Ausgabe 
25.8.1903 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

Dienstag 25. August 1903

153. Jahrgang

Teil: P. Witiko: Mr , Stadt und tianir und .Gettchtssaatt. August Götz, Mr den An­zeigenteil: Pan« Beck,

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen

Nr. 198

Erscheint tägltft außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'sehen Untvers.-Buch-u.Stem« druckerei (Pietsch Erbens Redaktion, Expedition und Druckerei:

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auSwättS 20 Psg,

Z>er Kaiser in Mainz.

Die Stadt bietet ein festliches Bild. Fast die meisten Häuser haben geflaggt und viele, darunter auch manche Ge­schäftshäuser, außerdem für eine besondere, mitunter sehr schöne Ausschmückung Sorge getragen. Der WeinwirtMon­dri on auf dem Schillerplatz begrüßte den Monarchen mit folgenden Versen an seinem Hause:

Du edler Herrscher, sei gegrüßt, Heil Dir auf allen Wegen, Es fliegen Dir im goldnen Mainz Die Herzen stets entgegen.

Dem goldnen Mainz scheint Glück zu blühn, Dem Kaiser gesällts immer mehr;

Am End' noch kündigt er in Berlin Und zieht dann ganz hierher.

Es tranken einst die alten Germanen An den Usern des grünen Rheins. Die Jungen hier folgen ihren Ahnen, Auch sie trinken immer noch eins.

Während das Ulanen-Regiment schon seit einigen Tagen hier weilt und hier und Kastel untergebracht ist, trafen heute früh die Regimenter Nr. 115, 116 und 168 ein und zogen mit klingendem Spiel nach dem großen Sand, wo an der Truppenschau heute 21 Bataillone, 10 Eskadrons und neun Batterien teilnahmen. Folgende Truppen exerzierten: die 41. Jns.-Brig. (87er und 88er), die 21. Kav.-Brig. (Husaren 13 und Ulanen 6), die Feldart.-Regt. Nr. 27 und 63, die 49. Jns.-Brig. (Regimenter 115, 116 und 168), das Jnf.-- Regt. Nr. 117, die Unteroffizierschule Biebrich, das Fußart.- Regt. Nr. 3 (G.-F.-Z.) und das Pionier-Batl. Nr. 12.

Ueber die Truppenübungen schreibt dasMainz. Dgbl.": Als Ordonnanzoffizier meldete sich beim Kaiser Oberleutnant Schröoer vom 116. Regiment. Sofort nachdem der Kaiser aus dem Uebungsplatz eiu- traf, wurde ihm und dem Gefolge die Fronttapporte über­reicht, worauf sofort das Exerzieren der 6. Ulanen begann. Tie Ulanen führten zunächst den Parademarsch aus und dann verschiedene KavÄlerieübungen, die mit einer schneidig gerittenen Attacke endeten. Nach der Kritik nahm das Ge­fecht seinen Anfang. Auf der einen Seite standen unter dem Kommandeur der 41. Jnfanteriebrigade, Generalmajor 0. Wachter, die Infanterieregiment er 87 und 88, die 1. und 5. Eskadron der 13. Husaren und die 1. Abteilung des 27. Artillerieregiments Gegner waren unter dem Kommandeur des Infanterieregiments Nr. 117, Oberst von Gersdorff, dessen Regiment, die zweite und dritte Schwadron der 13 er Husaren und die zweite Batterie des Artillerieregiments Nr. 63. Der Angriff und die Durchführung des Kampfes bildeten J>ci dem goldenen Sonnenschein, der über den großen Sand flutete, ein überaus eindrucksvolles Bild rriegerischen Lebens, besonders als es mit klingendem Spiel, unter dem Geknatter der Gewehre und dem Donner der Geschütze zum Sturmangriff ging. Als Schiedsrichter waren tätig: Generalmajor von Pachplcke, Generalmajor von Kanitz, Generalmajor Freiherr von Ledebour und Oberst Schneider vom Artillerieregiment Nr. 21. Mit einem Sturmangriff fand das interessante Gefecht seinen Ab­schluß. Während dann die Kritik tätig war, und sich die Truppen mit dem Rücken nach der Jägerschanze und mit der Front nach Mombach aufstellten, wurde die strenge bis dahin gehandhabte Absperrung aufgehoben und das nad); Tausenden zählende Publikum zum Paradefeld zuge­lassen.

An die Gefechtsübung auf dem großen Sand schloß sich ein Parademarsch, an dem die Jnfanterieregimenter Nr. 87, 88, 115, 116, 168 und 170, die Unteroffizierschule Biebrich, das Artillerie-Regiment Nr. 3, das Pionier-Ba­taillon Nr. 21, das Husarenregiment Nr. 13, das Ulanen­regiment Nr. 6, das Feldartillerie-Regiment Nr. 27 und die zweite Abteilung des Feldartillerie-Regiments Nr. 63 teilnahmen. Der erste Vorbeimarsch, erfolgte in Kom­pagnie- bezw. Eskadron- und Batteriefront, der zweite Vvr- beimarsck) in Regimentskolonnen. Die berittenen Ko­lonnen gingen im Trabe vorbei. Beidemal führte der Kaiser das Gießener 116. Regiment, dessen Uniform er trug, und der Großherzog das 115. Re­giment vor.

Ein Privattelegramm aus Mainz meldet uns folgendes:

Seine Majestät hat gestern zweimal das 116. Regi­ment vorbeigeführt und seine vollste Zufrieden­heit über bie Haltung des Regiments ausgesprochen. Seine Majestät hat der 8. Kompagnie das Kais er - abZeichen verliehen. Die Haitptleute Mohr, Hoß und Großmann erhielten den Roten Adler-Orden 4. Kl. Oberlt. Schröder im Regiment 116 den Kronen-Orden.

Nach dem Parademarsch bildeten die Truppen Spalier. Der Kaiser und der Großherzog setzten sich an die Spitze der Jahnenkompagnie und der Standarteil-Eskadron, die vom 116. Infanterie-Regiment und dem 6. Ulanen-Regi- ment gestellt wurden, und führten unter dem Geläut der Glocken sämtlicher Kirchen von Mainz und dem Jubel einer zahlreichen Menge die Fahnen durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt nach dem Groß herzoglich en Schlosse. Nach Einbringung der Fahnen begrüßte Oberbürgermeister Dr. Gaßner den Kaiser im Vestibül des Schlosses namens der Stadt Mainz. Der Kaiser dankte in wannen Worten. Die beiden Töchter des Oberbürgermeisters überreichten dem Kaiser und dem Großherzoge Blumeilsträuße. Hieraus fand im Großh. Schlosse eine Fr ü h st ü ck s t a f e l statt, an der außer den anwesenden Fürstlichkeiten das beider­seitige Gefolge, die Generalität, der hessische Staatsminister

Dr. Rothe und die höheren militärischen Chargen teil­nahmen.

Bei der Frühstücks täfel saß der Kaiser zwischen der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und S. K. H. dem Groß her zog. Neben dem Großherzog saß Prinz Fried­rich Karl von Hessen, neben der Prinzessin Prinz Andreas von Griechenland. Gegenübler dem Kaiser saß der hessische Hofmarschall v. Westerweller. Die Tafelmusik führte die Kapelle des 117. Infanterieregiments aus.

Nach dsr Tafel besichtigte der Kaiser mit dem Groß­herzog und den anwesenden Fürstlichkeiten die unlängst eingeweihte neue Chriftuskirche, zu welcher der Kaiser seinerzeit einen namhaften Beittag gespendet hat. Der Kaiser besichtigte das Gotteshaus unter Führung des Geh. Kirchenrats D. Frohnhäuser und des Architekten Fredriks- sohn. Insbesondere betrachtete der Kaiser die elektrische Beleuchtung der Kirche und die vom Großherzog gestifteten Altar- inrt) Kanzel-Paramente, sowie die Sakristei, die Tauf- kapelle und die Pfarrhäuser. Während des Aufenthaltes des Kaisers wurde die Orgel'gespielt. Der Kaiser sprach sich über den Bau und die Ausschmückung sehr lobend ans.

Er begab sich darauf unter Führung des Großherzogs und der Fürstlichkeiten zum Bahnhof nrld fuhr um 3 Uhr 15 Minuten mit Sonderzug nach Cronberg. Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen fuhren mit dem Kaiser im Sonderzuge. Aus dem hiesigen Bahnhof waren zur Verabschiedung die Spitzen der staatlichen, städtischen und militärischen Behörden erschienen.

Es sind noch, folgende Ordensausze i ch n u n g e n ver­liehen worden: Staatsminister Rothe bekam den Roten Adlerorden 1. Klasse; Herzog v. Urach, Kommandeur des 6. Ulanen-Regts., das Großtteuz des Roten Adlerordens 1. Kl. mit Eichenlaub; der Kommandeur der 25. Division Frhr. v. Gall und der Kommandeur der 21. Division v. Hagen erhielten den Stern zum Roten Adlerorden 2. Ä. mit Eichenlaub und der Kommandeur der 41. Brigade Generalmajor v. Bredow, sowie der Kommandeur der 49. Brigade Graf Kanitz den Roten Adlerorden 2. Kl. mit Eichenlaub.

S. K H. der Großherzog bleibt noch bis morgen mittag hier, um sich alsdann direkt in das Manöverfeld bei Friedberg zu begeben.

Ker Kaiser in Kronberg.

Cronberg, 24. August.

Der Kaiser ist 4 Uhr 47 Minuten von Mainz hier eingettoffen. In seiner Begleitung befanden sich das Prin­zenpaar Friedrich Karl von Hessen, sowie das persönliche Ge­folge. Am Bahnhof waren zur Begrüßung erschienen der Landrat des Obcrtaunustteises Regierungsrat Ebbinghaus und die Stadttäte von Cronberg. Die Feuerwehr-, die Militär-, Krieger- und Schützenvereine und die Schulen hatten Aufstellung genommen. Die Auffahrt nach. Schloß Friedrichshos erfolgte in drei Wagen durch die Qrtssttäßen von Cronberg. Im ersten Wagen saß der Kaiser mit seiner Schwester. 10 Wagen und vier Reichferde aus dem kaiser- lichen Marstall sind hier eingettoffen.

Der Kaiser nahm bald nach seiner Ankunft in Schloß Friedrichshos bei Cronberg den Tee ein und spielte dann mit seiner Schwester und seinem Schwager Lawn-Tennis. Als Schloßwcvche ist eine kombinierte Kompagnie des Hom­burger Füsllierbataillons aufgezogen und ein Beritt von 20 Husaren der 13. leistete ums Schloß Pattouillendienst. Dem führenden Offizier, Hauptmann Frhrn. v. Lüttwitz von der 11. Kompagnie des 80. Regts., gab der Kaiser sofort Befehl, die Husaren in den Stall zu schicken. Es genüge die Gendarmerie. Vom Flaggensttick des Schlosses weht die Kaiserstandarte. Cronberg ist von Fremden außerordentlich gut besucht.

An der »aus 16 Gedecken besteherrden Abendtafel, die um 8 Uhr begann, nahmen außer dem Kaiser und dem Prinzenpaar das beiderseitige Gefolge teil, sowie auch Bau­rat Jacoby, Oberbürgermeister v. Marx-Homburg und der Führer des Wachtkommandos, Hauptmann v. Lüttwitz, und Oberleutnant v. Holzhausen.

Cronberg, 25. Aug. (Originaltelegramm des Gieß. Anz.) Heute vormittag ritt der Kaiser mit dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen nebst Gefolge nach der Saalburg. Wagen zur Rückfahrt waren vorausgefahren. Das Frühstück nahmen die Herrschaften beim Oberbürgermeister v. Marx in Homburg ein. Nach der gestrigen Abendtasel unterhielt sich der Kaiser eine Stunde lang mit Baurat Jakoby und ernannte ihn zum Geheimrat.________

Volitische Tagesschau.

Die Spezialschiffe.

Man schreibt uns aus Berlin:

Zur Bewilligung von Schiffsnertbauten über den Rahmen der durch das Flottengesetz feftgelegten Forder­ungen hinaus bestand im alten Reichstag wenig Neigung. Tas machte sich fühlbar bei den Versuchen der Marinever­waltung, den Bestand an Sp e zi a l s chi f f e n auszufrischen, die teils dem Vermessungsdienst, teils Versuchs­zwecken der verschied-ensten Art oder audi dem Schutz der Hochseefischerei dienen. Im allgemeinen finden hierfür ja Fahrzeuge Verwerrdung, die für den Frontdienst nicht mehr brauchbar sind. Doch das Sparjamkeitsprinzip läßt sich nur' bis zu einem gewissen Grade eüihalteu. Bei den Ver- messmlgsschifsen z. B., die auch in ausländischen Gewässern tätig sind, ist eine Erneuerung des Materials am Ende unvermeidlich, soll Deutschland nicht hinter anderen Staa­ten zurückbleiben. Der nächste Aäarineetat wird deshalb

auch die Forderung für ein neues Vermenungsfahrzeug enthalten. Zu den Baukosten treten dann allerdings noch^ die Kosten für Indienststellung, die aber, da es sich um kleinere Fahrzeuge handelt, nicht sonderlich hohe sind.

Deutsches Keich.

Berlin, 24. Aug. Aus Anlaß der Ernennung des Staatsrats v. Stengel zmn Staatssekretär des Reichsschatzamts hat nachfolgender Depeschenwechsel zwischen dem Prinzregenten und dem Kaiser statt­gesunden:

Linderhof, 20. August. Ich freue mich, meinen Staatsrat v. Stengel, den Du an die Spitze des Reichs­schatzamts zu berufen gedenkst, dem Dienste des Reiches zu überlassen und hoffe, daß es dessen bewährter Tüch- tigfeit gelinge, an jener Stelle sich den großen Aufgaben des Reiches gewachsen zu erweisen, welche für das fernere Gedeihen des Reiches wie der Einzelstaaten heute von dringendster Wichtigkeit sind. Luitpold.

Ter Kaiser erwiderte:

Altengrabow, 22. August. Für Tein ftenndliches Tele­gramm sage ich Dir innigsten Dank. Du hast wieder ein­mal Deine bewährte treue deutsche Gesinnung betätigt, indem Du berellwilligst Deinen tüchtigen Beamten dem Reich zur Verfügung gestelll hast. Möge das Opier, welches Du unb Bayern dem Reiche bringst, den beioen Ländern zum Segen gereichen. Deine Beamtenschaft aber möge mit Stolz erfülll fein, zu einem so hohen verant­wortungsvollen Amte einen der Ihren haben stellen zu können.

Ter Prinzregent hat dem Frhrn. v. Stengel in Geneh­migung seines Gesuches um Elttlassung aus dem bayerischen Staatsdienst den Rang und Titel eines bayerischen Staats- rats belassen und ihm den Michaelsorden erster Klasse ver­liehen.

Tas preuß. Staat sm inisterium trat heute zu einer Sitzung zusammen.

Turch kaiserliche Verordnung vom 23. August wird das Verbot bettesfend die Ausfuhr von Waffen und Kriegs­material nach China aufgehoben.

Das Zustandekommen des Kartell s derZucker- raffineure erscheint gesichert, da dem Vernehmen nach 95 Prc^ent der Weißzuckersabrikanten der Zuckerraffinerie beitreten werden. Heber den Syndikatsvertrag ver­lautet, daß für den Zentner Weißzucker für die Ausfuhr 20 Psg. für die Händler der Schokoladesabriken vergütet werden sollen, während 5 Psg. ip die Syndikats kaffe für Kartellzwecke ab geführt werden sollen.

Trebnitz, 24. Aug. Aus Anlaß der 700jährige n Jubiläumsfeier der Hedwigskirche, die gestern mit einem Fackelzuge eingeleitet wurde, wurde heute ein Telegramm an den Kaiser gerichtet, in dem darauf hin- gewiesen wird, daß die Kirche die sterblichen Ueberreste der heiligen Landespatronin §ebtoig, der Urahne desKaisers, berge. Als Vertreter des Kaisers traf heute morgen Prinz Friedrich 5zeinrich^ von Preußen hier ein. Nach der Be­grüßung durch den Weihbischof Aiarx-Breslau sand ein Festgottesdienst statt und hierauf Besickstigung des Klosters. Mittags wurde im Pfarrhaitse ein Frühstück gegeben, an dem auch Prinz Friedrich Heinrich teilnahm.

Weimar, 24^ Aug. Das Gr 0 ßhe rzoglichePaar wird bei Gelegenheit seines Besuches am Kaiserlichen Hose in Berlin am 30. August eine Nagelung der Fahnen sowie am nächsten Tage au der Kaiserparade auf dem Tempel- hoser Felde tellnehmen.

Stuttgart, 23. Aug. Eine national -s0ziale Landesversammlung nahm heute nachmittag Stellung hu der beabsichtigten Fusion mit dem liberalen Wahlverern bezw. mit der Freisinnigen Bereinigung. Die Versamm­lung war aus allen Tellen Württernbergs zahlreich besucht. Tie Landesverbände Baden und Bayern waren durch Dele­gierte vertteten. Vom Parteivorstand nahmen Pfarrer Naumann und der ftühere Settetär des national-sozialen Vereins, Wenk, an den Verhandlungen teil. Pfarrer Nau­mann entwickelte die Grunde, die ihn veranlassen, dem Parteitage in Göttingen die Fusion zu empfehlen. Wenk sprach sich gegen die Verschmelzung aus. Tie De­batte, in der Für und Wider zur Geltung kamen, gestaltete sich äußerst lebhaft. Schließlich wurde ein Antrag ange­nommen, der auf die V er ein ig un g, jedoch unter Bei­behaltung der süddeutschen national-sozia­len Organisationen, hinzielte.

Ausland.

London, 24. Aug. Unter den anläßlich des Ab­lebens Salisburys ein getroffen en Kondolenz-Tele­grammen befinden sich solche des deutschen Kaisers, Kaiser Franz Josefs, König Eduards, König Viktor Emanuels und des Präsidenten Loubet. Das von Salisbury hinterlassene Vermögen wird auf 4 Millionen Pfund geschätzt. Ter größte Teil des Vermögens fällt dem Vicomte Cranborne zu.

Der Korrespondent desStandard" in Odessa be­hauptet, daß dort aus offizieller Belgrader Quelle die Nachricht eingelaufen sei, König Peter habe in den letzten zehn Tagen zweimal ausdrücklich gedroht, nicht nur für sich selbst, sondern für die Dynastie abzu danken, wenn die Lage in der serbischen Hauptstadt sich nichst bessere. Es sei außerordentlich sraglich, ob die neue Skuptschina das Vertrauen der Bevölkerung lviederher- stellen und die Dynastie Karageorgiewitsch stützen werde. Es sei jeden Augenblick eine neue Militärrevolte zu erwarten, die vielleicht noch vor ben Wahlen an-5brechen werde.

Paris, 24. Ang. Der Minister für Poft und Tele­graphie plant die Herabsetzung des Portos für Briefe und Postkarten im Jnlandsverkehr von 15