Kleid der Rothe stark bauschte, und es erregte bei ihr auch Verdacht, daß sich die Rothe immer so seltsam auf die Seite setzte, als ob sie Blumen nicht rerdrücken wollte. Als die Sitzung beginnen sollte, setzte sich die Zeugin, <5an> tatsrat Philippi und andere möglichst in die Nähe des Mediums und vaßten außerordentlich schürf auf. Jentsch sagte, man solle das Medium nicht so starr ansehen, das störe ihr Gleichgewicht. Plötzlich warf die Rothe dem Jenlscb eine Sicherheitsnadel zu, die zur Erde fiel, sodaß er sieh bückte. Es schien der Zeugin so, als ob das vielleicht ein Tric sei, um sich zu überzeugen, daß auch nicht etwa jemand unter dem Tische sitze. Ter inzwischen verstorbene Mann der Zeuain, der hinter ihr stand, mußte von diesem Platz Weg und sich hinten an den Tisch setzen. Endlich sagten die anwesenden Spiritisten: „Tie Harmonie sei b rgestellt, ein buntes Tuch verbinde alle Teilnehiner", und dann ging auch das Klopfen los. Die Zeugin saß dicht neben der Roche, als sie mit den Apporten begann, fühlte sie deutlich, daß die Rothe an ihrem Kleid wirtschaftete, und die Zeugin hatte die Ueberzeugung, daß sie die Blumen dort hervorzog. Als sie noch näher rüaen wollte, sagte Herr Jentsch: „Frau Amtsanwalt, Sie haben die Harmonie gestört, sie müssen weiter wegrücken!" Ehe Frau Rothe in Trance kam, hatte sic zu der Zeugin gesagt: „Neben Ihnen sitzt eine alte Frau mit einem Kopftuch, die Ihnen wohl will." Das sollte — so sagt die Zeugin — meine Schwiegermutter sein. Na, das war ja richtig, daß diese mir wohl wollte. Meine Schwiegermutter, die schon tui war, trug nach bäuerlicher Art ein Tuch um den Kopf, es ist aber wohl möglich, daß die Rothe ihr Bild an einer Wand gesehen hatte. Die Rothe hat dann auch eine Rede gebalten, in welcher ein alter Bergmann Rüyrsames erzählte. Dann — so fährt die Zeugin fort — hat sie mir gesagt: ßn vier Monaten würde sich etwas Wichtiges ereignen, ich habe aber gesagt: Ach, Mumpitz! Dann hat sic mir gesagt, ich hätte Verkehr mit einer Dame, die es nicht aufrichtig mit mir meint, und vor der ich mich in Acht nehmen solle. Na, ich muß gestehen, daß sie darin Neckst gehabt hat. Sie hat die Betreffende besser erkannt als ich. (Heiterkeit.) — Auf Befragen des Vorsitzenden, warum src sich denn nicht habe untersuchen lassen, erwidert der Angeklagte mit blitzenden Augen und großer Lebhaftigkeit, daß sie sich nicht verpflichtet gehalten, svch von einer ganz gewöhnlichen Frau wie Frau Wehler, welche ihr böses antun wollte, untersuchen zu lassen. „Sie hätte mir oielleichl etwas zu gesteckt, und dann gesagt, sie hätte es bei mi r gefunden!"
Zeuge Schlomker, Sekretär der Landesversicherungsanstalt Brandenburg, ist Schriftführer des Vereins „Eos", und hat drei Sitzungen beigewohut. Als die Rothe Apporte brachte, habe er selbst einen von rhr aus der Lust gegriffenen Mandleller erhalten. Diesen Teller habe sie aus ihrer rechten Hand liegen gehabt, dann habe sie mit der anderen Hand seine Linke ergriffen und sie auf ihre Hand gelegt. Er habe dann ein Kratzen unter dem Teller gehört. Nach kaum einer Minute habe sie ihm den Teller hingegeben, und auf der Papprückseite habe sie eine ringförmig gc- chriebene Schrift gezeigt. Ob die Schrift vorher noch nicht >a war, könne er nicht sagen; es wurde aber behauptet, ie sei unbeschrieben gewesen. Das Pendant zu diesen, Teller erhielt ein anderer Herr. Auch hierbei spielte sich derselbe Schreibapport ab. Nach der Sitzung, »oährend eines gemeinschaftlichen Abendessens, habe die Rothe nach einem Brötchen gegriffen, es seien aber plötzlich Blumen dagewesen, sodaß Frau Rothe sagte: „Ach, lieben Freunde, laßt mich doch essen!" Wie sie essen wollte, waren wieder Blumen da. Damals hatte ich angenommen, daß die Blumen dematc- rialisiert und rcmaterialisiert waren, jetzt sind mir abei Zweifel darüber gekommen. In einer zweiten Sitzung habe die Angeklagte so große Blumensträuße apportiert, daß sic sie unmöglich im Kleide hätte verbergen können. In bei Sitzung bei Frau Beyer habe sie zu Dr. Philippi gesagt: Neben Ihnen sehe ich ein kleines Kind, welches Ihnen Blumen geben will. Tann sei auch ein Strauß Reseda von ihr aus der Luft gegriffen worden; er wisse bestimmt, daß Frau Rothe dabei mit der Rechten nicht nach unten gegriffen hat. Bei den Sitzungen seien nach seiner Ansicht teüierlci betrügerische Manipulationen vorgekommen.
Frau Mittelstädt ist von den vier Sitzungen, die sic mitgcmacht, außerordentlich zustieden gewesen. Frau Rothc hat ihr prophezeit, „sie würde eine sehr schwere Stunde durchmacyen", und wirklich habe sie in diesem Jahre, das heißt zwei Jahre nach jener Prophezeiung, sehr Schweres erlebt. ,^Jch danke Gott dafür, daß ich diese Mahnung bekommen und den Spiritismus kennen gelernt habe, sonst wäre ich heute im Irrenhaus." — Frau Rothe hat, wie die Zeugin weiter bekundet, ihr auch ein Bergißmcin- nichtsträußchen von ihrer verstorbenen Mutter apportiert.
Zeuge Georg Sulzer, Präsident des Kassationsgerichts tn Zürich, bekundet: Tic Rothe sei int Jahre 1899 nach einem Vorort von Konstanz gekommen, und er habe der dort abgchaltcncn Sitzung als Gast beigewoh-nt. Der Zeuge ist Anl>änger des Spiritismus in dem Sinne, daß er an die Existenz der jenseitigen Welt und an die Möglichkeit glaubt, mit der jenseitigen Welt verkehren zu können. Bei jener Sitzung sei die Rothe von einem Tamenkomitee untersucht worden, nachdem schon bei der Ankunft der Rothe und des Jentsch deren Gepich genau untersucht worden war. Man hatte die beiden auch bie ganze Zeit über nicht aus ben Augen gelassen. Bei ber Sitzung habe er einen sehr günstigen Platz gehabt. Frau Rothc ljabe bann plötzlich eine Geisterstimme zu ihm sprechen lassen. Es war, wie er deutlich erkannte, eine Verwandte von ihm, die ihm ecwas sagte, was ibn höchlichst in Erstaunen sitzen mugte, beim es traf wirklich zu. Es sei liämlich wahr, daß er sich längere Zeit vom christlichen Glauben abgcwendet gehabt habe und bann aber wieder zu ifym zurüagckehrt war. Tas habe bie Rothc unmöglich wissen können. Tann sagte bei Geist noch etwas, waS noch viel Wunderbarer für ihn war, denn auch dies traf zu. Der Geist sagte nämlich: Tu hast vor einiger Zeit für Deinen Vater gebetet und ich sage Dir, daß eS ihm wohlgcian hat. Taun habe sich ein Geist durch Klopfen angcmelbet, und zwar kamen bie Klvpstönc mitten aus bem Tisch. Tann sagte bic Rothe, sie sehe einen Geist hinter dem Zeugen stehen, und es wurde durch Belagen fesigestellt, daß es der Geist seiner verstorbenen Frau ei. Die Rothe jagte, der Geist Halle die rechte Hand auf eine linke Schulter und dies fei für ihn besonders überzeugend gewesen, denn längere Zeit vorher habe ihm ein anderes Medium genau dieselbe Stellung eines UteiftcS hinter ihm angegeben, das Medium habe gesagt, daß der Geist nicht wünsche, genannt zu fein, er habe aber auch damals die Uebcrzcugung gehabt, daß eS seine Mutter war. Ter Zeuge beschreibt bann weiter bie Apporten, die in jener Sitzung sehr zahlreich gewesen seien. Jeder Angehörige habe Apporten beiommem Tas Zimmc. war dabei hell. Man konnte deutlich sehen, daß die Rothe bic Blumen tmä der Luft holte. Augar den D.umcn kamen auch noch
Bijouteriewaren. Auch das Beschreiben unbeschriebener Blatter schildert der Zeuge auf Grund von Notizen, bie er sich batüber gleich hinterher gemacht hatte. Er selbst unb Tr. Faßbenbcr aus Zürich hätten Blätter hingereicht, bie unter bcr Hanb ber Rothe beschrieben wurden, obgleich mehrere Personen, unb unter ihnen ein Skeptiker, bie Haube auf Frau Rothes Hänbcn hielten. Den Trancezustand der Rothe hält ber Zeuge, ber übrigens bemerkt, baß er kurz- [idjtig sei, für burchaus echt. Etwa zwei Jahre kamen bie Rothe und Jentsch auf seine Einladung nach Zürich, hielten sich dort etwa 11 Tage auf und hielten mehrere Sitzungen in seiner Wohnung ab, welchen auch Professor Tr. Sellin beiwohnte. Er wollte gleich bemerken, baß es sich herausgestellt hat, baß Jentsu) unb Frau Rothe bie Blumen, bic sie später in bcr Sitzung apportierte, in einem Blumenlaben in Zürich gekauft hatte. Vor ber Sitzung sind sowohl Frau Rotl/e als auch Jentsch genau untersucht worden, und der Zeuge hat einige Tage nachher über bie Untersuchung ein genaues Protokoll ausgenommen. In ber ersten Sitzung war es sehr ausfällig, bay bie Rothe zwei anwcsenben Damen, bie sie absolut nicht tannte, sagte, daß sie chre Kinder verloren hätten. Ja, sie hat sogar den Namen der Kinder genannt. Was bie Apporte betrifjt, so hat ber älteste Sohn des Zeugen zu seiner großen Ucber- raschung eine vollständig frische Seerose erhalten, die bekanntlich sehr bald verwelien. Eine Dame erhielt ein vollkommen taufrisches Blatt von Farrenkraut. Auch mehrere ganz frische '«Kojen wurden apportiert und zwar ^-xcmplarc einet besonderen Art, deren Seil mit kleinen Dornen besetzt ist. Er habe diese Rosen genau betrachtet und ge,ehen, dag auch nicht ein einziger Dorn verletzt war. Das sei un- möglich, wenn sie bie Rosen in ihren Kleibern verborgen gehalten hätte. Wenn er nun später erfahren, baß Frau Rothe bie Blumen vorher in einem Blumenlaben getaufi habe, so müsse er sagen, er stehe vor einem Rätsel. Er könne nur annehmen, daß Frau Rothe in einem Doppel- bewußtsein angetaujt, sie zunächst dematerialisiert unb dann remateriali|iert habe. Ter Zeuge hat die von Frau Rothc apportierten Blumen und Farrenlruuter in gepreßtem Zu lianbe mitgcbracht. Aus der zweiten Sitzung berichtet der Zeuge, bag seine verstorbene Frau butch den Munb bei Frau 9iotlje zu seinem Sohne gesprochen habe, nachbem eine ganz taufrische Rose in getniaiem Zustande zu Boden gefallen war. Seine Frau hieß Anna, und sie sagte durch oen Mund der Rothe: Anna hieß ich, Anna hieß sie, sie ist nicht für Tich bestimmt, schlage sie Dir aus dem Kopf: Sein Sohn sei sehr bleich geworben unb habe ihm bann gestanden, baß er em Verhältnis habe, sich dieses aber nun aus bem Kopf schlagen werde. Ferner berichtet der Zeuge, daß er unter anderem auf der Hand plötzlich vier nebelhafie Punkte bemertt habe, bie sich bann zu Bonbons verdichteten, auf denen das Wort „Staube" eingepreßt stand. Eine andere Sitzung ist nicht recht gelungen. Man hatte, ohne daß er davon bis dahin Kenntnis eryalten hatte, herausbekommen, daß die Blumen vorher gekauft waren, und zu der Sitzung waren Personen gekommen, die nur darauf lauerten, die Rothe ab absurdum zu führen. Außerdem hatte ein Gewitter stattgefunden — kurzum, bie Apporte wollten nidji recht kommen. Der Zeuge bemerkte, baß Frau Rothe o|i an ihrem Kleid herumwirtschaftete, und es klappte nich. alles so wie sonst. Immerhin produzierte die Rothe aua, noch verschiedene Blumen. Die Rothe unb Jentsch seien von britien Personen über ben Anlauf ber Blumen zui Rede gestellt worden. Als Erklärung sei gesagt worden: die Geister lännken nur ben Astralleib der Klothe benutzen, sie könnten, da es sich ja nicht um Blumen handele, bic auf ber Wiese wachsen, diese doch nicht stehlen, sie mußten also getauft und buinatcruiiifiert weroen. — Aus s2kfiagen des Staatsanwalts bestätigt der Zeuge, daß er bie Hypothese vom Astralkörper für möglich Halle. Der Zeuge erzählt ferner von den später abgeyalienen Sitzungen. Fe au Rothc sei bei einer dieser Sitzungen von zuveclafsigen Personen genau untersucht worden. Es haben in jener Sitzung dann erstaunliche Apporte stattgcfunoen, er habe gesehen, daß sich bie Blumen langsam aus ber Luft herao,entten; es fei ausgcschlossen, bap die Blumen in bie Lust geworfen jein konnten und nun herab sielen. Ich habe da,ür nur die Erklärung der Demalerialisation. Die Blunien lösen sich in Atome auf, sodaß sie nicht mehr sichtbar sind, der Hellsehende sieht sie in nebelhafter Form, oann verdichten sie sich, sie find Plätze ich da unb zwar ganz taufrisch.
Rechtsanwalt Dr. ^H.Re: Herr Zeuge, was verstehen Sie unter visionären Geistererscheinungen? — Z.uge: Rach meinen Auffassungen sind es Erscheinungen, bie tat sächlich voihanbeil j mb, au ec nur vorn Medium gesehen werden. — Verteidiger: Halten Sie es für ausfallend, daß die Angeklagte die Aeußerungen ber Geister ui ihrem eigenen Dialekt roiebergiebt? — Zeuge: Nein. Nach meiner Auffassung hat sie aud) Eigentümlichkeiten ber verschiebenen leister miebcrgegeben. Es handelt sich um Ersd)einungen, bie von Den visionären Geistererscheinungen zu trennen siub. — Oberarzt Dr. Henneberg: Die Angeklagte hat erklärt, baß sie sich nicht nur bei ihren Reben, fonbecn aud) währenb ber Apporte im Trancizustand befunden habe. War dieser Zu stand bei ihr äußerlich wahrnehmbar ? — Zeuge: Ja, Haupt- lächlich an ihrem Blick. — Rechtsanwall Tr. Schwinot: Stammen bie apportierten Seerosen nicht aus bem Züricher See? — Zeuge: Nein, aber es ist festgestellk, baß sie aus einem Blumengeschäft in Zürich stammen.
Hierauf tritt die Mittagspause ein.
Nach ber Pause stellen die Verteidiger ben Antrag, bie Stenogramme über bie große Schlafrede, welche die Rothe in bcr E Harris gehalten hat, zur Stelle zu bringen.
<^uü yniiil unb iunö.
Gi c hen, 26. März 1903.
— Personal - Nachrichten. Ernannt wurde am 21. März bS. Js. ber Oberlehrer am Gymnasium unb bcr Realschule zu WormS Professor Dr. Hermann Schäfer zum Direktor bcS Schullehrer-Seminars zu Friebberg mit Wirkung vom 16. 'April 1903 an. — In ben Ruhestand versetzt wurde am 23. März ds. Js. der Oberlehrer an der Realichule zu Alsfeld Dr. Georg Jacob auf sein Rach- juchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit mit Wirkung vom 1. April 1903 an. — AuS dem Schuldienst entlassen wurde am 20. März b. I». bcr Lehrer an Der Realichule zu Heppenheim Wilhelm Holzamer auf fein Nachsuchcn nut Wirkung vom 1. April 1903 an. — In ben Ruhestand wurde versetzt der StationSassistent m der Hessisch- Preußischen Eisenbahngemeinschaft Kaspar Schar mann zu Reu-Isenburg nut Wirkung vom 1. April d. I. an. — In den Ruheiiand wu.de versetzt am 21. März der KreiS- schulinspektor bei bcr Slrcidid)iufommilfion £arrj|iabl Schulrat Georg Philipp Müller auf fein Rachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom
16. 9lpril an. Verliehen würbe ihm bei dieser Gelegenheit bie Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse bcS Verbienstorbens Philipps bes Großmütigen.
— Versetzung. Oberstleutnant Freiherr v. Nor- mannn, Kommandeur des GcndarmericdistriktS Oberhessen, ist, wie wir hören, vom 1. April ab als Kommandeur des Distrikts Rhembcssen nach Mainz versetzt worden. An seine Stelle tritt Major Zahn aus Darmstadt. Der bisherige Romnianbeur in Mainz, Oberstleutnant ©ul(mann tritt in den Ruhestand und siedelt nach Gießen über.
— Der Landessynodalausschuß, ber bie z. Z. nicht versammelte evangelische LandeSsynode des Großherzog, lums Heften vertritt, hat, wie wir erfahren, einmütig be» schlossen, feine volle Zustimmung zu ben von bem Cbcrfon» fiftorium gegen bic ganze ober teilweise Aufhebung beö Jesuitengesetzes bei ber Großh. StaatSrcgicr- untemommenen Schritten auszusprechen. Bei bieser Gelegenheit möge auch barauf hingewiesen sein, daß die Landessynode selbst früher bereits zu wiederholten Malen zu dieser Frage Stellung genommen und sich auf das entschiedenste gegen die Aufhebung des genannten Gesetzes ausgesprochen hat.
• * Allgemeiner Verein für Armen- und Krankenpflege. Auf die morgen, Freitag den 27. März, nachmittags 5 Uhr, im oberen Konfirmandensaal (Kirchstr. 9) Üattfindende Generalversammlung des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege wollen wir auch an dieser Stelle noch einmal aufmerksam machen. Der übliche schlechte Besuch solcher Versammlungen ist zwar ein ehrendes Zeichen des Vertrauens zu der Leitung des Vereins, ist aber gerade bei einem Verein, der sich großen öffentlichen Ausgaben wid- inet, sehr schädlich. Er kann nämlich diese Aufgaben nur dann erfüllen, wenn er von einem weitgehenden Verständnis und der allgemeinen Teilnahme aller Bevölkerungskreife getragen wird. Das war zur Zeit der Gründung des Vereins erfreulicherweise der Fall. Seitdem sind viele Nlltglieder gestorben oder verzogen und die an ihre Stelle tretenden haben oft keine Ahnung davon, was der Verein will und leistet. Auch solche, von denen man cs ihrer Gesinnung nach anders erwarten könnte, verweigern einen Beitrag und entziehen sich der Rtitarbeit. Ein recht zahlreicher Besuch der Versammlung ist deshalb dringend zu wünschen.
* * Ba hnsteigsperre. Dem neuerdings aufgetauchten Gerücht über die Einführung der Bahnsteigsperre auf den Oberheffischen Bahnen Gießen—Fulda und Gießen—Gelnhausen vom 1. Mai ab, liegt feine sichere cnbgdtige Bestimmung zu Grunde.
• • Sel bstmord. Ter Arbeiter Röder, bcr kürzlich in ber Kaserne auf seine Frau geschaffen hat, beging heute Nacht im Arresthaus Selbslmorb burch Erhängen.
• * Brief marken »Sport. In ber vergangenen Woche grünbete sich im Eafö Ebel eine freie Vereinigung ber Briefmarkensammler. Zweck betreiben ist, in unserer Stabt eine Tauschgelegenheit für bie Sammler von Briefmarken zu ichaffen.
** Freiw. Gail'fchc Feuerwehr. Am Montag- abenb fanb bei Kamerab Sauer bie orbentliche Hauptversammlung ber Frciw. Gail fchen Feuerwehr statt. Aus ben gegebenen Berichten kann entnommen wcroen, baß bcr bcr- zeitige Stanb bes Korps ein sehr guter ist unb baß bcr Besuch ber vorjährigen Hebungen recht zahlreich unb zufricbeu- stellcnb war. Der seitherige Vorstaiib würbe, mit Ausnahme bes 2. Obmannes ber Hybrantenmannschaft, wieber- gewählt.
-i- Friedberg, 26. März. Die Männergesangvereine .Concordia" und „Eintracht" haben sich zum Riännergesang- oerein „Harmonie" vereinigt. Der Rtännergesangverein „Frohsinn" hat seinen längjährigen Präsidenten Hecht zum Ehrenpräsident ernannt und ihm em Ehrendiplom überreicht. Der genannte Verein besteht 50 Jahre.
Mainz, 25. März. Bei einem Arbeiter fand man bei vorgenommener Haussuchung Sachen, die er sich unrechtmäßiger Weise angeeignet hatte. Während die Polizei noch mit Suchen beschäftigt war, begab sich der Arbeiter auf den Speicher. Als man nach etwa acht SDlinuten den Mann suchte, hing er bereits entseelt auf dem Speicher. In seiner Behausung fanden sich Materialien aller Art, wie Kordel, Bänder, Lederstücke, Abfälle, Bleistifte und teilweise ganz wertlose Gegenstände vor, die er schon seit einiger Zeit entwendet haben muß. Da er an keinerlei Verwertung der gestohlenen Sachen dachte, scheinen seine Veruntreuungen offenbar auf Kleptomanie zurückzufuhren zu sein.
fc. Frankfurt a. M., 2Ö. März. In einem Wage». 4. Klaffe genas gestern abenb wahrend bcr Fahrt von Höchst a. M. nach Frankfurt a. M. eine Näherin aus Nied ein.s gefunben Änäbleins, beffen Vater irgendwo Vater- lanbsvertcibiger ist. Tie junge Mutter hatte sich um vier Wochen verrechnet. Aus bem hiesigen Ha.tp.baynooi nahm bie Rettungsgescllschaft Mutter uno Kind in Emp,ung und beförderte fic in bie Entbinbungsanstalt.
Frankfurt a. M., 25. März. Nach bem nunmehr festst.hcnben Haushaltsplan j inb b i e städtischen Steuern für bas Jahr 1903 wie folgt festgesetzt: Einkommensteuer: für Einkommen von 901 bis :,()JU Mk.: 70 Proz. der Staatsstcuer, von 3001 bis 6000 Mk.: SU Proz., von 6001 bis 10 500 Mk.: 90 Proz., für alle Einkommen über 1030J Mk: 10) P .z b r Staats..u r > rn r Haussteuer 100 Proz., Gewerbesteuer lüu Proz. Nur hi oen neu eingemeinbeten Vororten best.hen noch einige beson- bere Zuschläge zu ben birclien Steuern. Ein Oktroi besteht, mit Ausnahme ber Gctränkestcuer für bas cinge- mc.nbetc Boacuh.im. nickst Wie sich aus bieser Zufammen- stell.ng crg b., s N) d.e S t e u e r zu s .äg n Frankfurt ro c 11 a u s_b i e nieoribl.en a.lcr preußischen großen Stäbte. Wir freuen uns, bag cs uns gelungen ist, aud) in biefem Jahre beit Hausyaltspian auf Grunb bieser mäßigen Steucrzuschläge 'm» Gleichgewicht zu bringen.
ft a |J e 1, 25. Mär». Der seinerzeit unter bem Verbachte eines wiber seine Braut unternommenen Morboer- suchcs verhaftete Unteroffizier Degen vom 14. Husarenregiment war feit kurzem roicbcr aur ficüm Fuße gesetzt worben. Am Sonntag inbessen erfolge seine aoer» malige Verhaftung; es scheint also boch, bag bic An- llagecthebung erfolgt ist unb baS Kriegsgericht brr 22. Division mit ber Ang.legenhrit befaßt weroen ioüb.
Kleine Mitteilungen auS Hessen unb ben Nachbarstaaten In unserer gestrigen Notiz auS Friedberg octref'cno Dl'mbcnanstatt ist ein Truafchler unterlaufen: statt „liebernayme durch bie Stabt" muß es


