsan­sprache, Gesängen und mu-italischen Darbietungen der Ka­pelle Stumps aus Lauterbach.

R. Lauterbach, 24. 'Juni. Am Montag fand auf dem Hoherodskops die So mm er ko n serenz der Volksschullehrer statt. Tie beiden Reserente,'n be­schäftigten sich mit der Umgestaltung des Unterrichts üi den Fortbildungsschulen. In der sich anschließenden Be­sprechung sprach sich die Versammlung dahin aus, daß es nicht ratsam sei, tüchtige Landwirte zum Unterricht in der Fortbildungsschule heranzuziehen, nach einigen Jahren würde man doch wieder davon abtommen. Man hat in dieser Beziehung bereits Erfahrungen gefammelt; so ver­band man in Schlitz mit der Fortbildungsschule eine Ge­werbeabteilung, an welcher ein Kaufmann über Buchführ­ung, ein Lauaufseher über Baupläne u. der gl. unterrichteten. Die Sache ist wieder eingeschlafen. Auch die Art und Weise, wie man in Langsdorf, Kreis Gießen, die Fortbildungs- schule umgestalten will, sand nicht die Zujttmmung der Versammlung und wurde nicht gebilligt. Aus anderen Kreisen hört man dasselbe Urteil.

R. B. Darmstadt, 25. Juni. In der heutigen Stadtver ordneten sitzung wurde ein von den An­wohnern der Fabrikftraße gestelltes Gesuch, den Namen lieser Straße, der völlig unzutreffend sei, da ;ich seit Jahren keine Fabrik mehr dort befinde, in Moltkestraße um­zuändern, dem Antrag der Hochbaukommission entsprechend abgelehnt. Die ebenfalls gewünschte Weiterführung der Straße bis zur Landwchrpraße soll erfolgen, sobald es die städtischen Interessen wünschenswert erscheinen lassen. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte ,irncr einem Vertrag mit Herrn Prof. Olbrich zu, den an dessen Grund­stück auf der Mathildenyöhe besinolichen, von Prof. Habich ausgeführten Marmorbrunnen für die Stadt zu über> nehmen und denselben mit einem Gitter zum Schutz gegen Zerstörungen zu versehen, ihm auch fließendes Wasser aus der städtischen Wasserleitung zuzuführen.

Kassel, 25. Juni. Dieser Tage ist das Rittergut Falckenberg, eine der schönsten Besitzungen in Kur- Hessen, das der Tochter des jüngst verstorbenen Fürsten von Jsenbur g-Büdingen-Wächt ers- bad), Prinzessin Alexandra gehört, gerichtlich verstei­gert worden. Höchstbietender blieb Dr. Lippoldes-Braun- schweig mit 626 000 Mk.

Vermischtes.

* Leipzig, 25. Juni. Seit heute vormittag 11 Uhr stehen die Mühle, die Tischlerei und die Bäckerei des Kon­sumvereins in Leipzig-Plagwitz in Flammen. Anck ein benachbartes Fabrikgebäude soll vom Feuer, das noch (nach­mittags 1 Uhr) im Wachsen begriffen ist, bereits ergriffen fein. Soweit bisher bekannt ist, sind Menschen nicht ver­unglückt. Die Entsiehungsursache ist noch nicht festgestellt.

* H a m bur g, 25. Juni. Ter Wörmann-DampferLull Bohlen" ist bei der Ausreise an der Liberia-Küste ge­strandet. Die Passagiere sind sämtlich gerettet.

* London, 25. Juni. Ein Franzose Namens Mollcard, welcher früher in dinem französischen Telegraphenamt an- gestellt war, teilt den Fachzeitschriften mit, daß er das Geheimnis der Fabrikation eines neuen Metalles, das er Seliuin nennt, entdeckt habe. Das neue Metall sei geeignet, eine vollständige Umwälzung in der Metallindustrie hervorzurufen. Es sei leichter, härter und dauerhafter wie Al uminium, wäh­rend feine Herstellung 11 mal billiger ist als dieses. Das Metall schmilzt bei 1600 Centigrad Hitze und eignet sich für alle Fabrikationen für Schiffbau, Eisenbahnen, Wasserleitungen 2c.

* Trouville, 25. Juni. Eine Feuersbrunst zer­störte heute die Eisenbahnwerkstätten Coburg. 3000 Arbeiter sind dadurch beschäftigungslos geworden. Ter Schaden wird auf eine Million Franks geschätzt.

* Paris, 25. Juni. Das Verfahren gegen die Ge­liebte des Schriftstellers Prevost, Fräulein Thouret, welche bekanntlich auf Prevost einen Revolverschuß abge­geben hat, ist eingestellt worden.

* Din an t, 25. Juni. Ein in raschem Tempo dahin- fahrendes Atomobil fuhr an einen Baumstamm und zerschellte. Tie Insassen, von Ginsta und Gemahlin aus Jtcllesfeld, wurden herausgeschleudcrt. Ersterer er­litt einen doppelten Beinbruch iuiö innere Verletz­ungen, letztere einen schweren Schädelbruch.

* Wien, 25. Juni. In einem Karlsbader Hotel ver­letzte, wie den Blättern von dort gemeldet wird, der Guts­besitzer August Hoftnann aus Bärwartstein in der Pfalz die Tochter des Kommerzienrats Albert Künlln aus Stutt­gart durch einen Revolver schuß schwer, worauf er sich selbst erschoß.

*Lrebesdrama in Karlsbad. Am Donnerstag gab der Reserveleutnant August Hoffmann vomJvürt- tembergischen Dragoner RegimentKönig" auf die Toch­ter Johanna des Kommerzienrats K ü h l i n aus Stuttgart einen Schuß ab, der die Dame schwer verletzte. Hoffmann, der Gutsbesitzer in der Pfalz ist, war in das Zimmer der Johanna Kuhlin eingedrungen, während diese noch im Bette lag, und schoß nach kurzer Erörterung auf sie. Als der Kellner ins Zimmer trat, hielt er ihm den "Revolver entgegen und jagte sich d a r a u f f c fb fi eine Kugel ins Herz. Tie junge Dame war lungenkrank, was wesentlich zur Abkühlung ihrer vierjährigen Bezieh­ungen zu Leutnant Hoffmann beigettagen haben dürste.

* Lemberg, 23. Juni. In dem Dorfe Kuttczow durchschnitt der Bauer Sicel, der im größten Elend lebte, seinen fünf Kindern im Schlafe die K e h 1 e mit einem Rasiermesser und tötete s i ch dann selbst.

* Temesvar, 25. Juni. In der Ortschaft Coakowa fand ein Kampf zwischen bewaffneten Räubern und Polizisten statt. Ein Polizist wurde getötet, ein zweiter schwer verwundet. Die Räuber entkamen.