Mittwoch SS. Juni 1903
Zweites Blatt.
153. Jahrgang
BZ
Gießener Anzeiger
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Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Giehen
vezugSpret-r monakllch7bP!., oterteb jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährl. auSfchl, Bestellg. Annahme von Anzeigen ür dre Tagesnummer Ots vormUtagS 10 Uhr. ZetlenprelS: lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg.
Beraatwortlich tüt den poltt und allgem. Teil: P. Wtttto- für „Stadt und Land'' und -Gerichtsjaal": August Götz; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Nr. 145
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamiliem blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der B rü h l'fchen Untverj.-Buch-u.Stein- druckerei (Pietsch Erbens Redaktion. Expedition und Druckerei:
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Adresie für Depeschenr Anzeiger Gießen.
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Are heutige Yummer umfaßt 10 Seiten.
Ein ernstes und kurzes Wort.
Schlicht und ernst appellieren wir für den 25. Juni, den Tag der Stichwahl, an das Pflichtgefühl des deutschen Wählers. Nicht mehr die Partei — das Vaterland ruft.
Die Sozialdemokratie will ihren Sieg vom 16. d. Mts. Lm 25. Juni vervollständigen. Sie hofft wohl gar, mir hundert Abgeordneten in den Reichstag einziehen zu können. Die Sozialdemokratie aber darf nicht die Früchte ihres Sieges ernten. Die sozialdemokratischen Siege sind in Wahrheit Siege des Auslandes. Drei Millionen Stimmen sind für die Sozialdemokratie abgegeben worden, d. h.: Drei Millionen Männer sind dem vaterländischen Gedanken abtrünnig. Das Ausland kann triumphieren ob solcher deutschen Schande!
Deutsche Männer! Solltet Ihr nicht wünschen, solche Schande wieder wett zu machen? Drei Millionen pflicht- vergessene, abtrünnige Männer giebt's in Deutschland — das hat der 16. Juni gezeigt. Was soll sich nun am 25. Juni Herausstellen? Der Tag der Stichwahl soll zeigen, wie viele Millionen Männer gewillt sind, der sozialdemokratischen Gefahr zu begegnen, sich in Treue zum nationalen Gedanken u bekennen und fest zu Kaiser und Reich zu stehen.
Der 16. Juni hat uns vor dem mit Hohn triumphierenden Ausland geschändet. Am 25. Juni wollen wir die Schande auslöschen. Das Vaterland ist in Gefahr. Das Vaterland ruft. Wir wollen in seine Dienste treten.
Kaiser Wilhelm üöer die Schiffahrt.
Cuxhaven, 23. Juni.
Abends 8 Uhr wurde auf dem Dampfer „Mvltke" von der HamburgssAmerika-Linie ein Festmahl geaeben, an dem der Kaiser teilnahm. Der Ehrenpräsident des Norddeutschen Regattavereins, Bürgermeister Dr. Mönckeberg, brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Er wies in seiner Rede auf die Begründung des Vereins für die Seefahrt hin, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, größere Jachten zu erwerben und mit deutschen Matrosen auszurüsten. Auch hierzu habe der Kaiser den Impuls gegeben, wie aus allen Gebieten maritimer Interessen.
Auf den Trinkspruch des Bürgermeisters Dr. Möncke- äerg erwiderte der Kaiser:
3 Ich darf wohl aus ganzem, tiefstem Herzen den Dank aussprechen für die liebenswürdigen und beredten Worte des Grußes, die soeben an mich ergangen sind. Mir ist es eine große Freude, meine Herren, wieder unter Ihnen zu sein und mit Ihnen diesen schönen Tag verleben zu dürfen und mich zu überzeugen, wie das Verständnis und die Passion für den Segelsport vorwärts geht und wie aus dem Gebiete des Jachtbaues und der Jachtflotte, die an den Start sich drängt, wie von Jahr zu Jahr, so auch in diesem wieder bedeutende Fortschritte zu verzeichnen sind. Es ist in der freundlichsten Weise darauf Bezug genommen worden, daß die schöne Jacht, die den Namen der mächtigen Hansastadt Hamburg trägt, und die zum erstenmale sich aus der Elbe gezeigt hat, meiner Initiative zu danken ist. Das ist wirklich zuviel gesagt, denn es steckt in den Hansastädten und zumal in Hamburg so enorm viel Initiative, daß, wenn man bloß den leisesten Hinweis gibt, so geht auch schon die hanseatische Unternehmungslust ihren Weg und weiß ihren Weg zu finden. Es ist mir eine besondere Freude gewesen, die heutige Regatta mitsegeln zu können. Es ist das erstemal, daß ich mit einem ebenbürtigen, gleichartigen Gegner zu kämpfen hatte und, ohne diese unangenehme Bestimmung der Zeitvergütung empfin- zu müssen, unter der ich Jahre lang gelitten hatte. Die Herren, die bisher den Vorteil davon gehabt hoben, werden das vielleicht nicht io begreifen, aber angenehm ist es doch, wenn man einen ebenbürtigen Gegner hat, zumal, wenn sich aus des Deckes Planken das Staatsoberhaupt von Hamburg bewegt, der heute zum erstenmale sich der Elbe vermählt hat. Es ist sodann erwähnt worden, daß der neue Hasen meinen Namen bekommen hat. Ich bitte, auch dafür den herzlichsten Dank aussprecheu zu dürfen. Es ist eine imposante, gewaltige Anlage und was mich bei derselben am meisten gefreut hat, ist, zu hören, daß sie schon wieder zu klein ist. Möge das stets so in Hamburg der Fall sein. Da wir nun von Schiffahrtsinteressen sprechen, so ist es am heutigen nur eine Freude, auch eines Ausbaues derSchisfahrtsinteressen zu gedenken, der in alle Zukunft mit dem Namen .Hamburgs sich rühmlichst verknüpfen wird. Vor wenigen Jahren hatte ich auf einem Schiffe der Hamburg-Amerika- Linie hamburgischen Mnnern, von denen leider einige schon heimgegangen sind, die Idee nahegelegt, auch für unsere Handelsflotte zu einer Sicherheitsmarke za kommen. Nach unendlichen Mühen und selbstloser, hm- aebender, stiller Arbeit ist das große Werk gelungen und unsere Haudelsslotte steht nun bald vor dem Augenblick, wo für sie die Marke eingeführt wird, und ich glaube im Sinne Ihrer aller zu sprechen, die mit den Interessen unserer Haudelsschisfahrt verknüpft find, und ine wissen, was für chic Bedeutung in dieser Marke liegt, wenn ich demjenigen der sich in außerordentlicher Hingabe und regstem Eifer und unermüdlichem Fleiß dieser Arbeit unterzogen hat, unseren herzlichsten und tiefgefühltesten Dank aus- spreche.
Mein lieber Krogmann! Ich hoffe, daß, wie dieses große Werk den uneingeschränktesten Beifall von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gufenden hat, es dazu beitragen wird, die absolute Zuversicht in die Sicherheit unserer Schiffe und die Ehrlichkeit unserer Reeder zu setzen. Ich hoffe, daß mit dieser Marke der Name Krogmann und Hamburg sich verbinden wird. Ich möchte den Akt des Dankes nicht schließen, bis ich auch Ihnen von hier aus ein Zeichen meiner Anerkennung überreicht habe. Ich überreiche Ihnen hiermit als Zeichen meines Dankes den Kronenorden 2. Klasse, und hoffe, daß Sie denselben lange Jahre mit Ehren tragen mögen, und daß die Seeleute, Kapitäne sowohl wie Mannschaften, sich stets Ihres Namens mit Dank erinnern werden. Alles, was ich sonst auf dem Herren habe, fasse ich zusammen in den Ruf: Hamburg, der Norddeutsche Regattavereiu und die Amerika-Linie hurra, hurra, hurra!
Zur Stichwahl.
Die „Deutsche Volksmacht" der Herren Hirschel, Bindewald und Konsorten veröffentlicht in ihrer neuesten Nummer ein gar niedliches Artikelchen, aus dem wir nur folgende der markantesten Stellen zur allgemeinen Erbauung und Belustigung und zur Charakterisierung jener Herren hier herausheben wollen:
Die goldene und die rote Internationale ringen um den Sieg. . . . Alle zielbewußten Parteigenossen stimmen mit Bürgermeister Köhler darin überein, daß es uns gleichgültig sein kann, ob ein Vertreter der roten oder der goldenen Internationale in den Reichstag zieht.
Wir haben in diesem Wahlkamps gezeigt, daß uns nicht Parteiegoismus leitet, indem wir in Kreisen, wo wir eine bedeutende Anhängerschaft besitzen, die Nationalliberalen unterstützt haben, weil die detr. Kandidaten dem Bauer das Seine gönnen und in diesem Sinne wirken.
Anders liegen die Dinge in Gießen; unter der Protektion unseres Erbfeindes, des hohen Beamtentums, kam dort eine Vereinigung zustande zu dem ausgesprochenen Zwecke, den B a .. e r n st a n d seiner Vertretung zu berauben. Für liberale uud Freisinnige in Gießen war das Einende: Der Haß gegen den Bauernstand!.. Uebrigens kommt es jetzt aus einen Sozialdemokraten mehr oder weniger auch nicht an, nachdem die Politik, deren Vertreter Heyligenstaedt ist, solche in schwerer Menge geschaffen hat.
Also, um mit dem letzten Scherze zu beginnen, die Politik, deren Vertreter Heyligenstaedt ist, habe die Sozialdemokratie geschaffen! Das sagen jene Herren einem Manne nach, dessen Wohlfahrtseinrichtungen in seiner Fabrik von seiner Arbeiterschaft öffentlich in Wählerversammlungen in Nachbardörfern dankbar anerkannt worden sind. Sprach sich doch in einem Orte der Rabenau ein Heyligenstaedtscher Arbeiter öffentlich auf das entschiedenste gegen falsche sozialdemokratische Behauptungen über die Verhältnisse in der Heyligenstaedt'schen Fabrik aus! Warm trat dieser Mann für seinen Brotgeber, der ihm und feinen Genossen stets nur Gutes getan hat, ein! HerrHeyligenstaedt übt Wohltaten auf Wohltaten an seinen Arbeitern wie deren Angehörigen und kargt nie, wenn er erfährt, daß andere darben, seien sie nun seine Angestellten oder Hinterbliebene von diesen, oder ihm gänzlich Fremde. Er vermeidet dabei aber alles protzenhafte Heroorkehren seiner Mildtätigkeit und wirkt im Stillen. Das aber ist echter Liberalismus, der Versuch der Versöhnung materieller Gegensätze! — Den Liberalen allein hat die deutscheArbeiterschaft die Arbeiterschutz-Gesetzgebung zu verdanken und den die berechtigten Wünsche der Arbeiterschaft wohl verstehenden und sie nach aller Möglichkeit berücksichtigenden Bundesregierungen. Also der Liberalismus und die Regierungen tun nach Kräften das Ihre zur Hintanhaltung der immer übermäßiger werdenden Forderungen der Arbeiterschaft, während die meisten anderen Parteien aufs schroffste allen Arbeiterforderungen gegenüberstehen und so das Anwachsen der Sozialdemokratie mit allen ihren Kräften fördern. Indem jetzt der Hess. Landtagsabgeordnete Hirschel in seinem Blatte die Kandidatur Heyligenstaedt bekämpft und fast direkt mit dürren Worten für die Sozialdemokratie eintritt, bestätigt er die Richtigkeit des schönen alten Erfahrungssatzes: „Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber!" Wenn er dabei nach „berühmten" Mustern ganz ohne jeden Grund die hessische Beamtenschaft den „Erbfeind" des Bauerntums nennt, so befleckt er sich und seine Gefolgschaft damit in schlimmster Weise. Ueber alle anderen Injurien des Herrn Hirschel, die hier zu erwähnen unnütz ist, gehen wir lächelnd hinw"g. Ebenso ungehörig und gänzlich unerweislich aber ist die Bemerkung, der Liberalismus hasse den Bauernstand. Das Gegenteil ist der Fall! Der Liberalismus bemüht sich unausgesetzt, dem Bauernstand auf die Beine zu helfen, nach besten Kräften, soweit irgend die Lebensbedingungen der Gesamtheit das zulassen. Der Liberalismus „haßt" weder rechts noch links, handelt vielmehr nach der guten alten staatsmännischen Devise: Jedem das Seine! Gebt dem Bauer, was des Bauern ist, und dem Arbeiter, was des Arbeiters ist, aber auch dem städtischen Bürger, was des Bürgers ist!
Das hat Herr Heyligenstaedt allenthalben und stets auf das bestimmteste betont, daß er den bäuerlich en Interessen dienen will, in soweit den anderen Ständen dadurch kein wesentlicher Abbruch geschieht! Und Herr Heyligenstädt ist ein Mann, dem man v ertrauen darf. Maser
verspricht, das hält er nach dem Grundsätze: Ein Mann ein Wort! Der Bauer also, der nicht Herrn Heyligenstaedt, sondern den Sozialdemokraten wählt oder, was auf dasselbe hinauskommt, sich seiner Stimme bei der Stichwahl morgen enthält, versündigt sich nicht nur gegen Kaiser und Reich, sondern schädigt sich selber aufs empfindlichste, denn von der „roten Internationale" hat er nichts als Hohn und Spott, von der „goldenen" indessen, um das scherzhaft verkehrte Wort deS Herrn Hirschel zu gebrauchen, treue und nutzbringende Unterstützung zu erwarten!
Der Liberalismus, und mit ihm Herr Heyligenstaedt, will Förderung des Bauerntums durch Förderung der Viehzucht, durch Verbilligung der Futtev- mittel, durch Reform des Hypothekenwesens, das heute den einzelnen Bauer in di" Hände der Ausbeuter führt. Er will Befreiung des Mittelstandes von drückenden indirekten Steuern (Bier, Tabak) und Verbesserung der Versicherungsgesetzgebung, die heute den Heinen Landwirt und den Handwerker belastet.
Er will eine Zollpolitik, die die Rohstoffe und Maschinen für Handel und Gewerbe n'cht verteuert, die die Exportindustrie fördert und damit deren drohende Konkurrenz für den Kleinbetrieb fern hält.
Darurü auf zur Wahl des Herrn Heyligenstaedt!
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Aus der Laubacher Gebend wird uns geschrieben: Eine, rege Wahlagitation macht sich hier bemerkbar. Liberale und Sozialdemokraten halten überall Wahlversammlungen ab. Die Sozialdemokraten bemühen sich aufs äußerste, die Landwirte gegen Heyligenstaedt aufzuhetzen, finden aber nur bei wenigen, fast nur jungen Leuten, Anhang. Aeltere, besonnene Leute haben längst in der Sozialdemokratie den größten Feind der Landwirtschaft erkannt. Die Versammlungen des Herrn Heyligenstaedt find sämtlich sehr stark besucht. Das Programm desselben wird stets mit großem Beifall aufgenommen, sodaß in unserer Gegend wohl fast alle Landwirte — entgegen anderen Winken — für bett bürgerlichen Kandidaten Heyligenstaedt eintreten werden.
Aus dem Wahlkreis Alsfeld-Lauterbach- Schotten schreibt man uns: Unser liberales Wahlkomite war in den letzten Tagen außerordentlich rührig bei der Arbeit. In den verschiedensten Orten wurden Wahlversammlungen abgehalten, und man ist der gewissen Zuversicht, daß unser Wahlkreis erfreulichen Fortschritt zeigt und den mittelalterlichen Antisemitismus mit seinen Abgeschmacktheiten als überwunden über Bord wirst. Man betrachtet Wallaus Wahl entschieden als gesichert, zumal man sich der gewissen Hoffnung hingiebt, daß die christlich, sozial en Wähler in Laubach und Umgebung und namentlich deren Führer sich jetzt doch eines besseren besonnen haben dürften, nachdem sie den Schacherhandel vernommen haben, den die Bindewaldsche Partei mit den Sozialdemokraten des benachbarten Wahlkreises Gießen beabsichtigte. Es wäre doch wahrlich unerhört, wenn sich in der Wahlurne die Stimmen der streng kirchlichen Christlich-Sozialen mit denen der kirchenfeindlichen Sozialdemokraten auf ein und denselben Abgeordneten vereinigen würden, zumal auf den Herrn Bindewald, der sich in Gemeinschaft mit seinen Agitatoren durch so unfeine Kampfesweise auszeichnet. Wir halten eine solche Abstimmung einfach für unmöglich, weil vollständig widersinnig. Vertrauen wir auf den vornehmen Geschmack und die edle Gesinnung aller Wähler!
Mainz, 23. Juni. Entgegen dem Beschlüsse des natio» nalliberalen Landesausschusses hat die hiesige national- liberale Partei in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, in der Stichwahl nicht für den Zent rums kandidaten Dr. König einzutteten, sondern es jedem national- liberalen Wähler zu überlassen, demjenigen Kandidaten seine Stimme zu geben, den er für den besten Vertreter des Wahlkreises halte.
In W o r m s hat das Komitee der Vereinigten Liberalen für die Stichwahl zwischen Heyl (nationalliberal) und Blum (Zentrum) Wahlenthaltung proklamiert. Auch die Sozialdemokraten haben Wahlenthaltung beschlossen. In Frankfurt a. M. beschloß der Nati onalliberalc Verein fast einstimmig, bei der Stichwahl für den Demokraten Bruck gegen den Sozialdemokraten Schmidt einzutreten.
Im Hanau er Wahlkreise entfielen auf Hoch (Soz.) 15470, auf Dr. Lucas (Nl.) 9762, auf Küstn er (Fr. Vp.) 1865, auf Müller (Ztr.) 4814 und auf Hirschel (Antts.) 517 Stimmen.
In Frankfurt a. M. fordert der antisemitische deutsche Verein die 4500 antisemitischen Wähler auf, bet der Stichwahl zu Hause zu bleiben, da es ihnen die Demokraten und Freisinnigen durch Aufstellung eines i üdi- sch en Kandidaten unmöglich gemacht hätten, ihre Stimme gegen die Sozialdemokratie abzugeben.
Im Wahlkreise Marburg steht bekanntlich v. Ger lach (national-sozial) in Stichwahl mit dem Konservativen und Bündler v. Papp en heim. Wie nun der „Frkf. Ztg." von vertrauenswürdiger Seite berichtet wird, haben die Sozialdemokraten des Wahlkreises, die in der Hauptwahl 1500 Stimmen erhalten haben, mit 8/4 Majorität beschlossen, sich bei der Stichwahl zwischen v. Gerlach und Pappenheim der Abstimmung zu enthalten, weil sie fürchten, wenn Gerlach diirchkäme, ihn später nicht verdrängen zu können. Dieser wahre Grund wurde allerdings nicht angegeben, sondern es wurde das Verhalten der National-Sozialen zu


