Ausgabe 
25.6.1903 Erstes Blatt
 
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der Heer- und Flottenfrage vorgeschützt. Das wäre natürlich ein Scheingrund, der ja doch sonst nie die Sozialdemokraten gehindert hat, z. B. für Kandidaten der Freis. Vereinigung einzutreten.

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Die Charlottenburger Polen haben eine Protestversamm­lung gegen den bekannten Hirtenbrief des Fürstbischofs Kopp abgehalten und eine entsprechende Erklärung einstimmig an­genommen.

Die Reichstags-Stichwahl im Fürstentum Lippe findet am 2 7. Juni statt. Die Wahl des Freisinnigen Meier-Jobst gegen den Sozialdemokraten ist gesichert, da die Konservativen für den ersteren eintreten.

Bestellungen

auf den

Gießener Anzeiger

das größte und bestunterrichtete Blatt Oberhesiens und der Nachbargebiete, werden für die Monate Juli, August und September bei allen Postanstalten, unseren Trägern, unseren Zweigstellen und in der Expedition, Schulstraße 7 in Gießen, angenommen.

Zur Vermeidung von Unregelmäßigkeiten in der Zu­stellung empfehlen wir unseren verehrten Postabonnenten, die Bestellung schon jetzt bei den Briefträgern zu er­neuern.

Musik zum Mord.

Das Depeschenbureau Lasfon meldet aus Loudon, bei den serbischen Empfangsfeierlichkeiten würde der Vertreter Deutschlands, ebeu,o wie derjenige Ita­liens und Oesterreich-Ungarns, wahrscheinlich anwesend sein. Demgegenüber wird unserem BerlinerKorrespondeuten von gut unterrichteter Seite versichert, daß der deutsche Gesandte in Belgrad, Herr v. Wäcker-Gotter, Auftrag erhalten hat, den Festlichkeiten fernzubleiben. Was die Anerkennung Peters I. betrifft, dürfte Deutschland dem Beispiele folgen, das Oesterreich geben wird. Nach einer Belgrader Depesche werden auch die Vertreter Frankreichs, Englands und Italiens dem Ein­züge des Königs fern bleiben. Bei den anderen Mächten ist es noch unentschieden, während der Vertreter Ruß­lands anwesend sein wird. Auf Vorstellung des Kriegsministers hat, wie dieselbe Meldung noch, besagt, der König die Beförderung der drei ihm zum Ehrendienst ^.erteilten Offiziere bis nach seiner Ankunft in Belgrad in der Schwebe gelassen.

Das rauschende Festprogramm befindet sich unfraglich im schrillen Mißklang zu dem Gemetzel in Belgrad; man wird an die Zeile aus demDell" erinnert:Rast denn das Volk, daß es zum Mord Musik macht!" Zudem ließe sich eine persönliche Annäherung der Diplomatie an die Häupter der Verschwörung und die zweifellos mitschuldige provisorische Regierung bei dieser Gelegenheit kaum ver­meiden. Das Richtige wäre gewesen, wenn die zivilisierten Mächte die serbische Gesellschaft ganz unter sich gelassen hätte bei einem solchen Anlaß. Rußland tritt, im Gegensatz zu seiner Liebsten Frankreich, in einer seltsamen Doppel­rolle auf; es trauert und es gratuliert; also in der einen Hand den Trauerflor, in der anderen ein Bukett. Zu den Regierungen, die ungeschminkt ihrer Meinung über den Künigsmord Ausdruck geben, hat sich, nachdem übrigens die Gesandten der Türkei, Amerikas und der Nieder­lande Belgrad bereits verlassen haben, die Pforte gesellt. Den türkischen Zeitungen ist ausnahmsweise von der Zensur gestattet worden, die Ereignisse in Belgrad rück­haltlos zu erörtern; nach einer Privatmeldung aus Konstan­tinopel geschieht diesin Ausdrücken größten Abscheus". Es sei nicht zu. verwundern, wenn die neue Regierung in Serbien hinsichtlich ihrer Anerkennung großen Schwierig­keiten bei den europäischen Großmächten begegnen werde. Diese Nachteile sind gleichbedeutend mit einer amtlichen Auslassung !d>er Pforte. Nach einer Konstantinopeler De­pesche desBerl. Tagebl." soll im Yildiz-Kiosk infolge der Belgrader Ereignisse ein unbeschreibliche Furcht herrschen. Mehrere Personen aus dem Hofstaa t wurden auf einfachen Verdacht hin fest genommen und ver­bannt.

Was noch besonders abstoßend Berührt, ist, daß die Belgrader Blutmenschen mehr und mehr den Versuch machen, sich .reinzuwaschen. In den ersten Tagen erzählten die Netter des Vaterlandes" jedem, der hören wollte, daß die Tötung des Königspaares eine absolut notwendige Tat gewesen sei. Jetzt will die Regierung, in einen für König Peter bestimmten Bericht, cs so darstellen, daß die Offiziere keineswegs die Absicht gehabt hätten, das Königspaar zu ermorden. Man habe es nur zum Ab danken zwingen wollen. Durch das Jrreführen des Generaladjutanten Petrowitsch im Konak habe sich der Verschwörer aber eine blinde Wut bemächtigt. (Mitteilung derVoss. Ztg." aus Belgrad.) Man weiß nicht, worüber mehr zu staunen, ist, über die Dreistigkeit dieser Lügner oder die klägliche Feigheit derVaterlandsretter", die für alle Fälle sich in Sicherheit zu bringen gedenken. Selbstverständlich wird zur Unterstützung des Beweises von demTotschlag im Affekt" auch noch eine nachträglich her-gestellte Abdankungsurkunde beigebracht werden. Nichts spricht deutlicher für die Mit­wisserschaft und Mitschuld oer provisorischen Regierung, als das Bemühen, die Offiziere zu entlasten. Um das Werk würdig zu vollenden, hält der Justizminister einen Amnestievorschlag für politische Vergehen in Bereitschaft. Zu den der Gnade Peters L empfohlenenpolitischen Ver­gehen" gehört wohl auch der Königsmord mit allen anderen Greueln.

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Der König von Serbien äußerte übrigens die Absicht, die jetzige Regierung bis nach den vollendeten Skupschtrnawahlen im Amte zu belassen und nachher ein rein parlamentarisches Regime einzusetzen.

Tie Stadtverwaltung von Belgrad forderte die Be­völkerung auf, ihrer Freude über die nach 45 Jahren erfolgende Rückkehr Peter Karageorgiewitschs durch Schließ­ung der Läden, Beflaggung der Häuser und Illumination am 24. Juni Ausdruck zu geben. Wie nunmehr feststeht, soll die Lidesablegung des Königs am 25. Juni im Gebäude der SkuPschtina stattfinden.

Inzwischen reist S. M. Peter primus durch die österr.- ungarische Monarchie. In Innsbruck wurde er von serbischen Studenten begrüßt. In Linz erhielt er von einem Wiener Schneider die serbische Generalsuniform, die er im htupcc anprobierte. In Wien traf der Hofzug gegen 10 Uhr auf dem Westbatznhofe ein, wo der König von

Hunderten von Serben, darunter die Belgrader Gemeinde­deputatton, mit stürmischen Ovationen begrüßt wurde. Die Ansprache des Belgrader Bürgermeisters Stamenkovitsch er­widerte der König herzlich dankend. Dann sprach ein Stu­dent namens Radenkovitsch, worauf nationale Lieder ge­sungen wurden. Viele küßten dem Könige die Hand. Unter dem Jubel der Serben setzte nach 20 Minuten der Hofzug die Fahrt fort.

Tie Königin Natalie hat einen Bukarester Advokaten beauftragt, alle Schritte zu unternehmen, damit die ser­bische Regierung die König Alexander gehörenden in Ru­mänien liegenden Landgüter, die derselbe seinerzett von seiner Großmutter Frau Cartargi geerbt hatte, nicht ein­ziehe, da sie alleinige Erbin sei.

Ter bulgarische und der ttalienische Hof legten für das serbische Königspaar Trauer an.

Turch die im Konak beschlagnahmten Papiere König Alexanders und der Königin Draga sind nach Privatmeld­ungen viele Damen der Belgrader Gesellschaft argbloß- gestellt", da ersichtlich ist, daß sie demKönigspaare Spi- onenbienfte" geleistet haben.

Deutsches Keich.

Berlin, 23. Juni. Der Kaiser hörte gestern auf der Fahrt von Hamburg nach Cuxhaven den Vortrag des Geh. Kabinettsrats v. Lucanus und empfing, in Cux­haven angekommcn, den Besuch des Großherzogs von Oldenburg. Der Kaiser erwiderte dessen Besuch auf der Jacht des GroßherzogsLensahtt".

Aus New York wird gemeldet: DerJunge Män- ner-Chor" in Philadelphia, der bei dem Sängerwett­streit in Baltimore den von Kaiser Wilhelm ge­stifteten Preis errang, richtete eine Depesche an oen Deut­schen Kaiser. Darauf traf folgende Antwort ein:Junger Männer chor, Präsident Arno Leonhardt. Dem Sieger im Kampfe der Gesänge meinen Glücktvunsch. Möge auch der Besitz meines Preises die Anhänglichkeit an die alte Hei­mat lebendig erhalten! Wilhelm."

Wie dieGerm." aus Rom meldet, erhielt der Großindustrielle Anton Lehner in Zittau vom Papst das Prädikat eines erblichen Freiherrn.

TerNeuen Pol. Korr." zufolge liegt die Kanal- Vorlage umgearbeitet dem Kabinett vor.

Kiel, 23. Juni. Tie drei amerikanischen Kriegs­schiffeChicago",San Francisco" undKearsarge" sind heute mittag im hiesigen Hafen eingetroffen und haben unter dem üblichen Salut die Liegeplätze eingenommen. Befehlshaber ist Admiral Cotton. Durch' den Kaiser Wil­helm-Kanal traf hier heute mittag der amerikanische Kreu­zerMachias" ein. Admiral Cotton stattete heute mittag kurz nach dem Eintreffen des Geschwaders dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich im Schlosse einen Besuch ab, den Prinz Heinrich im Laufe des Nachmittags an Bord desKearsarge" erwiderte. Auch der amerikanische Konsul begab sich an Bord desKearsarge".

Bremen, 23. Juni. DieWeserztg." meldet: Aus Anlaß des Ablebens des Bürgermeisters Dr. Gröning unö des Oberbaudirektors Franzius gingen heute nachmittag folgende Telegramme des Kaisers hier ein: An die Hinterbliebenen des Oberbaudirektors Fran- zius, Bremen:Tiefbewegt durch die Nachricht vom Hin- scheiden des Oberbaudirektors Franzius spreche ich den Hinterbliebenen mein herzliches Beileid aus. Die genialen Schöpfungen des Verstorbenen werden seinen Namen mit der Entwicklung der Stadt Bremen, ihrem Handel und der gesamten deutschen Schiffahrt bis in die fernste Zukunft unzertrennlich verbinden und ihm im Herzen seiner Mit­bürger wie in dem meinigen für alle Zeiten ein Ehren­volles und dankbares Andenken sichern. Wilhelm." An die Freie und Hansestadt Bremen, zu Händen des ersten Bürgermeisters Dr. Pauli, Cuxhaven:Mit der Freien und Hansestadt Bremen betrauere ich den Heimgang des zweiten Bürgermeisters Dr. Gröning, der, ein Vorbild un­ermüdlicher, treuer Pflichterfüllung, seine ganze Kraft dem Wohle der Stadt noch bis zum letzten Atemzuge gewidmet hat. Wilhelm."

l n, 23. Juni. DieKöln. Ztg." meldet aus Washing­ton vom 22. ds., die Behauptung, daß die Regierung einen Ausgleichszoll auf deutschen Kartellzucker lege, sei völlig grundlos.

Ausland.

Paris, 23. Juni. Die Kammer nahm heute die Novelle zum Vereinsgesetz mit 329 gegen 66 Sttmmen an; die Resolution Buisson, die die Regierung einlädt, alle gesetzlichen Mittel zu benützen, um jede Kongregation auszulösen, die durch untergeschobene Personen eine oder mehrere Kongregationsschulen eröffnet hat.

Ter Minister des Auswärtigen, Delcasse, der unpäß­lich ist, ließ dem heuttgen Ministerrate die Mitteilung zugehen, daß für Heu Chef des Generalstabes der französi­schen Armee namens des Zaren eine Einladung er­gangen sei, zur Teilnahme an den Manövern bei Zars­koje Selo, die vom 1. bis 10. August stattfinden.

Konstantinopel, 23. Juni. Im Bildiz-Palais brach am «Samstag -abend Feuer aus. Um die Bevölkerung irre zu.führen, wurde bekannt gemacht, daß im Ortkeny- Stadtviertel Feuer ausgebrochen sei. Das Palais wurde sofort von einem dreifachen Truppen- und Polizei-Kordon ab gesperrt. Nicht einmal die Löschmannschaften wurden zugelassen, sondern nur der Kommandant und je zwei Offiziere von den einzelnen Feuerwehr-Brigaden durften zur Brandstelle, die unmittelbar neben den Gemächern des Sultans liegen soll. Im Publikum wurde verbreitet, daß nur das Zimmer eines Dieners aus­gebrannt sei. Näheres Über den Brand ist absolut nicht zu erfahren.

Aus Statt und Land.

Gießen, 24. Juni 1903.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben bem Bürgermeister Jakob Tilger in Münster (Kreis Die­burg) das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen und den Diener am evangelischen Predigerseminar zu Friedberg, Johanne? Ludwig Haber auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt.

** Auch aus Anlaß der Reichstags-Stich­wahlen sind von uns wieder umfasfenoe Vorkehrungen getroffen, um die Resultate der Wahlen in Stadt und Land morgen abend so schmTl tote nur irgend möglich zur Kennt­

nis des Publikums zu bringen. Wieder werden Exttablätter desGieß. Anz." in den meisten Restaurants uni) Gasthöfen sowie an unserem Geschäftshanse zur Verteilung gelangen und die Einzelresultate durch Transparent dem Publikum vermittelt werden. Daß die Nachbarblättchen unsere Extra­ausgaben wieder weidlich ausschlachten und in ihrer Un­verfrorenheit wieder die erlogene Behauptung ausstellen werden, sie, nicht wir hätten allen übrigen oberhessischen Blättern weitaus den Rang abgelaufen, das wird das Pu­blikum aufs neue zu verurteilen haben.

** Zur Stichwahl fordern heute zahlreiche ehe­malige Krieger in Stadt und Land die Wählerschaft auf, die Kandidatur Heyligenstaedt durch allgemeine Stimm­abgabe zu unterstützen. Auch dieser Auftuf wird hoffentlich feine Wirkung nicht verfehlen.

Darmstadt, 23. Juni. DieD. Ztg." schreibt: Die Eltern derjenigen Knaben, die gegenwärtig die obersten Oster- klassen der hiesigen Vorschulen besuchen, werden demnächst Gelegenheit erhalten, zu der Frage der Reformgym- nasien und Reformrealgymnasien Stellung zu neh­men. Wie bereits bei den Beratungen des Hauptooran- schlages für 1903/04 in der Zweiten Ständekammer ange­kündigt wurde, ist die oberste Schulbehörde geneigt, mit der Gründung solcher Anstalten in Angliederung an die hier be stehenden Anstalten unter Zugrundelegung der sog. Frank­furter Lehrpläne versuchsweise vorzugehen, falls dies den Wünschen der beteiligten Elternkreise entspricht. Ob und in­wieweit letzteres der Fall ist, soll durch eine Umfrage er­mittelt werden. Von der Zahl der Anmeldungen wird es dann abhängen, ob die neue Art von Lehranstalten, und zwar zunächst nur mit der Klasse Sexta, zu Ostern 1904 ins Leben tritt oder nicht.

Aschaffenburg, 23. Juni. Die Recherchen nach dem Täter des scheußlichen Mordes werden eifrigst fortgesetzt. Die Vernehmungen bauerten gestern bis in die Nacht hinein und werden heute fortgesetzt. In dem Portemonnaie, welches ge­raubt wurde, befanden sich 40 Mk. Der Haarkamm der Ermordeten wurde am Mordtag Nachmittag schon halb 5 Uhr von Bauersleuten auf dem Wege gefunden, sodaß der Mord vor dieser Zeit ausgefühtt worden sein muß. Die Leiche der Ermordeten wurde heute vormittag nach Bamberg überführt. Am Tage der Mordtat waren Techniker auf dem Felde in der Nähe des Büchelberges mit Vermessungen beschäftigt. Dtcse sollen in der ktttischen Zeit in der Nähe des Tatortes einen Mann gesehen haben, welcher eine Mütze aufhatte. Da der eine der festgenommenen verdächtigen Personen, der in Sulzbach verhaftete Schneider, eine Mütze trägt, soll eine Gegenüberstellung desselben mit den Technikern stattfinden. Weiter will ein Knabe von Haibach, der am Tatorte um die fragliche Zeit vorüberging, im Gebüsche ein verdächtiges Geräusch gehört haben. Er sei aus Furcht davongelaufen, habe sich dann weiter oben aufgestellt und umgewendet und dabei einen Mann aus dem Gebüsch Herausellen sehen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der seit einigen Tagen in Bad- Nauheim vermißte Kurgast ist in Wetzlar völlig er­schöpft und unbekleidet aufgefunden und ins Krankenhaus nach Wetzlar verbracht worden. Der Unglückliche gab an, sich im Walde verirrt zu haben. Auf die Ergreifung des Diebes, der in Bad-Nauheim zwei Geldbriese stahl, ist von der Oberpostdirektton Darmstadt eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt worden. In Frankfurt wur­den zwei Leichen geländet. In der einen vermutet man die eines feit 1900 vermißten Mädchens aus Offenbach, die die andere ist eine männliche Leiche, die erst kurze Zeit im Wasser gelegen zu haben scheint. Der Zustturd des bei Mainz gestochenen Ulans Jmmel ist sehr bedenklich. Tie Schlägerei war durch Frauenzimmer veranlaßt worden. Tie Täter sind noch nicht ermittelt.____________________

Vermischtes.

* Berlin, 23. Juni. Im Dienstgebände des Kolonial» amtes erschoß sich ein Zahlmeisterafpirant aus Furcht vor Bestrafung.

* D ür k h eim i. Pf., 23. Juni. In einem Anfalle von Geistesstörung versuchte eine Winzerswitwe ihre beiden Söhne mit einem Rasiermesser zu töten. Daraus er« trän kte sie sich.'

Telephonischer Kursbericht.

jfc'ranktart a. n.. 24. Juni l»u3.

31/s°/o Reichsanleihe . . 101.95 3% do. ... 91.50 3l/,% Koneols .... 101.90 3°/0 do 91.50

Hessen .... 101.05 3x/2% Oberhessen . . . 100.00 4% Oesterr. Goldrente . . 102.90 4/6% Oesterr. Silberrente 100.20 4% Ungar. Goldrente . . 101.50 4°/u Italien. Rente . . . 103.25 4*/a% Portugiesen ... 50.25 3°/ Portugiesen. .... 33.10 1% C. Türken .... 3420 Türkenlose 132.20 4°/q Grieoh. Monopol.-Anl. 45.20 41/,% äussere Argentiner.

8u/q Mexikaner .... 25.95 4,/o% Chinesen .... 92.75 Electric, bchuckert . . , 93.00 Nordd. Lloyd . . . . 99.90

Kreditaktien .... 207.40 Diskonto-Kommandit. . . 184,60 Darmstädter Bank . . . 135.75 Dresdener Bank .... 146.05 Beniner Handelsges. , . 152.80 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.90 Lombarden .... 18.40 Gotthardbahn .... 192.30 Laurahütto 217.70 Bochum 174.30 Harpener 180.70 Tendenz: fester.

Gerichtssaal.

Kassel, 23. Juni. (Prozeß Schmidt.) Das Verhör Schmidts wirb fortgesetzt. Der Angeklagte meint, seine Buchungsmanöver mochten wohl ungewöhnlich erscheinen, er habe aber dabei durchaus nichts getan, was aus eine tatsächliche Täuschung berechnet war. Es sei rhm vielmehr nur um eil» flüssigere Gestaltung der Bilanz zu tun gewesen, um die schlechte Lage der Gesellschaft nicht kund zu tim. Er habe nach Angaben seiner Fachtechniker die zu erwartenden Gewinne aus Lizenz­verkäufen und Maschinenlieserungen auf 5 Jahre verteilen lassen, wäre er ein Betrüger gewesen, so hätte er, da er als erster den Mißerfolg des Bergmaunschen Patents erfuhr, sein Geld heraus- ziehen und daoongehcn können. Daß er blieb und sich die andere: Herren der Trebergcsellschail weiter so großartig engagierte, be weise am meisten die Ehrlichkeit seiner Absichten und seines Wollens. Die Vernehmung Schmidts füllte die ganze Vormlttagssitzung aus. Der Angeklagte giebt bei den weiteren Vernehmungen zu, daß ct der Börsenzulassungsstelle in Berlin falsche Angaben gemacht har. Ter zur Anklage stehende Hauptpunkt des betrügerischen Bankerotte besteht in der Eintragung einer Hypothek von 250 000 Alk. auf jein, des Angeklagten GrundstückGriudelhos" in Hamburg. Ter An­geklagte bestreitet, die Absicht gehabt zu haben, irgend jemand zu täuschen. Er habe sich damals für durchaus gut gehalten, müße allerdings zugcben, daß er mir der Eintragung der Hypothek Ver­änderungen plante, welche er seiner Frau in einem Briefe zustelleu ließ, den er^durch einen Mitgefangenen durchschmuggcln wollte. Als erster Sachverständiger wird darauf Ingenieur Bergmann vernommen, der Erfinder des bekannten Patentes. Dieser jagt aus, daß sich nach ferner Ansicht Schnudr m gutem Glauben beiunder habe. 3ergc äußert sich sodann über verschiedene Geschäftszweige