Ausgabe 
25.4.1903 Zweites Blatt
 
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der Saison, die überlustige Operette von ZiehrerDie Landstreicher" heraus, für Gienen Novität. In dieser Operette haben Komponist wie Textdichter das Tollste geleistet, was eine humorvolle Phantasie erfinden kann. Das Steinertsche Ensemble hatte mit der Darstellung der Landstreicher stets die stürmischsten Lacherfolge. Die Stollen sind mit den ersten Kräften beicht. Besonders aufmerksam machen wir auf den dritten Akt, in welchem unsere beliebte Soubrette Mizzi Bartl Lieder von Loschat mit eigener Zitherbegleitung vortragen wird.

* Gesellschaft für soziale Reform. Der Vor­hand der Sektion Oberhessen der Gesellschaft für Soziale Re­form hält am 2. Mai im Hotel Trapp zu Friedberg eine Sitzung ab. Am selben Abend findet dort eine öffentliche Versammlung statt, in der Rechtsanwalt Dr. Fuld aus Mainz über daS .Kinderschutzgesetz" sprechen wird. (Für Ende Mai ist eine öffentliche Versammlung in Gießen m Aussicht ge­nommen. Die Red.)

** Omnibusoerkehr Kanalisation. Wir waren in der Lage kürzlich unsere Leser über bevorstehende Aenderungen im Omnibusbetrieb bezw. Verlegung der Linien zu unterrichten, uno können heute wieder eine Ver­legung des Lmnibusvcrkehrs mitteilen. Die Wagen der Linie Ä (Marburgerstraße) fahren bis auf Weiteres, wegen Sperrung der Walltorsiraße durch Asterweg, Schott- straße, Stein st raße und umgekehrt; die Wagen der Linie B. (Grünbergerstraße) nicht mehr durch die Süd­anlage sondern Bahn Hof st raße, Westanlage, Reu­st ad t, Markt u. s. f. und umgekehrt. Die Annahmen der Gesellschaft sollen durch die,e Aenderungen sehr be­einträchtigt werden. Wir werden in der nächsten Nummer einen eingehenden Geschäftsbericht der Omnibus-Gesellschaft bringen, der gewiß nicht nur die Mitglieder der Gesell­schaft sondern auch weitere Kreise interessiert.

y. Papstjubiläum. Man schreibt uns: UeberauS selten ist eS, daß ein Papst 26 Jahre regiert. In der langen Reihe der Päpste haben bis jetzt nur drei ihr silbernes Ju­biläum feiern können: der hl. Petrus im Jahre 67, PiuS IX. im Jahre 1871 und Leo X11L am 20. Februar bezw. 3. März 1903. Der 20. Februar ist der Wahltag, der 3. März der KrönungStag. Allenthalben auf dem ganzen Erdkreise haben anläßlich dieses Ereignisses kirchliche, und an vielen Orten, nauientlich in den Städten, auch weltliche Feiern stattgefunden. Da in hiesiger Stadt eine weltliche Feier an den Jubiläumstagen selbst nicht möglich war, wird dieselbe morgen Sonntag abends 71/, Uhr in Steins Garten nachgeholt werden. Die Vorbereitungen und zugesagten Mit­wirkungen berechtigen zu der Annahme, daß dieser Feier ein schöner und erhabener Verlauf gesichert sein wird.

* Ein Besuch im Hühuerbaus. Man berichtet uns einen drolligen Vorfall, der sich jüngst im Städtchen Staufenberg ereignete. Ein Einloohner vernahm ein seltsames Geräusch in seinem Hofe und begab sich yeraus, um nachzusehen. Aber wie erstaunte er, ote er vor dem Hühnerhause aukam und einen Besucher darin gewahrte, der seinen Rüssel am Hühnerschlag herausstreckte. Die Sache klärte sich bald auf. Das Hühnerhaus befindet sich über dem Schwcinestall und der darin hausende IV-jährige Eber batte über ein herabhängendes Brett einen Spaziergang in die 2. Etage unternommen. Rur mit vieler Mühe und nach langem Zureden gelang eS endlich das Tier zur Rück­kehr in sein tiefer liegendes Revier zu bewegen. Es wird niemand auffallen, daß auch die Hühner, und besonders der Hahn, über den borstigen Besuch sehr erstaunt waren und ihre Verwunderung durch lautes Gackern kmidgaben.

Rieder-Ofleiden, 24. April. Wieder hat die Ohm ein Opfer gefordert. Herr Metz, Besitzer der Ohäuser Mühle bei Schweinsberg, derselbe, bei dem durch den kürzlichen Brand Scheuer und Stallungen in Asche liegen, kehrte Dienstag abend gegen 10 Uhr nach Hause. Sein Weg führte an der nahen Ohm entlang uni) mag es der herrschenden Dunkelheit zuzukchreibcn sein, daß er in den Fluten umkam. Des Morgens fand man ihn in der Mhe des Ufers t o L Sein Sohn wurde hiervon telegraphisch be­nachrichtigt. Vor 14 Tagen wurde das Anwesen an ihn Über sch rieb en. ^,Alsf. Zig.")

ng. Groß-Felda, 25. April. Kürzlich wurde das ton den Ingenieuren Schäfer uiib Sch linke in Halle aus- gearbeitcte Bahiiprojek t Ehringshausen-Groß- Fe lda - Ulrichstein der Grvßh. Regierung vorgelegt, welche eine sorgfältige Prüfung des Projekts zusayte. Ein hiesiger Eiiuvohner, der eine Scheuer bauen will, er­öffnete aus sachverständigen Rat hin aus seinem Grundstück am benachbarten Weidenberg einen Stein bruch und hatte das Glück, ein Lungsteinlager von vorzüglicher Qualität bloßzulegen.

() Friedberg, 24. April. Die Errichtung einer alkoholfreien Wirtschaft ist hier geplant. Im nahen Ossenheim wird demnächst mit der Erbauung eines Pfarrhauses begonnen werden. Durch den genehmigten Neubau einer Kreisstraße von Groß-Karben nach Kaichen wird einem längst gefühlten Bedürfnis Rech­nung getragen. Die Kosten belaufen sich auf 88 000 Mk., wovon 38000 Mk. aus die Gemarkung Groß-Karben ent­fallen. In Reichelsheim feierte heute der Post- verwalter Zinser sein 25 jähriges Amtsjubiläum.

.) Ehringshausen, Kreis Alsfeld, 24. April. Lehrer Hünergarth feiert am 16. Mai sein 50jähriges Dienstjubilaum. Der Jubilar trat am 4. April 1853 in den Schuldienst und nnrlte in den Orten Heilbach Heidelbach und hier. Er ist 70 Jahre alt und versieht sein Amt noch vollständig bei lörverltcver und geistiger Frische.

fc. Mainz, 24. April. Dem Krrminallchutzmann Gg. Korn hier wurde vom Oberstaatsanwalt Dr. Schmidt für seine bei der Verhaftung des Sponsheimer Raub­mörders geleisteten Dienste besonderes Lob gespendet und mitgetcilt, daß von der ausgesetzten Belohnung von 500 Mark aus ihn 120200 Mart fallen würden.

fc Worms, 24. April. Im Rhein wurde gestern von hiesigen Fischern ein Z a n d e r im Gewicht von I81/3 Pfd. gefangen. Das prächtige Exemp.ar wurde an die Hoskuche nach Darmstadt gesandt, um aus der Tafel des Groß- Herzogs, des Protektors des Fischereivereins, zu er­scheinen.

Weilburg, 24. April. Der Erbohrcr deS DelterS- Sprudel Augusta Viktoria, Bauunternehmer Deißmaiin, hat in der Gemarkung Löhnberg bei einer Tiefe von 130 Meter einen mächtigen Kohlensäure-Sprudel erbohrt, der gestern Mittag mit großer Gewalt zutage kam.

Hornburg, 24. April. Der Eroquetklub beab­sichtigt, auf seinem im Kurpark gelegenen Spielplatz em Klu 0 hauS in Gestalt einer antiken römischen Villa zu erbauen. Die Entwürfe hierzu, die der bekannte Archäologe und Wiedererbauer des ^aacourgkastells, Laurat ^acobi, gemacht hat, haben dem Laiser vorgelegen und fdü> von -üyn durch eigenhändige Aufschrift auf die Zeichnung ge­

nehmigt worden. Die Villa soll genau nach den Heber- resten der vor dem Saalburgkastell neben der Porta decu- mana gelegenen Villa Caracalla erbaut werden und so als Ergänzung der Wiederherstellung des Römerkastells dienen. Tas eigenartige Klubhaus wird voraussichtlich den Großen Sportklub beherbergen, der aus der Vereinigung des Cro- quetklubs (gegründet 1U01 auf Anregung König Eduards von England) und des seit 1899 in schönster Blüte stehenden GolfllubS entstehen dürfte

fc Eronberg, 24. April. Sonderbare Schwärmer sind die hiesigen S t a d t ve r 0 rdn e t e n. Sie haben, wie derTaunusbote" mitteilt, auch in diesem Jahre wieder die Erhebung von 200 Prozent Grundsteuer beschlossen, wäh­rend der Magistrat nur 100 Prozent beantragt hat. Jetzt wird der Bezirksausschuß zu entscheiden haben, wenn die Stadtverordneten an ihrem Beschluß festhalten.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Bersrod versiacb der frühere Büigermeister und Orisgerichtsvorftch^r Johann Jakob Löcher im Alter von 73 Jahren. B. trat voriges Jahr vom Amt eines Bürgermeisters zurück, das er 18 Jahre lang be­kleidet hatte Merkwürdigerweise ist nach seinem Ableben infolge des Parteihasses noch fein Nachfolger vorhanden, obtvohl schon mehrere Wahlen stallfanden.

Alllft oder

London, 22. April.

In London bildet der sensationelle Eheroman der Gräfin Mabel Edith Russell das hervorragendste Tages­gespräch. Die von dem Range einerPrinzessin de Nkodena" plötzlich zurFrau Brown" reduzierte Dame hat damit ein Mißgeschick ereilt, das ihr die Sympathie vieler Kreise verschafft. Brown wird als ein hübscyer, athletischer Mann geschildert. Er besaß gute Umgangsformen, die er sich wahrend seiner zwölfjährigen Tätigkeit als Lakai und Page in guten englischen Däusern angeeignet hatte. Er lernte [eine Gemahlin gelegentlich der Henley-Regatta kennen, ließ ftch als ein Sohn des österreichischen Kaisers einführen, und erzählte im Laufe späterer Unter Haltungen, daß er im April d. I. ein Einkommen von 000 000 Mark jährlich haben würde Muller unb Tochter schenkten ihm Glauben, fein Antrag wurde dankend acceptiert und in eine Geheimtrauung eingewilligt. Im 9kovember vorigen Jahres fiedelten die Beteiligten nach Southsea über, wo m einem der größten und feinsten Hotels Zimmer bezogen wurden. DerPrinz" lebte dort als Gast der Lady Sott, der Mutter der Gräfin Russell, und am 19. Dezember fand die Trauung aus dem Standesamte statt. Die englischen Behörden müssen wenige Tage daraus auf den Vorgang aufmerksam geworden fein, denn seit etwa sechs Wochen wurde Brown durch Geheimpolizisten eifrig gesucht. Er beschreibt fein Alter verschieden, einmal als 29, und das anberemal als 31 Jahre Sein Vater ist Kutscher....

Die nunmehr zur einfachen Frau Brown umgefattelte Gräfin Russell trat in der Zell, wo das Ehescheidungsver­fahren gegen ihren Gallen schwebte, als Sängerin in Spezicr- litätentheatem auf, uiU> im LondonerTivoli" errang sie durch den Vorllag einiger englischer Gassenhauer großen Erfolg. Die Dame ist ellva 30 Jahre alt Sie heiratete den Grafen Russell, den Enkel des berühmten Lord John Russell im Jahre 1890. Schon ein Jahr daraus suchte sie eine Trennung nach^ und ein volles Jahrzehnt schwebte das Verfahren, bis Graf Russell sich entschloß, den gor­dischen Knoten dadurch zu lösen, daß er eine andere Dame, die Gattin seines Freundes, in den Vereinigten Staaten heiratete Darauf eine Doppelscheidung und eine Ver­urteilung des Grafen wegen Bigamie zu Gesängnishaft erster Klasse im Londoner Holloway-Gefängnisse. Vordem halte sich bereits Lady Scoll wegen Beleidigung chres gräf­lichen Schwiegersohnes eine Gefängnisstrafe zugezogen, die die Jury, mit Rüctsichllrahme aus die gesellschaftliche (Stell­ung der Beklagten, ohnehardlabour" bemaß. Frau Browns alias Gräfin Russells Mädchenname ist Mabel Scott. Ihr verstorbener Vater wurde in den Trauungs­dokumenten als einunabhängiger Gentleman" bezeichnet. Muller und Tochter haben sich aus chren Landsitz nach Bray Lawn zurückgezogen.

Vermischtes.

Hannover, z-L April. In Linden wurden heute die Eheleute Kahle wegen Lindesmords verhaftet. Die im Alter zwischen 40 und 50 Jahren stehenden Eheleute hallen chr neugeborenes Kind indenAbort geworfen, well sie Svöttereien seitens ihrer Hausgenossen wegen dieser späten Geburt befürchteten.

* München, 24. April. Ein seit langem an der hiesigen Hosbuhne engagiertes Mitglied des Schauspiels Herr v. P. ist vor acht Lagen stillschweigend entlassen worden. Es handelt sich wie wir hören, um Eigen- turns-Delikte, begangen an Kollegen, sowie um andere unlautere 'Manipulationen.

Nürnberg, 24. April. Auf der Strecke Nürnberg- Fürth ist in der Station Neubäu ein Personenzug en tg lei ft Der Mafchinenführer blieb auf der Stelle tot, der Heizer erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald daraus starb. Ein Postwagen wurde umge­worfen. Die Postsachen erlüten Se)cl)äbigungen. Ein Per­sonenwagen wurde total zertrümmert Ein Teil der Post­sachen wurde vernichtet

* Kopenhagen, 24. April. Der norwegische Schuner Halbmond" ist in der Nordsee untergangen. Fünf Mann sind ertrunken.

* Wien, 24. April. In das Palais des deutschen Generalkonsuls Freiherrn v. Liebig wurde in der vorletzten Nacht ein Einb r uch verübt Antiquitäten, Uhren und kleinere Juwelen im Werte von 6000 Kronen wurden gestohlen.

* Zell am See, 24. April- Seit gestern wütet hier ein furchtbarer Südsturm. Der See geht mit stockhohen Wellen. Die Dächer mehrerer Villen wurden abgetragen. Leim Strandhotel, welches am See liegt, haben such bedenk­liche Erdsenkungen gezeigt

* Grohw ordern, -4. April. Der Wald des lateini­schen Domkapllels wurde von unbe tonnt en Tätern in Brand gesteckt Die Gendarmerie wollte die Ortsbewohner zur 23ranuLÖiajung auffoibern, wuroe jedoch ton ihnen tät­lich angegriffen und mußte in das-uihuuS fiüouen. Als die Excedenten die Schuie angreifen wollten, gab die Gen­darmerie Feuer, wobei eine Person getötet und mehrere verwundet wurden. Eine strenge Untersuchung ist einge­leitet

1 Die Strafbarkeit des Homoiexualismus. Aus Berlin wird gemeldet: Am 21. d. M. fand eine große öffentliche Volksoerfammliing slall, die sich mit dem § 175 deS Str. G. B. (Sllasbarlei? des Homosexualismus) tefchäfligte. Der Linherufer dieser Versammlung, ein Distriklsarzt a. D. v. Lppel, beleuchtete in fast zweistündiger

Rede die sexuellen Zustände des Altertums, des Mittel­alters und der Neuzell und kam zu dem Ergebnisse, daß gerade der Gegenwart die Aufgabe erwachse, auf den Staat hinzuwirken, daß der § 175 aufgehoben werde, der dem geldgierigsten Erprcsserrum Tür und Tor öffne. An der an den Vorllag sich anschließenden Diskussion beteiligten sich auch zahlreiche Gegner der Beseitigung des § 175, die vom medizinischen, puristischen und religiösen Stand­punkt die Unhaltbarkell der Ausführungen des Vortragen­den darzulegen suchten. Eine zweite öffentliche Volksver­sammlung wird am 28. d. M. in Eharlollenburg abgehalten werden.

* Die Spandauer Train-Kaserne wurde von einer Feuersbrunst heirngesucht, die das Stallgebäude in Asche legte

Prinzessin Luise. Entgegen anders lautenden Mitteilungen ist, wie aus Salzburg telegrafiert wird, zu konstatieren, daß eine Aussöhnung zwischen dem Großherzog von Toskana und der Prinzessin Luise tatsächlich ;chon vor längerer Zell erfolgte. Das Groß- herzogliche Paar hätte sogar der Prinzesjui den Aufenthalt in Salzburg gestattet, wenn dies nicht mit Rücksicht auf die Schwestern der früheren Kronprinzessin von Sachsen un­möglich wäre.

* Eine halbe Mill ion anvertrauter Pri- vatgelderande rBörsever spielt. In Brünn fand die Beerdigung des plötzlich Derjiotbenen ^vokalen De Adolf I e 11 e n i k statt. Bei der Kassenbeslandsausnahnie in seiner Kanzlei wurde der Abgang von einer hatven Million Kronen anvertrauter Prwatgelder festgestelll. I. soll das Geld an der Börse verspielt haben.

* Das Recht, zu lachen. Unter der Spitzmarke. Tas Recht, zu lachen, erzählt ein Leser derFranks. Ztg." folgendes amüsante Gescyicytchen, das sich vor Jahren im Darmstädter Hoftheater zugetragen hat. Im Hof- theater wurde ein Trauerspiel gegeben; während das Pu- btikum der ergreifenden Handlung des Stückes mll größter Spannuna folgte, erlaubten sich einige junge Damen und Herren, Die in den oberen Regionen Platz genommen hatten, durch fortwährendes ungebührliches Lachen störend in den Ernst dec Handlung einzugreifen, was allgemeinen Unwillen erregte. Ein Darmstädter Theater-Angestellter er­hielt deshalb den Auftrag, den Lachern Ruhe zu gebieten. Er begab sich zu der Gesellschaft und entledigte ficy seines Auftrages mit folgenden Worten:Heren Se! Do werrd nicht gelacht, wann nit gelacht werrd; wann Se lache wolle, do komme <se, wann gelacht werrd!" Diese laut gesprochenen Worte erregten stürmische Heiterkeit.

Kunst und Wissrnschast.

Berlin, 24. April. Tas .Bert. Tagevt." veröfseMlicht ein ihm von einem fahrenden Eifendahnzuge zwijchen RangSdorff uub Zossen zutetegraphierreS drahtloses Telegramm jemes Be- richlerstallers, welches meldet, daß heule vormniag aut der Strecke BerlinZossen der Rtillläreljendahn feilens der Gesellschaft |üc drahtlose Telegraphie, System Professor Braun-Riemens, m Gegenwart deS Rtajors Friedrich der Eisenbahnbrigade ein »mit drahtloser Telegraphie vom tahrenden Zuge iialtsand.

agebl." fügt hinzu, tue Depesche beweist, daß der Versuch glänzend gelungen ist. Während der Fahrt wurde eine lebhaUe Korrespondenz zwischen den Stationen Atarienfetde und Rangsdorf und dein sahrenden Zuge geführt. Die absolute Verläßlichkeit der Übermittelung wurde leslgestellt.

Weimar, 23. April. In der Generaloerfammlung der deutschen Shakespeare-Gesellschaft hielt Professor Brandl- Berltn auf den verstorbenen Bo rügenden Oechelhauser eine Ge­dächtnisrede. Brandl wurde zum Vorsitzenden gewählt.

S t 0 ck h 0 l m, 24. April. Der Präsident der Gesellschalt für Anthropologie und Geographie teilte in der heutigen Jahressigung mit, daß die Vega-Medaille bem Protepor Frhrn. von R i ch t h 0 f e n in Berlin zugetellt worden fei. Da Richthosen nicht Aiigegen war, empfina der deutsche Kegatwnssekretär Graf Schwerin für Richthosen diese Medaille.

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Gerichtssaal.

Gießen, 24. April. Das Kriegsgericht verhandelte gestern nachmittag gegen den Unteroffizier Schulz 00m 116. ^nt- Regk. wegen Mißhandlung eines Untergebenen. Die Richterbank war roieber so zusammengesetzt wie tags vorher, nur war an Stelle bes Kriegsgerichtsrats Heß-Tarmstabt bet Oderltnt. Schröbe r-Gießen Beisitzer. Unteroffizier Schutz war mit seiner Mannschaft auf ben Trieb gezogen, um sie im Zielen zu üben. Tie Hebung war auf eine Slunbe angefetzt. Schon auf bem Kajernen- hos halte Schulz bem Rekruten Wols besohlen, nach Ankunft auf bem Übungsplatz sich zu melben, roaS bieser auch tat. Watzrenb bie Leute übten, mußte ber Rekrut auf em unb berfeiben eielle etwa 2 Nieter von seinem Vorgesetzten entfernt, mit auSgeiirecktem Gewehr Rumpsbeuge rc. unb nut hochgestreckler Waffe Schlußfprung, bie letztere Prozebur wohl mehr als 10 mal üben. Wolf als Zeuge erklärt, baß er biejen über seine Kräfte geyenben Tieiist ca. 40 Minuten habe machen müssen, er habe mit ber Zell Stechen in ber Brust unb ein Angstgesühl bekommen. Ter Schweiß sei ihm gekommen, er habe bas Gefühl gehabt, baß ihn ber Vorgesetzte nur habe quälen unb peinigen wollen. Nach beenbeiem Dienst fei er mit ben Ratneraben in bie Kaserne abmarschiert, alle Glieber besonbers bie Gelenke, hätten ihn geschmerzt unb er habe auf bem Heimweg einem Kameraben gegenüber gleich sein Leid geklagt. Er habe auch Blut gejpleen unb bieS am anderen Tage ebenfalls mehreren Kameraden gezeigt. Trotzdem, sagte ber^SDlann, habe er geglaubt, bie Sache gehe vorüber unb trotz ber Schmerzen habe er noch zwei Tage Dienst getan, am zweiten Tage sogar einen sehr anftrengenben Uebungtinarsch mit Tornister nach Groß- Rechtenbach mltgemacht. Wolf hat sich dann krank gemeldet und ist Tage im Nazareth gewesen, und als er als gesulid entlassen wurde, hat er sich noch zwei mal krank gemeldet. Der Zeuge er­klärt, selbst heute noch häufig, besonders wenn er sich itretfe, Schmerzen und Stechen in der Brust zu empfinden. Ter Viee- Feldwebel, welcher zur Beaufsicktiguna deS Tienstes der Truppe auf dem Trieb war, aber die Ausbildung von schlechten Schützen dabei besorgte, bcfunbei als Zeuge, baß er nicht gesehen habe, wie ber Unteroffizier Schulz ben Wolf braiigsalierl hat, er betunbei aber auch, baß ber Rekrut Wolf im Allgemeinen em guter Schutze sei. Ein Gefreiter erklärt, baß die fragliche Hebung selbst an bem Tage40 Minuten gebauert habe, er hat etwa eine halbe Slunbe beobachtet wie Wolf übte, Ter Zenge will nicht beinerfr Haden, daß der Rekrut dabei überanstrengt sei, allerdings habe er die Situation aus der Ferne betrachtet. Wolf sei ihm als williger Soldat bekannt. Niedrere Kameraden des mißandelteu Rekruten, welche damals durch Unteroffizier Schulz un Zielen geübt wurden, schildern bie Art, wie WoU üben mußte; ber Mann habe sie gebauert, mit ber Zett sei er im Gesicht kreibebleich ge­worben. Guier ber Zeugen will gesehen haben, wie bem Kameraben bie Tränen über bas Geucht gelaufen feien unb er habe zum Schluß gemeint; em aoberer kann befunben, er fei sich klar gewesen, baß es ihm nicht möglich gewefen wäre, bte stramme Hebung so lange auszuhalten, trotzbein er boch fräuiger sei als Wolf. Stabsarzt Dr. RabunS bemerkt, er habe Wolf tm Lazarett) behanbelt. Der­selbe habe einen chronischen Katarrh gehabt, ben er sich aber nut burch Erkältung zugezogen habe. Er habe Schleim ausgejpieen und barunter fei auch geroiinencd Blut gewesen, bas aber nicht au# ber üunge hergerührt habe. Der Sachocrstänbige halt es für aus­geschlossen, baß burch bte Uchuug ber krankhaste Zustand bei Wols hergerührt habe, baß btesem nach ber burch ben Unteroffizier Schulz veranlagten Uebung bte Gelenke geschmerzt haben, sei begreiflich Würbe oer Zustaub bes ManneS nad) der in Frage fonimenbee Hebung roiruui) so bedenklich gewesen fein, wie ihn derselbe schllderl