Ausgabe 
25.7.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 17L

Erscheint ««glich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien» blätter viermal in der Woche betgelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der BrühUlchen Untvecl.-Buch- u. Stein- druckerei (Pietsch Erben- Redaktbon^Expeoirron

Schnlstratze 7.

Adresie für Depeschent «lrrzetger Gtetze«.

Frrnsprechanschtuß Nr. 51.

Erstes Blatt. 153 Jahrgang

Samstag 25.J«li iyO3

Giehener Anzeiger

° General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis: monatlich 75 Ps., otertel- jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pi.; durch die Post Mk. 2.viertel- lährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür öie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr.

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Verantworrltch >ür den polit. und altgem. TeU^ P. Wittko: füc .Stadl und fcanb* und .GerichtSsaalE: August Götz; sür den An- -etgentetl: HanS Beck.

Nach dem Tode des Napstes.

Rom, 24. Juü.

Heute vormittag fand in der Peterskirche der zweite Lrauergottesdienstfür den Pap st statt. Mon­signore Eonstantini zelebrierte unter Assistenz des Kapitels der Basilika die Messe. Auch, in der dem italienischen Hof gehörenden »königlichen Kirche Delsudario wurde eine Trauer­feier ab^ehalten. Me Messe wurde unter Assistenz zweier Almosenier vom Hosalmosenier Monsignore 9titi zelebriert. Kardinal Kozielsko-Puzyna, Bischof von Krakau, ist an- 'gekommen.

Trotz, des Siroccos begab sich, heute das Volk in großen Mengen zur Peterskirche, um die Leiche des Papstes zu sehen, mittags besonders Arbeiter, welche aus den Fa- brrkeu kamen.

Gestern abend fand tu der Sixtinischen Kapelle die Probe zu den Dotengesangen statt, welche bei der Beisetzung des Papstes und während der Dotenamter gesungen werden sollen. Die vierstimmige T r a u e r h y m n e ist von Mon­signore Perosi komponiert.

In der heute morgen stattgehabten vierten Ver­sammlung der Kardinale wurden die neu einge­laufenen Beileidstelegramme verlesen, darunter das des Königs von Rumänien. Sodann wurde an Stelle Pifferis, der gestern zum Beichtiger für das Konklave gewählt wurde, aber wegen seines vorgerückten Alters die Wahl ablehnte, ein anderer Prälat bestimmt. Der Versammlung wurde hierauf zur Kenntnis gebracht, daß der Papst 50000 Frcs. für die Armen Roms, 30 000 Frcs. für die Armen Perugias und 10000 Frcs. für die Armen Carpi- netos bestimmte. Dann befaßte sich die Versammlung mit den von einigen kränklichen Kardinälen vorgebrachten Bitten und willfahrte u. a. dem Wunsche, daß einige dieser Kardinäle Wohnräume für das Konklave im gleichen Stock­werk mit der Sixtinischeü Kapelle erhalten sollen, um ihnen das Treppensteigen zu ersparen. Es bestätigt sich, daß die Eröffnung des Konklaves auf den 31. Juli festgesetzt ist. Morgen wird das Kardinalskollegium außer dem diplomatischen Korps auch die Mitglieder des Malleserordens empfangen.

Nach derTribuna" ging der heutigen Kongregations- sitzung eine Vereinigung der Kardinäle, Ordenshuupter und Kawerlengos voraus, in der die Eröffnung des Konklaves auf den 31. Juli festgesetzt wurde. Wie dieTribuna" hin­zufügt, nahm auch Kardinal Kopp an der Kongregations- sitzung teil, dem ein äußerst warmer Empfang bereitet wurde. Nach der Kongregation hatten derTribuna" zufolge die Kardinäle Oreglia und della Volpe eine längere Besprechung mit dem Kardinal Kopp.

Der Empfang der Mllglieder des beim heiligen Stuhle beglaubigten diplomatischen Korps durch das Kardi­nalskollegium wird morgen vormittag 11 Uhr im Konsisto- rialsaale stattfinden. Der portugiesische Botschafter als Doyen des diplomatischen Korps wird' sich hieÄei darauf beschränken, die Kollegen vorzustellen und in ihrem Namen den Kardinälen das Beileid aussprechen. Sämtliche in Rom anwesenden Kardinäle werden bei dem Empfange zu­gegen sein.

Die Kandidatur des Kardinals Götti, die noch vor einigen Tagen so viel Aussichten hatte, hat an Chan- -en verloren. Orealia und Rampolla haben zwar noch viele Anhänger, jedoch sind gegenwärtig Agliardi und Vanutelli die bevorzugten Papabili. £$re An­hänger machen eifrig Propaganda für Gewinnung der nichtitalienischen Kardinäle.

Die Eiuküuste des päpstliche« Stuhles.

Tie gesamten Einnahmen des vallkanischen Budgets oerden auf rund.71/4 Millionen Lire veranschlagt. Ebenso groß sind, so teilt Kürschners Jahrbuch vor: 1903 mit, die Ausgaben. Mit diesen Millionen im Jahre- hat der Papst die Regierung der Kirche zu bestreiten, -der be- lanntlich 260 Millionen Menschen (in Wirklichkeit dürften '.s 30 Millionen weniger sein. D. Red.) in mehr als 1000 Diözesen angehören. Die Einnahmen ergeben sich zum zroßen Teil aus der freiwilligen Selbstbesteuerung der Katholiken, welche durch die Spende des Peterspfennigs zeigen, daß sie die Ausgaben würdigen, welche die Regier­ung der Kirche erfordert. Zur privaten Verfügung »es Papstes stehen nur 500000 Lire; der Rest von 53/4 Millionen geht auf für die verschiedenen Kongrega­tionen, für die Galerien, Museen, für Unterstützung armer Diözesen, für Schulen und Almosen. Der Posten zur pri­vaten Verfügung des Papstes, 500 000 Lire, ist entsprechend >er Zivilllste unserer weltlichen Monarchen. Aber es be­greift diese Summe von V2 Million Lire, noch nicht in sich alle weiteren Ausgaben, welche der Papst personluh nacht z B. durch Geschenke an Souveräne usw. Ferner Nüssen von dieser Summe bestritten werden tne Ordens- insignien, welche ausnahmsweise vom Papst selbst über- ändt werden. Die halbe Million Lire muß sodann dem !lapst dienen zum Anlauf von Kunstaegenständen, ferner die Spendung von Almosen, welche der Papst stets in so reichem Maße, besonders aber an seinem Namenstage, zu Weihnachten und Ostern, wie auch bei größeren Unglücks- fällen spendet. Der Papst kann mit dieser Summe von 500 000 Lire nur deshalb so reiche Spenden zu Gunsten der Armen, der Künste und Wissenschaften machen, weil er selb i äußerst bedürfnislos lebt. Dürfen ja doch für feine oer fön lieh en Bedürfnisse im Tage nie mehr als 5 Lire (4 Mark) ausgegeben werden. (?) So Kürschners Jahrbuch. Der Wert von Geld und Geschenken, Die der Papst in diesem Jahre wie bei anderen Gelegen­heiten erhielt, beträgt ungezählte Millionen. Schwer auf vem päpstlichen Budget lastet dagegen die Unterstützung des

klerikalen römischen Adels. Viele dieser Familien haben Mher irr Saus und Braus gelebt, haben sich in die neuen Verhältnisse nicht fügen können, haben sperullert, sind ver­armt und liegen jetzt dem Vatikan auf dem Halse. An den hohen kirchlichen Festtagen, so teilt dieFrkf. Ztg." mit, häufen sich die Bettelbriefe in der vatikanischen Kanzlei zu Bergen auf. Der eine verlangt 1000, der zweite 15000, der dritte 30 000, der vierte gar 40 000 Lire. Es ist gar nicht so lange her, daß im Vatikan ein Brief folgenden Inhalts einlief: ,Lch brauche sofort 35 000 Lire, aber wohlverstanden: die ganze Summe oder gar nichts." Der Briefschreiber war ein heruntergekommener Fürst. Der Beamte, dem damals die Erledigung solcher Sachen oblag, um sie dann dem Kardinal Oreglla zur letzten Entscheidung zu unterbreiten, erwiderte darauf:Also nichts, da Sie Ihr Gesuch in dieser Form zu stellen beliebten." Als er dann aber gleich darauf diese Angelegenheit seinem Chef vortrug, rief dieser:Um Himmels willen, das darf nicht sein! Die Familie des Fürsten hat den Päpsten in früheren Zeiten 100 000 Lire aus einmal zur Verfügung gestellt, er muß daher die volle Summe und zwar sofort haben!" Es hängt mit den Illusionen der Wiederaufrichtung des Kirchenstaates zusammen, daß man die Verbindung mit diesen welllichen Adelsgeschlechtern nicht aufgeben mag. Dazu kommen die hohen Ausgaben für den päpstlichen Hofhalt.

UMische Tagesschau.

Eine Geuertüoersarmnlrmg der Nutzgeflügelzucht» und Der- weriuugs'Geuosseaschast

war für den 30. d. Mts. zu Berlin anberaumt worden. Hauptmann a. D. W. Cremat seht in der Zeitschrift Nutz­geflügelzucht" auseinander, worauf es ankommt und zu welchem Zweck die ungeheure Erhöhung der Haftpflicht von 50 auf 150 Mk. kurz vor der Liquidation vor­genommen werden soll. Er schreibt:

Bei der im Februar stattgehabten Vesiarnrnlung wurde die Bilanz vorgelegt, welche mit einem Verlust von 4187.92 Mk. abschtoß. Arn 17. Mai wurde in einer neu anberaumten Bor- ftandssitzung eine Bilanz vorgelegt, welche mit ca. 14000 Mk. Verlust abschloß. In der kurzen Zeit von wenigen Monaten war also die Schuldenlast um 100 00 Mk. ge­stiegen! Wie das gekommen, vermochte niemand anzugeben!! Am 12. Juni fand eine weitere Vorsta.idssitzung statt, in welcher oeschwssen wurde, die Hast pflicht von 50 Mk. auf 150 Mk. zu er­höhen. Man argumentierte dabei folgendermaßen: »Das Gesetz bestimmt, daß wenn die Ueberschuldung ein Viertel der Gesamt- Haftsumme übersteigt, Konkurs anzumelden ist." Es waren ca. 400 Anteile vorhanden, die Haftsumme betrug also 20 000 Mk. Es hätte also Konkurs angemeldet werden müssen. Dieser Kon­kurs hätte wahrscheüüich schon früher angemeldet werden müssen, da die Bilanz vom Februar unrichtig gewesen ist, was schon daraus hervorgeht, daß die Buchführung nach dem Revifwns- bericht vom 20. Januarvollständig in Unordnung ge­wesen war". Es wurde in der Sitzung vom 12. Juni betont, daß man die ca. 4000 Mk. betragenden Konkurskoften sparen könne, roeim man die Haftpflicht schleunigst so weit erhöhe, daß die Ueber­schuldung unter einem Viertel der Gesamthastpflicht verbliebe. Da 14 000 Att. Schulden vorhanden waren, so müßte also die Haft­pflicht auf ca. 60 060 Mk. erhöht werden. Bei 400 Anteilen also auf 150 Mk. pro Anteil. Jnzwischeri hat das Aufsichtsratsmitglied Herr Mars in Dobrilugk aber feftgesiellt, daß bereits 17 000 Mk. Schulden vorhanden sind, wovon 5000 Mk. gar nicht nachzu­weisen vorläufig also einfach verschwunden sind!! Jetzt muß also die Gesamthastpflicht bereits aus 70 000 Mk. erhöht werden, wenn der Konkurs vermieden werden soll, falls es überhaupt an­gängig ist, ihn durch solche Mittel zu umgehen. Man kann bei der lüderlichen Buchführung aber ja gar nicht wissen, wie viel »och hiuzukommen wird!

Schließlich erklärte Cremat, daß er als Gläubiger der Genoffenschaft den Konkurs angemeldet habe.

Heer rurd Flotte.

Chalons für Marne, 24. Juli. 2Sor dem hiesigen Kriegsgericht fand gestern die Verhandlung gegen den Major Per rod vom 3L Dragonerregiment stall, welcher angellagt ist. vor fünf Monaten den Kabrnellsdllettor im K'riegsministerinm Gen eral Perzin, ch einem anony­men Briefe mit dem Tode bedroht zu haben, well Perzin angeblich sein Avancement verhinde rt habe. Ter Angeklagte, welcher während der langen Untersuchung und während des Verhörs trotz zahlleicher belastender Mo­mente und llotz des Gutachtens des Schreibsachverständigen die Tat geleugnet hatte, fegte anr Schlüsse der Verhandlung plötzlich ein Gejhändnis ab, indem er hinMsügte, daß er die Tat bereue, welche er nur in einem Anfall von Getstes- gestörthell begangen haben könne. Das Kriegsgericht, auf welches diese Erklärung großen Einfluß ausubte, billigte dem Angeklagten mildernde Umstände zu, und verurteille ihn zu einem Franken Geldstrafe.

Budapest, 24. Juli. Nach einer Meldung desMa­gyar Orszag" sollen bei den bosnischen Korpsmanö- vern währerrd eines fünfzehustündigen Gewalt­marsches nach Bllek neunzehn Infanteristen ge­storben und vierzig schwere Verletzungen erlitten haben. Infolge der Hitze und lleberanstrengung sollen 450 Mann zusammengestürzt sein. Tic Kompanien wären angeblich fast dezimiert, da über den Verbleib einer großen Anzahl von Soldaten nichts be­kannt sei. Eine Bestätigung diestr unwahrscheinlich klingenden Nachricht liegt noch nicht vor.

Aus Studl und Kanü.

Gießen, den 25. Juli 1903.

** Von der Landesuniversität. Der erste Assistent am zoologischen Institut, Dr. phil. Julius Groß, der sich auf Grund einer Schrift:Untersuchungen über die Histologie des Jnsektenovarlltms" als Privatdozent für

Zoologie an der hiesigen Universität habilitiert hat, ist geboren am 29. Dkärz 1869 zu Riga in Livtarrd. Er studierte ui Dorpat (18881893) Zoologie, in München (18941895) und in Jena (18961900). Naturwissenschaften und promo­vierte in Jena am 5. Mai 1900 mit einer Dissertation: Untersuchungen über das Ovarium der Hemipteren, zu­gleich ein Beillag zur Amilosenjrage^'. Vom 1. April 1900 bis 1. April 1901 war er Assistent am zoologischen Institut in Jena. Seit 1. April 1901 wirkte Groß als erster Assistent am zoologischen und vergleichend-anatomischen Institut in Gießen unter Profejsor Spengel. Seine Abhandlungen er- B"ienen in derJeuaischen Zeitschrift für Naturwisseu- aften", in derZeitschrift sür wissenschaMche Zoologie" und in denZool>ogischen Jahrbüchern".

** Eine neue Regierungsvorlage bellifftGesetz- Entwurf, die Lostrennung Gustavsburgs von Ginsheim.

** Die Wahl Hies Abg. Orb. Eine Vorstellung des Karl Döring in Bieber an die 2. Kammer erhebt wiederum Protest gegen die Wahl des Sozial­demokraten Orb in Bieber im 16. Liandtags-Wahl- bezirk. Es wird die Ansicht ausgesprochen, daß ohne eine in den gesetzlichen Grenzen stattsindende U eberwach- ung der Wahl seitens der Behörde keine Wahl in Bieber ohne Unregelmäßigkeiten vor sich gehen wird. Vor allem protestiert man gegen die ein­seitige Zusammensetzung der Wahlkom­mission. Im Gemeinderat war mit Stimmengleichheit beschlossen worden, daß die Kommission zur Hälfte anS Anhängern der Bürgerpartei, zur anderen Hälfte aus An­hängern der Sozialisten bestehen solle. Das wäre gerecht gewesen und hätte den Verhältnissen entsprochen. Der Bürgermeister aber hatnatürlich" (sic!) durch seine Ab­stimmung veranlaßt, daß die ganze Kommission aus Sozialisten bestand. Ferner wurde nach einer neu aufgestellten Wahlliste gewählt am 9. Mai, 5 Uhr 55 Mru., also fünf Minuten vor Schluß der Offenleg­ung s f r i st, der Zeit, in welcher gegen jene Liste Einwend­ungen vorgebracht werden konnten, brachten dieSozia- listen einen Nachtrag von 38 Namen, welche alle von dem Bürgermeister in diesen letzten Minuten der Liste angesügt wurden. Eine Einsicht, eine Rellamation war dadurch unmöglich gemacht. Gegen diese Zufügung dieser 38 Personen in der Liste wird Protest erhoben, umsomehr, als diese tellweise nicht 25 Jahre alt waren, andere Bayern sind usw. Der Bürgermeister hat, wie es in der Eingabe heißt, willkürlichundohneRechtAender- ungen in der Liste vorgenommen. In der neuen Liste, nach welcher gewählt wurde, sind jedenfalls mehr als 60 Personen, ja wohl 100 Personen, welche nicht Wahl- und stimmberechllgt waren.

+ Garbenteich, 24. Juli. Der Bau einer Kreis­straße von hier nach Lich ist jetzt beschloffen. Mll dem Bau wird einem längst empfundenen Bedürfnisse endlich Ab­hilfe geschaffen. Als direkter Verbindungsweg LichGießen mit sehr gutem Terrain dürste die Straße regen Verkehr bringen und Steinberg zum Teil entlasten. Gestern abend 717 Uhr kam das 2. Bataillon des Regiments Kaiser Wil­helm von Gießen nach hier und bezog Biwak in der Nahe des Dorfes. Heute morgen ya9 Uhr rückte es zum Feld­dienst aus.

)(^ Dorf-Gill, 23. Juli. Im Juni ist hier eine Mol­kerei. errichtet worden. Sie zeigt bis jetzt einen recht flotten B-ellieb. Mll dem Bau unseres neuen Schul­hauses hat man bereits begonnen. Es kommt an den Ausgang des Dorjes, links der Sllaße Dorf-GillGarben­teich zu stehen, und wlld ans Schulsaül und Lehrerwohnung bestehen.

R. B. Darmstadt, 24. Juli. In chrer gestrigen geheimen Sitzung haben die Nesigen Stadtverord- neten^einen bemerkenswerten Beschluß gefaßt. Es war bisher Sille, den Kereinen und Gesellschaften hiesiger Stadt, die ihr Jubilärrm feierten oder eine größere festliche Verran- staltung unternahmen, aus der Stadtkasse einen Bellag von 100 bis 300 Mk. zu bewilligen. Nun hat sich aber das Vereinsleben üi Darmstadt von Jahr zu Jahr immer frucht­barer gezeigt, sodaß wir bei einer Einwohnerzahl von etwa 76000 Seelen jetzt bereits 478 Vereine aufzuweisen haben. Wenn nun die Stadtverordnetenversammlung (ort* fahren wollte, allen diesen Vereinen bei besonderen Gelegen- hellen Ehrengaben All. bewilligen, jo würde dadurch der Stadtsäckel gewiß ganz erheblich erleichtert werden, was wiederum den städtischen Steuerzahlern etwas unangenehm werden könnte. Die Stadtverordneten verständigten sich, deshalb gestern dahin, diese Ehrengaben nur noch in ganz besonderen Ausnahmefällen zu belvilligen. Sie genehmigten eine Ehrengabe für den GesangvereinTeutonia" aus "An­laß seines 50jährigen Jubiläums, lehnten aber die Gesuche des Schützenvereins und des Radsahrvereins um (Stiftung städtischer Ehrenpreise mll bimmenmehrheit ab.

() Neues aus dem Z00lo gisch en Garten. Man schreibt uns aus Frankfurt: Trotzdem ohne Unterbrech­ung an den Erweiterungen und Vermehrungen der Ställe und Käsige gearbeitet lvird, vermag die Neubeschaffung der Behälter nur schwer mit der der Tiere Sa-ritr zu halten. Am 16. d. M. wurden verschiedene Affenarten, darunter weißohrige Pinseläffchen, eingereiht, der 17. d. M. brachte unter einer Sendung Kreuzottern eine völlig schwarze Siovität dieser Giftschlangen, die sogen. Zöllennatter". Am 20. Juli kam eine Sendung aus der tunesischen Sahara, die einen l y b i s ch e n H e r m e I i n, gestreifte W ü st c n m ä u 1 c, Springmäuse, die sehr giftige St ülpn asenotter (eine große Seltenheit«, Hnseisen nattern und verschiedene gelvöhinichere asrikartische Rep­tilien enthielt. Am 23. d. M. traf ein reizendes Ezelzrplar eines jungen Orang-Utang ein, das durch fein munteres